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Full text of "Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, im Auftrage der Akademie bearb"

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IHl 


GESCHICHTE 

DER 

KÖNIGLICH  PREUSSISCHEN 

AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN 

zu  BERLIN 


IM  AUFTRAGE  DER  AKADEMIE  BEARBEITET 


VON 


ADOLF  HARNACK 


ZWEITER  BAND 


BERLIN   1900 

GEDRUCKT  IN  DER  REICHSDRUCKEREI 


URKUNDEN  UND  ACTENSTÜCKE 


ZUR 


GESCHICHTE  DER  KÖNIGLICH  PREUSSISCHEN 
AKADEMIE   DER  WISSENSCHAFTEN 


Inhaltsverzeichniss. 


Seite 
I.    Notiz   über   den   Plan    des   Grolsen   Kurfürsten,    eine   europäische  Universität   zu 

stiften  (1667) 3 

2«.  Leibniz,   Notanda   das  Büclier-Commissariat    betreffend,   für   den  Kurfürsten  von 

Mainz  (1668) 4 

26.  Leibniz,  De  vera  ratione  reformandi  rem  literariam  meditationes ,  für  den  Kur- 
fürsten von  Mainz  (1668) 7 

3.  Leibniz,  Gruiidrifs  eines  Bedenekens  von  Aufrichtung  einer  Societät  in  Teutsch- 
land zu  Aufnehmen  der  Künste  und  Wifsenschafften  (1669  70) 8 

4.  Leibniz,  Bedencken  von  Aufrichtung  einer  Acadeniie  oder  Societät  in  Teutsch- 
land,   zu  Aufnehmen    der  Künste  und  Wifsenschaften  (1669  70) 19 

5.  Leibniz,  Consultaiio  de  naturae  cognitione  ad  vitae  usus  promovenda  instituenda- 
que  in  eam  rem  Societate  Gerniana,  quae  scientias  artesque  maxime  utiles  vitae 
nostra  lingua  describat  patriaeque  honorem  vindicet  (1676) 26 

6.  Schluss  des  LEiBNiz'schen  Memoire  pour  des  personnes  eclairees  et  de  bonne  in- 
tention  (undatirt) 34 

7.  Leibniz,  Pro  Memoria  für  einen  brandenburgischeu  Staatsmann,  walirscheinlicli 
Spanheim  (undatirt,  aber  selir  wahrscheinlich  aus  dem  Jaln-e   1694) 35 

8.  Leibniz,  Pro  Memoria  für  einen  brandenburgischen  Staatsmann,  wahrscheinlich 
Spanheim  (undatirt,  aber  sehr  wahrscheinlich  aus  dem  Jahre   1694) 37 

9.  Leibniz,  Pro  Memoria  für  einen  brandenburgischen  Staatsmann,  wahrscheinlich 
Spanheim  (undatirt,  al)er  sehr  wahrscheinlich  aus  dem  Jahre   1694) 39 

10.  Leibniz,  Pro  INIemoria  für  einen  brandenburgischen  Staatsmann,  wahrscheinlich 
Spanheim  (undatirt,  aber  sehr  wahrscheinlich  aus  dem  Jahre   1694) 41 

11.  Leibniz,  Pro  Memoria  über  den  Berliner  Hof  (1696/97) 42 

12.  Aus  dem  Brief  Leibnizbiis  an  die  Kiirfürstin  Sophie  Charlotte  (November  1697)       44 

13.  Leibniz,   Brief  an  die  Kurfürstin  Sophie  Charlotte  vom  4.  December  1697     .     .       45 

14.  Leibniz,  Brief  an  die  Kurfürstin  Sophie  Charlotte  vom  14.  December  1697     .     .       46 

15.  Aus  dem  Brief  LEiBNizens  an  die  Kurfürstin  Sophie  Charlotte  vom  29.  December 
1697 47 

16.  Leibniz,  Memoire  pour  les  deux  Electrices  de  Bronsvic  et  de  Brandebourg  (Fe- 
bruar 1698) 48 

17.  D.  E.  Jablonski,  Brief  an  Leibniz  vom  5.  März   1698 49 

18.  Leibniz,  Brief  an  Jablonski,  Concept  vom  26.  März  1698  (so  nach  dem  Post- 
script)             5^ 

19.  Leibniz,  Brief  an  die  Kurfürstin  Sophie  Charlotte  vom   11.  August   1698  ...       54 

20.  Leibniz,  Brief  an  den  Kurfürsten  Georo  Ludwig  vom   19.  Januar   1699  ....       55 

21.  Leibniz,  Über  einige  von  Erhard  Weigel  vor  den  Reichstag  zu  Regensburg  ge- 
brachte Vorschläge  (1697) 55 

22.  Das    Conclusum    des  Corpus  Evangelicorum   zu  Regensburg,    23.  September   1699       58 

23.  D.  E.  Jablonski,  Unterthänigster  Vorschlag  wegen  Anrichtung  eines  Observatorii 

und  Academiae  Scienciarum  in  der  Chur- Brandenburgischen  Residentz  (März  1700)       58 

24.  D.  E.  Jablonski,  Unterthänigster  Vorschlag,  welcher  Gestalt  allhier  in  Berlin  ein 
Observatorium  und  Academia  Scientiarum  ohne  Abgang  der  Churfürstl.  Inti-aden 
etablirt  und  erhalten  werden  können  (März   1700) 65 

25.  Brief  des  Maitre  des  Requetes  Moriz  v.  Wedel  an  den  Hofprediger  Jablonski 
vom   19.  März   1700 68 


^ö^<^0 


VI  luhaltsverzeichniss. 

Seite 

26.  Leibniz,  Brief  an  den  Hofpredigei'  Jablonski  vom   12.  März  1700 68 

27.  Brief  des  Hofpredigers  Jablonski  an  Leibniz  vom  20.  März   1700 70 

28.  Brief  des  Hofpredigers  \Taelonski  an  Leibniz  vom  23.  März   1700 70 

29.  Leibniz,  Brief  an  Jablonski  vom  26.  März   1700 72 

300!.  LEiBNizeiis  Denkschrift   in  Bezug   auf   die  Einrichtung    einer  Societas  Scientiarum 

et  Artium  in  Berlin  vom  24  6.  März  1700,  vielleicht  bestimmt  für  Jablonski  und 

die  Berliner  Freunde 76 

306.  LEiBNizens  Denkschrift   in  Bezug   auf  die  Einrichtung   einer  Societas  Scientiarum 

et  Artium  in  Berlin  vom  26.  März   1700,  bestimmt  für  den  Kurfürsten   ....       78 

31.  Leibniz,  Brief  an  den  Kurfürsten  Georg  Ludwig  vom  28.  März   1700     ....       81 

32.  Leibniz,  Brief  an  den  Hofprediger  Jablonski  vom  31.  März   1700 82 

33.  Des  Hofpredigers  Jablonski  Brief  an  Leibniz  vom  6.  April   1700 83 

34.  Des  Hofpredigers  Jablonski  Brief  an  Leibniz  vom  21.  April   1700 84 

35.  Unvollendetes  Concept  von  LEiBNizens  eigener  Hand,  Anfrage  an  einen  Astronomen, 
der  nicht  genannt  ist,  betreft'end  die  Erbauung  des  Observatoriums  (undatirt;  aus 

dem  April  oder  Mai   1700) 85 

36.  Unvollendete  eigenhändige  Denkschrift  Leienizciis  (wegen  eines  Observatoriums  in 
Brandenburg)  von)  Ende  April  oder  Anfang  Mai  1 700  (in  der  Abschrift  ist  Mai 
ausgestrichen  und  April  gesetzt) 86 

37.  Kalender-Patent  vom   10.  Mai   1700 87 

38.  Aus  dem  Concept  der  Bestallung  des  ersten  Astronomen  der  Societät,  Gottfried 
Kirch,  vom   19.  April   1700;  die  Ausfertigung  der  Urkimde:   18.  Mai   1700.     .     .       90 

39.  Leibniz,  Eigenhändiges  Concept  zu  einer  Laiterrcdung  mit  dem  brandenburgisciien 
Kurfürsten  (Juli  1700) 90 

40.  Eigenhändiges  Concept  einer  Eingabe  LEiBNizens  an  den  brandenburgischen  Kur- 
fürsten vom  8.  Juli  1700  um  Gewährung  freier  Benutzung  von  Archivalien.     .     .       91 

41.  LEiBNizens  Brief  an  M.  von  Wedel  vom   15.  Juni  1700 92 

42.  Leibniz,  Einige  Vorschläge  pro  fundo  Societatis  Scientiarum  (Juni  1700)     ...       92 

43.  Kurfürstliches  Edict,  wodurch  das  Reisen  der  Jugend  in  auswärtige  Provintzien 
verbothen,  8.  Juli  1700  (nach  Leibnizciis  Entwurf) 95 

44.  Leibniz,  Entwurf  eines  Privilegiums  für  die  Societät  der  Wissenschaften,  auf 
Feuerspritzen 96 

45.  Leibniz,  Entwurf  des  Versuchs  einer  Besteuerung  der  milden  Stiftungen  zum 
Zwecke  von  Missionen  (Juni  1700) 97 

46.  Leibniz,  Entwurf  des  Aufti'ages  eines  Bücher-Conimissariates  u.  s.  w.  für  die  So- 
cietät der  Wissenschaften  (Juli  1700) 98 

47.  Leibniz,  Entwurf  eines  Kur-Brandenburgischen  Befehls,  kraft  welches  der  Societät 
der  Wissenschaften  freistehen  soll,  eine  oder  mehrere  Lotterien  ohne  oder  in 
ilirem  Namen  anzustellen  (Juli  1700) 10 1 

48.  Der  Stiftungsbrief  der  Societät  vom   11.  Juli  1700 102 

49.  Leibniz,  Brief  an  Hrn.  von  Wedel  (Ende  Juni  oder  Anfang  Juli   1700)  ....      102 

50.  General -Instruction  für  die  Societät  der  Wissenschaften  vom   11.  Juli  1700      .     .      103 

51.  Beschreibung  der  auf  die  Stiftung  der  Societät  am  11.  Juli  1700  geschlagenen 
Medaille  nebst  dem  Votiv- Gedicht  LEiBNizens iio 

52.  Leibniz,  Eigenhändiges  Concept  einer  Zusammenfassung  der  bisher  gemachten 
Vorschläge  in  Hinsicht  auf  ihre  Durchführung,  dazu  einige  neue  (wohl  als  Vorlage 

an  den  Kurfürsten  für  H.  von  Wedel  gedacht)  vom  Juli   1700 in 

53..  Eigenhändiges  Concept  von  Leibniz,  betreffend  die  Einrichtung  der  Societät  vom 

Juli  oder  August   1 700 112 

54.  Actenstücke  zu  Leibnizbus  Bestallung  als  Präsidenten  der  Societät  (vom  1 2.  Juli  1 700)     1 1 5 

55.  Concept  von  LEiBNizens  Hand  vom  Anfang  August  des  Jahres  1700  über  den 
Vorschlag  von  Grau,  wissenschaftliche  Vorträge  in  deutscher  Sprache  einzurichten     121 

56.  LEiBNizens  Brief  an  den  Hofprediger  Jablonski  vom  30.  August  1700     .     .     .     .     123 

57.  Epistola  ad  Ainicum  scripta  d.  XVIH.  Octob.  a.  MDCC.  de  instituta  a  Serenissimo 
atque  Potentissimo  Rege  Prussiae  Academia  Scientianun  Brandenburgica.  Berolini, 
literis  Schlichtigerianis   1701 124 

58.  Aus  der  Bestallungsurkunde  für  den  Secretar  J.  Tu.  Jablonski  vom  6.  October  1700     128 


Iiihaltsverzeichniss.  VII 

Seite 

59.  LEiBNizens   und    Friedkich's    des  Grossen  Urtheile    über  La  CnozE     ...  .129 

60.  Leibniz,  Urtlieil  über  die  Astronomin  M.  Kirch 130 

61.  Societatis  Scientiarum  Berolinensis  ad  Fridericum  I  regem  novum  e  Prussia  re- 
ducem  gratulatio  (vom  Jahre   1701,  nicht  datirtj 131 

62.  Formeht  des  Societätsdiploms 134 

63.  Auszuo;  aus  einem  Schreiben  des  Inspectors  und  Predigers  Caspar  Neumann  in 
Breslau  vom  Jahre   1689,  wahrscheinlich  an  Leibniz 137 

64.  Aus  der  Königlichen  Ordre,  betreffend  den  Mittel-  und  Eckpavillon  des  Stall- 
gebäudes, vom  7.  Februar  1701 137 

65«.  Letbniz,  Summarische  Punetation,  die  medicinalische  Observationes  betreffend,  so 

duichsehends  anzustellen  und  beständig  fortzusetzen  sein  möchten   (Winter  1701)      138 

656.  Entwurf  einer  Königlichen  Ordre  zur  vorstehenden  Denkschrift 140 

66a.  Leibniz,  Bedencken,  wie  bey  der  neuen  Königl.  Societät  der  Wifsenschatften,  der 
allergnädigsten  Instruction   gemäfs,  Propagatio   fidei  per  Scientias  förderlichst  zu 

veranstalten.     Erster  Entwurf.     Berlin,  November  1701 141 

666.  Leibniz,  Zweite  kürzere  Ausführung  der  vorstehenden  Denkschrift 145 

67.  Leibniz,  Erzählung  von  der  Absicht  der  preufsischen  Societät  der  Wissenschaften, 
was  sie  bilsher  geleistet  und  wodurch  sie  gehindert  worden,  imgleichen  einige  Vor- 
schläge, was  vor  Fundus  aulser  dem  Kalender-Wesen  ihr  zu  statten  kommen 
könne,  vvobey  nebst  den  piis  causis,  und  was  aus  allerhand  Gnaden -Concessio- 
nibus  fallen  könnte,  ein  aufzurichtendes  Bücher-Commissariat,  Receptur-Büchlein, 
Richtigkeit  von  Maafs  und  Gewicht,  in  Betracht  kommen  (Anfang  1702)     .     .     .     148 

68«.  Leibniz.  Vorschlag  der  Seidencultur  (December  1702) 150 

686.  Vollmacht  der  Königin  für  Leibniz  betreffs  des  Seidenbaues  (8.  Januar  1703)  .     .      151 

69.  Leibniz  an  den  König  Friedrich  L  (Januar  1703) 151 

70.  Leibniz,  Pro  Memoria  betreffs  des  Seidenbaues  (Januar  1703) 151 

71.  Leibniz,  Brief  an  die  Königin  Sophie  Charlotte  vom  8.  Mai  1703 154 

72.  Leibniz,  Brief  an  die  Königin  Sophie  Charlotte  (bestimmt  für  den  König)  vom 

8.  Mai  1703 155 

73.  Leibniz,  Brief  an  die  Königin  Sophie  Charlotte  vom   18.  ^Nlai  1704 156 

74.  Leibniz,  Instruction  pour  la  graine  des  meuriers  blancs 157 

75.  Aus  dem  Brief  der  Königin  Sophie  Charlotte  an  Leibniz  vom  7.  Juni  1704  .     .  157 

76.  Leibniz,  Ohumaassgeblicher  Vorschlag,  wie  durch  allerhand  Königliche  und  gemein- 
nüzige  Concessiones  der  Societät  der  Wissenscliaften  aufzuhelfen.    September  1704  157 

77.  Eingeforderter  Bericht  LEiBNizens,  betreffend  seine  Leistungen  für  den  König  und 

für  Preussen  (Januar  1705) 159 

78.  Leibniz,  Brief  an  die  Königin  Sophie  Charlotte  vom  31.  Januar  1705   .     .     .     .     162 

79.  Leibniz,  Entwurf  eines  Privilegs  in  Betreif  des  Unterrichtswesens  für  die  Societät 

der  Wissenschaften  (10.  Februar  1705) •    .     .     .     .      162 

80.  Leibniz,  Eigenhändiger  Entwurf  eines  Privilegs  der  Eplioria  generalis  für  die  So- 
cietät (uiidatirt) 165 

81.  Schreiben  des  Kurfürsten  Georg  Ludwig  an  Leibniz  vom   15.  November  1706      .      166 

82.  Leibniz,  auf  Begehren  H.  von  Ilgen  zugeschickt  (20.  Januar  1706),  über  Sammlung 

von  Actenstückeii  zur  Geschichte  Preussens 166 

83.  Leibniz,  Vortrag  auf  der  Conferenz- Stube  zu  Berlin  an  die  anwesenden  Associatos, 
welche  sich  der  Rei  Mathematicfe  annehmen  (27.  December  1706)        167 

84.  Leibniz,  Gedanken  auf  was  Art  das  von  L  Kön.  M*  dem  Herrn  von  Leibniz  als 
Pra^sidi  der  Societät  mündlich  agdst.  versprochene,  und  derselben  zu  ertheilende 
Privilegium,  die  Erzielung  der  Manlbeer- Bäume  betreffend,  einzurichten  sey. 
Berlin,  den  20.  Januar  1707 168 

85.  Das  Maulbeerprivileg  vom  28.  März  1707 169 

86.  Leibniz,  Denkschrift   über   die  Abhülfe   von  Wasserschäden  vom  28.  Januar  1707      172 

87.  Geschichte  des  Ankaufs  des  hinter  dem  Stall  gelegenen  Grundstücks  (zur  Woh- 
nung des  Astronomen)   1707  — 1708 173 

88.  Leibniz,  Brief  au  den  König  Friedrich  L  (Berlin,  25.  April  1707) 179 

89.  Die  Societät   an  Bürgermeister   und   Rath   zu  Colin  an   der  Spree.      10.  Mai  1707      180 

90.  Aus  LEiBNizens  Brief  an  die  Kurfürstin  Sophie  aus  der  zweiten  Hälfte  des  Jaiires  1 708     181 


VIII  Inhalrsvcrzeichniss. 

Seite 

91.  Leibniz,  Brief  an  Lord  Raby  aus  der  zweiten  Hälfte  des  Jalires   1708  ....  182 

92.  Königliche    Verordnung,    betreffend    die    Büehercensur    durch    die    Societät    vom 

24.  August  1708 182 

93.  Zum  OELVEN'schen  Handel  (August  bis  October  1709) 184 

94.  Leibniz,    Brief  an    den   König   bei    Überreichung   des    L  Bandes    der   Miscellanea 

(14.  Mai  1710,  aber  abgesandt  im  Juni) 187 

95.  Leibniz,  Vorrede  zum  L  Band  der  Miscellanea,  Praefatio  ad  lectoreni     ....  187 

96.  Die  Gutachten  Leibnizcus   und    der  Societät   über  die  Erfindung  einer  Universal- 
schrift durch  Caspar  Rödeken  (Rödecke,  Rödicke)  (1708  — 171  i) 188 

97.  Neuordnung  des  Präsidentensitzes  (27.  Juni  1710) 191 

98.  Bestallung  für  Hrn.  von  Printzen  als  Praeses  honorarius  der  Societät  (7.  August  1 7 10)  192 

99.  Statut  der  Königlichen  Societät  der  Wissenschaften  vom  3.  Juni  1710     ....  192 

Anliang   zu  Nr.  99:   Ernennung   des  ersten  Fiscals,  W.  Duhram,    bei    der 

Societät  (2i.December  1710) 196 

100.    Leibniz.  Brief  an  die  Kronprinzessin  Sophie  Dorothea  vom  10.  December  1710  .  196 

loi.    Leibniz,  Brief  an  Hrn.  von  Printzen  vom   10.  December  17 10 198 

102.  Printzen's  Brief  an  Leibniz  vom   16.  December  1710 198 

103.  Leibniz,  Brief  an    die  Kronprinzessin   Sophie  Dorothea    vom   17.  December  1710  199 

104.  Leibniz,  Brief  an  Hrn.  von  Printzen  vom  30.  December  17  10 199 

105.  Leibniz,  Denkschrift  vom  Ende  December   17 10 201 

106.  Leibniz,  Brief  an  den  Hofprediger  vom  9.  Januar  171 1 202 

107.  Cereinoniel  der  Niedersetzung  der  Societät  (Januar  1711) 204 

108.  Auf  die  am  19.  Januarii  17 11  vollzogene  Liauguration  der  von  Seiner  Königl. 
^lajestät  in  Preussen ,  etc.  etc.  etc.  höclistlöblich  gestiffteten  Societaet  der  Wissen- 
schaff'ten 204 

109.  Kurtze  Erzehlung  von  der  Stifft-  und  Einsetzung  der  Königlichen  Preufsischen 
Societaet  der  Wissenschafften 205 

110.  Aus  pRisciiens  Brief  an  Leibniz  vom   12.  Januar  171 1 210 

111.  Brief  der  Kurfürstin  Sophie  an  Leibniz  vom   11.  März  1711 211 

112.  Aus  dem  Schreiben  von  Leibniz  an  die  Kurfürstin  Sophie  vom  21.  März  1711     .  211 

113.  Aus  dem  Brief  der  Kurfürstin  Sophie  an  Leibniz  vom  25.  März  171 1      ....  212 

114.  Leibniz  an  den  König  P'riedrich  L  (vom  Ende  März  1711) 212 

115.  Leibniz  an  den  Minister  von  Printzen,  Concept  (März  1711) 215 

116.  Leibniz,  Kurzes  wohl  gemeyntes  Bedencken  vom  Abgang  der  Studien  und  wie 
denenselben  zu  helffen  (14.  May  17  n).  Auf  Begehren  des  H.  v.  Ilgen  k.  Pr. 
Staatsministers  ex  tempore  entworffen 216 

117.  Leibniz,  Antrag  auf  Besteuerung  des  Branntwein-Brennens  zu  Gunsten  der  Ber- 
liner Societät,  3.  April  171 1 220 

118.  Eingabe   der   Societät   (wahrscheinlich    von  Leibniz   verfasst)   an    den  König   vom 

27.  April  171 1 222 

119.  Entwurf  eines  deutschen,  von  der  Preussischen  Societät  der  Wissenschaften  heraus- 
zugebenden Wörterbuchs,  verfasst  von  D.  E.  Jaelonski  (17 n) 223 

120.  Auszüge  aus  den  Acten,  betreffend  das  Verhältniss  der  Societät  zum  Theatrum 
Anatomicum  und  zur  Academia  Medico-Chirurgica 225 

121.  Eingabe  des  Directoriums  der  Societät  au  den  König.     21.  November  17 14      .     .  229 

122.  Ordre  des  Königs  an  die  Societät  vom  29.  November  1714 230 

123.  Aus  der  Eingabe  des  Directoriums  der  Societät  an  den  König  vom  7.  December  1714  231 
124.-  Aus  Leibnizcus  Brief  an    die  Königin  Sophie  Dorothea    vom  30.  December  1714  231 

125.  Der  Brief  des  Hofpredigers  Jablonski  an  Leibniz  vom  30.  März  17 15      .     .     .     .  232 

126.  Der  Brief  des  Secretars  Jablonski  an  Leibniz  vom  6.  April  17 15 232 

127.  Der  Brief  Leienizcus  an  Printzen  vom   15.  October  17 15 232 

128.  Der  Brief  Printzen's  an  Leibniz  vom  5.  November  17 15 232 

129.  Der  Brief  LEiBNizens  an  Printzen  vom   19.  November  17 15 232 

130.  Der  Bericht  des  Hofpredigers  Jablonski  an  Printzen  vom   11.  December  1715      .  232 

131.  J.  P.  Gündling's  Bestallung  zum  Präsidenten  der  Societät  vom  5.  März  1718    .     .  232 

132.  Bestallung  des  Graben  von  Stein  zum  Vicepräsidenten  der  Societät  vom  19.  Ja- 
nuar 1732 233 


Iiihaltsverzeichniss.  IX 

Seite 

133.  Königliche   Ordre   an    die   Societät,    betreffend   das   Theatruni    Anatomicum    vom 

15.  Mai  1717 235 

134.  Ordre  an  die  Societät  in  derselben  Angelegenheit  vom   14.  August  1717  .     .     .     .     235 

135.  Ordre  an  die  Societät  in  derselben  Angelegenheit  vom  20.  November  1717       .     .     235 

136.  Königliche  Ordre  an  die  Societät  betretfend  den  Hopfengarten  (vom  2.  April  17 18) 
nebst  einer  Correspondenz  des  Directoriums  der  Akademie  mit  dem  Geheimen 
Staatsarchiv  vom  Juli  1807 236 

137.  Aus  der  Eingabe  der  Societät  gegen  die  Königlichen  Auflagen  vom  23.  Deceniber 

1719 237 

138.  Protokoll  der  Sitzung  vom  29.  Deceniber  1725  im  Haiise  des  eben  zum  Protector 
ernannten  Ministers  von  Creutz,  betreffend  die  Stelle  des  Secretars 239 

139.  Zu  der  Schenkung  von  Büchern  und  Naturalien,  die  Friedrich  Wilhelm  I.  der 
Societät  im  Januar  1735  gemacht  hat 240 

140.  Vorschlag  des  Hofraths  Buddeus,  betreffend  die  Leseordnung  in  der  Societät 
(medicinisch- physikalische  Klasse)  vom  i.Mai  1738 241 

141.  Des  Kronprinzen  Friedrich  Bericht  über  die  Gründung  und  Geschichte  der  Societät     243 

142.  Fkiedrich's  II.  Skizze  der  Geschichte  der  Societät  in  seiner  akademischen  Abhand- 
lung "Des  nuieurs,  des  coutumes  et  de  l'industrie,  des  progres  de  l'esprit  humain 
dans  les  arts  et  dans  les  sciences« 244 

143.  E.Schumacher  an  den  Minister  von  Viereck  (6.  Juni  1740) 245 

144.  Bericht  des  Secretars  von  Jariges  an  den  Minister  von  Viereck  (8.  Juni  1740)    .     245 

145.  Bericht  des  Ministers  von  Viereck  an  den  König  Friedrich  II.  über  den  Zustand 

der  Societät  (9.  Juni  1740) 246 

146.  Friedrich  II.  an  den  Minister  von  Viereck  (ii.Juni  1740) 247 

147.  Der  Präsident  Jablonski  an  den  Minister  von  Viereck  (17.  Juni  1740)    ....  248 

148.  Chr.  Wolff's  Berufung  an  die  in  Berlin  zu  gründende  Akademie  der  Wissen- 
schaften im  Jahre  1740 248 

149.  Die  Statuten  der  »Societe  Litteraire  de  Berlin«    1743 254 

150.  Protokoll -Auszüge  der  21  Sitzungen  der  Societe  Litteraire  de  Berlin  (i.  August 
1743  bis  16.  Juni  1744) 257 

151.  Cabinetsordre  Friedrich's  II.   an    den  Feldmarschall  Grafen  von  Schmettau   vom 

13.  November  1743 260 

152.  Cabinetsordre  Friedrich's  II.  an    die  Minister  von  Viereck,  von  Marschall  und 

von  Arnim  vom   13.  November  1743 260 

153.  Cabinetsordre  Friedrich's  II.  an  den  Minister  von  Viereck  vom  13.  November  1743  261 

154.  Cabinetsordre  an  den  Feldmarschall  Grafen  von  Schmettau  vom  24.  November  1743  261 

155.  Cabinetsordre  Friedrich's  II.  an   die  Minister  von  Viereck,   von  Marschall  und 

VON  Arnim  vom  30.  November  1743 262 

156.  Cabinetsordre  Friedrich's  II.  an  den  Feldmarschall  Grafen  von  Schmettau  und 
die  Staatsminister  von  Viereck,  Graf  von  Podewils,  von  Marschall,  von  Arnim 

und  von  Borck  vom  30.  December  1743 262 

157.  Cabinetsordre  Friedrich's  II.  an  die  Ober-Rechnungs-Kammer  vom  12.  Januar  1744  262 

158.  Statuta  der  Königlichen  Akademie  der  Wissenschaften  de  dato  24.  Januar  1744  .  263 

159.  Cabinetsordre  Friedrich's  II.  an    den  Feldmai'schall  Grafen  von  Schmettau  vom 

2.  Februar  1744 269 

160.  Schreiben  des  Feldmarschalls  Grafen  von  Schmettau  und  der  Minister  an  die 
Akademie  der  Wissenschaften  vom  7.  Februar  1744 269 

161.  E.  Schumacher  an  den  Feldmarschall  Grafen  von  Schmettau  vom  8.  Februar  1744  269 

162.  Formey's  Bestallung  als  Historiograph  (19.  Juli  1745) 270 

163.  Die  Bestallung  Maupertuis'  zum   Präsidenten  der  Academie  (i.  Februar  1746)      .  271 

164.  Die  Statuten  der  Akademie  vom   10.  Mai  1746 271 

165.  An  die  K.  Academie  derer  Wissenschaften,  dafs  künfftig  der  Präsident  der  Acade- 
mie von  Maupertuis  lediglich  und  allein  über  die  bey  der  Academie  vacant  wer- 
dende Pensiones  berichten  und  wegen  deren  Wiedervergebung  Vorschläge  thun 
solle  (12.  Mai  1746) 271 

166.  Ordre  des  Königs  an  Herrn  von  Maupertuis  (12.  Mai  1746) 272 

167.  Le  Rctablissement  de  TAcademie,  Ode  Feiedr!Cii\s  II 272 


X  Inhaltsverzeichniss. 

Seite 
i68.    Privilegium   der  Königlichen  Akademie   der  Wissenschaften   über   die  Landkarten 

mid  Edicte  vom  7.  April  1748 274 

169.    Briefe  von  Maupertuis  an  den  König   nebst  kurzen  Antworten  des  Königs     .     ,     276 
170a.  Antwortschreiben  Maupertuis'  an  Samuel  König  vom  23.  December  1751   .     .     .     281 
i7oi.H.VoN  Helmholtz,  Rede  über  die  Entdeckungsgeschichte  des  Princips  der  klein- 
sten Action  (27.  Januar  1887) 282 

171.  Expose  concernant  l'examen  de  la  Lettre  de  M.  de  Leibkitz,  alleguee  par  AL  le 
Prof.  KcENiG,  dans  le  mois  de  Mars  1751  des  actes  de  Leipzig,  a  l'occasion  du 
principe  de  la  moindre  action 296 

172.  Friedrich's  n.  Erzählung  betreffend  den  Streit  zwischen  Voltaire  und  Mauper- 
tuis (nach  DE  Catt's  Bericht) 303 

173.  Anerkennungsdiplom  Friedrich's  für  Maupertuis  (19.  April  1753) 304 

174.  Beispiel  eines  akademischen  Anstellungsdecrets  Friedrich's  des  Grossen      .     .     .     304 

175.  Die  Preisaufgaben  der  Königlichen  Akademie  der  Wissenschaften  unter  Friedrich 
dem  Grossen 305 

176.  Ch.  Wolff's  Urtheile  über  Euler  und  Maupertuis 310 

177.  Übersicht  über  die  Beiträge,  welche  Friedrich  der  Grosse  zu  den  Abhandlungen 

und  Eloges  der  Akademie  geleistet  hat 311 

178.  Aus  Woellner's  "Gedanken  über  die  bessere  Einrichtung  der  Akademie  der  Wissen- 
schaften zum  Nutzen  des  Staates«   (an  den  Prinzen  Friedrich  "Wilhelm  1786)  .     .     313 

179.  Actenstücke  zu  Lagrange's  Entlassung  nebst  einigen  Briefen  des  Gelehrten  (1786  ff.)     314 

180.  Des  Staatsministers  von  Hertzberg  Eingabe  an  den  König,  betreffend  die  Ver- 
vollkommnung der  deutschen  Sprache  durch  Mithülfe  der  Akademie,  nebst  ver- 
wandten Actenstücken  (4.  u.  9.  Januar  und   15.  April  1792) 322 

181.  Beguelin's  Vorschlag,    die  auswärtigen  Mitglieder  betreffend   (3.  November  1786)     325 

182.  Der  Staatsminister  Hertzberg  an  den  König  über  Bastide  und  Forster  (11.  De- 
cember 1792) 326 

183.  Reglemens  pour  l'Academie.  Verfügung  von  Friedrich  Wilhelm  U.  erlassen  zur 
Ergänzung  der  Akademischen  Statuten  [12.  Januar  1795] 327 

184.  Cabinets- Ordre  Friedrich  Wilhelm's  HL  vom  9.  April  1798,  betreffend  die  Orga- 
nisation der  Akademie 328 

185.  Entwurf  zu   einer  Reorganisation  der  Akademieen  der  Wissenschaften   in  Europa 

von  Fr.  Buchholz  (19.  Juli  1802) 330 

186.  Eingabe  der  Akademie  an  den  König  als  Antwort  auf  die  Ernennung  Lombard's 

zum  beständigen  Secretar  (17.  bez.  19.  September  1807) 332 

187.  A.  V.  Humboldt's    Entwurf   zur  Reorganisation    der  Akademie    (Reinschrift    vom 

4.  Novendser  1807) 334 

188.  Aus  Alexander  von  Humboldt's  Aufsatz  über  die  in  der  Akademie  der  Wissen- 
schaften vorzunehmenden  Veränderungen  (2.  November  1807) 338 

189.  Wilhelm  von  Humboldt's  Rede  bei  Aufnahme  in  die  Akademie  (19.  Januar  1809)     341 

190.  Die  nicht  bestätigten  Statuten  der  Akademie,  ausgearbeitet  1807/9  von  ihrer  Com- 
mission  auf  der  Grundlage  eines  Entwurfs  Alexander  von  Humboldt's,  ange- 
nommen vom  Plenum  im  Juli   1809 342 

191.  Kabinetsordre  vom  22.  September  1809,  betreffend  die  Verbindung  der  Akademie 

mit  der  zu  errichtenden  Universität 357 

191*.  W.  V.  Humboldt  an  Nicolovius  (Erfurt,  den  24.  December  1809) 358 

192.  Niebuhr's  Dankschreiben  für  seine  Aufnahme  (gerichtet  an  Spalding,  21.  April  18 10) 

und  seine  Antrittsrede  (10.  Mai  1810)      , 359 

193.  Wilhelm  von  Humboldt's  unvollendete  Denkschrift  "Ul)er  die  innere  und  äussere 
Organisation  der  höheren  wissenschaftlichen  Anstalten  in  Berlin-   (September  1809 

bis  1810) 361 

194.  Statuten  der  Königlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Berlin  (24.  Januar  18 12)     367 

195.  Antrag  der  historisch -philologischen  Klasse,  ein  Corpus  Inscriptionum  zu  unter- 
nehmen, coneipirt  von  Böckh,  rediglrt  von  Buttmann  (24.  März  1815)    .     .     .     .     374 

196.  Niebuhr,  Punkte  zum  Entwurf  eines  Planes  zur  Ausarlieitung  eines  Corpus  In- 
scriptionum, von  der  philologischen  Klasse  zu  berathschlagen,  nebst  -Vorschlägen 

ad  ProtocoUuni"   (die  letzteren  vom  6.  Juni  1815,  jene  sind  nicht  datirt)      .     .     .     379 


Inhaltsverzeichniss.  XI 

Seite 

197.  Niebuhk's  Briefe  an  die  philologisch -historische  Klasse  der  Akademie  bez.  an 
Savigny  und  Buttmann  (i8i6ff.) 382 

198.  Gutachten  der  historisch -philologischen  Klasse  der  Akademie  über  den  Plan  einer 
Quellensammlung  für  die  deutsche  Geschichte  (26.  October  1819) 410 

199.  Altenstein    an   den  Staatskanzler  Fürsten  Hardenberg   über   die   Reorganisation 

der  Akademie  (i.  October  1819) 4^7 

200.  Notitia  Corporis  Inscriptionum  Graecarum  sumptibus  Academiae  Borussicae  edendi 

(15.  Juli  1822)        419 

201.  Alexander  von  Humboldt's  Rede  zur  Eröffnung  der  Naturforscher -Versammlung 

in  Berlin  am   18.  September  1828 420 

202.  Entwurf  zu  neuen  Statuten  der  Königlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Ber- 
lin (Schleiermacher,   1829) 424 

203.  Statuten    der    Königlich    Preufsischen    Akademie    der   Wissenschaften    zu    Berlin 

(31.  März  1838) 434 

204.  Die  in  den  Jahren   1812—1839  von  der  Akademie  gestellten  Preisaufgaben      .     .  456 

205.  Bestimmungen  für  die  STEiNER'sche  Stiftung 460 

206.  Statut  der  Humboldt -Stiftimg  für  Naturforschung  und  Reisen 462 

207.  Statut  der  Eduard  Gerhard -Stiftung 468 

208.  Statut  der  Bopp- Stiftung 471 

209.  Vorschlag  des  Justizministers  Goldbeck,  die  Gesetzes -Coinmission  als  besondere 
Klasse  der  Akademie  einzufügen,  und  Antwort  des  Finanzministers  Grafen  Schu- 
lenburg (1798) 474 

210.  Statut  der  Savigny -Stiftung 47^ 

211.  Trendelenburg,  Die  königlich  preussische  Akademie  der  Wissenschaften  unter 
dem  Könige  Friedrich  Wilhelm  dem  Vierten  (Vortrag,  gehalten  am  21.  März  1861)  482 

212.  Die  Preisaufgaben  aus  den  Jahren   1840  — 1859 503 

213.  Otto  Jahn's  Denkschrift,  betreffend  die  Herstellung  eines  Corpus  Inscriptionum 
Latinarum  nebst  einem  Schreiben  desselben  an  Savigny  (1845) 505 

214.  Savigny's  Antrag  an  die  Akademie,  ein  Corpus  Inscriptionum  Latinarum  heraus- 
zugeben (26.  Januar  1846) 5^7 

215.  Gerhard's  Denkschrift  betreffend  das  Corpus  Inscriptionum  Latinarum  (20.  Juli  1846)  519 

216.  Über  Plan  und  Ausführung  eines  Corpus  Inscriptionum  Latinarum  von  Theodor 
MoMMSEN,  Doctor  der  Rechte  (Januar  1847) 522 

217.  Übersicht  über  die  Geldbewilligungen  zu  wissenschaftlichen  Zwecken  in  den  Jahren 
1841— 1859 541 

218.  Erlasse  und  Bestimmungen  betreffend  die  Friedensciasse  des  Ordens  poiu'  le  merite  544 

219.  Allerhöchste  Erlasse,  betreff"end  den  Geschichts- Preis  (Verdun -Preis)      .     .     ...  548 

220.  Böckh,  Denkschrift  an  die  Königliche  Akademie  der  Wissenschaften  in  der  Rau- 
MER'schen  Angelegenheit  (15.  März  1847) 55^ 

221.  W.  Grimm's  Separatvotum  in  der  RAUMER'schen  Angelegenheit  (18.  März  1847)     .  557 

222.  Neujahrsgruss  an  die  Akademie  der  Wissenschaften  (1849)  ■.-•••••  558 

223.  Statut  der  Helmholtz  -  Stiftung 559 

224.  Übersicht  über  die  Geldbewilligungen  zu  wissenschaftlichen  Zwecken  in  den  Jahren 
1860  — 1898 564 

225.  Statut  für  das  Kaiserlich  Deutsche  Archäologische  Institut 588 

226.  Satzungen  und  Wahlordnimgen  der  Central  -  Direction  der  Monumenta  Germaniae 
Historica  (1874/75  bez.  1887) 597 

227.  Bericht  der  Akademie  an  den  Staatsminister  Falk,  betreffend  die  Einrichtung  einer 
besonderen  deutschen  Klasse  bei  der  Akademie  (1878) 600 

228.  Verhandlungen  über  die  Errichtung  einer  Deutschen  Akademie  (1888/89)    .     .     .  603 

229.  Die  Preisaufgaben  aus  den  Jahren   1860  — 1899 615 

230.  Statut  der  Charlotten -Stiftung  für  Philologie  (1874) 619 

231.  Statut  der  Diez  -  Stiftung  (1880) 621 

232.  Statuten  der  Königlich  Preufsischen  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin 
vom  28.  März  1881 625 

233.  Liste  der  Mitglieder  der  Akademie,  die  von  dem  Rechte,  an  der  Universität  Vor- 
lesungen zu  halten ,  Gebrauch  gemaclit  haben 642 


Xn  Inhaltsverzeichniss. 

Seite 

234.  Antrag  der  Berliner  Akademie,  den  Venus  -  Durchgang  1874  betreffend  (1869)    .  643 

235.  Statut  der  Graf  Loubat  -  Stiftung  (1889) 646 

236.  Hermann  und  Elise  geborene  Heckmann  Wentzel  -  Stiftung  (1894) 648 

237.  Conspectus   Corporis   Inscriptionum   Latinarum    consiJio   et   auctoritate  Academiae 
Litteraruni  Regiae  Borussicae  editi 656 

Nachwort 658 

Register 659 


EINLEITUNG. 


Urkunden  und  Actenstücke  zur  Geschichte  der  Gründung  der  Ber- 
hner  Akademie  (1697— 171 1)  finden  sich,  ausser  im  Akademischen 
Archiv,  in  der  Königlichen  Bibliothek  zu  Hannover  und  im  König- 
lichen Haupt-  und  Staatsarchiv.  Vieles  liegt  bereits  gedruckt  vor, 
aber  es  ist  zerstreut  in  folgenden  Publicationen :  i.  Kapp,  Samm- 
lung einiger  vertrauter  Briefe  zwischen  .  .  .  G.  W,  von  Leibnitz  und 
dem  Hofprediger  Hrn.  D.  E.  Jablonski.  Leipzig  1745.  —  2.  Formey, 
Histoire  de  l'Academie  Royale  de  Berlin.  1752.  —  3.  Klopp,  Die 
Werke  von  Leibniz,  10.  Band.  Hannover  1877  (auch  die  anderen 
Bände  dieser  Ausgabe  sind  zu  vergleichen).  —  4.  Fischer,  Joh. 
Leonh.  Frisch's  Briefwechsel  mit  G.W.  Leibniz.  Berlin  1896  (Sonder- 
abdruck aus  Bd.  2  des  Archivs  der  »Brandenburgia«).  —  5.  Kvac- 
SALA,  D.  E.  Jablonsky's  Briefwechsel  mit  Leibniz  nebst  anderen 
Urkunden  (Acta  et  comment.  Imp.  Univers.  Jurievensis  1897).  — 
6.  Harnack,  Berichte  des  Secretars  der  Brandenb.  Societät  der  Wis- 
senschaften J.Th.  Jablonski  an  den  Präsidenten  G.W.  Leibniz  (1700 
bis  171 1)  nebst  einigen  Antworten  von  Leibniz  (Abhandl.  d.  Königl. 
Preuss.  Akad.  d.  Wiss.  1897).  Die  120  ersten  Actenstücke  der  nach- 
stehenden Sammlung  sind  unter  dem  Gesichtspunkt  ausgewählt,  ein 
möglichst  vollständiges  Bild  der  Gründungsgeschichte  zu  gewähren 
und  zugleich  das  gedruckte  Material  durch  bisher  unpublicirte  Stücke 
zu  vermehren.  Aus  den  Sammlungen  Nr.  4,  5  und  6  ist  nur  sehr 
Weniges  wiederholt  worden ;  die  Sammlung  Nr.  5  erschien  erst,  nach- 
dem der  Herausgeber  jenen  Briefwechsel  in  Hannover  selbst  ex- 
cerpirt  hatte. 

Für  die  zweite  Hälfte  der  hier  mitgetheilten  Actenstücke  war 
der  Grundsatz  maassgebend,  alle  Statuten,  Statuten -Entwürfe,  Ur- 
kunden von  Stiftungen,  Preisaufgaben,  Geldbewilligungen  zu  wissen - 

Geschichte  der  Akademie.    II.  1 


2  Einleitung. 

scliaftlicheii  Zwecken  u.  s.  w.  vollständig  mitzutheilen ,  ferner  be- 
sonders wichtige  oder  charakteristische  Schriftstücke  abzudrucken. 
In  letzterer  Hinsicht  sei  vor  Allem  auf  die  Nrn.  132,  146,  148,  167, 
169,  170'',  177-180,  189,  193,  195,  197,  198,  216,  220,  227  und 
228  verwiesen.  Die  Nrn.  121  — 140  beziehen  sich  auf  die  Regierungs- 
zeit Friedeich  Wilhelm's  L,  die  Nrn.  1 41-177  auf  die  Friedrich's  des 
Grossen,  die  Nrn.  178  — 183  auf  die  Zeit  Friedrich  Wilhelm's  IL,  die 
Nrn.  184— 210,  211-222  auf  die  Friedrich  Wilhelm's III.,  bez.  Fried- 
rich Wilhelm's  IV.  Die  Actenstücke  Nr.  223-237  stammen  aus  den 
letzten  vier  Jahrzehnten. 


1. 

(\'ergl.  Geschiplite  der  Akademie  S.  4). 

Notiz    über    den  Plan    des   Grofsen    Kurfürsten    eine    europäische  Uni- 
versität   zu    stiften  (1667). 
[Im  Akademischen  Archiv,  Fase.  »Fundatioii",  von  der  Hand  des  Hofpredigers  D.  E.  Jablonmci, 
gesclu'ieben  in  den  letzten  Monaten  des  Jahres   1700  als  Anhang  zu  einem  ebenfalls  von  ihm 
verfassten  Pi'o  ^Memoria   •■  Gegenwärtiger  Etat  der  Churfürstl.  Brandenb.  neufundirten  Societät 

der  Wissenschaften".] 

Betreffend  die  anno  1667  von  Churfürst  Friedrich  Wilhel:m  höchstseliuen 
Andenkens  fundirte  Universitatem  Gentium,  Scientiaruni  et  Artiuin,  davon  geben 
die  im  Archiv  vorhandenen  Acta  folgende  Nachricht;  nehmlich,  der  Angeber  sey 
gewesen  ein  Schwedischer  Reichsraht,  so  disgraciirt  gewesen,  Namens  Benght 
Sicytte:  S.  Ch.  D.  haben  bis  15000  Thlr.  darauff  wenden,  und  das  Ampt  Zigeser 
mit  einigen  Revenuen  dazu  einräumen  wollen,  weil  aber  dieser  Benght  Skytte  in 
seinen  Anschlägen  und  Praetensionibus  alle  Zeit  weiter  gegangen,  fiu"  sich  und  seinen 
Sohn  optimas  conditiones  ausbedungen,  und  das  Werk  auch  allzu  weitläuffig  ange- 
sehen worden,  und  in  der  That  so  gewesen,  ist  endlich  nichts  daraus  worden, 
sondern  der  Benght  SKvrrE  mit  einem  guten  Present  und  sonst  auf  gute  Art  ab- 
gefei'tiget  worden.  Dahero  es  geschehen,  dals  die  gedruckte  Paten ta  von  selbiger 
Fundation  supprimirt  worden  und  wenig  zum  Vorschein  kommen,  davon  doch  eines 
noch  im  Archiv  bey  den  Actis  befindlich.  Es  scheinet,  die  gnädige  Prudentz  habe 
die  Ehre  der  Fundation  einer  beynahe  gleichen  Societät  Sr.  Churf.  Durchl.  unserem 
itzo  glücklichst  regierenden  gnädigsten  Herren  vorbehalten;  so  beäugen  auch  die 
gegenwärtigen  Angebere  kein  privates  Gommodum,  sondern  blofs  Sr.  Ch.  D.  hohe 
Gloire  und  den  gemeinen  Nutzen. 

[Wenige  Monate  vorher  hatte  Jaelonski  nocli  keine  Kunde  von  diesem  Plan  des  Grossen 
Kurfürsten  besessen;  denn  er  schrieb  am  17.  September  1700  an  Leibniz  (Hamiov.  Bibl. ;  dieser 
und  der  folgende  Brief  gedruckt  bei  Kvacsala,  D.  E.  Jablonsky's  Briefwechsel  mit  Leientz 
8.  60  (f.)  Folgendes]: 

"Ich  setze  nur  eines  hintzu.  Avelches  recht  curiös,  denen  hiesigen  Herren 
aber  sämptlich  unbekandt.  obwohl  es  hier  gebohren  und  mir  aus  Pohlen  (!)  com- 
municiret  worden,  nehmlich  dals  schon  Friedrich  W^ilhelm  ein  Dessein  formiret 
gehabt,  eine  dergleichen  Societäten  aufzurichten,  wiewohl  die  damahlige  Verfassung 
von  der  unsrigen  gar  sehr  unterschieden;  doch  leuchtet  in  der  alten  eine  besondere 
Gröfse  und  Hoheit  des  Gemüths  des  Fundatoris  herfür.  Herr  Rabener  ist  in  dem 
Jahr  fundandae  illius  Universitatis  Brandenburgicae  1667  hier  in  Berlin  vielfältig 
gewesen  und  weifs  dennoch  nichts  davon.  jMein  Correspondent  aber  hat  aus  einem 
gedruckten  Original  eine  Coiiiam  abschreiben  lassen:  ich  will  im  Archiv  nachsehen 
imd  vielleicht  noch  ein  und  anderes  hiezugehöriges  daselbst  finden.  Es  kann  aucli 
dienen,    Unsern    gnädigsten  Herrn  zu  ermuntern,    seiner  Societät  nachdrücklichere 

1* 


4  2«.    Leibniz,  Notauda  das  Bücher -Coinmissariat  betreffend. 

Proben  seiner  liolien  Gnade  zu  erweisen.«  Leibniz  antwortet  am  31.  December  1700, 
dass  ihm  dei-  Plan  des  Grossen  Kurfiirsten  bekannt  gewesen  sei  (aber  bei  den  Voi-- 
bereitungen  zur  Stiftung  der  Societät  in  den  Jahren  1697  — 1700  hat  er  ihn  nie- 
mals erwähnt  —  «ich  weifs  nicht,  wie  es  kommt,  dafs  mir  nicht  eingefallen  von  der 
Sache  zu  reden«)  und  dass  Skytte  mit  ihm  in  Frankfurt  darüber  gesj^rochen  habe. 
Leibniz  hat  selbst  seit  dem  Jahre  1667/68  seine  Akademie -Pläne  zu  entwerfen  be- 
gonnen (s.  die  folgende  Nummer  des  Urkundenbandes).  — •  Die  Societät  hat  nur  ein 
einziges  Mal  in  einer  Eingabe  an  den  König  auf  das  frühere  Unternehmen  des 
Greisen  Kurfürsten  hingewiesen. 

"2  a. 

(Vergl.  Gescliichte  der  Akademie  S.  28). 

Leibnmz,  Notauda  das  Bücher- Com missariat  betreffend,  für  den 

Kurfürsten  von  Mainz  (1668). 

[Klopp,    Die  Werke  von  Leibniz.     i.  Bd.   8. 1 1  ff.] 

Zuvörderst  ist  nöthig  Churf.  Gn.  zu  Maynz  zu  disponiren,  dafs  sie  sich  der 
Sach  annehmen:  Und  dann  auch  zu  Wien  es  also  aiigreifTen,  dafs  man  daselbst 
über  verhoffen   keine  Difficultäten  finde. 

Bei  Maynz  zu  gedencken. 

1.  Dafs  dieses  Werck  von  grofser  Consetiuenz  sey  mehr  als  es  sich  eiisei-lich 
ansehen  lafse. 

2.  Dafs  dadurch  Churf.  Gn.  und  dero  Erzstifft  Jura  und  Ilegalia  vermehrt 
werden. 

3.  Cliurpfalz  mache  ein  so  grofs  Wesen  davon,  dals  er  der  Kesselflicker 
Protector  \'on  A\'egen  des  Reichs  sey:  vielmehr  sei  directio  rei  librariae  et  literariae 
zu  aestimiren.  Wenn  andere  Chur-  und  Fürsten  diese  Gelegenheit,  Nähe,  und 
ratione  officii,  wie  hier,  Archicancellariatus  colorem  dazu  hätten,  würden  sie  ge- 
wislich  diesem  Werck  mit  allem  P2ifer  nachsezen.  Zumalden  durch  Kaysei'l.  oNLajt. 
jezige  eigene  Liclination  zu  dieser  Sache  (wie  man  denn  gnugsame  Naclu'iclit  hat, 
dafs  selbige  nach  vorkommenen  vielen  Klagen  und  Fastidien  das  Comnüssariat  betr. 
sich  proprio  motu  vei'lauten  lafsen,  dafs  sie  Mittel  verlangen  derselben  abzukom- 
men), und  andere  guthe  Conjuncturen  eine  solche  Occasion  sich  ereignet,  so  die 
Posterität  nicht  so  bald  wieder  haben  möchte. 

4.  Es  sey  nicht  imr  eben  umb  Bücher  Privilegien  zu  thun,  deren  sich  bisher 
die  Commissarii  fast  einzig  und  allein  angenommen,  und  ihre  Jurisdiction  in  deren 
Examination,  und  daraus  entstandenen  Quaestionen  exercirt,  wiewohl  auch  dieses 
an  sich  selbst  nicht  zu  verachten, 

5.  sondern  das  Commissariat  begreiffe  in  sich  die  ganze  inspectionem  rei 
literariae,  so  viel  dieselbe  in  publico  durch  den  Druck  erscheinet, 

6.  und  obgleich  das  Conunissarii  officium  auf  Franckfiirt  gerichtet,  so  ge- 
schieht doch  solches  per  accidens,  dieweil  Franckfurt  elten  das  univei'sale  emporium 
literarum  durch  Teutschland  ist. 

7.  Ja  dieses  komt  vielmehr  Maynz  wohl  zu  statten,  dieweil  ihm  Franckfiu't 
am  nächsten  und  besten  gelegen ,  und  vermittelst  seiner  Meisen  das  ganze  Buch- 
wesen an  sich  ziehet, 

8.  daraus  erscheinet,  dafs  das  Commissarii  Amt  sey  providere  ne  quid  Re- 
publica  per  rem  literariam  deti'imenti  capiat,  gehöret  also  vor  denselben  für  allen 
Dingen  censui'a  librorum,  damit  nichts  schädliches  spai-giret  werde. 

9.  Man  weis,  was  bisweilen  ein  baar  Bücher  für  Schaden  gethan.  Der  Hippo- 
lytus  a  Lapide  vor  diesen,  der  Monzambanus  unlängst  haben  gewislich  die  Ge- 
müther  verstört  und  exulcerirt,  wie  denn  auch  circa  particulares  controversias  und 


2a.    Lkieniz.  Notniida  das  Bücher- Coinmissariat  betreffend.  5 

interesse  puhlieuni ,    auch    in   actis    pul)licis    edendis  eine   gewilse    sonderlicli  Maynz 
vnrträii'liche  erste  Nacliriclit  und  Aufsicht  hierbey  gar  nütliig  were. 

TO.  So  werden  auch  nocli  nachträglich  von  Staats  und  ReHgionssachen  aller- 
hand theils  schädliche,  theils  gefährliche  Dinge  spargirt,  darinnen  bisweilen  Kayserl. 
Majt.  und  das  Reich,  bisweilen  fremde  Potentaten  angegriffen  und  schimpflich  trac- 
tirt  \verden. 

11.  Iils  wird  nicht  über  ein  Jahr  seyn .  dafs  ein  Franzos  bey  der  Obrigkeit 
sicii  angelten,  und  sogar  wegen  seines  Königs  legitimirt,  unib  auf  allerhand  wieder 
seinen  König  und  andere  liohe  Personen  spargirte  satyrische  Schrifften  zu  inquiriren. 

12.  Ists  also  nicht  eben  damit  allein  gethan,  dals  man  die  Biicher,  aber  zu 
spät,  wenn  sie  bereits  in  der  Welt  herumblauffen,  confiscirt,  sondern  man  mus  bey 
Zeiten  auf  die  Bücher  Kimdschafft  legen,  damit  der  Commissarius  nicht  der  letzte 
seJ^  der  erfähret,  was  Jederman  weis. 

13.  AVelches  denn  des  jezigen  Conniiissai'ii  Thun  ganz  und  gar  nicht  ist,  der 
auch  von  dergleichen  Dingen  keine  Profession  machet,  wie  doch  das  Werck  erfodert. 

14.  Zudem  werden  bisweilen  mit  öffentlichen  Confiscationen  die  Bücher  nur 
mehr  bekand  und  gesucht,  da  sie  doch  offt  anfangs  mit  guther  Manier,  indem 
bisweilen  kaum  wenig  P^xemjjlaria  in  die  INIefs  kommen,  in  der  Stille  supprimirt 
Averden  könten.  wenn  nur  Acht  daraufgehabt  würde. 

15.  Und  were  dabey  freylich  die  Bescheidenheit  zu  gebrauchen,  damit  nicht 
etwa  blos  propter  religionis  negotium  einige  Contradictiones  dem  Friedensschlus 
zu  entgegen  erreget,  und  wohl  gar  den  Statibus  protestantibus  Ursach  und  Gelegen- 
heit gegeben  würde,  vnnb  Adjunction  einer  Person  ihrer  Religion  anzuhalten. 

t6.  Wie  denn  dafs  sie  dieses  Werck  nicht  gering  achten,  auch  daraus  zu 
sehen ,  dafs  unlängst  sie  sich  in  ipsis  Comitiis  über  den  Commissarium  beschwehret, 
luid  solche  ihre  Querel  nicht  allein  in  dictaturam  kommen .  sondern  auch  gar  dui-ch 
öffentlichen   Druck  gemein  machen  lassen. 

17.  Dahehr  man  Acht  zu  gel)en,  dafs  sie  es  nicht  endtlich  machen  wie  eins- 
mahls.  so  man  sich  vielleicht  noch  erinnei't,  zu  Speyer  geschehen,  alda  als  bisweilen 
die  Cainmer  Canzley  nicht  allerdings  der  Gebühr  versehen  gewesen,  Sie  solches 
alsbald  ressentirt,  und  von  den  Ihrigen  dazu  gewisse  Personen  vorgeschlagen.  Welches 
denn  befser  bey  Zeiten   verhüten,  als  ei'warten.  und  dann  erst  mit  Mühe  ableinen. 

18.  Anjezo  zu  geschweigen.  was  Churf.  Gn.  sonsten,  wenn  sie  sich  bey  diesem 
Werck  stabilirt.  für  allerhand  dem  gemeinen  Besten  nüzliche.  ja  nothige  Dinge, 
Ordnungen  und  Anstalten,  die  Bücher,  Authores,  Buchfiihrer,  Gorrectores,  Buch- 
drucker und  Studia  betr..  praeliabitis  consiliis  et  correspondentia  eruditorum,  so 
sich  selbst  etwa  Eines  und  das  Andere  suggeriren  und  wündschen  werden,  so  bis- 
liehr  gemeinet,  dass  Niemand  sey,  der  ihre  Goncepte  secundire,  durch  habende 
Autorität,  und  mit  andern  in-  und  ausländischen  Fürsten  und  Ständen  guthe  Ver- 
ständnufs  im  Nahmen  Kayserl.  Majt.  und  mit  deren  gänzlicher  A])probation  ein- 
führen könten.  Mafsen  auch  den  Bucliführern  vielleicht  selbst  annehmliche  und 
nüzliche  Vorschläge  an  die  Hand  zu  geben,  sie  vor  theils  liederlichen,  theils  gefähr- 
lichen Chartequen  ab-,  und  hingegen  zu  Zusammentretung  in  Compagnien,  wo 
Opera  zu  grofs,  und  sonst  zu  Verlegung  realer  Wercke,  und  wie  vor  dem  Kriege 
geschehen,  dadurch  der  Franckfurter  Buchhandel  sehr  lloriret  (so  jezo  HoUändei-, 
Genffer  und  Lyoner  fast  an  sich  gezogen)  zu  Nachdruckung  und  Versionibus  fremder 
rarer  curieuser  und  nüzlicher  Hauptbücher  zu  bringen  und  anzulocken.  Auch 
ehstens  durch  nüzliche  Specimina,  accurate  Catalogos,  auch  andere  ein  Liecht  in 
publicum   gebende  Coepta  die  Gemüther  zu  encouragii-en  und  zu  gewinnen. 

19.  Zu  geschweigen,  dafs  vermittelst  solcher  Gelegenheit  die  Gelehrten  und 
Curieusen  durch  Teutschland  sowohl  auf  nah  gelegenen  Universitäten  als  sonsten 
nach  dem  Exempel  anderer  Nationen  zu  Correspondenzen.  Gommunicationen,  nähei'er 


6  2a.    Leibniz,  Notanda  das  Bücher- Conimissariat  betrellend. 

Verständtnürs  aulgemuntert  und  dadurch  zur  Conservirung  luid  \"erniehrung  vieler  sich 
sonst  mit  den  Autoribus  verlierenden  nüzlichen  und  neuen  Gedancken,  Vorschlägen, 
Inventionen  luid  Observationen,  beydes  in  Naturalibus,  Mechanicis,  Manufacturen. 
Commerciis,  Mathematicis,  als  auch  Historicis,  Politicis,  Juridicis  und  anderen  die 
Bahn  gebrochen  würde ,  zu  welchen  Occupationen  auch  die  Jugend  auf  Universitäten 
und  sonsten  bey  Zeiten  zu  gewöhnen,  weit  nüzlicher,  als  dafs  sie  sich  unzeitig,  ehe  sie 
in  rechtschaftenen  Studiis  genugsam  firmiret,  sich  aufs  Rabuliren  legen  luid  damit 
dem  Vaterland  mehr  schädlich  als  nüzlich  seyn,  ja  ihre  eigene  Promotion  verderben. 

20.  Mal'sen  ohne  das  bey  den  Gelehrten  sich  Alles  allmählig  zu  solcher  Ver- 
besserung disponirt,  und  der  Englischen  Societät,  der  Florentinischen  neuen  Aka- 
demie .  des  Roman  -  und  Parisischen  Joui'nals  zu  geschweigen ,  die  Eruditi  in 
Teutschland  ein  Gleiches  zu  thun  sich  allmählich  schicken  und  ferner  schicken 
möchten,  könte  also  mit  der  Zeit  solches  Vorhaben  sowohl  zu  Kavserl.  31.  als 
Eminentissimi  imd  anderer  ciuieuser  Herren  nicht  geringer  Ergötzligkeit  gereichen, 

21.  Dieses  Alles  sind  Früchte,  so  aus  diesem  Werck,  dafern  Churf.  Gn.  es 
an  sicli  ziehen  imd  mit  ihrer  Autorität  secundiren  würden,  suo  tempore,  wie  man 
denn  hierinnen  freylich  piano  zu  gehen  liat,  erwachsen  könten,  dadurch  nicht  allein 
gemeiner  Nuzen  gefödert,  sondern  auch  Churf.  Gn.  und  dero  Erzstitl'ts  Jura  und 
hohe  Regalia,  wo  nicht  in  se  ipsis,  mafsen  solches  vielleicht  ohne  das  de  jure  dazu 
gehöi'en  mag,  doch  ratione  exercitii,  vermehrt  und  extendirt  werden  können. 

22.  Denn  es  nicht  ohne  ist,  dafs  das  Jus  Cancellariatus  Supremi  vielleicht 
ein  solches  von  selbsten  mit  sich  bringet.  Dieweil  Cancellariatu  alles  was  Briefe, 
Schriften,  Uhrkunden  betrifft,  ja  was  nur  Papyr  heifst,  es  sey  l)edruckt  oder  be- 
schrieben, seine  Dependenz  hat.  Und  dahehr  an  Chnr  Maynz  die  höchste  Direc- 
tion  der  Reichs-  und  Comitialsachen ,  auch  Reichs -Archivi  als  Obersten  Churfürsten 
und  Collegii  decanum ,  der  Geistlichen  und  Religions-Geschäffte  als  Primatem  (^\'eil 
ohne  das  vor  Alters  die  Cancellarii  regnorum  gemeiniglich  Bischöffe  gewesen) ,  die 
Justizsachen  sowohl  zu  Wien  als  Speyer  als  obersten  Canzler  jederzeit  gewiesen 
worden,  wie  noch  werden.  Aus  welchem  Principio  auch  Chur- Maynz  directionem 
et  protectionem  postae  imperialis  exercirt,  und  dessen  Bediente  vor  Anderen  auf 
der  Post  Freyheit  haben.  Da  doch  das  Postwesen  der  Canzley,  Justiz,  Direction 
der  Reichssachen ,  und  Religion  bey  Weitem  so  nahe  als  i-es  literaria  nicht  vei'- 
wand,  und  ohne  das  bekand,  dafs  vor  Alters  Universitäten  und  Schuhlen  ad  curam 
Episco])i  gezogen  worden,  und  dahehr  gemeiniglich  Episcopi  vicinarum  universi- 
tatum  Cancellarii  gewesen,  und  an  manchen  Orthen  noch  seyn.  Ob  nun  gleich 
die  Principes  jeder  in  seinem  Territorio  sich  solcher  Dinge  sowohl  als  der  Religion 
praetextu  juris  territorialis  bemächtiget,  ist  doch  dem  Reich  und  dessen  Directori 
die  General  Direction ,  sonderlich  in  Reichs  Städten  (sowohl  als  die  General  Direc- 
tion der  Posten,  ob  gleich  ein  jeder  Fürst  seine  Landpost  in  suo  territorio  haben 
mag)  unbenommen,  sondern  vielmehr  gehörig,  und  dahehr  bey  gegenwertiger  Con- 
junctur  die  guthe  Gelegenheit  solches  habende  Recht  in  Übung  und  Stand  mit  gutem 
Glimpf  zu  bringen,  nicht  zu  verseumen. 

23.  Die  guthe  Gelegenheit  nun  bestehet  darin,  dafs  gegenwärtiger  Commissa- 
rius  nicht  allein  sich  des  Wercks  sonderlich  nicht  annimt,  oder  füglich  annehmen 
kan,  sondern  auch  hin  und  wieder  durch  viele  Zänckereyeri ,  Streitigkeiten,  und 
Contradictiones  sich  aufser  nöthiger  Autorität  und  Nachdruck  gesezt,  zu  einer 
und  andern  Extremität  mit  der  Stad  Franckfurt  kommen,  dazu,  mafsen  Notorium, 
bringet  oder  bringen  kan. 

24.  Darumb  denn  wohl  gar  ein  gänzlicher  Abgang  und  gleichsam  Oblitei'ation 
eines  an  sich  selbst  so  nüzlichen  Wercks  erfolgen,  oder  zum  wenigsten  ein  Tertius, 
so  dai-auf  Achtung  geben  möchte  und  von  INIaynz  keine  Dependenz  hätte,  sich  der- 
niahleins  darein  flechten  und  von  Wien  die  Concession  erhalten  dürffte. 


2b.   Leibniz,  De  refonnanda  re  litteraria.  7 

2v  Solchem  Allen  nun  vorziikonnnen,  und  sich  in  exercitiuni  seines  haben- 
den, nicht  wenig  importirenden  juris  \'ia  quam  lenissima  et  contradictioni])us  (die 
wenn  man  anfangs  einige  Pienipotenz  und  Perpetuität  suchen  sollte,  nicht  aus- 
bleiben dürfften)  minus  obnoxia  zu  bringen,  were  unniasgeblich  nichts  Anders  an- 
fangs zu  thun,  als  dals  Churf.  Gn.  dem  Herrn  Reichs  Vice-Canzler  durch  ein 
Schreiben  zu  verstehen  gäben,  wasmafsen  sie  Nachi'icht  hätten,  dals  das  Com- 
missariat  zu  Franckfurt  zimblicii  aui'ser  Autorität,  Respect  und  Illxecution  sowohl 
gegen  Magistrat  als  Buchführer  kommen ,  und  dahehr  fernere  Weiterung  zu  ver- 
hindern, eine  nachdrückliche  Commission  nöthig  sey.  Und  weil  Churf.  Gn.  nächst 
gesefsen,  bisweilen  auch  interessirt,  auch  sonst  in  diesen  Sachen  gemeiniglich  an- 
gelanget, und  mit  Commissionen  beleget  zu  werden  pflegten,  als  würden  sie  sich 
nicht  entgegen  seyn  lafsen,  dafern  einer  generalis  conunissio  ad  exequendum  das 
Commissariat  betr.  (so  dem  Commissario  und  dessen  Adjunctu  am  geringsten  nicht 
einträglich,  sondern  beförderlich  wäre,  und  ziu-  Execution  und  Würckligkeit  die 
Hand  bieten  würde)  von  Kayserl.  M.  dieses  so  nöthige  Werck  wieder  in  vigorem 
zu  l)ringen  an  sie  gerichtet  würde.  Welches  denn  durch  den  Hei^n  Reichs -Vice- 
Cnnzler  bev  Kayserl.  31.  anlu'acht,  und  auf  erhaltenes  Placet  die  Conunissio  sub- 
delegandi  von  ihr  alsl)aldt  ausgefertigt  werden  künte. 


2fj. 

(Vcr^l.  Gescliiclite  der  Akademie  S.  28). 

Leibniz,    De    vera    ratione    reformandi    rem    literariam  meditationes, 

für  den  Kurfürsten  von  3Iainz  (1668). 

[Klopis  a.a.O.   i.  Bd.  S.  17  tf.] 

Si  Elector  ]Moguntinus  obtinuerit  a  Caesare  curam  hujus  rei,  suggeri  ei  varia 
possunt: 

1.  ut  duos  subdelegatos  adhibeat,  alterum  Tridentinae,  alterum  Augustanae 
confessionis ,  ne  suspectus  sit  statibus  Evangelicis  et  consilia  exitu  destituantur, 
imprimis  autem  ne  in  Lipsiensibus  nundinis  contra  eatur. 

2.  Ut  eos  subdelegatos  sinat  esse  consiliarios  et  Caesaris  et  suos,  et  aliorum, 
si  lubet,  statuum,  idque  dignitatis  negotii  intererit,  ut  (|ui  in  eo  occupantur,  Cae- 
sarei  consiliarii  habeantur. 

3.  Imprimis  cum  Electore  Saxone  communicet,  nundinarum  Lipsiensium  causa. 

4.  Ordinationen!  librariam  concipi  faciat ,  qua  Bibliopolae,  sowohl  die  Vei'leger, 
als  Herumbträger  und  Krämer,  dann  auch  Buchbinder  und  Buchdrucker  teneantur. 

5.  Ordinationem  illam  faciat  a])probari  in  hodiernis  comitiis. 

6.  Tentet  ea  ratione  Archi-Cancellariatui  alligare  totam  rei  literariae  admini- 
strationem. 

7.  Res  literariae  stabiliendae  causa  faciat  formari  societatem  eruditorum  Ger- 
maniae,  cujus  ipse  sit  director,  regatcjue  eam  per  suos  deputatos. 

8.  Hujus  societatis  curae  sit  commissum  corresponsum  eruditorum  univer- 
salem sustinere. 

9.  Eadem  curet  congregari  Bibliothecam  Universalem. 

10.  Eadem  societas  curet  tiei-i  indices  universales. 

11.  Eadem  societas  mutuas  operas  jungat  societatibus  Regiis  Gallicae  et 
Anglicae,  et  Academiis  Italicis. 

12.  Eadem  soc.  rem  medicam  ad  perfectionem  evehere  tentet. 

13.  Eadem  soc.  mathematicis  experimentis  invigilet.  ,  /»v^ 

14.  E.  s.  locos  communes  curet  fieri  experinientaque  colligi.  /^,  ^^^ 

15.  E.  s.  congregationes  habeat  in  certo  loco ,  puto  Francofurti. 


8  3.    Leibniz,  Errichtung  einer  Societiit  in  Deutschland. 

i6.  E.  s.  nihil  se  immisceat  rebus  ad  religionein  pertinentibus ,  membra  tanien 
particulatim  suani  in  ea  re  causam  agere  nihil  ad  societatem  pertineto. 

17.  Viri  magni,  opulenti,  curiosi,  honoraria  societatis  membra  esse  poterunt. 

18.  Experimentorum  ac  doctrinae  commercium  esto. 

19.  Minime  omnium  edatur  diurnale:  serventur  liaec  suo  tempori. 

20.  Certus  2)ersonarum  numerus  esto:  qui  ultra  eum  recijii  velit,  cum  onere 
sustineto   [sie]. 

21.  Qui  intra  numerum  sunt,  iis  de  futiu'o  salaria  praebeantur. 

22.  Sed  unde  vero?  Scilicet  (pii  vix  12  Assessores  Camei-ae  sustentare  potue- 
i'unt  post  sesquisecularem  delibei'ationem ,  ii  hominibus,  ut  ipsi  putant,  supervacuis 
stipendia  praebebuntl'  —  Sed  accipe  rationem:  vectigal  papyraceum,  quäle  in  Hol- 
landia.  et  Palatinatu,  universaliter  introducatur. 

23.  Ejus  vectigalis  dimidium  principum,  in  quoruni  territorio  Charta  venditur, 
diniidium  societatis  esto. 

24.  Hoc  vectigal  parum  gravabit  Rempublicam,  (juia  agricolis  atque  opificibus, 
qui  caeteris  triliutis  maxime  gravantur,  minimum  detrahet.  Gravabit  tantum  mer- 
catores,  litigantes,  eruditos,  homines  si  cum  incredibili  labore  miserae  plebis  com- 
parentur,  otiosos,  qui  nuincpiani  excitabunt  rebellionem. 

25.  NuUus  sit  exemtus,  ne  piinceps  quidem  aut  ministrorum  quispiam.  Quod 
enim  ita  principes  solvunt,  centies  recipiunt,  prorsus  ut  Elector  Moguntinus  itidem 
solvit  vectigal  pontis .  das  Brückengeld. 

26.  Eo  vectigali  imposito  nuiltorum  scribacitas  frenabitur.  Imprimis  merca- 
toribus  lioc  decedere  nihil  nocet  Reipublicae,  caetera  fere  in  litigantes  redundabunt. 

27.  Societas   etiam    inspectionem   habeat   manufacturarum    et  commercioi'um. 

28.  Mala  Rei  librariae  multa  magnaque  sunt  et  Reipublicae  admodum  dam- 
nosa.  Consistunt  autem  in  eo,  quod  optima  quaeque  non  imprimuntur,  imprinuuitur 
multa  perniciosa,  plura  supervacua,  omnia  confusa.  Impressa  vero  vix  venduntur. 
nisi  exigua  aut  ridicula,  omnino  etiam  perniciosa. 

29.  Rationes  igitur  ineundae  sunt,  qaibus  prohibeatur  libroi'um  maloruiu 
distractio,  superfluorum  sistatur,  optimorum  adjuvetur.    Par  est  ratio  de  impressione. 

30.  Nidlus  über  imprimatur,  in  quo  non  autor  indicet  in  praemisso  aliquo 
loco,  ({uid  praestiterit  Reipublicae  utile  ab  aliis  ignoratum.  Et  illud  ipsum  intus 
in  libro  signet.  ut  excerpi  integrum,  si  opus,  possit.  Si  (juis  librum  totum  suis 
speculationibus,  vel  experimentis  plenum  habuerit,  exprimet  tamen  quod  prae  ceteris 
scitu  utile  putet.     Hoc  multos  a  scribendo  inepta  continebit. 

31.  Kein  Drucker  soll  ein  Buch  zu  drucken  über  sich  nehmen,  es  sey  dann 
die  Censur  dabey. 

32.  Censiu'a  soll  darin  bestehen,  ne  (juid  liber  contineat  contra  pietatem  et 
bonos  mores. 

7,21.  Censores  sollen  seyn  die  nächste  Universität  im  selben  Tei-ritorio ,  darinnen 
der  Truck  geschieht,  oder,  ist  keine  Universität  darinnen,   eine  nächste  Universität. 

3. 

(Vei-n;!.  Geschichte  der  Akademie  S.  29). 

Leibniz,  Grundril's  eines  Bedenckens  von  Aufrichtung  einer  Societät 
in  Teutschland  zu  Aufnehmen  der  Künste  und  Wifsenschafften  (1669/70). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.  i.Bd.  S.  iiiff.] 
§  I.  Die  Stück  dieses  Bedenckens  sind  i)  ob,  2)  wie  sie  aufzurichten.  Wie- 
wohl was  man  sagen  wird,  wie  sie  aufzurichten,  dienen  wird  zu  beweisen,  dafs 
aufzuricliten.  Soviel  man  von  ilirer  Natur  und  Eigenschaft  gedencken  wird, 
so   viel    wird    man   Exempel    ihrer  Wirckung  und  Nuzens    erzehleu  müssen. 


3.    Licir.MZ ,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutseliland.  9 

§  2.  Fragt  sich  nun.  ob  sie  aufzurichten.  Antwort:  ,1  n .  und  zwar  so- 
wohl unib  der  .Stiffter  dei'selljcn.  als  gemeinen  l)estens  willen.  Die  Stil'ftende 
se/.e  ich  also  lieschaften  zu  seyn,  dafs  sie  hohen  Standes,  Vermögens  und 
Ansehens  wegen,  nichts  bedürften  als  guthes  Ciewil'sen  und  unsterljlichen 
Ruhm,  bey  den  unl^etrüglichen  Richtern.  Gott  und  der  Posterität.  Beyde 
werden  zwar  erst  künt'ftig  ihr  Urtlieil  fällen,  doch  kan  auch  in  diesem  Leben 
hohen  Personen  und  sonderlich  genereusen  Menschen,  die  vor  Nothdurfft  nicht 
sorgen  dürfen ,  und  der  L  e  i  1)  e s  w  o  1 1  ü  s  t  e  über  Nothdurfl't  sowohl  C  o  n  s  c  i  e  n  z  a Is 
Gesundheit  wegen  nicht  achten,  nichts  süiseres ,  ja  nichts  zu  ihrer  Gesund- 
heit dienlicheres  sej'u.  als  das  Contento,  die  Fi'eudigkeit,  die  Ruhe  des  Gemütiis 
imd  mit  einem  Woi't  das  coelum  in  terris,  so  ihnen  der  unbetriegliche  Vor- 
schmack  künflftiger  Glückseeligkeit.  wo  anders  ein  Gott  und  eine  Posterität  zu 
glaul)en  und  zu  Jioft'en  ist.  schohn  anjezo  und  der  Früchte  der  Ewigkeit  dem  Ge- 
müth  in  einem  Blick  gleichsam  auf  einmal  concentrirt  vorstellet.  Schliel'se  also, 
das  solche  Gesellschaft  i.Gewifsens,  2.  unsterblichen  Ruhms  der  Stiflftenden 
wegen,  und  dann  3.  umb  gemeinen  Bestens  willen  aufzurichten.  Wiewohl  der 
gemeine  Nuz  eines  so  löblichen  Gott  und  Menschen  angenehmen  Wercks  den 
Nuzen  der  Stitftenden  gründet,  und  des  guthen  Gew'ifsens  sowohl  als  unsteii)liclien 
Nahmens  wahre  unfehll)are  Ursach  ist.  Welches  anjezo  von  Puncten  zu  Puncten 
zu  erweisen. 

§3.  Gutes  Gewifsen  ist,  dafs  ichs  so  zu  sagen  definire.  eine  Freude 
des  Gemüths  wegen  Hofnung  ewiger  Glückseeligkeit.  Soviel  nehmlich,  wie  sich 
dann  selbst  verstehet,  deren  \'ersiclierung  in  menschlicher  Macht  ist,  wenn  er  alles 
thut,  was  ihm  müglich  ist.  und  das  Übrige  der  unfehlbaren  versprochenen  Gnade 
des  grundgütigen  imd  zugleich  gerechten  Gottes  anheimstellet. 

§  4.  Die  Hofnung  ist  ein  Glaube  des  Zukünfftigen,  gleichwie  der  Glaube 
so  zu  sagen  eine  Hofnung  des  Vergangenen.  Denn  glauben  ist  soviel  als  hoff"en, 
dafs  das  Vergangene  sowie  man  sagt,  wahr  sey.  Der  wahre  Glaube  nun  und  die 
wahre  Hofnung  aber  ist  nicht-nur  Reden,  ja  nicht  nurDencken,  sondern  prac- 
tice  Dencken,  das  ist  Thun.  als  wenns  wahr  were.  An  Gott  glauben,  zu  Gott 
hofi^en.  ist  Glauben,  dafs  Uns  Gott  liebe  und  seine  Liebe  zu  Erweckung  unser 
Gegenliebe  durch  unsern  Heiland  und  ^Mittler  inis  angetragen;  und  daim  hoft'en, 
dafs  wenn  wir  ihn  von  ganzem  Herzen  wieder  lieben,  dahehr  eine  unzertrennliche 
Freundschaff"t  und  amicitia  vera  et  aeterna  entstehen,  und  dann  unaussprechliche 
unendtliche  Nielsung  in  jenem  Leben  folgen  werde. 

§  5.  Ist  also  Hofnung  und  Glaube  gegründet  auf  Liebe,  und  alle  drey 
auf  Erkänntnüfs.  Liebe  ist  eine  Freude  des  Gemüths  aus  Betrachtung  der  Schön- 
heit odei-  Vortreflfligkeit  eines  Andern.  Alle  Schönheit  besteht  in  einer  Harmoni 
und  Proportion,  die  Schönheit  der  Gemüther  oder  Verstand  habender  Dinge  in 
der  Proportion  zwischen  Vei'stand  imd  Macht,  welches  auch  in  dieser  Welt  das 
Fundament  der  Gerechtigkeit,  der  Ordnung,  der  Meriten,  ja  der  Form 
der  Republick  ist,  dafs  ein  jeder  verstehe  Avas  er  vermag,  und  vermöge  soviel 
als  er  verstehet.  Ist  die  Macht  gröfser  als  der  Verstand,  so  ist  dei-  sie  liat  ent- 
weder ein  einfältig  Schaf,  wo  er  sie  nicht  weis  zu  brauchen,  oder  ein  Wolf  und 
Tyrann,  wo  er  sie  nicht  weis  wohl  zu  brauchen.  Ist  der  Verstand  gröfser  als 
Macht,  so  ist  der  ihn  hat,  vor  unterdrückt  zu  achten.  Beyde  sind  lumüz,  ja  auch 
wohl  schädlich.  Bestehet  nun  pulclu-itudo  mentium  in  scientiae  et  potentiae  pro- 
portione,  so  bestehet  pulclu'itudo  sununae  et  infinitae  mentis  in  einer  Infinität  so- 
wohl der  Macht  als  Weisheit,  und  folglich  die  Liebe  Gottes,  des  höchsten  Gutlis, 
in  der  unglaublichen  Freude,  so  man  (auch  anjezo  l)ereits,  ohne  visione  beatifica) 
schöpfet  aus  der  Betrachtung  dessen  Schönheit  oder  Proportion,  das  ist  Infinität 
der  Allmacht  und  Allweisheit. 


10  3.   Leibniz,  Errichtung  einer  SocieTüt  in  Deutschland. 

§6.  Hinwiederumb  wird  Glatibe,  Hofnung  und  Liebe  durch  die  Er- 
känntnüfs  und  Gewii'sheit  der  Allmacht  und  Allwissenheit  Gottes  v.'un- 
derl)arlich  befestiget.  Denn  weil  er  die  höchste  Weisheit,  so  ist  gewils,  dafs  er 
so  gerecht  und  güthig  sei.  und  Uns  sein  Geschöpf  also  bereits  geliebt  liabe,  dals 
er  alles  gethan,  was  an  ihm  ist  (nehmlich  soviel  die  Universal -Harmoni  der  Dinge 
leide,  und  sich  thun  lafsen,  ohne  unsern  freyen  Willen  todl  zu  thun)  umb  zu 
machen,  dafs  auch  wir  ihn  lieben,  worauf  der  Glaul^e  ruhet.  Ist  er  aber  auch 
zugleich  die  höchste  flacht,  so  ist  gewifs,  dafs  er  die  so  ihn  wieder  lieben,  seiner 
Liebe  geniefsen  zu  lafsen.  das  ist  ewig  glücklich  zu  machen,  kräft'tig  genug  sey. 
Welche  Betrachtung  die  Hofnung  gründet,  luid  wenn  sie  recht  zu  Herz  gefafset, 
alleine  genug  den  Menschen  glückseelig,  ihm  auch  Unglück,  Armuth,  Verfolgimg, 
Verachtung,  Kranckheit,  Marter,  Todt,  zu  nicht,  ja  süfs  zu  machen. 

§  7.  Aber  gleich  wie  Glaub  und  Hofiumg  ist  nicht  nur  obenliin,  sondern 
])rnctice  dencken,  das  ist  thun,  als  wenns  wahr  were  (sup.  §  4.).  dals  Gott  uns 
liebe,  so  ist  aucli  Gott  lieben,  nicht  nur  obenhin,  sondern  practice  wollen, 
das  ist  alles  tluui  was  in  unsern  Kr  äfften  ist.  umb  wahr  und  wüi'cklich  zumachen, 
dafs  auch  wir  ihn  eufserst  lieben.  Die  Würckligkei t  der  Liebe  bestehet  darin, 
dafs  wir  thun,  was  dem  Geliebten  lieb  ist.  Was  Gott  lieb  sey,  mus  wiederumb 
dessen  Erkäntnüfs,  soviel  es  in  unserm  Vermögen,  geben.  Denn  gleichwie  die 
Erkänntnüfs,  dafs  er  allmächtig  und  allwissend  sey,  die  Ursache  ist  (supra  §  6), 
dafs  wir  ihn  sollen  lieben,  so  ist  die  Erkäntnüfs,  wie  er  allweis  und  allmächtig, 
soviel  wir  daliin  gelangen  können,  die  Richtschnur,  wie  wir  ihn  sollen  würck- 
lieh   li('])en. 

§8.  Die  Erkäntnüfs  Göttlicher  Natur  ist  natih-liclier  Weise  aus  nichts 
anders  zu  nehmen  als  aus  der  wahren  Demonstration  seiner  Existenz.  Solche 
nuifs  hauptsächlich  dahehr  geholet  werden,  dafs  zuförderst  ohne  ihn  nicht  möglich 
ist  eine  Uhrsach  zu  haben  (da  doch  nichts  ohne  Ursach  ist)  warumb  die  Dinge, 
so  doch  könten  nicht  seyn,  etwas  seyn;  und  denn  ferner,  warumb  die  Dinge  so 
doch  könten  confus  und  verworren  seyn,  in  einer  so  schönen,  unausspi'echlichen 
Harmoni  seyn.  Jenes  macht,  dafs  er  seyn  mus  Ratio  ultima  rerum  imd  also 
die  höchste  Macht;  dieses  dafs  er  seyn  mus  Harmonia  maxima  rerum  mid 
also  die  gröste  Weisheit. 

§  9.  Hieraus  folgt  unwiedertreiblich,  dafs  Caritas,  dafs  Amor  dei  suj)er 
omnia,  und  die  walu'e  Contritio,  an  der  der  Seeligkeit  Versicherung  hanget, 
uichts  anders  sey  als  amare  bonum  pu])licum  et  harmoniam  imiversalem;  vel  (juod 
idem  est,  gloriam  Dei  et  intelligere  et  Quantum  in  se  est,  facere  majorem,  denn 
zwischen  der  Universal- Harmoni  mid  der  Ehre  Gottes  ist  kein  Unterschied  als 
zwischen  Cörper  und  Schatten,  Person  und  Bild,  radio  directo  et  reflexo, 
in  dem  dafs  was  jene  in  derXhat,  diese  in  der  Seelen  ist  Derer  die  ihn  kennen. 
Denn  Gott  zu  keinem  andern  End  die  vernünfftigen  Creaturen  geschaften,  als 
dafs  sie  zu  einem  Spiegel  dieneten,  darinnen  seine  unendtliche  Harmoni  auf  un- 
endtliche  Weise  in  etwas  vervielfältiget  würde.  Mafsen  auch  die  vollkommen  ge- 
machte Erkänndtnüfs  und  Liebe  Gottes  zu  seiner  Zeit  in  der  visione  beatifica  oder 
unersinnlichen  Freude,  die  die  Bespiegelung  und  auf  gewisse  Mafse  Concentririmg 
der  unendtlichen  Schönheit  in  einem  kleinen  Punct  unser  Seelen  mit  sich  bringen 
wird,  bestehen  mus.  Wie  denn  dessen  die  Brennspiegel  oder  ßrenngläser  ein 
natürlich  Vorbild  seyn. 

§  10.  Bestehet  nun  darin  Amor  dei  super  omnia,  Contritio,  Beatitudo  aeterna, 
dafs  man  die  Schöhnheit  Gottes  und  Universal-Harmoni ,  jeder  nach  seines  Ver- 
standes Fähigkeit  fafse  und  wiederumb  auf  andere  reflectire,  und  denn  aucli 
nach  Proportion  seines  Vermögens  deren  Hervorleuchtung  in  ^Menschen  imd 
andei'en    Creaturen    befödere    und    vermehre,    so    folgt    daraus    dafs    alle    diejenigen. 


3.    Lkieniz .  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland.  11 

welche  die  etwas  sparsamere  Natur,  iimL  die  Welt  l)unt  zu  scliattiren,  mit  einem 
gei'ingern  Grad  des  Verstandes  und  flacht  l)egal)t,  dafs  sie  nur  andei'er 
instrumenta  velut  meehanica  seyn  müfsen,  gnui>-  tlmn.  wenn  sie  sicli  als  in- 
strumenta der  Ehre  Gottes,  und  welches  eins  ist,  des  gemeinen  Nuzens  und  Er- 
neln'ung,  Erleichterung.  Commodität,  Unterweisung  und  Erleuchtung  ihres  Neben 
3Ienschen ,  ja  E  n  t  d  e  c  k  u n  g ,  D  u  r  c  h  s  u  c  h u  n g  und  ^"  e r  b  esse  r  u  n g  der  Creatiu-en, 
ex  praescripto  potentiorum  et  sapientiorum  brauchen  lalsen:  ihrem  Gewil'sen 
gnug  thun. 

vj  II.  Welche  mit  Verstand  olme  ]Macht  von  Gott  versehen,  denen  ge- 
l>ührt  zu  rathen,  gleichwie  die,  denen  die  Macht  gegeben ,  gebühret  güthig  Gehöhr 
zu  geben,  guthe  Vorschläge  nicht  in  Wind  zu  schlagen,  sondern  zu  gedencken, 
dafs  guthe  aber  verachtete  Rathgeber  vor  dem  allwifsenden  Richter  derinahls  eins, 
auch  tacendo,  ihnen  als  exprobratores  ignaviae  vel  malitiae  zun»  Schrecken  stehen 
Av erden.  Hingegen  gebühret  vei-achteten ,  obwohl  verständigen  Rathgebern  ultra 
consilia  nichts  zu  tentiren,  sondern  zu  gedencken,  dafs  Gott  das  guthe  Vorhaben 
einer  beisern  Zeit  vorbehalten,  und  deswegen  aus  seinem  verborgenen  Ratli  ihnen 
keine  dem  Verstände  gleiche  Älacht  gegeben,  dahehr  sie  auch  keineswegs  solche 
zu  erlangen  auf  verbotene,  den  Staat  turbirende  ^lachinationes,  Wort  und  Tliaten, 
nmb  auch  guthe  Consilia  auszuführen,  sich  legen  sollen. 

^5  12.  Welchen  aber  Gott  zugleich  Verstand  und  IMacht  in  hohem 
Grad  gegeben,  dies  sind  die  Helden,  so  Gott  zu  Ausführung  seines  Willens  als 
j)rincipaliste  instrumenta  geschaffen,  deren  unschäzbares  Talent  al)er,  so  es  ver- 
graben wird,  ihnen  schwehr  gnug  wird  fallen.  Corruptio  et  ex  nimio  torpore 
putrefactio  optimi  pessima  est.  Es  ist  ein  wichtiger  Punct.  daran  die  Seeligkeit 
und  endtliche  Rechenschafft  hanget,  seinen  Verstand  und  jNIacht  recht  zu  Gottes 
Ehre  brauchen.  Dafs  ich  glaube,  es  solte  ein  gewissenhaffter  Mensch  den  Lapidem 
Philosophorum .  mit  so  schwehrer  Condition,  so  aller  grolsen  Macht  unablöfslicli 
anhaff'tet,  ohne  Furcht  und  Zittern  nicht  annehmen,  damit  er  nicht  einmal  die 
harte  Wort,  dafs  du  verdammet  seyest  mit  deinem  Gelde,  höhren  müste. 

^13.  ^'erstand  nun  und  Macht  kan  zur  Ehre  Gottes,  auf  dreyerley  Weise 
hauptsächlicli ,  gebrauchet  werden,  gleichwie  ich  einem  Menschen  auf  dreyerley 
Weise  wohl  begegnen  kann,  nehmlich  mit  guthen  W\irten,  guthen  Andencken  und 
guthen  Wercken,  oder  wie  maus  bey  jNIenschen  nennet,  Wohlthaten.  Bey  Gott 
heists  erstlich  laudes  et  sacrificia,  nnd  endtlich  bona  opera,  vel  obedientia  vel 
Caritas  efficax.  Caritas  est  melior  fide  nuda,  Gehorsam  ist  befser  denn  Opfer,  fides 
melior  fictis  sacrificiis  laudibuscjue  deren,  die  Gott  nur  mit  den  Lippen  ehren. 
Unde  Deuni  colimus  vel  ut  oratores  et  sacerdotes,  vel  ut  philosophi  natm-ales,  vel 
ut  morales  seu  politici. 

§  14.  Danach  sind  diejenigen  so  Gott  mit  Lob  und  Opfer  verehren,  an  sich 
selbst  oratores  et  sacerdotes  (cur  am  an  im  ar  um  und  sacramenta  beyseits 
gesezet,  damit  sie  den  Seelen  nuz  seyn,  imd  zur  dritten  Classe  gehörig,  zu  ge- 
sell weigen  auch  das  bey  den  Alten  die  Sacerdotes  zugleich  Philosophi  und 
Rectores  rerumpublicarum  gewesen  und  vieler  Ursachen  wegen  von  rechts- 
wegen  noch  seyn  solten).  Oratores  nun  sind  sie  mit  Worten,  Sacerdotes 
mit  Caeremonien.  Welches  aber  vor  sich  ein  groi'ses  herrliches  Werck,  Gottes 
Ehre  auszubreiten,  imd  jederman  mit  dessen  Liebe  gleichsam  anzuzünden.  Dahehr 
was  dazu  gestifftet,  pflegt  man  absolute  zur  Ehre  gestifftet  zu  nennen,  denn  ob- 
gleich alles  Guthes  zur  Elu-e  Gottes  gerichtet  ist,  so  lauff't  doch  diese  Art  Gott 
zu  ehren  dem  gemeinen  Mann  meisten  in  Augen  mul  Ohren,  weil  sie  die  Ehre 
Gottes  immediate  mit  Worten,  darinn  sie  bestehet,  nennet.  Wie  dann  auch,  was 
dazu  gestift'tet,  ins  gemein  kut  €^ox')v  und  absolute  ein  bonum  opus  genennet  wird. 
Was   nun   zu  Gott  wolilgetalligem   ( )pfer,   zu  Predigten   und  3Iusie.   zu  Componirung 


12  3.    Leibmz,  F^rriclitung  einer  Societät  in  Deutschland. 

lieri'liclier  beweglicher  Lobgesänge,  damit  sich  die  alten  Hebräer  ja  auch  die  Heiden 
weit  mehr  und  befser  als  wir  ergüzet  und  geübet,  zu  wohlanständigen  Cerenionien 
und  Kirchen -Zierath,  zu  herrlichen  Tempeln  und  Kirchen,  so  da  eine  mehrere 
Veneration  zu  erwecken  dienen,  für  Mittel  gewiedmet,  wenn  sie  wohl  gebrauchet 
werden,  unzweifentlich  wohl  angelegt  zu  achten.  Dabey  mir  einfället,  dafs  bey 
Aufrichtimg  der  französischen  zu  Aufnehmen  und  Zierde  ihre[r]  Sprache  vom  Car- 
dinal Richelieu  angerichteten  Academi  oder  Societät  ein  gottseelige'"  Mann  unter 
andern  in  die  Leges  einzurücken  begehrt,  dals  ein  jedes  Glied  etwas  jährlich  zum 
Lobe  Gottes  zu  componiren  schuldig  seyn  solte.  ist  aber,  weis  nicht  warumb, 
verblieben. 

§  15.  Als  Philosophi  aber  verehren  Gott  diejenigen,  so  eine  neue  ILnr- 
nioni  in  der  Natur  und  Kunst  entdecken,  xmä  seine  Allmacht  und  Weisheit 
siclitbarlich  zu  spüren  machen.  Dahehr  Moses,  Hiob,  David  und  andere  meisten- 
theils  sowohl  von  natüi'lichen  Wundern,  die  Gott  in  die  Geschöpf  ge- 
2)flanzet,  als  die  er  zur  Erlösung  seines  Volcks  gethan,  Materi  ihrer  Lob- 
gesänge zu  nehmen  ])ilegen.  Wie  er  dem  Meer  seine  Grenzen  gesezet,  den  Hinunel 
gewöll)et,  iiber  den  Wolcken  dahehr  fahre,  seinen  Donner  erschallen,  Ströme  (piellen, 
Kräuter  wachsen,  die  Tliiere  ihre  Nahrung  und  Speise  zu  rechter  Zeit  finden  lafse. 

§  16.  Dahehr  vor  gewis  zu  halten,  dafs  soviel  einer  Wunder  der  Natur 
weis,  so  viel  besize  er  in  seinem  Herzen  Bildnüfse  der  Majestät  Gottes,  wenn 
er  sie  nur  dahin  und  also  zu  ihrem  Original  i-etlectiret:  Und  sind  dahehr  zu  loben 
die  herrlichen  Gedancken  des  Patris  Spee  Soc.  Jes.,  eines  trefflichen  Mannes, 
welcher  einen  Vorschlag  gethan.  wie  man  sich  gewöhnen  solle,  fast  nichts  soviel 
möglich  ohne  Reflexion  zui-  Ehre  Gottes  vorbey  passiren  zu  lafsen ;  vielweniger 
die    herrliche  Wunder,    damit   ihn    die  Creaturen  stillschweigend  zeigen  und  loben. 

§  17.  Derowegen  ich  in  der  Meinung  bin,  dafs  auch  den  grösten  Moralisten 
und  Politicis.  die  aber  ganz  keine  Naturalisten,  sondern  der  Wvmder  der  Natur 
weder  erfahren  seyn,  noch  achten,  recht  ein  grofser  Theil  der  rechten  Ver- 
wunderung, der  wahren  Erkentnüfs  und  brünstigen  Liebe  Gottes  und 
also  der  Perfection  ihrer  Seelen  Jiljgehe,  wo  es  nicht  dtu'ch  excellente  Wisse n- 
schafft  und  guthen  Gebrauch  ilu'er  Kunst  die  Menschen  zu  erkennen  und 
zu  regieren  ersezet  wird.  Kan  derowegen  Niemand  Gott  mit  mehrerm  Eifer  und 
gröfserm  Nachdruck  loben,  als  wer  bey  seiner  Eloquenz  und  Poesie  auch  in 
der  wahren  Philosophi  die  Grenzen  gemeiner  Wifsenschafft  überschritten. 

§  18.  Sonderlich  aber  sind  diejenigen  bei  Mensclien  hoch  zu  halten  vuul 
be}^  Gott  aufser  Zweifel  in  Gnaden,  die  mit  guther  Litention  den  Schöj)fer  zu 
loben  und  dem  Nee  listen  zu  nuzen.  ein  herliches  Wunder  der  Natur  oder 
Kunst,  es  sey  nun  eine  Experienz  oder  wohlgegründete  Harmoni  entdecken 
und  gleichsam  ipsis  factis  Gott  zu  Ehren  peroriren  und  poetisiren.  Wie  denn  die 
Empirici  vor  Oratores  oder  Historicos,  die  Theorici  vor  Poetas  reales  zu 
achten,  dieweil  jene  gewisse  Experienzen,  diese  aber  scheinbai-e,  der  Natur  wohl 
einstimmende  und  auf  die  Experienzen  sich  reimende  Hypotheses  ersinnen  und 
mit  deren  Concinnität  die  Weisheit  Gottes  jireisen. 

§  19.  Gewislich  so  oft't  von  den  nunmehr  lleifsigen  Anatoniicis  ein  neues 
Gefäfs  pei- modum  experimenti  entdecket,  oder  ein  bishehr  u.nbekannter  Gebrauch 
der  längst  bekandten  Gefäfse  ])er  modum  hypotheseos  ersonnen  wird,  so  oft\  wird 
die  Allmacht  und  Weisheit  Gottes  gleichsam  mit  lebendigen  Farben  illuminiret,  und 
ein  verständige!' Man  zur  Verwunderung  der  AVeisheit,  Furcht  der  Macht, 
und  Liebe  der  Übereinstimmung  beydei-.  das  ist  der  Schölin-  und  Gütigkeit 
seines  Schöpfers  mehr  bewegt,  als  durch  tausend  Orationes,  Carmina,  aucli  wohl 
bisweilen  Lectiones  und  Honiilias.  Mafsen  ein  einig  dei'gleichen  Inventum  vieler 
1000  schöhner  Lobgesänge  IMateri  und  r^)uelle  seyn   kan. 


3.    Leibniz,  EiTicIltung  einer  Societät  in  üeutschlaiid.  13 

^20.  Dahelir  eine  Jegliche  Walirlieit,  ein  jegliches  Experiment  oder 
Theorenia,  so  verwunderungs-  und  betrachtungswürdig,  obgleich  kein  prol)lenia 
daraus  gemacht  werden  könte  (so  doch  selten)  ob  es  gleich  nicht  gleicli  lucri- 
ferun),  sondern  nur  luciferum  wäre,  als  ein  neu  erfundener  Spiegel  der 
Schöhnheit  Gottes  vor  unschätzbar  und  höher  als  der  kostbare  Diamant  zu  achten, 
dahehi-  auch,  was  auff'  ehrliche,  gottesfürclitige  und  verständige  Leute  zur  Pert'ec- 
tionirung  der  Natui'- Kündigung  und  realen  Künste  gewendet  wird,  pro  piissima 
causa  und  Stifftung  zur  unerschöpflichen  wahi'en  Ehre  Gottes  gehalten  werden 
mus.  Zu  geschweigen,  dass  die  meisten  einen  Nuzen  im  menschlichen  Leben  haben 
würden,  wenn  unsere  übele  Anstalt,  Nachläfsigkeit  und  Umbwege  nicht  alle  so 
reale  und  nüzliche  Erfindungen,  deren  unser  Seculum  niclit  wenig  gehabt,  uns  un- 
nüz  machten.  Wie  denn  die  Medicin  der  neu  erfundenen  vasorum  lacteorum  und 
lymphaticorum  der  Circulation,  und  so  vieler  ander  ductuum,  auch  des  von  der 
(,'hymie  in  der  Natur  angezündeten  Liechtes  bishehr  noch  wenig  gebessert  ist,  und 
der  methodus  medendi  dergestalt  bei  denen  nur  allein  geldesbegierigen  Practicis 
in  so  schlechtem  Stande  blieben,  als  er  zuvor  jemahls  gewesen. 

§  21.  Derowegen  ist  die  dritte  Art  Gottes  Ehre  zu  suchen,  deren  nämlich 
so  ihm  dienen  als  Moralistae,  als  Politici,  als  Rectores  i'erum  publicarum  die 
vollkonnnenste,  als  Avelche  sich  ])emühen,  nicht  allein  den  Glanz  göttlicher  Herr- 
ligkeiten  in  der  Natur  zu  linden,  sondern  auch  durch  Imitation  nachzuahmen 
und  also  nicht  allein  mit  Loben  und  Andencken,  oder  mit  Wort  und  Gedancken, 
sondern  auch  mit  guthen  Wercken  ihn  zu  ehren:  nicht  allein  zu  betrachten,  was 
er  Gutes  gethan,  sondern  auch  sich  ihm  als  Instrumenta  aufzuopfern  und  darzu- 
stellen, dardurch  mehr  Guthes  zu  gemeinen  und  sonderlich  des  menschlichen  Ge- 
schlechts Nuzen,  als  dem  zum  besten  alle  sichtbaren  C'reaturen,  in  welche  wir  zu 
würcken  flacht  liaben,  geordnet,  geschaftet  werde. 

§  22.  Diefs  sind  die,  welche  die  erfundenen  Wunder  der  Natur  und  Kunst 
zur  Arzney,  zur  jMechanick ,  zur  Commodität  des  Lebens,  zu  3Iateri  der  Arbeit  und 
Nahrung  der  Armen,  zu  Abhaltung  der  Leute  von  Mürsiggang  luid  Laster,  zu  Hand- 
habung der  Gerechtigkeit,  zu  Belohnung  und  Strafe,  zu  Erlialtung  gemeiner  Ruhe, 
zu  Aufnehmung  und  Wohlfart  des  Vaterlandes,  zu  Exterminirung  th eurer  Zeit,  Pest 
und  Krieges,  soviel  in  unser  Macht  und  an  uns  die  .Scludd  ist,  zu  Ausbreitung 
der  wahren  Religion  und  Gottesfurcht,  ja  zu  Glückseeligmachung  des  mensch- 
lichen Geschlechts  so  viel  an  ihm  ist,  anwenden,  und  was  Gott  in  der  Welt 
gethan,  in  ihrem  Bezirck  nachzuahmen  sich  belleii'sen. 

§  23.  Solche  Glückseeligkeit  menschliches  Geschlechts  wäre  müglich,  wenn 
eine  allgemeine  (Konspiration  luid  Verständnifs  nicht  inter  chimaeras  zu  rechnen 
und  zur  Utopia  Mori  und  civitate  Solls  Campanellae  und  Atlantide  Baconi  zu 
sezen ,  mid  gemeiniglich  der  allergrösten  Herrn  Consilia  von  allgemeiner  Wohlfart 
zu  weit  entfernt  weren.  Nichtsdestominder  bringet  die  Vernunfft,  die  Gerechtigkeit, 
das  Gewissen  mit  sich,  dafs  ein  jeder  das  seine  in  seiner  Sphaera  activitatis  thue, 
dadurch  er  vor  Gott  und  dem  Tribunal  seiner  Conscienz  entschuldigt  sey.  Si  non 
possumus  quod  volumus ,  velimus  quod  possumus.  Mafsen  vielleicht  Mittel  zu 
finden,  die  dem  Ansehen  nach  gering,  auch  von  nicht  grofsen  Kosten,  und  den- 
noch zu  gemeinem  Nuzen,  zu  Aufnehmung  des  Vaterlandes,  zu  vieler  Menschen 
Unterhalt  und  Conservation,  zur  Ehre  Gottes  und  Entdeckung  seiner  Wunder  grofse 
Würckung  haben  köndten. 

§  24.  Unter  solchen  Mitteln  (mit  kleinen  Kosten  grofsen  Nuzen  zu  schaffen) 
wird  die  Aufrichtung  einer  wiewol  anfangs  kleinen  doch  wohl  gegründeten 
Societät  oder  Academi  eines  der  leicht-  und  importantesten  seyn.  Dadurch  die 
Ingenia  der  Deutschen  nacli  dem  Exempel  aller  ihrer  Xachbaren.  denen  sie  es  ver- 
hoffcntlich  bevorthun   sollen,    aufgemuntert,    eine   melu'ere  Conspii'ation   und  engere 


14  3.    Leieniz,   Errichtung  einer  Societät  in  Deutscliland. 

Correspondenz  erfahrener  Leute  erwecket,  viele  schöne  nüzliche  Gedancken,  In- 
ventiones  und  Experinienta,  so  oft  zu  Grunde  und  verloren  gehen  (weil  die  habende 
Vertrauligkeit  zu  comniunicii-en  und  wieder  dagegen  zu  erfahren,  Gelegenheit  und 
Anstalt  auszumachen,  Mittel  und  Verlag  ins  Greise  zu  thun .  und  anders  mangelt) 
erhalten  und  zu  Nuz  gemacht,  Theorici  Empiricis  felici  connubio  conjungiret,  von 
einem  des  andern  Mangel  supplii'et,  ein  Seminarium  artificum  und  gleichsam 
Officina  experimentorum  stabilirt,  Art  und  Vortheil  experinienta  se  ipsis  alendi. 
imo  augendi  (wenn  nur  anfangs  ein  geringer  Fmidus  da  ist)  gefunden,  ja  INIittel 
an  die  Hand  gegeben  werden,  die  Nahrung  im  Lande  zu  1)ehalten. 

Künste  und  Wissenschaften  zu  vermehren  und  zu  verbessern,  die 
Ingenia  der  Teutschen  aufzumuntern,  nicht  allein  in  Connnercieusachen  anderen 
Nationen  zum  Raub  blos  zu  stehen,  und  nicht  allein  in  Cultivirung  der  Scientien 
dahinter  zu  bleil)en,  sondern  der  englischen,  französischen,  venetianischen .  ro- 
manischen Societäten  und  Joui'ualen  Exempel  zu  folgen,  ja  ihnen  es  verhott'entlich 
alsbald  zuvorzuthim,  ebenmäfsig  ein  Journal  anzufangen  und  darin  zu  Aufnehmen 
der  Wifsenschaften.  eigner  Reputation  und  mutueller  Gorrespondenz  was  ohne 
Conseipienz  ist,  zu  publiciren.  mehrerer  Conspiration  und  engere  Correspondenz 
erfahrner  Leute  zu  erwecken,  gleichsam  einen  Handel  imd  Commercium  mit 
Wifsenschaft'ten  anzufangen,  welches  vor  allen  andern  den  Vortheil  hat.  dals  er 
unerschöpflich  ist  und  expendendo  nichts  verleuret.  meritii-ender  Leute  Lob  und 
Vitas,  Ad^■ersaria,  Diaria.  tliegende  Gedancken,  Schedas  posthumas.  so  nach  ihrem 
Tode  verloren  zu  gehen  pflegen,  vor  Untergang  zu  bewahren,  welches  verholfent- 
lich  mancher  per  ultimam  voluntatem  begehren  wird,  m'izliclie  Gedancken,  Li- 
ventiones  und  Experhnenta.  so  mancher  wegen  Dissidenz.  Amtsgeschäff'te,  Nachrede, 
und)  vor  keinen  Laboranten  geacht  zu  werden,  Fastidien  und  Plauderey  der  Hand- 
wergsleute. Abgelegenheit  dei-  Orther,  Mangel  der  Mittel  und  Verlags,  Nachläfsig- 
keit  der  Obrigkeit,  der  solche  Sachen  als  gegen  Competens  oder  Unterhalt  ver- 
gebens angetragen  werden,  mit  sich  sterben  lasset,  zu  erhalten,  auszumachen  und 
mit  Modellen  mid  Proben  zu  versuchen,  oder  da  es  wichtig  mit  befserer  Anstalt 
als  ein  Particulier  thun  würde,  ins  Grofse  zu  Nuz  zu  machen,  Theoricos  Empiricis 
felici  connubio  zu  conjungiren  und  mit  einem  des  andern  Defecte  zu  suppliren, 
durch  Zusammennehmung  unterschiedlicher  Experiu)ente  und  Inventionen  singulas, 
so  an  sich  selbst  incomplet,  zu  Nuz  zu  bringen,  ein  Seminarium  artificum  imtl 
Officinam ,  Niedei'lage  und  »Stapel -Stadt  experimentoi'um  et  inventionuin  dadin-ch 
anzurichten.  Art  und  Vortheil  experinienta  se  ipsis  alendi  et  augendi  zu  finden, 
wenn   nur  anfangs  in  etwas  ein  Fundus  da  ist. 

Rem  literariam  zu  verbefsern,  auf  das  Buchwesen  sonderlicli  ein 
wachendes  Auge  zu  haben,  die  Hand  darin  und  einige  Direction  zu  haben  suchen, 
nicht  allein  nomine  Caesaris,  mit  Archi-Cancellarii  imperii.  sondern  auch  durch 
Fournirung  des  Verlags  an  die  Buchführer,  sie  zu  obstringiren,  mehr  ins  küiifftige 
der  Raison  zu  folgen,  und  mit  Chartecpien  und  Maculatur  die  Welt  nicht  zu  füllen, 
dadurch  fast  alles,  was  hauptsächlich  und  verlegenswerth,  wegen  ^"erlags  und 
schöhnen  Di'uckes  in  die  Frembde  gehet,  mit  Vortlieil  eigne  Druckereyen  und 
Papyrmülilen  aufzurichten.  Catalogos  fast  aller  Bücher  zusammenzubringen,  sonderlich 
zu  erfahren,  was  in  ständigen  publiijuen  Bibliothecpien  stecke,  eine  eigene  Bil)lio- 
thec,  so  nichts  als  Kern  und  Realität  sey,  aufzurichten  und  bei  holländischen 
Auctioneu  \igiliren  zu  lafsen.  Manuscripta:  Relationes.  Diaria.  Itineraria,  Schedas 
perituras,  nüzliche  Correspondenzbrief,  und  andere  Cimelia  literaria,  so  offt  von 
der  abgestorbenen  Erlien  verachtet  und  verschleudert  werden,  zu  sammeln,  Anstalt 
zu  machen,  dass  der  Kern  aus  den  Büchern  gezogen  und  vortheilhaffte  leichte  Loci 
communes  gemacht  werden,  alles  in  Ordnung  und  Indicibus  zu  haben,  also  armen 
Studiosis  Unterhalt  zu  schafFen  ihre  vStudia  zu  continuiren  und  doch  daVjev  mit  ihrem 


3.    Leibmz,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland.  15 

iiiul  der  Societät  Nazen  ihr  Brodt  zu  verdienen,  auch  wohl  begüterter  Pupillen 
Erziehung  und  Administration  ihrer  Güther  gegen  gewisse  Recognition  zu  iiber- 
nehnien ,  damit  sie  nicht  oft"t  durch  Freunde  und  Tutores  muthwillig  und  mit  Fleis 
übel  erzogen  inid  del)auchirt  ^verden  und  noch  dazu  von  der  Schnur  zehren,  das 
ihrige  nicht  geniessen,  ihren  Vormündern  Kostgeld  geben,  also  duppelt  elend  und 
sowohl  an  Qualitäten  als  IMitteln  arm  werden  nu'ilsen.  ja  gar  ein  unumbschi'änktes 
Waisenhaus,  darin  alle  arme  Waisen  und  Findelkinder  ernähret,  hingegen  zui' 
Arbeit  und  entweder  Studien  oder  Mechanick  und  Commercien  erzogen  würden, 
aufzurichten,  imd  also  nun  hoc  onere  pias  fundationes  ])articulares  auf  sich  zu 
transferiren,  und  Hospitale.  Stipendia,  Waisenhäuser,  Cunnnunitäten ,  Landschuhlen, 
ja  gar  Universitäten  zu  vt>rschen.  Alles  mit  mehrer  Universalität,  Nachdruck  und 
Richtigkeit,  als  jezund  geschieht.  Wo  keine  sind,  von  der  Obrigkeit  des  Orths 
Stifftungen  dazu  ausszuwürcken  und  über  sich  zu  nehmen,  und  also  dadurch  immer 
mehr  und  mehr  gottesfürchtiger  und  ehr-liel)ender  hoiier  und  niedriger  Standes- 
Personen  Legata,  Donationes,  Beytrag  und  Fundationes  zu  erAvecken,  sich  also  zu 
guberniren,  dass  ein  jeder  Verständiger  ohne  der  Religionen  Unterschied  es  pro 
pia  causa  halten  müsse,  die  Schuhlen  zu  verbessern,  darein  Compendia.  Richtigkeit 
und  Ordnung  einzuführen,  die  Jugend  nicht  sowohl  aufpoeticam.  logicam  et  philo- 
sophiam  scholasticam,  als  realia:  liistoriam,  mathesin,  geographiani  und  jihysicam 
veram.  moi'alia  et  civilia  studia  zu  leiten,  ganze  Compagnien  Reisende,  wenn  sie 
dazu  tüchtig  worden,  mit  einander  auszuschicken  und  mit  })robatis  directoribus  zu 
versehn,  dadurch  Kosten  zu  ers])ahren.  die  Jugend  vor  Debauchen  zu  ])raeser- 
viren,  und  doch  dabei  der  Societät  Affaii-en  zu  thun.  zu  Haus  guthe  Spracli-  und 
Exercitienmeister  zu  halten,  ja  rechte  ritterschulilen  aufzurichten  und  zu  verlegen, 
damit  man  nicht  solcher  Dinge  wegen,  so  man  zu  Haus  haben  können,  sein  halbes 
Patrimonium  in  der  Frembde  verzehren  und  mit  seinem  eigenen  ^"erdel'ben  zu  Ver- 
armung des  Vaterlandes  cooperiren  müsse,  Kunst-  und  Raritäten,  Schilderey  auch 
Anatomiae-Cammern,  anders  als  jetzt  geschieht  bestellte  Apothecen.  Hortos  medicos 
completos,  Thiergärten.  und  also  theatrum  naturae  et  artis,  und)  von  allen  Dingen 
lebendige  Impressiones  und  connoissance  zu  bekommen,  anzurichten.  Nach  der 
fremden  Exempel  vornehmen  Herrn,  dem  Teutschen  Adel,  von  ihren  Rütteln 
lebenden  Leuten  und  sonderlich  wohl  liepfründeten  Geistlichen  Appetit  zur  Curiosität 
entweder  zu  machen,  oder  da  er  vorhanden,  solche  mit  Lust  und  ohne  INIülie  aus- 
zuüben Gelegenheit  zu  geben.  Und  mit  solchen  Innoxiis,  ja  sunnne  utilibus  occu- 
pationibus  nicht  allein  Brutalität.  Schwelgerey  und  Siuide  zu  verhüten,  sondern 
auch  zu  verhindern,  dass  manclier  aus  Geiz  oder  Faulheit  sein  Talent  und  liabende 
Mittel  nicht  vergrabe;  wenn  etliche,  so  von  Autorität,  angefangen,  werden  die 
andern  cum  tempore  folgen  müssen. 

Rem  medicam  et  chirurgiam  zu  vei'bel'sern.  Unzehlig  Anatomiren  an 
Thieren  und  Menschen  zu  thun.  und  dazu  keine  Gelegenheit  zu  versäumen.  Exac- 
tissimas  historias  medicas,  nicht  allein  von  Raritäten  der  Kranckheiten,  da  uns  doch 
die  currenten  Beschwehrungen  mein-  tribuliren,  sondern  auch  gemeine,  aber  nui- 
zu  wenig  luitersuchte  Sachen  zu  annotiren,  Exactissima  interrogatoria  Medica  per 
artem  cond)inatoriam  zu  foi-miren,  damit  keine  Circumstanz  noch  Lidication  ohne 
Retlexion  entwischen  könne,  der  temperamentorum  differentias  veras,  so  liey  weitem 
nicht  in  combinatione  (pialitatum  peripateticarum  Tiesteht,  sondern  mehr  von  der 
humoren  gleiclisam  chymischcn  Reactionen  und  Fermentationen  hehiTÜhren.  ad  mi- 
nutias  et  ultimas  subdivisiones  uscpie  so  viel  müglich  genau  zu  constituiren,  nicht 
nur  morborum  und  curationum.  wie  bishehr  die  Medici  gethan,  sondern  auch  gi'a- 
duum  sanitatis  et  ad  morbos  inclinationum,  das  ist  temperamentorum  indicationes 
et  contra -indicationes  in  Regeln  zu  bringen,  und  zu  dem  Ende  alle  Minutias,  darin 
ein  Mensch  in   Compagnie  eisen,    trincken,   schlalfen.   postui-,   gestilnis,  lineamenten 


IG  3.    Leibniz,  Emchtiuig  einer  Societät  in  Deutschland. 

etwas  sonderbahres  und  eignes  hat,  anzumercken ,  gegen  einander  zu  lialten.  mit 
dem  was  ihm  vorhehr  an  seinem  Leib  begegnet,  compariren,  auf  das  was  ilim 
hernach  begegnet,  Achtung  geben,  einem  jeden  historiam  naturalem  seines  Lebens 
nach  vorgeschriebenen  Interrogatoriis  formiren  luid  gleichsam  ein  Journal  halten 
lassen,  oder  da  er  nicht  kau,  ihm  darin  die  Hand  bieten,  dadurch  in  kurzer  Zeit 
connexio  indicationum  inter  se  et  cum  causis  et  effectibus,  seu  temperamentis  et 
morbis  vielfältig  erhellen  und  ein  unglaublicher  Apparatus  wahrer  A])horismorum 
und  01)servationum  entstehen  wird,  geschweige  wie  durch  die  Moi-alis  und  Politica, 
deren  grofses  Theil  die  Kunst,  der  Leute  sowohl  natiirlichen  Genium  und  Inclina- 
tionen,  als  gegenwärtige  temporale  Passionen  zu  erkennen,  zu  perfectioniren. 
Welches  alles  aber  niclit  wohl  müglich  als  bei  einem  Convictu,  Orden  und  Societät. 
auch  nosocomiis  zu  tliun.  Und  vielleicht  läfst  sicli  auch  Anstalt  niaclien.  wie  armen 
Leuten  mit  Rath  und  Th<at,  Medice  und  Medicin ,  ohne  Entgelt  beyzuspringen,  der 
Leute  Gewogenheit  zu  gewinnen,  sie  dadurch  vertrauHcher  zu  negotiiren  und  ad 
augendas'  observationes  medicas  zu  Nuz  zu  machen,  ihre  Wilsenschaft  der  Sim- 
plicien,  die  bisweilen  bey  Bauern  luid  alten  Weibern  befser  als  bey  Gelehrten, 
und  anderen  ihre  Erfahrung  in  Künsten,  Ackerbau.  Judicio  de  meteoris  etc.  aus- 
zulocken  und  in  aerarium  hoc  scientiarum  utilium  publicum  einzutragen.  —  Was 
diefs  in  kurzei-  Zeit  für  Effect  haben  wei'de,  ist  nicht  mit  Avenig  Worten  auszu- 
sprechen. Sintemahl  Puppen  Werck  dagegen,  was  die  engländ-  und  französische 
Societäten  ihren  Listitutis  und  Legibus  nach  ausriciiten  können. 

Die  3Ia  nufacturen  zu  verbefsern.  Die  Handwerge  mit  ^^)rtlleilen  und 
liisti'unienten  zu  erleichtern,  stets  werendes  unköstliches  Feuer  und  Bewegung  als 
Fundamenta  aller  mechanischen  Würckungen  zu  haben,  also  in  continenti  alle  Ein- 
fälle und  Concepte,  eigne  und  andrer  probiren .  und  sich  damit  nicht  lang  schlei^pen 
dürfen.  Mit  IMühlwerck,  Drechselbäncken ,  Glasschleifen  luid  Perspectiven,  allei'- 
hand  Machinen  und  Uhren,  Wafserkünsten,  Scliiftsvortheilen,  Mahlerey  und  andern 
figurirenden  Künsten,  Weberey,  Glasblasen  und  Bilden.  Färberey,  Apothekerkunst, 
8tald-  imd  andern  metallischen  Wercken,  Chymie  und  wohl  gai-  einigen  tüchtigen, 
ohne  Anstalt  aber  unausträglichen  Particidarien ,  mit  neuen  niizlichen  Anstalten 
fremde  Pflanzen  und  Thiere  im  Land  zu  ziehen  imd  die  lialienden  zu  bel'sern, 
Bergwerge  mehr  zu  nuzen,  und  in  Sununa  mit  vielen  andern  niizlichen  richtigen 
Inventionen,  so  theils  in  Händen,  theils  zu  haben,  theils  zu  hoff"en,  all(>n  mit  Ilnnd- 
arbeit  sich  nehrenden  Menschen  zu  Hülft"  zu  kommen. 

Die  Commercien  zu  verbefsern.  Nahrungen  im  Lande  zu  schaffen, 
Leute  im  Lande  zu  behalten ,  Leute  hinein  zu  ziehen ,  Manufacturen  darin  zu  stifften, 
Commercien  dahin  zu  ziehen,  fi'embde  liederliche  Manufacturen  gemächlich,  auch 
ohne  Verbot  und  Ombrage  zu  exterminiren,  die  rohe  Wahre  nie  unverarbeitet  aus 
dem  Lande  zu  lafsen,  frembde  rohe  Wahre  bey  uns  zu  verarbeiten,  Werck-  und 
Zuchthäuser,  die  Müfsiggänger,  Bettler,  Krüpel  luid  spital-mäfsige  Uebelthäter  an- 
statt der  Schmiedung  auf  die  Galeren  und  niemand  nuzen  Todesstraffe,  oder  zum 
wenigsten  schädlichen  Fustigation ,  in  Arbeit  zu  stellen ,  anzulegen ;  IMagazine  luid 
Kaufhäuser  aufzurichten,  mit  allei'hand  ]\Lit(>rialien  sich  zu  rechter  Zeit  zu  ver- 
sehen, niemahl  an  nöthigen  Dingen  ]Mangel  zu  haben,  noch  bis  auf  den  Nothfall 
zu  warten,  also  Hungersnoth  und  Theuerungen  vorzukonnnen ,  ein  Hospital  auf- 
richten, so  sich  selbst  erhalte,  denn  keiner  so  lahm  ist,  dafs  er  nicht  auf  gewifse 
Mafse  arbeiten  kchme.  (vid  sujjra.)  Ein  Werckhaus  zu  haben,  darin  ein  jeder 
armer  Mensch,  Tagelöhnei-  und  armer  Handwercks- Gesell,  so  lange  er  will  arbeiten, 
und  seine  Kost  auch  wohl  etwas  zur  Zehrung  weitei'zugehen,  verdienen  könne, 
dafs  also  daselbst  alle  Handwercke  geschenkt  -weren.  Vide  von  armen  Waisen- 
kindern. Dermahleins  den  Rentenirern  zur  Anlegung  ihrer  Gelder  ein  sicher  Banco 
zu  formiren.  nach   Gelegenheit  in  neue  Compagnieu  sich   zu  begeben,  bey  den  be- 


3.    Leibniz,  Errichtung  einer  Societät  in  Dcutscliland.  1  / 

reits  bestellten  Actieu  zu  erluindeln,  mit  Leuten  und  Hei'i'en,  so  ].ust  und  Ruhe 
.suchen,  in  Aniodiationes  mid  Leib^edinge  zu  treten,  die  luifgenonunenen  Gelder 
li()her  ;ds  unib's  Interesse  zu  nuzeii,  die  Juden  in  Zwang  und  Devotion  zu  haben, 
aul"  alle  Vortheil  der  Ausländer  und  Vaganten,  auch  Einheimische,  so  zu  .Schaden 
handeln,  und  Arbeiten  Achtung  zu  geben,  von  allem,  was  Handel  luid  Wnndel 
betrifft,  genaue  Relationc^s  und  T'berschläge  zu  formii-en,  sondei'lich  Miinzsachen 
zu  untersuchen,  allerhand  Policeyordnungen  zusanmienzubi'ingen  und  zu  Nuz  zu 
machen,  auf  den  Handel  zur  See  ein  wachendes  Auge  zu  halten,  bey  den  Hnnse- 
städten  sich  einzurichten,  zu  deren  Wiederbringung  zu  cooperiren,  Privilegia  im 
Lande  auf  alles,  die  ausländische  auszuschlieisen  und  doch  niclits  theurer  zu  geben, 
Privilegia  aufser  Landes  auf  alle  Handlung  und  Manufacturen .  so  neu  und  zuvor 
daselbst  nicht  gethan  noch  getrieben  worden,  zu  erhalten,  luul  also  zu  richten, 
da  ('s  man  alles  wohlfeiler  als  andere  gebe,  und  dergestalt  auch  ohne  Privilegia  sie 
ausschliel'sen  könne  (weil  alle  Manufacturen  der  wohlfeilen  Kost  wegen,  wenn 
nur  Anstalt  da  wäre,  in  Deutschland  wohlfeil,  mehr  als  in  Holland  zu  machen), 
und  also  diu-ch  einen  stets  werenden  Circulum  den  Fundum  zu  conserviren  luid 
zu  vermehren,  auth  alle  obgeschriebene  Gott  getTdlige,  dem  \'aterland  nüzliche, 
den  Fundatoren  rülnnliche  Vorhaben  immer  fort  und  fort  zu  treiben. 

§  25.  Dieis  sind  rechte  beständige,  ja  continuirliche  Almosen,  so  oluie  Knde 
wachsen,  sich  sell)er  mehren  und  viel  tausend  Menschen  nuzen  können,  so  mdlis 
limitibus  circumscribirt  seyn.  so  nicht  wie  andere  Fundationes.  da  das  Interesse 
der  Geniefsenden  und  Dii-ectoren  mit  der  Fundation  Bestand,  Aufnehmen  oder  doch 
Zweck  nicht  allemahl  verbunden.  IMilsbräuchen  unterworffen,  so  niclit  leicht  durch 
Krieg  sterben  und  andere  Landplagen  zu  ruiniren,  so  zur  höchsten  Ehre  Gottes 
vukI  lauter  realen  Dingen  gerichtet,  so  applausum  univei'saleni,  ja  Fautores  und  ße- 
förderei'.  so  ewige  Benediction  und  Danck  der  Nachkonnnen.  die  deren  nocli  viel- 
leicht iiber  lange  Zeit  geniefsen  können,  nach  sich  ziehen;  dazu  Gott  viele  schöne 
Conjuncturen  verliehen,  welche  zu  versäumen  imvei'antwortlich  seyn  dürffte;  so 
Gott  verhoffentlich  segnen,  ja  wohl  unüi  was  pie  angefangen  auszufiihi-en,  mit 
Gesundheit  und  Lebenserlängerung  und  endlich,  welches  aller  Verständigen  höchster 
Wunsch,  mit  ewiger  Glückseeligkeit  der  unsterblichen  Seele  belohnen  und  des 
Gebeths,  Seegens  und  Zeugnüsses  so  vieler  Seelen,  die  dadurch  aus  Elend  und 
A'erderben  gerifsen  imd  am  letzten  Belohnungstage  auftreten  können ,  geniefsen  lal'sen 
wird.  Schlielse  derowegen  diesen  Punct,  dafs  wer  Macht  hat,  etwas  bey  solchem 
Werck  zu  thun,  umb  der  Ehre  Gottes  und  seines  Gewissens,  sowol  als  unsterblichen 
Ruluns,  ja  eigenen  Nuzens  willen,  Reflexion  darauf  zu  machen  nicht  unterlafsen  solle. 

Sed  ante  onniia  efficieiidum  est,  ut  conciliati  sint  cum  Ecclesia  Romana 
omnes  protestantes  hujus  societatis,  salteni  ut  Graeci  conciliati  Romae  et  Venetiis. 
In  eam  rem  poterunt  aliquae  pacificationis  leges  iniri,  tales:  i.  Evangelicos  Re- 
formatosque  hujus  societatis  pontifex  non  excommunicet,  aut  pro  exconnnunicatis 
habeat,  eostjue  expi-esse  excipiat  ex  Bulla  Coenae.  2.  Evangelici  Reformati(|ue 
hujus  societatis  non  teneantur  in  ali(pio  loeo  Deo  cultum  exhib(n-e.  ideo  (jiiia  ibi 
imago  est,  ita  ut  alias  non  sint  aecpu'  facturi.  3.  lidem  non  teneantur  sanctos  in- 
vocare.  4.  Non  teneantur  ad  professioneni  aliam  fidei.  cpiam  Laici  apud  Roniano- 
catholicos,  cpii  content!  sunt  symbolo  Apostolico.  Et  ita  professio  fidei  praescripta 
a  Pio  IV.  etiam  ad  eos  non  pertineat,  qui  inter  l^lvangelicos  i-econciliatos  sunt 
clerici  docentque  alios.  Multo  minus  vero  teneantur  ad  professionein  Gonciiii  Tii- 
dentini.  ad  quam  nee  docti  omnes  inter  Romano -catholicos  tenentur.  Niliil  igitui' 
mutabit  ipioad  fidem  Evangelicus  conciliatus,  sed  (juoad  mores  vel  agenda.  Na  in 
5.  teneatur  omnil)Us  contuineliis  in  Romano-catholicos  abstinere,  non  quod  mutuae 
refutationes  sunt  jn'ohibitae.  sed  ut  oinnia  verba  acria ,  quaeqiie  adversario  non 
solum    errorem   sed  et  nequitatem  vel    negligentiam  vel  inscitiam   tribuunt.  remove- 

Geschichte  der  Akademie.    II.  2 


18  3.    Leibniz,   Errichtung  einer  Sooietät  in  Deutschland. 

antur.  6.  Teneatur  Pontificeni  Romanuui,  abstraliendo  sitnt'  de  jure  divino  an  nun, 
agnoscere  primarium  Episcopuiu  totius  Ecclesiae  Christianae,  cuicpie  obedientia  i'e- 
verentiaque  Clericis  oniaibus  debita  debeatiir,  magis  quam  caeteris  omnibus;  et  cui 
proinde  et  honor  inaxinius  Rerumpublicarum  consensu  et  obedientia  etiani  in  oni- 
ni])u.s  iis,  quae  salva  conscientia  praestari  possunt,  neque  Magistratus  juribus  ad- 
versa  sunt,  debeatur.  7.  Ümnes  clerici  Evangelicoruni  Conciliatoruin  sunto  legitime 
ordinati  alj  alicpio  Episcopo  legitime  ordinato.  Et  proinde  ordinentur  illis  Episco])i.  seu 
quod  idem  est,  eoriun  Supei-intendentes  ordinentur  in  P^piscopos,  qui  omnia  pontificalia 
habeant,  sint  tarnen  in  efi'ectu  tantum  wieWeihbiscliöffe.  Maxime  si  in  dioecesillomano- 
catholici  alicujus  Episcopi  sint  tales  protestantes  conciliati.  Sint  igitiir  isti  Superinten- 
dentes  vel  inspectores  quasi  Chor -Episcopi.  Ita  potervint  ordinäre  et  omnia  peragere. 
qnae  Episcopus.  Ipse  auteni  ordinabitur  ab  Iilpiscopo  vel  Metropolitano  Romano-catbo- 
lico,  nuUo  tamen  ritii  in  ordinatione  intermixto.  ([ui  aliquid  ipsis  non  crt^ditum 
cultuni  item  imaginum  et  sanctorum  contineat.  8.  Clericis  istis  liceat  habere  uxores 
et  libei'os.  9.  Omnes  Evangelici  conciliati  teneantur  audire  missam  eo  tempore,  quo 
et  Romano-catliolici  tenentur.  10.  Missa  illa  consistat  celebratione  saci-amenti  Eucha- 
ristiae,  retentis  onniibus.  ([uae  commode  possunt  de  IMissa  Romano-catholica,  et 
in  lingua  vernacula  prolatis.  11.  Adoratio  Dei  per  gratiam  j^i'^f^seutis  nnllo  ad 
species  consecratas.  vel  non  consecratas  respectu  fiat  tote  tempore  missae.  nee  sit 
elevatio  aut  adoratio  particularis,  finitis  verbis  salvatoris.  12.  Ne  eorum  sententia 
turbetur,  qui  putant  extra  Communionem  non  esse  sacramentum,  saltem  Presbyter 
ipse  communicet.  13.  Revideantur  Agendae  Romano -catholicae  ac  retineantur,  (juae 
conanode  possunt,  ad  simplicitatem  tamen  traductae.  14.  ("onfirmatio  sive  sacra- 
mentum sit  sive  non  sit,  üat  tamen  illis,  qui  Jam  catechismum  id  est  religionis 
simuna  capita  tenent.  15.  Sed  et  extrema  nnctio  cur  retineri  nequeat,  causam 
video  nuUam.  16.  Absolutio  jjarticulai'is  a  peccatis  retinetur  passim  apud  Evan- 
gelicos,  nee  habet  sane  (juicquani  mali.  Quin  et  apud  Evangelicos  passim  re- 
ceptum  est.  ut  graviora  mortalia  peccata  ad  plenam  consolationem  presbvtej-o 
Dei  loco  aperiantur.  17.  Ergo  illud  etiam  Itlvangelicis  Conciliatis  injungat 
suus  ])resbyter,  ut  ])eccata  graviora  admissa  sibi  aperiant,  nee  aliter  absol- 
vaiitur.  Cujus  i'ei  i'atio  haec  est:  quod  non  est  vera  poenitentia.  nisi  (piis  vei'e 
noHt  factum,  i'cnKjue.  «juantum  potest.  restituat  in  integrum.  Ipse  autem.  (pio 
modo  res  in  integrum  restituenda  sit,  conunode  judicare  non  ])otest,  favet  enini 
ipse  sibi  in  propria  causa  judex.  Satins  ei'go  esse  ali(juem  Dei  simul  et  magistratus 
nomine,  qui  aestiinet,  (jua  ratione  optime  dannuuii  bono  ])ul)lic()  datum  sarciri 
queat.  Is  vero  non  tam  preculas  aliquas  recitandas,  quam  opera  (juaedam  utilia 
Reipublicae  injunget.  Qui  scandalizaverit,  tenebitur  alios  aedificare;  qui  hominem 
occidit,  aegrotis  aliocjui  morituris  conservandis  operam  dare,  aliaque  id  genus,  de 
(|uibus  sacerdoti  a  Repultlica  instructio  danda  est.  Et  nemo  solet  satis  sibi  ipsi 
durus  esse,  ut  se  ad  restitutionem  urgeat.  Sed  cum  ab  absolutione  recessit,  rem 
paulatim  negligit.  Absolutione  vero  ad  haec  perfecte  utetur.  atipie  ita  vera  etiani 
oneris  animum  prementis  cum  nuUa  securitate  conjuncta  devolutio  sequitur.  18.  Evan- 
gelici reconciliati  eodem  ubique  jure,  ijuo  Romano-catliolici  gaudento.  In  Gallia, 
quae  Reformatos  pi'emunt,  eos  non  premunto;  pateat  illis  ad  officia  aditus,  imo 
de  facto  multi  ])romoveantui'.  Qui  eis  se  adjunget,  non  habeatur  pro  relaj)so. 
19.  Societati  ])aulatim  ordo  clericorum  secularium  incorpoi-etur,  quod  fiet,  si  tota 
Gallia,  quicumjue  clericus  secularis  esse  velit.  delieat  esse  membrum  hujus  societatis. 
Hoc  in  Gallia  effecto.  Bai-tliolomitae  in  Gei-mania  sccjuentur.  Pa])a  hunc  ordinem 
confirmabit.  Huic  deinde  ordiiii  cacteri  ordincs  ad  l)()nuiii  publicum  communicare 
consilia  cogentur,  (piin  etiam  haec  societas  se  ofterre  ])()t('rit. 

Hingegen  sicli  ihrer  /.u  gebrauchen,  sonderlich  wirds  am  leichtesten  angehen 
cum  ordinibus  (;ui  carent  generali. 


4.    Leuimz,   Errichtiing  einer  Societät  in  Deutschland  (2.  Entwurf).  19 


4. 

(A'crgl.  Gcscliiclite  drr  Ak.'iJemie  S.  30). 

L  !•:  1 1!  .N'  I  z .  B  e  d  e  n  c  k  e  u  v  o  n  A  u  fr  i  c  li  t  u  n  g  eine  r  A  c  a  d  e  in  i  e  od  er  vS  o  c  i  e  t  ä  t  i  n 

T  e  u t  s  (•  li  1  a  n  d ,  7.  u  A  u fn e  li in  e  n  d  e  r  K  ü  n s  t e  u n  d  W i  l's  e  n  s  o  li  a  l't't e  n  ( 1 66970). 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     i.Bd.  8.133(1".] 

1.  Es  ist  uns  Teutsclien  gar  nicht  rühnilicli .  dais,  da  wir  in  Erfindung 
grofsentlieils  mechanischer,  natürlicher  und  anderer  Künste  und  Wil'senschafften 
die  Ersten  gewesen,  nun  in  deren  Vermehr-  und  Befserung  die  Letzten  seyn. 
Gleicli  als  wenn  unser  Alt -Väter  Ruhm  gnug  were,  den  unsrigen  zu  liehaupten. 

2.  Ich  will  von  Truckerey  mid  Büchsenpulver  nicht  reden,  diels  wird  mir 
gewislich  ein  Jeder  gestehn  mülsen,  dal's  sowohl  Chymic  als  IMechanick  zu  derStaüel, 
dnrinn  sie  nunmehr  stehet,  durch  Teutsche  erhohen  worden.  Denn  weil  keine 
Nation  der  teutschen  in  Bergwerkssachen  gleichen  können,  ist  auch  kein  Wunder,  dais 
Teutschland  die  Mutter  der  Chymie  gewesen.  Es  bezeugen  die  Reisende,  dafs  noch 
his  dato  die  tennini  tbssorum  in  Asien  und  Thracien  last  ganz  teutsch  sejai,  welches 
ein  gnugsames  Zeiciien.  dafs  man  die  Werckleute  aus  Teutschland  kommen  lafsen, 

3.  Aus  den  teutschen  Bergwergen  nun  haben  Frater  Basilius.  Isaac  Hollandus, 
'J"lieoj)h.  l'aracelsus  ihre  Expei'ienz  zusammen  gelesen,  und  als  sie  der  Arabischen 
oder  von  den  Arabern  Gebro ,  Morieno,  xVvicenna  das  ihre  habenden  Alchymisten 
Villanovani,  Lullii,  Baconis,  Alberti  M.  mehr  Subtilität  als  Erfahnmg  haltende 
Theori  zu  der  teutschen  Ar])eitsleute  praxi  gethan,  die  wahre  Chymie  hcri'üi- 
gebracht,  welche  hernach  in  solche  Perfection  gestiegen,  dais  nun  Jederman  dafür 
lielt,  dafs  fast  die  meisten  innerhche  Functiones  in  der  Natur  und  sonderlich  mensch- 
lichen Leibe  durch  gleichsam  chymische  distillationes.  subUmationes.  solutioues,  praeci- 
pitationes,  fermentationes,  reactiones  zugehen,  und  kein  Medicus  ohne  gründtlichen 
\'erstand  dieser  pihilosophischenChymi  den  wahren  IMethodum  medendi  beobachten  kan. 

4.  Was  gestalt  Augspurg  und  Nürnberg  die  Schuhle  aller  Mechanicorum 
gewesen,  und  die  L-hren,  Wafserkünste,  Dreh-  und  Gold-  und  Circel-Schmids 
Arbeit  und  unzehliche  dem  menschlichen  Leben  nüz-  imd  aimehmliche  Wercke  in 
Schwang  gebracht,  könte  nach  der  Länge  ausgeführt  werden,  wenn  es  diesem 
Orth  gemäs  were.  Und  were  zu  wündschen,  dafs  wir  aller  vortref["Iichen  teutschen 
Künstler  Leben,  Thun  und  Erfindung,  gleichwie  die  Italianer  iln-er  Mahlei-,  Bild- 
sclinizer  und  Bildhauer  Tliaten  mit  so  vielen  Schriff'ten  rülunen.  beschrieben  hätten. 
Al)er  wir  sind  alleinahl  in  gestis  majorum  annotandis  scldäfl'rig  gewesen ,  dafs  auch 
sogar  die  nordischen  Winckel  in  Schottland,  Schweden  und  Dennemarck  ihre 
llistori  weiter  als  wir  hinauff  führen  können. 

5.  Der  Italianer  Künstler- Werck  hat  fast  einzig  und  allein  in  Formirung 
le])loser,  stillstehender  und  nur  wohl  aussehende!'  Dinge  bestanden.  Die  Teutschen 
hingegen  allezeit  sich  befiifsen,  bewegende  Wercke  zu  verfertigen,  die  nicht  nur 
die  Augen  sättigten  und  groiser  Hen-en  Curiosität  büfseten,  sondern  auch  et^vas 
vei-richten,  die  Natur  der  Kunst  unterwerffen  und  die  menschliche  Arbeit  leichter 
machen  könten.  Und  ist  zu  verwundern,  dafs  eine  so  geistreiche  Nation  einer 
ihrer  Meinung  nach  weit  mehr  verdüsterten  den  Ridun  der  lebendigen  Künste  üljer- 
hilsen  und  sich  mit  ihrer  todten  Pi-oportion  und  Architektur  begnüget.  Ivan  ich 
also  mit  Grund  der  Wahrheit  sagen,  dafs  Teutschland,  und  sonderlich  darinn 
Augspurg  und  Nürnberg  der  künstlichen  sowohl  Gewicht  als  Feder  Uhren,  der 
so  kräft'tigen.  verwunderungs- würdigen  Feuerwercke,  auch  Lufi't-  und  Wafser- 
Kiinste  Mutter  ist. 

6.  Denn  weil  alle  Bewegung  der  Kunst -Wercke  entweder  vom  Gewicht  der 
Erde,    oder    an    einander    hengender   Unzertrennligkeit   des    Walsers,    oder    Gewalt 

2* 


20  4.    Leibniz,   Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland  (2.  Entwurf). 

der  geprelsten  uder  zerthrenten  Lufft  (daliehr  auch  eine  gespante  Feder  oder  Bogen 
seine  Krafft  hat),  oder  unersättlichem  Vielfras  des  Feuers  hehrrührt,  so  kan  man 
wohl  sagen,  dafs  die  Teutschen  Künstler  recht  dieser  vier  Elemente  Meister  worden 
und  der  Welt  gewiesen ,  wie  sie  unter  das  menschliche  Joch  zu  zwingen.  Es  ist 
Puppen -Werck  dagegen,  was  andere  Nationen  gethan,  und  wers  ins  Grofse  gegen 
einander  hält,  wird  liekennen  müfsen,  dafs  was  von  Teutschen  in  diesem  Genere 
kommen,  lauter  Realität,  lauter  Nachdruck  und  Fulmina  gewesen. 

7.  Ja  die  leblosen  Proportionen  seihst  haben  gewislich  dem  Albrecht  Diner 
ein  grofses  Theil  ihrer  gegenwertigen  Vollkommenheit  zu  dancken.  Denn  nachdem 
das  Zeichnen  ein  Grund  ist  aller  Künste,  die  sich  betleifsigen ,  eine  gewifse  an- 
nehmliche Figur  ihrer  Arbeit  zu  geben,  Albrecht  Dürer  aber  gewislich  unter  allen 
INIahlern  der  Erste  gewesen ,  so  diese  Sach  nicht  nur  gründtlich  ans  der  Geometri, 
sondern  auch  nüzlich  und  dar  zum  täglichen  Gebrauch  der  Handwercks  Leute 
ausgeführet,  so  mus  man  gestehen,  dafs  auch  in  diesem  Stück  sich  Italien  nicht 
viel  zu  rühmen  liab(\  Das  Kupferstechen  \vird,  wie  ich  nicht  anders  weis,  einem 
teutschen  Erfinder  zugelegt,  und  dessen  jüngste  \'ermehrung,  so  a^ou  Mavnz  sich 
ferner  ausgebreitet,  ist  auch  eines  Teutschen. 

8.  Die  Commercien  und  Schiflfarten  hat  ganz  Europa  von  den  Nieder-Deutschen. 
Denn  nachdc^n  durch  Einfall  der  Barbaren  und  Saracenen  nicht  allein  Asien, 
sondern  auch  Griechenland  und  Italien  und  Franckreich  dieser  ihrer  Kronen  beraubt 
worden,  und  man  in  diesen  Ländern  kaum  mehr  recht  gewufst,  was  schiffen  sey, 
so  hat  Gott  die  nordischen  Teutschen,  so  man  Normannen  genennet,  und  eine 
Colluvies  hominum  von  Gothen,  Saxen,  Dänen,  Norwegen  gewesen,  auffgeweckt, 
welche  durch  ihre  Piraterie  die  Seeküsten  von  Europa  infestiret,  England  sicli 
bemächtiget,  ein  Theil  von  Italien  und  Frankreich  an  sich  gezogen  und  endtlich, 
deposita  ferocia,  zu  Kaiiffleuten  worden,  welche  sich  in  den  Seestädten ,  sonderlich 
der  teutschen  und  Hämischen  Küsten,  als  alda  mehi"  Freyheit,  niedergelafsen ,  den 
Hanse -Bund  formiret  und  lange  Zeit  die  Connnercia  oceani  allein  maniiret.  bis 
andern  Nationen  auch  die  Augen  aufgethan  worden, 

9.  Die  Astronomie  hat  aufser  Zweifel,  au.sgenommen  was  die  Araber  gethan, 
Eegiomontano  imd  Copernico,  deren  jener  ein  Franck,  dieser  ein  Preufse  gewesen,  ihr 
Aufferstehen  zuzuschreiben.  Und  scheue  ich  mich  nicht.  Tychonem  Brahe,  ol)  er  wohl 
ein  Däne,  dazu  zu  ziehn,  defsen  Nachfolger  imd  Erbe  seiner  Gloire,  Keplerus,  gleich- 
sam in  dieser  Scienz  regiret,  bis  endtlich  es  Gott  geschicket,  dafs  durch  einen  Niedei- 
Teutschen  von  Alemaar  oder  Middelburg.  denn  man  noch  darumb  streitet,  die  Per- 
spective uns  gleichsam  bis  in  den  Himmel  erhoben.  Und  derowegen  sich  sehr  geirret, 
die  Galilaeo  diese  Invention  zugeschrieben,  ob  er  oder  Scheinerus  wohl  gleicli  die 
Ei'sten  gewesen  seyn  mögen .  die  mit  deren  Hiilffe  etwas  Neues  am  Himmel  erfunden. 

10.  Will  ich  derowegen  den  Italianern  und  Franzosen,  Leoni  X.  und  Francisco  L 
gern  die  Restaurationem  cultiorum  literarum  gönnen,  wenn  sie  nur  gestehen,  dafs 
realste  und  unentbehrlichste  Wifsenschaften ,  wenige  ausgenonnnen ,  zuerst  von  den 
Teutschen  kommen.  Wie  denn  Thomas  Sprat,  des  Königs  in  England  Historicus, 
welche  Charge  er  verdient,  nachdem  er  der  aufgerichteten  Königlichen  Societät 
Histori  so  wohl  beschrieben,  gestehet,  dafs  die  Engländer  und  Niederländer  solche 
Realität  in  Commercien  und  Manufacturen  von  den  Teutschen,  als  ein  Kind  von 
der  Mutter,  gesogen,  Dafs  der  niederländische  und  teutsche  so  langwierige  Krieg, 
jener  in  modo  (bellandi)  defensivo,  dieser  in  offensivo,  jener  in  Belagerimg,  dieser 
in  Bataillen.  ganz  Europa  in  die  Schuhle  geführt,  kan  niemand  leugnen.  Und  hat 
man  da  gesehen,  wie  so  gar  nichts  weder  italianische  Tieffsinnigkeit.  noch  franzö- 
sische Geschwindigkeit  verfangen  wollen. 

11.  Selbst  in  der  Medicin  mufs  man  gestehen,  dafs,  wie  schöhne  Erfindiuigen 
auch   Ascellius,  A(piapendente,  Pecquetus,  Bartholinus,    Rudbeckius,    Harveus.  Lo- 


4.    Leikniz,  EiTR'litiuig  einer  Societilt  in  Deutschland  (2.  Entwurf).  21 

weriis.  Dionysius  und  andere  entdecket,  so  sey  doch  und  llorire  wohl  die  Medicina 
practica  nirgend  befser  als  in  Teutschland,  so  alle  diejenigen,  welche  frenibden 
Medicis,  Apothekern  und  Chirurgis  unter  die  Hände  kommen,  wohl  zu  sagen  wil'sen. 
Die  besten  Medicamente,  Compositiones  und  Recepta,  deren  sich  ganz  Europa  ge- 
braucht, sind  von  teutschen  IMedicis ,  Chymicis  und  xVpothekern.  Schohn  von  Alters 
hat  Teutschland  alle  Länder  mit  Alchymisten  und  Laboranten  versehen.  Auch  noch 
bis  dato  halten  curiosi  nicht  weniger  die  Teutschen  zu  Laboranten,  als  grofse  Herren 
die  Schweizer  zur  Leibguardi  vor  die  Besten.  Die  teutsche  und  sonderlich  schA\'ei- 
zerische  Kräutermänner  haben  die  beyden  Bauhinos,  diese  die  ganze  Welt  in  re 
Botanica  informiret.  Die  Transfusionen!  Sanguinis,  man  streite  nun  auch  darumb, 
so  sehr  man  wolle,  hat  doch  ein  Teutscher,  nemlich  Robavius  zuerst  gesehen,  ob 
er  gleich  derselben  gespottet.  LTnd  sind  wir  Teutsche  in  Anmerckung  dieses  unsei'S 
Kuhms  so  schläffrig  gewesen,  dal's  erst  ein  Italianer  konuncn  und  uns  unser  ge- 
jiöriges  Lob  zueignen  müfsen. 

12.  Aber  leyder  es  gehet  mit  uns  in  Manufacturen,  Connnercien,  Mitteln, 
Miliz,  Justiz,  Regierungs  -  form  mehr  und  mehr  bergab,  da  dan  kein  Wunder,  dafs 
aucli  Wifsenschafften  und  Künste  zu  Boden  gehn,  dafs  die  besten  Ingenia  entweder 
ruinirct  werden,  oder  sich  zu  andern  Potentaten  begeben,  die  wohl  wifsen,  was  an 
diesem  Gewinst  gelegen,  daJs  man  von  allen  Orthen  die  besten  Subjecta  an  sich 
zielu'  und  mit  Menschen  handle,  deren  einer  mehr  werth  ist  als  1 000  Schwarze 
aus  Angola.  Von  Verbefserung  unserer  Commercien  und  Justiz,  von  Ei-haltung 
unserer  Sicherheit,  Freiheyt  und  Regierungs  -  form  und  andern  will  ich  jezo  nicht 
reden,  dieweil  theils  andere,  theils  auch  ich  davon  zum  Theil  ausführlich  ge- 
handlet; nur  soll  jezo  die  Wiederbringung,  Auffrichtung,  Verbefserung  der  Wifsen- 
schafften und  Künste  (wiewohl  gewislich  solche  zur  Verbefserung  der  Commercien, 
Manufacturen,  Education,  Justiz  etc.  den  Grund  legen  kan)  mein  Objectum  seyn, 
davon  ich  meine  offtmahls  gehabte  Gedancken,  so  mir  jezo  bei  iliegender  Feder 
einfallen,  wie  sie  kommen,  ohne  Meditation,  ohne  Praelaboration,  ohne  Methodo, 
ohne  Zierde  der  Redart,  auff  Papyr  sich,  gleichsam  Selbsten,  ehe  sie  vei'schwinden, 
verzeichnen  lafsen  will.  Und  wird  mir  kein  Teutscher  fruchtbringender  [Gesellschaft] 
verdencken,  dafs  ich  deutsche,  lateinische  und  andere  barbarische  oder  zierliche 
Würther  olme  W^ahl,  wie  sie  sich  zuerst  offeriret,  jiu-e  primogeniturae  gebraucht 
und  gmig  gehabt,  verstanden  zu  werden. 

13.  Was  Gestalt  in  Teutschland  die  Schuhlen,  Academien,  Education,  Pei'e- 
grination,  Zünffte,  Künste  und  Wifsenschafften  verstellet,  verderbet  und  verwirret, 
hat  schohn  mancher  vor  mir  gesagt;  es  haben  sich  auch  viele  gefunden,  die  einige 
Vorschläge  gethan,  dadurch  man  solchem  Uebel  abkommen  köndte,  aber  theils 
sind  sie  zu  theoretisch  und  ex  Republica  Piatonis  und  Atlantide  Baconis  genommen 
gewesen,  theils  waren  sie  zu  unverständtlich,  LuUianisch  oder  Metaphysisch,  theils 
weit  aufsseliend  und  in  Republica  gefährlich.  3Iit  denen  wir  Alle  nichts  zu  thun 
haben,  sondern  wo  müglich  ein  JMittel  finden  wollen,  welches  practicirlicli  und 
doch  keinem  verständigen  Menschen  mit  Grund  verdächtig  seyn  könne.  Die  Scienzen 
durch  Lullische  Terminos  einzugiefsen ,  verspricht  niemand,  Rosencreuzerische  Illu- 
minationes,  den  Elliam  philosophicum  und  andere  solche  Rotomontaden  helt  man 
billig  vor  Narrenwerck. 

14.  Wir  Teutschen  haben  allezeit  den  Mangel  gehabt,  nach  Art  der  Septen- 
trionalium,  dafs  wir  andern  Nationen  die  Artes  corporaliores  geben  und  wiederum!) 
hingegen  die  Artes  mentaliores  von  ihnen  empfangen.  Selbst  den  Italianern  giengs 
mit  Griechenland  also:  Graecia  capta  ferum  victorem  ce])it  et  artes  intulit  agresti 
Latio.  Haben  wir  den  Italianern  und  andern  Europaeern  militärische,  mechanische 
luid  dergleichen  Künste  geben,  so  haben  sie  hingegen  Religion,  guthe  Ordnung 
imd  Geseze,  Regiments -formen  und  andere  der<;ieichen  subtile  Gemüthsübunu,-  aufi" 


22  4.    Leibxiz.  Erriclituiiu;  einer  Societilt  in  Deutschland  (2.  Entwurf). 

lins  hraclit,  und  ist  also  ein  gar  natürlicher,  beyden  Theilen  annehmlicher  Tausch 
getroffen  worden.  Aus  diesen  Fundament  ist  kommen,  dals  wenn  wir  etwas  ge- 
funden, so  haben  andere  Nationen  es  bald  zu  schmücken,  zu  appliciren.  zu  ex- 
tendiren,  zu  perfectioniren  gewust,  und  es  uns  denn  wieder  also  auffgepuzet,  dals 
wirs  selbst  nicht  mehr  vor  das  Unsrige  erkennet,  zurückgeschicket;  dals  es  uns 
also  mit  diesem  Commercio  scientiarum  gangen,  wie  es  sonst  mit  unsern  Traficjuen 
gehet,  dafs  wir  rohe  Wahren  den  Frembden  überlassen  und  vms  umb  ein  Lieder- 
liches abschwäzen  lafsen.  die  unsere  Hände  mit  grolser  Mühe  auff  und  aufs  der 
Erde  bracht,  und  denn  solche  refinirt,  polirt,  geziert,  dafs  wir  sie  selber  niclit 
mehr  kennen,  uns  theuer  genug  wiederum!)  gegen  rohe  Wahren,  perpetuo  damni 
circalo,  verkaufen  und  obtrudiren  lafsen.  (Komt  mir  vor  wie  jener  Dieb,  der  das 
gestohlene  Pfei'd  dem  Herrn  verkauffet .  der  es  auch ,  ungeachtet  ers  seinem  ge- 
mifseten  in  allen  Stücken  ähnlich  zu  seyn  erkennet,  bezahlet,  niu-  weil  dieses 
keinen  Schwanz  hatte,  den  seines  gehabt.  Dieweil  ohne  dem  alles  Poliren  und 
Refiniren  der  von  der  Natur  uns  rohe  gegebenen  Dinge  gemeinlich  mein-  in  De- 
mendo  als  Addendo  bestehet:   qui  superllua  tollit,  formam  del)itani  producit). 

15.  Dafs  es  mit  den  Scientien  also  gehe,  giebt  vorige  Erzehlung;  wir  haben 
fast  überall  den  Grund  gelegt,  aber  die  Continuation ,  Verfolgung,  Ausführung,  das 
Schreiner-,  Mahler-  imd  Gipswerck  an  diesen  philosophischen  Bau,  und  dadurch 
zugleich  den  Ruhm  andern  überlafsen.  Gleichwie  gemeiniglich  der  lezte  Medicus 
der  beste  ist,  der  in  statu  declinationis  komt,  und  wenn  er  der  Natur  ein  wenig 
hilfft.  den  Krancken'  gesundt  macht  und  dahehr  zu  seinem  Vorarbeiter  Avie  jener 
schimpfsweise  mit  guthen  Recht  sagen  kan.  was  ihr  gesäet,  halje  ich  geerndtet. 
Nunmehr,  nachdem  das  Liecht  angezündet.  luid  die  Künste  gemein,  auch  alle 
Nationen  excitirt  worden,  sind  wir  diejenigen,  die  da  schlaffen,  oder  Lezten.  die 
da  aufwachen.  Wir  sehen,  dafs  England,  seine  müfsigen  excellente  Ingenia  in 
Arbeit  zu  stellen  imd  von  Staats- In triguen  abzuführen,  eine  Soeietät  vorneinner 
mit  Verstand  und  Mitteln  begabter  Herrn  unter  des  Königs  Nahmen  aufgerichtet, 
dafs  Franckreich  schohn  vor  des  Cardinais  Richelieu  Zeiten  dergleichen  Gedancken 
gehabt,  wie  dann  die  Academie  francoise  und  die  Conferences  beym  Bureau  d'Adresse 
})ekand.  Deren  auch  sowohl  den  privat  Zusammenkünfften  beym  Canzler  Seguier, 
beym  P.  ]Merseimo,  bey  M"^  de  Montmor  und  Autori])us  des  Journal  des  Schavans, 
als  auch  der  nunmehr  autoritate  Regia  zu  Aufnehmen  Rei  physicae.  Medicae  et 
INIathematicae  Privilegirten,  in  Bibliotheca  Regis  zusammen  konunenden  Academie 
den  Anlafs  geben.'  Ich  zweille  nicht,  dafs  Dennemarck  wegen  habenden  eben- 
mäfsigen  Interesse  des  Königs,  seinen  Adel  mit  andern  als  Staats -Sachen  zu 
occupiren,  dem  engländischen  Exempel  folgen,  und  Schweden  dergleichen  auch 
thun  würde,  dafern  der  König  majorenn  und  der  Regierung  Meister  were.  Dafs 
des  jezt  regierenden  Grosherzogs  zu  Florenz  Herr  Vater  über  seine  Lust  und  Con- 
noissance  dieser  Dinge  ein  gleiches  Absehen  gehabt,  ist  nicht  zu  zweifeln.  Die 
Experimente  sind  alle  sumtibus  et  auspiciis  des  Cardinais  Leopoldi  de  INIedicis 
geschehen,  ol)gleich  nach  des  Gros -Herzogen  Absterben  ein  so  nüzliches  Werck 
etwas  ins  Stecken  gerathen. 

16.  Bey  uns  können  wir  nielits  dergleichen  auffweisen.  Die  fruclitbringerule 
Gesellschafft  und  elbische  Schwanenorden,  auch  von  etlichen  Medicis  versuchte 
CoUegium  Naturae  Curiosorum  sind  ein  Zeichen  unsers  Willens,  dafs  wir.  wie 
junge  Vögel,  gleichsam  zu  llattern  angefangen ,  aber  auch  dabev  unsers  L'nvermögens, 
und  dafs  denen  Wollenden  nicht  unter  die  Arme  gegriffen  worden;  zudem  wnv  die 
fruchtbringende  Gesellschafft  sowohl,  als  Schwahnen-orden  eigentlich  nur  zu  Ver- 
befserung    der    teutschen    Spraclikiuist    angesehn ,    nach    Exempel    der    Italiaiiiselien 


'   Am  Rande:    Wonnius  fundavlt  Colle2;ium  cum  laboratorio.  A.  d.  H. 


4.    Leieniz,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland  (2.  Entwurf).  23 

dellii  Crusca  und  der  Academie  Fraiic:oLse,  deren  Histori  jNI''  Pellisson  heschriehen. 
Das  ("oUegiuni  Medicorum  Naturae  Curiosorum  war  also  forniirt.  dals  ein  jedes 
^I('nd)rnni  eine  gewifse  Materiam  pliysico-niedicam  vor  sich  nclunen  und  elaljoriren 
solte;  aber  dieses  Institutiun,  ob  es  gleich  an  sich  selbst  gutli  und  nicht  zu  ver- 
achten, ist  doch  nicht  real  gnugsani.  denn  dadurch  luu-  bereits  habende  Dinge  aus 
andern  Büchern  gesammelt,  nicht  aber  neue  aus  eigener  Experienz  entdecket  worden. 
Dahehr  nicht  allein  die  frembde  bishehr  von  diesem  Collegio  keinen  Staat  gemacht, 
sondern  auch  nichts  Sonderlichs  darinne  vorkommen,  bis  sie  jezo  das  Institutum 
geendert,  und  von  Zeit  zu  Zeiten  etliche  neue  Observationes  nicdicas  herausgeben,  davon 
sie  innerhalb  eines  Jahres  den  Anfang  gemacht,  tunli  in  etwas  zum  Wenigsten 
den  englandischen  Transactionibus  philosophicis,  dem  französischen  Journal  des 
st;avans,  der  Italianischen  Giornale  di  letterati  zu  folgen.  Ks  mangelt  aber  viel 
dabev  zu  einem  rechten  wohlformirten  Corpore,  davon  etwas  Reales  gehoflfet  werden 
könt(N  so  ein  en  gewi  l'sen  Fun  dum.  Union,  Ruf,  Adresse  und  Anstalt  hätte. 

17.  Solches  nun  zu  erlangen,  müfsen  wir  Uns  der  Englischen  Königlichen 
Societät  Exempel  vorstellen,  deren  Natur,  Privilegia,  Jura,  Form  und  Thaten 
ausführlich  in  einem  Buch,  so  nunmehr  aus  dem  Englischen  ins  Französische  hoc 
titulo  übersezet:  Histoire  de  la  Societe  Royale,  erzehlet  werden.  Bey  dieser 
Societät  thut  der  König,  der  Herzog  von  Yorck,  Prinz  Robbert  und  viel  vornehme 
Herren  das  Jhrige,  nicht  dafs  sie  an  deren  Leges,  an  persönliche  Comparition  und 
dergleichen  Onerosa  und  solchen  hohen  Personen  unanständige  Dinge  sich  ge- 
bunden, sondern  dass  sie  sumtus  beytragen,  auff  ihre  Kosten  tbirch  ihre  Ministros 
sowohl  Status  als  Privatos  correspondiren  lalsen.  alles,  was  sie  Neues,  Rares. 
Importantes  erfahren,  der  .Societät  comnumiciren,  die  Directores  der  Coloniarum, 
die  Schiffs  Capitains,  verständige  Mariniers  und  Schiffspatrone,  ja  wohl  Kauffleute 
und  deren  Consules  und  Factoren  befehligen  luid  anmahnen,  keine  Gelegenheit  zu 
versäumen,  dadurch  etwas  Neues  Merckwürdiges  untersuclit  und  in  hoc  aerarium 
eruditionis  solidae  publicum  ge])racht  werden  könte.  Ja  sie  lafsen  die  Societät 
Interrogatoria.  Instructiones  und  Directoria  vor  Reisende,  vor  ^Ministros,  vor  Berg- 
leute. ^Nledicos .  Handwergsleute,  Künstler  forndren,  undj  dadurch  immer  tieffer 
in  diese  unerschöpfliche  Mine  der  Natin-  zu  menschlichem  Besten  zu  kommen. 

18.  Was  ist  nun  England  gegen  Teutschland,  darinn  soviel  Fürsten  seyn, 
die  manchem  Könige  selbst  ]Macht  imd  Autorität  disputiren  können,  da  soviel  be- 
rühmte mit  trefflichen  Leuten  (denen  es  nur  an  Employ  mangelt)  angefüllete 
Universitäten,  deren  doch  in  England,  wenn  man  Schottland  davon  thut,  nur  zAvey. 
Teutschland  an  sich  selbst  ist  ein  grofses  sich  weit  erstreckendes  Land  voller  Berg- 
werge,  voller  Varietät  imd  Wunder  der  Natur,  mein-  aufser  Zweifel,  als  ein  so 
schmales  enges  Land  wie  England.  Es  ist  Alles  voll  von  treff'lichen  Mechanicis, 
Künstlern  und  Laboranten,  welche  aber,  weil  bey  uns  die  Kirnst  nach  Brodt  gehet, 
und  die  Republique  sich  solcher  Dinge  so  wenig  annimt.  entweder  ihr  talentum 
vergraben  und,  da  sie  leben  wollen,  mit  gemeinen  INIinutien  sich  schlagen  müfsen, 
oder  aber,  wenn  sie  nichts  desto  minder  ilu-em  Genio  folgen,  verarmen,  veracht, 
verlafsen,  abandonnirt,  vor  Alchymisten  und  wohl  gar  entweder  Betrüger  oder 
Narren  gehalten  werden.  Welche  gescheid  seyn ,  gehen  foi-t  und  lafsen  Teutschland 
mit  samt  der  Betteley  im  Stiche,  -welches  wie  ein  unwiederbringlicher  Schade  es 
sey,  ein  verständiger  Politicus  leicht  judiciren  kau.  Denn  Ingenia  sind  mehr  vor 
Wahren  von  Contrebande  zu  achten,  als  Gold,  Eisen,  Waffen  und  anders,  so  etwa 
an  manchen  Orthen  aufser  Landes,  oder  doch  zum  Wenigsten  zum  Feind  zuführen 
verbothen. 

19.  So  viel  brave  Köpfe  nun  könten  im  Lande  behalten  und  gebraucht,  so 
viel  Leute  vor  Verarmung,  so  viel  Familien  vor  Ruin,  so  viel  schöhne  Concepta, 
Inventa,   Vorschläge,  Experimenta,  Observationes  rarne,  Opera  posthuma  trefflicher 


24  -i.    Lkibniz,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland  (2.  Entwurf). 

Leute  vor  Verlieren  und  VergeJsen  praeservirt  werden,  wenn  sich  die  Repulilic  der 
Dinge  annelnne.  Die  Laboranten.  Cliarlatans,  Marcktschreyer,  Alcliyniisten  und 
andere  Ardeliones,  Vaganten  und  Grillenfänger  sind  gemeiniglich  Leute  von  grofsem 
Ingenio,  bisweilen  auch  Experienz,  nur  dafs  die  Disproportio  ingenii  et  judicii. 
oder  auch  bisweilen  die  Wollust,  die  sie  haben,  sich  in  ihren  eitelen  Hofnungen 
zu  unterhalten,  sie  ruiniret  und  in  Verderben  und  Verachtung  bringet.  Gewislich, 
es  weis  bisweilen  ein  solcher  JMensch  mehr  aus  der  Erfahrung  und  Natur  gewonnene 
Realitäten,  als  mancher  in  der  Welt  hoch  angesehener  Gelehrter,  der  seine  aus 
den  Büchern  zusammen  gelesene  Wifsenschaö't  mit  Eloquenz,  Adresse  und  anderen 
politischen  Streichen  zu  sclunücken  inid  zu  INIarckt  zu  bringen  weis;  dahingegen 
der  Andere  mit  seiner  Extravagance  sich  verliafset  oder  veracht  machte;  daran 
sich  aber  verständige  Regenten  in  einer  wohlliestelten  Republique  nicht  kehren, 
sondern  sich  solcher  Menschen  brauchen,  ihnen  gewilse  regulirte  Emplov  und 
Arbeit  geben  und  dadurch  sowohl  üir  als  ihrei'  Talente  Verderben  verhüten  können. 

20.  Der  berühmte  Gardanus  kann  ein  recht  Muster  seyn  eines  solchen  eigen- 
sinnigen, wunderlichen,  extravaganten  und  doch  mit  luivergleichlicliem  Ligenio, 
JMemoria  et  Experientia  begabten  Kopfs,  dem  nichts  gemangelt,  als  Judicium  oder 
vielmehr  der  Wille  und  Patienz,  sich  in  die  Welt  zu  schicken  und  seine  Sachen 
judiciose  zu  Marckt  zu  bringen.  Schwehrlich  ist  einer  zur  selben  Zeit  in  der 
Welt  ihm  an  Wifsenschaff"t  gleich  gewesen,  und  scliwehrlich  ists  einem  übelei- 
gangen;  dafs  man  wohl  im  Buch  Pierii  Valerianl  de  infelicitate  literatorum  ihn 
obenan  sezen  kan.  W\mui  man  sein  Leben  liest,  so  er  selbst  geschrieben,  wird 
man  mit  so  vielen  wunderlichen  Affecten  gleichsam  suprenniret,  dafs  man  sich  des 
Lachens,  des  Zorns,  der  Verwunderung,  der  Erbarmung  wechselsweise  nicht  ent- 
halten kan.  Zweene  Söhne  sind  ihm  unter  des  Henckers  Händen  gestorben,  er 
selbst  ist  unter  der  Inquisition  und  lange  Zeit  im  Gefängnüfs  gewesen,  welches  Alles 
sannnt  unzehligen  anderen  Disgousten  und  Verfolgungen  ihn  so  wenig  angefochten, 
dafs  er  in  hohem  Alter  ruhig  und  content  und  sua  02:»inione  felix  gestorben.  Seine 
beste  Wifsenschafft  hat  er  von  Vaganten,  alten  W^eibern,  Laboranten  und  der- 
gleichen Leuten  zusammen  gelesen,  defsen  er  sich  selbst  berühmt;  und  bin  ich  der 
Meinung,  dafs  wir  ihm  deswegen  viel  zu  dancken,  indem  er  viel  Stückgen  autt- 
gezeichnet  und  zu  gemeinem  Besten  erhalten,  so  sonst  verlohren  gangen.  Und 
hätte  Scaliger,  der  ihm  dieses  übel  deuten  will,  vielleicht  befser  gethan,  wenn 
er,  als  er  über  den  Theophrastum  de  plantis  geschrieben,  mehr  mit  Kräuter-männern 
und  Gärtnern  als  Aristotele  und  Piatone  umbgangeii   wäre. 

21.  Cardano  ist  Campanella  in  vielen  Stücken  zu  vergleichen  und  haben  \vir 
deren  Exempel  mehr,  wenn  sie  zu  erzehlen  nöthig  were.  Wie  viel  100,  welches  ich 
külmlich  sagen  darff,  sind  wohl  Andere,  welche  dem  Cardano  in  dergleichen,  wo 
niclit  zu  vergleichen,  doch  nahe  kommen,  auch  wohl  llliterati,  von  denen  nie  nichts 
geschrieben  Avorden ,  oder  deren  SchrifiCten  verlohren  gangen !  Cardanus  selbst 
erzehlet.  dafs  einer  zu  Rom  mit  blofsen  Kreutern  und  Simplicibus  den  Lapidem 
vesicae  zertreiben  können,  es  sey  aber  das  Secretum  mit  ilan  gestorben,  und  thut 
er  selbst  dazu,  er  glaube,  dafs  dieser  Man  nur  umb  deswillen  verdammet  sey. 
Aber  gewislich,  es  ist  der  Obrigkeit  Schuld,  so  dieser  Leute  so  wenig  achtet  und 
ihnen  nicht  zu  begegnen  weis;  da  doch  ihr  eigenes  persönliches  Interesse  eben- 
sowohl dabey  versiret  und  sie  nicht,  wie  vor  Krieg  und  Hvniger,  also  vor  Kranckheit 
und  Sterben  privilegiret  seyn,  sondern  vielmehr  toto  die  an  sich  befinden  wie  so 
mangelhaflft  und  eingespannet.  anderer  Wifsenschafften  zu  geschweigen .  die  reclit- 
schaflene  gegründete  Medicin  sey.  an  deren  reale  Verbefserung  aber,  die  sie  doch 
in  ihren  Händen  haben,  sie  nescio  cpio  lato  aut  ira  Dei  in  humanuni  genus  so 
wenig  gedencken.  Es  sey  denn,  dafs  Gott  vielleicht  wie  viel  Anderes,  also  auch 
dieses  unsern  novissimis  temporibus  vorbehalten. 


4.    Lkieniz,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland  (2.  Entwurf).  Ji.") 

22.  Je  verständiger  ein  Medicus  ist,  je  weniger  schreibt  er  seiner  Kunst.  Je 
mein-  hingegen  der  Natur  und  Opiniun  des  Patienten  nechst  göttlicher  Gnade  zu. 
JVlan  weis,  w^ie  viele  die  Einbildung  gesund  gemaclit.  Der  berühmte  Porta  selbst 
erzehlet.  dafs  er  einer  vornehmen  in  Kindesnöthen  arbeitenden  Frau  mit  etwas 
von  der  Erde  auffgeraff'tem  Sand,  den  er  ihr  als  ein  köstliches  Secretum  eingegeben, 
von  Stund  an  geholft'en.  Es  mangeln  uns  noch  die  Principia  in  der  Medicin,  zu 
sehen  die  innerliche  Constitution  dieses  so  verwii'reten  Uhrenwercks,  vmd  also  defsen 
Vorstelliuigen  und  morbi  sind  uns  grofsen  Theils  mehr  effectu  als  definitione  causali 
bekant.  Die  bisherige  INIethodus  medendi  ist  nur  eine  Hypothesis,  deren  man  sich 
brauchen  mus,  bis  maus  einzeln  bald  hier,  bald  da  befser  find.  Dahehr  diejenigen, 
die  Experimente  verachten,  specifica  medicamenta  mit  ihrer  ]Methodo  zu  finden 
meinen,  die  simplicia  abandonniren,  ja  meisten  Theils  nicht  einmahl  kennen,  sondern 
solche  Wilsenschafft  dem  Apotheker  überlafsen  und  sich  contentii-en,  aus  Büchern 
tuid  qualitatibus  primis  vel  secundis  und  denen  nach  in  gradus  imaginarios  per 
classes  et  tabulas  eingetheilten  Medicamentis,  zu  curiren,  —  sicli  helslich  betrogen 
finden  und  offt,  will  nicht  sagen  von  Marcktschreyern ,  sondei'n  alten  Weibern 
übertrofi'en  wei'den. 

23.  Defsen  erzehlt  der  l^erühmte  Fioravante  ein  notabel  Exempel,  dafs  ein 
ganzes  Collegium  12  3Iedicorum  bey  einem  Patienten  gesefsen  und  nicht  gewust 
was  Raths.  auch  gleichsam  re  desperata  scheiden  wollen;  da  sey  ein  altes  Weib 
hinein  geschlendert  kommen,  so  insalutato  consessu  recta  zum  Patienten  gangen, 
seinen  Zustand  ausgefragt  und  dann  mit  ihm  contrahirt,  was  er  ihr  geben  wolte, 
dafern  er  geheilet  würde;  darauif  ihm  ein  gewifses  pulverisirtes  Sinn)lex  verordnet, 
davon  er  repetitis  sumtionibus  hernach  völlig  genesen.  Die  Medici  haben  anfangs 
des  Weibes  gespottet,  hernach  aber  sie  nach  gemeiner  saalbaderischer  Arth  vor  eine 
Hexe  gehalten,  er,  Fioravante  aber,  so  unter  Anderen  gegenwärtig  war,  that  sich 
gleich  anfangs  zu  dem  Weibe,  redete  freundlich  mit  ihr  und  brachts  dahin,  dafs 
sie  ihm  gegen  eine  Recompens  ihr  Secretum  conununiciret,  so  in  einem  eigenen 
tuipraeparirten ,  nur  gestofsenen  inul  in  Wein  eingenommenen  Simplice  oder  Ki-aut 
bestanden,  so  er  hernach  ein  in  dieser  Ki'anckheit  souveraines,  unvergleichliches 
Remedium  zu  seyn  Ijefunden.  Solten  wir  derowegen  unserer  eingebildeten  Methodo 
medendi  und  darauff  fundirten  Compositionibus  und  Recepten  nicht  zu  viel  trauen, 
sondern  die  Natur  tleifsiger  consuliren  und  diejenigen  —  ungeacht  es  gemeine, 
sonst  verächtliche,  ja  auch  wohl  närrische  extravagante  Leute  — ,  so  mit  der  Natur 
mehr  als  wir  umbgangen. 

24.  Es  ist  Zweifels  ohne  die  uralte  Art  zu  cui'iren  in  simplicibus  bestanden, 
und  haben  unsre  Vorfahren  sonderlich  die  Araber  und  andere  Orientales  eine  in- 
comparabel  befsere  Cognition  der  Simplicium  gehal;)t,  als  wir.  Multae  gentes  sine 
medicis  vixere,  sagt  Plinius,  non  tarnen  sine  medicina.  So  lange  alte  Matres  et 
Patresfamiiias  aus  ihren  verlegenen  Calendern  und  3Iemorialien ,  oder  auch  Ge- 
dächtnüs  ihre  domestiquen  Hausmittel  herfür  gesucht  und  ihrem  Kind  und  Gesind 
und  Nachbaren  damit  geholften,  ist  die  Medicina  simplicior,  sed  realior  gewesen. 
Nachdem  sie  aber  zur  Kunst  worden,  imd  gewifse  Leute  davon  Profession  gemacht, 
uml)  sich  zu  ernehren,  auch  wohl  mächtig  und  reich  zu  machen,  sind  Fuci,  Fraudes, 
Monopolia,  Aemulationes,  Odia,  Pi-ocrastinationes  und  unzehlig  andere  malae  artes 
eingerifsen.  nicht  weniger  als  bey  andern  Handthierungen,  da  doch  vita  humana 
res  sancta  et  nullis  commerciis  subjecta  seyn  solte.  Gleichwohl  müfsen  unterdefsen 
Grofs  und  Klein,  Fürst  und  Bauer,  manches  Nundinatoris  Genade  leben  und  vielen 
sich  mit  einander  zankenden  Tyrannen  unterworffen  sej'n,  die  mit  seinem  Leben 
handelen  und  uns  nicht  anders  achten,  als  die  Spanier  in  Berg  Potosi  die  Schwarzen 
von  Angola,  so  ihnen  niu- zum  Instrument  dienen,  Gold  und  Silber  auch  mit  ihrem 
Untergang  aus  den  INlinen  zii  langen.     Ich  weis,  dafs  kein  Fürst,  kein  grofser  Herr, 


2b  -T-  Leieniz,  Consultatio  de  institueiida  Societate  Germniia. 

kein  reicher  3Ian  sev,  der  nicht  an  sich  oder  den  Seinigen  dergleiclien  mehr,  als 
ihm  heb,  erfahren,  nnd  dennoch  sind  wir  so  1)hnd,  oder  so  irresohit.  dals  wir 
dieses  Joch  al)znschüttehi  das  Herz  nicht  hal)en,  gleichwie  ein  Pferd,  so  seine  Stercke 
nicht  weis,  den  Renter  abzuwei-flen. 

25.  Wie  närrisch  auch  nnd  paradox  der  Chinesen  Reglement  in  re  medica 
sclieinet,  so  ists  doch  weit  l)efser  als  das  unsrige. 

[Hier  bi-icht  der  Aufsatz  ab ;  aber  es  folgt  ein  abgerissenes  Stück,  welches  Boiiemann, 
Die  Li;iBNiz-Handscliriften  der  K.  öiVcntl.  Bil)liothek  zu  Haiuiover  (1895)  S.  220  zuerst  ver- 
öffentlicht hat;  es  lautet  also]: 

•> .  .  .Societät.  .  .  ist  Gott  gefällig,  massen  sie  in  sich  liält:  Causam  piissimam. 
Allg.  Nutzen.  Entdeckung  der  Wunder  der  Natur  tmd  Kunst  als  so  viele  Spiegel 
der  Ehre  Gottes,  deren  jedes  höher  als  der  kostbarste  Diamant  zu  achten.  Ver- 
besserung derMedicin,  dtu'ch  deren  Mängel  so  viel  theils  imvermeidliche.  theils  un- 
vorsichtige, theils  muthwillige,  aus  Obstination,  Ehrsucht,  auch  wohl  Geldgier  und 
Passionen  herrührende  TodtschUige  und  Verwarlosungen  begangen  und,  wenn  man 
recht  davon  reden  will.  Blutschulden  aufgeladen  werden.  Denn  ohne  Societät  und 
Anstalt,  wenn  gleich  ein  noch  so  grofses  Liecht  in  der  Natur  angezündet  würde, 
die  Practici  doch  bey  der  alten  Leyer  des  methodi  medendi  vel  occidendi  bleiben 
werden;  curiren  noch  meistentheils  wie  vor  erfundener  Circidation ,  thun  und  reden 
bey  den  einfältigen  Patienten  wider  besseres  Wissen,  als  ob  die  Digestion  und 
Nutrition  im  Magen  durch  Kochung  wie  eines  Topfs  am  Feuer  zugehe:  so  gar.  dai's 
Niemand  seiner  Gesnndhcit  wegen  übeler  dran  ist.  als  die  grofsen  Herrn,  so  ihrer 
am  meisten  besolden  können.  Und  daliehr  höchlich  zu  vei'wundern,  dafs  sie  die 
^Menschen  und  sich  selbst  von  solcher  Sclaverey  zu  erlösen  nicht  bemühen.  Dies 
kann  nicht  anders  als  durch  eine  Societät  geschehen:  die  hat  nun  ferner  in  sich: 
h^leemosynas  perpetuas  semper  crescentes.  INIittel.  Armen  Verlag  und  Arbeit  zu 
schaffen,  sie  also  vom  Bettelstab,  Seelenverdei-b« 


(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  31). 

Leibniz,  Consulta  tio  de  naturae  cognitione  ad  \'itae  usus  promovenda 
ins  tituen  da  (j  u  e  in  ea  ni  rem  Societate  Ger  man  a .  ([  ua  e  scicMitias  ar  tes  c|  ue 
maxime  utiles  vitae  nostra  lingua  describat  [»atriaeijue  lionorem  vin- 

dicet   (  1676  ). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     3.  Bd.   S.  312  ff.]. 

Autor  hujus  consultationis  magno  semper  animi  ardore  prosecutus  est,  quae- 
cunciue  ad  dei  gloriam  et  publicam  utilitatem  conferre  possiuit;  eamque  professionem 
suam  sinceram  esse,  niillo  alio  magis  argumento  statim  in  ipso  limine  ostendere 
se  posse  putavit,  (juam  si  nomen  suum  supprimeret,  ut  necpie  gloriam  inanein, 
netpie  privatam  utilitatem  (jiiaerei-e  euni  constare  possit.  Quin  imo  jierseverabit 
in  hoc  celandi  sui  consilio,  amicoque  viro  optimo  ac  doctisshno  votorum  suorum 
ijiterprete  utetur.  chmec  re  procedente  successus  ipse  ab  omni  vanitatis  aut  capta- 
tionis  eum  susjjicione  absolvat. 

PoiTo  ut  Consultationem  haue  emitteret.  impulsus  est  tum  proprio  zelo.  tum 
vohmtate  virorum  magnorum.  ([iiibus  non  tantum  aninuis  est,  sed  et  facultas  haec 
studia  (et  patriae  linguae  cultum)  etiam  ultra  verba  juvandi.  Cum  enim  non  ignorent, 
ad  corpus  aliquod  Physicae  verae  alicpiando  conficiendmn  experimentis  et  scribendi 
edendi(iue  operis,  id  est  sumtibus,  opus  esse,  profecto  nihil  in  se  patientur  desiderari, 
moth:)  spem  esse  videant.  posse  praeclari  ali(iuid  effici,  cujus  non  postei'i  demuin, 
sed  et  nos  ipsi  intra  paucos  annos  fi  uctuin   ali([iuMn   Deo  favente  p(U'cipiamus. 


5.    Leibniz,  Consultatio  de  instituenda  Soeietate  Gcnnnna.  27 

Accedit  patriae  amor.  ijune  praestantissimorum  ingeniünnn  et  ptilcherriniüi'uin 
inventorum  ferax,  nescio  (jiio  tarnen  torpore  gloriam  suain  noii  satis  tuetur,  dum 
extei'i,  nostra  novo  haliitu  pi-oducentes,  nolns  ipsis  iin[)onnnt  et  labore  alieno  .saejie 
callide  iVuuntur.  Nos  vero  interea  non  nisi  ij)so,s  citamns  laudaumstjne,  domesticae 
virtutis  ignai'i,  et  sub  nescio  quibus  rliapsodiis  saepe  praeclara  nostra  cogitata 
obrnentes,  quae  alii  speciosis  ratiocinationibus  ornata  venditare  didicerunt.  (Addo 
(juod  soll  omnium  Germani  linguani  nostrani  negligimns,  cujus  tamen  in  i-ebus  so- 
lidis  niiniine(|ue  chiniaericis  tradendis  niii'abilis  efficacia  tot  experimentis  coni]ii<)- 
bata   est). 

Sed  bene  est.  quod  exteri  licet  ingeniosissinii  et  oninil)us  rebus  instructissinii 
n()])is.  id  (|uod  potissiniuin  est.  adliuc  <iuodainniodo  vacuuni  nostraeque  linguae  or- 
nanduui  relitpiere.  Etsi  enini  niulta  elegantissima  observata  at(|ue  cogitata  illis  de- 
beri,  nisi  ingraü,  negare  non  possinius,  videntur  tanuMi  nonnulli  eoinim  magis  ad 
curiositatem  quam  usum  respicere,  et  in  niercibus  eoruni  literariis  saepe  idem  ciuod 
in  civilil)us  usu  venire,  ut  magis  placeant.  (piani  Juvent.  Itaque  si  dicendum .  (juod 
i'es:  post  tot  eorum  ingeniosa  scripta  et  ]>ulcliras  theorias  et  ex(piisitas  Observation  es, 
ipsi  tamen  exteri  negare  non  possunt.  ()i)timos  Europae  medicos  jiracticos.  optimos 
chemicos,  optimos  meclianicos  in  Germania  esse  et  ojitima  (piaeijue.  quibus  i[>si 
suas  ratiocinationes  inaediticant.  e  Germania  jn-odiisse. 

iSuperest  ergo,  ut  evigilemus  tandem  ali(juand()  et  l)ona  nosti'a  agnoscaiuus 
at(jue  excolamus.  In  hunc  pi-aecipue  finem  comparata  est  haec  consultatit) .  ut  viros 
ingeniöses  patriaeque  ac  boni  publici  amantes  velut  face  clara  ac  signo  dato  ex- 
citemus  ad  conspirationem  quandnni  animoruni  jucundam  et  gloriosam  et  seculo 
diguam. 

(Juoniam  autem  in  scientia  naturae,  (juae  tarn  late  jiatet,  vix  (|uic(juam  me- 
niorabile  nisi  sociatis  [societatis?]  lal)oril)us  praestari  potest.  opus  est  autem  con- 
seasu  atcpie  ordine  (piodam  ad  societatem  ineundam,  et  ncnio  ([uicquam  melius 
i'acit,  (piam  ([uod  volens  lacit:  ideo  sententias  phirhim  rogandas  iXw-fX.  ut  opinionibus 
omnibus  expensis  illud  denique  fiat,  quod  pleri<[ue  })robabunt;  et  ([uando(piidem 
in  omni  consultatione  opus  est  propositione  (piadam,  de  ipia  deliberetur,  et  (juae 
sit  totius  negotii  basis.  id  mei  esse  oi'ficii  credidi.  ut  paucis  exponam  de  ([uibus 
cogitandum  putem.  Si  <(ua  tamen  addant  alii  et  in  considerationem  praetei-ea  venire 
debere  ostendant,  libenter  mcn-em  gerenn is. 

Ante  omnia  ergo  Dei  gloria  et  patriae  amor  et  publica  utilitas  Consultatiouis 
hujus  suprema  capita  sunto,  et  tpiia  nee  Deo  cani  pulclirior  hynnius  ])otest,  quam 
si  (jiiod  naturae  miraculum  patefiat,  nee  aftlicta  patria  melius  rellorescet,  <[uam  si 
opificia  et  connnercia  et  artes  civiles  militarescpie  iiistaurentur  atcpie  aiigeantiu', 
ne(|ue  generi  humano  post  animi  virtutes  sanitatis  auxiliis  alicpiid  carius  esse  debet: 
se([uitui'  Deo,  patriae,  denique  universis  hominibus  non  posse  aliciuid  praestari  melius 
(post  pietatem  et  justitiam)  quam  si  i'erum  naturalium  proprietates  atque  usus,  ([uos 
liabent  in  scientiis  at(pie  artibus,  velut  in  numerato  habeantui-.  Desiderantur  ergo 
rrjationps  Jideles  operationnm  nati/rae  atgtf'  artis,  quae  vol  f^int  ntilcs ^  i-el  saltem  ad- 
inoduin  sinyulares:  utiles  autem  notandae  sunt,  nulla  raritatis  aut  vulgaritatis  habita 
ratione.  ]Modo  ea  omittantur,  quae  cuivis  artis  ignaro  statim  patent  per  se  sine 
magistro  ac  sine  ingenio.  Caeterotpiin  non  omne,  (piod  vulgare  est,  facile  est,  et 
vel  sit  dolabra  fiabri  lignarii,  aut  lima  ferrarii,  multa  liabent  ol)servanda,  vel  [necl'] 
cuivis  nisi  vel  a  magistro,  vel  ingenii  perspicacia,  vel  a1)  ex])erientia  edocto, 
facile   in  mentem  Ventura. 

Excerpendae  ergo  eruiit  Kelationes  nostrae  non  tam  ex  cliartis,  (piani  ex 
naturae  volumine  et  mentium  thesauro:  ({iiia  vero  difficillimum  est,  etiam  in  pictura 
delineationem  rei  afj  ejus  aspectu  naturacpie  petere  potius  ([uam  jam  alibi  expressam 
ejus  iinagiiiem   mutuo   sumere:    ideo   utemur  eo   auxilio.    (juod   nol)is   temjioruni   feli- 


28  5.    Leibniz,  Consu'itatio  de  institucnda  Societate  Gerniana. 

citas  dedit.  Id  est,  cum  ubique  sit  multitudo  artiücum  excelleiitiuiii,  quoruia  Stu- 
dium ac  diligentia  magis  magisque  eiiitescit,  ndliibeamus  eos  in  consilium  et  ex 
ipsorum  non  ore  tantum ,  sed  et  commonstrationibus,  instnunentis  et  laboribus 
accuratas  quasdam  descriptiones  exprimamus,  cjuae  sufficiant  publicae  instruetioni: 
ut  unus  aliquid  semel  pro  omnibus  agat,  ne  (juisque  singulatim,  quoties  opus  est, 
eadem  repetere  et  cum  danino  et  dispendio  temporis  sero  discere  cogatur. 

Hanc  ergo  brevissimam  et  certissiuiam  exiguo  tempore  in  immensum  pro- 
ficiendi  viam  video,  si  ea  ratione  notitias,  cjuae  jam  inter  homiues  vigent,  colliga- 
nuis.  Frustra  enim  nova  quaerimus,  dum  jam  in  potestate  posita  ignoramus;  cpian- 
tjuam  illi  demum  ad  nova  invenienda  ([uam  aptissimi  sunt,  qui  jam  inventa  optime 
teiient.  Et  quia  librorum  pariter  ac  rerum  natiu-alium  nimia  est  multitudo.  et  libi-i 
parlier  ac  corpora  nuita  sunt;  libri  praeterea,  uti  plerumque  scripti  sunt,  non  facile 
ingenerant  animis  veras  rerum  ideas:  ideo  nullam  video  compendiosiorem  et  soli- 
diorem  simul  discendi  rationem,  quam  si  utamur  quideni  autoribus  sed  vivis,  id  est 
illis,  (jui  in  observationibus,  experimentis ,  operibus  naturae  atque  artis  versantur; 
nee  refert  plebeji,  an  docti  sint;  modo  eos  jam  (juaestionibus,  jam  oculari  inspec- 
tione,  jam  delincationibus ,  jam  tentamentis  variis  ita  urgeamus,  ut  extoripieatur 
ab  eis  cognitio  rei  exacta,  et  descriptio  conficiatur,  (|uae  sola  ad  liominem  attentum 
penitus  instruendum  sufficere  posset. 

Hac  ratione  etiam  Scientiae  in  arctuui  conti-uduntiu'.  et  quae  ex  inunenso 
naturae  campo  aut  petenda  sunt,  aut  in  voliimiuibus  intinitis  nequicquam  ([uaerenda 
essent,  nitro  ordine  otHeruntur,  dununodo  per  hominum  variis  artibus  naturam  exer- 
centibus  vacantium  genera  eatur.  Quorvuu  non  us(pie  adeo  nuüta  esse  constat. 
Et  cum  nulluni  oppidulum  sit,  ac  ne  pagus  (piidem,  (jui  saltem  opifice,  vel  etiam 
rustico  alicpio.  si  placet,  careat,  a  quo  discere  possemus,  manifestum  est,  nemini 
curioso  ac  diligenti  materiam  deesse  bene  merendi. 

Ne  quis  autem  putet  actum  agi,  sciendum  est  vix  (juicijuam  earum  ai'tium, 
tjuae  in  materia  versantur  et  cum  ipsa  rerum  natui-a  proprius  connmmicant,  sincere, 
accurate,  plene  et,  vit  verbo  dicam,  ita  descriptum  in  libris  extare,  quemadmodum 
ad  hominum  instructionem  opus  esset,  id  est  ut  desci'iptioni  fidere  ac  sine  magistro, 
sine  multa  sumtuum  temporisque  jactura,  sine  errore,  ex  formulae  praescripto  rem 
desideratam  exequi  possinuis.  Cujus  rei  causa  est,  (poniam  desci-iptores  fuere  aut 
liomines  indocti  et  ai'tem  docendi,  id  est  plene  pers^Dicueque  ali(juid  tradendi,  igno- 
rantes,  aut  nimis  opinione  sua  docti,  id  est  fidentes  suis  cogitationibus  et  dum  magna 
tantum  et  inllata  moliuntur,  exigua  sed  solida  negligentes.  Plerique  etiam  descrip- 
tores  rerum  practicarum  sibi  lectorem  fingunt  jam  manipulationes  scientem,  aut 
ijuae  sibi  in  re  praesente  versantilnis  manifesta  erant,  alios  imaginatione  consequi 
posse  putant;  quod  tantum  abest  a  vero,  ut  longo  post  tempore  i])simet  suas  descrip- 
tiones saepe  non  intelligaut.  Habent  etiam  plerique,  c^ui  usu  potius  quam  ratione 
artes  didicere,  hoc  malum,  ut  alios  docere  nequeant,  cpiia  confusa  animi  sensa 
evolvere  non  possunt,  cum  tameu  eorum ,  (juae  ab  hominib  usconstanter  ol)servari 
possunt,  nihil  sit,  quod  regula  verbis  explicabili  comprehendi  figurisque  aut  aliis 
modis  illustrari  necjueat.     Qui  secus  opinantui-,  artis  didacticae  ignai-i  sunt. 

Itaque  artificio  multiplici  opus  est  homini  curioso,  nee  minore  j^atientia,  ut 
accuratas  satis  at(jue  plenas  descriiitiones  ex  vulgarium  hominum  sermonibus  atque 
operibus  (haec  enim  conjungenda  sunt)  exculpat.  Danda  illi  opera  est,  ut,  ubi 
conunode  licet,  ipse  rem  sumat  in  manus  et  praescripta  magistri  jiraesentis  secjui 
tentet:  ita  ex  monitis  ejus  sibi  consulet.  Instrumenta  quoque  artis,  (juam  describere 
volet,  in  promtu  habebit;  sin  minus,  modulos  saltem  sibi  parabit,  (piantum  licet. 
Quin  et  diversos  ejusdem  artis  magistros  consulet,  nonnunquam  et  melius  a  puero 
artificis  (juam  a  magistro  ipso  proficiet.  8ed  optime  sibi  prospiciet,  si  magisti-os 
adhibeat  diversarum  artium  sil)i  vicinarum.  ut  fabrum   ]i<>narium  et  scriniarium,  aut 


5.    Leibniz,  Consiiltatio  de  instituenda  Societate  Germana.  21) 

fabrani  feiTariuui  et  autoinatariiim ;  nain  saepe  illis  inter  se  sunt  lites  atque  aeinula- 
tiones,  et  ex  contlictu  sententiaruin  attento  atque  industrio  facile  veritatis  lux  emicabit. 

In  describendo  auteni  niethodus  haec  sequenda  est:  prinuun  Nomenclator 
qaideni  conficiatur  proprioruni  artis  verborum  phrasiuiiupie  et  receptaruni  forinu- 
lai'um  atque  sententiarum,  quae  apud  artifices  ([uodainniodo  in  jiroverbium  abiere. 
His  enim  illi  non  minus  nituntur,  (juani  jurisconsulti  regulis  juris  aut  medici  aj)h()- 
risniis.  Ordo  autem  haruni  definitionum,  ])hrasium  atque  axiomatuni  sequendus  est 
non  alplial)eticus,  sed  naturalis,  qualeui  ipsa  reruni  connexio  oftert,  dum  a  siuq)li- 
cibus  ad  composita  imus.  et  quae  ad  caeteroriun  intelligentiam  desiderantui-.  prae- 
mittinuis.  Adjiciendae  sunt  explicationes  factae  vei'bis  popularibus.  Et  vero  malini 
pleracjue  ista  Germanica  scribi  lingua,  (juemadnioduni  in  conuuuni  usu  versantur; 
nam  latine  pleraque  non  satis  aut  cominode  aut  jjroprie  reddentur,  cuna  vocabulis 
veterum  et  multo  inagis  phrasibus  eorum  aptis  destituamui-.  et  niliil  causae  sit,  cur 
non  eundem  linguae  nostrae  honorem  asseramus,  quem  alii  suae.  lUud  autem 
potissimum  observandum  est,  ut  Schemata  cpiam  exactissima  descriptionibus  accedant, 
et  cum  res  quae  describitur  admodum  composita  est,  ea  nunc  dissoluta.  nimc  ])au- 
latim  reconjuncta  spectetur.  variae(|ue  ejus  facies  ususfiue  ac  Status  exhibeantiu-, 
servatis  ubique  literis  iisdein. 

Definitionibus  autem  explicatis  subjiciendi  sunt  apliorismi  (piidam  et  cantuies 
et  observationes  generaliores ;  item  subjectorum  naturalium.  circa  (pias  ars  illa 
versatur.  singulares  quaedam  et  curiosae  proprietates,  al)  artificibus  observatae, 
tametsi  forte  non  aeque  ad  praxin  conferant.  His  autem  absolutis  ad  opera  ai'tis 
sive.  ut  vulgo  vocant,  lectiones,  ut  mathematici  appellant  problemata,  pergendum 
est.  Et  quia  problemata  difficiliora  j)lerum{|ue  aliis  lacilioribns  velut  cognitis  nituntur, 
ideo  semper  danda  opera  est,  ut  imitatione  mathematicorum  (qui  demonstrationes 
nimis  prolixas  alioqui  futuras  ope  promissorum  lemmatum  contrahunt)  constructi- 
onem  alicujus  problematis  sive  processum  ibnnulamve  praescriptam  brevem 
i'eddamus.  tollendo  inde  et  separatim  ponendo  (juae  peculiare  problema  etiam  aliis 
forte  jn'ocessibus  usni  futurum  constituunt. 

Hoc  luio  observato  mii-a  subito  vi  Yfortasse  in]  artium  descri])tione  lux  orietur. 
Pi-oximumest,  ut  semper  operationum  rationes  eaeque,  quoad  tieri  potest.  solidae  et 
universales  adjiciantur.  quas  ut  magistris.  hominibus  sive  indoctis  sive  non  satis 
attentis,  exsculpamus.  non  tantum  causa,  cur  ununupiodcjue  faciant,  quaerenda  est, 
sed  et  objectiones  illis  faciendae,  quae  cogant  eos  in  se  i-edire  et  mature  expendere 
(|U()d  dicunt.  Utile  est  etiam,  problema  unumcpiodque  verbulo  annotare,  (juis  ejus 
futurus  sit  in  sequentibus  usus.  Deni(jue  nee  in  ordine,  nee  in  scribendi  ratione 
nimia  scrupulositas  desideratur ,  modo  circa  rerum  quae  tractantur  potissimas 
])roprietates  annotandas,  item  in  schematis,  ac  denique  in  fideli  et  plena  operationum 
tlescriptione  nihil  desideretur.  Et  (juia  solent  magistri  habere  cautelas  ipiasdam  et 
subtilitates  ac  velut  condita  artis  mysteria  operaque  eminentiora,  Meisterstücke, 
(piibus  candidatos  suos  examinant,  aut  inter  se  nonnumquam  de  ai-tis  praestantia 
sive  inter  pocula,  sive  in  officina  certant.  aut  etiam  (juibus  alios  homines  callide 
circumscribunt,  ideo  nulli  studio  parcendum  est,  quo  nihil  talium  desideretur.  Nam 
(jui  prudens  est.  facile  ita  (piaestiones  instituere  potest,  ut  hoc  genus  hominum 
elici  aliipiod  ex  se  necpiidem  sentiat.  Subjicienda  etiam  sunt  rerum  pretia  et  (|uidem 
loco,  in  quo  descriptio  fit,  in  exemjilum  adhibito,  et  fundamentis  adjectis,  unde 
hujus  pretii  ratio  intelligatur,  atque  illud  ({uocjue  appareat.  ex  (luil)iis  causis  res 
in  aliis  locis  majoris  minorisve  esse  soleat  possitve.  Libros  autem  idem  argumentum 
sive  attingentes.  sive  professa  opera  tractantes  utiliter  adhibebimus.  tum  ue  rei 
initio  rüdes  sinius.  tum  ut  scianms,  (piid  potissimum  explicatione  indigeat,  aut 
tpiaerendum  restet,  ut  onmia  cpiam  plenissime  describantur,  ne  ullus  scrupulus 
descriptioiiem  secutui'o  jure  restare  possit. 


BO  5.    Leibniz,  Coiisultatio  de  instituenda  Societate  Gennana. 

PoiTo  cum  vitae  genera  sive  professiones  ut  vocant,  scilicet  operatrices,  id 
est,  si  ita  cum  nonnullis  appellare  ])lacet,  vacationes  siiigulatim  explicandas  ajo. 
non  tautum  opificia  intelligo  atcpie  artificia.  sed  omnia  honiinum  artium,  scientiarum 
genera,  (piae  corjjore  ac  per  corj)ora  aliipiid  praestant,  ubi  corporuni  numeru.s, 
inensura,  vis  motrix,  consistentia ,  colores,  soni,  odores,  sapores,  caeteraque 
seusilia  omnia  in  rationes  vocantur.  sive  sei'ia  sint,  sive  ludicra,  cpiae  aguntur,  sive 
jam  ludi  peculiarem  liominum  classeni  faciant,  ut  nnisica.  scenica,  sive  pro  cujusque 
arbiti'iü  ac  A^oluptate  exerceantur,  ut  ludi,  (|ui  magistros  certos  ac  professos  non 
habent;  id  enim  a  casu  est  nee  ad  rem  i'acit,  quod  aUi  ludi  prae  aliis  magistros 
professos  sunt  nacti.  Latent  autem  et  in  ludicris  praeclara,  cpiibus  animus  ad 
invenienduni  excitatur  multaque  subinde  naturae  arcana  involvuntui'.  Nee  ipsos 
cii'culatores  negligendos  arbitror,  quos  constat  multa  habere  egregii  usus,  si  inciderent 
in  possessores  praestantiores.  Ne(]ue  vero  distinguendum  est  hoc  loco  inter  artes, 
quae  opus  relinquunt,  ut  pictoria,  fabrilis,  aut  (juarum  effectus  cum  ipsa  operatione 
evanescit,  ut  musica,  equestris,  saltatoria,  funamlndaris ,  nautica.  Et  ex  illis,  ipiae 
ali(iuid  r(>lin(juunt,  ])erinde  est  sive  exhihitoriae  sint,  ut  jiiscatrix,  venatrix,  gem- 
manun  et  nietalloi'uni  indagatrix.  ubi  nihil  producitur,  sed  tantum  capitur  aut  de- 
tegitui",  sive  ol)stetric(\s  sint.  quae  corpoi-a  naturalia  invicem  efficacia  maritare 
contentae  et  alicpiando  tantum,  ubi  necqsse  est,  obstetricias  naturae  manus  admo- 
ventes  (pio  felicius  ac  facilius  aliquid  pariat.  ipsae  per  se  non  agunt,  (pialis  est 
agricultoria,  pastoria,  ars  hortulani.  ars  medici,  quae  tamen  ob  finis  magnitudinem 
et  scientiae  sublimitatem  plane  a  caeteris  separanda  est.  Sive  sint  f/ahoratriccs, 
ubi  continua  artificis  cura  opus  est,  tanietsi  hie  quo(pie  tantum  natura  agat,  ut 
chemica,  pharmacopoetica,  salis,  nitri,  aluminis,  vitrioli  excoctrix,  docimastica, 
magirica,  coloratrix,  cujus  sj)ecies  tinctoria  est,  Sive  denique  sint  effonnatrkes, 
ut  fabriles,  automatoria.  graphice  sculptoria ,  scriptoria,  impressoria,  textoriorutn 
oume  genus,  chirurgica.  Necpie  vero  omnem  artium  et  vacationum  vai-ietatem  nunc 
enumerare  propositum  est,  (piae  sive  jjro  subjecti,  in  quo  occupantur,  sive  usus 
ac  finis  ratione.  aut  etiam  multis  aliis  modis  distingui  possunt. 

Sut'ficit  subindicasse,  ([uam  nihil  eorum  sit  negligendiun ,  cjuibus  hominum 
curae  ac  studia  distrahuntiu-. 

Demus  jam.  si  placet.  centum  esse  circiter  genera  artium  describendarum 
(comprehensis  tamen  vastioribns  illis,  medicina  et  chemica.  (piae  duae  per  se 
unaquaeque  coi'pus  constituent,  inter  plures  distribuendum).  Ponamus  etiam  centum 
illas  artes  intra  quinquaginta  aut  etiam  pauciores  viros  accurate  doctos  et  curiosos 
distribui.  totidemcjue  libros  elaborari,  cpiot  sunt  artes:  quis  non  videt,  inti-a  alicpiot 
annos  mediocri  diligentia  totum  institutum  accuratissime  absolvi  posse,  etiam  a 
viris  in  alio  ])lane  studiorum  genere  occupatis,  si  modo  partem  horanun  sub- 
secivarum,  cpialem  forte  aedificio  alicui  struendo.  aut  horto  villaeve  aut  rei  fa miliaris 
curae  intentiori  subinde  tribuere  solemus.  labori  nnüto  gloriosiori  et  perennatui'o 
im])endere  velint.  Ita  haberemus  thesaurum  scientiae.  cui  nulla  parem  vidit  aetas 
et  in  ])aucis  voluminibus  bibliothecam  maximis  illis  vera  rerum  scitu  dignarum 
copia  ditiorem.  Nam  potissimae  hominum  notitiae  velut  in  aerarium  2)ublicuni 
relatae  in  numerato  erunt,  et  id  omne  in  consjiectu  habebimus.  quo  tota  globi 
nostri  terrestris  superficies  animatur,  cpio  ipsa  pene  rerum  natura  convertitur,  <juo 
2)0])uli  tlorent,  unde  velut  ex  copiae  cornu  tanta  rerum  vis  efiunditur,  denicpie  id 
omne.  ipio  tot  millia  aluntui-,  ornantur,  agunt,  pugnant.  occupantur,  deliciuntur. 
Quodsi  ei'go  doctissimi  nostrates  naturae  curiosi  varia  subjecta  sive  corpora 
natuivilia  inter  se  tractanda  olim  distribuerunt.  dum  ille  absynthium .  iste  chry- 
socollam.  alius  gammaros  aut  vinum.  (juartus  crocum.  alius  aliam  speciem  sibi 
sumit.  (juod  profecto  institutum  laude  dignisshnum  est:  (juid  prohibebit,  nos  non 
tarn    mutorum    cpiam    vivorum    at(iue    interroganti    respondentium    species  coi'porum 


5.    Lkibniz,   Consultatii)  de  iiisiirueuda  Societate  Geriuaiia.  Hl 

scijui,  i(l  est  opificniii,  nrtificuiii.  \nc;itioiiuiii  genei'a  inter  iios  jiartiri,  ex  (|uil)u.s 
iiitrrroii'ando  discaiims.  (|iiae  non  coujectura  aut  lallaci  unicae  obscn  atioiiis  testi- 
iiioiiio.  aut  relatione  aiitoi'is  cujusdain.  ([iii  fortassc  ij).se  tantuin  aiidita.  scripsit, 
nituiitiir.  sed  talia.  (juae  artifices  eoruiiKjiie  inajoi-es  a  tot  annis  .sunt  experti,  quae 
post  iiuiumera  ttMitainina  tandem  ipse  successus  stabilivit,  (juae  ipsa  vivendi  necessitas 
seuiper  curiositate  exactior  cxpi-essit  pi'opayavittpie.  Itacpie.  si  Ininiana  potentia 
c'iinsistit  in  bis  artibus.  (pul)us  naturani  edoniannis,  sequitur,  patrinionium  generis 
huiiiaiii  et.  ut  id  dicani .  i'eHetam  n<)l)is  a  majoribus  baereditateni  bac  descriptione 
census  nostri,  boc,  ut  ita  dieani,   nostri  in  res  caeteras  iinperii  breviario  contineri. 

Agite  igitur,  egregii  Gerniani,  (piorum  nomine  eos  comprebendi ,  (|ui  aut  sedeni 
a[)ud  nos  fixere,  aut  quos  gentis  Hnguaecpie  cognatio  nobis  junxit,  eonsiderate  nie- 
cuni.  si  placet,  (piantulo  negotio  quantas  res  gerere  possitis.  et  ([uani  facile  vobis 
futiu'uui  sit  uno  ietu  onnieni  vineere  diligentiam  exteroruni.  Dum  mubi  abi  cin-iosa 
oi'ulis  exponunt,  vos  profutura  animis  instillate.  dum  aUi  quidam  ad  pompam  studia 
dirigunt,  vos  fruetum  spectate  (juem  ex  labore  vestro  patria  percipiet.  Nam  si 
ilhul  artium  scientianuiKpie  verum  inventarium  semel  liabeatur,  certum  est,  eadeni 
o|)era  appariturum  (juaenani  adhuc  suj)ersint  artium  desiderata,  et  aditum  patefactum 
iii  ad  innumerabiba .  »juae  nunc  dispersa  Latent,  tune  autem  sub  uno  obtutu  posita 
l'acib'  all  ingeniosis  ad  novos  pLaneque  insignes  usus  conjungentur. 

Germanico  autem  sermone  omnia  scril)enda  sunt,  tum  ut  ostendamus  exteris. 
])osse  et  a  nobis  scribi.  (piae  se  non  intelbgere  ipsi  doleant,  tum  ut  nostratium 
stiidiis  vebficenuu'.  Negandum  enim  non  est,  mire  apud  exteros  acui  ingenia  ex- 
citariijue  curiositatem ,  dum  foeminae  etiam  et  pueri  et  bomines,  ([uos  a  scbobs 
IVecjuentandis  vitae  ratio  aut  juventutis  infebcitas  excbisit,  niliilominus  aditum  si1)i 
ad  onmes  artes  scientias(jue  cognoscendas  apertum  vident.  Dum  interea  nostri 
lioiuines  etiam  discendi  avidi  in  rerum  eognitionem  non  nisi  post  berculeos  supei'a- 
tarum  Unguarinn  hd)ores  admittuntur.  (piil)us  saepe  animi  acies  ol)tunditur;  cpii  vero 
sive  inqjatientia,  sive  infebcitate  sua  a  Latinitate  repulsam  passi  sunt,  bi  vebit  ad 
ignorantiam  condenmati  babentur,  magna  boni  pubbci  jactura.  .Scientia  enim  est 
buüinis  instar,  (piod  in  singulos  diffusum  esse  onuiium  interest.  Nee  vero  verendum 
est,  ne  ita  Latina  Graecaque  literatura  abquid  detrimenti  capiat,  nam  videmus  in 
GaUia  Anglia(|ue  non  deesse,  imo  abundare  viros  sobde  doctos,  et  vei-o  Tbeologis 
bnguae  Hebraiea  et  Graeca,  Jureconsultis  Latina  ((luauujuam  forte  et  Graeca),  Me- 
dicis  Graeca  et  Latina  semper  necessariae  erunt.  Historiarum  etiam  amatores  nuni- 
(luaui  fontes   obstrui   sibi   patientur. 

(i)uai-e  metu  boc  depulso  vos  jam  alkxpior,  (pii  patriae  gloriam  curae  vo1)is 
esse  jam  rebus  ipsis  ostendistis,  Fructiferi  ilbistrissimi  eorunupie  imitatoi-es  Cycnei, 
(|uicim(jue  ab  aurea  iUa  aetate  rebcpii  estis  aut  paribus  animis  interim  succrevistis. 
Sed  et  vos  (piotpie  com[)ello,  laudatissimi  Natui-ae  Curiosi.  Cunjungite  consiba 
Germanis  animis  digna  et  mecum  pariter  ac  cum  liis,  (juibus  institutum  boc  pro- 
babitur,  in  Socictatem  Cae.sarfaw  conspiratel  Vos  Guriosi  tantum  ])rotectorem  jam 
tum  sapientissime  elegistis.  A'os  autem.  (pii  bnguae  patriae  bonori  studetis.  sub 
lioc  signo  Acpiilae  laxatos  nonnibil  ordines  tutissime  recolbgetis!  Sunt  et  alii  credo 
magni  l^rincipes.  (pii  secundam  sibi  a  Caesare  vestri  curam  sument;  sed  (pioniam  scbed 
abaec  jiotius  naturae  ijuam  bnguae  colendae  causa  scripta  erat  .  .  .  .:  Nunc  (piidem 
finio.  nam  ad  doctos.  judiciosos,  candidos  zelo  (juodam  augendae  ef'licacis  scientiae, 
adorandi  in  suis  operibus  Dei.  juvandae  verissima  caritate  reipubbcae,  qua  egenis 
per  artium  conqiendia  succurratiu-,  denique  vindicandae  ab  exterorum  insubatione 
patriae,  satis  animasse  milii  videor;  plebejis  ingeniis  ac  male  aniniatis  nuncpiam 
dixero  satis. 

Scribendum  bis  plerisipie  eorumve  aniicis:  Hebnont.  Rosenrotli.  ^Nlorus,  Elsliolz, 
Crane,  Weigebus.  DörfeL  Hevebus,    Medicus  Dantiscanus,    de  (luo  Dominus  Gen. 


H2  5.    LeibniZj  Consultatio  de  institvienda  Societate  Germana. 

31.  Fleming,  "Reiselitis,  "Schaeflfer.  Kornnian,  Eckardi,  Loiueier,  Siverus,  ^^^g■etills, 
Feldemis,  Ottius,  Screta,  Steno,  .Swannnerdani,  Boccmie.  Vinhold.  Gericke, 
E.  Honiberg,  Wedel  (Jenas),  Pratis ,  °Reihenis,  °P.  Koclianski  si  (jiüs  Capuciniis 
curiosus.  Dresdae  D cujus  nonien  nunc  non  siiccumt.  Leewenhoeck,  Tschirn- 
haus, P.  Lana,  P.  Fabri,  Bohne,  EttmüUer,  Langelot,  Major,  Casp.  Bartolini,  Oligius 
Jacobaeus,  And.  MüUerus,  Gisebertus,  Placcius.  Rolam  in  Suecia,  Rudbeckius, 
Zimniermann ,  autor  hypothesis  Cono- Ellipticae  (pastor  in  ducatu  Wurtenbergensi), 
Reichelt  (Argentorati),   Gudius,  Mengolus    (Bononiae). 

Exponendum  emendandae  Physicae  desideriuni.  Addendae  rationes.  qiiae 
oniniuni  ingeniis  conveniant:  Theologus  considei-abit ,  Deum  nos  pariter  ac  caeteras 
res  omnes  sapientiae  ac  potentiae  suae  patefaciendae  causa  creavisse,  et  pium  esse 
<pii  autoris  consilio  obedit.  Philosophus  fatel)itiu',  inenteni  perfici  conteniplatione 
admirandoruni  naturae  operuni .  et  cibum  aninü  veritateni  esse.  Medicus  agnoscet, 
cum  nihil  post  aninii  virtutes  sanitate  sit  praestantius,  in  ea  inquirenduni  esse, 
quae  sanitati  conveniunt  aut  contraria  sunt,  id  est  in  naturam  rerum.  Id  non  tantum 
prudentiae  esse,  (pia  iiobis  servimus  et  nosti-is,  sed  et  pietati,  ut  tot  infelicibus 
succurratur.  Unde  passim  ])rincipes  et  matronae  illustres  et  religiosissimi  viri  non 
tantum  curiositate,  sed  et  caritate  moti  in  naturae  arcana  inquirunt.  Politici  autem 
sciunt,  basin  reipublicae  esse  artes  atque  opificia  aliosque  Labores,  quibus  homines 
rüdem  materiam  a  natura  praebitam  obtinent,  eruunt,  elaborant  ad  vitae  usus  et 
conunercia,  et  saepe  minutis  (|uil)usdani  inventis  hujnsmodi  (ut  lialecis  conditura) 
incrementum  civitatum  inniti. 

Cum  tanta  sit  Physicae  Acrae  utilitas,  mirandum  est,  tantam  ejus  inq)er- 
fectionem  esse.  Alii  versantur  circa  formas  et  qualitates  niniis  abstractas,  quas 
nee  satis  intelligunt,  nee  in  natura  ostendere  nee  ad  usum  transferre  possunt.  Alii 
inagis  in  natura  vei'sati  nimium  tribuunt  analogiis  ab  una  re  sensibili  ad  aliam,  ut 
magnetismis,  ideis  o])eratricibus ,  radiationibus,  acidis,  fermentis,  unde  magna  oritui- 
incertitudo  sententiarum  et  ambiguitas  explicationum.  Alii  hypotheses  condunt 
intelligibiles  quidem,  sed  nimis  a  sensilibus  rebus  remotas,  nee  proinde  ad  eas 
tractandas  servientes.  Quidam  experimenta  quidem  habent,  sed  nihil  ex  illis  ducunt, 
nee  ad  universalium  naturae  legum  arcana  assui'gunt.  Plericpie  omnes  vix  alicjuid 
praeclari  in  physicis  efficere  aut  praedicere  possunt,  nisi  casu,  quod  certum  est 
Signum  artis  imperfectae. 

Itacpie  consultatio  instituenda  cum  viris  boni  ])ul)lici  naturaeque  aniantiljus 
et  intelligentibus,  quanani  ratione  ([uam  brevissime  occurri  possit  liuic  malo,  ut 
non  tantum  posteritas,  sed  et  nos  ipsi  intra  alicpiot  annos  jam  aliquem  laborum 
nostrorum  fi'uctum  effectu  ipso  percipere  possimus.  Satins  enim  est  per  gradus 
eundo  aliquid  saltem  absolvere,  ijuani  iiimia  moliri,  (piorum  utilitas  alio  denium 
seculo  se  jjroferre  possit. 

Opinio  Proponentis  huc  redit: 

I.  Necessariam  esse  societatem  quandam  inter  viros  doctos  et  curiosos  et 
candidos. 

IL   Operas  inter  eos  esse  partiendas. 

IIL   Consilia  pariter  et  opera  esse  comnuuiicanda. 

IV.  Rem  ita  instituendam ,  ut  quisque  agat,  quod  suo  ari'ideat  genio,  sed 
ita  tamen,  ut  id  ipsum  ad  societatis  scopum  sit  praeaptatum. 

V.  Scopmn  primarium  esse  debere,  invenire  causas  veras  rerum  physicarum 
easque  tales,  quae  operibus  atque  praedictionibus  comprobentur. 

VL  Media  ad  hunc  scopum  necessaria  esse  duo:  experimenta  vera  et  ex- 
perimentoruni  aptam  ad  causas  inveniendas  coordinationem. 

VIL  Itaque  annotanda  sunt  experimenta  notabiliora  ((piae  qualia  sint  alias  dice- 
nuis).  sive  jam  extent  scripta  in  liln'is,  ita  tamen,   ut  gradu  certitudinis  discei-nantur. 


5.    Leibniz,  Consultatio  de  instituenda  Societate  Geniiaua.  3«i 

VIII.  Annotaada  autcnii  sunt  2'<'i"  nioduin  propositionum  seu  aphorismoruni 
allegato  teste  autopta  vel  alio,  prout  haberi  potest. 

Consilii  suimna  eo  redit:    ut  onmis  humana  notitia  ad  usuni  ordinetur. 

T'si/s  seu  finis  contemplandi  consistit  in  23i"'i>^i  «id  vitani  utili  seu  solutione 
prohleniatuni,  quibus  indigeuius. 

Indiyemiis  autcm  felicitate  seu  aniino  contento.  virtute,  sanitate.  aniicis, 
opibus ,  quae  pendent  a  scientia  Dei,  animi,  corporis  et  hujus  scientiae  praxi. 
Scientia  autem  Iiaee  i-eddenda  est  jjublica  et  parata. 

Publica^  ut  (juod  uni  deest,  ab  alio  suppleatur;  unde  apparet,  justitiam  et 
caritatem  cum  prudentia  conjunctam  esse,  et  si  quisque  alteri  jirodesse  vellet, 
Omnibus  bene  fore. 

Parata  esse  debet  scientia,  ut  omnia  statim  in  conspectu  habeamus,  ne  tum 
maxime  nos  fugiant  cum  indigemus. 

Hactenus  Finis,  Materia  ordinandorum  sunt:  Notitiae  Jmmanae ,  (piae  usum 
habent  Janupie  satis  exploratae  sunt. 

Quancpiam  autem  nulla  sit  veritas.  cjuae  non  sit  ali(jua  ratit)ne  utilis,  nunc 
tamen  cogitandum  ante  omnia  de  illis,  quorum  utilitas  major  et  magis  cognita  est. 

Forma  sive  ordo  ipse  consistet  in  conjunctione  duarum  maximarum  inveniendi 
artium,  Analyticae  et  Combinatoriae.     Sed  hoc  distinetius  per  Canones  exponamus. 

Canon  I.  C'onscril)atur  Encyclopaedia  Scientiarum  humanarum,  Nam  tanta 
rerum  connexio  est,  ut  una  scientia  sine  alia  vix  perfici  possit. 

Canon  II.     Labor   inter   socios   pro  gustu  et  commoditate  cujuscpie  dividatur. 

Canon  III.     Pensiun  quisque  intra  certum  temporis  spatium  absolvat. 

Canon  IV.  Quod  cpiisque  praestiterit ,  societas  grata  publice  privatimipie 
agnoscet. 

Canon  V.  Si  ijuis  aliipiid  ultra  praescriptum  egerit,  eo  grati  utemur  et  autorem 
laudantes. 

Canon  VI.  Unus([uis(jue  eorum,  (piae  tractat,  breves  et  ciaras  constituat 
definitiones. 

Canon  VII.   Unus(juis(pie  colligat  experimenta  explorata,  quae  rem  suam  tangunt. 

Canon  VIII.  (3mnia  exprimantur  non  per  dissertationes  seu  narrationes .  sed 
per  positiones. 

Canon  IX.  In  scholiis  tamen  propositioni  (sicubi  placet)  sulyectis  expatiandi 
major  erit  libertas. 

Canon  X.  Experimenta  in  catalogos  ita  referantur  ab  unoquoque,  ut  ([ualitatis 
alicujus  omnes  differentiae  et  gi-adus,  quoad  licet,  distinguantur. 

Canofi  XI.     Eodemque  modo  subjecti  alicujus  omnes  species. 

Canon  XII.  Deinde  subjiciatur  catalogus  subjectorum.  quibus  comjDetit  haec 
qualitatis  varietas  aut  hie  gradus. 

Canon  XIII.  Denique  eodem  modo  subjiciatur  catalogus  qualitatum  compe- 
tentiiun  dato  subjecto. 

Canon  XIV.  Nulluni  scribatur  experimentum.  (piod  non  sit  in  confesso 
aut  factum  ab  ipso  scribente,  aut  conuuunicatum  ab  alio  admodum  fide  digno 
sive  scriptore.  sive  amico.  Semper  autem  nominetur  is,  a  (pio  habenms  (nisi 
is  fortasse  nolit),  quia  testis  (juiscpie  in  iis,  (piae  facti  sunt,  rationem  scientiae 
reddere  debet. 

Sianma  Consilii  est  notitiarum  humanarum  potissimarum  ordinatio  ad  Usnni 
Vitae,  sive  Encyclopaedia  vera.  Nam  nndta  jam  praeclai-a  genus  humanuni  in 
potestate  habet,  (juibus  non  utitur,  quia  vel  non  publica,  vel  non  ita  ordinata 
sunt,  ut  prompte  inveniri  possint. 

Societas  ineatur  inter  plures,  qui  laborem  inter  se  pro  cujusque  voluptate  et 
commoditate  ita  partiantur.   ut  (|uis(jue,  (pioad  fieri  jjotest,   pensum   intra  definitum 

Geschichte  der  Akademie.    II.  3 


34  6.    Leibniz,  Urtheil  über  die  bestehenden  Akademieen. 

teiiipus  absolvat:  si  quid  jjraeterea  praestiterit.  hoc  etiaiii  societas  grata  agnoscet. 
Oinnia  postea  coordinentur,  salva  cuique  gloria,  quam  e  labore  suo  nieretur. 

Ouinia  tractentur  non  per  discursus ,  sed  per  aphorismos  seu  per  jjositiones 
j)r()prie,  circunispecte  et  nervöse  conceptas,  easque  quoad  fieri  potest  universales 
et  reciprocas;  in  scholiis  tarnen,  quae  propositionibus  subjicientur,  liberius  aliquando 
expatiari  licebit. 

Omnis  positio  vel  probetur  vel  postuletur,  cum  probari  commode  non  potest. 
Onmia  autem  postulata,  seu  sine  probatione  assumta  initio  praefigantur.  Postulati 
vocem  liic  sunio  non  ut  Euclides ,  sed  ut  Archiniedes  aliique. 

Postulata  constabunt  ex  definitionibus,  axioniatis  et  hypothesibus.  Definitiones 
demonstrari  non  possunt,  Axiomata  demonstrari  non  est  necesse,  Hvpotheses  de- 
monsti-antui-  (juodanmiodo  ex  ipso  successu  conclusionum. 

Postulatis  subjiciantur  Experhnenta  et  ex  expei'inientis  per  induetionem  factae 
observationes.  Ponatur  autem  modus  faciendi  experinientuni  nomineturque  is.  cjui 
experinientuni  fecit  aut  narravit.  Expei'inienta  dubia  non  ponantur.  nisi  cum  mngni 
sunt  momenti.     Experimenta  autem  in  catalogos  referantur  certo  modo. 

His  jain  fundamentis  superstruantur  conclusiones ,  quae  disponantur  eo  ordine, 
ut  per  theoremata  ducamur  ad  problemata,  sive  a  theoria  ad  praxin.  Nulla  ponatiu- 
propositio  sine  demonstratione  vel  veritatis,  vel  (si  res  aliter  sciri  nunc  non  potest) 
saltem  probabilitatis ;  nam  et  probabilitas  demonstrari  potest.  Hoc  autem  fiat  in 
illis  tantum  probabilibus ,  quae  sunt  alicujus  momenti. 

Definitiones  conmiunicentur  sociis,  ut  conmuuii  deliberatione  constituantur, 
vitaiidae  confusionis  causa,  ne  scilicet  in  eodem  cyclo  idem  vocabulum  diversimode 
sumntur. 

Ne  niniis  magna  moliendo  })raesentia  amittamus,  primo  rem  ita  constituenms, 
ut  silicet  intra  annum  habeatur  totius  liujus  Encyclopaediae  i-udimentum,  cjuod 
postea  augeatur. 


6. 

(Vergl.  Gc'scliic-lite  der  Akademie  S.  43). 

Schluss  des  Le  ibniz 'sehen  Memoire   pour   des   personnes  eclairees  et 

de  bonne  intention  (undatirt). 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  S.  i9ft'.] 

26.  Nostre  siecle  a  vü  naistre  de  belies  societes,  et  il  en  a  tire  de  grandes 
utilites;  mais  il  pourroit  aller  encor  bien  au  delä.  11  y  avoit  en  AUemagne  une 
societe  considerable.  dont  jjlusieurs  membres  estoient  princes  de  l'Empire  et  autre- 
ment  gr'ands  seigneurs,  ou  du  moins  hommes  distingues  par  les  dignites  et  par  le 
merite.  On  l'appelloit  societatem  frugiferam;  mais  ils  ne  s'amusoient  cju'ä  purger 
la  langue,  au  Heu  de  nous  porter  les  fruits  qu'ils  pouvoient  et  qu'ils  promettoient. 
L'Academie  Frangoise  a  suivi  cpielque  chose  de  leur  plan.  Pour  ne  i'ien  dire  della 
Grusca  de  Florence,  (jui  est  plus  ancienne.  La  societe  Royale  d'Angleteri'e  a  eu 
des  veues  bien  plus  grandes  et  bien  jilus  belies;  et  nous  luy  sommes  infiniment 
redevables.  Mais  un  j)eu  trop  d'attachement  ä  de  menues  experiences  leur  a  niii 
dans  l'opinion  du  vulgaire  tpii  n'en  penetre  jjoint  Timportance,  et  a  fait  meme  que 
le  fruit  a  este  moindre  qu"il  n"aiiroit  pü  estre,  ce  qui  est  encor  plus  vray  deW Academia 
del  cimento  de  Florence.  L'Academie  Royale  des  sciences  de  Paris  est  un  corps 
etabli  et  entretenu  par  son  Roy.  Elle  a  donne  quelques  choses  tres  impoi-tantes. 
Mais  les  guerres  Font  obligee  de  se  reserver,  pour  ne  parier  d'autres  considerations 
et  changemens.  La  Societe  de  jilusieurs  Medecins  d'Allemagne,  qui  ont  pris  le  nom 
de  Curieux    de    la  Nature,    est    plus    ancienne    cpie   les    autres,    (jui    travaillent   aux 


7.    Leiiiniz,  Pro  Memoria  (wahrscheinlich  für  Spanheim  1694).  ö5 

Sciences.  Son  preniier  bat  estoit  de  donner  des  livres  (|ue  cha(|ue  membre  entre- 
])i'enoit  de  publier  sur  quehjues  siijets  naturels,  iiiais  pbistost  de  curiosite  i[ne  de 
practi(iue,  et  suivant  une  methode  qui  estoit  phis  propre  a  ce  qui  doit  servir  de 
repertoire,  qu'a.  donner  des  ouvertures.  Depuis  ils  se  sont  eleves  d'avantage,  et 
ils  y  ont  Joint  un  recueil  d'observations  annuelles,  parmy  lesquelles  il  y  en  a  beaii- 
coiq»  de  tres  utiles.  JMais  la  connmuiication  entre  eux  est  assez  reservee,  aiissi 
bien  (jue  les  mesiires  necessaires  poui-  avancer.  Enfin  toutes  ces  societes  se  bornant 
a  certaines  niatieres,  ne  sgauroient  joiiir  assez  des  utilites  qui  resultent  des  conibi- 
naisons    des  sciences    differentes,  et  des  veiies  generales  de    la  jiei'fection  huniaine. 

27.  11  y  a  un  grand  point,  qui  mancjue  a  ces  societes  (excepte  l'Acadeniie 
Royale  des  sciences  de  Paris),  c"est  qu'elles  n'ont  pas  de  quoy  faire  des  depenses 
un  peu  considerables.  Ainsi  elles  ne  sc^'auroient  tenter  des  entreprises  capables  de 
faire  an  grand  eflfect  en  peu  de  tenq)s.  Et  cependant  c'est  le  principal  k  quoy 
Ton  doit  buter.  Car  le  tenips  est  la  plus  pretieuse  de  toutes  nos  choses:  c'est  la 
A^ie  en  effect.  Ainsi  si  nous  nous  amusons  ä  aller  au  petit  pas,  nous  ne  nous 
appercevrons  gueres  de  nos  progi-es.  Et  a  peine  d'autres  siecles  (peutestre  assez 
i'ecules)  conunenceront  enfin  de  profiter  de  nos  travaux.  J'avoue  cpie  nous  devons 
travailler  pour  la  posterite.  ()n  bastit  souvent  des  maisons,  oii  Ton  ne  logera  pas; 
on  plante  des  arbres,  dont  on  ne  mangei'a  })as  les  fruits.  Mais  lorsqu'on  peut 
encor  Jouii-   luy  nieme   de  sa  })eine,    c'est   une   grande  iniprudence   de   le  negliger. 

(28.  Je  crois  qu'il  y  auroit  nioyen  de  trouver  ces  fonds,  sans  cpie  le  public 
füt  oblige  de  faire  des  frais,  et  sans  que  les  particuliers  fussent  obliges  a  des  con- 
tributions  entre  eux.  L'Angleterre  ni'y  paroist  propre  surtout  pour  bien,  des  raisons. 
Mais  c'est  une  niatiere  tpii  merite  un  discours  ä  part.  Et  s'il  y  avoit  (pielque 
apparence  de  faire  gouster  ces  desseins  ä  des  personnes  considerables  et  eclairees, 
on  pourroit  s'y  etendre  d'avantage  par  des  ouvertures  (pii  surpasseroient  peutestre 
ce  qu'on  en  peut  attendre)  ^ 


(Vergl.  üeschiolite  der  Akademie  S.  43). 

Lei  BNi  z,  Pro  Meni  oria  für  einen  brandenburgischen  Staa  t  s  ni  ann  ,  wa  ii  r- 
scheinlich  Spanheim  (undatirt,  aber  sehr  wahrscheinlich  aus  dem 

Jahre  1694). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leiemz.    ig.  Bd.  S.  21fr.] 

Toutes  les  ])ersonnes  eclairees  et  informees  de  ce  ([ui  se  passe,  conviennent 
cjue  les  pays  sont  lleurissans.  lorsqu'outre  les  productions  de  la  nature  il  y  a  du 
travail  et  de  l'industrie.  soutenue  par  la  consointion  avantageuse.  ("e  qui  fait  (|ue 
le  peuple  se  inultiplie,  que  le  pays  est  cultive,  et  cpie  l'argent  est  attire. 

L'on  sgait  aussi  que  rAlleniagne  est  venue  assez  tai-d  h  ouvrir  les  yeux  lä- 
dessus.  Cette  negligence  estoit  plus  supportable,  lorsque  nos  voisins  en  usoient  de 
meme.  Mais  depuis  que  les  Frangois  et  les  habitans  des  Pays -Bas  se  sont  tant 
evertues  en  matiere  de  coniinerce  et  de  nianufactures,  la  difference  entre  l'industrie 
des  uns  et  l'assoupisseinent  des  autres  est  devenue  trop  remanpiable,  et  les  effects 
ont  este  rendus  trop  sensibles  par  l'ecouleinent  de  l'argent  de  rEinpire;  de  sorte 
qu'il  y  a  eu  cpiantite  de  predicateurs  politiques .  cpii  ont  fait  des  serinons  la-dessus, 
et  que  plusieurs  princes  eclaires  ont  pris  l'aflaire  k  coeur,  pour  conserver  k  leui'S 
Sujets  ce  que  les  etrangers  gagnent  sur  eux. 


1  Leiemz  selbst  hat  diesen  letzten  Absatz  durchstrichen,  d.h.  er  hat  wohl  ein  älteres 
Concept  für  einen  anderen  Adressaten  —  vermuthlich  für  Spaniieim  oder  einen  anderen 
brandenburffischen  Staatsmann  —  zurecht  ffemacht. 


36  7.    Leibniz,  Pro  Memoria  (wahrscheliilich  für  Si'anheim  1694). 

De  tous  ces  princes  on  peut  dire  ({ue  le  feu  Electeur  de  Brandebourg  a  este 
le  plus  ardent  sur  ce  point,  par  le  goust  qii'il  avoit  pour  les  belles  choses.  et  par 
les  mesures  effectives  qu'il  prenuit.  Aussi  a-t-il  iiierveilleusement  embelli  sa  ville 
capitale,  et  attirc  dans  son  pays  par  sa  protection  et  ses  bienfaits  pliisieurs  iiiilliers 
d'etrangers,  (pii  sont  iitiles  par  les  ouvrages  et  fabriques  qui  s'introduisent  par  leur 
nioyen.  pour  ne  i'ien  dire  inaintenant  de  la  marine,  des  canaux  entre  les  rivieres 
et  de  mille  autres  entreprises  utiles  et  considerables .  (pie  Sa  Serenite  Electorale  a 
achevees  ou  ebauchees. 

On  peut  dire  que  ces  choses  ne  sont  pas  seulement  utiles  et  glorieuses,  mais 
encor  veritablenient  conforines  ä  ce  que  la  piete  ou  la  charite  deniande.  Car  tout 
le  monde  conipte  les  Hospitaux  et  autres  maisons  semblables  parniy  les  causes 
])ieuses ,  et  avec  i'aison ,  puisque  Jesus  -  Christ  a  dit  qu'il  pi-endroit  ce  qu'on  feroit 
envers  les  pauvres,  pour  ce  (pi'on  auroit  fait  a  luy-nieme.  Or  il  vaut  bien  niieux 
de  prevenir  la  pauvrete  et  la  niisere,  qui  est  la  niere  des  crinies .  que  de  la  sou- 
lager  quand  eile  est  nee.  II  n'y  a  point  de  fondation  d'Eglises  ou  Hospitaux  niemes, 
(jui  valent  les  etablissemens  d'un  travail  bien  conduit,  par  lesquels  les  liommes 
deviennent  veritablenient  plus  vertueux  pour  eux,  et  plus  utiles  pour  les  autres. 
Ce  qui  ai'rive  en  les  rendant  laborieux,  industrieux  et  pourtant  contens  en  menie 
temps  par  le  succes  et  par  le  bon  debit  de  leur  tra\'ail.  D'autant  qu'encor  la 
jeunesse  entre  ainsi  de  bonne  heure  dans  le  nienie  cheniin  de  Tordre,  et  donne  des 
seniinaires  a  la  republique,  ce  (jui  fait  cpie  les  clioses  vont  de  mieux  en  mieux, 
conune  dans  le  jai'dinage. 

Or  il  semble  (pie  Dieu  a  reserve  ce  bastinient  au  present  Electeur,  connne 
Salomon  acheva  la  niaison  de  Dieu,  (pie  David  n'avoit  fait  ([ue  projetter.  Les 
guerres  precedentes  y  estoient  contraires,  au  lieu  ijue  celle-cy  fournit  des  con- 
jonctures  extreinenient  favorables,  connne  je  diray  tantost. 

On  peut  encor  adjouter  (jue  la  guerre  presente  dont  depend  le  destin  de 
l'Europe,  s'echauffant  de  ])lus  en  ])lus  et  pouvant  durer  phis  (ju'on  ne  pense.  et  le 
succes  dependant  de  la  lin,  ([ui  sera  favorable  au  parti  (jui  aura  pü  durer  d"avantage, 
la  sagesse  veut  i]u"on  songe  de  bonne  heiu'e  aux  nioyens  de  soutenir  ce  grand  poids. 
Et  (juand  on  viendroit  nienie  ä  une  paix  raisonnable,  il  n'y  a  pas  lieu  d"esperer 
(|u'elle  soit  durable  ä  cause  des  difficultes  sur  la  succession  d'Espagne  et  d'Angleterre, 
et  surtout  a  cause  de  la  convoitise  insatiable  de  la  France,  ([ui  ne  deniordra  pas 
de  son  dessein  d'avoir  les  Pays -Bas  et  le  Rhin,  si  non  lorsqu'elle  sera  fort  ab- 
baissee  et  hors  d'estat  d"y  j^enser  sitost:  de  sorte  que  rAlleniagne  se  doit  attendre 
encor  pour  longtenqis  a  luie  guerre  difficile  et  dangereuse,  du  costc  de  Torient  et 
de  l'occident,  sans  qu'on  se  puisse  promettre  d'estre  tousjours  en  aussi  bonne  com- 
pagnie  qu'a  present  pour  resister  aux  enneniis. 

Or  j'ose  dire  (jue,  s'il  y  a  moyen  de  penser  efficacenient  ä  rendre  ces  bons 
ordres.  dont  je  viens  de  pai-ler,  faisables,  ou  pourra  auginenter  les  revenus  du  prince 
d"une  maniere  plus  considerable  qu'on  n'oseroit  dire,  sans  que  les  peuples  en  soyent 
plus  charges,  ou  plutost  de  teile  sorte  qu'ils  le  soyent  bien  nioins,  Ce  qui  donnera 
nioyen,  en  cas  de  besoin  et  de  danger,  de  faire  des  eff'orts  au-delä  de  ce  ([ui 
seroit  possible  presenteinent.  Car  ce  n"est  pas  l'etendue  seule  des  estats  qui  rend 
un  prince  riebe,  mais  encor  la  culture  du  pays,  et  Tindustrie  des  habitans.  On  le 
connoist  par  Texeniple  de  la  Hollande  qui  est  si  petite  et  pourtant  si  riebe,  et 
encor  par  rexein])le  de  la  France  qui  i'esiste  si  longtemps  a  la  plus  grande  partie 
de  TEurope,  pai^ceipie  la  multitude  et  Tindustrie  de  ses  habitans  luy  a  donne  de 
grandes  forces,  dont  on  ne  la  sc^auroit  depouiller  sitost. 

Ce  qu'on  peut  proj^oser  en  general  ])our  mieux  arriver  a  cette  fin,  seroit 
d'etablir  une  espece  de  conseil  ou  d'Assemblee  ({ui  ait  ces  matieres  pour  objet, 
parce  qn'un  premier  INIinistre  ny  ceux  qui  sont  occupes  des  affaires  d"Estat,  de  justice. 


8.    Leibniz,  Pro  Memoria  (wahrscheinlich  für  Spamikim  1694).  37 

de  finnnces  ou  de  guerre.  ne  sc;auruient  entrer  dans  ces  details  (|ui  deinandent 
des  geiiies  qui  y  pi'ennent  goust,  et  ont  besoin  d'une  application  toute  particuliere. 

II  faudroit  non  seuleinent  des  personnes  choisies,  (pii  ayent  de  rapplication 
et  des  lumieres,  inais  encor  qui  soyent  d"un  grand  desinteressement,  et  qui  se  pro- 
po.sent  plustost  la  gloire  et  la  satisfaction  de  procurer  le  bien  general,  (|ue  d'aniasser 
de  grandes  richesses.  On  u'en  truuve  pas  tousjours  de  cette  sorte,  mais  on  en 
trciuve  pourtant  dans  le  luonde. 

Le  conseil  seroit  etabli  dans  la  ville  capitale  ou  residence  ordinaire  du  prince, 
et  cependant  toutes  les  provinces  y  auroient  une  certaine  relation  par  le  moyen 
des  personnes  propres,  qu'on  auroit  en  difi'erens  endroits  avec  cbarge  de  donner 
des  informations,  et  avec  pouvoir  de  concourir  a  la  fin  qu'on  se  propose.  Et  le 
tout  se  jDOUi'roit  faire  d'une  maniere  qui  ne  derogeroit  point  aux  i^rivileges  et 
interests  des  differentes  provinces,  auxcjuels  un  prince  doit  avoir  egard  pour  ne 
pas  donner  sujet  a  des  niecontenteniens. 

L'objet  de  ce  conseil  seroit  non  seulement  ce  qui  regarde  les  manufactures 
et  le  commerce,  mais  encor  Tagriculture,  le  dessecliement  des  marais  inutiles, 
l'abonnissement  des  terres,  la  plantation  des  simples,  fruits,  herbes,  arbres  et 
autres  vegetables,  propres  taut  ä  la  nourriture  des  hommes  et  des  animaux,  aux 
bastimens,  a  la  peinture  et  autres  usages;  la  recherche,  essay  et  bonification  des 
mineraux.  metaux,  sels,  et  autres  materiaux  semblables;  la  propagation  des  ani- 
maux utiles  aux  hommes  de  la  maniere  la  plus  propre  a  en  tirer  usage;  la  con- 
servation  de  la  sante  des  peuples  par  de  bons  ordres,  surtout  ä  Tegard  des  maladies 
epidemicpies;  et  quantite  d'autres  affaires  de  police.  Mais  surtout  l'education  de 
la  jeunesse  autant  qu'il  s'agit  de  rendre  les  jeunes  gens  laborieux  et  industrieux, 
laissant  ä  part  le  soin  des  ecoles  publiques,  qui  appartient  aux  consistoires.  Enfin 
on  auroit  encor  ])our  objet  les  arts,  les  sciences,  les  experiences  et  les  etudes, 
autant  ([ue  toutes  ces  choses  ont  rapport  non  pas  a  la  theologie  et  aux  facultes 
Academicjues  des  Universites,  mais  a  la  practicjue  des  beaux  arts,  qui  fournissent 
les  commodites  et  les  ornemens  de  la  vie  commune.  Car  ces  sciences  et  ces  arts 
donnant  les  regles  (|ui  dirigent  Texecution  des  ouvriers ,  il  est  visible  que  la  Sepa- 
ration de  la  theorie  et  de  la  practique  rend  la  science  sterile  et  la  practique  imparfaite. 

II  resteroit  seulement  de  parier  de  la  maniere  de  faire  en  sorte  qu'une  teile 
assemblee  ne  soit  point  a  charge  au  connnencement.  Car  dans  la  suite  bien  loin 
d'estre  a  charge,  eile  produira  de  grands  fruits.  II  faudroit  parier  encor  de  beau- 
coup  de  particularites  (jui  regarderoient  tant  son  etablissement ,  (pie  son  employ 
et  usage.  Mais  ce  n'est  pas  le  lieu  icy  d'entrer  dans  ce  detail,  qui  demande  une 
plus  aniple  discussion  et  une  connoissance  plus  particuliere  de  la  Situation  des 
choses.  Quand  il  s'agira  de  venir  au  fait,  on  ne  manquera  pas  de  recevoir  et 
de   donner   des  notices  plus  jiarticuliei'cs. 


8. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  43). 

Leibniz,  Pro  Memoria  für  einen  brandenburgischen  Staatsmann,  wahr- 
scheinlich  Spanheim    (undatirt,    aber    sehr    wahrscheinlich    aus    dem 

Jahre    1694). 
[IvLOPr,  Die  Werke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  S.  26  ff.] 

Les  princes  d'un  esprit  eleve  cherchent  la  gloii-e,  mais  ils  ne  la  trouvent 
veritablement  que  lorsqu'ils  y  tendent  Tpar  les  belies  voyes.  C'est  ä  dire  non  pas 
par  de  grandes  destructions  et  desolations ,  mais  par  les  grands  biens  qu'ils  procurent 
aux  hommes  et  particulierement  a  leurs  sujets.     C'est  par  ces  moyens  qu'un  prince 


38  8.    Leibniz  ,  Pro  Memoria  (wahrscheinlich  für  Spanheim  1694). 

n"ac([uiert  pas  seulement  un  grand  noni,  niais  qu'il  augmente  aussi  son  veritable 
bonheur,  en  imitant  et  glorifiant  la  grandeur  et  la  bonte  de  Dien. 

De  tous  les  princes  de  l'Eurojie  dont  la  puissance  est  royale.  il  n'y  a  presque 
»jue  rElecteur  de  Brand ebourg,  qui  soit  maintenant  en  estat  de  faire  quelque  chose 
de  grand  et  de  beau,  a  l'egard  du  dedans  et  du  paeifique.  Chacun  sgait  les  em- 
barras  oü  l'Empereur  se  trouve  a  cause  de  la  guerre  (ju'il  doit  soutenir  contre  la 
porte  ottomanne:  et  pour  ne  rien  dire  de  l'Espagne  ny  de  l'Angleterre  dont  l'Estat 
present  est  connu,  ny  des  rois  du  Nord,  qui  ont  leurs  difficultes,  on  peut  dire 
que  Sa  Serenite  Electorale  est  presque  le  seul  ({ui  alt  les  bras  libres  pour  bien 
faire.  Ce  grand  prince  possede  des  etats  estendus  et  tranquilles,  oü  tleurit  une 
religion  qui  n'opprime  point  la  liberte  des  esprits:  il  Jouit  de  ramoiu"  des  peuples 
par  ses  hautes  vertus  et  par  le  maintien  de  la  paix  et  de  Tabondance,  nialgre  la 
guerre  presente  oü  il  jii-end  taut  de  part,  et  qui  est  des  plus  grandes  que  l'Europe 
ait  Jamals  vues.  On  peut  encor  adjouter  une  grande  raison  poiu^  luy:  c'est  qu'il 
a  choisi  un  ministre  qui  a  tout  ensemble  le  credit  entier,  le  zele  et  les  lumieres: 
ce  qui  ne  se  voit  jiresque  point  ailleurs  aujourd'huy,  et  cependant  c'est  le  vray 
moyen  de  faciliter  les  belies  entreprises ,  parce  qu'il  est  impossible  (pie  tout  puisse 
aller  au  prince,  et  lorsque  le  pouvoir  est  disperse  dans  le  Ministere.  on  s^ait  (ju'il 
en  naissent  des  difficultes,  qui  fönt  av^orter  les  meilleurs  desseins. 

Le  Roy  de  P'rance  apres  la  paix  des  Pyrenees  sembloit  avoir  pris  le  veritable 
chemin  de  la  gloire:  il  s'appliquoit  k  rendre  ses  estats  lleurissans;  il  avoit  des 
personnes  intelligentes  et  zelees  qui  secondoient  ses  intentions;  il  attiroit  et  obli- 
geoit  ]iar  ses  bienfaits  les  plus  grands  genies  de  FEurope;  il  embellissoit  son  pays, 
il  faisoit  obsei'ver  la  justice  par  des  chastimens  et  des  recompenses;  il  mettoit  de 
bons  ordres  partout,  ([ui  le  faisoient  adniirer  de  ses  ennemis  meines;  et  faisant 
cultiver  les  sciences  et  les  beaux  arts  qui  fönt  les  conimodites  de  la  vie,  en  nous 
distinguant  des  barbares,  et  donnent  meme  du  pouvoir  a  l'homme  sur  la  nature, 
il  contribuoit  par  les  belles  decouvei'tes  qu'on  faisoit  sous  ses  auspices  ;i  rauginen- 
tation  du  bonheur  des  hommes.  De  sorte  qu'on  peut  juger  que,  s'il  avoit  continue 
de  meme  depuis  ce  temps-la,  on  seroit  alle  fort  avant  en  30  ans,  et  on  auroit 
decouvert  des  tresors  de  liuniere,  (pii  nous  serviroient  ä  mieux  connoistre  la  nature, 
a  resister  ä  plusieui'S  maux  qui  nous  accablent.  et  a  porter  nostre  felicite  plus  loin. 
Mais  la  malheureuse  ambition  d'acquerir  une  fausse  gloire  par  la  guerre  et  d'ag- 
grandir  ses  estats  par  des  concpiestes,  a  tout  renverse.  Ce  Roy  pouvoit  faire  les 
delices  du  genre  humain,  mais  il  s'est  tourne  k  des  entreprises  qui  sont  enfin  de- 
venues  le  lleau  de  l'Europe  et  de  son  temps,  et  luy -meme,  tout  grand  prince  qu'il 
est,  a  este  plonge  dans  des  chagrins,  dont  on  ne  voit  pas  encor  la  fin. 

Je  tiens  maintenant  l'Electeur  presque  seul  caj^able  de  s'emparer  de  la  pos- 
session  vacante  de  la  veritable  gloire,  que  les  autres  rois  (car  pour  dire  la  verite 
il  n'en  dififere  que  du  nom)  luy  ont  abandonnee  par  un  mauvais  choix  ou  })ar  ne- 
cessite.  Car  il  peut  faire  fleurir  ses  peuples,  et  contribuer  en  meme  temps  au 
bonheur  solide  des  hommes  par  l'accroissement  des  connoissances  importantes,  cpii 
fönt  le  tresor  de  la  nature  humaine.  Je  tiens  meme  (jue  sous  ses  auspices  on  pour- 
roit  aller  aisement  au-delä  de  ce  qu'on  avoit  commence  et  projette  en  France  et 
en  Angleterre,  parce  »pfil  s'en  faut  beaucoup  qu'on  y  ait  pris  le  meilleur  chemin, 
lors  meme  qu'on  faisoit  encor  bien.  Car  les  Fran^ois  et  les  Anglois,  en  faisant 
des  recherches  dans  leurs  Academie  Royale  et  Societe ,  s'attachoient  plustost  aux 
belles  apparences  et  k  l'eclat  qu'aux  choses  d'un  fruit  solide,  que  les  Allemands 
s(;;avent  mieux  cultiver;  et  ce  qu'on  faisoit  en  France,  sembloit  aller  au  commence- 
ment  au  bien  des  peuples;  mais  on  changea  bientost  de  methode,  en  ne  songeant 
(lu'a  remplir  les  coff'res  du  Roy  pour  faire  des  gtierres  peu  necessaires;  sans  songer 
que    la    veritable    politique    consiste    dans    la  justice   et    dans    la    charite,    et   (ju'un 


9.    Leibmz,  Pro  Meiiioiia  (wahi-scheiiilich   für  Spanheim   lß94).  B9 

grand  Prince  ne  s(;;auroit  estre  mieux  servi  (jiie  lorsque  le  bonlieur  des  pevi])le.s 
iait  le  sien. 

Ce  (|ui  arrive  l()rs(|u"il  a  une  grande  niultitude  de  sujets  contens  et  ])ien 
condtiits,  qui  ne  inanqueront  pas  de  travailler  avec  toute  l'ardeiir  iinaginal)Ie  ä  le 
rendre  grand.  et  a  se  rendre  heureux ,  puisqne  Tun  est  lie  avec  Pautre.  Et  conime 
Dien  nous  tient  conq)te  du  nioindre  bien  (pie  nous  avons  Iait.  juscju'ä  nn  peii  d'eau 
donnee  k  im  pauvre  qui  a  soif,  il  ne  laut  point  douter  qu'un  graud  l)ieu  (ju'un 
prince  a  procure,  n'entre  dans  les  degres  de  sa  felicite  future. 

Sa  Serenite  Electorale  s'est  dejä  signalee  avec  beaucouj)  de  succes.  Sa 
justice  et  sa  cliarite  sont  I'objet  de  Padmiration  et  de  la  reconnoissance  des  natifs 
et  des  etrangers.  ("e  prince  a  attire,  engage  et  favorise  dans  ses  estats  plusieurs 
milliers  de  personnes  opprimees  ailleurs,  qui  y  ont  apporte  des  arts  peu  connus 
ou  peu  practi(|ues  auparavant.  II  a  d'excellens  honinies  ;\  son  service  dans  toutes 
sortes  de  professions.  II  est  un  des  plus  grands  arc-boutans  de  cette  AUiance, 
qui  fait  seule  la  seurete  de  PEurope  et  le  maintien  de  la  liberte  publique,  aussi 
bien  ([ue  de  la  religion.  Et  pour  soutenir  la  guerre  dont  on  nous  a  impose  luie 
necessite  indispensable,  il  entretient  au-delä  de  40  niille  lionunes  effectifs  de 
trouppes  reglees,  sans  (pie  son  peuple  en  soit  foule.  Ce  sont  des  dieses  de  bon 
angure:  on  voit  par  lä  qu'il  est  en  train  d'aller  bien  loin,  et  on  ne  voit  presque 
rien  de  seniblable  ailleurs. 

Or  quoyque  ce  Grand  Prince  soit  tres  bien  servi,  et  que  la  penetration 
zelee  de  son  preniier  ministre  ne  laisse  rien  echapper.  il  est  tousjours  constant 
(jue  la  gi-ande  variete  des  objets  ne  permet  pas  aux  plus  grands  genies  d'envisager 
tout  ä  la  fois  avec  une  egale  attention.  Ce  qui  fait  (|ue  le  plus  grand  et  le  plus 
sage  ministre  de  Punivers  ne  refusera  point  d"ecouter  le  nioindre  des  liommes  sur 
les  matieres  (jue  cet  liomme  peut  avoir  approfondies,  lors(ju"elIes  tendent  au  bien 
public.  Et  c"est  ce  qui  a  fait  prendre  la  lil)erte  de  toucliei-  ces  matieres  par  un 
veritable  zele  pour  le  bien  cominuii,  avec  un  desinteresseinent  dont  on  a  donne 
ailleurs  assez  de  preuves. 

Tout  le  but  de  cecy  se  reduit  en  ])eu  de  niots ,  a  des  nioyens  d'introduire 
dans  le  pays  des  etablissemens  glorieux  a  Sa  Serenite  Electorale.  avantageux  a 
Elle-meme  et  ä  ses  sujets,  et  (pii  soyent  capables  de  nous  procurer  de  nouvelles 
lumieres  utiles  pour  les  sciences  et  les  beaux  arts,  et  le  tont  d"une  maniere  bien 
loin  de  coüter  ou  de  charger,  se  payeroit  avec  usure.  Et  les  occasions  jiour 
introduire  et  etablir  ces  avantages  se  trouvant  presentement  fort  favoraljles,  par 
des  raisons  toutes  particulieres,  sans  qu'on  se  puisse  tousjours  proinettre  la  meine 
facilite,  on  s'est  crü  d'autant  plus  oblige  de  les  mettre  sur  le  tajjis,  sans  jilus 
de   delay. 

9. 

(Vergl.  Gescliii'hte  der  Akademie    S.  43). 

Leibniz,    Pro  Memoria  für  einen  brandenl)urgischen  Staatsmann, 
wahrscheinlich    Spanheim     (undatirt,     al)er   sehr    wahrscheinlich    aus 

dem   Jahre    1694). 
[Klopp,    Die  Werke  von  Leibniz.   ig.  Bd.  S.  ßoff. ] 

Pour  doiiner  un  echantillon  des  choses  aisees  a  faire,  et  qui  sont  pourtant 
d'une  tres  grande  utilite ,  voicy  un  dessein  dont  on  est  le  maistre  et  qu'on  a  dans 
son  pouvoir,  pourveu  cpi'on  veuille  y  penser  efficacement.  L'affaire  est  d'une 
etendue  tres  ainple  et  peut  avoir  des  suites  extraordinaires. 

De  toutes  les  manufactures ,  la  plus  simple  et  peut  estre  meine  la  plus 
importante  ä  nostre  rapport  est  celle  de  la  toile.     f'ar  si  les  Italiens  ont  des  soyes. 


40  9-    Leibniz,  Pro  Memoria  (wahrscheinlich  an  Spanheim  1694). 

si  les  Anglois  et  les  Espagnols  ont  leurs  laines  et  draps,  le  lin  et  le  chanvre  est 
nustre  soye,  et  ä  fin  qu'on  ne  perise  point  qu'elle  est  de  peu  de  prix,  il  faut 
s(^avoir  ([ue  plus  eile  est  fine,  plus  est-elle  pretieuse;  et  cependant  la  plus  grossiere 
encor  est  d'un  tres  grand  debit,  de  sorte  que  c'est  une  marchandise  des  plus 
courantes ,  dont  on  ne  sc^auroit  trop  faire  et  qu'on  est  asseure  de  vendre. 

De  plus  les  autres  manvifactures  sont  bornees  aux  villes  et  aux  bourgeois, 
et  par  consequent  d'une  moindre  etendue,  au  lieu  que  la  manufacture  de  la  toile 
est  un  ouvrage  de  paysan,  qui  par  consequent  s'etend  partout  le  pays,  tant  pour 
filer  que  pour  mettre  par  apres  le  fil  en  oeuvre.  Ainsi  cette  fabrique  estant  d'une 
plus  grande  etendue  que  les  autres,  son  utilite  doit  encor  estre  plus  generale. 

11  se  commet  en  cela  une  tres  grande  erreur,  en  ce  qu'on  laisse  sortir  le 
fil,  sans  le  mettre  en  oeuvre.  Cependant  la  fabrique  du  fil  est  plus  peinible  que 
Celle  de  la  toile.  Et  au  contraire  la  vente  du  fil  est  moins  avantageuse  sans  com- 
paraison  (pie  celle  de  la  toile,  des  rubans  et  d'autres  ouvrages  finis.  De  sorte 
qu'on  travaille  proprement  pour  les  estrangers  a  peu  pres  comme  des  gart;ons 
qui  aident  aux  ouvriers,  et  qui  ont  le  moins  de  paye,  quoyqu'ils  fassent  la  jjartie 
la  plus  rüde  du  ti-avail,  parcequ'ils  ti-availlent  plustost  de  force  que  d'industrie, 
comme  les  animaux  ,qui  nous  servent  et  que  nous  dirigeons.  Et  il  est  egalement 
honteux  et  dommageable,  que  nos  gens  sont  ainsi  la  duppe  des  estrangers.  Le 
debit  de  cette  marchandise  est  des  plus  promts  et  des  plus  asseures,  et  on  la 
peut  quasi  conqjter  pour  argent  contant.  Ce  qui  se  connoist  par  l'exj^erience  de 
ceux  qui  en  ont  fait  l'essay,  et  par  l'empressement  des  estrangers  a  cliercher  le  fil. 

Et  pour  ne  rien  dire  des  ouvrages  grossiers  qui  servent  pour  les  voiles ,  et 
poiu"  les  mariniers ,  une  des  grandes  raisons  du  debit  extreme  de  cette  manufacture 
est  le  grand  usage  (ju'on  fait  des  bonnes  toiles  dans  les  pays  chauds,  c'est  a  dire 
n(m  seulement  en  Espagne,  et  autres  endroits  de  l'Europe,  mais  encor  dans 
l'Afrique  et  dans  l'Amei'ique,  oü  les  Portugals,  les  Espagnols  et  les  naturels  la 
trouvent  extremement  commode  et  necessaire. 

C'est  par  le  moyen  de  ces  toiles  que  la  France  s'attire  ime  bonne  partie  de 
l'argent  d'Espagne  et  de  la  flotte  du  Perou,  malgre  les  guerres  et  les  defenses. 
Dont  la  raison  est  la  bonte  et  la  commodite  de  leurs  toiles,  ce  qui  fait  ({u'on 
meprise  tant  les  autres  toiles  dans  ces  pays  chauds. 

Mais  comme  il  n'y  a  point  de  doute  qu'on  ne  puisse  egaler  et  mesme  sur- 
passer la  fabrique  de  France,  si  on  s'y  prend  comme  il  faut;  on  pourroit  leur 
oster  cet  aimant  de  richesses,  sin'tout  dans  la  conjoncture  presente,  et  le  transferer 
;i  nous.  C'est  une  affaii'e  des  plus  inqiortantes ,  sur  laquelle  je  pourrois  dire  plus 
de  particulai'ites. 

INIais  comme  ce  n'est  pas  au  paj'san  d'aller  debiter  sa  marchandise,  c'est  h 
l'Estat  d'y  jDourvoir,  et  de  la  prendre  de  luy  pour  argent  contant,  en  deduction 
des  charges  publiques ,  puisque  l'Estat  a  le  moyen  asseure  de  s'en  defaire  avec  le 
plus  grand  avantage  du  monde. 

Les  paysans,  quand  on  leur  demande  de  l'argent,  ont  quelque  raison  de 
dire  c^u'ils  n'en  ont  point,  et  que  l'argent  ne  croist  point  dans  leurs  terres.  Mais 
(^uand  au  lieu  de  l'argent  on  leur  impose  (au  moins  en  partie)  ce  qui  croist  et  se 
fait  chez  eux,  ils  n'ont  point  d'excuse.  Et  c'est  un  moyen  indubitable  de  rendre 
les  hommes  industrieux  et  laborieux,  a  l'exem^ile  de  ce  qui  se  practique  dejä  en 
plusieurs  pays,  et  d'augmenter  aussi  considerablement,  promtement  et  seurement, 
les  revenus  de  Testat. 

II  y  a  bien  des  choses  importantes  ä  dire  sur  la  culture  du  lin  et  du  chanvre, 
sur  les  manieres  de  filer,  et  sur  la  toile  meme,  a  fin  qu'elle  soit  forte  et  com- 
mode, mäis  c'est  un  detail  qu'il  faut  laisser  au  temps  de  l'execution. 


10.    Leibniz,  Pro  IMenioria  (wahrscheinlich  für  Si-anheim   1694).  41 


lU. 

(\\-rgI.  (jesclüchte  der  Akademie  S.  43). 

Leibniz,    Pro    Memoria    für    einen    bran  denburgi.schen    Staat-siuann . 
wahrscheinlich    Spaxheim    (iindatirt.    aber    sehr    walirscheinlicli    aus 

dem    Jahre    1694). 
[Kloi'p,  Die  Werke  von  Leiiomz   ig.  Bd.  S.  33  ff".) 

Churfürstliche  Durchlt.  zu  Brandenbui-g  sind  in  Teutschland  der  gröste  Potentat 
nächst  dem  Kayser,  also  dal's  kein  Chur-  und  Fürst  mehr  bei  dem  Publico  thut, 
vind  also  mehr  an  der  Universal  Histori  dieser  Zeit  Theil  nimmt  als  C'hur-Brandenburg. 

Und  weilen  ich  längst  auch  autf  Historiam  recentissimam  nostri  tem]:)oi'is 
Bedacht  gewesen,  auch  vor  diesem  von  Johanne  Philippo  Churfst  zu  Maynz  bereits 
dazu  destiniret  worden  und  daher  keinen  geringen  Apparatum  gesamlet,  so  habe 
dafür  gehalten,  dafs  der  Grund  dazu  am  besten  aus  den  Chur- Brandenb.  Memoires 
zu  legen,  zumahlen  nach  des  seel.  H.  Pulfendorffs  Abgang  vielleicht  noch  Niemand 
dazu  destiniret. 

Man  kondte  solche  Anstalt  machen,  dafs  alle  Jahr  die  Historia  anni  praeteriti 
abgefafset  würde,  nicht  dafs  solche  sofort  zu  publiciren,  sondern  mn- recente  rerum 
memoria  zu  entwerffen ,  dann  hernach  unter  der  Hand  zu  revidiren,  und  ex  even- 
tibus  nach  Gelegenheit  zu  suppliren  und  zu  corrigiren.  Zumahlen  auch  bekand, 
dafs  offtmahls  die  Nachrichtungen  der  Consiliorum  anderer  Potentaten ,  mid  zuinahl 
gegentheils  erst  nach  Vertliefsung  einiger  Zeit  sich  zu  Tage  legen. 

Ich  habe  aber  noch  andere  Absehen,  welclie  zu  Glori  Churtl.  Durchlt.  und 
Aufnehmen  des  Publici  gerichtet,  und  von  mir  gar  wohl  zugleicli  mit  bestritten 
werden  können,  so  theils  gehen  auflf  die  Einrichtung  der  Archivorum,  darauflf  Historia 
der  hohen  Häuser,  auch  deren  Interessen  und  Jura  zum  Oeifteren  gegründet,  theils 
auflf  Beförderung  der  nuzbaren  Künste  und  Wi  fsenscliafften,  daran  bey 
Oeconomicis  und  Militaribus,  Commercieu,  Bergwerckssachen  und  anderen  für- 
fallenden Gelegenheiten  ein  Grofses  haflftet. 

Was  die  Einrichtungen  der  Archiven  und  Registraturen  betrifft,  so  kan  ich 
mit  vielen  Exemplen  anweisen  was  daran  gelegen.  Es  ist  gewifs  dafs  zum  Exenipel 
das  Haus  Braunschweig  viel  bey  dem  INIiinsterischen  Friedensschlufs  negiigiret, 
weil  defsen  damalilige  Ministri,  als  Lanipadius  und  andere,  zwar  wackere  Leute 
in  notitiis  generalibus,  aber  der  Specialitäten,  selbst  eigener  Gerechtsame  nicht 
genugsam  informiret  gewesen.  Ich  habe  in  meinem  Codice  diplomatico  solche 
Dinge  ad  ilhistranda  jura  imperii  herfür  geben,  dergleichen  nicht  gesehen,  und 
da  Coniingius  in  seinem  Opere  de  finil)us  sich  mit  allerhand  Testimoniis  der  Scri- 
benten  behelffen  müfsen,  und  off'tmalüs  das  Beste  nicht  gewust,  habe  ich  gewiesen, 
dafs  der  Kayser  ein  gröfseres  Recht  circa  Episcopatuum  et  Abbatum  Electiones 
krafft  der  Concordaten  habe  als  man  insgemein  vermeinet,  dafs  die  vermeinten 
Exemtiones  principum  et  civitatum  Italiae  nichts  als  Privilegia  und  keine  Renuntiationes 
juris  supremi  in  sich  halten,  wie  ich  denn  unterschiedene  solcher  Privilegioruin  in 
forma  habe.  Item  dafs  der  Delphinat  salvis  juribus  Imperii  an  Frankreich  kommen 
und  mit  der  aufsdrücklichen  Condition  de  non  uniendo  coronae;  dafs  der  Kayser 
noch  lange  die  Jura  supreniae  potestatis  über  den  Comitatum  Provinciae  exerciret. 
Item  ich  habe  ein  ProtocoU  in  forma  produciret,  daraus  die  rechte  Grenzen  zwischen 
dem  Reich  und  der  Crone  Frankreich  zu  sehen  de  aö  tausend  vier  Hundert  und 
etliche  neunzig. 

Weil  nun  Chur -Brandenburg  so  weitläufftige  Lande  und  so  viel  Regierungen 
und  Archive  hat,  ist  leicht  zu  erachten  wafs  für  ein  Grofses  alda  zu  thun ,  und  wie 
dienlich  seyn  würde  solche  in  eine  Harmoniam  und  Inventaria  Generalia  zu  bringen. 


42  11.    Lkibniz,  Pro  Memoria  über  den  Berliner  Hof  (1696/97). 

Es  finden  sich  auch  offtmahls  hin  und  wieder  wichtige  Msepta,  welche  zu 
conserviren  dienlich.  Ich  erinnere  mich  in  meiner  Jugend  ein  Manuscript  des  sei. 
Weinmans  Clevischen  Canzlers  gesehen  zu  haben,  so  von  Praecedenz  der  H.  Churfst. 
vor  der  Repuhlic  Venedig  gehandelt,  und  kan  ich  auch  bey  dieser  Gelegenlieit  wohl 
erwähnen,  dafs  ich  ein  rares  Manuscript  eines  Magistri  caeremoniarum  pontificii  zu 
Zeiten  Alexandri  VI  papae  habe,  darauls  man  siehet,  dafs  der  Venetus  dem  Primario 
Electorali  in  Capeila  pontificis  weichen  müfsen.  Habe  auch  unter  Andei-n  ein  treff- 
lich Diploma  gefunden,  welches  aus  den  Chur  -  Brandenburg.  Landen  komt,  daraus 
etwas  der  Welt  heut  zu  Tage  Unbekandtes  zu  erweisen,  dafs  nehmlich  Chur-Mavnz, 
Chur -Trier  und  Chur- Collen,  nicht  nur  von  Rechts  wegen  den  Cardinälen  vor- 
gehen, ohngeacht  sie  solch  ihr  Recht  nicht  genugsam  beobachtet,  sondern  selbst 
Cardinales  nati,  oder  Cardinales  ipso  jure  seyn,  und  zwar,  cpiod  notandum,  Car- 
dinales Archiepiscopi,  da  sonst  die  Andern  alle  nur  Cardinales  Episcopi,  Cardinales 
])resbyteri,  und  Cardinales  diaconi  seyn,  und  bilde  ich  mir  ein,  das  Originale  oder 
doch  uralte  Copien  w^erden  sich  in  den  Chur-Brandenbg.  Landen  finden,  dadurch 
Churfstl.  Durchlt.  ihre  jNIit-Churfürsten  obligiren  können. 

Stünde  denmach  dahin,  ob  Churfstl.  Durchlt.  guth  finden  würden  einer  ge- 
wifsen  Person  unter  der  Qualität  dero  geheimen  Rathes  das  Ober  Archivariat  und 
Einrichtung  aller  Registraturen  deren  Landen  zu  committiren,  damit  solche  in  eine 
Universal -Harmoni  und  zusammen  lauff'ende  Inventaria  zu  Nachricht  dero  Ministro- 
rum  Status  gebracht  werden  köndten.  ]\Iit  denen  Registraturen  und  Archiven  hat 
nicht  nur  die  Historia,  sondern  an  sich  selbst  Res  Studioi-um  eine  grofse  Connexion. 
Es  haben  Churfst.  Durchlt.  vier  Universitäten  und  viel  vornehme  Gymnasia  in  dero 
Landen;  überdiefs  so  müfsen  in  so  weitläufftigen  Landen  viel  wackere  Ingenia  be- 
gi-iffen  seyn,  welche  theils  in  Churfstl.  und  andern  Bedienungen,  theils  für  sich. 
Wie  wann  nun  sub  Auspiciis  Friderici  eine  Societas  Electoralis  Brandeburgica 
exemplo  Regiarum  Londinensis  et  Parisiensis  eingerichtet  würde!'  Da  gelehrte 
Leute  in  omni  studiorum  genere,  sonderlich  aber  in  Physicis  et  Mathematicis  nüz- 
liche  Gedancken,  Inventa  et  Experimenta  zusammentrügen,  dafs  ich  zu  guther  Ein- 
richtung eines  solchen  Vorhabens  etwas  beytragen  köndte. 

Köndte  vielleicht  ohne  Ruhm  vermelden,  wie  dann  diefsfals  Judicia  exteroruni, 
und  der  Applausus  einiger  meiner  bisherigen  Entdeckimgen  vor  mich  sprechen 
können. 

A'ornehmlich  käme  es  darauf  an,  wie  ein  Solches  zu  fafsen,  dafs  es  ohne 
Churfstl.  Diu'chlt.  Kosten  geschehn  köndte.  Deswegen  ich  denn  verhoffentlich  sehr 
angenehme  ^'orschläge  zu  thun  wüste,  und  mich  deswegen  ferner  nach  Erfordern 
und  ^efehl  wieder  zu  vernehmen  zu  lafsen  nicht  ermangeln  werde. 


11. 

(Vergl.  Gesohic-hte  der  Akailciiiie  S.  44). 

Leikniz,    Pro  Memoria   über  den  Berliner  Hof  (1696/97). 
[Klopp,    Die  Werke  von  Leibniz.   ig.  Bd.  S.  36  ff.] 

Le  conseil  d"Estat  :\  Berlin  n'est  que  pour  la  forme  et  pour  riionneiu';  car 
on  n"y  pro])üse  gueres  de  choses  d'importance.  L'Electeur  meme,  quoycpril  ait 
mis  une  peine  d'un  ecii  pour  celuy  qui  ne  viendra  pas,  s"en  mocque,  et  traite 
ceux  qui  parlent,  avec  (pielque  mepris.  11  n"y  a  que  le  president  dont  les  avis 
passent  tousjours  poiu-  bons.  Le  general  Fleming,  quoycpi'il  soit  conseiller  d'Estat 
eflfectif,  n"y  veut  presque  plus  aller.  Trois  Danquelmans  en  sont.  II  n"y  a  (jue 
le    President    Danquehnan,    son    frere    le    commissaire    de    guerre,    et    Fuchs,    (jui 


11.    Leibniz,  Pro  Memoria  über  den  Berliner  Hof  (1696/97).  43 

sgachent  les  affaires.  M.  Ilgen  secretaire  d'Estat  est  le  seal  (jui  expedie  les  choses. 
11  a  xin  talent  admirable  pour  metti'e  tout  par  ecrit  en  latin,  frangois.  alleniand. 
Aussi  ne  luv  corrige-t-on  rien,  et  on  ne  luv  dit  pas  meme  ce  (pi"il  doit  inettre; 
on  luv  dit  simplement  de  faire  une  lettre  ou  reponse  ä  un  tel,  de  faire  une 
Instruction  pour  un  niinistre,  sans  luy  dire  autre  chose.  M.  Fuchs  luv  rend  justice. 
Mr.  Danquelman,  quoycpril  luy  soit  d'un  grand  secours,  le  traite  un  jteu  plus 
raidenient.  II  se  sert  de  luy  en  toutes  les  aflaii-es  d'Estat,  quoiqu'il  ait  aussi  ses 
gens  a  luy  et  ses  correspondances  a  part,  oü  il  se  sert  fort  de  Mr.  Cuneau.  On 
laisse  les  affaires  de  justice  ä  Mr.  R.,  et  dans  le  conseil  on  demande  ouvertenient 
par  plaisanterie.  combien  de  ducats  a  valu  la  sentence. 

Mr.  de  Spanlieim  a  soin  des  affaires  des  refugies.  Mais  son  merite  n"est  pas 
trop  reconnu.  Les  3000  ecus  qu'on  luy  donne,  ne  sc^auroient  suffire  a  Berlin, 
faisant  la  ligure  qu'il  est  oblige  de  faire  conune  Ministre  d'Estat  actuel.  3Ir.  Fuchs 
a  8000  d'appointenient  fixe.  Le  Marechal  general  Fleming  jouit  de  3000  ecus. 
11  v  a  des  seci-etaires  cpii  ont  5000  ecus  comnie  Bek  (comme  je  crois)  secretaire 
de  guen-e.  jNIr.  Bacmeister  a  dcqilu  a  jNIr.  Danquelman ,  parcecju'il  a  fait  entrer  son 
frere  dans  le  service  de  Chancellerie  de  guerre,  als  Canzlist,  par  des  voyes  extra- 
ordinaires,  qui  n'avoient  pas  ])lu  a  Mr.  de  Danquelman.  C'est  pourcpioy  il  Ta  fait 
revoquer.  Mr.  Heusch  secretaire  (jue  nous  avons  envoye  lä ,  n"est  pas  trop  hien 
traite,  et  on  ne  luy  fait  gueres  de  civilite.  II  semble  (pie  tout  le  monde  le  fuit 
k  la  cour,  (juoyqu'il  soit  de  la  religion. 

Non  obstant  cette  feinte  moderation  h   Tcgard  des  Lutheriens  on  trouve  qu'en 

cas  de  quelque  vacance  un  reforme  est  tousjours  prefere .  quand  il  seroit 

au  prix  de  l'autre.  Mr.  Caniz  n'a  ])as  encore  pu  obtenir  le  conseiller  d"estat,  non 
obstant  ses  merites ,  parcequ"il  est  lutherien. 

Mons.  de  Danquelman  a  15000  ecus  de  TElecteur  pour  sa  table,  mais  il  n'a 
qu'une  petite  table  pour  peu  de  personnes,  et  ne  traite  gueres.  Ajn-es  tout  cela 
il  fait  gloire  de  boire  et  y  reussit  effectivement  a  merveille.  On  appreliende  ce- 
pendant  qu'il  ne  devienne  hydropitpie;  aussi  les  pieds  luy  sont  fort  enfles. 

L'Electrice  ne  se  mele  de  rien,  et  passe  sa  vie  en  entendant  la  nuisicpie. 
On  n'a  pas  le  moindre  egard  k  ses  recommendations,  et  il  semble  meme  qu'on 
prend  le  contrepied.  Coftime  eile  est  honneste  et  genereuse ,  eile  ne  sgauroit  souffi-ir 
certains  badinages  et  puerilites,  et  ne  S(^auroit  se  contraindre  ny  deguiser  ses 
sentimens. 

II  se  forme  un  parti  des  seigneurs  du  pays:  Swerin.  Caniz  et  semblables, 
({ui  pourroit  un  jour  faire  des  affaires  a  Mess.  de  Dancpielman,  alla  fratellanza. 
II  y  a  encore  une  faction  de  Mad.  Colb.  Elle  estoit  fille  d'un  receveur  du  pays 
de  Cleves  aupres  d'Emmeric,  a  cpii  on  a  donne  depuis  le  titre  de  conseiller.  Un 
valet  de  chambre  de  l'Electeur  des  plus  favorises  l'epousa.  lequel  s'estant  gaste 
par  ses  debauches  et  estant  mort,  ]Mr.  Colb  Gi-and  Chambellan  de  l'Electeur  l'a 
epousee.  C'est  un  honime  qui  ne  se  mele  d'aucunes  affaires,  mais  ayant  tousjours 
entree  aupres  de  l'Electeur,  11  peut  faire  quelque  chose,  surtout  sa  femme  estant 
favorite  et  s'insinuant  par  des  manieres  badines  et  licentieuses.  Mad.  de  Danciuelman 
a  des  brouillexies  avec  eile,  parce  que  la  femme  du  Grand  Chambellan  doit  avoir 
le  premier  rang,  (jue  3Iad.  Danquelman  ne  veut  point  luy  accorder.  L'Electrice 
aussi  ne  veut  point  accorder  ä  cette  femme  les  honneurs  (jui  luy  a])partiendroient 
autrement  ä  cause  de  la  charge  du  mari.  Elle  a  place  a  la  cour  malgi-e  jNIr. 
de  Danquelman,  et  on  croit  que  plusieurs  ])rofitent  de  cet  exemple,  et  se  serviront 
de  cette  voye.  iNIr.  Fuchs  et  JNIr.  Besser  ont  este  autrefois  de  ses  galans  ä  ce 
qu'on   dit. 

Le  Prince  Electoral  est  extremement  raisonnal)le ,  et  le  comte  de  Dohna, 
son  gouverneur.    est    un  seigneur  des  plus  honnestes  et  des  ])lus  raisonnables.     Le 


44  12.    Leibmz  an  die  Kurfürstin  Sophie  CuAnLOXTE   (November  1697). 

jeune  Danquelnian  est  le  preniier  apres  luy,  et  on  croit  qiie  Mr.  Dan((uelman 
tachera  im  jour  d'eloigner  le  comte  de  Dohna  pour  faire  que  la  place  soit  libre  :i 
son  fils.  II  y  a  place  Mr.  Cranier  sa  creature,  qui  a  este  informateur  de  ses  enfans 
et  qui  ne  dit  rien  aa  jeune  prince  que  ce  qui  lu)^  peut  plaire,  comme  le  jeune 
Dan(|uelman  aussi.  Le  jeune  prince  craint  fort  son  pere,  parcequ'on  luy  a  preche 
cela,  et  il  ne  craint  gueres  l'Electrice  sa  mere  (jui  peutestre  luy  a  este  trop  indul- 
gente.  Mr.  le  comte  de  Dohna  se  plaint  ({u'on  l'a  retire  trop  tard  d'aupres  des 
fenunes. 

Du  Cros  a  heaucoup  de  pouvoir  aupres  de  Mr.  Dancpielman,  et  semble  meme 
avoir  nn  peu  trop  d'ascendant.  II  a  eu,  a  ce  (pi'il  me  dit  un  jour,  dans  quatre 
ans  jusqu'ä  24000  ecus  des  bienfaits  de  l'P^lectur.  Un  comte  de  Dohna,  frere  du 
Gouverneur  du  prince  Electoral,  devroit  esti-e  Grand  Chambellan.  mais  il  ne  voulut 
point  qu'on  luy  donnat  des  pfötgen.  et  aima  mieux  de  se  retirer  sur  ses  terres  que 
d'essuyer  des  indignites. 


12. 

(Vcrgl.  Geschic'lite  der  Akademie  S.  49). 

Aus     dem     Brief    LEiiäxizens     an    die    Kurfürstin    Sophie     Charlotte 

(November    1697). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.  8.  Bd.  8.471!'.] 

....  Peutestre  encor  (pie  V.  A.  E.  trouvera  bon  (|ue,  me  servant  de  l'occasion, 
j'adjoute  quelque  chose  toiichant  les  belles  connoissances  dont  on  m'a  asseure 
qu'Elle  prend  quehpie  soin.  Je  mettray  icy  mot  pour  mot  ce  qu'on  m'a  ecrit 
lä-dessus  de  Bei'lin,  ä  fin  (jue  si  je  me  trompe.  V.  A.  E.  voye  que  j'ay  mes  garans. 
En  voicy  les  termes: 

"Son  Altesse  Electorale,  Madame,  estant  venue  ä  parier  ä  un  des  predicateurs 
de  la  cour  au  sujet  de  l'Academie  des  peintres  et  sculpteurs  et  de  ce  que  cela 
commenQoit  ä  aller  si  bien,  a  adjoute  qu'il  seroit  bon  cpi'on  etablit  aussi  un  ob- 
servatoire,  comme  il  y  en  a  un  ä  Paris.  Sur  cela  on  pense  ä  y  travailler,  et 
comme  on  n'aura  (|u"a  elever  an  peu  un  certain  pavillon  des  nouvelles  ecuries,  et 
l'accommoder  pour  les  observations,  les  instrumens  se  trouveront,  et  des  observateurs 
aussi,  de  sorte  qu'on  espere  que  cela  reussira.» 

Comme  j "aifectionne  presque  rien  d'avantage  au  monde  (pie  l'avancement  de 
ces  sortes  de  connoissances  et  de  toutes  les  autres  qui  servent  ä  porter  plus  loin  les 
perfections  et  lumieres  du  genre  humain,  et  ä  nous  donner  plus  d'entree  dans  les 
secrets  de  la  nature,  ou  de  Dieu  qui  en  est  l'auteur,  pour  admirer  sa  grandeur  et 
sa  sagesse,  je  ne  si^aurois  exprimer  ä  V.  A.  E.  la  joye  (pie  j'aj^  ressentie  de  la 
part  qu'Elle  y  prend.  Je  S(^avois  tpxe  Monseigneur  l'Electeur  a  mis  oi'dre  depuis 
longtemps ,  taut  ä  Berlin  (ju'ailleurs ,  a  des  embellissements  qui  fönt  aller  sa  Cour 
du  pair  avec  celle  des  plus  grands  Monarques.  Mais  il  ne  me  manquoit  encor  que 
de  sgavoir  que  V.  A.  E.  y  prend  im  plaisir  particulier. 

Et  cela  estant,  je  crois  qu'on  fera  des  choses  (jui  passeront  tont  ce  (|ue  la 
Societe  Royale  de  Londres  (dont  je  suis),  et  l'Academie  Royale  des  Sciences  de 
Paris  (dont  je  devois  estre).  ont  pü  ou  pourront  faire,  les  charmes  d'une  prince.sse 
admirable  en  toutes  choses  avant  plus  de  pouvoir  que  les  ordres  les  plus  precis 
du  plus  grand  prince  de  la  terre.  En  effect,  j'ay  souvent  pense  que  les  dames 
dont  l'esprit  est  eleve,  sont  plus  jiropres  c{ue  les  homines  ä  a\'ancer  les  belles  con- 
noissances. Les  homines  genes  par  leurs  affaires  ne  songent  le  plus  souvent  qu'au 
necessaire;  au  lieu  que  les  danies  que  leur  condition  met  au-dessus  des  soins  cha- 
gi-ins  et  laborieux ,  sont  plus  degagees   et  plus  capal)les  de  penser  au  beaii.     Et  si. 


13.    Leibniz  an  die  Kurfürstin  Sophie  Charlotte  (4.  December  1697).  45 

au  lieu  de  boi-ner  leiir  esprit  ä  la  toilette,  on  les  accoustiiinoit,  de  bonne  lieure, 
k  des  beautes  et  ornements  [)lus  solides  et  plus  durables  tjui  se  trouvent  daus  les 
merveilles  de  Dieu  et  de  la  nature,  leur  curiosite  et  delicatesse  seroit  plus  utile 
au  genre  humain,  et  coutribueroit  plus  a  la  gloire  de  Dieu,  ([ue  tous  les  desseins 
des  conquerans,  s'ils  ne  fönt  que  brouiller  et  que  detruire. 

^lais  V.  A.  E.  estant  fille  de  Mad.  rElectrice  sa  mere  (ce  qui  est  tout  dirc) 
a  tousjours  eu  de  grands  et  beaux  sentiinens  qui  peuvent  faire  honte  ä  ceux 
des  plus  excellens  lioninies.  Je  m'asseure  nienie  qu'Elle  etend  sa  ein-iosite  encor 
anx  antres  matieres  qui  ne  sont  pas  moins  iniportantes  et  moins  belies  que  Celles 
de  TAstronomie,  et  qui  pourroient  estre,  aussi  bien  cpie  cette  science,  Tobjet  d'nne 
Acadeniie  Electorale  des  sciences,  capable  de  tenir  teste  avec  le  temps  a  Celles  de 
Paris  et  de  Londi-es,  pour  faire  lionneur  non  seulement  k  l'Electeur  maistre  et  fon- 
dateur.  mais  encor  k  tonte  rAllemagne.  Si  j'estois  plus  asseure  (pie  V.  A.  E.  y 
}n-end  gonst,  j'entrerois  dans  im  plus  grand  detail.   .   .   . 


1.3. 

(Vcrgl.  Geschichte  der  Akademie  S.  52). 

Leibniz.  Brief  an  die  Kurfürstin  Sophie  Charlotte  vom  4.  December  1697. 
[Kloi'I',  Die  Werke  von  Leibniz.    8.  Bd.  S.  soff.] 

Madame.  Je  ne  sgay  si  je  dois  oser  meler  ma  joye  avec  celle  de  Mad.  l'Electrice 
de  Bronsvic  et  d'autres  personnes  (jui  sont  du  premier  rang  dans  le  monde.  Mon 
naturel  est  de  ne  me  gueres  rejouir  du  mal  d'autruy.  mais  en  recompense  je  voy 
tousjours  avec  plaisir  le  bien  qui  arrive,  et  ma  satisfaction  est  extreme,  k  mesure 
que  le  bien  est  grand  et  merite. 

J'apprends  que  Monseigneur  l'Electeur,  Epoux  de  V.  A.  E.,  a  fait  voir  a 
tonte  la  terre  non  seulement  combien  il  aime  X.  A.  E.  —  car  cela  ne  s'ignoroit 
|)as  —  mais  aussi  avec  combien  de  confiance  il  entre  dans  Ses  sentimens  et  La 
fait  entrer  dans  les  siens;  comme  en  effect  il  n'est  pas  possible  qu'il  y  ait  une 
amitie  plus  sincere,  et  plus  capable  de  donner  du  soulagement  que  celle  qui  est 
entre  des  personnes  si  estroitement  unies,  oii  rien  ne  peut  arriver  ä  l'une  sans 
touclier  Tautre,  surtout  lorsque  ces  personnes  ont  des  lumieres  et  de  la  vertu  dans 
un  degre  aussi  sublime  que  V.A\A.  A.  E.E.  Nous  en  avons  veu  depuis  peu  un 
bei  exemple  dans  le  Roy  de  la  Grande  Bretagne  et  la  defuncte  Reine  son  epouse, 
et  cet  exemple  a  pu  faire  reconnoistre  les  grands  effects  d'une  teile  confiance  ])our 
le  contentement  commun.  Mais  V.  V.  A.  A.  E.  E.  en  ont  une  raison  encor  plus 
particuliere ,  c'est  le  sacre  depost  du  prince  Electoral,  leur  fils,  de  qui  l'lieureux 
naturel  dont  on  a  raconte  des  merveilles.  et  la  belle  education  (dont  V.  A.  E.  prend 
soin  Elle -meine)  doit  faire  leur  joye  et  le  bonheur  des  peuples.  On  y  doit  adjouter 
encor  ime  raison  tres  importante  qui  se  trouve  icy,  c'est  que  V.  A.  E.  fait  l'estroite 
alliance  des  deux  grandes  Maisons,  de  Brandebourg  et  de  Bronsvic,  dont  les  inte- 
rests  sont  si  lies,  a  mon  avis,  que  ceux  qui  les  veulent  separer  on  brouiller.  ne 
les  entendent  point.  ou  ne  sont  gueres  bien  intentionnes. 

La  Situation  de  leurs  pays  les  convie  a  s'entr'aider,  et  cela  fait  une  puissance 
presque  de  tout  une  piece,  depuis  la  Prusse  juscpi'au  Rhin,  capable  de  donner  des 
bornes  a  ceux  qui  cherchent  des  troubles.  Ces  deux  Maisons  ont  encor  les  meines 
objects  naturels  de  leurs  conseils,  qui  sont  la  balance  de  l'EuroiDe,  le  bien  de  TEin- 
liire,  et  surtout  la  conservation  et  propagation  de  la  religion  protestante,  dans  la- 
([uelle  je  ne  crois  ])as  ipx'on  doive  distinguer  les  deux  partis  des  Elvangeliques  et 
des  RefoniK'S.    nuis(|u"ils   ont    tous    deux   ce  commun   et  grand    [)rincii)e  d'honnoi'er 


46  14.    Leibmz  an  die  Kurfürstin  yoPHiE  Charlotte  (14.  Deceniber  1697). 

Dien  en  esprit  et  en  vtn-ite.  san.s  les  practiques  .superstitieuses  (pTon  voit  regiiev 
ailleurs.  De  sorte  que  je  tiens  c^ue  Dien  benira  le.s  conseils  des  deux  Cours,  si 
on  .se  propo.se  siiicereinent  pour  son  hut  j^i'iiicipal  le  bien  general,  et  la  conser- 
vation  de  la  pure  religion,  qui  a  plus  que  jainais  besoin  qu'on  y  jjense  depuis  ce 
qui  s'est  pa.sse  k  Ryswyck  et  ailleurs.  L'estat  inenie  y  est  Interesse;  car  apres  ce 
([ui  s'est  deja  fait,  on  ne  si^auroit  gueres  plus  donner  d'atteinte  a  la  religion  pro- 
testante.  saus  niettre  les  piinces  protestans  en  danger  de  perdre  leur  pays  et  leur 
lil)erte.  Dieu  ayant  voulu  cimenter  cette  union  des  deux  maisons  par  V.  A.  E.  poin- 
obvier  a  ces  maux,  paroist  vous  avoir  choisi,  Madame,  pour  lui  instrument  puissant 
d'un  au.ssi  grand  bien  que  celuy  que  je  viens  de  dire.  et  il  est  non  seulenunit  de 
l'interest.  mais  encor  de  rinclination  de  V.  A.  E.  d"eu  faire  son  Ca})itaL  Kien  ne 
s(,'aiu'oit  estre  ny  plus  glurieux  ny  plus  salutaire.  La  Musique,  la  peintui'e,  les 
belies  curiosites  et  inventions  de  la  nature  et  de  l'art,  sont  capables  de  cliariner 
un  esprit  sulilinie  tel  que  celuy  de  V.  A.  E. ,  et  Televent  nienie  ä  des  hautes  et 
.saintes  pensees  sur  l'auteur  des  clioses  qui  est  la  fontaine  de  la  beaute  et  de  la 
perfection.  Mais  il  n'y  a  point  de  Musique  plus  toucliante  ([ue  Fliarmonie  des 
peuples  satisfaits,  ny  de  tal)leau  plus  beau  (jue  le  paysage  d'un  grand  estat  tleu- 
rissant.  Et  c'est  en  cela  (pi'on  coutribue  le  plus  a  la  gloire  de  Dieu.  Les  l)eautes 
naturelles  et  charnies  du  corps  et  de  l'esprit  de  V,  A.  E.  nous  proinettoient  il  y  a 
longtenips  ces  beautes  de  Testat  et  ces  ornemens  publics  et  tous  ces  biens  oü  'V".  A.  E. 
contribuer  a  tou.sjours,  en  secondant  si  louablement  les  intentions  de  l'Epoux.  du 
Pere  et  du  Fi-ere.  qui  La  regardent  comnie  une  deesse  de  la  Concorde  et  du  bon- 
lieur.  Dieu  fasse  (jue  ce  soit  pour  un  grand  nombre  d'annees,  dans  une  pleine 
satisfaction    de    tous    costes.      C'est    ce    que    souliaite    avec    devotion ,    ^NLadanie    etc. 


14. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  52). 

L E I  B X  I  z ,  B 1- i e f  an  die  K u i- f ü r s t i n  Sophie    Charlotte 

vom   14.  December   1697. 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  S.  40  ff".] 

Madame,  J'espere  ([ue  l'ardeur  de  mon  zele  aura  obtenu  pardon  pour  ma 
derniere  lettre,  od  j'aAois  pi-is  la  liberte  de  temoigner  ma  joye  sur  les  evenements 
qui  ont  coutribue  a  la  satisfaction  de  V.  A.  E.,  dont  j'atteinds  de  fort  grauds  biens 
C[ue  Dieu  veuille  rendre  })arfaits  et  durables. 

Mons.  de  Spanlieim  est  enfin  arrive  ce  soir  (c'est  ä  dire  mercredi),  les 
cliemins  faclieux  l'ayant  ari'este.  II  sera  demain  en  cour.  8on  zele  et  son  attache- 
ment  pour  V.  A.  E.  sont  incomjDarables,  et  il  benit  surtout  la  grande  et  importante 
resolution  de  Mgr.  l'Electeiu'  de  ne  plus  souffrir  que  ses  hautes  lumieres  et  l'eclat 
de  son  genie  liero'ique  ])aroissent  ix  ti-avers  d'iui  ^•oile  qui  en  peut  alterer  les  in- 
lluences. 

Celles  de  la  lionte  de  V.  A.  E.  pour  moy  nie  rendent  confus ,  quand  je  ne 
me  voy  rien  capable  de  les  attirer.  Cette  l)onte  eclate  surtout.  lorsque  V.  A.  E. 
temoigne  qu'elle  ne  seroit  point  facliee  de  recevoir  nies  soumissions  ä  Bei'lin  un 
de  ces  jours.  Je  sc^ay  (pie  cette  capitale  est  maintenant  le  siege  des  sciences  et 
des  beaux  arts.  et  on  peut  dire  que  Salomon  et  la  Keine  de  Saba  s'y  trouvent  ä 
la  fois. 

Pour  ce  (pii  est  des  Moscovites,  on  dit  (pie  le  gros  commissaire  est  le  jjlus 
spirituel  et  le  plus  intelligent  qu'ils  avent.  Pour  mieux  servir  au  commerce  que 
y.  A.  E.   entretiendi'a  avec  eux,  je    prendray  le  trachement  i[u'un  Bojar  qui   a  este 


15.    Leieniz  an  die  Kurfiirstiu  Sophie  Charlotte  (29.  December  1697).  4  / 

icv  quelque.s  jours  durant.  vient  crabandonner.  ("e  Bojar  [laroissoit  lioinnie  de:'  l)oii 
sens,  mais  piifin  la  nation  a  parii.  comnie  on  dit  que  les  ongles  du  maliii  esprit 
paroissent  au  de'[)art.  11  avoit  tait  acheter  une  perruque  ä  .son  trucliement.  INIais 
avant  que  de  s'en  aller,  il  luv  roinpit  le  coftVe,  et  reprit  la  jDerruque,  disant 
de  l'avoir  seulement  2)i"estee.  peutesti-e  comme  les  czars  prestoient  autresfois  des 
habits  ä  leurs  Ambassadeurs,  et  leur  faisoient  donuer  autant  de  coups  qii'il  y 
avoit  de  taches.  Ce  Moseovite  a  declare  de  faire  ces  clioses  faute  d'argent, 
disant  (ju'il  vendroit  la  perruque  pour  en  subsister  quelques  jours  de  pbis.  Cepen- 
dant  Oll  asseure  qu"il  estoit  quelque  chose  de  plus  que  Bojar. 

Pour  ce  qui  est  des  cent  mille  hommes .  ces  Messieurs  en  sont  plus  liberaux 
(ä  ce  que  je  voy)  que  de  martes  siberiennes.  Avec  tout  cela  si  V.  A.  E.  daigne 
jetter  ses  rayons  sur  eux,  Elle  contribuera  beaucoup  a  dissiper  les  tenebres  de 
leurs  esprits,  et  il  seroit  bon  qu'Elle  se  iiielät  de  l'cducaticni  du  fils  du  Czar.  et 
qu'Elle  luy  fit  donner  un  gouverneur,  Mr.  Waltlier,  qui  n'eii  est  pas  eloigne. 
8i  les  vivans  gardent  (luekiue  cliose  des  anciennes  manieres,  leur  postei'ite  sera 
sur  un  meilleur  pied,  et  on  mettra  dans  leurs  croniques,  combien  ils  ont  este 
redevables  de  leur  conversion  a  V.  A.  E.  En  reconipense  nous  irons  ä  la  Chine 
h  travers  de  la  Tartarie.  sur  des  ti-aineaux  ä  volles  et  en  meme  temps  ä  chiens. 
Car  aussitost  que  les  voiles  ne  servent  plus,  les  cliiens  se  mettent  en  campagne 
pour  tirer,  et  quand  le  vent  est  favorable,  ils  retournent  dans  le  traineau.  et  se 
fönt  trainer  eux-niemes  avec  leur  maistre. 

A  pi'opos  de  la  Chine,  comme  le  P. Veijus.  frere  du  coiiite  de  Crecy.  un 
des  Ambassadeurs  ä  Delft.  a  la  direction  des  JMissions  que  le  Roy  de  France 
entretient,  il  m'a  ecrit  une  lettre,  et  m'a  envoye  celle  d'un  Jesuite  revenu  de  ces 
pays-la  et  prest  a  v  i-etournei-,  avec  otfre  de  nie  donner  des  informations  ipie  je 
demanderay.  Je  feray  donc  mettre  luie  affiche  ä  ma  porte  avec  ces  mots:  hureau 
(Vadressc  pour  la  Chine,  a  fin  que  chacun  stäche  «pi'on  n'a  qu'ä  s'adresser  ä  moy 
pour  en  apprendre  des  iiouvelles.  Et  si  V.  A.  E.  en  veut  sgavoir  touchant  le 
grand  philosophe  Confutius,  ou  toucliant  les  anciens  Rois  Chinois  assez  proches 
du  deluge  et  par  consequent  des  preiniers  descendans  de  Noah,  ou  touchant  le 
brevage  de  riinmortalite,  qui  est  la  pierre  philosophale  de  ce  pays,  ou  touchant 
quehjue  chose  qui  soit  un  peu  plus  seure,  Elle  n'a  »[u'ä  ordonner.  Plut  ;i  Dieu 
que  ce  brevage  füt  veri table,  j"ii'ois  me  mettre  expres  sur  les  traisneaux  ä  chiens, 
ä  fin  de  l'aller  querir  :i  V.  A.  E. ,  et  je  ferois  serment  de  ne  point  ouvrir  la  boite 
en  chemin.  en  quoy  je  serois  plus  fidelle  que  Psyche.  Comme  aussi  V.  A.  E.  est 
plus  digne  de  riminortalite  (pie  cette  fiUe  et  (pie  tt)us  les  dieux  de  rantiejuite. 
Je  suis  avec  devotion,  Madame,  etc. 


15. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  52). 

Aus  dem  Brief  LEiBxizens  an  die  Kurfürstin  Sophie  Charlotte 

vom  29.  December   1697. 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     10.  Bd.  S.  42  Ü'.| 

Aiusi    la  haute  vertu  de  V.  A.  E.  ne  inanquera  pas  d'estre  contentee 

d"une  maniere  ou  d'autre.  Et  son  epoux  qui  est  un  des  plus  grands  princes  de 
TEurope,  dont  les  qualites  et  la  puissance  sont  royales,  et  qui  peut  rendre  heu- 
reux  tant  de  milliers  d'hommes,  ayant  maintenant  este  force  d'entrer  luy-meme 
dans  un  detail  de  ce  ({ui  est  necessaire  jjour  ce  commun  bonheur  de  ses  estats, 
on  a  encor  grand  sujet  de  prier  Dieu  de  luy  inspirer  les  plus  salutaires  conseils 
pour  faire  des  reglemens  sur  lesquels  il  se  puisse  inieux  reposer 


48  16.    Leibxiz,  Memoire  pour  les  deux  Electrices  (Februar  1698). 

Plüt   ä   Dieu    que   je    piisse    luonstrer    iikju    zele    non    seulenient   en 

priant,  mais  encor  en  faisant  quelque  chose  d'agi'eal)le.  ^Nlais  estant  ])eu  capable 
de  cela,  je  suis  rejoui  que  M.  de  Spanheim  ni'a  donne  occasion  de  marquer  au 
naoins  nia  bonne  volonte,  en  nie  delivraat,  conformement  aux  intentions  de  la 
cour  de  Berlin ,  un  papier  de  vos  Theologiens ,  qui  est  d'une  composition  excellente, 
et  que  je  fais  valoir  connne  il  nierite,  ayant  deja  fait  des  rapports  qui  ne  seront 
point  inutiles,  a  fin  qu'un  y  rejjonde  comnie  il  faut  de  nostre  coste;  quoyi^u'il  soit 
bon  de  menager  la  chose  au  commencement  avec  beaucoup  de  precaution  et  de 
secret,  pour  eiupecher  les  eclats  des  malinten tionnes  et  des  cabales  peu  Theologiennes, 
qui  se  pourroient  foi-mer  a  Teneontre.  .   .   . 


16. 

(Vcrgl.  Geschichte  der  Akademie  S.  53). 

Leibniz,  Memoire  pour  les  deux  Electrices  de  Bronsvic  et  de 

Brandebourg  (Februar  1698). 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leieniz.    8.  Bd.  S.  Sßff.] 

Puistjue  Madame  TElecti-ice  de  Brandebourg  a  maintenant  toute  la  confiance 
de  Msgr.  TElecteur  son  epoux,  il  faut  bien  menager  cette  conjonetnre  pour  rendre 
ce  bien  durable,  et  ])our  en  tirer  tout  l'avantage  raisonnable  qu'on  en  peut  esperer. 

Et  connne  Madame  TElectrice  de  Bronsvic  a  en  toutes  choses  les  memes  in- 
terests  (pie  Mad.  sa  fille.  qu'elles  s'aiment  parfaitement,  et  qu'il  est  bien  juste  et 
bien  naturel  que  la  mere  assiste  a  sa  fille  de  ses  bons  a^is ,  il  y  a  Heu  d'esperer 
que  toutes  deux  par  ce  moyen  pourront  reparer  les  maux  (pii  leur  sont  arrives, 
et  ((u'elles  pourront  maintenir  im  pouvoir  dans  les  deux  cours  (pii  soit  digne  d'elles 
et  (pii  serve  ä  einphjyer  leur  graiid  espi'it  et  leiirs  talens  extraordinaires  au  bien 
des  deux  JMaisons  et  ä  l'union  parfaite  de  leur  mari  et  fils. 

Mais  il  faut  que  cela  se  fasse  avec  beaucoup  de  delicatesse  pour  eviter  une 
trop  grande  apparence  et  affectation  qui  puisse  donner  oinbrage  ä  TElecteur,  jaloux 
avec  raison  de  son  autorite  qu'il  a  voulu  reprendre  en  main.  Car  je  ne  doiite 
jioint  (pie  la  plus  grande  raison  de  la  dimission  de  son  preinier  INIinistre  ne  vienne 
de  ce  que  son  pouvoir  faisoit  tort  ä  la  gloire  de  TElecteur. 

Or  les  Communications  par  lettres  estant  exposees  a  des  accidens,  il  seroit 
bon  (piil  y  ait  une  personne  de  confiance  et  d'intelligence  qui  ait  sujet  d'aller  de 
temps  en  temjis  d'une  cour  k  l'autre  pour  donner  reciproquement  les  informations 
convenables  a  fin  que  le  tout  se  fasse  avec  beaucoup  de  concert  et  de  circonspection, 
et  d'une  maniere  qui  ne  soit  point  sujette  k  des  soubgons  011  ombrages. 

Pour  cet  eflfect  je  ne  saurois  iiominer  un  autre  que  moy.  Mad.  l'Electrice  de 
Bronsvic  m'honnorant  de  sa  confiance  j'ay  sujet  d'en  esperer  autaiit  chez  Mad. 
l'Electrice  de  Brandebourg.  Je  ne  sgaurois  me  vanter  d"une  parfaite  connoissance 
des  affaires  presentes.  Cependant  on  m'en  attribue  quelque  intelligence,  puisqiTon 
me  Charge  de  temps  en  temps  de  dresser  quelques  ecrits  sur  des  matieres  im])or- 
tantes,  et  qu'on  croit  cpie  je  puis  approfondir  Celles  dont  je  suis   charge. 

Voicy  le  sujet  ipi'on  me  pouri'oit  donner  d'aller  de  temps  en  temps  k  la 
cour  de  Berlin.  L'on  sgait  que  je  me  suis  distingue  d'une  maniere  singiiliere  dans 
les  Sciences  les  plus  profondes,  que  je  suis  depuis  plus  de  vingt  ans  de  la  Societe 
Royale  de  Londres,  que  je  devois  estre  de  rAcademie  Royale  des  Sciences  de  Paris, 
({ue  j'ay  une  grande  correspondance  avec  les  plus  Schavans  du  temps,  et  que  mes 
productions  011t  estii  extremement  applaudies  en  France,   Angleterre  et  Italic. 

Ainsi  comme  l'inspection  de  la  faineuse  bibliothe(|ue  de  Wolfenbuttel  me 
donne  sujet    d'y  aller  de  temps    en    temps,     de    meine    queli|ue    intendance   sur    les 


17.    D.  E.  Jablonski,  Brief  an  Leibiniz  (5.  März  1698).  49 

sciences  et  les  arts  qu'on  vcut  laire  lleurir  de  plus  en  plus  ä  Berlin  d'une  niniiiere 
fort  glorieuse  a  l'Electeur,  me  pourroit  fournir  une  raison  encore  plus  plausible 
d'aller  de  temps  en  temps  a  Berlin,  d'une  maniere  qui  ne  seroit  point  inutile. 

Pour  cet  effect  il  seroit  peut-estre  convenable  que  Madame  TElectrice  de 
Brandcbourg  tenioignät  par  un  petit  mot  en  ecrivant  a  Mad.  sa  mere,  qu'elle  seroit 
bien  aise  que  je  fisse  quelque  tour  a  Berlin,  et  me  fit  la  gräce  par  apres  quand 
j'y  serois  arrive,  d'obtenir  aupres  de  Msgr.  l'Electeur  de  Brandeboiu-g  qu'on  me 
chargeat  du  soin  que  je  viens  de  dire,  ce  qui  se  pourroit  faire  de  fort  bonne 
faQon  avec  Tagrement  de  cette  cour  et  d'une  maniere  qu'on  eüt  sujet  d'en  estre 
meme  bien  aise. 

Or  par  ce  nioyen  j'aurois  une  fort  belle  occasion  aupres  de  Mesdames  les 
Electrices,  et  par  leur  moyen  aupres  de  l'Electeur  et  aupres  du  prince  Electoral 
d'insinuer  des  choses  qui  serviroient  ä  leur  gloire  et  ä  leur  bien  commun  et  qui 
seroient  conformes  aux  desseins  et  interests  de  toutes  ces  illustres  personnes,  et 
surtout  de  Madame  l'Electrice  de  Bronsvic,  dont  les  intentions  genereuses  et  belles 
me  sont  connues. 

Je  parleray  une  autre  fois  du  plan  des  desseins  qu'on  pourroit  former  pour 
contriliuer  le  plus  au  bien  et  ä  la  gloire  des  deux  Maisons  dans  ces  conjonctures, 
Oll  le  pouvoir  de  la  France  et  les  succes  du  parti  attache  au  pape  nous  inenace 
d'une  facheuse  re\"olution,  si  Ton  ne  s'y  oppose  avec  beaucoup  d'adresse  et  de  vigueur. 


17. 

(N'ergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  56). 

D.  E.  J ABLONS K i,  Brief  an  Leibniz  vom  5.  INIärz    1698. 
[KvAcsALA,  I).  K.  Jablonsky's  Briefweclisel  mit  Leibniz.  8.  i  i  ff.] 

Hochedler 
insonders  hochzuehrender  Herr  Geheimbter  Justien  Katli. 
mein  liochgeschätzter  Gönner 

Der  h(\sondern  Estime.  welche  Ihro  Churtl.  Durchl.  meine  gdste  Fraw  tur 
meinen  hochgeehrten  Herren  halien  bin  ich  füi-  die  Ehre  verbunden ,  gegenwärtige 
Zeilen  an  meinen  liochgeehrten  Herren  in  schuldigster  Ehrerbietigkeit  abgehen  zu 
lassen,  und  bitte  mir  nur  die  Freyheit  aus,  die  Gelegenheit  hiezu  etwas  weitläuffig 
anführen  zu  dörft'en.  Da  im  verwichenen  Jahr  Se.  Churtl.  Durchl.  in  Preüfsen  ab- 
wesend waren,  Ihre  Churll.  Dhl.  unsi-e  gdste  Fraw  aber  sich  gefallen  lielsen  die 
angenehme  Frühlingszeit  auf  einem  nahgelegenen  Lusthauls  beständig  zu  geniefsen, 
da  dann  auch  ich  Gelegenheit  hatte,  des  Gottesdienstes  halber  offters  zu  sein,  und 
Ihro  Churfl.  Dhl.  über  Taöel  sich  Plaisir  machten  von  allei'hand  natürlichen  Dingen, 
sonderlich  die  Ober -Welt  betreffend,  Gespräche  zu  führen:  ward  einsmahls  er- 
wehnet,  wie  es  wohl  zu  verwundern,  dafs  da  diese  Residentz -  Stadt  sonst  mit 
allerhand  Künsten  vnd  Wissenschafften  reichlich  versehen  wäre,  nur  kein  Lieb- 
haber der  Astronomie  auch  kein  Observatorium  darinn  befindlich ,  dafs  auch  Berlin 
nicht  einen  eigenen  Kalender  hätte,  sondei'u  mit  frembden  sich  behelffen  müsse. 
Solches  appi'ehendirten  Ihro  Cfl.  Dhl.  und  sagten ,  sie  wollten  selbst  hiezu  soi'gen 
helffen,  dafs  eine  Specula  angeleget  werde,  befahlen  auch  mir  solches  weiter  zu 
erinnern. 

Se.  Ctl.  Dhl.  kamen  allererst  im  Herbst  aus  Preüfsen  allhier  an,  da  inzwischen 
der  Hr.  Hoffrath  Rabener  ein  wohlgefastes  Project  verfertiget  hatte,  wie  ein  Oli- 
servatorium  mit  weniger  Mühe  und  Unkosten  zu  stifften  vnd  zu  erhalten  wäre; 
solches  trug  der  Hr.  OberHofl'M.  Dobi'zenski,  Ihro  Chi.  Durchl.  untertgst  vor,  erhielt 

Geschichte  der  Akademie.    11.  4 


50  17.    D.  E.  Jabloxski,  Brief  an  Leibniz  (5.  März  1698). 

aber  die  Erklärung,  dal's  I.  Chi.  Dhl.  zwar  der  Sache  glitten  Erfolg  wünscheten, 
bey  itziger  Zeit  aber  für  Dero  hohe  Persohn  gut  finden,  derselben  sich  nicht  an- 
zunehmen. Drauf  machte  ich  die  Sache  bei  dem  ReichsHoffRath  Hn.  v.  Dankel- 
mnnn  als  damahligem  Directore  der  newangelegten  Academie,  und  durch  selbten 
bey  dessen  Hren  Vater,  dem  Hi-n  OberPraesidenten  anhängig,  da  selbige  gutten 
Ingrefs  funden,  und  vermuthlich  zum  erwünschten  Zweck  hätte  kommen  mögen, 
wann  nicht  die  imverhoflfte  Revolution  hiesiges  Hoffes  dazwischen  kommen  wäre, 
welche  alle  gutte  Hoffnung  desfalls  völlig  niedersclilug,  in  Betrachtung  die  newen 
Directores  der  Financen  fürnehmlich  auf  die  Menage,  und  wie  die  Churtl.  Ein- 
künffte  etwa  zu  vermehren  und  zu  besparen ,  schienen  bedacht  zu  sein.  Doch 
wuchs  mir  hinwieder  derMuth,  dal.  Chi.  Dhl.,  als  die  Ehre  hatte,  Dero  das  newe 
Jahr  zu  wünschen ,  von  selbsten  nach  dem  Observatorio  fragten .  und  vermeldeten 
mein  hochgeehrter  Herr  habe  bereits  sein  Vergnügen  über  das  anzulegende  Ob- 
sei'vatorium  bezeuget,  auch  versprochen  anhero  zu  kommen,  und  es  in  Augenschein 
zu  nehmen;  wiewohl  Ihro  Ctl.  Dhl.  darauf  geandtwordtet ,  es  sey  damit  noch  so 
weit  nicht  kommen,  mir  auch  mithin  gdst  befahlen,  in  besagter  Sorge  fortzufahren. 
Weil  nun  der  OberKammerherr  Freyherr  v.  Kolbe  eben  zum  Protectore  der  newen 
Academie  ernennet  worden,  trug  selbtem  die  Sache  vor,  überlieferte  das  ehmahlige 
Pi'oject,  dergleichen  auch  bey  dem  new-berufenen  Leib-medico  Hren  Albino,  als 
einem  besondern  Mathematico,  und  der  offt  Gelegenheit  hat  Se.  Cfl.  Dhl.  und  des 
OberKammerherrn  Excell.  zu  sprechen,  gethan:  es  ist  aber  hierauf  weiter  kein 
Bescheid  erfolget.  Weil  nun  billiches  Bedenken  tragen  muste,  in  eine  Sache,  welche 
so  gar  aufser  meiner  theologischen  Sphaere  zu  sein  schiene,  mich  weiter  zu  me- 
liren,  beschlofs,  selbige  hinfort  gäntzlich  bey  Seit  zu  legen:  bis  newlichst  die  Ehre 
hatte  Ihro  Cfl.  Dhl.  untertgst  aufzuvvai-ten,  da  selbte  wiederumb  auf  das  Observatorium 
fielen,  dabey  mich  fragten,  ob  meinem  hochgeehrten  Herren  bekandt  sei,  und  auf 
Verneinen,  gdst  befahlen,  mit  selbtem  in  Corres2:)ondence  mich  einzulassen,  Ihro 
Ctl.  Dhl.  wolten  selbst  für  der  Briefe  Bestellung  Sorge  tragen,  nur  es  müste  in 
einer  Sprache  sein,  welche  selbte  nicht  hinderte,  an  diesem  Briefwechsel  Tlieil  zu 
haben.  Dieser  gdste  Befehl  und  höchstverbindendes  Anerbieten  der  gütigsten  und 
klügesten  Fürstin  unsrei-  Zeit,  gibt  mir  gegenwartige  Kühnheit,  und  Avird  auch, 
wie  ich  hoffe,  selbige  entschuldigen.  Vnd  w'eil  in  der  französischen  S]n-a,che  mir 
nicht  gnugsam  trawen  kan,  habe  die  deutsche  erwehlet;  meinem  hochgeehrten 
Herren  zu  beliebigem  Gefallen  anheimstellende,  ob  (wenn  ich  das  Gluk  haben  solte 
mit  einer  gütigen  Andtwordt  beehret  zu  werden)  selbiger  eben  derselben,  oder  der 
f]-antzösischen,  deren  I.  CiL  Dhl.  sicli  gemeinsamer  zu  gebrauchen  pflegen,  sich  be- 
dienen wolle.  Wann  mein  hochgeehrter  Herr  so  viel  Complaisance  gegen  Ihro 
Cfl.  Dhl.  zu  bezeugen  l)eliebet.  als  selbte  Hochachtung  gegen  meinen  hochgeehrten 
Herren  haben,  zweifle  nicht,  selbter  werde  denen  andern  wichtigen  Affairen  einige 
Minuten  abbrechen ,  diese  wissens-gierige  Fürstin  mit  einem  paar  Zeilen  zu  ver- 
gniigen.  Vielleicht  wird  noch  eben  denselben  das  Publicum  die  Vortheile  eines 
Observatorij  zu  danken  haben  (denn  ein  Clericus  kan  diese  Sache  nicht  durch- 
treiben: hohe  Politicos  aber  finde  gegenwärtig  nicht,  die  derselben  nachdrücklich 
favorisireten ;  wo  nicht  der  Churfürstin  Dhl.  selbst  derselben  sich  annehmen):  ich 
allwege,  werde  glüklich  sein,  Gelegenheit  gewonnen  zu  haben  meine  schuldigste 
Observantz  gegen  meinen  hocligeehrten  Herren  zu  bezeugen,  und  demselben  un- 
wüi'dig  mich  bekandt  zu  machen,  umb  von  denen  grofsen  Talenten  welche  Gott 
selbtem  anvertrawet  hat.  nach  meiner  kleinen  Maafs  auch  in  etwas  zu  profitiren. 
Jedoch  in  dem  der  sichtlmhre  Himmel  mir  Gelegenheit  gibt  meinen  hoch- 
geehrten Herren  zu  behelligen,  werde  derselben  mich  gebrauchen,  eine  Sache, 
welche  den  imsichtliaren  Himmel  und  den  darinn  herrschenden  grofsen  Gott  an- 
gehet, mit- zu  berühren.     Ich    habe  allwe"e  in  meinem  hochgeehrte  Herren,  nebst 


18.    Leibniz,  Brief  au  D.  E.  Jablonski  (26.  März  1698).  51 

denen  herlicluMi  und  unvergleichlichen  Wissenschaften,  damit  Gott  desselben  Ge- 
müth  ausgezieret  hat,  insonderheit  den  christlichen,  unpartheyischen ,  friedfertigen 
Geist  veneriret,  welcher  die  Brüche  Zions  wünschet  geheilet  zu  sehen,  auch  selbst 
zu  diesem  heil.  Werk  Hand  anzu  legen  bemühet  ist,  wie  nicht  nur  vorhin  von  des 
Hren  v.  Spanheim,  sondern  newlich  noch  von  des  Hren  v.  Fuchs  Excell.  Excel,  aus- 
führlich vernommen,  welcher  letztere  meines  hochgeehrten  Herrn  jüngstes  ihne 
hüchstangenehmes  Schreiljen  an  seihten,  in  der  Menge  von  Papieren,  damit  er 
umbgeben,  also  verleget  hatte,  dafs  auch  nach  langem  Suchen  er  es  nicht  herausfinden 
konte,  sondern  sich  begnügen  lies,  dessen  Inhalt  mit  sonderm  Vergnügen  zu  er- 
zehlen.  Gott  lasse  meines  hochgeehrten  Herren  heilige  Bemühungen  gesegnet  sein, 
und  segne  ihn  selbst  aus  Zion,  damit  derselbe  sehe  das  Gutte  Jerusalems  für  und 
für.  Weil  aber  das  Werk  nicht  nur  an  Seiten  dortiger  Hren  Theologen  scheinet 
langsam  fortzugehen,  und  man  daher  fast  sorgliche  Gedanken  sicli  zu  machen  be- 
ginnet, sondern  auch  der  gemeine  Ruff  (den  der  gnädige  Gott  durch  einen  bessern 
Ausgang  wolle  wiederleget  und  Lügen  gestraffet  werden  lassen !)  an  Seiten  selbst 
der  hohen  Herschaft  einige  Hinderungen  ominiren  will,  so  würde  es  mir  ein  grofser 
Trost  und  Vergnügung  sein,  wenn  einige  Versicherung  erlangen  könte,  dafs  das 
h.  Friedenswerk  noch  'in  gutter  Hoffnung  stehe.  Vnd  könte  (wenn  ja  so  kühn 
sein  darff,  auch  dieses  zu  gedenken)  der  kurtze  Bericht  hievon  unmasgeblich,  sicherer 
Ursachen  wegen,  auf  ein  kleines  Nebenblätchen  gesetzet  werden.  Ich  bitte  umb 
Vergebung  meiner  taediösen  Länge;  empfehle  meinen  hochgeehrtesten  Herrn  in 
götl.  gnädige  Obhut,  und  verharre  in  schuldigster  Observantz 
meines  hochzuehrenden  Herrn  und  werthen 
Gönners 

gebeth-  und  dienstergebenster 

Damit   mein   geringfügig   Schreiben    nicht  Diener 

gar   leer   sey,    habe   die    Künheit   genommen  D.  E.  Jablons  ki 

selbigem   beygehendes   Büchlein    beyzufügeii;  Hoffl)redi"er 

welche  Künheit  im  Besten  zu  vermei'ken  bitte. 

BerL  d.  5.  Martij.    1698. 


18. 

(Vergl.  Gescliichte  der  Akademie  S.  58). 

Leibniz,  Brief  an  J  a  blo  xski,   Concept  vom   26.  März  1698  (so  nach  dem 

Postscript). 
[KvACSALA,  Briefwechsel  S.  i4ff.] 

Hochehi'würdiger  hochgelahrter  insonders  hochgeehrter  Herr 
Als  ich  mit   dero  werthen  Sclireiben  umb  so  viel   mehr   beehrt    worden,    als 
weniger  ich    dergleichen    hoffen    können,    hatte  ich   sofort    die   schuldigste  Antwort 
abstatten  sollen,  habe  mich  aber  bey  jezigen  hiesigen  Vorfallenheiten  sehr  verhindert 
befunden.     Bitte  also  den  kleinen  Aufschub  nicht  iibel  zu  deuten. 

Dafs  die  durchleuchtigste  Ghurfürstin  unsere  gndste  Frau,  sich  dessen  was 
einsmahls  von  einem  Observatorio,  und  Anstalt  zu  Befördenmg  gründlicher  Wissen- 
schaften vorkommen,  annoch  erinnert,  erfreuet  mich  sehr,  und  schÖ2)fe  daraus  eine 
grofse  Hofnung  zu  Erreichung  solcher  Dinge  die  hochnüzlich  seyn  und  dieser  vor- 
treflichen  Fürstin  unsterblichen  Ruhm  vermehren  wurden.  Denn  was  dem  mensch- 
lichen Geschlecht  ein  neues  bestandiges  Liecht  bringet  und  dessen  Macht  über  die 
Natur  inid  gleichsam  seyn  Gebiete  vermehret,  halte  ich  höher  als  Eroberimg  Land 
und  Leute,  dadurch  nichts  gebessert  wird  sondern  nur  aus  einer  Hand  in  die  andere, 
und  zwar  nicht  ohne  Schaden  gehet.    Und  scheinet,  dafs  denen  Damen  vom  höchsten 

4* 


52  18.    Leibn-iz,  Brief  an  D.  E.  Jaelonski  (26.  März  1698). 

Stand,  deren  Geist  so  wohl  als  ihr  Stand  erhöhet,  diefs  Lob  eigentlich  bescheret 
nnd  vorbehalten  sey.  Dieweil  sie  nicht  mit  dem  gemeinen  Lauft"  der  mühsamen 
Arbeit  beladen  sondern  ihr  Gemüth  anstatt  blofser  menschlicher  Zierligkeiten,  die 
sonst  vor  ihr  Appanage  gehalten  werden,  anff  die  Schöhnheiten  Gottes  und  der 
Natur  zu  wenden,  und  daher  den  Nuzen  zu  schafften  Gelegenheit  haben,  welcher 
meines  Ermessens  nechst  der  wahren  Religion  der  gröste.  Zwar  haben  hohe  Damen 
sich  noch  bifsher  dessen  wenig  angenommen.  Ich  hoff"e  aber  der  Churfürstin  Durchl. 
die  nicht  nur  ihres  Geschlechts  sondern  aucli  der  menschlichen  Natur  Vollkommen- 
heiten in  so  hohen  Grad  besizet,  soll  ihrem  Geschlecht  den  Weg  zu  einem  neuen 
Triumphe  öff"nen,  dafs  das  unsrige  durch  etwas  Wichtiges  vnd  zugleich  Angenehmes 
üljertreff'e.  Schäze  es  derowegen  für  eine  hohe  Gnade,  xuid  grofses  Glük  für  mich, 
das  sie  meine  wenige  Gedancken  dabey  zu  vernehmen  geruhen  wollen. 

Was  nun  die  Beobachtung  des  Sternhimmels  insonderheit  betrifi't,  solte  ich 
unmasgäblich  dafür  halten^  dafs  wenn  der  Anfang  gleich  von  Anschaft'ung  dienlicher 
Instrumenten ,  und  bey  Hand  habenn  solcher  Leute  gemacht  würde ,  die  mit  deren 
Gebrauch  wohl  lunbzugehen  wissen,  man  allmahlig  zu  denen  Requisitis  eines  forml. 
Observatorii  gelangen,  und  solches  auch  anbauen  lassen  kondte.  Unter  die  In- 
strumenta gebühren  sehr  vortretliche  und  lange  Perspective.  Wann  man  auch  eine 
holie  Kirche  adaptiren  köndte  auft"  die  Arth  wie  die  Kirche  zu  Bologna  in  Italien, 
hatte  man  dabey  ein  überaus  grofs  Instrument,  dergleichen  auft"  andere  Weise  nicht 
wohl  zu  machen.  Nehmlich  es  müste  oben  das  Gewölbe  etwas  geöfnet,  und  unten 
in  der  Kirche  eine  metallene  behörig  eingetheilte  Lini  gezogen  werden.  Es  wäre 
auch  nöthig  gewisse  Observations  mit  dem  ]Magnet  anstellen  zulassen.  Und  in 
Summa,  man  hätte  es  dahin  zu  bi'ingen  dafs  mit  der  parisischen  und  englischen 
Academies  des  Sciences  correspondiret,  die  zu  einer  Zeit  gemachte  Observationen, 
als  von  den  Eclipsen  der  Trabanten  des  Jupiters,  Naherungen  der  Planeten  bey  die 
Fixsterne  und  dergleichen  gegen  einander  gehalten  und  dadurch  die  Wissenschafft 
vermehi-et  werden  köndte;  denn  wann  man  nur  thun  wolte,  was  schohn  gethan, 
hatte  man  keinen  Ruhm  davon.  Ich  solte  meynen,  das  noch  etwas  Ansehnliches 
in  der  Astronom!  und  denen  mit  der  Astronom!  verbundenen ,  und  andern  solchen 
gründtlichen  Wissenschafften  ohne  grofse  Kosten,  durch  guthe  Anstalt  zurichten.  Allein 
es  ist  schwehr  ohne  gnugsame  Nachricht  umbständliche  Vorschläge  zu  thun.  Werde 
also  solche  bifs  zu  näherer  Information  verschieben  müssen,  und  hoffe  von  meinem 
hochg.  H.  einig  Lieclit  deswegen  fei'ner  zu  ei'langen,  umb  der  Sach  näher  zu  treten. 

Betreffend  das  bewuste  Negotium ,  so  habe  ich  schohn  einige  ganz  zulängliche 
Erclärungen.  Aniezo  wird  aufs  diesen  und  andern  etwas  abgefasset,  so  zur  Antwort 
auff  die  von  Hn.  von  Spanheim  mit  gebrachte  Schrifft  dienen  und  zu  ferner  Be- 
förderung gereichen  könne.  Es  hätte  vielleicht  die  Zeit  besser  gewonnen  werden 
sollen.  Doch  mufs  man  endlich  zufrieden  seyn ,  wenn  es  nur  gehet,  wie  es  dann 
endtlich  dahin  konunen,  dafs  an  gehöriger  Beantwortung  nicht  zuzweifeln.  Man 
wird  aber  künfftig  auff  solche  Wege  zudencken  haben  dadurch  man  der  vielen 
langsamen  Schriftwechselungen  überhoben  sey.  Wie  wohl  allezeit  Essentialia 
endtlich  schriff"tlich  gefasset  werden  müssen.  Mir  ist  lieb,  dafs  mein  Jüngstes  dem 
Herrn  von  Fuchs  nicht  mifsfallen.  Hoffe  künff'tig  nocli  mehr  Vergnügung  zu  leisten. 
Wegen  Communicati  Golloqvii  Lipsiaci  bedancke  mich  auch  dienstlich.  Saxonici 
geben  vor  die  Partheyen  hätten  einander  versprochen  es  solle  nicht  davon  ]niblick 
gemacht  werden.  Welches  vielleicht  von  selbiger  Zeit  zu  verstehen,  hernach  aber 
nicht  mehr  statt  hat. 

Wegen  der  überaufs  angenehmen  Verehrung  des  schöhnen  Wercks  meines 
hoclig.  Hn.  bin  höchlich  verbunden,  es  ist  mir  zwar  nicht  unbekand  gewesen ,  und 
habe  ich  darinn  vorlängst  die  reine  zierliche  und  nachdruckliclie  Schreibart  mit 
sonderbarer    Hochachtung   bemercket.      Herrn    Bentleji    Arbeit   ist   vor   andei-n    der 


18.    Leieniz,  Brief  an  D.  E.  Jablonski  (26.  März  1698).  53 

Übersetzung  wertli  gewesen,  nis  welche  vor  die  Religion  nicht  allein  zierlich  und 
beweglich,  sondern  ;uich  mehrern  theils  gründtlich  geschrieben.  Doch  k;nin  in 
einigen  besondei'n  Stellen  mit  ihm  und  dem  Herrn  Newton  nicht  ganz  einig  seyn, 
als  da  dieser  meynet,  dafs  das  INIeiste  in  der  Welt  leer  sey  (da  ich  hergegeu  dafür 
halte  dafs  nichts  leer  gelassen)  und  dafs  er  dafür  halt,  die  Seh  wehre  der  Cörper 
verhalte  sich  nach  der  jMateri.  welches  aber  nur  von  deijenigen  Materi  zu  beweisen, 
welche  mit  dem  sichtbaren  Cörper  fortgestofsen  wird,  nicht  aber  von  der  die 
imsichtbar  dadurch  lliefset.  Daher  ich  auch  nicht  zu  gestehe,  dafs  eine  angebohrne 
oder  von  Gott  besonders  imtei'haltene  anziehende  Ki-afft  in  der  Materi  sey.  die 
keine  fernere  Erclärung  leide,  autt'  welchen  Fall  es  ein  stetes  Mirakel  seyn  würde, 
sondern  ich  vermeine ,  dafs  die  anziehende  Ki-afFt  vielmehr  von  der  Druckung  einer 
durchdringenden  tlüchtigern  Materi  konmien  müsse.  Denn  meine  Regel  ist,  dafs  in 
der  Natur  nichts  unerclärlich,  obschohn  uns  die  Erclärung  unbekand.  Nach  des 
Hn.  Newtons  Weise  aber  ist  eine  fernere  Erclärung  unmöglich.  Es  lasset  sich 
auch  nach  seiner  Art  nicht  erclären ,  w^irumb  die  Planeten  alle  fast  einen  Weg 
gehn.  Daher  ich  lieber  meynen  solte,  dafs  sie  alle  in  einem  Wirbel  umb  die 
Sonne  lieiiunb  schwimmen ;  imd  kan  ich  weisen ,  wie  der  Wirbel  ihi-e  Bewegung 
nicht  hindere,  s<mdern  vielmehr  unterhalte.  Wozu  die  Circulatio  harmonica  eine 
wunderbare  Bequemlichkeit  hat.  Ich  wolte  auch  nicht  gern,  dafs  man  die  Ahnligkeit 
der  Erdkugel  mit  dem  Magnet  aufhübe,  welche  sonst  so  glaublich  scheinet:  und 
ist  bekand,  dafs  ein  Wirbel  umb  den  Magneten  sich  findet,  der  seine  Anziehung 
sowohl  als  seine  Richtung  verursachet.  Es  ist  aber  in  Übrigen  Herr  Newton  ein 
unvergleichlicher  Man.  und  seine  Entdeckungen  sind  von  grofser  Wichtigkeit. 

Es  scheinet,  dafs  noch  zur  Zeit  Aveder  die  Herrn  Engländer  noch  die  Car- 
tesianer  in  Franckreich  und  Holland  in  den  Grund  der  materialischen  Dinge  gesehen. 
Ich  vermeine,  dafs  zwar  alles  in  den  cörperlichen  Phaenomenis  mechanisch,  ur- 
sprünglich aber  auch  alles  in  der  Natur  zugleich  metaphysisch  und  moral;  und 
zwey  ein  ander  durchdringende  Reiche  in  allen  Dingen,  das  Reich  der  Weifsheit 
nach  den  Finalen,  und  das  Reich  der  Krafft  nach  den  Efficienten,  indem  die 
letzten  Ursachen  der  mechanischen  Geseze  selbst  von  einer  höhern  Substanz  her- 
gehohlet  werden  müssen,  welche  auch  überall  gewisse  IMonades  erschaffen  hat.  so 
keine  Figur  noch  Theile  haben,  und  in  denen  die  Krafft  wohnet.  Halte  ich  es 
also  Aveder  mit  denen  Platonicis  Peripateticis,  welche  vermeinen,  man  könne  nicht 
alle  besondere  Zufälle  der  Cörper  mechanisch  erklären,  noch  mit  den  Cartesianen, 
welche  vermeynen,  dafs  aufser  bey  dem  Menschen  (welches  eine  gar  schlechte  und 
unzugängliche  Aufsnahme)  in  der  ganzen  Natur  nichts  sey,  als  eine  taube  Massa, 
allein  bequem  den  Plaz  zu  füllen :  ^'^'og■egen  glaube  ein  Anders  erweisen ,  und 
dadurch  etwas  zu  mehrer  Erkantnifs  des  Höhern  und  Innern  beytragen  zu  können. 
Es  lassen  sich  aber  solche  Dinge  mit  W^enigen  und  durch  Schreiben  nicht  wohl  er- 
clären. Ich  mache  den  Brief  ohne  dem  allzu  lang,  und  mifsbrauche  meines  hochg. 
Hn.  Guthigkeit.  Ist  also  aniezo  nichts  anders  übrig,  als  dafs  ich  bezeige,  wie  ich 
suchen  werde  die  angefangene  Kundschaft  die  mir  so  vortheilhafft,  wo  nicht  mit 
anständiger  Würcklichkeit,  mit  Darstellung  eines  aufrechten  guthen  Willens  imd 
schuldigster  Auffwartigkeit  zu  unterhalten;  der  ich  Lebenszeit  verbleibe 
meines  hochg.  Hn. 

dienstergebenster 

Gottfried  Wilhelm  Leibniz. 

26.  Martij    1698. 
P.  S. 

Ich  kan  mich  nicht  gnug  verwundei'n,  wie  die  Leute  zu  den  Spargimenten 
kommen,  deren  MHHr.  erwehnet  [s.  oben  S.  51].  dafs  die  hanövi'ischen  Herrschaften 
dem  religiösen  Friedenswerk  Hinderungen  bereiten,   und  dazu  ich  Gott  Lob  nicht 


54  19-    Leibniz  an  die  Kuifürstin  Sophie  Charlotte  (11.  August  1698). 

den  geringsten  Schein  sehe.  Im  Übrigen  finden  sich  wohl  bifsweilen  einige 
Schwuhrigkeiten  in  der  bewufsten  Sache,  so  doch  mit  guther  Manier  zu  überwinden 
und  hoffe  ich,  dafs  etwas  Fruchtbarliches  auszurichten  seyn  werde,  wenn  man  mit 
nothiger  Circumspection  verfähret;  da  von  vielleicht  ein  mahl  ein  mehrers  wenn 
ich  die  Ehre  haben  solle  zu  Berlin  aufzuwarten,  wie  es  der  Chr.  Durchl.  nicht  ent- 
gegen zu  seyn  geschienen,  aber  die  Vei'ändenmg  allhier  daz\vischen  konunen. 


19. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  6o). 

Leibniz,  Brief  an  die  Kurfürstin  Sophie  Charlotte  vom  1 1.  August  1698. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  S.  5off.] 

Lorsque  vostre  Serenite  Electorale  nous  quitta,  il  n'y  eut  que  Tesperance 
de  Son  promt  retour  qui  nous  put  consoler;  car  on  jugeoit  alors  qu'il  y  auroit 
un  abbouchement  de  Msgr  l'Electeur  son  Epoux  avec  le  Roy  de  la  Grande  Bre- 
tagne, qu'on  attend  dans  ce  voisinage.  Or  comme  j'avois  encore  beaucoup  a  dire 
ä  V.  S*^"^  E.  sur  le  personnage  qu'elle  feroit  admirablement  bien  de  protectrice  des 
belles  Sciences,  personnage  que  joeutestre  personne  de  son  sexe  n'a  encore  fait, 
je  me  tlattois  que  j'en  trouverois  le  temps  alors.  Mais  estant  dernierement  a  Lins- 
bourg  avec  nostre  cour,  j'appris  que  le  bonheur  de  La  revoir  maintenant  icy,  nous 
pourroit  manquer.  Je  laisse  juger  V.  S'*^  E.  de  ma  surprise!  Je  bastissois  deja 
des  observatoires ,  et  je  fabriquois  des  telescopes,  des  machines  Celestes  et  d'autres 
chasteaux  en  Espagne  que  voila  maintenant  par  terre.  JMais  le  zele  que  j'ay  pour 
la  gloire  de  V.  S.  E.  me  fournissoit  encore  une  autre  raison  de  souhaiter  ([u'Elle 
füt  chez  nous  dans  le  temps  que  le  Ro}^  viendroit  en  ce  pays-cy,  c'est  ([ue  je 
souhaiterois  qu'EUe-meme  et  le  Grand  Electeur  son  Epoux  fussent  traites  a  la 
royale,  puisqu'il  se  presenteroit  dans  la  presence  meme  de  sa  M*^^,  si  tont  estoit 
bien  concerte ,  l'occasion  tres  propre  ä  faire  paroistre  aux  yeux  une  digne  parifi- 
cation  de  vos  Serenites  Electorales  avec  les  testes  couronnees,  estant  sans  doute 
prestes  a  faire  pour  cela  tout  ce  qui  depend  d'elles.  A  ecouter  le  public  et  meme 
les  FranQois,  cette  Entreveue  a  este  creue  infaillible  pour  les  grandes  i^aisons  du 
bien  public.  Plüt  ä  Dieu  que  les  amis  et  les  ennemis  ne  se  trompassent  pointi  — 
Car  si  nous  n"en  tirions  point  d'autre  avantage,  celuy  du  retour  de  V.  S.  E.  nous 
donneroit  au  moins  im  des  plus  grands  contentemens  que  nous  poiu'rions  recevoir. 
Cependant  le  monde  n'a  pas  grand  fond  de  s'imaginer  de  si  belles  choses.  J"avoue 
que  l'abbouchement  qu'on  esperoit,  y  seroit  propre.  Mais  quand  il  n'arriveroit 
pas,  la  providence  de  Dieu  se  servant  de  la  sagesse  de  ces  grands  princes  sur 
lesquels  on  jette  les  yeux,  y  pourvoira  d'une  maniere  süffisante. 

Outre  cela  je  m'estois  imagine  qu'il  y  avoit  encore  de  grandes  raisons  du 
bien  public  pour  l'entreveue.  L'Angleterre  et  le  Brandebourg  sont  sans  doute  les 
plus  grands  soutiens  de  la  liberte  publiciue  et  de  la  religion  pi-otestante.  Le  dangei- 
oü  est  le  i'oy  d'Espagne  fait  que  nous  sommes  a  la  veille  d'une  revolution  aussi 
grande  que  celle  qui  suivit  l'entreveue  de  Minde  imniediatement  avant  la  guen-e 
passee.  Des  marques  semblables  d'une  parfaite  union  encourageroient  a  present  les 
bien  intentionnes.  Et  il  semble  que  le  moment  fatal  d'oü  depend  le  salut  de  l'Europe, 
presse  plus  que  jamais,  d'autant  que  le  danger  de  TAngleterre  meme  paroist  estre 
differe  plustost  que  cesser.  Toutes  ces  considerations  ont  fait  croire  au  monde  et 
aux  Frangois  meme  (pi'on  pi'endroit  des  mesures  importantes  a  l'arrivee  du  Ro3^ 

Le  monde  sans  cela  s'imagine  plusieurs  autres  motifs  fort  impoi'tants  pour 
vouloir  une  teile  entreveue.  II  seroit  a  souhaiter  qu'il  ne  se  trompe  pas.  ^Nlais 
j'ay  peur  que  le  voyage  du  roy  ne  soit  plustost  une  partie  de  chasse  iju'une  visite 


20.    Leibniz  an  den  Knrfürsten  Oeokg  Ludwig  (19.  Jannar  1699).  55 

d'Estat.    Cependant  le  inonde  n"a  pas  tont  :\  fait  tort.    II  pen.se  (pie  les  pnissances 
ne  fönt  rien  qu'avec  de  grands  desseins. 

Peutestre  meme  que  la  passion  de  revoir  l)iento.st  cliez  nous  V.  S.  E.  sera 
conteiitee  d'une  autre  fagon.  >Si  cette  passion  et  la  crainte  d"estre  tronipe  dans 
nostre  attente  m'a  fait  passer  les  bornes  par  des  retlexions  im  peu  trop  politicpies, 
je  su})plie  V.  S.  E.  tres  humblenient  de  le  pardonner  a  nion  zele,  et  de  prendre 
en  bonne  part  les  marques  que  j'en  donne,  quelques  malentendues  qu'elles  soyent. 
J'espere  d'en  faire  voir  quelques  nieilleures  preuves  sur  un  autre  sujet,  dont  j'ay 
este  Charge  par  Mr.  de  Fuchs,  et  dont  je  ne  me  suis  point  lasse  de  presser  l'ex- 
])edition  pour  sui-monter  des  lenteurs  qui  se  sont  rencontrees  en  chemin.  ('epen- 
dant  je  suis  avec  une  devotion  entiere,  etc. 


20. 

(Vergl.  Gesohiclite  tler  Akademie  S.  62). 

Leibniz,     Brief  an   den   Kurfürsten    Georg   Ludwig    vom   19.  Ja  n.  lf)99. 
[Klopp,    Die  Werke  von  Leibniz.   ig.  Bd.,  S.  52f.] 

Monseigneur.  \'.  A.  E.  m'ayant  fait  scjavoir  ses  intentions  par  son  premier 
Ministre .  c'est  a  ino)-  de  les  executer.  Et  quoyque  Madame  l'Electrice  de  Brandebourg 
supposant  sans  doute  l'agrement  de  V.  A.  E.  dejä  donne,  alt  ecrit  a  Mad.  l'I^llectrice 
sa  mere,  qu'EUe  se  feroit  un  plaisir  de  voir  chez  Elle  pour  quelque  peu  de  temps 
un  homme  qui  se  rend  trop  de  justice  pour  le  prendre  a  la  lettre,  et  quoyqu'EUe 
ait  fait  ecrire  par  ]Mr.  Dobrzenski  qu'Elle  attend  cet  homme  avec  impatience,  ce 
qui  sans  doute  ne  se  doit  ])rendre  que  pour  une  honnestete:  neantmoins  ilestjuste 
de  sacrifier  aux  considerations  que  V.  A.  E.  se  propose  lä-dessus,  tonte  l'envie 
qu'il  pourroit  a\'oir  maintenant  de  faire  un  peu  sa  cour  ä  une  teile  princesse.  J'ay 
pourtant  crii  qu'il  seroit  bon  que  V.  A.  E.  SQut  ces  circonstances. 

En  tont  cas  cet  homme  ose  asseurer  V.  A.  E.  de  sa  bonne  volonte  et  croit 
en  avoir  donne  des  preuves.  Mais  il  n'ose  pas  Lasseurer  de  meme  de  la  foi'ce  de 
son  entendement:  ainsi,  si  V.  A.  E.  a  des  raisons  pour  en  douter  jusqu'a  croire 
(ju'il  ])()urroit  causer  du  prejudice,  s'il  alloit  fair  sa  cour  a  Berlin,  il  faut  qu'il 
s'en  prenne  ä  ses  defauts.  Car  quoyqu'il  s'imagine  de  n'avoir  donne  aucun  sujet 
a  une  teile  opinion,  et  meine  d'avoir  fort  bien  fait,  cela  ne  suffit  pas.  ('ar  on 
est  sujet  a  se  tlatter,  et  souvent.  pour  avoir  raison  d'estre  content  de  soy,  il  faut 
qu'on  puisse  contenter  les  autres,  et  surtout  son  prince  qui  est  le  juge  competent. 

Si  V.  A.  E.  ne  donne  point  d'autres  ordres ,  il  faut  s'excuser  sur  la  mauvaise 
Saison  qui  cause  des  indispositions,  et  il  faut  aussi  repondre  dilatoirement  touchant 
Tecrit,  et  donner  ä  tout  le  meilleur  tour  qiron  pourra,  quoyqu'il  soit  difticile  de 
se  tirer  d'aflf'aire  sans  desobliger  quelqu'un. 

Je  suis  avec  devotion,  Monseigneur,  de  V.  A.  E.  le  tres-sousmis  et  tres-fidele 
serviteur. 

21. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  65). 

Leibniz.    Über  einige  von  Erhard  W e i g e l    vor   den  Reichstag  zu 

Regensburg  gebrachte  Vorschläge   (1697). 

[Gedruckt   bei   Buder,   Nützliehe  Sammlung  verschiedener,    meistens   uugedruckter   Schriften 

(1735)  Nr.  39  und  bei  Guheauer,  Leibnitz's  Deutsche  Schriften,  2.  Bd.  (1840)  S.  473  ff.] 

Es  sind  von  Regensburg  drey  daselljst  gedruckte,  vom  Herrn  Erharde  Weigelio, 
berühmten  Älatheinatico ,  herausgegebene  Schediasmata  eingeschickt  worden,  deren 
das  erste  in  sich  enthält:  einen  Vorschlag  eines  Collegii,  so  im  Reich  anzuordnen, 


56  21.    Leibniz  über  Ehrhakd  Weigel's  Vorschläge  (1697). 

welches  er  Artis  Consultorum  nennet,  darinnen  die  matliematische  Wissenschaften 
und  Künste  zu  befördern.  Das  andere  will  die  Zeitvereinigung  und  Einrichtimg 
des  Calenders  rathen.  Das  dritte  handelt  von  einer  sogenannten,  doch  nicht 
beschriebenen  Seh  webe  fahrt  oder  Schwenkung,  so  zur  Gesundheit  und  Lust 
dienen  soll  und  vielleicht  denen  hin  und  wieder  in  Gärten  und  sonst  gebräuchlichen 
Umläufien    nicht   unähnlich,    wovon    aber  allhier  weiter  etwas  zu  melden  unnötliig. 

Was  nun  meine  übei'  die  von  ihm  gethane  Vorschläge  habende  Meynung 
betrift't,  so  ist  bekannt,  dafs  Herr  Weigelius  ein  in  Mathesi  sehr  erfahrner  und 
gelehrter  Mann,  und  der  dabey  ein  ganz  löbliches  Absehen  zum  gemeinen  Besten 
fülu-et,  welches  er  sonderlich  in  seiner  vorgeschlagenen  "Tugendschule«  zu  er- 
kennen gegeben,  allwo  er  darauf  treibet,  dal's  die  Jugend  in  den  Schulen  nicht 
nur  zu  Vei'bal-,  sondern  auch  Real -Wissenschaften,  und  nicht  nur  zu  Wissen- 
schaften ,  sondern  auch  zu  Tugenden  geführet  werden  möchte.  Ich  stehe  auch  in 
den  Gedanken,  dafs  ein  und  anders  davon  gar  wohl  in  würkliche  Übung  zu 
bringen  wäre. 

Er  hat  bereits  vor  einigen  Jahren  bey  den  Landständen  des  Churfürstenthums 
Sachsen,  hernach  auch  bey  dem  Kayserlichen  Hof,  dem  Reichs -Convent  imd 
anderswo  sich  angegeben  und  die  jetzigen  Vorschläge  zum  Theil  sowohl  aus  seinem 
Euro j)äi sehen  Wappenhimmel  insinuiret,  welcher  dahin  gehet,  dafs  anstatt 
der  heidnischen  Namen  und  Figuren  der  Asterismorum  die  Wappen  der  vornehmsten 
Pontentaten  in  Europa  den  Sternen  inverleibet  werden  solten ,  darunter  er  denn 
auch  das  Lüneburgische  Pferd  nebst  andern  Churfürstlichen  Wappen  gesetzet. 

Ob  nun  wohl  solche  Änderung  der  Asterismorum  ohne  anderer  Nationen 
Einwilligung  nicht  wohl  dienlich,  auch  an  sich  selbst  keinen  wirklichen  Nutzen 
bringet,  so  scheinen  doch  die  übrigen  Vorschläge  von  Verbesserung  der  Schulen, 
Einrichtung  der  Zeitrechnung  und  Bestellung  eines  gewissen  Collegii 
von  mehr  Wichtigkeit  und  Nutzen  zu  seyn ,  und  sind  die  beyden  letzten  eigentlich 
anjetzt)  in  Betrachtung  zu  ziehen. 

Das  CoUegium ,  so  im  Reich  zu  bestellen ,  nennet  er  Artis  Consultorum, 
welcher  Name  um  vieler  Ursachen  willen  nicht  bequem  scheinet;  und  geschiehet 
es  öfters,  dafs  die  Sachen  vei-woi-fen  oder  vei^achtet  werden,  wenn  sie  keinen 
anständigen  Namen  haben.  Überdies,  so  wird  hernach  mit  Mehreren  gezeiget 
werden ,  dafs  dergleichen  Collegium  nicht  nur  auf  artificialia ,  sondern  auch  naturalia 
zu  richten.  Inzwischen  ist  das  Werk  an  sich  selbsten  gut  und  der  Sinesen  Anstalt 
gemäss,  welche  eine  eigene  mathematische  Congregation  dem  tribunali  supremo 
rituum  zugeoi-dnet,  denen  die  Einrichtung  des  Calenders,  Bezeichnung  der  Fest- 
und  anderer  Tage ,  auch  Beobachtung  der  Sterne  mit  dem  Observatorio  untergeben. 

Nun  scheinet,  dafs  Herr  Weigelius  nacli  diesem  Exempel  auch  vom 
Calender  dazu  Gelegenheit  nehmen  wollen.  Weilen  aber  solcher  bey  uns  bereits 
also  gefafst,  dafs  in  vielen  Seculis  dem  Gregoriano  nach  nichts  sonderliches  zu 
ändern,  die  Feste  also  auch  im  Hauptwerk  ihre  Riclitigkeit  haben,  und  die  Be- 
nennung der  guten  und  bösen  Tage,  so  die  Sinesen  in  ihrem  Calender  beyrücken, 
ein  ungegründetes  Werk,  so  würde  ein  solches  Collegium  bey  uns  kein  sonder- 
liches Objectum  ad  rempublicam  pertinens  se^ni  und  also  in  Reichssachen  wenig 
zu.  thun  haben,  wenn  nicht  mehr  andere  Verrichtungen  dazu  gezogen  würden. 
Daher  denn  auch  Herr  Weigelius  die  Aufsicht  über  alle  Künste  und  Handwerke, 
so  ihre  Gründe  von  der  Mathematik  entleluien,  demselben  zuzulegen  scheinet. 

Allein  hier  entstehet  zufördei-st  die  Fi-age,  welchergestalt  die  Sache  zu  fassen, 
dafs  das  Collegium  mit  Nachdruck  verfahren  und  bey  den  Leuten  Folge  erhalten 
könne.  Man  siebet  täglich,  wie  wenig  die  Kauf-  und  Handelsleute,  auch  andere 
Professionen  sich  an  die  Policey-  und  andere  Ordnungen  kehren.  Das  unglückliche 
Exempel    des  Münzwesens    zeiget   auch   den   schlechten  Fortgang  in  allgemeinen 


21.    Leibniz  über  Ehrhard  Wkigel's  Vorschläge  (1097).  57 

Reichssachen,  und  -würde  also  das  Collegium  ohne  Wirkung  seyn,  wenn  nicht 
jeder  hoher  und  niedriger  Stand  mit  sonderbarem  Eifer  die  Hand  ob  dessen  Aus- 
sprüchen und  Anordnungen  zu  halten  geneigt  seyn  sollte.  Allein  es  kommen  da- 
zwischen die  in  dergleichen  Dingen,  so  die  Nahrung  betreffen,  oft  gegen  einander 
laufende  Interessen  verschiedener  Provinzen  und  Orter  Teutschlandes,  und  würde 
gewifslich  eine  grofse  Geduld,  Nachdenken,  Information,  zu  geschweigen  Aqua- 
nimität  und  Desinteressement  bey  denen  im  Regiment  sitzenden  Personen  erfordert 
werden,  unib  denen  dabey  besorgenden  Widrigkeiten  vorzukommen  und  dem 
allgemeinen  Reichs -Collegio  mit  Beyseitsetzung  aller  Nebenabsehen  an  Hand  zu 
gehen.  Welche  sogar  ungemeine  und  fast  unvergleichhche  Vorsorge,  da  sie  bey 
denen,  welche  in  der  Welt  das  Ruder  führen  und  sonst  mit  Geschäften  überladen 
und  mit  allerhand  andern  Gedanken  eingenommen,  zu  erhalten,  wir  nicht  nur 
dieses,  sondern  ein  weit  Mehrers  und  mit  einem  Wort  in  Kirclien-  und  Profan-, 
auch  Kriegs-  inid  Friedens -Sachen  gleichsam  eine  güIdneZeit,  soviel  die  menschliche 
Natur  vermag,  zu  erwarten  hätten. 

Sollte  ich  fast  also  in  den  Gedanken  stehen,  es  wäre  zu  Erreichung  der 
Absicht  nothig,  dafs  neben  einer  gewissen  Universalanstalt  im  Reich  eines  unter 
Kayserl.  Majestät  allerhöchsten  Direction  stehenden  CoUegii  zugleich  die  Sache 
particulariter  besorgt  würde,  also  dafs  Kayserl.  Majestät  in  ihren  Erblanden,  auch 
einige  der  Chur-  und  Fürstlichen  Häufser  und  andere  mächtige  Stände  oder  auch 
ganze  Krayse,  jeder  für  sich  und  dero  Lande,  bey  der  Hofstadt  oder  an  einem 
andern  vornehmen  Ort  ein  solches  Collegium  aufrichteten,  «darin  die  Sachen,  so 
die  Gesundheit,  Nahrung,  Policey,  Commercien,  Bau-.  3Iünz-,  Manufactur-  und 
Werk- Sachen,  auch  Feuer-,  Wasser-,  Forst-,  Tax-  und  andere  Ordnungen  be- 
treffen, in  Summa  alles,  was  eine  vmgemeine  Untersuchung  nicht  nur  der  Kunst, 
sondern  auch  der  Natur  erfordert«,  dergestalt  überleget  würden,  dafs  die  hohen 
Ministri,  Tribunalia,  Herren  Camerales,  dann  auch  Ingenieurs,  Bergofficiren ,  Bau- 
leute, Münzmeister  und  andere  theils  von  ihnen  sich  Raths  erholen  könnten .  theils 
ihren  im  Namen  der  Herrschaft  ergehenden  Verordnungen  nachzuleben  hätten, 
also  dafs  hierinn  zugleich  das  Collegium  Sanitatis,  Vorsteheramt  und  die 
Commercien,  Bau-  und  nach  Gelegenheit  Berg-  und  Admiralitäts-Collegia  und 
andere  mehr  in  eines  convertiret  wären.  Solche  Collegia  unterschiedener  Potentaten 
und  Stände  könnten  hernach  im  Namen  ihrer  Herrschaft  mit  einander  und  zumal 
mit  denen  vom  ganzen  Reich  hierzu  verordneten  Personen  correspondiren,  damit 
ein  Land  dem  andern  nicht  zu  Schaden  handle ,  sondern  alles  aufs  Beste  mit  gutem 
nachbarlichen  Vernehmen  und  zum  gemeinen  Besten  des  ganzen  Reichs  und  teutsclier 
Nation  gerichtet  würde,  da  sonst  nicht  wohl  möglich,  dals  ein  Reichs -Collegium 
allein  bey  denen  Ständen,  deren  jeder  wegen  seines  Landes  Angelegenheiten 
vigiliret  und  sich  nach  andern  schwerlicli  richtet,  gnugsamen  Ingrefs  und  Beystand 
finden  könne,  zumalen  auch  die  Objecta  sich  so  weit  ausstrecken  und  die  Gelegen- 
heiten der  Orter  so  unterschiedlich,  dafs  die  wenigen  Personen,  so  von  Reich 
etwa  bestellet  werden  möchten,  denenselben  nicht  gewachsen  seyn  könnten. 

Die  Besoldung  des  Reichs -Collegii  könnte  vermittelst  der  Provincial-Colle- 
giorum  bestens  veranstaltet  und  nach  Befinden  gewisse  Privilegia  und  Emolumenta 
dazu  gewidmet  werden,  zumal  da  die  Assessores  des  Reichs  -  Collegii  nach  Art  der 
Assessorum  Camerae  von  den  Ständen  selbst  und  also  aus  den  Provincial  -  Collegiis 
dahin  pi'äsentiret  würden. 

Der  andere  Vorschlag,  betreffend  die  Zeitvereinigung,  gehet  in  der  That 
auf  eine  Annehmung  des  neuen  Calenders,  wozu  denn  auch  die  Protestirende  viel- 
leicht mit  einigen  dienlichen  ^"el*wahrungen  und  Bedenken  endlich  zu  bewegen 
seyn  möchten,  wo  die  Sache  von  Kayserl.  Majestät  und  Reichswegen  vorge- 
nommen würde.    Ob  aber  die  Protestirende  die  Meynung  gehabt,  auf  das  Jalu-  1700 


o8  22.    Das  Concliisum  des  Corpus  Evaugelieoruiii  (23.  September  1699). 

zu  warten,  wie  in  dem  Vorschlag  gemeldet  zu  werden  scheinet,  stelle  dahin.  Es 
ist  bekannt,  dal's,  zu  geschweigen  dessen,  so  Möstlinus,  Calvisius  und  andere 
Protestirende  dem  Gregorianischen  Stylo  entgegengesetzt,  auch  sogar  an  Seiten 
der  Römisch  -  Katholischen  Vieta  zu  Paris  und  noch  letztens  Franciscus  Levera  in 
einem  zu  Rom  selbst  edirten  Buch,  und  dieser  insonderheit  wegen  des  Osterfestes 
einige  Erinnerungen  gethan,  welche  bey  solcher  Gelegenheit  in  Betrachtung  zu 
ziehen  w^ären. 

22. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  66). 

Das  Conclusum    des  Corpus    Evangelicorum    zu   Regensburg, 

23.  September   1699. 

[Nach  dem  Exemplar  im  Geh.  Staatsarchiv.] 

Nachdem  die  Calender-Verbelserung  bei  dem  Corpore  Evangelico  in  behörige 
Deliberation  gestellet  worden,  so  hat  man  einmüthig  vor  gut  befunden  und  ge- 
schlossen, dals 

1.  die  nach  dem  18.  Febi-.  st.  v.  folgende  11  Tage  des  1700.  Jahrs  in  denen 
Calendern  auszulassen  und  das  Matthiae  Fest  auf  besagten   18.  Febr.  zu  legen  sein, 

2.  die  Osterfest- Rechnung  und  was  davon  dependii-t.  in  Zukunft  weder  nach 
dem  alten  Dionysianischen,  viel  weniger  Gi'egorianischen  Cyclo,  sondern  nach  dem 
Calculo  Astronomico  (wie  ehemalen  zu  Zeiten  des  Concilii  Nicaeni  geschehen)  ge- 
macliet  werde. 

3.  die  Evangelische  Sonn-  Fest-  und  gemeine  Wochen-  und  Wercktage, 
wie  bifshei',  also  in  der  Zeit  in  eine  besondere  Columnam  gebracht  w' erden,  mit 
darübei-  gesezter  Insci'iption :  Verbefserter  Calender, 

4.  allerseits  Mathematici  Evangelici  dahin  angewiesen  werden ,  mit  denen 
K.  Schwedischen  über  die  von  Selbigen  gethane  Voivschläge  fleifsig  zu  communi- 
ciren,  ob  und  wie  sowohl  gedachte  Vorschläge,  alfs  das  ganze  Wei'ck  vollends 
zu  Stande  zu  bringen  sein  möchte, 

5.  denen  Mathematicis  ebenmäfsig  aufzugeben,  dafs  Selbige  darauf  gedencken 
sollen,  wie  künfftig  hin  und  mit  der  Zeit  der  bifsherige  abusus  der  Astrologiae 
ludiciariae  aus  denen  Calendern  bleiben  könne.  Wie  nun 

6.  diese  Calender -Veränderung  aus  der  denen  Evangelischen  Ständten  des 
Reichs  in  Sacris  et  Profanis  zustehenden  Macht  und  Gewalt  bey  dem  Corpore 
Evangelico  resolvirt  und  beschlossen  worden,  also  wäre  solches  in  denen  dieser 
Calenderveränderung  wegen  in  denen  Landen  auszufertigenden  Publications  -  Edictis 
insonderheit  anzuführen, 

7.  die  Publication  dieses  Schlufses  in  allen  Evangelischen  Landen  den  letzten 
Sonntag  vor  dem  Advent  dieses   i699ten  Jahres  zu  bewerckstelligen. 


23. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  67.  73  ff.). 

D.  E.  J ABLONSK  I,  Un terthänigster  Vorschlag  wegen  Anrichtung  eines 

Observatorii     und     Academiae     Scienciarum     in     der     Chur  -  Brau  den- 

burgischen   Residentz   (May   1700). 

[Akademisches  Archiv.] 

Es  seyn  einige  getreue  Churfürstl.  Bediente,  welche  sich  vor  Sr.  Churfl. 
Durchl.  hohe  Gloire  nicht  weniger  als  das  Aufnehmen  nützlicher  Wissenschafften  in- 
teressiren,  nachdem  sie  den  glücklichen  Fortgang  der  hier  etablirten  Kunst- Academiae 


23.    I).  E.  Jablomski,  Vorsehlag  der  zu  gründenden  Societät  (März  1700).  o9 

gesehen,  auf  die  Gedanclven  kommen,  ob  nicht  allhier  in  Sr.  Churfl.  DiU'chh  Re- 
sident/., gleichwie  in  Franckreich.  Engelland  und  China  zu  grossem  Ruhm  dortiger 
Regenten  schon  seit  vielen  Jahren  befindlich .  ein  Observatorium  umb  die  Cor jxn-a 
coelestia  und  deren  Lauff,  auch  andere  Himmelsbegebenheiten,  als  Eclipses,  Con- 
junctiones,  Cometas  ect.  zu  observiren  und  den  Calculum  astronomicum  dadurch 
zu  verbessern,  angerichtet,  und  endlich  ein  vollständig  Collegium  oder  Acade- 
mias  Scienciarum  in  Physicis,  Chimicis,  Astronomicis,  Geographicis ,  Mechanicis, 
Opticis,  Algebraicis,  Geometricis  und  dergleichen  nützlichen  Wissenschafften  nach 
und  nach  etablirt  werden  könte,  welches  Collegium  ob  erwehnte  Sciencen  auch 
hiesiger  Orten  zu  excoliren,  zu  verbessern  und  in  mehrern  Flor  zu  bringen  suchen 
möchte. 

\"on  diesen  Gedancken  hat  man  zwar  gesucht,  an  hohen  Orten  vor  weniger 
Zeit  etwas  zu  recommendiren  und  dieses  gewifslich  glorieuse  Werck,  so  viel  vorerst 
das  Observatorium  allein  betroffen,  also  zu  fassen  vorgehabt,  dafs  es  nicht  gar 
viel  zu  unterhalten  gekostet  haben  würde. 

Weil  man  aber  zugleich  die  anderweite  ohnumgängliche  Churfl.  Depences 
erwogen,  so  hat  man  nicht  insistiren  wollen,  auch  Bedencken  getragen,  an  Sr. 
Churfl.  Durchl.  etwas  in  Unterthänigkeit  deshalb  gelangen  zu  lassen,  ob  man  gleich 
Derselben  Protection  und  Faveui-  gegen  die  Wissenschafften  aus  so  vielen  Proben 
versichert  gewesen. 

Da  aber  munehr  eine  schöne  Gelegenheit  sich  hervorgethan ,  einen  sichern  und 
beständigen  Föns  zu  sothanem  Etablissement  eines  Observatorii  und  Academiae 
Scienciarum  anzuweisen  und  ohne  allen  Fehl  zu  verschaffen,  welcher  Sr.  Churfl. 
Durchl.  Intraden,  so  wenig  ordinaire  als  extraordinaire,  im  geringsten  nicht  affi- 
ciret,  imd  nicht  allein  zu  Besoldung  eines  zu  diesem  Werck  und  dessen  Unter- 
halt nöhtigen  berühmten  Astronomi,  sondern  auch  zu  Souteninmg  des  gantzen 
Etablissements,  wen  es  nicht  mit  unnöhtigen  Ausgaben  chargiret  wird,  zureichend 
seyn  kau,  und  es  nächst  deme  niu'  noch  dai-auf  ankommen  würde,  das  offt 
höchst  Gedachte  Sr.  Churfl.  Durchl.  (anstatt  andere  Potentaten  viele  Tausenden 
darauf  wenden)  blofs  und  allein  ein  Stück  eines  gewissen,  ohne  dem  schon  vor- 
handenen und  nicht  besetzten  Gebäudes,  an  welchem  noch  gebauet  wird,  zum 
Observatorio ,  auch  Conventibus  Collegii  und  zur  Wohnung  des  Observatris  an- 
richtei)    Hessen, 

so  unterstehet  mau  sich,  diesen  unterthänigsten  und  zur  Churfl.  Gloire  ange- 
sehenen Vorschlag  vor  Dero  gnädige  Augen  zubringen,  und  hoffet,  Sr.  Churfl.  Durchl. 
als  ein  Potentat,  welcher  unter  vielen  grossen  Qualitaeten  und  Inclinationen  den 
Ruhm  hat,  nützliche  Wissenschafften  zu  aestimiren  und  zu  foviren ,  werden 
denselben  in  Gnaden  ansehen  und  die  Anrichtung  eines  01)sei*vatorii  coelestis  und 
Academiae  Scientiai'um  als  ein  glorieuses  luid  in  gantz  Deutschland  bishero  von 
keinem  Kayser,  weniger  Churfürsten  unternommenes  Werck,  welches  Ihnen  nicht 
ä    Charge   seyn  wird,  in  hohen  Gnaden  resolviren. 

Es  bestehet  aber  dieses  Etablissement  quo  ad  Specialia  in  Folgendem: 

Weil  das  Observatorium  und  Academia  Scientiarum  zu  einem  beständigen  Flor 
eingerichtet  und  dabej^  erhalten  werden  müssen,  so  ist  nöhtig,  das  gesehen  werde: 

1.  auff  gute  Gesetze  und  Reglements, 

2.  auff  gelehrte,  beübte  und  bequeme  Membra, 

3.  auff  die  erforderte  Bequemigkeiten , 

4.  auff  einen  sichern  und  stetswährenden  Fonds. 

I.  Was  das  Erste,  die  Gesetze  und  Reglements,  betrifft,  so  wird  man  die, 
so  in  Franckreich  und  Engelland  gemacht  sind,  pro  norma  nehmen;  die  frantzösischen 
sind  bey  der  Hand  und  die  englischen  leicht  zu  bekommen.  Aus  beyden  aber  kan 
man,  was  sich   anhero  schückt,  seligiren  und  nach  Befinden  verändern. 


60  23.    D.  E.  Jablonski,  Vorsclilag  der  zu  gründenden  Societtit  (März  1700). 

2.    Was  die  Personen  betrifft,  so  wird  erfordert: 

(r)  nach  dem  Exeinpel  der  frantzösischen  Academie,  welche  nnter  des  Königs 
imniediater  Protection  stehet,  eine  hohe  Standesperson,  und  zwar  Seine  Churprintzl. 
Durclil.  zum  Protectore  und  Ober-Directore  unterthänigst  zu  erbitten  seyn. 

(2)  Wird  auch  ein  Praeses  Collegii  nöhtig  seyn,  welcher  eine  Person  von 
grossem  Savoir  in  Mathesi  und  bekanter  Reputation  in  der  Welt  seyn  und  dahero 
mit  Fleifs  gesucht  werden  mufs.  Dieser  müste  allezeit  von  der  Academie  in  Unter- 
thänigkeit  vorgeschlagen  und  von  Sr.  Churil.  Durchl.  gnädigst  confii-miret  wei'den. 
Wann  er  in  loco  etablirt  ist,  nuifs  er  ad  exemplum  des  Praesidis  in  Fi-anckreich 
ohne  allen  Gehalt  diesen  honoi'abeln  Posten  versehen.  W^eil  man  aber  voritzo  bey 
diesen  Anfang  des  Collegii  keinen  würdigern  als  den  Churfürstl.  Braunschweigischen 
Geheimen  Regierungs-  und  Justitz-Raht  Hrn.  Leibnitz,  welcher  ein  Membrum  hono- 
rarium  der  frantzösischen  Academie  ist,  und  dessen  grosse  Erudition  in. omni  scibili, 
auch  stupenda  Inventa  promotae  Matheseos  nicht  weniger  als  seine  herausgegebene 
Scripta  bekant  seynd,  vorzuschlagen  weifs,  derselbe  aber  abwesend  und  mit  Reisen 
besondere  Mühe  wird  übernehmen  müssen,  so  würde  er  dieserwegen  und  sonst  aus 
andern  particulir  Absehen  durch  eine  jährliche  proportionirte  Douceur.  jedoch  ohne 
Consequentz  pro  Successoribus,  zu  Übernehmung  dieses  Praesidis  zu  engagiren  seyn, 
welches  er,  wan  er  nur  jährlich  zwey  odei"  dre^anahl  herüberkomt  imd  jedesmahl 
etliche  AVochen  hie  bleibt,  die  übrige  Zeit  gar  füglich  abwesend  führen  und  dennoch 
der  Academie  Ansehen  luid  Gloii-e  machen  kan. 

(3)  Demnächst  wäi'en  die  Accademici  selbsten  auszulesen,  welche  alle  wenigstens 
in  einer  von  oben  gedachten  Sciencen  versiret  seyn  müssen. 

Die  frantzösische  Academie  hat  vier  Classes  als  Honoraires,  welche  Academici 
sind,  aber  keine  Besoldung  geniessen,  noch  iemahlen  geniefsen  können,  darunter 
sind  verschiedene  Gens  de  (jualite  et  d'eglise, 

Pension aires,  so  vom  König  besoldet  werden, 

Associes,  welche  extraordinaire  ohne  Besoldung  sowohl  ausserhalb  als  innei*- 
halb  Franckreich  hinneingenommen  werden,  und  können  jene  keine  Pensionaires 
werden. 

und  endlich  Kleves,  welche  von  denen  Academicis  angeführet  werden  und 
nach  ilu'en  Qualitaeten  steigen. 

Allhier  würde  man  vorerst  dieser  Einrichtung  nicht  zu  folgen  haben,  sondern 
es  würden  allein  zwo  Personen  mit  Besoldung  versehen  werden  döi-ffen:  Der  Praeses, 
wie  oben  gedacht,  wegen  der  dabey  fürkommenden  particulir  Consideration,  jedoch 
ohne  Consequentz  pro  Successoribus,  luid  der  Astronomus  Herr  Kirch.  Denn  dieser 
letztere  mufs  anhero  geruffen  werden,  als  ein  Mann,  der  in  Franckreich,  Engelland 
und  im  Reich  überall  wegen  seiner  grossen  Wissenschaft  in  Astronomia  und  heraus- 
gegebenen zwölffjährigen  Ephemeridum  mit  Ruhm  bekant  ist,  und  welcher  in 
Unterhaltung  dieses  Wercks  fast  alles  allein  zutragen  mus.  Dieser  wird  bey  Zeiten, 
weil  er  alt  ist,  junge  Leute  in  observando  et  calculo  astronomico  anführen  müssen, 
und  einige  dazu  bequeme  Ingenia,  welche  war  [?]  seyn,  gleichfals  mit  einiger  Douceur 
angelocket  werden. 

In  denen  übrigen  Stellen  bey  der  Academie,  so  in  Physicis,  Mathesi.  aliqua 
und  sonsten  zu  besetzen  seyn  möchten,  werden  sich  schon  hier  in  loco  capable  Sub- 
jecta  finden,  welche,  absque  salariis  recipii't  zu  werden,  sich  vor  eine  Ehre  achten 
werden.  Man  hätte  dazu  vorzuschlagen  in  IMathesi  et  Chimia  den  Hrn.  Raht  Albinum, 
in  Physicis  den  Hrn.  Chauvin  und  Doctor  Jaegevitz,  sonsten  noch  in  Mathesi  den 
Hrn.  Naude,  Hrn.  Ober-Inginieur  Bär,  in  Astronomia  observatrice  Hrn.  Hoffraht 
Rabner.  Hrn.  Hoffraht  Chuno  und  andere,  die  sich  schon  finden  werden. 

Es  könten  auch  in  dieses  Collegium  ado])tiret  werden  auswärtige  Membra, 
wie   solches   in  Franckreich   imd  Enuelland   eebi'äuchlich.     Da  wäre   der  berühmte 


23.    D.  E.  Jablonski,  Vorschlag  der  7.11  grüiKleiiden  Societät  (März  1700).  61 

von  Tschirnhauseii  in  Sachsen,  ein  und  ander  jMedicus  und  Mathematicus  auf  Chur- 
fiirstl.  Universitaeten,  der  Hr.  Professor  Matheseos  Stui-m  zu  AltorfF,  Herr  Reiher 
zu  Kiel  und  dergleichen  berühmte  Leute  hierinn  zu  nehmen,  umb  dem  Etablissement 
eine  Etendue  und  dabey  einen  Nahmen  zu  machen. 

(4)  Ferner  würde  ein  Secretarius  erfordert  werden,  welcher  der  frantzösischen, 
lateinischen  und  womüglich  der  englischen  Sprache  nel)st  der  teutschen  kündig  seyn 
nuiste,  damit  er  desto  bequemer  in  denen  Correspondentien  mit  denen  Accademiis 
Galliae  et  Angliae,  sodann  Eruditis  et  Curiosis,  sowohl  in  gedachten  Reichen  als 
auch  in  imptM-io  Germanico,  Italico,  Moscovia,  und  durch  diesen  Weg  nach  China, 
könte  gebraucht,  und  die  Observationes  und  Decouverten  zu  Verbesserung  der  Geo- 
graphie und  Astronomie  mit  einander  conferiret  werden.  Dieser  Secretarius  wüi-de 
auch  die  ProtocoUa  führen,  Inventaria  von  allen  halten  und,  wofern  man  es  nicht 
hiernächst  etwan  anders  gut  finden  möchte,  die  Gelder  der  Academie  unter  Direc- 
tion  eines  oder  des  andern  Menibri  pertinent.  berechnen,  dabey  beneben  auch  die 
Administration  des  Fonds,  dessen  Couservation,  als  durch  welchen  dieses  Collegium 
unterhalten  werden  soll,  genau  in  Acht  nehmen  und  verwalten,  und  wegen  dieser 
vielen  Mühe  ihm  eine  i-aisonnable  Besoldung  gemacht  werden  müssen. 

(5)  Es  wird  auch  ein  fiscalis  Collegii  von  Sr.  Churfl.  Durchl.  Hoff-fiscaelen, 
ohnmasgeblich  der  Hr.  Hoff- fiscal  Müller  in  der  Spandauischen  Strasse,  welcher 
ein  Liebhaber  von  dergleichen  Scientieu  ist,  zu  ernennen  seyn,  welcher  sonderlich 
wegen  des  Funds  mit  Acht  hätte,  damit  selbiger  nicht  defraudirt  würde.  Über  dafs 
müsten  auch  alle  übrige  Fiscaele  in  den  Provintien  und  hier  befehligt  werden,  über 
dem  wegen  des  Funds  zu  machenden  Reglement  zu  vigiliren. 

(6)  Endlich  würde  ein  Diener  und  Stubenhitzer  nöhtig  seyn,  welchem  etwas 
Weniges  gegeben  werden  müste. 

Was  3  tens  die  Bequemligkeiten  betrifft,  solche  bestehen 
(i)    in  dem  Observatorio   selbst, 

(2)  den  Logimentern  des  Collegii  zu  den  Zusanunenkünlften, 

(3)  der  Wohnung  des  Observatoris  Kirchen, 

soden  (4)  tens  in  Instrumenten,  Büchern,  Holtz  und  Licht  pp. 

Das  Oljservatorium  könte  am  bequemsten  auf  dem  mittelsten  Pavillon  des 
grossen  Stalles  in  dei-  Dorotheenstadt  angelegt  werden.  Solcher  Pavillon  müste 
mit  einem  Stock  noch  erhöhet,  oben  mit  Metal  oder  gutem,  gepichten  Holtz  be- 
leget, mit  einer  Gallerie  umbgeben,  mit  kleinen  versatilen  Bi'etterhäuslein  in  den 
Ecken  zu  Placir  und  Conservirung  der  grossen  Insti'umenten  versehen  und  mit 
aufifgerichteten  und  aptirten  Mastbäumen  zu  Handhabung  derTuborum,  auch  einer 
beweglichen  Stube  von  Brettern  apptiret  werden,  damit  man  sicli  des  Platzes  com- 
mode  gebrauchen  könte,  und  wird  man  deshalb  einen  Rifs  geben. 

Der  Logimenter  des  Collegii  dörfi:"'ten  nur  zwey  seyn,  eines  zu  den  Con- 
ventibus,  das  andere  zur  Bibliothec  und  Instrumenten.  Die  auflf  den  Pavillon  noch 
aufzusetzende  Etage  könte  dazu  gebraucht  werden.  Der  Observator  aber  würde 
in  eben  dem  Pavillon  die  untere  Etage  bewohnen  können;  den  dieser  mus  noht- 
wendig  dem  Observatorio  nahe  seyn,  dafs  er  ohne  Incommoditaet  zu  allen  Zeiten 
observiren  könne.  Man  hoffet,  Sr.  Churfl.  Durchl.  werden  diesen  Punct,  so  der 
eintzige  ist.  welchen  Sie  zu  Etablirung  dieses  glorieusen  Wercks  zu  übernehmen  haben, 
und  welcher,  da  ohne  dem  an  dem  Stal  noch  gebauet  wird,  nur  einen  gar  wenigen 
Zuschub  erfordert,  in  hohen  Gnaden  zu  accordiren  und  dieses  glorieuse  Dessein 
durch  ein  so  Weniges  zu  promoviren  gnädigst  geruhen. 

Die  Instrumenta  werden  sich  schon  finden.  Vorerst  könte  ein  grosser  eiserner, 
mit  Messing  belegter  Quadrant  gemacht  werden.  Es  ist  auch  schon  ein  guter  von 
Holtz  4  Schuch  im  Radio  hier  zu  bekommen;  item  ist  zu  Leipzig  ein  dergleichen 
grosser  von  Eisen  zu  haben.     Ein  Paar  gute  Perpendiculuhren  könten  aus  der  Uhr- 


62  23.    D.  E.  Jablonsivi,  Vorsclilag  der  zu  gründenden  Societät   (März  1700). 

kaniiner,  allwo  ein  Uberllufs  ist,  hergegeben  werden.  Ein  scliüner  Tubus  von  20  Fufs 
praeter  propter,  so  von  Campani  in  Rom  gemacht,  findet  sich  unter  den  Churfürstl. 
Sachen  beym  Zeugwarter.  Herr  Kirch  hat  selbst  gute  Tubos  bis  30  Schuch,  so  er 
fournii-en  kan.  Item  ist  noch  ein  anderer  von  12  Schuen  und  noch  kleinere  auf  der 
Kunstkammer,  woselbst  auch  noch  ein  und  anderes,  obgleich  nicht  grosses,  doch 
nützliches  mathematisches  Instrument  zu  finden,  so  bejan  Observatorio  und  der 
Academie  mit  Nutzen  zu  gebrauchen  seyn  möclite.  Globi  könten  von  der  Bil)liothec 
hergegeben,  woselbst  auch  die  Gerickische  Instrumenta  ad  demonstrationem  vacui 
vorhanden  und  der  Academie  abgegeben  werden  müsten.  Aus  der  Uhr-  und  Kunst- 
kammer würde  man  auch  ein  oder  andere  Sp[h]aeram  armillarem  nehmen  können. 

Was  die  Bücher  betrifft,  so  hätte  die  Academie  nicht  nöthig,  von  alten 
Büchern  was  zu  kauffen,  den  solche  könte  sie  aus  der  Bibliothec  erborgen  und 
mit  den  Bibhothecariis  ein  richtig  Verzeichnüfs  darüber  halten;  die  neuen  mathe- 
matischen Bücher  und  Observationes  würden  gekaufft  werden  müssen,  und  dafs 
Meiste  würde  durch  Correspondenz  mit  andern  auszurichten  seyn.  Solche  Corre- 
spondenz  würde  nicht  nur,  wie  oben  gedacht,  mit  den  frantzösischen  und  englischen 
Accademien,  item  Eruditis  et  Curiosis  in  allen  Ländern  von  allerley  Materien, 
sondern  aucli  secundfi  conchisum  Ratisbonense  mit  denen  correspondirenden  Ma- 
thematicis  in  dem  Calender-negotio  geführet  werden  müssen,  und  könten  Sr. 
Churfl.  Durchl.  in  dem  Postgeld  ihnen  eine  Douceur  wiederfahren  lassen. 

Das  Holtz  würde  man  von  Sr.  Cliurtl.  Durchl.  erbitten.  Licht  und  andere 
Kleinigkeit  würden  sich  schon  selbst  finden. 

Was  nun  zu  dieser  Einrichtung  ausser  dem  Bau  des  Observatorii  und  anderer 
wenigen  Bej^hülffen  nöhtig  seyn  möchte,  dazu  wird  folgender  Fonds  vorgeschlagen 
und,  solang  man  die  Sache  nicht  allzu  weit  extendirt,  süffisant  seyn. 

Es  ist  bekant,  dafs  durcii  einmühtigem  Reichsschlus  das  Calenderwesen  endlich 
auf  einen  vei'besserten  Fufs  gerichtet  worden.  Weil  nun  solchem  nach  der  astro- 
nomisclie  Calcuhis  die  Norma  des  Calenderwercks  und  Festorum  mobilium  seyn 
soll,  denselbigen  aber  so  gar  wenige  leyder  verstehen,  so  ist  e  dignitate  sowohl, 
als  necessitate,  dafs  diese  astronomische  Calenderrechnung  in  denen  ChurfürstL 
Brandenburgischen  Landen  einem  in  Astronomia  et  Calculo  geübten  Mann  allein 
und  privative  auffgetragen  werde,  der  Gestalt,  dafs  neben  ihm  kein  anderer  sich 
damit  zu  mehren  gelüsten  lassen  dürffte.  Denn  was  bishero  gemacht  worden,  ist 
exceptis  paucissimis  ein  blosses  Ausschreiben  aus  denen  Ephemeridibus  coelestibus 
und  ein  abgeschmacktes,  salbaderisches  Indiciren  und  Prognosticiren  gewesen,  deme 
man  bisweilen  wohl  einige  Historica,  mehren theils  aber  solche  fingirte  Lügen  imd 
schandbahre  Possen  beygefüget,  dafs  es  ein  Oprobiium  und  Schande  vor  der  Welt 
und  nicht  ohne  Ärgernüfs  ist,  dergleichen  liederliche  Calender  zu  sehen.  Damit 
nun  dieser  Bettel  und  Betrug  aboliret  mid  denen  ungelehrten  und  unverschämten 
Stimpleren,  welche  sich  mit  Ausschreiben  behelffen,  ihr  LTnfug  auf  einmahl  gelegt 
werde,  dabey  auch  aus  dem  Calenderwesen  zu  der  in  Vorschlag  gebrachten  Aca- 
demia  Scientiarum  einiger  Nutzen  geschafft  würde,  so  inüste  per  edictum  in  allen 
Churfürstl.  Provincien,  inclusive  des  Hertzogthums  Preussen,  ausgeschrieben  werden, 
das  kein  Buchführer,  Buchdrucker  oder  Buchbinder,  noch  sonst  jemand  einigen 
Calendei-,  er  sey  auch,  von  wem  er  wolle,  zum  Drucken  annehmen,  erhandeln, 
vei'legen  oder  auch  anderwerts  gedruckte  verkauffen  solle,  als  allein  die  so  vom 
Chiu'fürstl.  Observatore  verfertiget  und  mit  einem  gewissen ,  alle  Jahr  zu  verändern 
gut  gefundenem  Kupfer  gedruckt  und  ihnen  zugesand  werden.  Die  aber  diesem 
zuwiederhandeln,  solten  der  gedruckten  oder  eingeführten  Exemplaren,  welche  sie 
eydlich  anzugeben  angehalten  werden  müsten,  nicht  nur  verlustig,  sondei'n  auch  in 
eine  Sti-affe  von  100  Thlr.  verfallen  seyn,  davon  ^  dem  Delatori,  -^  dem  Fiscal, 
•J  vor  die  Armen,  ^  der  Academie  verfallen  sej^n  soll. 


"23.    D.  E.  Jaklonski,  Vorschlag  der  7ai  gründenden  Societät  (März  1700).  GB 

Wen  aber  jemand  der  Coiu'iositaet  halben  nnd  wen  sonderl.  auch  an 
anderen  Orten  Observatoria  solten  anfferichtet  werden,  von  auswärtigen  guten 
Kalendern  haben  wolte,  müste  selbiger  bey  der  Academie,  welche  und  kein  anderer 
solche  kommen  lassen  mus ,  sich  angeben .  doch  dal's  er  das  Duplum  dessen  bezahle, 
was  die  Churfürstl.  verbesserte  Calender  kosten  werden,  damit  auswärtige  Calender 
soviel  müglich  abgehalten  werden;  und  würden  durch  dieses  Mittel  viele  tausend 
Thaler,  welche  itzund  vor  Leipziger,  Altorffer,  Nürnberger  und  dergleichen  fi'emde 
liederl.  Calender  aus  dem  Lande  gehen,  darin  behalten  und  anstatt  dessen,  wann  unsere 
Calender  courieus  und  gut  sind,    fremdes  Geld  ins  Land  gebi-acht  werden  können. 

Dieses  Monopolium  der  Calendermacherey  in  Churfürstl.  Landen  kan  nicht 
invidieus  seyn,  i.  weil  es  dahin  abzielet,  die  liederliche  Calender  aus  dem  Lande  zu 
bringen  und  2.  gute  anderen  statt  einzuführen,  3.  weil  so  wenig  Leute  den  Cal- 
culuni  astronomicum  verstehen  und  die  es  verstehen,  sich  wegen  der  grossen  Mühe 
nicht  damit  bemengen  wollen.  Daliero  Niemanden  Tort  geschiet,  die  Imperiti  und 
Stimpler  aber  werden  mit  Recht  aljgewiesen.  Welches  zu  thun  und  diesen  Abusum 
aufzuheben,  ein  Landesherr  berechtiget  ist,  wie  den  auch  4.  das  Exempel  in 
Sachsen  schon  vorhanden.  Anstat  aber,  dals  daselbst  5.  der  Profit  einem  eintzigen 
geldsichtigen  Buchführer  in  den  Hals  gejagt  und  die  Arbeit  nur  einem  jungen 
Studioso,  so  vor  diesem  bey  Her  Kirchen  gelernet,  aufgetragen  worden,  so  ist 
weit  besser,  dafs  solcher  Profit  allhier  zu  einem  so  schönen,  glorieusen  und  nütz- 
lichen Etablissement  angewendet  werde.  6.  würde  man  sonsten  in  Sr.  Churfürstl. 
Durchl.  Lande,  weil  Sachsen  keine  andere  als  seine  privilegirte  Calender  duldet, 
alles  unnvitze  Zeug  einführen  und  debitiren.  7.  känen  sich  die  Professores  Ma- 
theseos auf  denen  Churfürstl.  LTnivei'sitaeten  diese  Verordnung  nicht  verdriessen 
lassen;  den  deren  keiner  mus  sein  Privatinteresse  dem  bono  publico  und  der 
hierunter  versirenden  gloriae  Principis  vorziehen.  Zu  dem  hat  deren  keiner  jeh- 
mahlen  mit  Ausrechnung  der  Ephemeridum  coelestium  seit  Origani  Zeiten  sich 
bemühen  wollen,  und  thun  sie  auch  weit  bessei",  ihrer  Profession  docendo  wahr- 
zmiehmen,  als  ausgeschriebene  Calender  herauszugeben.  Den  wan  sie  auch  schon 
alles  dai-in  astronomice  rechnen  wolten  und  könten ,  so  würde  es  ihnen  doch  an 
der  Zeit  fehlen;  solten  sie  aber  Lust  haben,  Ephemerides  zu  rechnen,  so  bleibt 
ihnen  solches  frey.  8.  ist  dieses  ein  Mittel,  die  in  dem  Reichs -concluso  anbefohlene 
Corresjoondenz  im  Calenderwerck  mit  denen  darin  correspondirenden  Mathematicis 
mit  desto  besserer  Autoritaet  zu  führen.  9.  wird  solches  auch  verhindern,  dafs, 
wen  ein  commune  Collegium  in  Deutschland  zum  Observiren  solte  aufgerichtet 
werden,  man  Sr.  Churfürstl.  Durchl.  Älathematicos  und  Astronomü  Observatore 
davon  nicht  ausschlüfsen  dürfte,  sondern  mit  zuziehen  müsse;  welches  Sr.  Churfürstl. 
Durchl.  honorabel  und  an  sich  billig  ist.  Den  auch  der  Hr.  Kirch  gewifs  der  beste 
und  geübteste  Astronomus  in  gantz  Deutschland  ist,  und  folget  hieraus  auch,  dafs, 
weil  Sr.  Churfürstl.  Durchl.  selbst  Leute  liaben  werden,  welche  dem  Calenderwesen 
gewachsen,  Sie  nicht  nöhtig  haben  zu  consentiren,  dafs  das  Monopolium  der 
Calendermacherey  durch  gantz  Deutschland  nur  zweyen  oder  dreyen  Leuten  gegeben 
werde,  als  dem  Professor  Meyer  zu  Regenfpurg,  dem  Professor  Hornberg  zu  Jena 
und  Professor  Stürmen  zu  Altorff,  welche  dieses  affectiren,  aber  von  denen  man 
noch  nichts  Astronomisches  gesehen,  welche  auch  über  dafs  bey  der  neuen  Ein- 
richtung des  Calenders  viele  Fauten  begangen.  Hingegen  hat  Hr.  Kirch  12jährige 
Ephemerides  coelestes  allein  calculiret  und  suis  sumjDtiluis  verlegt,  hat  unter  dem 
berühmten  Itevelic  zu  Danzig  die  Astronomie  und  Observationes  angefangen  und 
mm  seit  40  Jahren  von  der  Astronomie  beständig  Profession  gemacht ,  über  3  2  Jahr 
Calender  verfertiget  und  viele  Bände  Observationes  colligiret. 

Wen  S.  Churfürstl.  Durchl.  dieses  Collegium  etabliret  haben,  als  den  dörffen 
Sie  sich  im  Calenderwerck  nichts  vorschreiben  lassen,   sondern  man    wird   solches 


64  23.    D.  E.  Jaelonski,  Vorschlag  der  zu  gründenden  Soeietät  (März  1700). 

nitro  zu  Rahte  ziehen,  und  können  S.  Chui'fürstl.  Durclil.  das  Geld,  welches  Sie 
zum  Unterhalt  eines  (Jbservatoi-ii  communis  in  Deutschland  pro  i-ata  geben  müsten, 
lieber  ihren  eigenen  weit  capablei-en  Leuten  geben  und  dadurch  dieses  Etablissement 
der  Academie  beneficiren,  als  es  in  eine  ungewisse  und  leicht  hinfällige  Reichs- 
administration hingeben. 

Wenn  nun  das  Verbot  gescheen,  daJs  in  allen  Churfürstl.  Landen  keine 
andere  Calender  verkaufft  werden  sollen,  als  die  Sr.  Churfürstl.  Durchl.  Astronomus 
verfertiget  hat,  und  unter  obiger  Straft"  darüber  gehalten  wird,  so  kau  daraus  eine 
genügsame  Summe  zu  Unterhaltung  der  Academie  ü])erschiessen.  Den  wen  von 
jedem  grossen  Calender  i  guter  Groschen,  von  jedem  kleinen  aber  6  Pf.  Profit  nach 
Abzug  aller  Unkosten  gefallen ,  so  würde  von  40000  grossen  und  40000  kleinen 
Calendern,  welche  in  Sr.  Churfürstl.  Durchl.  Landen  commode  debitirt  werden 
können,  eine  Summe  von  2500  Thlrn.  erfolgen  und  denen  Buchbindern  doch  ein 
Profit  dabey  gelassen  werden  können  und  ihre  Nahrung  nicht  geschmählet  werden. 
Von  welcher  Summe  folgend  Ausgaben  zu  thun  wären: 

1.  dem  Praesidi  Hrn.  Leibnitz,    doch  ohne  Consequentz    pro  Successoribus, 

2.  dem  Hrn.  Kirch  und   wer  nach  ihm    diesen  Posten    als    den    mühsamsten 
haben  Avürde  —  500  Thlr. 

3.  zu  Büchern, 

4.  zu  Instrumenten, 

5.  auf  Experimenta, 

6.  auf  Drucklohn  vor  der  Academicorfi  kleine  Tracttätlein, 

7.  dem  Secretario,  welcher  grosse  Mühe  haben  wird, 

8.  dem   Diener, 

9.  denen  in  Astronomia  anzuführenden  jungen  Leuten. 
10.  vor  Kleinigkeiten. 

Solte  diese  Sache  mit  der  Zeit  durch  Debitirung  der  Calender  in  fremden 
Landen  ein  mehrers  als  die  vorgesetzte  Same  abwerffen  und  Sr.  Churfüi'Stl.  Durchl. 
wollen  hiernechst  auch  aus  denen  Straffgefällen  etwas  hinzu  thun,  auch  dasjenige 
beylegen,  was  Sie  sonst  ad  commune  Observatoriü  Germaniae  pro  rata  Ihrer 
grossen  Lande  der  mahl  eins  contribuiren  müsten,  so  könte  man  künfi'tig  dahin 
bedacht  seyn,  gleich  Franckreich  gute  Observatores  und  Mathematicos  in  entfernte 
Lande,  etwan  zu  Lande  durch  Moscau  und  zu  See  über  Batavia  nach  China  zu 
senden,  welche  daselbsten  zugleich  die  Ehre  Gottes  durch  Fortpllantzung  des  reinen 
christl.  Glaubens  befordern  könten.  Zu  welchem  Ende  diese  Leute  gute  Theologi 
seyn  und  mit  eben  denen  Subsidiis  wie  die  dort  befindliche  Jesuiten  vollkommen 
instruiret  und  ausgerüstet  seyn  müsten.  Gleich  wie  dieses  vor  dem  allmächtigen 
Gott  ein  sehr  angenehmes  Werck  seyn  würde,  also  ist  auch  kein  Zweifel,  selbiger 
würde  es  segnen  und  Sr.  Churfürstl.  Durchl.  hohes  Haus  und  dessen  Scepter  be- 
festigen und  erweitern.  Und  was  für  eine  Glorie  würden  S.  Churfüi-stl.  Durchl. 
von  einer  solchen  gottseeligen  Entreprise  vor  der  gantzen  evangelischen  Welt  haben, 
wenn  von  Ihnen  gesagt  werden  könte,  dafs  Sie  der  eintzige  evangelische  Potentat 
wären,  der  sich  die  Fortpllantzung  des  reinen  christl.  Glaubens  unter  denen  Un- 
gläubigen zu  der  Ehre  des  grossen  Gottes  angelegen  seyn  lasset. 

Es  müste  zu  jetzt  angeführten  Zweck  alles  bey  der  Academie  etwa  erüberte 
und  ersjjarte  Geld  derselben  bleiben  und  gelassen ,  auch  unter  keinerlei  Praetext, 
es  sey  ad  pias  causas  oder  sonsten ,  darüber  disponiret  werden.  Den  dieses  Dessein 
ist  an  sich  so  pium  et  caritati  christianae  a.deo  congruum  et  proprium,  das  nichts 
auf  der  Welt  gottseeliger  sein  kau. 

Wann  auch  kunlftig  es  dahin  gebracht  werden  kc'inte,  dafs  auswertige  be- 
riihmte  Leute  anhero  vocirt  und  ihnen  solche  Bedienungen  bey  der  Bibliothec, 
l'redigamt  und  sonsten  gegeben  würden ,    wobey    sie    zugleich    membra   Academiae 


24.    D.  E.  Jaf.i.on.ski  ,   Kürzere  Form  des  Societäts- Vorschlags  (März  1700).         65 

Scientiaruni  .ihstjue  salariis  seyii  künten,  so  würde  dieses  Werck  endlich  mit  andern 
de  gloria  und  mn  den  Vorzug  lectiren  können. 

Die  eigentliche  Einrichtung  des  Calenderverlags  wird  man  schon  der  Gestalt 
fassen,  dals  sie  das  Publicum  nicht  beschwere,  den  Buchbindei^n  ihre  Nahrung 
und  von  dem  Verkauft'  der  Calender  gehabten  Gewinn  nicht  schmählern  und 
dennoch  ob  gedachten  Profit  eintrage,  wovon  man  hiernächst  das  Project  auch 
comniuniciren  wird. 

Es  müste  aber  von  allen  Dingen,  damit  andere  das  Werck  nicht  hindern  und 
S.  Churfürstl.  Durchl.  zuvorkommen,  auch  der  Galender  auf  künff'tiges  1701*«  Jahr 
von  dem  Churfürstl.  Astronomo  bey  Zeiten  ^'erfertiget  luid  herausgegeben  werden 
könne,  eine  baldige  Resolution  zum  Avenigstens 

1.  wegen  Engagirung  des  Hrn.  Kirchen, 

2.  wegen  Publicirung  des  Edicti  genommen  werden,  damit  die  Buch[l)inderj  sich 
nicht  mit  andern  Calendern  providiren  als  den  Schaden  leiden,  sonderl.  aber,  damit 
Hr.  Kirch,  als  der  eintzige  rechtschaffene  Astronomus  in  gantz  Deutschland,  nicht 
von  einem  andern  Potentaten  engagiret  werde  und  uns  entgehe.  Denn  dieser  Mann 
mufs,  wie  oben  gedacht,  das  gantze  Werck  mit  seiner  Arbeit  unterhalten  und, 
weil  er  alt,  bey  Zeiten  angenommen  werden,  damit  er  junge  Leute  unverzüglich 
der  Gestalt  anführen  möge,  dafs  sie  nach  seinem  Abgang  die  Arbeit  zu  continuiren 
und  was  Rechtschaffenes  zu  praestiren  gewachsen  seyn  können.  Inzwischen  wii-d 
man  auf  den  Rifs  des  Observatorii  bedacht  seyn. 

Es  sind  diese  Voi-schläge  so  glorieuse  vor  Sr.  Churfürstl.  Durchl.,  so  wohl 
gemeint  zu  der  Ehre  Gottes,  so  nützlich  zum  Aufnehmen  der  Sciencen  und  da- 
neben wegen  des  ausgefundenen  Fonds  zum  Unterhalt  so  facile,  dafs  man  nicht 
zweiffeit,  es  werde  S.  Churfürstl.  Durchl.  dieselben  gnädigst  aggreiren  und  ein 
oder  andern  Ministrum  in  hohen  Gnaden  benennen,  welchem  diese  Sache  mit 
mehreren  Umbständen  vorgestellt  und  mit  selbigem  alles  ohne  Zeitverlust  zur  Per- 
fection  gebracht  werden  könne. 


24. 

(Vergl.  Cieschic-litc  der  Akademie  S.  67.  73  ff). 

D.  E.  J  A  üLONSKi.  Unterthänigster  \"orschlag.  welcher  Gestalt  aUhier  in 
Berlin  ein  O b s e i' a' a t o i' i u m  u n d  A c a. d e m i a.  8 c i e n t i a, r u m  ohne  Ab g a, n g  d e r 
Churfürstl.  Intraden  etablirt  und  erhalten  werden  können  (März  1700). 

[Akademisclies  Archiv.] 

Es  hat  Franckreich  und  Engelland,  ja  sogar  China  und  Siam  bisher  allein 
den  Vorzug  und  Gloire  in  der  Welt,  dafs  daselbst  durch  genereuse  IMunificentz 
doi'tiger  Könige  theiis  Observatoria  zu  Observirung  der  Himmelscörper  und  Ver- 
bessertuig  der  Astronomie,  theiis  Academiae  Scientiarum,  theiis  auch  beyderley 
zusammen  etablirt  sind  und  seit  vielen  Jahren  im  höchsten  Grad  lloriren.  Je  weniger 
nun  andere  Potentaten  in  Ansehung  der  darzu  i'ecjuirirten  grofsen  Kosten  dariuiter 
gefolget,  je  glorieuser  würde  es  Seiner  Churfürstl.  zu  Brandenburg  seyn,  wan 
Selbige  dergleichen  Etablissement,  so  bishero  in  uuserm  Teutschland  von  keinem 
Kayser,  weniger  Churfürsten,  unternommen  worden,  in  dero  Residentz  auffzurichten, 
in  holien   Gnaden  geruhen  wolten.  , 

Und  weiln  i.  ausser  dero  darunter  versirenden  Gloire,  2.  dieses  schöne  Wei'ck 
zu  einem  grossen  Nutzen  des  Landes  und  Wissenschafften,  auch  Auffnuuiterung  der 
Ingenioruin  dienen  würde,  daneben  auch  3.  also  gefasset  werden  kan,  dafs  es 
durch    einen    ausgefundenen    sichern  und    perpetuirlichen  Fonds  ohne  allen  Abgang 

Geschichte  der  Akademie.    II.  5 


6()         24.    ü.  E.  Jablonski,    Kürzere  Form   des  Societiits- Vorschlags    (Miirz  1700). 

der  Churfürstl.  Intraden  beständig  unterhalten  werden  kan,  so  zweiffeit  man  nicht, 
höchst  gedachte  Seine  Churfürstl.  Durchl.,  die  den  Ruhm  ohne  dem  haben,  ein  hoher 
Patron  und  Protector  aller  guten  Künste  und  Wissenschaff"ten  zu  seyn,  werden 
diesen  zu  Dero  Gloire  am  allermeisten  abgesehenen,  unterthänigsten  imd  nützlichen 
Voi'schlag  in  liohen  Gnaden  zu  aggreiren  und  durch  Dero  gnädigste  Approljation 
dieses  schöne  Dessein  zum  erwünschten  P]ftect  zu  bi-ingen  geruhen. 

Es  bestellt  aber  quoad  specialia  in  Folgendem:  zu  dem  Observatorio  und 
Academia  Scientiarum  werden  erfordert 

I.  gute  Eeglemens, 

II.  gelahrte  und  geübte  Leute, 

III.  verschiedene  Bequemligkeiten  und 

IV.  der  Fonds  zum  Unterhalt. 

I.  Quoad  primum  würde  man  das  frantzösische  bey  die  Hand  gebrachte 
Reglement  nebst  dem  englischen  pro  fundamento  nehmen  und  nach  hiesiegen  Umb- 
ständen  ändern. 

II.  Quoad  secundum  würde  man  vor  allen  Dingen 

1.  Seine  C'hurprintzl.  Durchh  zu  Brandenburg  zum  Protectore  und  Ober- 
Directoi'e  erbitten  und  nechst  diesem 

2.  einen  in  Mathesi  excellirenden  und  in  der  Welt  berühmten  Praesidem 
haben  müssen,  damit  gleich  bey  dem  Anfang  der  Sachen  dadurch  ein  Naiunen  ge- 
macht würde.  Dieser  Praeses  mufs,  woferne  er  ohne  dem  hier  in  loco  etablirt,  dieses 
Officium  gleichwie  in  Franckreich  ohne  Gehalt  versehen.  Weil  man  aber  voritzo 
einen  auswertigen  und  [zwar]  den  Churfürstl.  Brauuschweig.  Geheimen  Regierimgs- 
und  Justitz-Raht  Leibnitzen  zu  Hannovei",  so  ein  Membrum  honoi-arium  Academiae 
Gallicae,  ob  stupendam  eruditionem  in  Mathesi  et  omni  Scibili  wird  nehmen,  und 
derselbe  bey  dieser  Function  jährlich  einige  Reysen  anhero  thun  müssen,  so  ist 
billig,  dafs  ihm,  jedoch  ohne  Conse(juentz  pro  Successoribus,  deshalb  eine  jährliche 
Douceur  gegeben  werde.     Was  die  andere  Academicos  betritft,  so  wäre 

3.  in  Astronomia  observatrice  sowohl,  als  calculo  astronomico  der  Herr 
Gottfi'ied  Kii'ch  zu  Guben,  so  der  beste,  ja  der  eintzige  rechtschaffene  Astrononuis 
in  gantz  Deutschland  und  durch  seine  12jährige  Iilphemerides  auch  in  fremden 
Landen  mit  Ruhm  bekant  ist,  auch  40  Jahr  dieses  Studium  geti-ieben,  mit  einer 
raisonablen  Gage  zu  bestellen  und  neben  ihm  noch  andere  zu  Mit-observatoren, 
die  sicli  hier  in  loco  schon  finden  lassen,  zu  ernennen.  Gedachter  Kirch,  weil 
er  alt  ist  und  dessen  Stelle  ratione  fimdi  die  importanteste  beym  gantzen  fundo  ist, 
muss  junge  Leute,  die  ihm  hiernechst  succediren  können,  anführen. 

4.  In  Physicis,  Chymicis,  Mechanicis,  Metallicis,  Algel)i-aicis,  Geometricis, 
Üpticis  p.  wird  mau  hier  schon  finden,  welche  alle,  ohne  Sold  reci])iret  zu  werden, 
sich  vor  eine  Ehre  achten  werden;  auch  können  Auswertige  als  Membra  honoraria 
gleichfalls  ohne  Besoldung  nüt  hierein  genommen  werden. 

5.  Mufs  auch  ein  Secretarius,  so  das  Protokoll,  Inventai'ia  und  Correspondentzen 
im  Calenderwesen  nach  dem  Reichs -concluso,  item  mit  andern  Academiis,  auch 
Eruditis  bis  gar  durch  Moscau  nach  China  in  latein.,  französch.,  engel.  oder  teutscher 
S[)rache  führen  kan,  angenommen  und  ihm  wegen  solclier  Mühe  und  sonderlich, 
weil  er  die  Rechnung  über  den  Funduin  fiilu-en  und  dessen  Administi'ation  imter 
Inspection  anderer  verwalten  mufs,  eine  proportionirte  Besoldung  gegeben  werden. 

6.  Ist  auch  ein  Fiscalis  nöhtig,  und  müssen  auch  alle  übrige  Fiscaele  be- 
fehliget werden,  darüber  zu  vigiliren,  dass  der  Fundus  nicht  defraudirt  werde. 

7.  Wird  auch  ein  Diener  erfordert,  dem  gleichfalls  etwas  zu  geben. 
HL    Unter  denen  Be([uemligkeiten  verstehet  man : 

I.  das  Observatorium  selbst,  worzu  der  mittelste  Pavillon  des  grofsen  Stalles 
in  der  Dorotheenstadt  vorgeschlagen  wird.     Dieser  müste  noch  mit  einer  Etage  er- 


24.    I).  E.  Jaklonski,  Kürzere  Form  des  Societäts- Vorschlags  (März  1700).         67 

höhet  und  über  demselben  das  Observatorium  ohngetahr  nach  beygehendem  Ril's 
angerichtet  werden,  welches  das  eintzige  wäre,  so  Seine  Churfürstl.  Durchl.  zu 
diesem  grossen  und  glorieusen  Werck  beyzutragen  hätten.  Die  Logementer  dieses 
ausgesetzten  neuen  Stocks  würden  zu  den  Conventibus,  BibUothec  und  Instrument- 
Kanuner  genung  seyn.  In  dem  Stock  darunter  müste  der  Astronomus  Kirch,  welcher 
dem   Observatorio  nahe  seyn  mus,  seine  Wohnung  haben. 

2.  werden  verstanden  Instrumenten,  so  sich  folgender  Gestalt  finden:  Ein 
Paar  Globi,  auch  Gericken  Instrumenta  vacui  von  der  BibUothec,  ein  Paar  guthe 
Uhren  von  der  Uhrkammer;  Tubi  beym  Zeugwarter  Heitz  und  auf  der  Kunstkammer. 
Ein  grosser  Quadrant  und  Sextant  müssen  verfertiget  werden;  alte  mathematische 
und  andere  Bücher  wäi-en  ex  Bibliotheca  zu  erlehnen,  neue  aber  zu  erkauifen. 

IV.  Was  endlich  den  Fonds  zum  Unterhalt  dieses  Wercks  betrifft,  solcher  be- 
stehet in  einem  von  der  Academie  vorzunehmmenden  Verlag  derer  vom  churfürstl.  Astro- 
nomo  verfertigten  Galender,  welche  man  denen  Buchbindern  der  Gestalt  A'erkauffen 
wird,  dais  diese  einen  raisonablen  Profit  behalten,  vor  die  Academie  aber  dennoch  auf 
jeden  grossen  Kalender  i  Sgr.  und  jeden  kleinen  etwan  6  Pf.  überschiesse,  welches 

von  40000  grossen i6664  Thlr. 

von  40000  kleinen 833+ 

2500  Thlr. 
abwerffen  würde,  doch  mufs  darneben  durch  ein  Generaledict  in  allen  Churfürstl. 
Landen  verbohten  werden,  dafs  sonst  niemand  Calender  verlegen  oder  drucken 
lassen  dürffte  als  privative  die  Academie,  und  dafs  niemand  anders  Galender,  als 
von  derselben  vei-legt,  kauffen  und  verkauffen  soll  bey  Straff  der  Exemplarien 
und  100  Thlr.  an  Gelde  so  der  Verkäuffer  und  6  Thlr.  so  der  Käuffer  erlegen  soll, 
welche  unter  den  Delatoren,  den  Fiscal,  so  es  eingetrieben,  die  Armen  und  die 
Academie  zu  theilen,  welches  stricte  zu  exsequiren  wäre;  sonst  würde  der  Unterhalt 
der  Academie  fallen  ,  und  man  nur  Spott  davon  haben. 

Von   solchen  Calendergeldern    nun  werden  folgende  Ausgaben  zu  thun  seyn: 

1.  dem  Praesidi  ohne  Consetjuentz  in  futuro 500  Thlr. 

2.  dem  Astronomo   500 

3.  denen    Eleves,    welche    sonderlich    in    Astronomia    gleich    im 

Anfang  anzuführen 200      » 

4.  dem  Secretario 300 

5.  dem  Diener  ....    60 

zu  Instrumenten 200 

zu  Büchern 200 

auff  Experimenta .  200 

Drucklohn  vor  Tractätlein  der  Academie 100      » 

auff  Correspondentz,  wobey  Seine  Churfürstl.  Durchl.  eine  Dou- 

ceur  könten  widerfahren  lassen 100      » 

Holtz  mus  man  erbitten — 

vor  Kleinigkeiten 50 

pro  Praeniiis  an  Medaillen  oder  sonst  auszutheilen  bey  der 
anfänglichen  Einrichtung  des  Fundi,  auch  Disposition  und 
Bau  des  Observatorii  würde  jemand  vor  die  Ins2)ection,  doch 
nur  extraordinarie  ohne  Consequentz  pro  futuro,  auf  wenige 
Jahre  gegeben  werden  müssen 100 

Suni.      2510  Thlr. 

Ob   nun    zwar   diese  Sunnna    etwas    höher   als    die  Einkünffte  des  Fundi,    so 

wird    man    docli    solches    bei    einem    oder  andern  Posten  zu  nienagiren  suchen  und 

ein  Jahr  dem  andern    zu  Hülffe  nehmen.     Mann  wird  aber  im  ersten  Jahr  so  viel 


K* 


68  25.  26.    Briefe  an  D.  E.  Jablonski  (19.  und   12.  März  1700). 

niöglicli  menagiren,  damit  man  einen  Fonds  zum  Calenderverlag  behalte.  Die 
Vei-biethung  aller  übrigen,  mehrentheils  liederlichen  und  ärgerlichen  Calender  i.  ist 
billig  und  zidässig  aus  vielen  ührsachen ,  sonderlich  weil  auch  dadurch  viel  Geld  in 
fremde  Lande  gezogen  wird,  2.  das  Exempel  in  Sachsen  vorhanden;  dort  aber 
profitirt  nur  ein  Buchfiihrer,  hie  aber  die  Cliurfürstl.  Gloire  durch  ein  schönes 
Etablissement.  3.  Wann  künff'tig  im  Reich  Calendersachen  vorgehen,  wird  man 
Seiner  Churfiii-stl.  Din-chl.  Collegiuni  ultro  mitzuziehen  und  nicht  vorbevgehen 
können,  noch  dürften.  Weil  nun  dieses  Etablissement  so  glorieuse,  so  nützlich  und 
wegen  des  Fvmdi  so  f'acil  ist,  so  wird  an  Churfürstl.  gnädigster  Approbation  niclit 
gezweiffeit,  dabey  aber  unterthänigst  gebäten,  dieses  Werck  quoa'd  vocationem  des 
Astronom!  Kirchen  und  Publication  des  Edicti  zu  beschleunigen,  damit  i.  dieser 
Mann,  welcher*  dui'ch  seine  Arbeit  das  Werck  allein  unterhalten  muls,  nicht  von 
einem  andern  Potentaten  hinweggefischet  werde,  und  2.  die  Calender  bev  Zeiten 
fertig  seyn  könnep,  ehe  sich  3.  die  Buchbinder  anderwerts  providiren  und  in  Kosten 
und  Schaden  bringen. 


25. 

(Vcrgl.   Gescliichte  der  Akadeinir  S.  76). 

Brief  des  iNIaitre    des  Recfuetes  Moriz    v.  Wkdei,    an    den  Hofprediger 

Jablonski    vom    19.  März    1700. 

[Kappchs  Sammlung  u.  s.  w.    S.  150.] 

Hochwürdiger,  hochedler  und  hochgelahrter, 
hochgeehrtester  Herr  Hofprediger,  werthester  Gönner! 
Sr.  Churf.  Durchl.  haben  gnädigst  resolviret,  eine  Academie  des  Sciences  und 
ein  Observatorium,  wie  voi'geschlagen ,  in  Berlin  zu  etabliren,  welches  in  Eyl  hiermit 
melde  und  particularia  reservire,  bifs  ich  die  Ehre  habe,  meinen  hochgeehrten  Herrn 
Hofprediger  zu  sprechen,  der  ich  bin 

Ew.   Hochehrw ürden 

bereitwilligster  Diener 
M.  V.  Wedel. 
Oranienburg,  den   19.  März   1700. 


26. 

(Vfrgl.  Geschichte  der  Akademie  S.  77). 

Leibniz,    Brief  an    den    Hofp  redig  er   Jablonski    vom    12.  INIärz    1700. 
[IvAPPens  Sainmlung  u.  s.  w.    S.  145  f.] 

.  .  .  Höre  auch  gern,  dafs  mein  Einfall  wegen  des  Calenders  Ingress  gefunden 
und  Gelegenheit  gegeben,  die  ehemaligen  Gedancken  von  einer  Churfürstl.  Societät, 
dadurch  grundliche  Wissenschaften  und  gemein  nützliche  Künste  zu  verbessern, 
wieder '  vorzunehmen.  Und  will  ich  meines  wenigen  Ortes  gern  alles  beytragen, 
werde  auch  dabey  meiner  Gewohnheit  nach  mehr  auf  Ehre  und  Ruhm  als  meine 
Privat- Angelegenheiten  sehen,  doch  ein  und  anders  dabey  in  Betrachtung  zu  zieiien 
haben,  welches  aber  keine  Hinderung  bringen  wird.  Das  vornehmste  aljer,  so 
vorietzo  zu  erinnern  habe,  ist  dieses,  dafs  man  die  Sache  nicht  hauptsächlich  und 
allein  auf  das  Observatorium  richte,  noch  an  die  Proventus  Calendarios  binde,  weil 
solches  nicht  anständig  genung  scheinet.  Ich  hätte  gern  etwas  mit  der  Zeit,  davon 
ein  realer  Nutz  und  nicht   blosse  Curiositäten  zu  erwarten.     Nun  wird  das  Obser- 


26.    LEiBNizens  Brief  an  D.  E.  Jablonski  (12.  März  1700).  60 

vntorium.  wenn  es  auch  noch  so  wohl  eingei'ichtet  wäre,  daran  docli  Anfangs  viel 
fehlen  wird,  lange  Zeit  wenig  nierckliclien  Nutzen  schaffen  können  und  ^'iele  Jahre 
dar/u  gehören,  ehe  man  sich  was  reclites  davon  wird  versprechen  dürffen.  so 
weiter  gehe,  als  was  bisher  in  Franckreich ,  Engelland  und  anderswo  bereits  ent- 
decket. Ist  demnach  solches  zu  consideriren  als  ein  schön  Accessorium  und  nicht 
als  das  Principale.  mithin  wäre  meines  wenigen  Ermessens  das  Project  so  fort 
anfangs  zu  extendiren  und  auf  etwas  wichtigers  und  grössers  mit  zu  richten,  zu 
dei'en  künftiger  Execution  mir  einige  Vorschläge  beygefallen.  welche  neben  dem 
Calender -Wesen  die  Nothdurfft  darzu  auf  eine  zulängliche  Weise  ex  ipso  publico 
bono  dargeben  würden.  Dero  wegen  stehe  ich  in  den  Gedancken:  die  Societät 
unter  Churfürstl.  Protection  (denn  so  wollte  ichs  nach  dem  exemplo  Regiae  et 
Leopoldinae  lieber  nennen,  als  Academie)  sollte  aus  einigen  membris  ordinariis 
nebst  einem  Directore  mit  vielen  Honorariis  bestehen,  welche  nicht  nur  die  Astro- 
nomie, sondern  totam  Matheseos  et  Physices  latitudinem  zu  dem  hauptsächlichen 
Objecto  hätten,  sonderlich  aber  auf  gemein -nützige  Applicationes  bedacht  wären. 
Dazu  wüixle  gehören  cura  Astronomiae,  Mechanicae,  Architectonicae,  Chymiae, 
Botanicae  et  Anatomicae,  also  neben  dem  Observatorio  auch  ein  Laboratorium, 
samt  allerhand  Kunst -Wercken.  zu  geschweigen  des  übrigen  physici  apparatus, 
daran  den  l)ey  eines  grossen  Potentaten  Hof  nicht  wohl  ermangeln  kan.  Solte 
nvui  gleich  anfangs  die  Sache  nicht  in  dieser  Extension  zu  exquiriren  seyn,  so 
müste  doch  um  der  Reputation  willen  das  Concept  also  gefasset  werden,  damit 
man  sich  vorsetze  einen  scopum  dignum  magnitudine  et  gloria  fundatoris.  Wenn 
ich  aber  füglich  meine  Gedancken  der  Feder  vertrauen  könnte  wegen  Erhaltung 
eines  zulänglichen  fundi,  bilde  ich  mir  ein,  mein  hochgeehrter  Herr  würde  es 
neben  dem  Herrn  Retpiesten- Meister  sehr  approbiren  und  nicht  anstehen,  sofort  auf 
die  Vollstreckung  zu  gedencken.  zumahlen  dadurch  die  grosse  Absehen  nach  Moscau 
und  China  zu  Ausbreitung  der  Evangelischen  Wahi-heit  auch  zu  befördern.  Sollte 
man  aber  ad  plenam  executionem  so  bald  nicht  konnnen  können,  wäre  inzwischen 
genung.  nachdem  das  Werck  wenigstens  ^»ro  dignitate  gefasset,  die  execution  per 
gradus  zu  veranstalten  imd  zuförderst  von  dem  Observatorio  und  re  Calendaria 
anzufangen,  weilen  bey  diesen  beyden  periculum  in  mora.  Denn  wenn  sie  jetzo 
nicht  getrieben  werden,  sie  gar  unterbleiben  möchten.  Doch,  wenn  es  möglich, 
wäre  guth,  da  gleich  anfangs  neben  dem  Astronomo  oder  Observatore  ein  Physicus 
und  ein  Mathematicus  in  re  architectonica  et  mechanica  probe  versatus  bestellet 
würden,  des  Directoris  et  Secretarii  zu  geschweigen. 

Gott  gebe  nur,  dafs  unsere  gute  Gedancken  in  dieser  sowohl  als  in  der  andern 
grossen  Sache  durch  einen  neuen  Stui'm  -Wind  aus  Norden  nicht  verrücket  werden. 
Denn  nachdem  Dännemarck  und  in  effectu  Pohlen-Liefland  mit  Schweden  ge- 
brochen, man  auch  aus  Holland  nunmehr  ein  gleichmäfsiges  besorget,  in  Sachsen 
gleichsam  einen  fecialem  geschickt,  und  also  ein  schwehrer  Ki-ieg  entstehen  könnte, 
so  dürfften  die  Pi'otestirenden  sich  vollends  aufreiben  und  ihren  Feinden  ein  gla- 
diatorium  spectaculum  geben ,  wenn  Churfürstl.  Durchl.  von  Brandenburg  nicht  ins 
Mittel  treten.  Alles  kommt  auf  selbige  an,  sie  sind  arbiter  belli  et  pacis,  und  ihre 
hohe  Weisheit  wird  sie  und  ihre  vortreffliche  Ministros  überlegen  machen,  was  vor 
grosse  Dinge  zu  gutem  und  bösem  daraus  entstehen  könnten,  um  den  rechten  Aus- 
schlag zu  geben.  Es  geschehe  aber,  was  da  wolle,  so  haben  wenigstens  Churfürstl. 
Durchl.  vor  ihre  Lande  nichts  zu  besoi-gen.  und  können  also  unsre  Concepte  doch 
vielleicht,  wo  nicht  so  bald  den  völligen,  doch  einigen  Fortgang  haben.  Mein 
hochgeehrter  Herr  Hofprediger  als  gegenwärtig  wird  A'on  allem  bestens,  insonder- 
heit auch  vor  fortgehender  Reise  nach  Preussen,  urtheilen  können.  Sollte  das 
vorhabende  Project  de  Societate  mir  mit  connnunicirt  werden,  würde  ich  gern  das 
meinii;e  bevtrau,en. 


70  27.  28.    Briefe  D.  E.  Jablonski's  an  Leibniz  (20.  und  23.  März  1700). 

27. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  77). 

Brief  des  Hofprecligers  Jablonski  an  Leibniz  vom   20.  März    1700. 
[KAPPens  Sammlung  u.  s.  w.  S.  151  ff.] 

Hochedler  Herr  u.  s.  w. 

Meine  Verwegenheit  ein  Project  wegen  der  Societät  und  Observatorii  Sr. 
Chiirfürstl.  Durchl.  zu  Brandenburg  zu  überreichen,  unerwartet  meines  hochgeehrten 
Hrn.  Geheimbden  Raths  hocliweisen  Judicio  und  Erinnerung  (namque  pericuhim 
in  mora)  ist  endlich  doch  gar  glüklich  ausgeschlagen,  weil  man  disseits  dasjenige, 
so  mein  hochgeehrtester  Herr  Geheimbter  Rath  hochgeneigt  erinnert,  so  ziemlich  ob- 
serviret  hat,  und  scliwerlich  etwas,  als  die  Botanica  und  Anatomia  in  unserm  Project 
ausgelassen  worden,  so  aber  daher  geschehen,  weil  allhier  seit  einiger  Zeit  ein 
Cüllegium  Medicum  etabliret  worden,  so  zwar  noch  nichts  publice  prästiret,  jedoch 
hat  man,  um  anfanglich  Collision  zu  vermeiden,  solche  Dinge,  darauf  sie  ein  besonders 
Recht  sich  zuschreiben  möchten,  vorbey  gehen  wollen.  Mit  der  Zeit  wird  es  sich 
doch  von  Selbsten  geben,  weil  nicht  nur  die  scientiae  connexae  seyn,  sondern  auch 
wir  die  besten  Leute  aus  solchem  Collegio  an  uns  ziehen  können. 

Ich  übersende  dann  hiebey  das  entworfene  Project  und  hoffe,  es  werde 
meinem  hochgeehrten  Hrn.  Geheimbden  Rath  nicht  zuwider  seyn ,  dafs  wir  desselben 
solcher  massen  drinnen  gedacht,  zum  wenigsten  hat  unsre  schuldige  Hochachtung 
gegen  desselben   vornehme  geehrte  Person  sich  nicht  anders  gewust  auszudrucken. 

Nebst  diesem  grossen  Project  ist  ein  kleineres,  so  von  diesem  ein  kurtzer  Aus- 
zug gewesen,  beygeleget  worden,  damit  S.  Clmrfürstl.  Durchl.  in  einem  Augenljlick 
den  Grundi'ifs  des  gantzen  Werckes  sehen  können,  und  solten  beyde  solche  Pro- 
jecte  nebst  dazu  gehörigen  Beylagen  an  verwichener  Mittwoch  Früh  Sr.  Churfürstl. 
Durchl.  überreichet  worden  seyn,  S.  Ch.  D.  aber  nahmen  des  Morgens  früh  eine 
vmvei'hoffte  Reise  nach  Oranienburg  voi-,  dahin  der  Herr  A^on  Wedel  (welcher  die 
Cominifsion  der  Sache  hatte)  ihnen  folgen  muste  und  dadurch  eine  heri-liclie  Ge- 
legenheit erhielte,  S.  Ch.  D.  in  der  favorablen  solitude,  da  sie  von  allem  sti-epitu 
entfernet  und  Zeit  hatten,  dergleichen  anzuhören,  unsere  Desseins  vorzustellen. 
Gestern  Abend  erhielte  Beylage  von  ihm,  und  das  ist  Alles,  was  ich  von  dem 
Success  annoch  weifs  oder  sagen  kan.  Doch  ists  genug  vor  dem  Anfang:  und  mag 
dieses  kleine  Billet  mir  eben  das  seyn ,  was  dem  einen  Weg  nach  Indien  suchenden 
di  Gama  dasjenige  Vorgebürge  war,  dem  er  den  Nabmen  von  der  guten  Hoffnung 
beygeleget.  So  wenig  es  aber  ist,  so  habe  ich  doch  nicht  umhin  gekonnt,  meinem 
hochgeehrtesten  HeiTn  Geh.  Rath  dasselbe  hiemit  dienstlich  zu  comnmniciren ,  damit 
derselbe  über  den  Anschein  einer  guten  Hoffnung  zu  einem  so  grossen  und  noljJen 
dessein  nebst  mir  sich  erfreuen  möge.  Difsmahl  nicht  mehrers.  Ich  empfehle 
meinen  hochgeehrten  H.  G.  Rnth  in  Gottes  gnädige  Obhut  und  verliarre  in  schuldigem 
Respect  u.  s.  w. 

Berlin,  d.   20.  jNIart.    1700.  D.  E.  Jablonsk  i. 

28. 

(Vergl.  Gescliichte  der  Ak.idemie  S.  78). 

Brief  des  Hofpredigers  Jablonski  an  Leibniz  vom   23.  März  1700. 
[KAPpens  Sammlung  S.  153  ff.] 

Hochedler  Herr  u.  s.w. 
Ich  will  hoffen,  mein  bey  jüngster  Post  abgegangenes  werde  das  Glück  gehabt 
haben   von  M.  h,  Herrn    Geheimbten   Rath    behändiget   zu   werden.    Was    nun    der 


28.    Brief  D.  E.  Jablonski's  an  Leibniz  (23.  März  1700).  71 

Herr  von  "Wedel  in  damahls  dienstlich  überscliickter  Beylage  gemeldet,  solches  hat 
selber  gestern  mündlich  confirmiret,  mit  diesen  Umständen,  i)  daJ's  S.  Churfürstl. 
Durchl.  das  gantze  Project  in  allen  seinen  Stücken  vollkommen tlich  genehm  halten 
und  die  Societät  gnädigst  fimdiren  und  protegiren  wollen,  nur  noch  gnädigst  hin- 
zufügen ,  dafs  man  auch  auf  die  Cultur  der  Teutschen  Sprache  bey  dieser  Fuudation 
gedencken  möchte,  gleichwie  in  Frankreich  eine  eigene  Academie  hiezu  gestifftet  n.  s.w. 
2)  dal's  man  solche  Sr.  Churfürstl.  Durchl.  gnädigste  Intention  den  sännntlichen 
Interefsirten ,  vornehmlich  dem  Herrn  Praesidi  und  Observatöri  kund  thun.  und 
selbige  invitiren  solle,  Hand  anzulegen  und  die  würckliche  Ausführung  des  ge- 
schehenen Projects  zu  befördern:  auch  zu  solchem  End,  so  bald  es  ihre  Gelegen- 
heit leiden  möchte,  dahier  persönlich  sich  einzustellen.  Das  erstere  habe  mit  be- 
sonderm  Vergnügen  angehöret,  und  daher  nicht  allein  ersehen,  wie  S.  Churlursth 
Durchl.  an  unserm  Project  selbst  Theil  nehmen  und  dero  Fürstlichen  Gedancken  damit 
bemühen ,  w'ie  es  zu  befestigen  und  noch  mehr  auszuzieren  sey,  sondern  zugleich 
Ursach  gehabt,  diejenige  Generosität,  welche  S.  Ch.  D.  hiedurch  blicken  lassen, 
zu  bewundern.  Inmassen  einem  Teutschen  Fürsten  freylich  nichts  mehr  anstehen 
will,  als  der  edlen,  aber  sein-  verwilderten  Mutter- Sjii-ache  sich  anzunehmen, 
welche  Fürstl.  Sorge  so  viel  mehr  zu  preisen  ist,  je  weniger  es  Fiirsten  giebt, 
die  selbige  zu  Hertzen  nehmen.  Und  wird  nur  zu  dencken  seyn,  wie  die  Teutsche 
Sprach -Kunst  mit  denen  übrigen  Wissenschafften  zu  verbinden  seyn  werde.  Das 
zweyte  exequire  mit  höchster  Freude,  und  dancke  dem  bai-mhertzigen  Gott,  dafs 
er  mich  so  unverhofft  das  Glück  erleben  lassen,  dafs  im  Nahmen  S.  Ch.  D.  jueines 
gnädigsten  Herrn,  meinen  hochgeehrten  Herrn  Geh.  Rath  anhero  invitiren  darf. 
Ich  vernuithe,  dal's  unsere  gnädigste  Churfürstin  wohl  ehestens  zurück  kehren 
dörffte ,  so  würde  dann  es  meinem  h.  Herrn  Geh.  Ratli  becjuem  fallen ,  salbte 
anhero  zu  begleiten.  Doch  stelle  ich  es  selbtem  anheim ,  nach  Gelegenheit  alles 
einzurichten.  Es  würde  aber  dero  geehrte  Gegenwart  wohl  r-echt  nöthig  seyn. 
S.  Ch.  D.  (zwar  noch  in  Oranienliurg  abwesend)  sind  in  der  Sache  gantz  eyfrig  und 
haben  dem  Herrn  von  "Wedel  Ordre  ertheilet,  da  er  ehegestern  herein  fuhr,  mit 
dem  Baumeister  Grünberg  wegen  Erbauung  des  Observatorii  und  Aptirung  des 
dazu  gewidmeten  Pavillon's  u.  s.w.  zu  spi-echen:  so  auch  geschelien.  Hr.  Grünberg 
forderte  zu  den  Unkosten  6  bis  700  Rthlr. ,  der  Herr  von  Wedel  aber  verstund 
sich  zvi  1000.  Man  hat  gestern  Abend  das  Gebäud  in  Augenschein  genommen  und 
genau  alles  überleget.  Es  finden  sich  auf  allen  Seiten  Schwürigkeiten,  und  daher, 
wenn  wir  Hoffnung  haben  können,  dal's  mein  h.  Herr  die  Ehre  dero  Anwesenheit 
ehestens  uns  zu  gönnen  gemeinet,  wollten  wir  bis  dahin  alles  anstehen  lassen. 
Sonst  hatte  Herr  Grünberg  Ordre,  nächste  Woche  mit  dem  Bau  den  Anfang  zu 
machen.  In  Erwartung  meines  h.  Hrn.  Geh.  Raths  geneigter  Erklärung  und  Befehls, 
empfehle  Seihten  in  Göttl.  treue  Obhut  und  verharre  u.  s.w. 

Gebeth-  und  Dienstergebenster 
D.  E.  Jablonski. 

Wenn  mein  h.  Hr.  Geh.  Rath  die  Gütigkeit  haben  wolte,  Ihro  Churfürstl. 
Durchl.  meiner  gnädigsten  Frau  nebst  Empfehlung  meiner  unterthänigsten  Devotion, 
unterthänigst  zu  hinterbringen,  dal's  mir  sonderbare  unterthänigste  Freude  mache, 
das  Dessein,  so  erstens  auf  Ihro  Churfürstl.  Durchl.  gnädigstes  Gutfinden  und  Befehl 
angefangen  worden,  nun  in  so  weit  ausgeführet  zu  sehen,  würde  Selbter  micli 
höclilich  obligiren. 

Berlin,  den   23.  Mart.  1700. 
In  Eil. 


72  29.    LEiBMzens  Brief  an  D.  E.  Jaelonski  (26.  März  1700). 


29. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  79). 

Leibniz,  Brief  an  Jablonski  vom   26.  März    1700. 
[IvAPPens  Sammlung  S.  158  ff.] 

Hochwürdiger  etc. 
insondei-s  hochgeehrter  Herr  und  werther 

Gönner, 
Midi  ertVeuet  sehr,  dafs  der  Anschlag  bis  Dato  so  wohl  von  statten  gangen. 
Meines  hochgeehrten  Herrn  Hotpredigers  Project.  wie  alles,  was  von  selbem  kommt, 
ist  allezeit  vollkonnnlich  wohl  ad  sequens  gerichtet.  Das  Wenige,  so  mich  unter- 
wunden, zu  erinnern,  kan  dienen  ad  melius  esse,  zumahl  wenn  vom  Project  zur 
Sache  selbst  geschritten  werden  solL  Da  ich  dann  vermeine,  es  werde  dienlich 
seyn.  weder  das  Observatorium  als  das  primarium  Objectiim,  noch  das  Negotium 
calendarhun  als  primarium  Fundum ,  wenn  es  gleych  sein  sollte,  vorztistellen ,  auch 
bey  den  scientiis  ja  nicht  mechanicae  et  chemiae  und  folglich  auch  des  Laboratorii 
nicht  zu  vergessen  und  die  Sache  in  allem  also  einzurichten,  dafs  sie  sich  auf  alle 
reales  scientias  erstrecke.  Daher  man  die  beyden  Koni  gl.  Societäten  gar  weislich 
zum  Modell  angenommen.  Ich  hoffe,  der  Herr  von  Wedel  werde  damit  ratione 
mechanicorum  et  laboratorii  einig  seyn,  und  was  den  Fundum  betrifft,  wäre  viel- 
leicht in  genere  dermahleins  zu  melden,  dafs  bey  neuen  Anstalten  zu  gemeinem  Nutzen 
der  Uberschufs  zu  dergleichen  rühmlichen  und  genieinnützlichen  Vorhaben  zu 
widmen  und  das  Kalenderwerck  exempelweise  zu  specificiren.  Vielleicht  läfst  sichs 
thun,  dafs,  ehe  Churfürstl.  Durchl.  etwas  würcklich  ausfertigen  lassen,  icli  durch 
M.  H.  Herrn  Hofpi-edigers  Gewogenheit  den  EntAvurf  in  forma  zu  sehen  be- 
kommen könne.  Ich  habe  inzwischen  Bey  kommend  es  aufgesetzt  vmd  darinnen 
des  Wercks  künftigen  grossen  Nutzen,  wenn  man  es  damit  recht  anfängt,  gleich- 
sam in  einer  Perspectiv  von  fern  in  etwas  zeigen  wollen.  Weil  mich  bedüncket, 
einem  hohen  Potentaten,  der  etwas  Grosses  zu  Gottes  J]hre  und  der  Menschen 
Besten  thun  könnte,  sej'^  man  einigermassen  schuldig  solches  anzuzeigen,  und  werden 
grosse  und  herrische  Gemüther  auch  am  besten  durch  solche  Gedancken  gerühret, 
die  ihrer  Macht  und  hohen  3Iuth  proportioniret.  AVie  dann  auch  mein  hochgeehrter 
Herr  sell)st  in  seinem  Project  davon  bereits  Erwehnung  gethan ,  daher  ich  wünschen 
möchte,  dafs  durch  M.  H.  Herrn  Hofprediger  selbst  Chui-fürstl.  Durchl.  einen 
nähern  Gustum  davon  bekonunen  möchten,  wozu  von  mir  einige  Argumenta,  so 
ziemlich  ad  hominem  scheinen,  suppeditiret  worden.  Inzwischen  bleibt  es  doch  bey 
allen  dem,  so  in  dessen  Project  vorgestellet,  haupsächlichen  billig  [sie].  Es  ist  aber 
dil's  mein  Beyfügen  vielleicht  nicht  so  bequem ,  noch  zur  Zeit  von  vielen  gesehen 
zu  werden,  deren  recht  real-guten  Intention  man  nicht  versichert,  theils  weil  es 
einigen  nach  guten  Sachen  wenig  fragenden  vmd  nur  auf  sich  sehenden  Leuten, 
daran  es  nirgends  fehlet,  Nachdencken  und  Jalousie  geben,  theils  weil  es  sonst  übel 
ausgelegt  werden  könnte.  Inzwischen  sollten  Churfürstl.  Durchl.  einmahl  des  Wercks 
Wichtigkeit  recht  fassen  und  dazu  einen  besonderen  Trieb  bekommen,  so  wären 
mit  der  Zeit  grosse  Effecten  zu  hoffen.  Nun  konune  ich  zu  meines  hochgeehrten 
Herrn  treft'lichen,  pro  initiis  fast  unverbesserlichen  Project  und  gehe  es  kürtzlich 
durch.     Mich   dünckt 

1.  Es  wäre  künftig  der  Nähme  der  Societät  besser  als  der  Academie.  Denn 
in  Teutschland  Academie  mehr  von  Lehr-  und  Lernenden  verstanden  zu  werden 
ptleget;  allhier  auch  wahrhaftig  eine  Societät  vieler  auch  entfernter  Personen  dienlich. 

2.  Observatorium  wäi'e  nicht  pro  primario,  sondern  ])arte  insigni  aufzu- 
nehmen,   weilen,    wenn    es  iiauptsächlicli  darinnen  beruliet,    alles    auf  eine   blosse 


29.    LioiBMzeiis  Brief  an  D.  E.  Jahlonski  (26.  März   1700).  73 

Cm-iosität  oluie  l)e8ondern  Nutzen  auslauflen  würde.  Denn  es  wird  doch  viel  zu 
tliun  linhen.  ehe  man  etwas  recht  AVichtiges  auf  dt>ni  01)servatorio  allein  entdecken 
wird.  Ks  sind  aber  andere  Saclien  zu  thun.  dndiu'ch  man  versichert,  in  kurtzer 
Zeit  etwas  Wichtiges  zu  leisten. 

3.  Was  mein  hochgeehrter  Herr  Hofprediger  von  meiner  AVenigkeit  gedacht, 
ist  mehr  als  zu  favoi'abel,  nur  füge  bey.  dafs  ich  von  olingefehr  1673  oder  74  ein 
Mitglied  sev  der  englischen  Königlichen  Societät,  und  also  darinn(>  nun 
einer  von  den  Altesten.  Scheinet,  meinem  hochgeehrten  Hrn.  sey  solches  nicht 
bewust  gewesen,  weil  er  der  Königlichen  frantzösischen  allein  erwehnet.  Es 
ist  abei"  daran  wohl  wenig  gelegen,  gedencke  es  nui-,  weil  mein  hochgeehrter  Herr 
seiner  Gütigkeit  nach  ])tleget  auf  meine  wenige  Person  Rellexion  zu  machen  et 
meas  esse  ali([uid  putare  nugas. 

4.  Ob  ich  schon  von  Herrn  Kirchs  Pei'son  keine  sondei'bare  Kundschaft 
habe,  so  ist  er  mir  doch  von  jedermann  sehr  gerühmet  worden.  Will  hoffen,  er 
werde  nicht  nur  ein  guter  Calculator,  sondern  auch  ein  guter  Observator.  aiu'h 
sonst  tractabel  seyn. 

5.  Zum  Secretario  möchteich  wünschen  einen  jungen  Medicum ,  der  dabey 
in  Mathesi,  Mechanica  imd  Cliymia  Kundschafft  habe.  Denn  weil  man  doch  eine 
solche  Person  besolden  nuifs,  so  ist  es  desto  besser,  si  una  fidelia  plures  parietes 
dealbari  possint.  Solte  diese  Person  gleich  nicht  gnugsam  der  frantzösisch-  und 
englischen  S})rache  mächtig  seyn,  lun  darinnen  zu  schreiben,  so  ist  gnug,  dafs  sie 
solche  Spi-achen  verstehe  und  im  Latein  und  Teutsch  nach  Gelegenheit  schreibe. 
So  ist  auch  einer,  der  die  Sprachen  und  nicht  die  Res  verstehet,  hiei-zu  gar  nicht 
bequem. 

6.  Damit  auch  die  Associati  desto  tleifsiger  erschienen  und  das  Ihrige  bey- 
trügen,  so  stünde  daliin,  ob  Churfürstl.  Durchl.  nicht  belieben  möchten,  die  kleinen 
Kosten  nach  dem  Exempel  des  Königs  in  Franckreich  anzuwenden  und  wo  nicht 
Medaillen,  doch  artige  silberne  Jettons,  darauf  memorable  und  Churfürstl.  Durciil. 
rühmliche  Dinge  enthalten,  prägen  zu  lassen,  so  zu  Zeiten  bey  der  Academie  tan- 
quam  jjraemiorum  genera  zu  disti-ibuiren.  Diese  Jettons  würden  sonst  in  der  Welt 
sehr  angenehm  seyn  und  gesuchet  werden.  Dieses,  so  es  jetzo  noch  zu  fiäihe, 
(davon  meinen  hochgeehrten  Herrn  judiciren  lasse)  könnte  dermahleins  neben  andern 
guten  Anstalten  practicabel  werden. 

7.  Der  Altan  des  Observatorii  müste  gegen  Durchdringung  des  Wassers  mit 
Bley  verwahret  werden.  Wegen  der  Instrumenten  würde  dienlich  seyn.  Herrn 
Kirch  ens  selbsteigne  Gedancken  zu  vernehmen.  Ich  bilde  mir  ein,  Churfürstl. 
Durchl.  werden  Gläser  haben  zu  Tubis  von  60  bifs  70  Schuhen,  wo  nicht  mehr. 
Denn  M.  Borel,  so  von  der  Academia  scientiarum  regia  gewesen,  schickte  vor 
Jahren  vitra  objectiva  zu  langen  Tubis  an  unterschiedene  Potentaten.  Denn  er 
hatte  eine  leichte  Methode  dazu  ausgefunden ,  so  eben  noch  nicht  public.  I-]s  ist 
viel  daran  gelegen,  dafs  die  Instrumenta  sehr  mafsiv  seyn,  damit  sie  sich  nicht 
leicht  werfen  und  verändern.  Mich  dünckt,  dafs  Herr  von  Dobrzenski  den  Cam- 
pani  einen  Tubum  mit  Zugehör  vor  den  höchstseligsten  Churfürsten  machen  lassen, 
so  ich  bey  ihm  zu  Rom  gesehen.  Recht  gute  Pendula  sind  hochnöthig  ad  mensu- 
ram  temporis;  man  kan  sie  so  richten,  dafs  sie  Secunden  schlagen:  die  Probe 
der  Güte  ist,  wenn  deren  sich  etliche  eine  lange  Zeit  mit  einander  accordiren. 
Die  Ger icki sehe  Instrumenta  werden  wohl  ä  propos  konunen.  Bai'ometra,  Tlier- 
mometra  et  Hygrometra  sind  auch  nöthig  pro  diario.  desgleichen  ein  W^indzeiger; 
item  gute  Pyxides  nauticae  und  Nadeln  pro  observanda  declinatione  magnetis,  wäe 
auch  Instrumentum  pro  ol^servanda  inclinatione  ejusdem. 

8.  Die  Bücher  belangend,  so  künftig  anzuschafl'en,  solte  ich  nieynen.  dafs 
es    auf  Churfürstliche    Kosten    zu    thun    luid    auch    in    der  Tliat   zu  Dero  Bibliothec 


74  29.    LEiBNizens  Brief  an  D.  E.  Jablonski  (26.  März  1700). 

gehören.  Ich  besorge  ohnedem,  es  werde  viel  auch  in  praeteritis  von  nüthigen 
Büchern  pro  mathesi  abgehen,  weil  ich  nicht  weifs,  ob  die  gelehrten  Leute,  so 
bey  Churfürstl.  Bibliothec,  nach  diesem  genere  studiorum  viel  fragen. 

9.  Holtz,  Licht,  Stubenheitzer  und  dergleichen  würde  zu  den  ordinairen 
Hof-Depensen  gehören,  weil  ein  solches  ohnedem  denen,  so  bey  Hof  logiren,  ge- 
geben zu  werden  pfleget. 

10.  Der  Kalendervorschlag  ist  von  M.  H.  Herrn  Hofprediger  vortrefflich 
wohl  ausgeführet.  Ich  sorge  gar  sehr  ohnedem,  es  werde  zu  Regensburg  happern, 
und  wenn  das  Corpus  Evangelicum  der  Sachen  sich  niclit  gnugsam  annimmt,  es 
doch  auf  die  vornehmste  evangelische  Reichsglieder  in  particulari  ankommen.  Mein 
hochgeehrter  Herr  hat  grofs  Recht  zu  sagen,  dafs  die  Herren  Triumviri  eben  mit 
dem  primo  specimine  nicht  allzu  wohl  reussiret,  und  getlillet  mii-  gar  nicht,  dafs 
sie  die  evangelische  Ministros  zu  Regensburg  engagiret.  sich  an  die  Tabulas 
Rudolphinas  schlechterdings  ohne  Correction  zu  binden,  da  doch  bekannt,  dafs 
solche  in  gewissen  hier  intluirenden  Dingen  irrig,  obschon  ihnen  hierinn  unschwer 
zu  helfen.  Lizwischen  werden  die  Pontificii  mit  Recht  sagen,  man  verwerfe  Gelos  [!'] 
erroneos  und  wolle  sich  an  Tabulas  erroneas  binden.  Aber  damit  haben  die  Herren 
Triumviri  sich  der  Mühe  der  Untersuchung  entschlagen  wollen.  Es  wird  inzwischen 
bey  des  Herrn  von  Fuchs  Excellentz  ihres  Orts  zu  vigiliren  seyn,  dafs  von  Chur- 
B  ran  den  bürg.  Gesandschaft  dienliche  Instructiones  in  negotio  calendario  gegeben 
wei'den.  Ich  habe  an  unsern  Gesandten  vorlängst  mit  hiesiges  Ministerii  Status 
Ap])robation  geschrieben,  dafs  ihr  Decretum  wegen  Canonisirung  der  Rudolphinarum 
eine  Moderation  bedürife. 

11.  Der  gröste  Punct  würde  seyn,  den  Unterschleif  der  fremden  und  ander 
verbothenen  Kalender  zu  A^erhüten,  weil  die  Churfürstl.  Lande  an  vielen  Orten 
sich  mit  andern  sehr  gemischet  befinden  und  nicht  so  wohl  in  cii'culum  concentriret, 
als  in  longitudinem  extendiret  seyn.  Die  beste  Weise  würde  seyn,  alle  Buchhändler, 
Buchdrucker,  Buchbinder  difsfalls  eydlich  verbinden  zu  lassen,  und  damit  es  wegen 
des  Kalendei'wercks  nicht  allein  geschehe,  ein  Edictum  generalius  wegen  des  Bücher- 
wesens abzufassen,  darauf  diese  alle  zu  vereydigen.  das  Kalenderwerck  aber  solchen 
in  specie  einzuverleiben. 

12.  Difs  Edictum  generalius  ginge  auf  Censuram  librorum.  dafs  keine  Bücher 
von  Staats-  und  geistlichen  Sachen  ohne  Censur  zu  drucken  und  zu  debitiren. 
Streitschriften  oder  Bücher,  so  Leute  angreifen,  hätten  auch  Censur  nöthig  und 
andere  dienliche  Reglemens. 

13.  Ja,  es  ist  nicht  ohne,  dafs  man  dafür  halten  möchte,  man  könnte  mit 
gutem  Recht  und  Fug,  den  Fundum  societatis  scientiarum  aus  dem  ßücherwesen 
verdoppeln.  Denn  weil  doch  anjetzo  unter  10  Büchern  kaum  eins  wahrhaftig  ge- 
druckt zu  wei'den  würdig  und  dem  Publico  etwas  neues  Nützliches  dargiebt,  also 
ist  eine  Waare  so  gar  nicht  favorabel,  mithin  wohl  zu  beschwehren  und  der 
Societati  tributaire  zu  machen,  also  dafs  jeder  ins  Land  eingehender  Ballen  Bücher 
nach  Gelegenheit  einiges  Unterscheides  ein  Gewisses  zu  erlegen  hätte.  Das  Parlament 
in  Engelland  hatte  unlängst  für.  alles  Papier,  gedrucktes  und  ungedrucktes,  ziemlich 
zu  beschweren.  Es  verblieb,  nicht  weil  sie  es  unbillig  hielten,  sondern  weil  andere 
zu  reichlichere  Subjecta  vorkommen.  Es  ist  in  dieser  meist  unnützen  Waai'e  eine 
solche  Luxui-ia,  wie  mit  andern  Dingen,  und  sehe  ich  oft  mit  Verwunderung,  wie 
die  gewinnsichtigen  Buchhändler  die  Bücher  vertheuren  und  doch  Emtores  finden. 
Weil  auch  Societas  scientiarum  pro  literis  arbeiten  soll,  so  wäre  nicht  unbillig, 
dafs  sie  ex  litei-is  et  libris  Nutzen  zöge,  welches  endlich  nicht  unbilliger  Weise 
diejenigen  tragen ,  so  sich  der  Bücher  bedienen  und  denen  Studiis  obliegen.  Allein 
wie  billig  und  thunlich  gleich  die  Sache  wäre,  so  halte  ich  sie  doch  nicht  für  an- 
ständig,   auch   in   opinione  hominum  für  favorabel,   sondern  fürs  Beste,  wenn  man 


29.    LEiBNizens  Brief  an  D.  E.  Jablonski  (2G.  März  1700).  75 

das  vulgns  sive  eniditoruin  sive  alionim  liominum  nicht  gegen  sich  sprechen  niaclie. 
Daher  ichs  auch  mit  dem  Kalenderwerck  selbst  liierzu  nicht  gerathen  hahen 
würde,  wenn  die  Sache  nicht  ohnedem  zai  andrer  Nutzen  geschehen  sollen.  So 
glaube  auch  weit  bessere  Dinge  vorschlagen  zu  können. 

14.  Sonsten,  was  das  Quantum  des  Profits  bey  jedem  Stück  der  Kalender 
betrifft,  wäre  vielleicht  gut,  solches  in  suspenso  zu  lassen,  damit  man  sich  nach 
dem  Debit  richten  könne,  weil  man  noch  zur  Zeit  keiner  gewissen  Consumtion 
vei'sichert. 

15.  Ich  sollte  auch  dafüi-  halten,  dals  mehr  Arten  Kalender  nöthig,  als 
Kalender  mit  Kui)ffern  in  forma  patente.  Schreibe-  und  andere  Kalender  in  4*° 
8™  und  i2"'o,  und  stünde  dahin,  ob  nicht  auch  vielleicht  in  einem  Format  selbst 
zu  variiren.  Denn  wenn  allerhand  Dienliches  und  Angenehmes  dabev  kommen 
sollte,  so  dürfften  die  Leute  zur  Veränderung  und  Curiosität  oft  mehr  als  eine 
Art  vom  Kalender  nehmen,  also  dals  die  Varietät  die  Consumtion  befördern  würde. 
Ist  auch  zu  bedencken,  dafs  jedes  Land  ihren  Kalendern  gewisse  üsualia,  als 
wegen  der  Posten  —  — ,  einzuverleiben  pfleget;  quaeritur,  wie  sie  beyzubehalten, 
wäre  gut,  eine  Anzahl  von  Kalendern  bey  der  Hand  zu  haben  und  sich  darnach 
zu  richten. 

16.  So  lange  kein  anderer  Fundus  als  die  Kalender,  wird  wohl  von  der 
Societät  auf  Bücher,  Instrumenta,  Experimenta,  Druck,  Kleves  wenig  gewendet 
werden  können;  Bücher,  hielte  dafür,  wären  sumtibus  electoralibus  anzuschaffen, 
als  welche  auch  bey  der  Churfürstl.  Bibliothec,  obschon  in  einem  andern  Gemach, 
in  der  That  blieben.  Mit  Instrumentis  sollte  fast  gleiche  Meynung  haben .  solange 
nehmlich  keine  bessere  Anstalt,  denn  die  bleiben  ja  auch. 

17.  Mein  hochgeehrter  Herr  scheinet  den  Herrn  Kirch  vor  den  einzigen 
rechten  Astronomum  in  Teutschland  zu  halten.  Es  wird  doch  gleichwohl  auch  Herr 
p]ymart  zu  Nürnberg  sehr  gelobt,  so  auch  ein  guter  Observator  seyn  soll.  Herr 
M.  Junius,  der  dem  Buchhändler  Pritschen  seine  Kalender  macht  und,  wie  icli 
aus  meines  hochgeehrten  Herrns  Pi-qject  vernehme.  HerrKirchens  discipulus  ist, 
macht  Hoflhung,  dals  dermahleins  etwas  Rechtschaflt'enes  aus  ihm  werden  dürflCte. 
wenigst,  was  ich  von  ihm  gesehen,  mifsfället  mir  nicht. 

18.  Weil  mein  hochgeehrter  Herr  wohl  erinnert,  dals  auf  das  Edictum 
calendarium  förderlichst  zu  gedencken,  so  gebe  anheim,  ob  nicht,  wie  No.  11.  und 
12.  erwehnet,  auch  zugleich  von  dem  Edicto  generaliore  zu  deliberiren,  doch  könnte 
endlich  das  Edictum  calendarium,  weil  periculum  in  mora,  vorgehen. 

19.  Es  scheinet  sonst  schliefslich,  als  ob  mein  hochgeehrter  Herr  Churfürstl. 
Durchl.  nicht  gar  leer  ausgehen  lassen  wolle,  indem  er  nicht  nur  die  Strafgefälle, 
sondern  auch  des  quanti  pro  collegio  Gennanico  huc  transferendi  erwehnet.    Nee  male. 

20.  Ich  zweifele  im  Übrigen  nicht,  was  meinetwegen  hiebey  vorkommen, 
werde  annoch  um  unterschiedener  Ursachen  \villen  geheim  gehalten  werden,  warum 
auch  meinen  hochgeehrten  Herrn  Hofprediger  dienstlich  zu  ersuchen  habe. 

Meines  hochgeehrtesten  Heri'n  P.S.  letzlichen  betreffend,  so  mufs  ich  fast 
von  Herrn  Sculteti  scriptis  antireformatis,  die  ich  gesehen,  judiciren.  wie  Herr 
Abt  Molanus,  der  sie  garnicht  vor  ii-enisch  hält,  sondern  vermeinet,  dals  sie  sehr 
scharf  imd  härter  als  nöthig.  Scheinet,  mein  hochgeehrter  Herr  Hofprediger  sey 
fast  gleicher  Meynung,  weil  er  besorget,  es  möclite  endlich  ex  amica  disceptatione 
eine  inimica  et  hostilis  werden.  Nachdem  meinen  hochgeehrten  Herrn  Hof])rediger 
genungsame  Nachricht  zukommen,  dals  Herr  Pictetus  eben  von  der  moderatione 
gratiae  universalis  soweit  nicht  entfernet,  so  könnte  Herr  Scultetus  sein  Schrift- 
wechseln wohl  sparen,  bey  dem  er  zu  Zeiten  mentem  auctorum  zu  verwenden 
scheinet.  Ich  finde  anjetzo  das  Bücherschreiben  in  bis  negotiis  niciit  allzu 
rathsam    und    zumahl    das    öffentliche  Disputiren,    weil    es    fast  unerhöret,    dafs  die 


76    30(7.    LEinNizens  Denkschrift,  die  Einrichtung  der  Societät  betreffend  (März  1700). 

Leute  dadurch  ü;ewonnen  werden.  Und  an.statt  noch  zur  Zeit  meine  Gedancken 
de  tlieodicaea  und  connexis  dei-  Welt  durch  Bücher  darzustellen  und  einigen  zanck- 
süchtigen  Geinüthern  Materie  zu  vitilitigationibus  zugehen,  .so  bin  ich  mehr  geneigt, 
mit' vorti-eff liehen  wohlgesinnten  Tlieologis  eines  und  andern  Theils  darüber  amice 
und  privatim  zu  conferij-en .  und  dann  erst,  nachdem  ich  denen  und  sie  mir  Ver- 
gnügen geben,  auch  andern  zu  Dienst,  wenn  mir  Gott  das  Leben  lasset,  damit 
herfürzugehen.  Zweitle  nicht,  M.  H.  Herr  werde  dieses  mein  Vorhal)en  billigen, 
wie  ich  dann  in  diesem  und  allem  sehr  auf  sein  hochvernünftiges  Gutachten,  wie 
billig,  retlectiren  werde,  und  in  Übrigen  verbleibe  jederzeit 

Meines    hochgeehrten  Heri'n  Hofpredigers   und  werthen  Gönners 
Hannover  26  Mart. 

1 700.  Dienstver])undenstei- 

Gottfried  Wilhelm  Leibnitz. 


(Vergl.  Gesfliiclitc  der  Akademie  S.  81). 

LEiBNizens  Denkschrift  in  Bezug   auf  die  Einrichtung  einer  Societas 
Scientiarum    et   Artium    in  Berlin    vom    24/6.  März    1700,    vielleicht   be- 
stimmt für  Jablonski  und  die  Berliner  Freunde. 
[IvAPPens  Sammlung  S.  173IIVI 

Weilen  ("hurfiu-stl.  Durchlaucht  zu  Brandenburg  ein  glorioses  und  recht 
königliches  Werk  vorha])en.  eine  Societatem  Scientiarum  et  Artium  zu  fundiren. 
so  wäre  auf  solche  Anstalt  zu  denken,  dafs  der  wahre  Zweck  und  Nuzen  mit 
geringer  Beschwei'de  erhalten  werde. 

Solche  Churfürstl.  Societät  müste  nicht  auf  blofse  Curiosität  oder  Wissens- 
begierde und  imfruchtbare  Experimenta  gerichtet  seyn,  oder  bey  der  blolsen  Er- 
findung nüzlicher  Dinge  ohne  Application  und  Anbringung  beruhen,  wie  etwa  zu 
Paris,  London  und  Florenz  geschehen,  daher  eine  Verspottung  und  die  bekante 
englische  Comoedie:  The  virtuose,  erfolget,  auch  endtlich  die  Hände  abgezogen 
werden;  sondern  man  müste  gleich  Anfangs  das  Werck  samt  der  Wissenschaft 
auf  den  Nuzen  richten,  und  auf  solche  Specimina  dencken,  davon  der  hohe  Urheber 
Ehre  und  das  gemeine  Wesen  ein  Mehrers  zu  erwarten  Ursach  liabe. 

Wäre  demnach  der  Zweck  theoriam  cum  praxi  zu  vereinigen,  und  nicht 
allein  die  Künste  und  die  Wissenschaften,  sondern  auch  Land  und  Leute,  Feld])au, 
Manufacturen  und  Commercien,  und,  mit  einem  Wort,  die  Nahrungsmittel  zu  ver- 
befsern,  überdiefs  auch  solche  Entdeckungen  zu  thun,  dadurch  die  überschwengliche 
Ehi'e  Gottes  mehr  ausgebreitet,  und  dessen  Wunder  besser  als  bifsher  ei-kannt, 
mithin  die  christliche  Religion,  auch  gute  Policey,  Ordnung  und  Sitten  theils  bey 
heidnischen,  theils  noch  rohen ,  auch  wol  gar  barbarischen  Völkern  gepflanzet  oder 
mehr  ausgebreitet  würden. 

Wobey  dann  wol  zu  betrachten,  dafs  Churf.  D^  wegen  der  Situation  dero 
Lande  und  andern  Conjuncturen  dazu  solche  Gelegenheit  haben,  dergleichen  weder 
•  der  Kayser  noch  König  in  Franckreich  bey  den  ihrigen  finden ,  und  nicht  allein 
wegen  gutei-  Verständnils  mit  Moscau  nach  China,  Indien  und  Persien  und  in  die 
grofse  Tartarey  ti-elf liehe  Handlung  anrichten,  und  neben  dem  evangelischen  Wesen 
ihren  Ländern  grofse  Vortheile  schaffen,  sondern  auch  in  dem  ihrigen  selbst  wichtige, 
fast  unköstliche  Entdeckungen  thun  lassen  können,  damit  dem  menschlichen  Ge- 
schlechte Überaufs  gedienet  sevn  würde. 

Nun  werden  zweifelsohne  sich  bey  Churf.  D'  vortreffliche  Leute  finden,  welche 
von    allen    diesen    Dingen    herrliche    Gedanken    an    Hand   geben    können.     Dennoch 


30«.    LEiBNizens  Denkscliriit,   die  Eini'ichtuug  der  Societät  betreffend  (März  1700).    /  / 

aber,  weil  man  mir  die  Ehre  getiuin  meine  Meinnng  zu  verlangen,  ieli  aueli  ein 
Mitglied  beider  Kön.  Societäten.  nehnilicli  der  französischen  und  engUschen  bin, 
und  zwar  der  engUschen  schon  von  ethclien  zwanzig  Jalu'en  her,  zu  der  fran- 
zösischen aucli  längst  einigermarsen  gerechnet,  und  anjezo,  nachdem  dei"  König  sie 
gleichsam  von  Neuem  fundiret,  durch  ein  förmliches  Brevet  auf  Ihro  Maj''  besonderen 
Befehl  darein  aufgenommen  worden;  ü])erdiels  auch  von  vielen  Jahren  her  meine 
Gedanken  auf  nüzliche  Wissenschaften  und  das  gemeine  Beste  gei'ichtet,  und  der- 
gleichen Ftmdation  in  Teutscldand,  sonderlich  bey  einem  evangelischen  Potentaten 
gewünschet,  zudem  auf  eigene  Kosten  viel  Reisen.  Ex])erimenta  und  Untersuchungen 
bey  Machinis,  Bergwerken,  Laboratoriis  und  sonsten  gethan:  so  habe  desto  weniger 
Bedencken  gehabt  mich  hierüber  vernehmen  zu  lassen,  da  ohnedem  nicht  sehe,  wie 
meine  geringe  Concepte  besser  als  zu  dem  glorwürdigen  Untei'uehmen  eines  so  grol'sen 
Potentaten  anzuwenden.  Und  hoft'e  demnach,  einige  besondere  Vorschläge  zu  thun, 
so  verhoftentlich  zu  Beförderung  des  Zweckes   ihi'en  Nachdruck  haben  werden. 

Zuförderst  ist  also  Anordnung  zu  machen,  dafs  in  den  churfürstlichen  Landen 
gelehrte  Leute,  Ingenieurs  und  Künstler,  die  von  Churf.  D'  ohnedem  besoldet  werden, 
zu  dem  Zweck  der  Churf.  Societät.  so  viel  becjuem  und  thunlich,  sowohl  gegen- 
wärtig, wie  sie  bey  Hof,  als  durch  Cori-espondenz,  wenn  sie  abwesend,  concurriren, 
und  nicht  allein  auf  Begehren  mit  Nachrichten  an  die  Hand  gelien,  sondei'u  auch 
von  Selbsten  ihre  Observation  es  und  Gedanken  dargeben.  Woran  es  niclit  manglen 
wii'd.  wenn  sie  vermerken  werden,  dafs  Churf.  D'  eine  besondei-e  Vergnügung  darob 
haben.  Wenn  man  auch  solche  Neigung  mehr  und  mehr  spüren  würde,  ist  nicht 
zu  zweifeln,  es  würden  Voi'nehme  von  Adel,  und  andei'e  begüterte,  in  Ruhe  und 
Wolstand  sich  befindende  Leute  (wie  etwa  in  England  imd  anderswo)  aufgemuntert 
werden,  ihre  Lust  in  Untersuchung  der  Natur  und  Wunder  Gottes,  auch  jNlathe- 
maticis,  und  daher  lliefsenden  schönen  Künsten  zu  suchen,  und  ein  so  rühmliches, 
nützliches  und  vergnügendes  Zeitvertreib  andei'u.  theils  verderblichen,  Zeitver- 
spildungen  vorzuziehen,  dadurch  die  Handwerker  von  ihnen  auch  encouragiret, 
viele  Menschen  vom  Bösen  abgeführet,  und  viel  Dienliches  zur  Ehre  Gottes  und 
Dienst  des  Nächsten  herfürgebracht  werden  dürfte.  Ferner  könnten  die  churfürstl. 
Gesandten,  Envoyes,  Residenten,  Agenten  und  Factoren,  so  Churf.  D'  ohnedem 
hin  und  wieder  mit  ansehnlichen  Kosten  aufser  den  Landen  hält,  angewiesen  werden, 
nicht  allein,  was  ihnen  etwa  von  curiösen  und  nüzlichen  Dingen  vorkommt,  der 
Societät  mitzutheilen,  sondern  auch  die  etwa  von  ihr  verlangenden  Erkundigungen 
einzuziehen. 

Und  weilen  vornehmlich  bey  L^niversitäten ,  Academien,  Gymnasiis  imd  so- 
wol  hohen  als  niedrigen  Schulen,  solche  Personen  von  dem  Publico  erhalten  werden, 
deren  Amt  ist  die  Studia  und  Wissenschaften  zu  treiben  luid  fortzupflanzen,  diese 
Leute  auch  ohnedem  mit  Lectionibus.  Scriptis,  Bücherschreiben  und  dei-gleichen 
Laboribus  allerhand  Arbeiten  thun:  so  würde  man  sich  wegen  der  Societät  auch 
mit  denen  Tauglichsten  unter  denselben  wol  zu  vernehmen  haben,  damit  wackere 
Leute  darunter,  die  etwas  Gutes  zu  thun  Lust  haben,  dazu  aufgemuntert,  ihnen 
die  Objecta,  Occasiones  und  allerhand  dienliche  Nachrichtungen  zu  iiu-em  Zweck 
suppeditiret,  und  also  nichts  zu  Aufnalnne  der  Wissenschaften  und  Studien  ver- 
absäumt werde.  Welches  denn  Alles  Dinge  von  grofsei"  Extension  und  Würkung 
seyn.  und  doch  Churf.  I)*^  nichts  als  nur  die  Bezeigung  ihres  dazu  geneigten  Willens 
kosten  würden. 

Weilen  aber  gleichwol  gewisse  Leute  eigentlich  bey  der  Societät  unterhalten 
werden  müssen,  und  dazu  ein  Fundus  nöthig,  womit  die  churfürstliche  Einkünfte 
so  wenig  als  möglich  zu  beschwei-en,  so  wäre  zu  dem  Ende  auf  Vorschläge  zu 
gedenken,  so  ziüänglich,  annehmlich,  billig  und  nüzlich.  luid  stünde  zuvörderst 
dahin,  weil  Churf.  Durchl.  viel  Gnaden  thun,  Beneficia  conferiren,  und  andere  2)ure 


78    30 i.    Leibnizgiis  Denkselirift,   die  Einrichtung  der   Societiit  betreftend  (März   1700). 

Gratiosa  expediren  lassen,  ob  bei  solcher  Gelegenlieit  nicht  ein  Gewisses  von  denen 
Begnadigten  vor  der  Expedition  zu  fordern,  welches  zu  diesem  vortrefflichen  Vor- 
haben zu  bestimmen,  weil  Niemand  sich  dai'über  zu  beklagen  Fug  und  Ursach  hätte. 

Es  sind  auch  gewisse  Onera  so  bewandt,  dafs  sie  nicht  beschwerlich,  sondern 
angenehm,  wenn  nehmlich  der  Nuzen,  so  dadurch  erhalten  wird,  ohngleich  gröfser 
als  die  Kosten,  auf  welchen  Fall  die  Last  nicht  nui-  erträglich,  sondern  auch  er- 
spi'ieislich  und  heilsam.  Zum  Exempel,  eines  der  nüzlichsten  Dinge,  zum  Besten 
von  Land  und  Leuten  wäre  eine  gute  Anstalt  gegen  Feuerschäden.  Und  weilen 
nunmehr  vortreffliche  Mittel  dagegen  aufgefunden,  welche  in  Macliinis  und  mathe- 
matischen Gi'und  beruhen,  so  könnten  alle  gi-ofse  und  kleine  Städte  in  allen  chur- 
fürstl.  Landen  damit  aufs  Vortheilhafteste  versehen,  und  ein  Theil  des  Fundi  societatis 
zuförderst  darin  gesucliet  werden,  indem  alle  Bürger  nach  Werth  ihrer  Häuser, 
ein  Leidliches  jälu'lich  zu  Anschaffung  und  Erhaltung  der  Brandspritzen  und  dazu 
gehöriger  Mittel  zu  contribuiren  hätten,  solches  auch,  als  zu  ihrer  Wolfahrt  ge- 
reichend, von  Herzen  gern  thun  würden,  welches  dann  also  zu  fassen,  dafs  ein 
merklicher  Überschufs  bleibe,  welches  zu  nichts  Andern  als  ad  cassam  Societatis 
Scientiarum  anzuwenden,  damit  sie  besser  in  Stand  sey,  mehr  dergleichen  land- 
ersprielsliche  Dinge  auszufinden  oder  zu  veranstalten.  Daher  auch  die  ganze  Direction 
dieses  Wei'kes,  nebenst  denen  dazu  gehörigen  Personen,  von  ihr  zu  dependiren  hätte. 

Ebenmäfsig  wäre  auch  Anstalt  zu  machen  gegen  Wasserschäden ,  welche  gröfser 
als  Feuerschäden  zu  seyn  pflegen,  weil  sie  zumahlen  sich  öfters  begeben.  Wenn 
man  nun  solchen  fürkommt,  wird  dem  Landmanne  nicht  weniger  dadurch  als  durch 
Verhütung  der  Feuersbrünste  den  Städtern  geholfen.  Nun  ist  gewifs,  dafs  an  vielen 
Orten  sicli  die  Wasser  ergieCsen  und,  wenn  sie  sich  ergossen,  lange  Zeit  stellen 
bleiben,  da  entweder  das  allzu  grofse  Ergiefsen  durch  Diversiones  zu  verhüten  oder 
zu  vermindern  gewesen  wäre,  oder  das  einmal  ergossene  Wasser  förderlichst  ab- 
gezogen werden  könnte,  so  blofs  aus  Mangel  Nachdenkens  und  Erkenntnis  unter- 
lassen wird.  Zu  geschweigen  der  Seen  und  Moräste,  so  allezeit  stehen  bleiben, 
und  theils  auszutrocknen  und  zu  besserem  Nuz  zu  bringen.  Zu  diesem  trefflichen 
Zweck  ist  nichts  Anders  als  ein  rechter  Gebrauch  der  Geometria  von  Nötlien,  und 
ist  die  Kunst  der  Wasserwage  nunmehr  sehr  hoch  gebracht,  sowol  bey  Bergwerken 
als  sonsten,  obschon  es  insgemein  nicht  gnugsam  bekannt.  Wiewol  nun  hierbey 
nicht  sofort  sich  ein  gewisser  Fundus,  wie  bey  der  Verhütung  der  Feuerschäden 
findet,  so  würden  doch,  wenn  ein  Gewisses  künftig  von  dem  erhaltenden  Nuzen 
der  Churfürstl.  Societät  zugewendet  würde,  deren  Einkünfte  dadurch  immer  mehr 
und    mehr   mit   des  Landes  Wolfahrt   und  den   churfürstlichen  Einkünften  wachsen. 


(Vergl.  Gescliiolitc  der  Akademie  S.  8i). 

Leibnizcus  Denkschrift    in  Bezug    auf   die  Einrichtung  einer  Societas 
Scientiarum    et   Artium    in    Berlin    vom   26.  März'    1700,    bestimmt  für 

den  Kurfürsten. 
[Akademisches  Archiv  und  KAPPens  Sammlung  S.  191  ff.] 
Nachdem  Churfürstl.  Durchlaucht  dero  hohen  Neigung  nach  sich  erkläret,  eine 
Societät  zu  Aufnahme  realer  Wissenschaften    zu    fundiren,    so  wäre  auf  solche  An- 
stalt zu  gedenken ,    dadurch  etwas ,    so  dem   grofsm ächtigsten  Fundatori    i'echt   glo- 


1  So  (nebst  der  Angabe:  «Hannover")  in  dem  Exemplar  im  Archiv  der  Akademie. 
In  KAPPens  Sanunlung  ist  das  Stück  irrthümlich  ..25.  März  170O"  überschrieben  (nach  iiir 
haben  Guhkaueu  und  Klopp  gedruckt). 


30/!».    LEiBNizens  Denkschrift,    die  Einrichtung  der  Societät  betreuend  (Mürz   17()0).     /9 

riüs  seyii  möge,  auszuricliteii,  und  doch  dero  Caimiicr-  und  anderen  Intraden  keine 
Beschwjerde  aufzubiirden  ^ 

IVIan  hat  zwar  zum  Beispiel  vor  sich  die  beiden  Königliehen  Societäten,  von 
denen  mir  ziemliche  Kundschafft  beyvvohnet,  weil  ich  die  Ehre  habe  ein  Glied  von 
beiden,  und  zwar  von  der  englischen  etliche  zwanzig  Jahr  über  zu  seyn.  Und  ist 
die  Histori  von  beiden  im  Druck,  das  letzte  Reglement  auch  von  der  französischen 
vorhanden.  Es  wäre  aber  das  Beste  daraus  zu  nehmen,  vmd  sonderlich  gewisse 
Defectus  zu  verbessern,  welche  verursacht,  dals,  obschon  beide  aids  vortrefflichen 
Leuten  bestanden,  und  die  französische  dem  König  ein  Grofses  gekostet,  dennoch 
dasjenige,  so  von  realen  Scienzen  zu  gemeinen  Nutz  zu  erwarten,  nicht  erreichet 
worden,  sondern  Alles  mehr  in  curiosis  bestehen  blieben. 

Derowegen  wäre  anitzo  daliin  zu  sehen,  wie  nicht  nur  Curiosa,  sondern  auch 
Utilia  ins  Werk  zu  i'ichten.  Denn  Reale  ministri  wei'den  unützer  Curiositäten  bald 
überdrülsig,  und  rathen  keinem  grofsen  Fürsten  viel  Staat  davon  zu  machen. 
Hingegen  wann  Dinge  zu  erhalten,  dadurch  die  Beciuemlichkeit  des  menschlichen 
Lebens  imd  die  Nahrung  der  Unterthanen  zu  vermelu-en,  kau  die  Approbation, 
und  auch  der  Fundus  nicht  fehlen,  als  welcher  von  dem  neuen  darauis  entspringenden 
Nutzen  selbst  herzunehmen ,  und  sonst  reichlich  durch  selbigen  zu  ersetzen.  Also 
dals  es  nur  auf  den  guten  Anfang  ankörnt,  welcher  mittelmäfsig  und  doch  also 
gefafset  sein  mul's,  dafs  das  Werck  mit  dem  sich  ereignenden  Nutzen  wachsen  könne. 

Reale  Wissenschaften  sind  Mathesis  und  Physica:  bey  beiden  sind  vier  Haupt- 
stücke. Bey  Mathesi  diese:  Geo)netria,  darunter  man  Mathesin  Generalem  oder 
Analysin  begreifet,  so  den  andern  allen  das  Licht  anzündet;  Astronomia ,  worunter 
auch  in  der  That  Geographia  und  Chronologia,  sow'ol  als  Optica,  auf  gewilse  Mafse 
beschlossen,  dazu  ein  Observatorium  mit  Instrumenten  gehöret;  ferner  Architectonica 
(welche  Civilem,  Militarem  et  Nauticani  Architecturam  zusammen  fafset,  tum  Picturam, 
Statuariam,  und  andere  Artes  ornamentorum  als  subordinatas  zu  sich  ziehet);  und 
letzlich  Mechanica ,  davon  die  Mühl-  auch  Kunst-  und  Handwerke,  so  Bewegung 
erfordern,  samt  den  Mamifacturen ,  regiert  werden:  und  sind  zu  der  Architectonica 
sowol  als  Mechanica,  Risse.  Modellen  und  Werkzeuge  nöthig. 

Physica  Ijestehet  auch  aus  vier  Theilen,  nämlich  Chynüa,  und  den  drei 
Reichen.  Chymia  ist  die  rechte  Physica  generalis  practica,  so  allen  drey  Reichen 
gemein,  dadurch  das  innei'ste  der  Cöi'per  zu  erforschen,  und  wird  ein  Laboratorium 
dazu  erfoi'dert.  Das  Regnuni  Minerale  hat  zwar  hauptsächlich  in  sich  die  Bei'g- 
und  Hüttenwerke  auch  JNIetallen,  doch  sind  auch  Saltz-  und  Salpeter-  und  andere 
Siedereyen,  Stein-  und  Kohlenbrüche,  Glasarbeit  aller  Art,  und  selbst  das  vor- 
treffliche Regal  des  Agtsteins  (so  Chui-fürstl.  Durchlaucht  vor  andern  Potentaten 
haben)  dahin  zu  rechnen.  —  Bei  dem  Regno  Vegetabili  ist  Botanica,  daraus  die 
Agricultura  neben  der  Gärtnerey  und  Forstwesen  fliefset.  Und  das  Regnum  Ani- 
male,  dessen  rechte  Erkenntnifs  von  der  Anatomi  dargegeben  wird,  hat  Thier- 
zucht,  Waidwerk  und  viel  Anders  (der  hohen  Scienz  der  Medicin  zu  geschweigen) 
in  sich. 

Zu  allen  diesen  Wifsenschaften  dienen  Bibliotheken ,  Iconothecae  (oder  CoUec- 
tanea  von  Kupferstücken ,  Ril'sen ,  Bildungen  und  Gemählden) ,  Kunst  und  Raritäten- 
Kammern,  Zeug-  vuid  Rüsthäuser,  Gärten  vieler  Art,  auch  Thierbehältnisse  und 
die  grofsen  Wercke  der  Natur  und  Kunst  selbsten,  von  welchen  allen,  zum  Theatro 
Naturae  et  Artis,  bey  Churf.  Durchlaucht  kein  Mangel. 


1  In  dem  Druck  in  KAPPens  Saninilung  finden  sich  hier  noch  die  Worte:  -Wie  denn 
zu  beyden  bereits ,  auch  über  das  Observatoi-iuni  und  Kalender-Wesen  solche  Vorschläge  ob- 
handen,  dadurch  in  kurzer  Zeit  einige  wichtige  Dinge  zu  entdecken,  und  dazu  die  zuläng- 
lichen Mittel  aufszufindeu". 


80    306.    LEiBNizens  Denkschrift,    die  Einriclituug  der  Societät  betreiFeiul  (März  1700). 

Hieraus  erscheinet  nun,  dals  zu  dieser  Societate  Seientiaruin  Leute  geliören, 
die  in  Geometria,  Asti-onomia,  Architectonica,  Mechanica,  Cliymia  und  Mineralibus, 
Botanica  und  Anatomica  vortrefflich.  Wie  dann  auch  insonderheit  bey  der  letzten 
Verfassung  der  Kön.  Französischen  Societät  auf  dieses  Alles  gesehen  worden.  Und 
ob  man  schon  nicht  sofort  nöthig  hätte,  wegen  aller  dieser  Dinge  eigene  Leute  zu 
besolden,  so  fehlet  es  doch  an  churfürstl.  Hofe  nicht  an  allerhand  excellirenden 
Personen,  so  einiger  mal'sen  dahin  zu  ziehen. 

Könnte  demnach  die  Societät  bestehen  aus  innern  Membris  und  aus  Associatis. 
Die  innern  Meml)ra  formiren  eigentlich  das  Collegium  Societatis ;  die  Associati 
wären  theils  münd-  und  thätlich,  theils,  wenn  sie  abwesend,  mit  Correspondenz 
behülflich.  Und  weilen  Churf.  Durchlaucht  nicht  nur  an  Dero  Hof,  sondern  auch 
in  Dero  grolsen  Landen  so  viel  berühmte,  und  sonst  in  allerhand  Wissenschaften, 
Künsten  und  Werken  hochgeschätzte  Leute  haben,  auch  theils  besolden:  so  ist 
kein  Zweifel  dals,  wenn  hochgedachte  Churf.  Diu'chlaucht  eine  gnädigste  Neigung 
hierzu  spühren  lassen.  Jedermann  um  die  Wette  das  Seinige  beytragen  und  sichs 
vor  eine  Ehre  schätzen  werde,  etwas  zu  dieses  grofsen  Potentaten  \'ergnügung  zu 
thun.     Der  Fremden  zu  geschweigen. 

Und  können  Churf.  Durchlaucht  denen,  so  etwas  Sonderliches  leisten,  leicht 
solche  Gnaden  widerfahren  lassen,  die  theils  in  lionore  beruhen,  theils  sonst  ohn- 
küstlich,  auch  männiglich  unnachtheilig,  bis  der  Fundus  dahin  erwachsen,  dais  ohne 
Churf.  Durchlaucht  Kosten  Real -Erkenntlichkeiten  erfolgen  können.  Dadurch  wackere 
Leute  nicht  nur  animirt,  sondern  auch  in  Stand  gesetzet  werden  ein  Mehreres  aus- 
zurichten, und  wenn  solches  Alles  nicht  wäre,  wii'd  doch  Manchen,  neben  dem 
Ruhm,  die  Hoffnung  einer  dei'mahleins  wohlverdienten  Beförderung  anfrischen  können. 

Man  kann  auch  sondei'lich  in  Friedenszeiten  sagen,  dafs  nächst  der  über  Alles 
gehenden  Gottesfurcht  und  einer  gerechten  Regierung,  nichts  nöthiger,  dienlicher 
und  einem  grofsen  Potentaten  rühmlicher  sey,  als  was  Künste  und  Wissenschaften, 
ta,ni((uam  ornamenta  et  fructus  pacis ,  blühen  machet.  Denn  nicht  allein  die  Ge- 
sundheits-  und  Nahrungsmittel  daraus  entspringen,  dadurch  eines  Herrn  Unter- 
thanen  und  Einkünfte  erhalten  und  vermehret  werden,  sondern  auch  freudige,  aber 
dabey  müssige  Gemüther,  so  sich  aus  Mangel  besserer  Materi  auf  Spiel,  Debauchen 
und  sonst,  wo  nicht  schädliche ,  doch  unnütze  Übungen  und  Zeitvertreib  begeben, 
finden  dergestalt  ein  Objectum,  darinn  sie  sich  wahrhaftig  vergnügen,  auch  Gott 
luid  Andern  damit  dienen  können.  Womit  auch  der  teutsche  Adel  samt  andern 
wohlhabenden  Leuten  (des  Frauenzimmers  zu  geschweigen)  nach  dem  Exenipel 
fürnehmer  \'irtuosi  der  auswärtigen  Nationen,  zu  einer  löblichen  Curiosität  und 
dem  rechten  Bon  goust  zu  bringen,- dals  man  die  Welt  und  Werke  Gottes  und  der 
Menschen  anders  als  der  gemeine  Mann  ansehen,  mithin  unsere  Nation  nicht  nur 
den  Ruhm  der  Tapferkeit,  sondern  auch  eines  soliden  Verstandes  beybehalten  möge. 

Sollte  ein  solches  Werck  (dergleichen  nicht  nur  in  Teutschland  sondern  in 
der  Welt,  noch  kein  Potentat  mit  so  i-ealem  Absehen  vorgehabt)  dui-ch  Gottes 
Hülfe  von  Statten  gehen,  ist  leicht  zu  erachten,  was  es  nicht  nur  itzo  für  \ev- 
wunderung  bey  männiglich.  sondern  auch  für  ohnster])liclies  Lob  bey  der  Nachwelt 
dem  glorvvürdigsten  Fundatori  bringen  würde.  Der  grofse  König  in  Franckreich 
hat  es  bey  Cuiüosis  beruhen  lassen,  und  blofs  darin  den  Ruhm  eines  mächtigen 
Potentaten  gesuchet,  der  Alles,  was  schön  und  löblich,  befördert.  König  Cai-l  der 
Andere  von  Gi-ofs- Britannien,  ob  er  schon  ein  Herr  war,  der  selbst  viel  wüste, 
so  tractirte  er  doch  die  wichtigsten  Dinge  als  Bagatellen .  und  so  ging  es  auch 
seiner  König!.  Societät.  Was  man  vor  langen  Jahren  in  der  Acadeniia  del  Cimento 
zu  Florentz  gethan,  das  bliebe  auch  bey  geringen  Curiositäten  und  hörete  bald  auf. 

Allein  was  Churf.  Durchl.  hierunter  füi-nehnien  würden,  das  würde  über  alles 
vorerwähnte  noch  zu  der  Ausbreitung  der  Ehre  des  grofsen  Gottes  und  Fortptlanzung 


31.    LEiBNizens  Brief  an  den  Kurfürsten  Georg  Ludwig  (28.  März  1700).  81 

des  reinen  Evangelii  gereichen,  indem  dadurch  den  Völkern,  so  noch  im  Finstern 
sitzen,  das  wahre  Licht  mitanzuzünden,  dieweil  die  Wissenschaften  und  der  irdische 
Himmel  bequem  befunden  worden,  die  verirreten  Menschen  gleich  wie  der  Stern 
die  morgenländischen  Weisen,  zu  dem  so  reclit  himmlisch  und  göttlich  zu  führen. 
Ich  habe  mehrmalen  auch  in  öffentlichen  Schriften  mit  Anderen  beklagt,  dass  man 
die  römischen  Missionarios  allein  die  unvergleichliche  Neigung  und  Wissensbegierde 
des  chinesischen  Monarchen  und  seiner  Unterthanen  sich  zu  Nutz  machen  lasse. 
Davon  ich  viel  Besonders  mit  nachdenklichen  Umbständen  sagen  könnte. 

Es  scheinet,  als  ob  Gott  sich  Churf.  Durchlaucht  zu  einem  grofsen  Instrument 
auch  hierinn  auserwehlet  und  vorher  ausgerüstet  habe.  Älafsen  ja  bey  Protestirenden 
nirgends  ein  solcher  Grund  als  zu  Berlin  zu  der  chinesischen  Literatura  et  Propa- 
ganda fide  geleget  w^orden.  Wozu  nunmehr  vermittelst  sonderbarer  Schickung  der 
Providenz  das  so  ungemein  gute  persönliche  Vernehmen  mit  dem  Czaar,  in  die 
grofse  Tartarey  und  das  herrliche  China  ein  weites  Thor  öffnet.  Dadurch  ein 
Commercium  nicht  nur  von  Waaren  und  3Ianufacturen ,  sondern  auch  von  Licht 
und  W^eisheit  mit  dieser  gleichsam  andern  civilisirten  Welt  und  Anti- Europa  einen 
Eingang  finden  dürfte,  so  auch  Viele  anlocken  würde,  mehr  höchstgedachter  Churf. 
Durchlaucht  Protection  dazu  zu  suchen,  zumahlen  auch  bekannt,  dafs  unter  allen 
europseischen  Naturalien  fast  nichts  in  China  mehr  gesuchet  imd  geschätzet  wird 
als  der  Agtstein.  Gleich  als  ob  Gott  gewollt,  dafs  Churf.  Durchlaucht  auch  diefs 
natürliche  Vorrecht  dazu  haben  sollten. 

Ja  noch  mehr  zu  sagen,  wer  weifs,  ob  Gott  nicht  eben  deswegen  die  pie- 
tistischen, sonst  fast  ärgerliche  Streitigkeiten  unter  den  Evangelischen  zugelassen, 
auf  dafs  recht  fromme  und  wohlgesinnte  Geistliche,  die  unter  Churf.  Durchlaucht 
Schutz  gefunden ,  Dero  bey  Händen  seyn  möchten ,  dieses  capitale  Werck  fidei 
purioris  pi'opagandre  befser  zu  befördern,  und  die  Aufnahme  des  wahren  Christen- 
thumes  bey  uns  und  aufserhalb,  mit  dem  Wachsthum  realer  Wissenschaften  und 
gemeinen  Nutzens,  als  funiculo  triplici  indissolubili  zu  verknüpfen. 

Gleichwie  nun  dieses  so  weil  sich  erstreckende  treffliche  und  grofse  Absehen 
annoch  sehr  geheim  zu  halten,  also  wäre  gleichwol  das  bevorstehende  Reglement 
der  Churf.  Wissenschafts -Societät  also  zo  fassen,  dafs  dieses  Alles  mit  der  Zeit  da- 
bey  statt  haben,  und  das,  so  Anfangs  geschieht,  zu  dem  so  künftig  geschehen  soll, 
bequemlich  leiten  könne.  Wozu  Gott  (dessen  Ehre  man  über  Alles  zu  suchen  hat) 
sein  Gede^'hen  geben  und  Churf.  Durchlaucht  hohes  Gemüth  zu  heroischen ,  christ- 
löblichen LTnternehmungen  ferner  entzünden .  auch  zu  deren  glücklicher  Ausführung- 
Sie  bev  langem  vollkommenen  höchsten  Wolstand  ei'halten  wolle. 


31. 

(Vergl.  Gescbiclite  der  Akademie  S.  85). 

Leibniz,  Brief  an  den  Kurfürsten  Georg  Ludwig  vom  28.  März  1700. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibxiz.  8.  Bd.  S.  i5of.] 
Monseignein-.  II  semble  que  l'honneur  qu'on  m'a  fait  en  France  de  me  donner 
place  ä  l'Academie  Royale  des  sciences  qu'on  y  a  renouvellee,  m"attire  un  autre 
que  voicy.  C'est  que  ^Nlgr  l'Electeur  de  Brandebourg,  resolu  de  fonder  une  sem- 
blable  societe  et  de  faire  bastir  un  observatoire,  me  fait  escrire  pour  faire  un  petit 
tour  ä  Berlin  ä  fin  de  donner  mes  avis,  et  veut  mesme  m'en  confier  la  direction, 
mais  de  loin,  et  sans  que  je  m'y  arreste,  ce  qu'on  suppose  ne  pouvoir  pas  de- 
plaire  a  V.  A.  E.,  car  il  semble  qu'une  teile  demande  qui  m'est  avantageuse ,  ne 
deshonnore  pas  la  cour  de  V.  A.  E. 

Geschichte  der  Akademie.    IL  6 


82  32.    LEiBNizens  Brief  an  D.  E.  Jablonski  (31.  März  1700). 

Mad.  FElectrice  de  Brandebourg  avoit  jette  les  premiers  fondemens  du  dessein 
de  l'observatoire.  Je  dois  luv  en  apprendre  mainteiiant  le  progre.s  et  Ten  remer- 
ciei",  mais  je  ne  Tay  voulu  faire  qu'a])res  en  avoir  informe  V.  A.  E.  Aussi  n'en 
ay-je  pas  encore  parle  ä  personne. 

Comine  je  mene  ordinairement  une  vie  extremement  sedentaire,  ne  sortant 
que  peu  de  chez  moy,  et  travaillant  le  long  du  jour  tous  jours  ä  des  choses  qui 
sont  ou  pour  le  Service  de  V.  A.  E.  et  de  sa  maison,  ou  pour  la  reputation  de  sa 
cour,  je  suis  d'autant  plus  oblige  de  faire  de  temps  en  tenips  de  petits  voyages 
qui  ine  restablissent,  et  qui  sont  nion  remede  et  divertissement.  Et  en  effect  je 
me  trouve  oblige  ce  printemps  d'aller  aux  eaux  chaudes,  ä  cause  d'une  fluxion 
froide  et  opiniastre  sur  les  vertebres  du  col.  Mais  j'ay  mis  ordre  que  tout  cela 
n'enipeschera  gueres  les  travaux  Historicpies  oü  il  s'agit  de  ranger  les  materiaux 
deja  ])repares,  en  quoy  je  me  fais  assister,  et  cela  continue  encore  en  mon  absence. 
Je  suis  etc. 

32. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  84). 

Leibniz,  Brief  an  den  Hofprediger  Jablonski  vom  31.  März  1700. 
[KAPPen.s  Sammlung  S.  182  ß".] 

Hocluvürdiger  u.  s.  w. 

Meine  beyde  letzte  samt  den  Beylagen  wird  mein  hochgeehrtester  Herr  Hof- 
prediger zu  i-echt  erhalten  haben,  und  hal)e  ich  in  dem  ersten  allerhand,  die 
Wissensch  afts-Societät  betreffend,  zu  überlegen  dargegeben,  in  dem  andern 
aber  ein  Bedencken  gerichtet  auf  den  hochlöblichsten  Vorschlag,  so  von  Chur- 
fiirstl.  Durchlaucht  kommen,  von  Zusammenfassung  derTeutsch-  und  Wissen- 
schafts-lieben  den  Gesellschaft,  welches  die  vernünftigste  und  schicklichste 
Sache  von  der  Welt,  dafern  es  auf  die  von  mir  ausgeführte  Weise  genommen 
wird.  Denn  eben  dadurch  bekommt  man  herrliche  Gelegenheit  im  Nahmen  C hur- 
für stl.  Durchlaucht  Dero  Bedienten  hin  und  wieder  um  Berichten  und  Beschreibungen 
anzusprechen,  dadurch  zugleich  zu  gründlicher  Nachricht  von  den  Sachen  und  zu 
rechter  Benennung  derselben  in  Teutschem  zu  gelangen.  Hoffe,  es  wei-de  mein 
hochgeehrtester  Herr  Hofprediger  dabey  Vergnügung  finden  und  es  dahin  richten 
helffen,  dals  eben  dieser  Hauptpunct  wohl  behertziget  und  gefasset  werde.  Dergestalt 
zweifele  auch  ich  [nicht?],  Ghurfürstl.  Durchlaucht  werden  bey  dieser  Extension 
geneigt  seyn,  mit  dem  Fundo  weiter  zugehen  und  es  bey  dem  blossen  Kalender- 
kauf nicht  bleiben  lassen.    Wozu  sich  allerhand  dienliche  Vorschläge  finden  werden. 

Sonsten  schreibe  diesen  Brief  blofs  und  allein  zu  melden,  dafs  ich  diese 
Ostern,  wills  Gott,  in  Wolfenbüttel  zu  halten  gedencke  und  derowegen,  dafern 
M.  H.  Herr  es  mit  einem  Fuhrzettel  thunlich  findet,  könnte  das  Schreiben  darinn 
solcher  Gestalt  enthalten,  wie  ohnlängst  mit  der  fahrenden  Post,  so  über  Magd e bürg 
gehet,  an  Monsieur  Polich,  Postmeister  des  Hauses  Braunschweig  (denn  sonst  auch 
ein  Kayserl.  Postmeister  allda  ist),  gerichtet  worden,  um  den  Brief  bis  zu  der 
Abforderung  zu  behalten. 

Herr  D.  Schmidt,  Pi-ofessor  zu  Helmstädt.  hat  ein  Consilium  de  resumendis 
Magdebiu'gicis  Centuriis  drucken  lassen,  so  er  mir  zugeschickt.  Ich  habe  ihm  einen 
ausführlichen  Brief  darüber  geschriel)en  und  finde  das  ^"orhaben  an  sich  selbsten 
lob-  und  nützlich,  stehe  aber  in  den  Gedancken,  dafs,  wenn  man  das  Werck  ge- 
bührend refoi'miren ,  suppliren  und  perficiren  will ,  es  fast  gar  ein  opus  novum 
werden  dürffte.  Von  der  Centuriatorum  Zeit  an  bis  auf  die  unsere  sind  unzehlich 
viele  schöne  Sachen  in  historia  ecclesiastica  et  Patribus  herauskommen,  ich  sollte 
auch    mehr  auf  Annales  Baroniano  more  incliniren.     Denn  aceurata  temporum  series 


33.    D.  E.  Jablonski's  Brief  an  Leibniz  (6.  April  1700).  83 

gieht  den  Dingen  das  beste  Licht,  hernach  sab  finem  cujusque  seculi  könnte  man 
Titulos,  als  de  doctoribus,  de  consüiis,  de  dogmatibus,  de  ritibus  etc.  setzen,  welche 
man  theils  per  modum  indiculi  zusammenziehen  könnte,  doch  meist  nur  remissive 
et  indicative,  was  von  jedem  Titulo  in  dem  Seculo  passiret,  und  könnten  zu 
Magdeburgicorum  Titulis  vielleicht  noch  einige  kommen.  Ich  habe  selbst  Chrono- 
logiam  imperatorum  et  paparum  von  etlichen  Seculis  mit  Fleifs  untersuchet  und 
gefunden,  dal's  Baronius  in  vielen  circa  ipsos  papas  geirret,  w^eil  er  nicht,  wie  ich 
gethan,  Diplomata  genügsam  zu  Hülffe  genommen  oder  auch  so,  wie  ich,  zu  Hülffe 
nehmen  können.  Denn  ihm  auch  dazu  noch  Subsidia  gefehlet,  die  hernach  in  die 
Welt  kommen.  Ich  sorge  aber  (unter  uns  geredet),  die  Papissa  wei-de  nicht  be- 
stehen können.  Es  ist  auch  an  ihr  nicht  viel  gelegen,  mehr  aber  daran,  dafs  man 
aufrichtig  der  Wahrheit  Statt  und  Raum  gebe.  Ich  wollte  gern  Herrn  Hertzog 
Rudolphi  Augusti  Durclil.  dran  bringen ,  sich  dieses  Wercks  mit  anzunehmen. 
Denn  es  ein  Herr  ist,  der  res  ecclesiasticas,  wie  billig,  sehr  liebet  und  an  dem 
Concilio  Constantiensi  eine  nützliche  Arbeit  bereits  thun  lassen.  Wenn  er  und  in 
seine  eigene  Bibliothecam  Rudolpheam  Bücher  schaffet,  die  dazu  nöthig  und  sonst 
sehr  in  diesen  Landen  fehlen,  so  ist  der  Sache  schon  in  vielen  Stücken  geholffen, 
Aviewohl  freylich  auch  mehr  dazu  gehöret.  Mein  hochgeehrtester  Herr  Hofprediger 
hat  zumahl  in  dieser  Materie  Jurisdictionem  competentem,  bitte  also  um  dero  Ju- 
dicium.   Vielleicht  können  wir  auch  solchen  Punct  einsmals  mündlich  besser  überlegen. 


33. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  83). 

Des  Hofpredigers  Jablonski  Brief  an  Leibniz  vom  6.  April   1700. 
[IvAPPens  Sammlung  S.  185  ff.] 

Hochedler  Herr, 
insonders  hochgeehrtester  Herr  Geheimbter  Rath ,  hoher  Gönner. 
Desselben  sämtliche  höchst  angenehme  Schreiben  (deren  beyde  erstere  auf 
einen  Tag  behändiget,  den  31  ]Martii,  das  letztere  den  4**"  April),  geben  mir  so 
inancherle}'  Materie,  mithin  soviel  Vergnügung  und  Freude,  dafs  nicht  weis,  wo- 
mit anfangen  oder  endigen  solle,  und  die  Hoffnung,  meinen  hochgeehrtesten  Herrn 
Geheimten  Rath  selbst  ehestes  dahier  zu  sehen,  lasset  mir  nicht  mehr  als  das 
AUernothwendigste  zu,  zu  schreiben,  damit  das  Übrige  zu  mündlicher  Unterredung 
versparet  bleibe.  Derohalben  melde  kürtzlich,  dafs  beyde  meines  hochgeehrtesten 
Herrn  Geheimten  Rathes  hochvernünftige,  sinnreiche  und  thätliche  Be- 
de ncken  den  nechsten  Tag  nach  deren  Beliändigung  Churfürstl.  Durchl.  selbst  über- 
reichen wollen,  weil  aber  nicht  auf  eine  bequeme  Zeit  traf,  da  Se.  Churfürstl. 
Durchlauchtigkeit  den  Trierischen  Gesandten  bey  sich  hatten,  und  selbten  die 
Curiositäten  Dero  Schlosses  zu  zeigen  beschäftiget  waren,  sie  folgenden  Tages  durch 
den  Herrn  von  Wedel  überreichen  lassen,  welches  er  mit  gutem  Effect  gethan,  so 
dafs  Se.  Churfürstl.  Durchl.  daher  höchlich  vergnüget  worden ,  auch  Dero  gnädigste 
Ordre,  mit  Vollstreckung  des  Entwurfs  zu  eilen,  erneuret.  Die  Abrede  ist  mit 
dem  Baumeister  bereits  genommen  und  wird  nach  den  Feyertagen  der  Anfang  ge- 
macht, da  zu  dem  Observatorio  ein  eigener  Pavillon,  4  Stock  hoch,  von  Grund 
aus  soll  aufgemauret,  dabey  auch  eine  gute  Anzahl  bequemer  Zimmer  angeleget 
werden.  Se.  Churfürstl.  Durchl.  wollen  in  hoher  Person  Selbsten  Protector  der 
Academie  seyn.  Die  Edicta  hatte  schon  dem  Herrn  von  Wedel  übergeben,  so 
wie  der  Herr  Rath  Chuno  selbige  entworffen,  und  Se.  Churfürstl.  Durchl.  haben 
den  Innhalt  gnädigst  gut  geheissen.  Jedoch,  weil  zu  viel  lateinische  und  frantzö- 
sische   Termini    darinnen    gefunden   worden,    hat   der   Herr   von  Wedel    sie    mir 

6* 


84  34.    D.  E.  Jablonski's  Brief  an  Leibniz  (21.  April  1700). 

gestern  wiedergegeben,  damit  der  Stylus  gemäfs  der  teutscliliebenden  Intention  des 
gnädigsten  Fundatoris  eingerichtet  werde,  welches  mir  in  soweit  sonderlich  lieb, 
weil  hierdurch  die  Ausfertigung  so  lang  verschoben  wird,  bis  M.  H.  Herr  Geheimter 
Rath  sothane  Edicta  selbst  wird  gesehen  haben.  Wegen  des  Fuhrzeddels  hat  der 
Herr  von  Wedel  gestern  übernommen,  die  Vorsorge  zu  thun,  heute  aber  mich 
wissen  lassen,  dafs  wegen  plötzlicher  Unpäfslichkeit  des  Ober  -  Cammerherrn  die 
Sache  nicht  bewerckstelligt  werden  können,  doch  würde  er  sorgen,  dafs  es  gegen 
die  nächste  Post  geschehe.  Davon  also  mit  nächstem  die  Ehre  haben  werde,  M. 
H.  Herrn  Geheimbten  Rath  gehorsamste  Nachricht  abzustatten. 

M.  H.  Herrn  Geheimten  Raths  Gedancken  wegen  Wiederauflegung  der  Cen- 
turien  sind  so  solid  und  richtig,  dafs  sie  nicht  mögen  verbessert  werden.  Man 
möchte  dieses  sonst  grosse  und  mühsame  Werck  nennen  Rudimentum  historiae 
ecclesiasticae.  Gewifs  ists,  dafs  dieses  Studium  damahls  gar  nicht  ausgearbeitet 
gewesen  und  haben  diese  wackere  Leute  das  Eis  brechen  müssen ,  dabey  aber  das 
Unglück  gehabt,  dafs  sie  des  allerbesten  Subsidii,  der  criticae  historicae,  die  ihnen 
doch  die  Fackel  vortragen  sollen,  beraubet  gewesen.  Denn  das  gewisseste  Mittel, 
sowohl  libros  genuinos  a  suppositiis  zu  unterscheiden ,  als  auch  sensum  genuinorum 
zu  eruiren,  ist  die  Gegeneinanderhaltung  librorum,  locorum  und  styli.  Weil  aber 
das  Magdeburgische  Werck  fünf  Chefs  gehabt  (wiewohl  sich  nur  vier  bey  der 
Dedicatio  unterschreiben)  und  diese  noch  zehn  andere  unter  sich,  welche  partitis 
operis  die  Autores  gelesen ,  exerziret ,  digeriret  etc. ,  ist  leicht  zu  erachten ,  dafs  bey 
solchen  Collectaneis  historicis  die  wahre  Solidität  nicht  möge  angetroffen  werden, 
sonderlich  da  die  Historie  und  Chronologie  noch  im  Finstern  lag,  daraus  sie  nach 
und  nach  gezogen  werden  müssen.  Baronius  hatte  grossen  Vortheil,  erstlich  der 
Zeit,  weil  damahls  schon  ein  Vieles  entdecket,  hernach,  weil  Alles  durch  seinen 
Kopf  allein  gieng,  da  er  AUes  wohl  gegen  einander  halten  können,  und  dennoch 
bemercken  seine  eigene  Glaubensbrüder  an  ihm  nicht  nur  Errores  chronologicos, 
sondern  auch  reales  und  antilogias  etc. 

So  ist  auch  meine  Meynung,  dafs  die  Historie  nicht  besser  als  per  annales 
geführet  werden  könne,  allermassen  wann,  wie  die  Kirche  meines  Vaterlandes 
verlanget,  ich  eine  Historia  ecclesiarum  Slavonicarum  verfertigen  sollte,  ich  dabey 
gewifs  bleiben  würde.  Doch  von  dergleichen  werde  die  Ehre  haben  (so  Gott 
will),  M.  H.  Herrn  bald  zu  sprechen,  welchen  inzwischen  in  göttl.  treue  Obhut 
empfehle,  als 

Meines  hochgeehrtesten  Hrn.  Geheimbt.  Raths 

P.  S.    Wenn  auch  Mühe  und  Kosten  G^^^*^^ "  "»^  ^i*^"^* '  ergebenster 

an  eine  Historie  solten  gewendet  werden,  Diener 

wäre   gut,    dafs    sie,    wo   nicht  bifs   auf  D.  E.  Jablonski. 

unsere  Zeiten ,  doch  bifs  auf  die  Zeit  der 
Reformation  fortgesetzet  würde. 

34. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  85). 

■  Des    Hofpredigers   Jablonski    Brief  an   Lkibniz   vom  21.  April  1700. 

[KAPPens  Sammlung  S.  i88f.] 

Hochedler  Heri*, 
insonders  hochgeehrter  Herr  Geheimbter  Rath, 
Hochgeschätzter  Gönner, 
Mit  wenigem   melde   gehorsamst,    dafs    theils   wegen  Abwesenheit   des  Hofes 
in  und  um  Oranienburg,  theils  wegen  der  grossen  Schwürigkeiten,  welche  finde, 
es  mit   denen  Fuhrzeddeln  hat,  damit  nicht  zum  Zweck  kommen  können;  es  über 


35.    LEiBNizens  Anfrage  an  einen  Astronom  (Frühjahr  1700).  85 

das  auch  damit  diese  Bewandnil's  hat,  dals  wegen  des  langweiHgen  Aufenthals  bey 
jedem  neuen  Vorspann  man  wohl  lo  bis  12  Tage  haben  müste,  bis  anhero  zu 
kommen.  Dahero  der  Herr  von  Wedel  mir  befohlen,  meinen  hochgeehrten  Herrn 
Geheimten  Rath  zu  ersuchen ,  dafs  selbter,  ohne  einen  Fuhrzeddel  zu  erwarten, 
eine  anderweitige  Bequemigkeit  nach  Gefallen  sich  zu  ersehen  und  je  eher,  je  besser 
anhero  zu  kommen  beliebe;  und  wird  man  bedacht  seyn,  die  gethane  Unkosten 
allhier  zu  ersetzen.  Herr  Kirch  ist  hier  gewesen,  auch  nach  genommener  Abrede 
von  allem,  so  nöthig,  wieder  zurückgangen,  seine  Familie  anhero  zubringen.  Die 
Edicta,  betreffend  das  Kalenderwerck,  sind  schon  vor  einigen  Tagen  in  die 
Kantzley  bracht,  werden  auch  wohl  nunmehr  zur  Unterschrift  kommen  seyn.  Des 
Herrn  Kirchen  Bestallung  ist  gleichfalls  in  der  Kantzley.  Mit  dem  Bau  des  Ob- 
servatorii  soll  eifrigst  geeilet  werden,  zumahl  Churfürstl.  Durchl.  selbten  gar  sehr 
pressiren.  Das  Übrige  verspare  zur  mündlichen  (Gott  gebe  glückl.)  Unterredung, 
in  deren  baldiger  Erwartung,  M.  H.  Herrn  Geheimten  Rath  göttl.  Gnadenhut  em- 
pfehlend,  verharre 

Meines  hochgeehrtesten  Herrn  Geheimbten  Raths 

Gebeth-  und  Dienst -ergebenster 
Diener 
Berlin  den  21.  April   1700.  D.  E.  Jablonski. 


35. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  85). 

Unvollendetes    Concept    von   Leibnizcus    eigener   Hand,    Anfrage    an 

einen  Astronomen,  der  nicht  genannt  ist^  betreffend  die  Erbauung  des 

Observatoriums   (undatirt;   aus   dem   April   oder   Mai  1700). 

[Akademisches  Archiv.] 

Besonders  hochgeehrter  Herr! 

Es  haben  Hr.  Abt  Schmidt  und  Hr.  Mag.  Wagner  von  wegen  meines  hoch- 
geehrten Herrn  ungemeine  Meriten  mir  zu  unterschiedenen  Mahlen  Nachricht 
geben,  haben  auch  Proben  selbst  davon  aus  den  Extracten  der  Bücher  desselben 
geben.  Worumb  ich  nun  darauflf  die  Freyheit  nehme  an  selbigen  gerades  Weges, 
obschohn  unbekand,  zu  schreiben,  ist  die  Ursach,  dafs  Herr  M.  Wagner  aniezo 
zu  Helmstädt  und  die  Ursach  meines  Schreibens  keinen  Verzug  leidet,  auch  die 
Sach  annoch  geheim  seyn  soll. 

Nehmlich  es  sind  Churfürstl.  Durchl.  zu  Brandenburg  geneig,t,  ein  Observa- 
torium bauen  zu  lafsen  und  bin  ich  defswegen  consultirt  worden.  Wiewohl  nun 
das  Bauwesen  meines  Thuns  nicht  ist,  und  ich  Bedencken  habe,  etwas  darinn  vor 
mich  zu  sagen,  indennoch  weilen  die  Sach  zur  Aufnahme  einer  Scienz  gemeinet, 
darinn  ich  auch  etwas  weniges  gethan,  so  habe  die  Freyheit  nehmen  wollen.  Meines 
hochgeehrten  Herrn  Gedancken  darüber  aufszubitten  und  habe  die  Umbstände,  so- 
weit mir  die  kund  worden,  mit  denen  Worthen,  so  mir  zu  kommen,  hierher 
sezen  wollen. 

Man  vermeynet  demnach,  das  Observatorium  auff  den  mittelsten  Pavillon 
des   grofsen  Stalles   in   der  Dorotheen- Stadt  zu  sezen,    welcher  Pavillon  müfse  mit 


1  Gewiss  nicht  der  berühmte  dänische  Astronom  Olaus  Römer.  Dass  Leibniz  auch 
diesen  um  seine  Ansicht  in  dieser  Sache  befragt  hat,  geht  aus  dem  Antwortschreiben  des- 
selben, welches  sich  in  der  Bibhothek  zu  Hannover  befindet  (Bodemann  Nr.  787)  hervor. 
Dieses  Schreiben  ist  auf  den  i5.Dec.  1700  datirt.  Unser  obiges  Schreiben  aber  gehört  einer 
Zeit  an,  wo  die  Erbauung  des  Observatoriums  erst  geplant  wurde. 


86  36.    LEiBNizens  Denkschrift,  das  Observatorium  betreffend  (Frühjahr  1700). 

einem  Stock  noch  erhöhet,  oben  mit  Metall  oder  guthen  gepichten  Holz  beleget, 
mit  einer  Gallerie  umbgeben,  mit  kleinen  versa tilen  Breter-liäufslein  in  den  Ecken 
zu  Placir-  und  Conservirung  der  grofsen  Instrumenten  versehen  und  mit  aufge- 
richteten und  aptirten  Mastbäumen  zu  Handhabung  der  Tuborum,  auch  einer  be- 
weglichen Stube  von  Bretern  aptirt  werden,  damit  man  sich  des  Plazes  commode 
gebrauchen  könne,  und  soll  deswegen  ein  Rifs  gegeben  werden.  Die  Logements 
dürffen  nur  zwey  seyn,  eines  zu  den  Conventibus,  das  andere  zu  der  Bibliothec 
und  Instrumenten.  Die  auff  den  Pavillon  noch  aufzusezende  Etage  köndte  dazu 
gebraucht  werden.  Der  01)servator  aber  würde  in  eben  dem  Pavillon  das  nidrige 
Estage  bewohnen  können. 

Es  wird  dabey  gefüget,  dafs  man  den  Baumeister  bereits  darüber  vernommen; 
der  hat  dazu  6  bifs  700  Thir.  gefordert.  Man  werde  aber  gern  auff  1000  gehend 
Es  wäre  guth  geworden,  wenn  man  das  spatium  des  gedachten  Pavillons  gemeldet. 
Doch  scheinet  wohl,  dafs  der  Plaz  nicht  grofs  seyn  werde,  weil  der  Observator 
allein  das  ganze  untere  Stockwerck  einnehmen  wird.  Ob  nun  das  Stockwerck 
darüber  nicht  mercklich  per  projecta  oder  inventaria  (!*)  zu  vergrössern  wäre  .... 
Umbständen  ....  zu  überlegen.     Dafs  der  Grund  guth  seyn  werde,  ist  zu  hoffen. 

Hr.  Weigel  .  .  sei.  hatte  zu  Jena  bey  seinem  Observatorio  allerhand  feine 
Einfälle  gehabt;  ich  möchte  Gelegenheit  zu  einem  Stiegen -Thurmbau  wünschen,  so 
pro  scientia  obscura  dienen  köndte,  darinn  ein  guthes  Theil  des  Himmels  gleichsam 
als    in    ...    auf  einem   polaren   Stucco    zu   präsentiren,    welches    allerhand   Nuzen 

haben    köndte    der   vorkommenden    Apparenzen    haben    köndte.      Solches 

Thürmlein  wäre  am  Altan  in  Form  einer  Cupola  und  so  niedrig  seyn,  dafs  es  denen 
Tubis  .  .  .  auff  der  Plattform  aufgerichtet  ihi-en  Prospect  nicht  benehme. 


36. 

(Gescliiclite  der  Akademie  S.  85.  87). 

Unvollendete     eigenhändige    Denkschrift    LEiBNizens     (wegen     eines 

Observatoriums   in   Brandenburg)    vom   Ende   April    oder   Anfang  Mai 

1700  (in  der  Abschrift  ist  Mai  ausgestrichen  und  April   gesetzt). 

[Akademisches  Archiv.] 

Es  hat  ehemahlen  ein  hochberühmter  teutscher  Stei-n- Kundiger  Keplerus  einen 
treflichen  Vorschlag  gethan ,  wie  die  Geistlichkeit  ihre  hohe  Kirchen  neben  dem 
Gottesdienst  auch  zu  Beobachtung  der  Wunder  Gottes,  so  sich  an  dem  sichtbaren 
Himmel  sonderlich  zeigen,  brauchen  könne,  und  weiset  er  an,  wie  zum  Exempel 
das  Bildnifs  der  Sonnen,  welches  zu  einem  Loch  oben  in  die  Kirche  gebührend  ein- 
fallet, sich  unten  dergestalt  vergröfsere ,  dafs  man  die  sogenannte  Maculas  solares, 
so  ei'st  in  diesem  letzt  zu  End  lauffenden  Jahrhundert  durch  die  Fern -Gläser  ent- 
decket worden ,  mit  blofsem  Auge  kan  zu  sehen  bekommen ,  und  sie  also  füi-längst 
würde  haben  entdecken  können,  wenn  man  Acht  hierauf  gegeben  und  dieses  Büttels 
sich  bedient  hätte,  zu  geschweige,  was  anietzo  mit  diesem  Weg  auszurichten,  wenn 
die  in  behöriger  Form  ausgeschliffene  Gläser  noch  dazu  kommen  ....  [Es  wird 
nun  von  der  Adaptirung  des  Domes  in  Bologna  erzählt,  wo  auf  dem  Fufsboden 
eine  Mittagslinie  von  Messing  gezogen  und  eingetheilt  sei,  auf  die  die  Sonne  durch 
ein  Loch  falle;  auch  noch  andere  Linien  auf  dem  Fufsboden  unter  solchen  Um- 
ständen zu  ziehen ,  sei  nützlich ,  nicht  nur  für  die  Sonnen  - ,  sondern  auch  für  die 
Mond-  und  Stern -Kunde,  besonders  könne  so  die  Parallaxie  orbis  annui  und  die 
Kugelgestalt  der  Erde  gegen  Roms  Behauptung  erwiesen  werden.] 


1  Siehe  D.  E.  Jablonski's  Schreiben  au  Leibniz  vom  23.  März  1700  (oben  S.  71). 


37.    Das  Kalender -Patent  (10.  INIai  1700).  87 

Demnach  weilen  Churt'iirstl.  Durclil.  entschlossen,  dem  Beyspiel  grofser,  in 
den  Historien  hochgelobter  Potentaten  zu  folgen,  bey  Evangelischer  Christenheit 
aber  und  im  Reich  Teutscher  Nation  vermittelst  hoher  Anstalt  zu  Vermehrung- 
wichtiger  Wifsenschafften  vmd  sonderlich  der  Sternkunst  Anderen  ein  trefliches  Bey- 
spiel zu  geben ,  und  deswegen  in  der  Residenz  ein  Observatorium  oder  Sterngebäude 
aufzurichten  bereits  gewissen  Befehl  erth eilet,  so  stünde  dahin,  ob  hochgedachte 
S.  Churfürstl.  Durchl,  sich  nicht  nach  diesem  Vorschlag,  dadurch  jnan  ohne  grofse 
Weitläuffigkeit  zu  ernstlichen  Observationibus  gelangen  kan,  und  wozu  Sie  vor 
andern  Teutschen  Evangelischen  Fürsten  Gelegenheit  haben,  gefallen  lafsen  möchte. 
Auf  welchen  Fall  dahin  stünde,  was  bey  denen  Dom-  und  anderen  hohen  Kirchen 
zu  Magdeburg,  Halberstadt,  Minden,  Brandenburg,  etc.  füglich  zu  thun  seyn  möchte. 

Weilen  aber  solche  Kirchen  zwar  dei-gestalt  vortreft'liche  Observatoria  dargeben, 
doch  gleichwohl  die  Dächer -Pfeiler  und  andern  Hindernifsen  zumahl  bev  denen 
Kirchen  sich  ereignen,  so  annoch  würcklich  zum  Gottesdienst  gebrauchet  werden, 
so  ist  mir  bey  gefallen ,  ob  nicht  eine  verwüstete  Kirche  sich  finden  möchte,  welche 
zu  astronomischen  Gebrauch  ohne  Hinderung  von  manniglich  desto  besser  und 
eigentlicher  einzurichten  bequem  wäre.  Als  ich  nun  auf  der  Hehr- Reise  mit  solchen 
Gedancken  umbgangen,  hat  sich  etwas  gezeiget,  so  nicht  wohl  hesser  zu  haben, 
und  vermittelst  dessen  diu'ch  geringe  Kosten  ein  Werck  zu  erhalten,  welches  an 
Ansehen,  Ruft'  und  Nuzen  seines  Gleichen  dieses  Schlags  in  Europa,  ja  in  der 
"VVelt  bishehr  nicht  gehabt  hätte. 

Es  ist  nehmlich  bekand,  dafs  auft*  dem  so  genannten  Mai-ienberg  vor  der 
uhralten  Mai-gräf.  u.  Biscliöflichen  Residenz -Stadt  und  Stammhaus  Brandenburg, 
so  der  Marck  und  endtlich  der  Chur  den  Nahmen  geben ,  eine  nunmehr  verlafsene, 
doch  noch  in  guthem  Stand  sich  befindende  hohe  Kirche  liege,  w^elche  von 
Weitem  gesehen  wird  und  über  Stadt  und  alles  umbliegendes  Land  weit  hinaus 
siehet,  also  einen  so  freyen  Horizont  hat,  als  immer  gewünschet  werden  kan, 
da  sonst  die  Kirchen  in  den  Städten  von  Häusern  umbgeben  und  zwar  oben  (wenn 
sie  hoch  genug)  frey  seyn,  zur  Seiten  aber  den  Himmel  nicht  wohl  entdecken 
können. 

Ich  habe  aber  diese  Kirche  bey  der  Besichtigung  von  einer  hierzu  vortreff'lich 
bequemen 

[Hier  bricht  das  Manuscript  ab.] 


37. 

(Vergl.  Gesehiclite  der  Akademie  S.  87). 

Kalender-Patent  vom  10.  Mai  1700. 
[Gedruckt  bei  Mylius,  Constit.  March.  VI,  2,  2.] 

Wir  Friderich  der  Dritte,  u.  s.w. 

Nachdem  aus  Landes  -  väterlicher  Vorsorge  Wir  allezeit  dahin  bedacht  gewesen, 
wie  in  Unserm  Churfürstenthum  und  Landen  nicht  nur  die  Handlung  und  Gewei-be, 
sondern  auch  nützliche  gute  Künste  und  Wissenschafften  zum  Besten  des  gemeinen 
Wesens  und  deren  Einwohner  mehr  und  mehr  gepflantzet  und  in  Aufnahmen  ge- 
bracht werden  möchten ,  Wir  auch  zu  solchem  Ende  sowohl  in  dem  einen  als  dem 
andern  verschiedene  nützliche  Etablissements  zu  stifften  keine  Gelegenheit  vorbey 
gelassen ,  und  es  dann  aucli  durch  des  Hcichsten  Gnade  vor  weniger  Zeit  dahin  ge- 
diehen ,  dafs  durch  einen  unter  denen  Evangelischen  Reichs  -  Ständen  gefasseten  ein- 
müthigen  Schlufs,  das  Calender -Wesen  auf  einen  verbesserten  Fufs  gerichtet  und 
daneben  dahin  abgeziehlet  worden,  wie  künftig  die  Zeit- Rechnung  nach  dem  Astro- 


88  37.    Das  Kalender -Patent  (10.  Mai  1700). 

noniisclien  C'alculo  und  Observationen  des  Himmels  geführt  vind  wie  billig  verbessert 
werden  möchte:  Dafs  Wir  dahero  veranlasset  und  bewogen  worden,  in  Unseren  hie- 
sigen Residentzien  ein  Observatorium  des  Himmels  und  Societatem  Scientiarum  in 
Physicis,  Astronomicis ,  auch  sonsten  in  Mathematicis ,  Mechanicis  und  andern  der- 
gleichen nützlichen  Wissenschafften  und  Künsten  anzurichten  und  mit  gelehrten 
Gliedern,  guten  Gesetzen,  benöthigten  Gebäuden,  auch  anderen  erforderten  Be- 
quemlichkeiten und  Unterhaltungs- Mitteln  dergestalt  zu  versehen  und  zu  bene- 
iiciren,  dafs  sowohl  die  abgeziehlte  Aufnahme  der  Wissenschafften  in  Unsern 
Landen  erreicht,  als  auch  die  im  gedachten  Regensburgischen  Schlufs  an  Hand 
gegebene,  an  sich  selbst  hochnöthige  Observationes  zu  Verbesserung  der  Astro- 
nomie vorgenommen  werden  können ,  Gestalt  dann  dieses  sehr  nützliche  Werck 
unter  ünserm  besondern  eigenem  Schutz  und  Ober  -  Direction  durch  ordentliche 
Zusammenkünfte  und  Anstellung  der  Observationen  mit  neclistem  seinen  Anfang 
nehmen  wird: 

Alldieweilen  Wir  nun  denen  bey  diesem  Unserm  Observatorio  und  Societät 
bestellten,  in  der  Stern -Rechnung  so  wohl,  als  Observationibus  geübten  Astrono- 
mis  zu  Vei'hütung  aller  Unordnung,  die  Ausrechnung  und  Verfertigung,  der  gantzen 
Societät  aber  den  Verlag  derer  verbesserten  oder  sonst  üblichen  Calender  in  allen 
Unsern  Chur-  und  übrigen  Landen  aus  eigener  hohen  Bewegnifs  um  so  viel  mehr 
in  Gnaden  auft'tragen  und  sie  damit  alleinig  und  privative  privelegiret  haben,  damit 
die  bifshero  so  häuffig  im  Schwang  gewesene,  theils  unrichtige,  theils  ärgerliche 
und  mit  ungeziemenden  Lügen  Historien,  nichtigen  Weissagungen,  aucli  schand- 
bahren  Gesprächen  mehrentheils  angefüllete.  sonsten  aber  von  einigen  der  schweren 
und  miihsamen  Stei'u- Rechnung  zumahlen  unerfahrnen  Leuten  nur  ausgeschi-iebene 
Calender  [hier  scheint  etwas  zu  fehlen] ,  welche  Unsere  Societät  mit  einem  gewissen 
Kupffer  oder  Zeichen  zu  bemercken  hat,  eingeführt,  daneben  auch  das  für  jene 
ausgegangene  Geld  künfftig  im  Lande  behalten  werden  möge,  so  haben  Wir  nöthig 
erachtet,  solche  Unsere  gnädigste  Willens -Meynung,  und  wie  Wir  es  defshalb 
weiter  gehalten  wissen  wollen,  durch  dieses  Unser  wohlbedachtes  Edict  jedermännig- 
lich  bekand  zu  machen. 

Demnach  setzen,  ordnen  und  wollen  Wir  Krafft  dieses,  dafs  ausser  denen, 
von  obgedachten  Unsern  ietzigen  und  künftigen  Astronomis  und  Societät  ausge- 
rechneten und  verlegten  Calendern  von  nun  an  und  zu  allen  künfftigen  Zeiten  so 
wenig  in  Unserer  Chur-Marck  als  allen  übrigen  Unsern  Provinzien,  Hertzogthümern, 
Graf-  und  Herrschaften,  auch  Städten  und  Gebieten,  wo  die  auch  seyn,  keine 
andere  Calender,  sie  seyn  von  Avas  Format ,  Kupferstich ,  Druck  oder  Art  sie  immer 
wollen,  sie  mögen  auch  gemacht,  verlegt  oder  gedruckt  seyn,  wo  sie  wollen,  weder 
gedruckt  noch  verlegt,  noch  auch  von  Unsern  Unterthanen  oder  Frembden  ein- 
geführt, verkaufft  oder  geduldet,  sondern  hierdurch  schlechterdings  aller  Orten, 
auch  auf  allen  Jahrmäi-ckten  verlioten  und  verbannet  sej^n  sollen,  dergestalt,  dafs 
nicht  allein  die  Buchbinder  und  andern,  welche  den  Calender -Handel  in  Unsern 
Landen,  es  sey  aus  Concession  oder  Vergünstigung  oder  sonsten  bifshero  gehabt 
oder  künfftig  haben  werden,  keine  andern  als  der  Societät  -  Calender  einkauffen 
oder  verkauffen  sollen,  sondern  Wir  wollen  auch,  dafs  alle  andern  Unterthanen, 
welche  derer  Calender  zu  ihrer  Haufshaltung  benöthiget  seynd,  gehalten  seyn  sollen, 
blofs  und  allein  von  der  Societät  Calendern  zu  kauffen  und  zu  gebrauchen.  Es 
wäre  denn,  dafs  ein  oder  der  ander  neben  der  Societät  Calender,  auch  den  so- 
genannten Lüttichischen  Calender  in  12°  zu  seiner  Curiosität  zu  haben  verlangte, 
welchem  zu  verschreiben  und  zu  haben  hierdurch  zwar  gestattet  wird,  es  soll  aber 
dennoch  keinem  erlaubt  sej'n ,  dergleichen  zu  feilen  Kauff  zu  haben  noch  auffzulegen. 

Welcher  nun  von  Unsern  Unterthanen  oder  von  Auswärtigen  in  Unsern 
Landen   deme    zuwider  handeln  sich   unterstehen   oder  einen  fremden   und  mit  der 


Das  Kalender -Patent  (10.  Mai  1700).  89 

Societät  Zeichen  nicht  bemerckteii  Calender  her  sich  finden  lassen  wird .  derselbe, 
Avann  er  mit  Calendern  handelt,  sol  von  jeden  frembden  Stück  ohne  Unterscheid 
loo  Rtlilr.,  wann  er  aber  den  Calender  nur  vor  sich  und  zu  seiner  Nothdurfft  ein- 
gekaufft  hat,  von  jedem  Stück  6  Rthh-.  unerläfslicher  Straffe  auf  beschehene  An- 
zeige, ohne  alles  Nachsehen,  angesichts  zu  erlegen,  nechst  Conficirung  der  Exem- 
plarien,  angehalten  werden,  von  welcher  Straffe  Y5.  dem  Denuncianten,  dessen 
Nahmen  nach  INIögUchkeit  verschwiegen  zu  halten,  Y5.  dem  Fiscali,  so  es  befördert, 
1/5.  dem  Richter,  so  es  beytreibet.  ^j^.  denen  Armen  des  Orts  und  endlich  Ys-  der 
Societät  ausgereicht  und  darüber  richtige  Rechntmgen  jedes  Orts  gehalten  und  alle 
halbe  der  Jahr  der  Societät  eingesandt  werden  sollen.  Wenn  aber  dergleichen 
Straffe  etwan  ohne  Zuthun  des  Fiscalis  oder  eines  Denuncianten  eingebracht  wird,  so 
soll  alsdann  derer  abgehenden  Antheil  denen  übrigen  zu  gleichen  Theilen  zuwachsen. 

Damit  aber  die  Buchbinder  oder  wer  sonsten  Calender  verkaufft,  derer  von 
der  Societät  verlegten  Calender  ebenso  beqtiem.  wie  bifshero  derer  verbotenen  von 
Nürnberg,  liCipzig  und  andern  Orten  habhafft  werden  mögen,  so  wird  die  Societät 
dahin  sehen,  dafs  deren  eine  genügsame  Anzahl  nicht  allein  in  hiesigen  Unsern  Re- 
sidentzien,  sondern  auch  in  einigen  andern  Unsern  Städten,  als  Magdeburg,  Star- 
gard,  IMinden  und  andern  Orten  um  billigen  Preis  und  zu  rechter  Zeit  bey  der 
Hand  seyn,  damit  Unsere  Lande  aller  Orten  versorget  Averden  können. 

Es  wird  auch  gedachte  Unsere  Societät,  wann  auch  anderen  Orten  Observa- 
toria  angelegt  und  gute  Calender  publica  authoritate  verfertigt  Averden  solten,  dahin 
sehen,  dafs  sie  deren  anschaffe  und  mit  ihrem  Zeichen  bemercke.  damit  hernach 
ein  oder  ander  Liebhaber,  jedoch  nach  Bezahhing  des  gedoppelten  Preises  der 
andern  Calender,  damit  A'erselien  werden  könne.  Wegen  des  besorgenden  Unter- 
schleiffs  aber,  und  damit  hierdurch  die  Einführung  fremder  Calender  nicht  wieder 
gemein  werde,  AvoUen  Wir,  dafs  deren  Verkauf  der 'Societät  bey  obstehender  Straffe 
gleichfalls  privative  und  sonst  Niemanden  erlaubt  seyn  solle. 

Wir  befehlen  auch  endlichen ,  nicht  allein  dem  bey  der  Societät  bestellten 
und  allen  übrigen  Unsern  Hof-  und  anderen  Fiscälen  in  allen  L'nsern  Landen 
überall ,  hiermit  gnädigst  und  ernstlich ,  auf  die  genaue  Beobachtung  dieses  Unsers 
Edicts  ein  wachsames  Auge  zu  haben  und  keinen  Unterschleiff  zu  gestatten,  sondern 
Wir  wollen  auch  und  befehlen  hiermit  gleichfalls  in  Gnaden,  allen  Unsern  Regie- 
rungen ,  Magistraten ,  Richtern  und  Obrigkeiten ,  Avie  die  Nahmen  haben  mögen, 
in  allen  Unsern  Landen,  über  dieses  Unser  Edict  nun  und  zu  allen  Zeiten  eigent- 
lich und  scharff  zu  halten,  denen  Denuncianten  tmd  Fiscälen  schleunige  Hülffe  und 
Vorschub  ohne  Verstattung  der  geringsten  Weitläuffigkeit  oder  Processe  Avieder- 
fahren  zu  lassen  und  die  A^erwürckte  .Straffe  ohne  alles  Ansehen  der  Person,  Rück- 
frage und  Zeitverlust  ohnfehlbarlich  zu  exequiren. 

Auf  dafs  aber  dieses  Unser  Edict  zu  Jedermanns  so  Avohl  ausAvärtiger  als 
einländischer  Wissenschafft  gelange,  und  hiernechst  Niemand  mit  der  UnAvissenheit 
sich  zu  entschuldigen  habe,  sondern  sich  ein  Jeder  vor  Schaden  tmd  ohnfehlbarer 
Bestraffung  hüten  möge,  so  haben  Wir  dasselbe  nicht  nur  in  öffentlichen  Druck 
bringen  lassen,  sondern  Wir  Avollen  auch,  dafs  es  aller  Orten  in  L^nserer  Chur- 
Marck  und  allen  übrigen  U^nsern  Provintzien  und  Landen  a'ou  denen  Cantzelii  ab- 
gelesen tmd  kund  gemachet,  auch  an  nöthigen  Orten,  sonderlich  in  deiaen  Städten 
und  Marckttlecken  öffentlich  angeschlagen  Averde. 

Dessen  zu  Uhi^kund  haben  Wir  dieses  Edict  eigenhändig  tinterschrieben  und 
mit  Unserm  Churfr.  Lisiegel  bekräfftiget.  So  geschehen  Colin  an  der  Spree,  den 
IG.  May  anno    1700. 

Friederich. 

Graf  A-.  Wartenbers,'. 


90       38.    Kirch's  Bestallung  (18.  Mai  1700).     39.    Leibniz,  Concept  vom  Juli  1700. 

38. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  87). 

Aus  dem  Concept  der  Bestallung  des  ersten  Astronomen  der  Societät, 
Gottfried  Kirch,  vom   19.  April   1700;  die  Ausfertigung  der  Urkunde: 

18.  INIai   1700. 
[Concept  im  Geh.  Staatsarchiv ;  erstes  Concept  und  Al)schrift  im  Akademischen  Archiv.] 

.  .  .  (Nachdem  die  Verdienste  von  Kirch  gerühmt  worden,  heilst  es)  dafs 
Wihr  dahero  in  Gnaden  beschlossen,  denselben  in  Unsere  Dienste  zu  nehmen  und 
bey  der  von  Unfs  aufgerichteten  Societate  Scientiarum  zum  Astronomo  ordinario  zu 
bestellen  .  .  .  .,  (er  möge)  fleifsig  observiren,  seine  Observationes  der  Societät  Pro- 
tocoUo  einverleiben  .  .  .  .,  jährliche  PZphemerides  motuum  caelestium  sowohl  plane- 
tarum  primariorum  alfs  auch,  wenn  er  darzu  Zeit  übrig  hatt,  Satellitum  calculiren, 
darneben  auch  die,  vermöge  Unseres  Edicts  vom  10.  ]Maji  dieses  Jahres  in  Unfsern 
Landen  forthin  allein  gültige  Kalender  .  .  .  jährlich  um  die  rechte  Zeit  vei'fei'tigen 
und  einrichten  .  .  . 

(Er  soll  dafür  125  Reichsthaler  quartaliter  geniefsen,  sowie  freie  Wohnung 
für  sich  und  seine  Familie  »in  dem  neben  dem  Observatorio  stehenden  Eckpavillon« 
oder  anderwärts). 

39. 

(Vergl.  Gescliiohte  der  Akademie  S.  88). 

Leibniz,     Eigenhändiges     Concept     zu     einer    Unterredung     mit    dem 

brandenburgischen   Kurfürsten  (Juli   1700). 

[Akademisches  Archiv.] 

1.  Causa  communis  bey  dem  Postwesen,  ob  refutatio  des  taxischen  Buchs 
jemand  aufzutragen.  Communication  defsen,  so  dagegen  ad  Caesarem  und  andern 
geschrieben.  Puncta,  so  zwischen  Brandenburg  und  Braunschweig  diefsfals  zu 
ajustiren. 

2.  Verwahrung  der  geistlichen  Churfürsten  gegen  die  Cardinäle  in  pö  pro- 
cedendo  zu  communiciren. 

3.  Es  wären  vielleicht  diese  Churfürsten  und  das  gantze  Churfürstliche 
Collegium  durch  eine  Entdeckung  zu  obligiren,  daraufs  erscheinet,  dafs  die  Electores 
Archiepiscopi  zugleich  Cardinales  nati  seyn  und  also  auch  in  Hierarchia  den  Car- 
dinälen  vorgehen,    gleichwie    die    Cardinales  Episcopi   den  Presbyteris    et  Diaconis. 

4.  Specimina  Brandeburgica  annua  historiae  nostri  temporis  teutsch  als  Acta 
publica,  frantzösisch  als  Memoires  und  letztens  nach  etlichen  Jahren  oder  per  De- 
cades  eine  wohlgefal'ste  lateinische  Histori.  Was  Pufendorfius  selig  in  historia 
electoris  regnantis  geschrieben,  wäre  samt  der  Minuta  aufs  Archiv  zu  nehmen. 
Calender,  darinn  die  Veränderung  ganzes  Jahres  durch  Todt,  Heurathen  und  Ge- 
burth  grofser  Herren. 

14.  Untersuchung  der  abgegangenen  Juliusfarth,  wodurch  die  Wahren  vom 
Hartz  in  die  Elbe  und  viceversa  von  der  Elbe  nach  dem  Hartz  (alwo  eine  grofse 
Consumtion)  zu  bringen. 

11.  Berolinum  literatum  et  curiosum,  item  ]Marchia,  Prussia,  Clivia,  Po- 
merania  etc.  literata  et  curiosa,  dienlich,  sowohl  Leute  vor  die  Societaet  zu  wehlen, 
als  durch  sie  Nachrichtungen  zu  erhalten. 

12.  Worunter  auch  gelehrte  Handwerksleute  nicht  zu  vergefsen,  unter  andern 
die  Kupferstecher,  so  Figuren  mitten  in  das  Glas  leget  {?), 


40.    Leibniz,  Concept  betreffend  die  Benutzung  von  Archivalien  (8.  Juli  1700).       91 

lo.  Lista  Churfürstlicher  auswärtiger  Ministronnn  und  Bediente,  umb  zu 
ihnen  Recours  zu  haben.     Es  wäre  ihnen  auch  deswegen  Bedeutung  zu  thun. 

9.  Nachrichtungen  wegen  der  Feuersprützen  aus  Holland,  ob  solche  noch 
in  etwas  verbefsert  und  was  sonst  dabey  zu  erinnern;  item  Nachricht  aus  England 
wegen  Minir-  und  Sprengung  der  Häuser,  den  Brand  zu  steuern. 

5.  Wie  das  negotium  missionum,  zimiahl  nach  China,  zu  l)ef()rdern,  aus  den 
bonis  ecclesiasticis  et  reditibus  ad  pias  causas  destinatis. 

8.  Chinesische   und  Tartarische  Explicationes  characterum  et  dictionaria  aus 

Holland,  Portugal  und  Spanien. 

7.  Extract  des  Tractats  mit  dem  Czar  wegen  des  Passage  nach  China. 

6.  Persianische  Schreiben  wegen  des  Bernsteins  und  dessen  (!'). 

13.  Untersuchung  wegen  der  Mansfeldischen  Bergwerke,  welche  important, 
wenn  Churfürstliche  Durchlaucht  sich  deren  annehmen  kondten. 

16.  Wie  füglich  zu  erhalten,  dafs  Churfürstliche  Durchlaucht  der  Societaet 
dasjenige,  so  in  die  scientias,  curiosa  et  mathematica  laufft,  communiciren  und  theils 
zustellen  lafsen.  Ex  gr.  rara  naturae  et  artis,  wie  solches  in  der  Societaet  In- 
struction  enthalten. 

15.  Ob  nicht  dienlich,  mit  der  Societaet  zu  communiciren  diejenige  Oeco- 
nomico-politica,  so  in  mathesin  et  profundiores  calculos  laufFen,  als  betreffend 
Leibrenten,  Loterien,  Bancken,  Walserkünste  und  Wafserabwegungen,  so  zu  Gräben, 
Farthen  und  Landeinteichungen ,  auch  Stollen  der  Bergwercke  nöthig,  welches  auch 
der  gedachten  Instruction  so  der  Societät  gegeben,  gemäfs. 

17.  AUmählig  auf  bequeme  Personen  zu  gedencken  und  wie  diejenige  zu- 
foderst  zu  gebrauchen,  die  ohne  dem  Gnaden  geniefsen. 

18.  Ob  dem  Fundo  Societatis  mit  einigen  Salariis  zu  Hülff  zu  kommen. 

19.  Ob  künfftig  nicht  zu  Zeiten  Personen,  so  bey  der  Societaet  nuzlich  zu 
gebrauchen,  in  ratio  .  .  .  zu  bedencken. 


40. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  89). 

Eigenhändiges    Concept    einer    Eingabe   LEisNizens    an    den   branden- 
burgischen   Kurfürsten    vom    8.  Juli    1700    um    Gewährung    freier    Be- 
nutzung  von    Archivalien. 
[Akademisches  Archiv,  Concept  und  eine  Abschrift.] 

Weilen  nicht  allein  ich  von  einigen  Jahren  her  die  teutsche  Histori  zum  Theil 
aufs  den  Monumenten  zimlich  untersuchet  und  den  codicem  juris  gentium  diploma- 
ticum  mit  vielen  beyfalligen  Urtheil  angefangen,  mithin  zu  dem  Ende  einige  nuz- 
liche  Scripturen  aufs  allerhand  auch  Königlichen,  Chur-  und  Fürstlichen  Archiven 
erhalten,  welche  zum  Theil  die  jui-a  gentium  und  imperii  publica  erläutern,  auch 
den  Evangelischen  Potenzen  sonderlich  zu  statten  kommen ,  sondern  auch  lezlichen 
Churfürstl.  Durchl,  selbst  bey  der  von  ihr  fundirenden  Societät  der  Wifsenschafften 
auf  die  teutschen  Ursprünge,  Histori  und  Sprache  mitzusehen  anbefohlen,  imd  mich 
gnadigst  dazu  gezogen, 

so  habe  ohnmafsgeblichen  in  Unterthänigkeit  anheimstellen  wollen,  ob  Chur- 
fürstl. Durchl.  in  Gnaden  geruhen  möchten,  verfügen  zu  lassen,  dafs  mir  in  Berlin 
und  anderswo  bey  Archiven  und  Bibliotheken  mit  unverfänglicher  Communication 
in  dergleichen  wie  auch  wohl  gegen  andere  geschehen  und  noch  geschieht,  an 
Hand  gangen  werde,  so  zu  des  Publici  und  Churfürstl.  Durchl.  Dienst  aucli  deren 
sonderbaren  glori  gereichen  würde,   im  mafsen  der  Dinge  nicht  wenig,   deren   Be- 


92         41.  42.    LEiBNizens  Vorschläge  pro  fuiido  Societatis  Scientiarum  (Juni  1700). 

merckung  (Publication)  auch  nach  verschiedener  Churlurstl.  Herrn  Ministrorum  Guth- 
achten  rathsam,  und  ich  in  schuldigster  Devotion  nichts  als  was  von  solcher  Art 
dazu  verlangen  werde. 

Habe   es   zu    unterthänigstem  Vorti-ag  bey  höchst  gedachter  Ihrer  Churfürstl. 
Durchl.  hiermit  vorschlagen  sollen. 

Berlin,  8.  Juli  1700. 

Gottfriedt  Wilhelm  v.  Leibniz. 


41. 

(Vergl.  Gesohichte  der  Akademie  S.  90). 

LEiBTs'izens   Brief  an   M.  von  Wedel   vom   15.  Juni   1700. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    10.  Bd.  S.  3 10  ff.] 

Wohlgeborener  Herr,  hochgeneigtester  Gönner, 

Bitte  dienstlich,  Sie  wollen  Churf.  Durchl.  meinetwegen  unterthänigst  zu  er- 
kennen geben,  dafs  ich  die  hohe  Gnade  des  Praesidii  dero  Societät  der  Scienzen 
mit  tiefster  Erkenntlichkeit  allerdings  annehme,  und  zu  dero  grofsem  Zweck  an 
meinem  wenigen  Orth  alles  beyzutragen  mir  eifrigst  angelegen  seyn  lafsen  werde. 
Mit  dem  gleichwohl  unumbgänglichen  Anhang,  dafs  ich  an  des  Hrn.  Churfürsten 
zu  Braunschweig  -  Lüneburg  Durchl.  ferner  anhaltenden  gnädigsten  Zulafsung  nicht 
zweifle,  und  so  lange  die  verharret,  meine  Schuldigkeit  hierin  zu  glori  Churf. 
Durchl.,  auch  Blühung  dero  Societät  mit  den  Scienzen  unaussezlich  anwenden  werde. 
Womit  ich  in  ergebenster  Verbindung  verbleibe  u.  s.  w. 
P.S. 

Die  aufser  des  Calenderwesens  ohnmafsgeblich  vorgeschlagene  puncta  zum 
fundo  societatis  waren  an  der  Zahl  fünffe: 

1.  bedingte  Indulgenz  der  Reisen  pro  re  Germanica; 

2.  Feuersprizen  mit  ander  Anstalt  pro  i"e  mechanica; 

3.  Cleri  et  Ecclesiarum  concursus  j)ro  Missionibus  et  projjaganda  per  scien- 
tias  fide ; 

4.  Bücher  -  Commissariat  und  Aufsicht  dergleichen  zu  Francfurt  am  Mayn,  doch 
mit  gewissem  Aufsaz  auf  die  eingehenden  Ballen,  zum  Theil  nach  dem  Englischen 
frischen  Exempel,  j^ro  re  literaria; 

5.  Loterie  oder  annehmliche  Verlosung. 

Der  Rügen  und  ander  Casualium  zu  geschweigen,  auch  mit  Vorbehalt  dessen, 
so  künfftig  vorkommen  und  anstehen  möchte. 

Einige  doch  kurze  Ausführung  dieser  Puncten  werde  förderlichst  zu  schicken 
die  Freyheit  nehmen. 

42. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  90). 

Leibniz,  Einige  Vorschläge   pro  fundo  Societatis  Scientiarum 

(Juni   1700). 
[In  zwei  Exemplaren  im  Akademischen  Archiv,  eines  von  LEiBKizens  eigener  Hand.    Zuerst  ver- 
öffentlicht in  IvAPPens  Sammlung  S.  434  ff.,   hiernach  von  Guhrauer,  Deutsche  Schriften  Bd.  2 
S.  278 ff.,  gedruckt  auch  von  Klopp,  Werke,    10.  Bd.    S.  311  ff.   nach    einer  Abschrift  in  Han- 
nover.    Der  hier  gegebene  Abdruck  nach  Leibnizbus  Handschrift.] 

1.  Calender- Privilegium,  zu  behuf  des  Observatorii,  hat  seine  Richtigkeit. 

2.  Weilen  nach  Churfürstl.  Durchlaucht  selbst  eigenem  gnädigsten  Gutfinden 
es  eine  teutsch  gesinnete  Societät  seyn  soll,   so  die  Ehre  der  teutschen  Nation  und 


42.    LEiBMzens  Vorschläge  pro  fuiido  Societatis  Scieiitiarum  (Juni  1700).  93 

Sprache  sich  angelegen  seyn  lasse,  so  könte  aus  diesem  Scopo  seihst  ein  ansehn- 
liches einkommen.  Wann  nehmlich  anstatt  der  vorigen  Chin-fürstlichen  Prohibitiv- 
Edicten  gegen  gewisse  ausländische  Reisen,  so  als  tacite  durch  den  Frieden  auf- 
gehoben geachtet  werden  wollen ,  gleichwol  aber  nicht  ausdrücklich  revociret  worden, 
verordnet  würde,  dafs  alle  Churfürstl.  Vasallen  und  Unterthanen,  so  durch  Reisen 
ihre  Cultur  zu  suchen  vermeinen,  solches  nicht  anders  als  nach  vorher  erhaltener 
Special -Indulgenz  zu  thun  befugt  seyn  sollen,  und  dafs  es  ihnen  nicht  anders 
gnädigst  zu  erlauben  als  unter  gewissen  Bedingungen,  welche  dieser  teutsch  ge- 
sinnten Societät  zu  statten  kommen  könten,  damit  der  dabey  waltende,  der  teutschen 
Nation  so  schädliche  Mifsbrauch  einigermafsen  beschränket,  das  böse  selbst  zum 
guten  gekehret,  und  Churf.  Durchlaucht  zugleich  von  ihrer  Vasallen  und  Unter- 
thanen Unternehmen  und  Fähigkeit  zu  dero  Dienst  desto  bessern  Bericht  erlangen 
mögen.  Es  könte  also  nach  Gelegenheit  der  Personen  ein  gewisses  angesezet  werden, 
so  in  die  Cassa  der  Societät  einkommen  müste.  Und  diejenigen,  die  so  ansehn- 
liche Summen  aufser  Landes  verzehren,  werden  sich  etwas  gar  leidliches  allhier 
zu  erlegen  gar  nicht  entgegen  seyn  lassen. 

3.  Es  ist  bekant,  was  oft  für  Feuerschäden  hin  und  wieder  geschehen,  da- 
durch niclit  allein  viel  Leute  in  Armuth  gerathen,  sondern  auch  hernach  dem 
Publico  beschwerlich  fallen ,  indem  sie  nicht  allein  die  gemeine  Lasten ,  als  welche  sie 
nicht  mehr  tragen  können,  von  sich  auf  andere  abwälzen,  sondern  auch  durch  Bey- 
steuer  und  Almosen  erhalten  werden,  auch  Churf.  D'  sich  selbst  und  ihre  Holtzungen 
angreifen  müssen,  damit  die  Häuser  wieder  aufgebauet  werden  können.  Nun  sind 
von  einiger  Zeit  her  vortreffliche  Feuer-Spritzen  erfunden  worden,  welche  nicht 
allein  in  einem  Strahl  gehen  (da  sonst  die  gemeinen  Spritzen  gleichsam  Athem  holen 
müssen,  und  nur  unterbrochener  Weise,  so  zu  sagen  pfätzen),  sondern  auch  ver- 
mittelst lederner  Röhren,  die  man  in  alle  Winkel  herumführen  kann,  auf  den  rechten 
Sitz  des  Feuers  gerichtet  werden  können,  alsobald  Raum  machen  und  selbiges 
dämpfen.  Und  weil  man  in  dergleichen  Fällen  an  Kraft  keinen  Mangel  hat,  indem 
bev  Feuersbrünsten  nur  mehr  als  zu  viel  Leute  vorhanden,  so  darf  man  nur  solche 
Spritzen  haben ,  die  etwas  auszurichten  bastant  seyn.  Womit  durch  Gottes  Segen 
dem  Übel  gemeiniglich  gar  bald  zu  steuern.  Wie  man  dann  eigene  Bücher  hat, 
darinnen  der  Gebrauch  dieser  Spritzen  beschrieben  und  mit  schönen  Kupfei'stücken 
dargestellet,  wie  sie  in  unterschiedenen  gefährlichen  Brünsten  das  ihrige  vortrefflich 
gethan.  Sie  sind  aber  an  den  wenigsten  Orten  eingefüliret ,  oder  im  Gebrauch, 
da  doch  billig  eine  jede  Stadt  und  Flecken,  deren  mehr  oder  wenigei-,  nach  der 
Grüfse  des  Ortes,  haben  sollte.  Und  kann  man  an  geiingeren  Orten  anstatt  der 
metallenen  Stiefel  gar  wol  solche  brauchen,  die  von  gegossenem  Eisen,  und  auf 
Dörfern  kann  es  wol  auch  Holz  thun,  da  ein  Stück  von  einem  Baume  ausge- 
bohret  wird,  also  dass  es  neben  den  leidlichen  Kosten  nur  auf  gute  Anstalt  an- 
kommt. Welche  nun  von  der  Societät  vorgeschlagen,  und  unter  Churf.  D'  Autorität 
zu  Werk  gerichtet,  die  Spritzen  mit  Zubehör  angeschaffet,  und  die  Leute  von  deren 
Gebrauch  und  Beobachtung  unterwiesen  werden  könnten,  damit  die  Spritzen  in 
guter  Bereitschaft  gehalten,  und  von  Zeit  zu  Zeit  exerciret  würden.  Dahingegen 
hätte  die  Societät  jährlich  von  jedem  Orte,  nach  Zahl  und  Art  der  Spritzen,  ein 
Gewisses  zu  heben. 

4.  Nachdem  einige  fürnehme  Theologi  verstanden ,  dafs  Churf.  D*  unter 
andern  mit  dahin  bedacht,  wie  fides  per  scientias  fortzuptlanzen .  und  durch  wol- 
angeführte  Leute,  insonderheit  Candidatos  theologiae,  evangelische  Missiones  in 
das  Heidenthum,  nach  anderer  Potentaten  Exempel  zu  bewerkstelligen,  haben  sie 
von  selbst  dafür  gehalten,  dafs  dergestalt  die  Clerisey,  welche  sonst  aller  Immu- 
nitäten geniefset,  sich  nicht  entbrechen  würde  noch  könnte,  das  ilu-ige  beyzutragen, 
und   dafs    ein    zuläneliches   auch  von   den  Kirchengütern  und  reditibus  ecclesiai-um 


94  42.    LEiBNizens  Vorschläge  pro  fundo  Soeietatis  Scientiarum  (Juni  1700). 

niclit  hesser  als  zu  solchem  christlichen  und  ajiostolischen  Gehrauch  angewendet 
werden  könne,  wozu  kommt,  dafs  man  herichtet  worden,  es  sey  ehemahlen  zu 
Aufrichtung  der  Churf.  Bibliothek,  ehe  und  bevor  man  die  gegenwärtige  Anstalt 
gemacht,  auch  etwas  zu  dero  Behuf  von  der  Geistlichkeit  ohne  Beschwerung  ge- 
hoben worden,  so  hernach  aufgehöret,  davon  nähere  Kundschaft  einzuziehen. 

5.  Weilen  ein  grofser  Mifsbrauch  in  dem  Bücherwesen,  indem  die  Buch- 
händler oft  blofs  und  allein  auf  ihren  Vortheil  sehen,  und  sich  nicht  allein  an  das, 
so  dem  gemeinen  Wesen  fürträglich ,  nicht  kehren,  sondern  auch  falsche,  schädliche 
und  ärgerliche  Schriften  zu  verlegen ,  einzufühi-en  und  zu  vertreiben  sich  nicht  ent- 
sehen,  dadurch  oft  ehrliche  Leute,  ja  hohe  Personen  selbst,  angegriffen  werden, 
und  zudem  ein  grofses  Geld  vor  liederliche  Waare  nach  Holland  und  Frankreich 
gehet:  so  stünde  dahin,  ob  nicht  nach  dem  Exempel  des  Kayserlichen  Bücher- 
Commissariates  zu  Frankfurt,  eine  gewisse  Verfassung  dagegen  zu  machen,  und 
solches  Bücher -Commissariat  der  Societät  aufzutragen  und  dabey  zu  dessen  Be- 
streitung auf  einen  jeden  Ballen,  zumal  ausländischen  oder  eingehenden,  sonderlich 
bedruckten  Papieres,  nach  dem  Exempel  des  englischen  Parlamentes,  ein  Gewisses 
zu  schlagen.  Dabey  zu  verordnen,  dafs  die  Buchhändler,  Buchdrucker  und  Buch- 
binder unter  Churfürstl.  Reglementen,  nach  Art  einiger  Compagnien  oder  Innungen 
stünden ,  und  zu  Bewahrung  der  vorgeschriebenen  Satzungen  eine  gewisse  Dependenz 
von  der  Societät  Aufsicht  hätten,  wozu  bereits  das  Calender- Wesen  ziemlichen 
Anlafs  giebt,  also  dafs  man  von  dem  Verlag,  Einfuhr  und  Vertrieb  der  Bücher 
sattsamen  und  zeitigen  Bericht  erlangen  möge,  wodurch  schädliche  Schriften  ab- 
gehalten, hingegen  nüzliche  Werke  luid  rechtschaffene  Bücher  von  den  Buch- 
händlern, mehr  als  bisher  zu  geschehen  ptlegt,  angeschaffet  und  die  künftigen 
Unternehmungen  gelehrter  oder  erfahrener  Leute,  die  etwas  Löbliches  thun  wollen 
und  können,  befördert,  auch  wohl  nach  Gelegenheit  den  Autoribus  mit  Nachricht 
und  sonst  in  Zeiten  unter  die  Arme  gegriffen  würde. 

Und  weilen  die  Welt  mit  vielen  Diariis  eruditorum  oder  Journaux  des  savans 
und  dergleichen  gelehrten  Zeitungsbüchern  angefüUet,  die  auch  annoch  sehr  gesucht 
werden,  welche  aber  oft  ganz  verkehrte  Urtheile  fällen,  und  nicht  das  beste,  sondern 
wol  das  schlechteste  aus  den  Büchern  andeuten:  so  könnte  die  Societät,  mit  ob- 
gedachter  Hülfe,  desto  besser  zuverlässige  Relationes  und  nüzliche  Extracte  in 
verschiedenen  Sprachen  besser  als  andere  verfertigen  lassen,  weil  ohnedem  fast  zu 
viel,  dafs  Privat -Personen  sich  einer  General -Censur  in  ihren  Journaux  unterfangen. 

6.  Es  ist  bekannt,  dafs  in  England,  Holland,  Frankreich,  auch  zu  Hamburg 
und  in  andern  Orten  Teutschlands  gewisse  Lotterien  oder  Verlosungen  mit  Nuzen 
angestellet,  und  zumal  zu  milden  Sachen  gebrauchet  worden.  Weil  nun  das  gegen- 
wärtige Vorhaben  nicht  leicht  einiger  pife  causfe  nachgiebt,  so  hat  man  zu  bedenken 
geben  wollen,  ob  nicht  dergleichen  auch  hie  mit  Nuzen  geschehen  könne.  Es  wird 
Niemand  wie  bei  denen  gemeinen  in  guter  Policey  verbotenen  Glückshafen  über- 
schnellet. Jedermann  weifs  eigentlich  den  Überschufs  aus  der  Anzahl,  dem  Preifs 
und  dem  Abwurf  der  Zettel,  und  werden  die  Leute  durch  Hoffnung  eines  guten 
Zugs  sowohl  als  durch  die  Lust  gleichsam  eines  Spiels  angelocket. 

Tabelle  der  Punkte. 

1.  Calenderwesen .  pro  re  Astronomica. 

2.  Bedingte  Indulgenz  der  Reisen,  pro  re   Germanica. 

3.  Feuerspritzen  mit  ander  Anstalt,  pro  re  mechanica. 

4.  C'leri  et  ecclesiarum  concursus,  pro  Missionibus. 

5.  Bücher- Commissariat  und  Aufsicht,  mit  einem  Gewifsen  auf  die  Ballen, 
pro  re  literaria. 

6.  Loterie  oder  Verlosuno;. 


43.    Kurfürstliches  Edict,   betreffend  Reisen  in's  Ausland  (S.  Juli  1700).  95 


43. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  91). 

Kurfürstliches  Edict,    wodurch  das  Reisen  der  Jugend  in  auswärtige 

Provintzien  verbothen.     8.  Juli   1700  (nach  LEiBNizens  Entwurf). 

[Mylius,  Constit.  Marchic.  VI,  2,  3.] 

Wir  Friderich  der  Dritte  u.  s.  w.  ^ 

Entbiethen  liierniit  allen  und  ieden  Unseren  Prälaten,  Gräften,  Herren,  denen 
von  der  Ritterscliafft,  Bürgermeistern  und  Rathniannen  in  Städten  wie  aucli  ins- 
gesamt allen  und  jeden  Unterthanen  Unsern  gnädigen  Grufs  und  fügen  denenselben 
hiemit  zu  wissen,  was  gestalt  Wir  schon  vorlängst  mit  nicht  geringem  Mifsfallen 
wahrgenommen,  dal's  die  Reisen  der  Jugend  ausserhalb  Teutschland  in  frembde 
Länder  und  Provintzien ,  deren  Zweck  und  Absehen  zwar  nicht  zu  verwerffen  ist, 
insgemein  zu  einem  grossen  Mirsl)rauch  ausschlagen,  indem  niclit  allein  das  baare 
Geld  ausser  Landes  geführet  wird,  sondern  auch,  anstat  dafs  dasjenige,  so  andere 
Nationen  an  guten  Ordnungen,  Gebräuchen  und  Wercken  der  Kunst  und  Natur 
besonders  heben,  in  Acht  genommen,  zu  Nutze  gemachet  und  nach  Gelegenheit 
in  Unsere  Lande  versetzet  werden  sollte,  vielmehr  im  Gegentheil  die  anderswo  im 
Schwang  gehende  Mifsbräuche  und  Untugenden  bey  nns  eingeführet  oder  wenigstens 
die  Kosten  vergel)lich  und  ohne  einigen  dem  Vaterlande  dadurch  zuwachsenden 
Vortheil  angewendet  werden. 

Wenn  Wir  nun  in  Erwegung,  dafs  Uns  als  dem  Landes -Fürsten  oblieget 
für  Unserer  Unterthanen  und  sonderlich  der  Jugend  Wohlfarth  zu  sorgen ,  vorlängst 
bewogen  worden,  defshalb  gewisse  Edicta  prohibitoria  ergehen  zu  lassen,  solche 
aber  wegen  geänderter  Umstände  nachgehends  wiederum  cessiret,  gleichwohl  aber 
dabey  der  Intention  gewesen,  dafs  dergleichen  Reisen  von  jungen  Leuten  nicht 
ohne  Unsere  Special  Permission  vorgenommen  werden  sollen,  als  haben  wir  der 
Nothdurft  ermessen,  Unsere  gnädigste  Willens -Me)aiung  defsfalls  männigiich  kund 
zu  machen,  allermassen  Wir  dann  solchem  nach  hiermit  und  Kraift  dieses  wollen 
und  verordnen,  dafs  keiner  von  Unseren  Vasallen  und  Unterthanen,  wes  Standes, 
Condition  und  Würde  derselbe  seye  (nur  allein  die  wandernde  Handwerks-  und 
dergleichen  Leute  ausgenommen)  so  unter  30  Jahr  alt,  ohne  von  Uns  erhaltene 
Permission  und  Erlaubnifs  ausserhalb  Teutschland  und  dem  Römischen  Reiche 
reisen  solle. 

Dafern  nun  Jemand  bey  Uns  um  Permission  unterthänigste  Ansuchung  thun 
würde,  so  sollen  in  dem  Supplicato  die  Ursachen  und  das  Absehen  der  Reise  und 
Studien,  wie  imgleichen,  wann  ein  Hoffmeister  mitgegeben  wird,  dessen  Nahmen, 
Herkommen  und  Qualitäten,  auch  andei-e  Umstände  ausgedrucket,  auch  von  dem 
Fortgang  der  Reise  und  denen  etwan  fürfallenden  Enderungen ,  auch ,  wann  die- 
selbige  abgeleget,  Uns  davon  und  was  dabey  gesehen  und  beobachtet  worden, 
unterthänigster  lunständlicher  Bericht  abgestattet  werden. 

Und  weilen  Wir  zur  Ehre  Gottes  und  Bestem  des  Vaterlandes,  auch  zum 
Auffnahm,  Flor  und  Ruhm  Teutscher  Nationen  und  Sprache,  eine  gewisse  neue 
Verfassung  gemachet  und  billig  ist,  dafs,  zumalen  diejenige,  so  die  Mittel  und  das 
Vermögen  haben,  das  Ihrige  darzu  mit  beytragen,  und  dergestalt  der  Mifsbrauch 
selbst  einiger  Massen  zum  Guten  gekehret  wei-de,    soll  ein  jeder,    so    oberwehnter 


1  Eine  Eingabe  der  Stände  des  Herzogthums  Magdeburg  vom  i.  Juni  1701  gegen 
diesen  Erlass  findet  sich  im  Geh.  Staatsarchiv;  sie  machen  darauf  aufmerksam,  dass  Reisen 
bildet,  und  dass  die  Unvermögenden  öfters  die  Vermögenden  an  Geschicklichkeit  und  Ver- 
stand übertreffen;  sie  werden  von  Reisen  abgehalten  werden,  wenn  sie  etwas  bezahlen  sollen. 


96  44.    Leibniz,  Entwurf  eines  Privilegiums  auf  Feuerspritzen  (25.  Juni  1700). 

Massen  ausser  Teutschland  zu  reisen  venneynet,  bey  Suchung  Unserer  gnädigsten 
Special-Erlaubnifs  denen  Umständen  und  seiner  Person  nach  etwas  Anständiges  zu 
oberwehntem  Unseren  heilsamen  Zweck  zu  erlegen  sich  erbiethen,  solches  auch  bey 
Ausfertigung  der  schrifftlichen  Permission  würcklich  erlegen,  welches  Wir  in  Gnaden 
erkennen  und  Uns  dieselbe  für  anderen  zur  Beförderung  gnädigst  empfohlen  seyn 
lassen  wollen;  welches  alles  zu  Unserem  und  des  Landes  Dienst,  auch  ihrem  selbst 
eigenen  Nutzen  und  Recommendation  gereichet,  damit  Wir  solchergestalt  von 
Unserer  Vasallen  und  Unterthanen  Vorhaben,  Qualitäten,  Capacität  und  Fähig- 
keit bessere  und  umständlichere  Nachricht  erlangen  und  eines  Jeden  nach  seinem 
Verdienst  und  Umständen  seiner  Person  Uns  bestens  bedienen  können. 

Wobey  Wir  Uns  schliefslich  vorbehalten,  nach  Befinden  fernere  diensame 
Anstalt  Unseren  Unterthanen  und  der  Jugend  zum  Besten  zu  machen,  auch  hier- 
mit Männiglichen,  insonderheit  aber  allen  und  jeden  Tutoren,  Curatoren  und  derer 
immündigen  nahen  Anverwandten  und  Befreundten ,  wie  imgleichen  Unseren  fis- 
cälischen  Bedienten  ernstlich  und  bey  Vermeidung  Unserer  Ungnade,  auch  andei'e 
wüllkülirliche  Straffe  anbefehlen,  dahin  zu  sehen,  dafs  diesem  Unserm  Edict  und 
Verordnung  überall  und  in  allen  Stücken  nachgelebet  und  darwider  in  keine  Wege 
gehandelt  werden  möge.  Uhrkundlich  haben  Wir  solches  eigenhändig  unter- 
schrieben.    So  geschehen  und  gegeben   zu 

Colin  an  der  Spree,  den  8.  Juli   1700.  Friderich. 

Graf  V.  Wartenbei's:. 


44. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  91). 

Leibxiz.    Entwurf  eines    Privilegiums    für    die   Societät   der   Wissen- 
schaften,   auf  Feuerspritzen. 
I Original  im  Akademischen  Archiv:  Concept  im  Geh.  Staatsarchiv;  bereits  gedruckt  nach 
einer  Abschrift  in  Hannover  von  Klopp,  Werke,   10.  Bd.  S.  315  fF.J 

Colin  an  der  Spree,  25.  Juni  1700. 
Wir  Friedrich  der  Dritte  von  Gottes  Gnaden  Marggraf  zu  Bi-andenbiu-g, 
des  Heyl.  Rom.  Reichs  Ertz  -  Cammerer  und  Churfürst  etc.  thun  hiermit  kund  und 
fügen  zu  wifsen:  Nachdem  Wir  aus  landesväterlicher  Vorsorge  Unsere  Gedanken 
dahin  vielfältig  gehen  lafsen,  wie  allerhand  verderbliche  Unglücksfälle,  sonderlich 
aber  die  in  Unsern  Landen  seit  einigen  Jahren  leider  gar  offt  empfundene  Feuer- 
schäden, so  vil  nechst  Gottes  Hülffe  durch  menschlichen  Fleifs  und  gute  Anstalt 
erreichet  werden  kan,  künfftig  verhütet  werden  möchten.  Wir  auch  dabeneben, 
aufser  denen  deshalb  von  Zeit  zu  Zeit  publicii'ten  Verordnungen,  auf  noch  ver- 
schiedenes Andere  bedacht  gewesen ,  auch  dieselben  ins  Werck  zu  richten  gesonnen, 
und  Unfs  denn  von  Unserer  neu  fundirten  Societät  der  Scientien  in  Unterthänigkeit 
vorgetragen  worden,  dass  unter  andern  guten  Anstalten,  die  von  einiger  Zeit  her  in 
Übung  gekommenen  Schlangensprützen  bey  Feuersbrünsten  ein  grofses  vermögen, 
indem  selbige  nicht  allein  in  einem  beständigen  Strahl  und  mit  grofser  Gewalt  gehen, 
da  sonst  die  gemeinen  Sprützen  schwach  und  wechselsweise  gleichsam  Athem 
schöpfen,  sondern  auch  solche  neue  Sprützen  vermittelst  lederner  Schlangen  oder 
Rühren,  die  man  in  alle  Winckel  der  Häuser  herumb  und  hinein  führen  kan,  auf 
den  rechten  Sitz  des  Feuers  gerichtet  werden,  folglich  bald  Raum  machen  und 
selbiges  dämpfen  können,  wie  solches  an  unterschiedenen  Orten  im  Werck  selbsten 
befunden  worden :  Als  sind  Wir  aus  solchen  und  andern  Ursachen  bewogen  worden, 
nicht  allein  die  von  gedachter  Unserer  Societät  der  Scientien  vorgeschlagene  Ein- 
führung   der    Schlangen -Sprützen    zum    Besten    Unserer   Lande    und   Unterthanen 


45.    Leibniz,  Besteuerung  der  milden  Stiftungen  (Juni   1700).  97 

gnädigst    zu    approljiren ,    sondern    auch    derselben    die    gantze   Anstalt    destals    zu 
gehöriger  Vollstreckung  in  Gnaden  aufzutragen  und  sie  desfals  zu  authorisiren. 

Verordnen,  setzen  und  wollen  demnach  krafft  dieses,  dafs  in  allen  grofsen 
und  kleinen  Städten  aller  Unserer  Lande,  auch  wol  in  denen  Flecken  und  Dörfern, 
da  es  dienlich  geachtet  werden  wird,  wie  auch  auf  Unsern  Ambthäusern,  da  es 
verlanget  und  nötig  gefunden  wird,  die  niehrgedachte  Societät  solche  Sprützen, 
nach  jedes  Orts  Gelegenheit  mehr  oder  weniger,  mit  Zubehör  anschaffen,  die  Leute 
wegen  des  Gebrauchs  derselben  unterweisen  lafsen,  und  ferner  besorgen  soll,  damit 
sie  in  gebührender  Bereitschafft  gehalten  luid  von  Zeit  zu  Zeit  exerciret  werden. 
Vor  welche  Anschaffung  der  Sprützen  und  deshalb  ferner  habende  Mühe  der 
Societät  nicht  nur  der  Preifs  und  Auslage  restituiret,  sondern  dieselbe  auch  einen 
jährlichen  Zugang,  nach  Anzahl  der  Sprützen  jedes  Orts,  unter  Unserer  gnädigsten 
Approbation  zugewiesen  haben ,  und  im  Übrigen  in  dieser  zum  gemeinen  Besten 
gereichenden  hochnöthigen  Anstalt  von  denen  Commissarien  in  Unseren  Provintzien, 
]\Lngistraten  in  denen  Städten,  oder  andern  welchen  das  Policey-Wesen  jedes  Ortes 
anvertrauet,  allezeit  und  so  offt  es  erfordert  wird,  hülff liehe  Hand  geboten  werden 
soll.  Weil  auch  hex  dergleichen  Feuersbrünsten  wegen  Anschaffung  genugsahmen 
Wafsei's,  auch  wegen  Sprengvmg  der  Häuser  im  äufsersten  Nothfall,  zu  Unter- 
bi-echung  des  Fortgangs  der  überhandnehmenden  Brunst  und  sonsten  ein  luid 
anders  zu  beobachten,  so  wollen  Wir  auch  hierunter  solche  Verordnung  thun,  dafs 
der  Societät  gutem  Rath  und  Anweisung  darin  gefolget  und  alles  zu  Verhütung  des 
Schadens  und  zimi  Besten  gerichtet,  auch  gewifse  auf  diese  Sache  gerichtete  vei-- 
befserte  Feuerordnungen  verfafset  nnd  publiciret  werden,  defsen  zur  Uhrkund  haben 
Wir  diese  Unsere  gnädigste  Concession  eigenhändig  unterschrieben  und  mit  Unserm 
Insigel  besigelt;  so  geschehen  zu  Colin  an  der  Sjjree  den  25.  Junii  Anno  1700. 

Friederich. 
V.  Fuchs. 

45. 

(Vergl.  Gest'liichte  der  Akademie  S.  91). 

Leibniz,   p]  n  t  w  u  i'  f  des  Versuchs    einer   Besteuerung   der   milden 

Stiftungen   zum    Zwecke   von   Missionen    (Juni   1700). 

[Concept  von  LEiBNizens  Hand  im  Akademischen  Archiv;  bereits  gedruckt  nach  einer  Abschrift 

in  Hannover  von  Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  S.  3 17  ff.] 

Wir  von  Gottes  Gnaden  Fridrich,  König  von  Preufsen  u.  s.  w.,  entbieten  Unsern 
Regierungen,  Consistoriis,  auch  Pra_^laten,  Superintendenten,  Tnspectoren,  Oeconomis, 
und  allen  denen  Geist-  und  Weltlichen,  so  mit  Administration  geistlicher  Güther 
und  milder  Sachen  in  Unsern  Landen  beladen,  Unsern  gnädigsten  Grufs,  und  fügen 
ihnen  hiemit  zu  wifsen : 

Obwohl  männiglich  bekand,  wasmafsen  Wir  von  Anfang  Unser  Regierung 
Uns  alles  dessen  so  zur  Erhebung  der  Ehre  Gottes,  Schuz  und  Beförderung  der 
wahren  Religion ,  auch  Handhabung  ohngefärbter  Gottesfurcht  und  christlichen 
Wandels  gereichen  kau,  eiferigst  angenommen,  die  unchristlichen  Duelle,  Entheili- 
gung des  Sabbats,  und  ander  ärgerliches  Wesen,  abzustellen  Uns  bemühet,  zu 
Hülff  der  Armen  Verfafsungen  gemachet,  frembden,  umb  des  Glaubens  willen  Ver- 
triebenen und  Nothleidenden  unter  die  Arme  gegriffen  und  andere  Verfügungen 
gethan,    so  wir  eines  christlichen  Fürsten  Amt   und  Obliegenheit    geinäfs    erachtet: 

Dafs  Wir  LTns  dennoch  ferner  allezeit  angelegen  sein  lafsen  in  dergleichen 
gutlien  Vorhaben  weiter  zu  gelien,  und  nunmehr  auch  aus  Danckbarkeit  vor  die 
göttlichen  Wohlthaten  und  in  Betrachtung,  dafs  Uns  Gott  vor  andern  evangelischen 
teutschen  Fürsten  die  Gelegenheit  dazu  gegeben ,  auff  Mittel  und  Wege  zu  dencken, 
entschlofsen ,  wie  rechtes  Christenthum,  und  reines  Evangelium  durch  wohl  gefafsete 
Geschichte  der  Aicademie.    II.  7 


98       46.    Leibniz,  Entwurf  eines  Bücher -Commissariats  für  die  Societät  (Juli   1700). 

Missiones  zu  entlegenen  und  noch  in  Finsternifs  sitzenden  Völckern  mehr  und  mein- 
gel)racht,  auch  allda  dui-ch  Gottes  Seegen  und  Gedeihen  eingeführet .  gepllanzet  luid 
ausgebreitet  werden  möge,  damit  der  clu-istlichen  Liebe  Tuid  Schuldigkeit  ein  Genügen 
gethan,  mithin  auch  der  ohnbegründete  Vorwurff,  als  ob  die  Evangelischen  sich  der 
Bekehrung  der  Heyden  nicht  genugsam  annähmen,  desto  befser  abgelehnet  werde. 

Zu  welchem  Ende  dann  nöthig,  verständigen  und  wohlgesinnten  Personen 
die  Sorge  des  Wercks  aufzutragen,  taugliche  Subjecta,  zumahl  untei"  der  Jugend, 
zu  den  Missionibus  aufszusondern ,  und  solche  Anstalt  zu  machen,  dafs  dieselbige 
förderlichst  als  rechtschaffene  Rüstzeuge  mit  apostolischen  Tugenden  ausgezieret 
und  bequem  werden  mögen,  vermittelst  eines  vernünftigen  Betragens,  unsträflichen 
Wandels,  liebreichen  christlichen  Bezeigens,  auch  zureichender  Kundschatft  fremder 
Sprachen,  sonderlich  aber  derjenigen  Künste  und  Wissenschafften,  mit  denen  man 
sich  bey  Barbaren  selbst  werth  und  angenehm  machen  kau,  der  göttlichen  Wahr- 
heit die  Bahne  zu  brechen  und  die  Gemüther  ihrem  Gott  zu  gewinnen.  Welches 
Absehen  Wir  sonderlich  bey  Fundirung  Unser  Societaet  der  Scienzen  gehabt  und 
in  der  ihr  gegebenen  Instruction  sie  mit  dieses  Wercks  Besorgung  beladen,  wie 
man  daim  auch  dabey  auf  dienliche  Anstalt  zu  dencken  nicht  ei'mangelt. 

Weilen  aber  hiezu  Kosten  erfoi'dert  werden ,  und  Unsere  ordinari  Einkünffte, 
auch  gemeine  Unterthanen  bey  diesen  schwehren  Zeiten  mit  Besorgung  des  Landes- 
schuzes  und  anderer  unumbgänglicher  Nothwendigkeiten  nicht  wenig  beladen,  so 
können  Avir  nicht  umbhin ,  finden  Uns  auch  schuldig  und  berechtigt  zu  dergleichen 
gottgefälligem  Werck,  so  keiner  milden  Sach  an  Nuzen  und  Wichtigkeit  leicht 
etwas  nachgiebet,  diejenigen  Mittel  und  Einkommen,  so  sonst  zu  milden  Sachen 
gestifftet  und  verwendet  werden  sollen,  wo  dieselbigen  Sachen  ein  solches  erleiden 
und  entbehren  mögen ,  in  etwas  zu  Hülff  zu  nehmen. 

Und  verlangen  demnach  gnädigst  hiemit,  befehlende,  dafs  Unsere  Regierungen, 
Consistoria,  Stiffter,  Conventen,  Collegia,  Praelaten,  Superintendenten,  Inspectoren 
und  Andere,  die  mit  Besorgung  milder  Sachen  einigermafsen  beschäfftiget ,  mit 
ihrem  guthen  Rath,  Bedencken,  Vorschlägen  und  Bericht,  sonderlich  in  den  Dingen, 
so  ihnen  bekand,  bey  Uns  oder  Denen,  so  Unsretw egen  ihnen  vorgesezet,  hierauf 
fördei'lichst  einkommen,  was  andere  ihnen  Nachgesezzete  Dienliches  anbracht,  an 
Uns  berichten,  und  hierinn  ihrem  Amt,  Gewifsen,  Pflicht  und  Schuldigkeit,  sowohl 
als  diesem  Unserm  Befehl  ein  Genügen  thun.  Da  auch  sonst  Jemand  einige  guthe 
Expedientien  diefsfals  zeigen  köndte,  werden  wir  Solches  wohl  aufnehmen  und  was 
zu  Gottes  und  der  Kirchen  Dienst,  und  diesem  Vorhaben  Guthes  beygezogen  werden 
wird,  in  Gnaden  vermercken.  Und  gleich  wie  Wir  dabey  ein  aufrichtiges  von 
Eigennuz  entfei'ntes  Absehen  führen,  also  wollen  Wir  Uns  zu  allen  Denen,  die  es 
angehet,  eines  Gleichmäfsigen  versehen,  auff  unverhoffetes  wiedriges  Bezeigen  aber 
Unser  Mifsfallen  spühren  zu  lassen  wifsen.      Gegeben  u.  s.  w. 

46. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  91). 

Leibniz.    Entwurf  des  Auftrages   eines  Bücher-Commissariates  u.  s.  w. 

für   die   Societät    der  Wissenschaften    (Juli   1700). 
rConcept  von  Leibnizciis  Hand  im  Akademischen  Archiv;   bereits    gedruckt  nach  einer   etwas 
verschiedenen  Abschrift  hi  Hannover  von  Klopp,  Die  AVerke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  8.  319  ff.] 

P.   P. 

Wie  sehr  Wir  Uns  den  Flohr  und  das  Aufnehmen  nüzlicher  und  erbaulicher 
Studien  angelegen  seyn  lafsen,  damit  die  Jugend  wohl  erzogen,  die  reine  Wahrheit 
in  der  Kii-che  Gottes,  auch  bey  hohen  und  audei-n  Schulden  gebührend  gelehret, 
die   Irrthümer    hingegen    wiederleget,    auch   sonst    allerhand   guthe  Wifsenschaften 


4().    Leibniz,  Entwurf  eines  Bücher -Comniissariats  für  die  Societät  (Juli  1700).       99 

und  iSachrichtangen  zu  Gottes  Ehren,  zu  Nuz  des  menschlichen  Geschlechts,  und 
zu  Dienst  des  gemeinen  Wesens  erhalten,  vermehret  xuid  fortgetrieben  werden 
mögen.  Solches  zeiget  Unsere  Vorsorge  von  Zeit  Unser  Regierung  an,  womit  Wir 
nicht  allein  die  vorgefundene  guthe  Anstalten,  Reditus,  Salaria  und  Stipendia  er- 
halten und  verbefsert,  gelehrte  und  erfahrene  Leute  belohnet,  auch  guthe  Künste 
und  Künstler  herfür  gezogen,  sondern  auch  neue  ansehnliche  Fundationes  und 
8tift\ungen  bewerckstelliget,  und  insonderheit  die  Universitatem  Fridericianam  in 
Unser  8tadt  Hall ,  auch  leztens  die  Societatem  Scientiai'um  .  .  .  bey  Unser  Residenz 
Selbsten  aufgerichtet.  .  .  .  Wir  sind  auch  annoch  in  Gnaden  gesonnen  und  geneigt, 
dahin  sehen  zu  lafsen,  dafs  den  vStudien  ferner  aufgeholften ,  guthe  Bücher  in  Unsern 
Bibliotheken  und  sonst  angeschaffet,  nüzliche  Wercke  zum  Druck  befördert,  den 
Autoribus,  so  etwas  Nüzliches  unter  Händen  haben,  imter  die  Arme  gegritten, 
auch  denen  in  Unsern  Landen  befindliclien  oder  darinn  ihre  Nahrung  treibenden 
Buchhändlern  und  Andern,  die  mit  dem  Buchhandel  umbgehen,  an  Hand  gangen 
Averde,  damit  durch  zulänglichen  Verlag  und  behörigen  Vertrieb  rechtschaffener 
Schrifften  und  Wercke  diefs  Commercium  auch  in  Unsern  Landen  blühen  möge. 

Nun  solte  der  Hauptzweck  des  ganzen  Druck-  xmd  Büchervvesens  billig  da- 
hin gerichtet  seyn ,  wie  gottseelige  Lehren .  gute  Gedancken ,  dienliche  Erfahrungen, 
Unterricht  und  Nachrichtungen  durch  den  Druck  vervielfältiget,  erhalten,  in  der 
Welt  aufsgebi-eitet  und  auf  die  Nachwelt  fortgepflanzet,  mithin  die  Gemüther 
der  Menschen  erleuchtet,  verbefsert,  mit  guthen  Lehren  und  Instructionen  versehen, 
und  was  Einer  Guthes  gethan ,  gedacht  und  bemercket,  allen  Andern  dadurch  nüz- 
lich  beybracht  werden,  und  zu  statten  kommen  könne.  Daher  die  Autoren  sich 
dahin  zu  betleifsen  hätten,  dafs  ihre  Arbeit  nicht  vergebens,  noch  ausgeschrieben, 
oder  so  weniger  schädlich  oder  verfänglich  sein  möge.  Es  solte  auch  billig  von 
den  Buchhändlei-n  nicht  nur  auf  ihren  Eigennuz,  sondern  auch  auf  den  Dienst  des 
gemeinen  Wesens  gesehen .  sonderlich  aber  nichts  Unnüzes ,  Ärgerliches  oder  sonst 
Nachtheiliges  zum  Druck  bracht  und  verhandelt  werden. 

Dessen  aber  ungeacht  haben  Wir  im  Gegentheil  zum  öfftern  mifsfällig  ver- 
nehmen müfsen,  dafs  die  Welt  nnt  unzählbaren  untüchtigen  Scharteken,  und  andern 
nuzenlosen  Büchern  überhäuffet,  deren  eine  grofse  Menge  in  Unsere  Lande  einge- 
schoben, und  nicht  wenig  Geld  dafür  hinaus  gezogen  werde;  auch  was  das  Ärgste 
ist,  viel  gefährliche  Schrifften  gegen  die  Religion,  Gottesfurcht  und  guthe  Sitte, 
gegen  den  Staat,  gegen  das  Reich  und  dessen  Oberhaupt,  Churfürsten.  Fürsten, 
und  Stände  und  (andere  Potenzen  zu  schweigen)  auch  wohl  gegen  Uns  und  Unsre 
Literessen  zum  Vorschein  kouunen ,  und  in  Unsern  Landen  selbst  spargiret  mid  unter 
die  Leute  bracht  werden,  wobey  der  Abgang  solcher  Bücher,  und  der  Vortheil, 
den  Mancher  dabey  findet,  welcher  der  verderbten  menschlichen  Natur,  und  den 
bösen  Neigungen,  so  die  INlenschen  zur  Eitelkeit,  Verläumbdung  und  Bofsheit  haben, 
mit  seiner  Feder  zu  fügen  weils,  verursachet,  dafs  die  Schreibsucht  mehr  und 
mehr  anwachset,  guthe  Ingenia  sich  von  gründ-  und  nüzlichen  Arbeiten  abwenden, 
und  auflf  ein  unzeitiges  oder  übereiltes  Bücherschreiben  legen:  Andere  auch,  die  zu 
nichts  weniger  geschickt,  dennoch  ihre  Abnehmer  finden,  und  was  ihnen  an  Gaben 
und  Talenten  abgehet,  durch  eine  ungezähmte  Freyheit  ersezen;  also  dafs  böse 
Leute  dadurch  Gelegenheit  finden ,  ihre  Passionen  aufszuüben ,  auch  ihre  schädlichen 
INIeynungen  und  verderbte  Lebensart,  unter  angenehmem  Schein,  sonderlich  der 
zarthen  Jugend  beyzubringen ,  und  andere  mit  ihrem  Gifft  anzustecken;  mithin 
fast  bei  keiner  Profession  mehr  LTnordnung  eingerissen,  und  die  Bücherwahre,  so 
ihrem  heilsamen  Zweck  nach  billig  favorabel  und  vor  andern  befreyet,  anjezo 
öffters  eine  der  unnüzlichsten  und  schädlichsten  worden,  welche  durch  ihre  Cor- 
ruption  so  viel  Böses  nach  sich  ziehet,  als  sonst  Guthes  von  ihr  bei  dero  rechten 
Gebrauch  zu  gewarten. 

7* 


100      46.  Leibkiz,  Entwurf  eines  Bücher -Commissariats  für  die  Sofietät  (Juli  1700). 

Wann  AVir  dann  solchem  grofsen  Mifsbrauch  und  Unordnungen  nachzusehn 
nicht  gemeinet,  so  haben  Wir  nach  dem  Exempel  der  l)ey  Kayserl.  Mayt.  und 
einigen  andern  Potenzen  gebräuchlichen  Bücher -Commissariaten  und  A'erfalsungen, 
auch  einige  Anstalt  dagegen  machen  wollen  und  nöthig  gefunden,  dafs  niclit  allein 
wie  ohne  dem  verordnet  und  gebräuchlich,  nichts  in  Unsei-n  Landen  und  von  Unsern 
Unterthanen  ohne  behörige  Censur  in  öffentlichen  Druck  bracht,  sondern  auch  ver- 
hütet werde,  damit  die  aufswärtigen  Bücher  nicht  ohne  allen  Untei'sclieid,  und 
ohne  einige  Aufsicht  in  Unsern  Landen  verführet  odei-  vertrieben,  und  der  Buch- 
handel dem  Lande  zu  Schaden  geführet  werden  möge.  Und  haben  demwegen  in 
Gnaden  guth  gefunden,  Unser  neu-fundirten  Societät  derWifsenschafften  das  Bücher- 
Commissariat,  und  die  dazu  gehörige  Aufsicht  auffzutragen,  also  dafs  sie  Macht 
habe,  deswegen  Anstalten  und  Verfal'sungen  zu  machen,  nach  Befindung  Visitationes 
>md  Untersuchungen  anzustellen,  und  die  Nothdurfft  nach  Gelegenheit  zu  beobachten; 
auch  sollen  Alle,  die  mit  dem  Bücherhandel  umbgehen  und  die  dazu  gehöhren ,  der- 
gestalt an  sie  gewiesen  seyn,  dafs  sie  nicht  allein  derselben  mit  erforderten  Bericht 
aufrichtig  an  Hand  zu  gehen,  sondern  auch  künfftig  die  Catalogos  der  einbringen- 
den Bücher  in  Zeiten  einzuschicken,  auch  wegen  des  Vertriebs  und  sonst  bey 
diesem  Handel,  denen  von  selbiger  ihnen  zukommenden  Anordnungen  und  IMonitis 
bey  ernster  und  unnachbleiblicher  Straffe  sich  gemäfs  zu  bezeigen  iialjen  sollen. 
Es  soll  auch  was  Ein  und  Ander  zu  dem  Druck  zu  bringen  gemeynet,  nach  der 
Sach  Gelegenheit,  und  so  viel  es  thunlich,  der  Societät  zeitlich  kund  gethan  werden, 
damit  vergebene,  und  schohn  gethane,  auch  wohl  bedenckliche  Arbeit  in  etwas  ver- 
hütet und  in  Schrancken  gehalten,  hingegen  Denen,  so  etwas  Löbliches  vorhaben, 
mit  Rath  und  That  geholffen ,  dabey  auch  den  Buchhändlern  selbst  gedienet,  und 
ein  nüzlicher  \"erlag  zum  Besten  dieses  Commercii  in  Unsern  Landen,  mehr  als 
l)isher  in  Schwang  bracht  werde. 

LTnd  weilen  Unsere  Societät  auff  Unsei-n  Befehl  und  der  von  Uns  ihr  ge- 
gebenen allergnädigsten  Instruction  gemäfs,  sowohl  diese  IMühe  und  Aufsicht  zu 
übernehmen,  als  auch  unter  Andern  dahin  zu  sehen  hat,  dafs  aus  denen  vielen 
täglich  herauskonnnenden  Schrifften  dermahleins  der  rechte  Kern  defsen,  so  den 
Schaz  der  menschlichen  Wifsenschafft  wahrhafftig  und  nüzlich  vermehret,  bemercket, 
und  dadurcli  das  fast  in  ein  Chaos  der  Unendlichkeit  gehende  Bücherwesen  etwas 
in  Ordnimg  und  in  die  Enge  bracht  werde,  wozu  Arbeit  und  Kosten  nöthig, 
und  ohnedem  der  Billigkeit  gemäfs,  dafs  den  Studien  aus  den  Studien  selbst, 
und  denjenigen  welche  ihre  Subsistenz  bey  Studien  und  Büchern  haben,  zu  ihrem 
eignen  Besten  auf  eine  ohnbeschwehrliche  Weise  geholffen  werde:  So  sind  Wir 
neben  andern  diefsfals  etwa  guth  findenden  Anstalten  gnädigst  entschlofsen ,  wollen 
und  verordnen  hiemit,  dafs  die  Bücherwahre  mit  einer  leidlichen  Auflage  beleget, 
und  von  dem  Zentner  roher  oder  gebundener  Bücher,  so  in  Unser  Land  zum 
Vertrieb  bracht  werden ,  2  Thlr.  ein  vor  allemahl  bei  Unsern  Zöllen  gegeben ,  be- 
rechnet, und  in  die  Cassa  der  Societät  geliefert  werde.  Zu  welchem  Ende  Er- 
kundigung eingezogen  werden  soll,  damit  das  Quantum  befser  determiniret  werden 
könne.  Doch  behalten  Wir  Uns  bevor,  denen  so  in  unsern  Landen  etwas  sehr 
Nüzliches  verlegen,  nachdem  die  Societät  darüber  vernommen,  gewifse  Exemtiones 
deswegen  wiederfahren  zu  lafsen. 

Wir  werden  im  Übrigen  auch  gern  sehn,  wenn,  wie  anders^vo  bräuclilich, 
gewifse  Gesellschafften  und  Vereinigungen  von  denen,  so  mit  dem  Buchhandel  und 
Bücherwesen  beschäfftiget,  unter  Unser  Autorität  und  mit  Rath  Unser  Societät  auf- 
gerichtet, Subscriptiones  vermittelst  derselben  vei-anstaltet,  und  solche  Verfal'sungen 
dabey  gemacht  werden,  wodurch  der  Buchhändler  mehr  in  Stand  kommen  möge, 
tiichtige  und  rechtschaffene  Wercke  zu  verlegen,  und  ihre  Nahrung  zu  gemeinem 
Dienst  und  des  Landes  Nuz  wohl  zu  führen,   und  wollen  Wir  denjenigen,  so  sich 


47.    Leibniz,  Lotterie -Privileg  der  Societät  (Juli   17(Xi).  101 

mit  tüclitigeni  Verlag  herfiii-  tliun,  jiüt  Gnadenbezeigungen  begegnen  [folgen  einige 
imleserliche  AVorte]. 

AVeilen  Wir  auch  Unsere  Societät  der  Wifsenschafften  in  der  von  Uns  Ihr 
gegebenen  Instruction  mit  einer  besondern  Aufsicht  auf  die  behörige  Information 
der  Jugend  beladen,  so  wollen  Wir.  dal's  selbige  wegen  des  Methodi  docendi  der 
dazu  gehörenden  Bücher,  und  Avas  dem  anhängig,  gebührende  Sorge  tragen,  und 
dienliche  Anstalt  zu  machen  sich  angelegen  seyn  lafse.  Zu  welchem  Ende  Wir 
deroselben  ein  Privilegium  generale  perjjetuum  hiemit  allergdst.  ertheilet  haben 
wollen,  gewifse  rechtschaüene  Bücher  zu  verlegen,  und  bey  den  Schuhlen  einzu- 
führen, bey  gewiUinlicher  Straffe  gegen  die  A^erbrecher,  allerdings  nach  Mafse  des 
Privilegii,  so  Wir  deroselben  auff  die  Calender  ertheilet,  krafft  dessen  auch  die 
Societät  befugt  seyn  soll,  selbst  durch  die  von  ilir  autorisirten  Personen  Unter- 
suclumg  zu  thun,  wobey  die  Magistraten  und  Bedienten  jeden  Ortlis  ihr  und  den 
Ihrigen  m()glichst  und  auf's  Kräftigste  die  Hand  zu  bieten  haben. 

Wollen  und  verordnen  auch  überdiefs,  dafs  die  Societät  JNIacht  haben  soll, 
sich  der  Oberaufsicht  der  in  unsern  Landen  vorkommenden  Auctionen  und  Loterien 
wegen  des  Publici.  theils  nach  anderer  (Jrthen  Exempel,  anzunehmen,  Auctionatores 
und  Verlosungen  zu  bestellen,  und  ein  Gewisses  davon  zu  geniefsen,  und  ob  Wir 
wohl  bilsher  wegen  des  JNIifsbrauchs,  so  bey  den  Loterien  hin  und  wieder  ein- 
geschlichen, solche  in  Unsern  Landen  zu  verstatten  annoch  bedencken  gehabt,  so 
haben  Wir  doch  nicht  allein  gedachter  Societät  solche  zu  Zeiten  anzustellen  hiemit 
erlauben,  sondern  auch  Andere  so  umb  dergleichen  Ansuchung  thun  möchten,  des- 
wegen an  sie  gewiesen  haben  wollen,  damit  solche  unter  Direction  besagter  Socie- 
tät oder  der  Personen,  denen  sie  es  auftragen  wird,  auft'  eine  gebührende  Weise 
von  statten  gehen  können. 

Befehlen  demnach  Unsern  löbl.  Regierungen,  Magistraten,  Polizey  und  anderen 
Bedienten  oder  Beamten,  Zolleinnehmern  u.  s.  w. 


47. 

(Ver»l.  Gescliichte  der  Akademie  S.  91). 

L  E  I B  N I  z ,   E  n  t  A\'  u  r  f  e  i  n  e  s  K  u  i'  -  B  r  a  n  d  e  n  b  u  i'  g  i  s  c  li  e  n  Befehls,  kraft  welches 
der  Societät  der  Wissenschaften   freistehen  soll,    eine   oder   mehrere 

Lotterien  ohne  oder  in  ihrem  Namen  anzustellen  (Juli  1700). 

[IvAPPens  Sannnlung  8.4380'.;    Coiicepte  von  LEiBNizens  und  Cuneau's  Hand  im 

Akademischen  Arciiiv.] 

Wir,  von  Gottes  Gnaden ,  Friedricli  u.  s.  w. 

Nachdem  eine  Zeit  lang  her  in  und  aulser  Teutschlandes  verschiedene 
Lotterien  oder  Verlosungen  im  Schwange  gewesen,  also  dafs  die  Sache  fast  zu 
einem  Mifsbrauch  ausgeschlagen  und  Wir  daher  Bedencken  gehabt,  Privatis  dergleichen 
in  Unsern  Landen  leichtlich  zu  verstatten,  gleichwohl  aber  bekannt,  dafs  durch 
dieses  Mittel  unterschiedene  gemein -nützige,  theils  auch  zu  milden  Sachen  gerichtete 
Vorhaben  glücklich  zu  Wercke  gerichtet  worden,  so  haben  Wir  in  Gnaden  resolviret, 
Unser  neu-fundirten  Societati  Scientiarum  zu  verwilligen,  dafs  ihr  frey  stehen 
soll,  jetzt  und  künftig  eine  oder  mehrere  Lotterien,  ohne  oder  in  ihrem  Nahmen 
anzustellen,  die  Conditiones  der  Verlosung  zu  publiciren ,  die  Gelder  von  deren 
eingeschriebenen  Personen  zu  heben,  und  endlich  die  Verlosung  selbst  ergehen 
zu  lassen. 

Wie  Wir  denn,  zu  bessern!  Fortgang  dessen  so  wohl  bey  Unserer  Residentz 
als    sonst    in   Unsern    Landen    durch    Leute,     die   Uns    mit    Pflichten    und    Caution 


102  49.    LEiENizens  Brief  an  Hrn.  von  Wedel  (Sommer  1700). 

verwand,  die  Einziehungen,  Einnahme  der  Gelder  und  deren  Versicherung,  auch 
endlich  die  Hebung  der  Preise  veranstalten  lassen  wollen,  aucli  selbst  gnädig  gesonnen 
seyn ,  eine  Parthie  der  Loose  aufzunehmen ,  um  deren  Aufnehmung  zu  befördern, 
damit  der  gute  Zweck,  den  Wir  bey  der  Fandation  dieser  Unserer  Societät  haben, 
und  der  in  Unserm  Diplomate  Fundationis  ausgedruckt,  desto  besser  erreichet 
werden  möge  u.  s.  w. 

Die  Lotterie  selbst  könnte  auf  folgende  Weise  publiciret  werden,  so  aber 
nicht  im  Nahmen  Churfürstl.  Durchl.  wie  die  Concefsion,  sondern  nur  unter  Dero 
Autorität: 

Ob  schon  Churfürstl.  Durchl.  zu  Brandenburg  bey  denen  vielen  in  und  aufser 
Teutschland  im  Schwang  gehenden  Lotterien  oder  Verlosungen  Bedencken  gehabt, 
dergleichen  zumahl  Privatis  zu  verstatten,  dennoch  aber,  weil  durch  dieses  JNIittel 
einige  gute  Vorhaben  glücklich  zu  Werck  gerichtet  worden,  so  haben  Sie  in 
Gnaden  verwilliget,  dafs  zu  gewissen,  zur  Ehre  Gottes  und  gemeinen  Nutz  gerichteten 
Zweck  eine  Lotterie  mit  folgenden  Bedüngnissen  vorgenommen,  und  unter  Dero 
Autorität  luid  von  Ihro  verordneten  Aufsicht  gehalten  werden  soll,  nehnüich  u.  s.  w. 

[NB.:  Am  Rande  des  von  Leibniz  niedergeschriebenen  Concepts  steht  von  Cuneau's 
Hand:   »Ist  vom  Hoff  nicht  approbirt  worden«.] 


48. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  92  ff.). 

Der  Stiftungsbrief  der  Societät  vom    11.  Juli  1700. 

[Der  LEiBNiz'sche  Entwurf,  von  seiner  Hand  geschi'ieben.  befindet  sich  im  Geh.  Staatsarchiv 
(15.  Juni);  das  abgeänderte  Concept  nebst  einer  Reinschrift  befindet  sich  ebendort  (26.  Juni); 
die  Originalausfertigung  (11.  Juli)  miisste  im  Archiv  der  Akademie  sein,  ist  aber  verschwunden; 
dagegen  finden  sich  dort  und  in  Hannover  Abschriften ;  gedruckt  worden  ist  der  Stiftungs- 
brief öfters.] 
Der  Abdruck  erfolgt  liier  nicht,  weil  die  vollständige  Urkunde  im  Text  dieses  Werkes 
S.  93  f.  mitgetheilt  ist. 


49. 

(Veriil.  Gescliichte  der  Akademie  S.  96). 

Leibniz.  Brief  an  Hrn.  vo  X  Wedel  (Ende  Juni  oder  Anfang  Juli    1700). 

[IvAPPens  Sammlung  S.  202.] 

Wohlgebohrner, 

Hochgeelirtester  Herr, 
Ich  nehme  die  Freyheit,  dasjenige,  so  in  Form  einer  General -Listruction 
entworffen,  hiermit  zuzuschicken  imd  nach  dei'  geschehenen  Zulassung  dero  Ur- 
theil  anheimzugeben ,  was  dienlich .  Churfürstl.  Durchl.  unterthänigst  fürzutragen 
oder  vorhero  dabey  zu  erinnern.  Und  weil  etwas,  die  Qualität  des  Praesidis 
betretfend,  darein  gesetzet  worden,  mich  aber  bedüncket,  dafs  dergleichen  von 
ims  nicht  wohl  vorgeschlagen  werden  könne,  habe  ich  mich  erkühnet,  solches  zu 
durchstreichen.  Empfehle  im  übrigen  das  Werck  dero  güthigen,  so  wohl  erwiesenen 
Gewogenheit,  der  ich  in  aller  Ergebenheit  verbleibe 
Dero 

Dienstverbundenster 
G.  W.  Leibnitz. 


)0.    Die  General -Instruction  der  Societät  (11,  Juli   170(1).  108 


50. 

(Verül.  Geschichte  der  Akademie  S.  96). 

(renera  1  - 1  Mstruction    für    die    Societät    der   Wissenschaften 
vom    II.  Jnli   1700. 

[Original  und  niehiere  Abschriften,    sowie  ein  Concept  von  Cuneau's  Hand  im 
Akademischen  Archiv.] 

Wornach  sich  Unsere  von  Gottes  Gnaden  Friderich  des  Dritten.  ^Nlarggrafens 
7A1  Brandenburg,  des  Heyl.  Rom.  Reichs  Ertz  -  Kammerers  und  Ghurfürsten  in 
Preufsen.  zu  Magdeburg,  Kleve,  Jülich,  Berge,  Stettin,  Pommern,  der  Kafsuben 
und  Wenden,  auch  in  Schlesien  zu  Krossen  Hertzogen,  Burggrafens  zu  Nürnberg, 
Fürsten  zu  Halberstadt,  Minden  und  Kamin,  Grafen  zu  Hohenzollern,  der  ]Marck 
luid  Ravensberg,  Herren  zu  Ravenstein,  Lauenburg  und  Bütow,  neu  fimdirte  Societas 
Scieiitiarum  unterthänigst  zu  achten  hat. 

Nachdem  zu  Ausbreitung  der  Ehre  Gottes,  auch  zu  Ei-halt-  und  Fortptlantzung 
des  rechten  Glaubens,  walu'er  Gottesfurciit,  guter  Sitten,  ja  des  gantzen  gemeinen 
Wollwesens  in  allerley  Ständen  höchst  nölitig,  dafs  die  Gemüliter  der  Menschen 
durch  gute  Wifsenscliaft'ten  und  nützliche  Studien  ei'leuchtet,  zur  Erkäntnüls  und 
Bewunderung  der  Vollkommenlieiten  und  Wercke  Gottes  aufgemuntert,  folglich  zu 
dessen  Liebe  und  Furcht  als  der  Quelle  alles  Guten  angeführet,  vom  Müfsiggang 
aber  und  Bösen  hingegen  abgehalten,  gebessert,  und  endlich  bequehm  gemacht 
Averden,  Gott  und  dem  Vaterlande  sowoll,  als  sich  selbsten  und  denen  Ihrigen, 
wie  auch  anderen  Nebenmensclien  bestens  zu  dienen,  so  haben  Wir  unter  andern 
Unsern  vielen  und  wichtigen  Regierungssorgen  Uns  auch  landesväterlich  angelegen 
sevn  lassen,  darauf  zu  sehen,  wie  die  Studien  befordert,  gute  Wifsenschatften, 
Nnchrichtungen.  Künste  und  Erfindungen  erhalten,  vermehret,  unterstützet.  w<ill 
angewendet,  auch  nach  Gelegenheit  in  Unsern  Landen  eingeführet  und  fortgetrieben, 
dabeneben  die  Jugend  woU  untei'wiesen  und  aufgemuntert,  taugliche  Ingenia  aus- 
gesondert, gelehi'te  Leute  luid  gute  Kiuistler  herfürgesuclit,  herbeygebracht  und 
durch  Gnadenbezeugungen  angefrischet  werden  möchten,  das  Ihrige  in  allerley  Arth 
von  Gelehrsamkeit,  Experienzen,  Kiuisten,  Exercitien,  Unternehmungen  und  Xer- 
i'ichtungen  zu  gemeinem  Besten  und  Landeszierde  mit  allem  Fleifs  und  Eifer  bey- 
zutragen. 

Zu  solchem  Ende  haben  Wir  auch  nach  Unserer  christlöblichster  Herren 
Vorfahren  und  sonderlich  Unsers  hochseeligsten  und  giorwürdigsten  Herrn  Vaters 
rühmlichen  Exempel,  die  bey  Kirchen  sowoll,  als  bey  holien  und  niedrigen  Schulen, 
wie  auch  bey  freyen  und  andern  Künsten  und  Wercken  vor  Uns  gefundene  gute 
Verfassungen,  sambt  denen  dazu  gewidmeten  Stifftungen,  Begnadigimgen,  Besoldungen, 
Stipendien,  Einkünfften  und  Gefällen  nicht  allein  in  allen  Stücken  kräfftigst  ge- 
schützet und  erhalten,  st)ndern  auch  dieselben  ohngeachtet  der  groisen  Kosten,  so 
Wir  bey  diesen  ohnedem  schweren  Zeiten  sowoll  zu  Erhaltung  gemeiner  Sicher- 
heit, als  auch  dem  Schutz  L^nsers  teutschen  "N'aterlandes  und  Unserer  eigenen  Lande 
anzuwenden  gehabt,  in  vielen  Stücken  mildiglich  vermehret,  eine  neue  Universitaet 
aufgerichtet,  Academien  der  Künstler  in  Unserer  Residentz  fundiret  und  mit  denen 
unter  Unserm  Schutz  genommenen  neuen  Einwohnei'u  auch  zugleich  allerhand 
Manufacturen  vuid  Nahrungsmittel  eingeführet,  auch  sonsten  an  Uns  nichts  erwinden 
lassen,  nocli  aucli  ferner  erwinden  lassen  werden,  wodurch  der  obbedeutete  gemein- 
nützige Zweck  völlig  und  der  Gestalt  erreichet  werden  möge,  dal's  nebst  vorsichtiger 
Besorgung  der  Landesbeschützung  und  Praesidiorum  belli  bey  dem  von  Gott  er- 
langten Frieden    zugleich    auch  Artes    pacis    im    Flor    erhalten,    allerhand    gute  An- 


104  50.    Die  General -Instruction  der  Societät  (11.  Juli  1700). 

stalten  und  Einrichtungen  zu  menschlicher  Bequehmlichkeit  veranlalset.  der  Annuth 
zu  mehrerer  Nahrung  geholffen  und  alles,  was  zu  guter  Erziehung  und  christlichem 
Tugendwandel,  mithin  zur  Ehre  Gottes,  Hülffe  und  Liebe  des  Neclisten  gereichen 
kan,  so  viel  müglich  veranstaltet  und  befordert  werde. 

Und  weil  Wir  Uns  der  gemeinen  Angelegenheiten  der  evangelischen  Kirchen 
allezeit  hochlöbl.  angenommen ,  so  haben  Wir  auch  zugleich  Unser  Absehen  dahin 
gei'ichtet,  wie  mittelst  der  .Scienzen  bey  Ungläubigen  oder  sonst  in  Irthum  steckenden 
Völckern  die  Bahne  bereitet  wei'de,  damit  an  deren  Bekehrung  zui'  reinen  christlichen 
Lehre  unter  Gottes  Seegen  fruchtbahrlicli  gearbeitet  und  denen  Evangelischen  keine 
Nachläfsigkeit  darin  aufgebürdet  werden  könne. 

Aldieweiln  Uns  nun  unterthänigst  fürgetragen  worden,  dafs  zu  solchen  Unsern 
grofsen  und  Gott  ohne  Zweifel  wollgefälligem  Absehen  unter  andern  dienlich  seyn 
würde,  eine  gewifse  Societatem  Scientiarum  aufzurichten,  so  ihr  Haubt-Stabiliment 
bey  Unser  Residentz  zu  Kölln  an  der  Spree  hätte,  hin  und  wieder  aber  durch  die 
in  Unsern  Landen,  auch  dem  Befinden  nach  aufserhalb  derselben  habende  ^litglieder, 
und  sonsten  durch  unterhaltende  Verständnils  und  Briefwechselung  mit  andern 
bequehmen  Persohnen  und  gantzen  Societaeten  allerhand  dienliche  Untersuchungen, 
Berichte,  Extracte,  Excerpta,  Schriften,  Instrumenten,  Entdeckungen,  Demon- 
strationen, Experimenten,  Observationen,  Proben,  Maschinen,  Modellen,  Exotica 
und  andern  Naturalien,  Abrilse,  Beschreibungen,  Vorschläge  und  Gedanken  theils 
selbst  herfür,  theils  zusammenbringen  und  überlegen,  auch,  wo  es  dienlich,  Uns 
sowoll  von  Selbsten  aus  schuldigster  Devotion,  als  auch  auf  gnädigstes  Erfoi'dern 
ihr  unterthänigstes  Gutachten  darüber  abstatten  und  durcligehends  auf  dasjenige, 
so  zu  der  Studien  und  Wifsenschaö'ten  Aufnahme  gerichtet  und  mit  einem  Wort 
auf  culturam  et  augmenta  scientiarum  ein  wachsahmes  Aufsehen  haben  könte.  So 
haben  Wir  Uns  solchen  Vorschlag  nicht  allein  gefallen  lafsen,  sondern  auch  aus 
eigener  Bewegung  denselben  dahin  gnädigst  verbefsert,  dafs  es  zugleich  eine  teutsch- 
gesinnete  Societaet  seyn  solle,  welche  sich  den  Ruhm,  Wollfahrt  und  Aufnahme 
der  teutschen  Nation ,  Gelehrsamkeit  und  Sprache  vornemlich  mit  angelegen  seyn 
lai'se.  Worzu  Wir  umb  so  viel  mehr  veranlafset  wei-den,  weil  der  gütige  Gott 
LTnser  Teutschland  in  vielen  Stücken  sonderlich  begäbet,  auch  darin  ein  solches 
Licht  reiner  Lehre  angezündet,  dafs  dadurch  die  Finsternüfs  der  chi-istl.  Vülcker 
grofsen  theils  vertrieben  und  die  Warheit,  sonderlich  im  Kirchenwesen  und  bey 
denen  Schulen,  wieder  zu  Tage  geleget  worden;  aber  dieses  auch  von  niemanden 
geleugnet  werden  kan,  dafs  in  allen  Theilen  der  Studien,  Wifsenschafften  und  Künste 
viele  wichtige  Realien,  auch  selbst  die  Kunst  der  Druckerey,  wodurch  gute  Gedancken 
am  Beiiuehmsten  der  Nachwelt  mitgetheilet  werden  können,  ihren  LTrsprung  aus 
Teutschland  haben;  und  Uns  also  als  einem  aufrichtigen  Patrioten  aus  diesen  und 
vielen  andern  Bewegnüfsen  anständig  seyn  und  obliegen  will,  nicht  allein  die 
Besorgung  gemeinsahmer  Angelegenheiten  der  evangelischen  Mitstände,  sondern  auch 
der  Erhalt-  und  Vermehrung  des  Ruhms  und  der  Würde  des  Vatei'landes  uns 
nach  ^'ermög•en  anzunehmen.  Zu  allmähliger  Erreichung  nun  dieses  Unsers  völligen 
Absehens  in  allen  Stücken  haben  Wir  vor  Uns  und  Unsere  Successoren  und 
Nachkommen  erwehnte  Societaet  durch  ein  besonders  Diploina  aufs  Beständigste 
.fundiret,  dieselbe  mit  einem  Praeside,  bequehmen  Gliedern,  Secretario,  Adjunctis 
oder  Eleven,  Laboranten  und  andern  Bedienten,  sodann  Observatorio,  Laboi'atorio, 
Bibliothec,  Instrumenten,  Musaeo  und  Rariteten- Kammer  oder  Theatro  der  Natur 
und  Kunst,  auch  andern  olier-  und  unterirdischen  Behaltnüfsen,  Plätzen  und 
Gelegenheiten,  auch  dazu  dienlichen  Apparaten  naturalium  et  artificialium  und  allem 
dem,  so  zu  Untersuchung  derer  drey  Reiche,  der  Natur-  und  Kunst^vercke,  auch 
sonst  zu  neuen  und  gröfseren  Wachsthum  nützlicher  Studien  als  dem  Objecto 
Societatis  dienlich,    theils   schon    versehen,    theils    noch    ferner    nach   und    nach    zu 


50.    Die  General -Instruction  der  Societät  (1 1.  Juli  1700).  105 

versehen  gnädigst  entschlofsen.  Wollen  auch  Verordnung  niaclien,  dal's  diejenige 
Persolinen,  so  in  oder  aufser  Landes  in  Unsern  Diensten  stellen,  oder  von  Uns  sonsten 
Dependentz  haben,  sowoll  von  Selbsten,  als  auf  Begehren  mit  Nachriclitungen  und 
Selbsten  mit  Einsendung  der  Beschreibungen,  Abrii'se  und  Modellen ,  auch  woll  gai- 
der  Dinge  in  natura,  so  viel  thunlich  durch  sich  oder  andere  an  Hand  gehen. 
Wohin  dann  sonderlicli  alle  diejenige,  so  von  Studiren  Pi-ofession  oder  Werde 
machen  und  in  Unsern  Landen  ihre  Subsistentz  davon  haben,  insgemein  angewiesen 
Averden  sollen,  damit  solche  mit  dem  Zweck  der  Societaet  so  viel  möglich  über- 
einstimmen und  sonderlich  die  Bücher  und  Wercke,  so  ein  und  ander  unter  Händen 
haben  mag,  von  ihnen  oder  denen  Verlegern  zu  der  Societaet  Kundschafft  in  Zeiten 
braclit  und  vergebene  oder  gar  schädliche  Arbeit  verhütet,  gute  Vorhaben  aber 
desto  mehr  befordert  werden  mögen. 

Wir  wollen  auch  dasjenige,  so  von  dergleichcu  ^'ol•sclllägen  und  Wercken 
entweder  zur  Erhaltung  gewifser  Privilegien  oder  sonsten  an  L"ns  etwan  gebracht 
wird,  der  Societaet  zukommen  und  communiciren  laisen,  damit  alles  von  der  Societaet 
nach  Nohtdurfft  untersuchet,  dem  Befinden  nach  gutgeheifsen,  verbefsert  oder  auch 
verworflfen,  das  Gute  aber  in  die  Acta  gebracht,  auch  verwahret  und  beybehalteii 
und  nicht,  wie  es  sonst  mit  vielen  nützlichen  Erfindungen  und  Concepten  ergangen, 
verlohren  odei'  vergefsen  werde. 

Da  auch  von  der  Societaet  Jemand  in  nahe  oder  entfei'nete  Ohrte  verschicket 
oder  zur  Verschickung  Uns  unterthänigst  vorgeschlagen  werden  solte,  wollen 
Wir  die  vorgeschlagene  taugliche  Persohn  mit  nöthigen  Recommendationen  und 
alhMn  Vorschub  versehen  zu  laisen,  auch  sonst  die  Desideria  Societatis  gnädigst  zu 
befordern  nicht  ermangeln. 

Wir  haben  L^ns  auch  selbst  aus  eigenem  Bewegnül's  zum  Protectore  dieser 
Unserer  Societaet  erklähret,  und  wollen  dero  Ober-Directoriiun  Uns  selbst  und  allein 
zu  LTnser  Vergnügung  vorbehalten  haben,  also  dafs  bey  Vorfallenheit  Praeses  und 
Glieder  an  Uns  sich  unterthänigst  halten  m()gen,  da  AVir  dann  jedesmahl  in  allen 
billigen  und  anständigen  Dingen  sie  mit  gewierigem  Bescheid  fordersambst  versehen 
und  sonsten  Unsers  Schutzes  und  gnädigster  Zuneigung  kräfi'tigst  genielsen  laisen 
wollen. 

Das  Corpus  der  Societaet  soll  nach  dem  Exempel  der  Königl.  Englisch(»n  So- 
cietaet aus  einem  Consilio  und  andern  mehrern  Gliedern  bestehen,  und  soll  das 
Consilium  sich  die  Sachen  der  Societaet  absonderlich  angelegen  seyn  laisen  und 
deren  abwai'ten,  auch  zum  ött'tern  zusammenkonunen,  umb  von  allem  dem  zu 
handeln,  so  auf  einige  Weise  zu  dem  Zweck  der  Societaet  gereichen  kan,  alda, 
was  dienlich  befunden  werden  wird,  besclilol'sen  und  protocolliret,  die  Arbeit  an- 
geordnet und  ausgetheilet .  die  Correspondentzen  beobachtet,  die  an  die  Societaet 
haltende  Briefe  verlesen  und  deren  Beantwortung  beschlofsen  werden  soll.  Das 
Consilium  hat  auch  künfftig  neue  Glieder  der  Societaet  zur  Annelunung  auf  gewifse 
Mal'se  vorzuschlagen  und  die  verschiedene  Versamlungen  anzukündigen,  zu  welchen 
nach  Gelegenheit  der  Objecten  und  nach  deme  von  Pliysico-^Mathematicis  oder  dem 
teutschgesinneten  Zweck  oder  sonst  von  Studiis,  zumalil  Historiae  Gerinaniae  ge- 
handelt wird,  die  dazu  geneigte  und  bestimte  Persohnen  sich  nach  Gelegenheit 
alsdami  einzufinden  haben,  da  dann  bey  solchen  Conventibus  alles  ordentlich  und 
etwaii  nach  dem  Exempel  anderer  Societaeten  auch  hiesigen  Uml)ständen  und  Ab- 
sichten verhandelt  Averden  soll.  Dafern  auch  bey  dem  Consilio  in  denen  Beraht- 
schlagungen  einiger  wichtiger  Zweifel,  zumahlen  in  Sachen,  die  der  Societaet 
Staat  und  Wesen  betreffen,  vorkommen  solten,  sollen  selbige  zu  ferner  Ul)erlegung 
oder  endlich  zu  LTnserer  hohen  Decision  gestellet  werden,  wie  dann  dem  Praesidi 
die  Proposition  zu  thun  und  die  Conclusiones  zu  machen  gebühret,  und  in  seinem 
Abwesen  seine  Vices  einem  Gliede  des  Consilii    aufgetragen  werden    sollen,    diu-ch 


106  5*'.    Die  General -Instruction  der  Societät  (11.  Juli  1700). 

welchen  und  diMi  Secretarium  dem  Praesidi  von  den  Voi-talligkeiten  gewil'se  Nach- 
richt zu  geben  und  mit  ihme  so  viel  tlnmlich  von  denen  Angelegenheiten  der  8o- 
cietaet  7,u  commnniciren  seyn  wird. 

Wir  wollen  auch  und  vei'langen  gnädigst,  dafs  aufser  dem  Consilio  Societatis, 
worein  voritzo  zimiahlen  diejenige  zu  nehmen,  welche  mit  deren  Fundation  he- 
mühet  gewesen  und  die  sich  das  Werck  beständig  annehmen,  mit  der  Zeit  auch 
einige  Standespersohnen  und  sonst  luiter  denen  Praelaten  und  Theologis.  Rähten 
und  Jureconsultis ,  Leib-,  Hoff-  und  andern  Medicis.  Historicis,  Philosophis  et 
Literatis,  auch  aulser  dieser  Sphaera  bey  der  Ritterschafft,  Hoff",  IMilitz  und  Ar- 
tillerie und  unter  denen  Ligeniein-en .  Baumeistern  und  andern  Landes-.  Policey- 
und  Kriegs -Bedienten,  auch  aufser  diesen  stehenden  Adelichen  und  andern  er- 
fahrnen, nachdenckenden  und  wifsensbegierigen  Persohnen,  theils  und  zwar  die 
fürnelnnsten  als  Honorarii,  theils  als  Mitarbeitende  und  Correspondenten  oder 
auf  andere  Weise,  wie  es  aufs  fiiglichste  geschehen  kan  oder  eines  jeden  Be- 
quehmlichkeit  leidet,  zu  der  Societaet  gezogen  werden  mögen,  worüber  Wir 
Unser  gnädigstes  Gefallen  nach  eines  jeden  Bezeigen  bei  Gelegenheit  verspüren 
lafsen  werden. 

Es  soll  auch  der  Societaet  unbenonnnen  sejai.  Ausländer,  auch  Persohnen 
von  anderer  Religion  nach  Befinden  der  anständigen  Beschaffenheiten  und  Umb- 
stände  herbeyzuziehen  imd  zu  Mitgliedern  aufzunehmen. 

Gleichwie  aber  Unserer  gnädigsten  Litention  nach  diese  Societaet  alles  das- 
jenige zum  Objecto  nehmen  und  in  sich  begreiffen  soll,  was  die  anderswo  auf- 
gerichtete oder  unternommene  Societates  et  Academiae  Regiae  Scientiarum,  Litera- 
rum,  Linguarum  et  Collegia  Historiae,  praesertim  Germanicae,  saci-ae  vel  profanae, 
ja  Selbsten  auch  einiger  jMafsen  Collegia  propagandae  fidei,  cultus  et  virtutis  nach 
sich  führen,  also  wollen  Wir  auch  die  Societaet  hiermit  insgemein  und  in  ani- 
plissima  forma  darauf  dergestalt  gewiesen  haben ,  dafs  sie  be}^  allen  solchen  in  ihr 
Objectum  lauffenden  Dingen  auf  den  Anfangs  gedachten  Zweck  ihr  Absehen  richte, 
was  von  andern  Gutes  geleistet  worden,  verfolge,  auch,  wo  thunlich,  verbefsei'e, 
worin  aber  etwa  verfehlet  seyn  möchte,  Solches  zu  vermeiden  imd  den  rechten 
Weg  zu  ergreiffen  suche.  Und  ob  Wir  zwar  von  L^nserm  Praeside  bey  der 
Societaet  und  ^lembris  derselben  versichei-t  seyn .  sie  werden  aus  dieser  gene- 
ralen  Bedeutung  ihres  Objecti  Unsere  gnädigste  Intention  genugsahm  abnehmen 
inid  an  deren  Erfüllung,  so  viel  an  ihnen,  nichts  ermangeln  lafsen,  so  haben 
Wir  doch  nöthig  gefunden ,  in  einem  und  andern  ad  specialia  zu  gehen ,  damit 
sie  Unsern  gnädigsten  Willen  und  ^Meinung  desto  genauer  ersehen  und  erfüllen 
können. 

Es  ist  bekant,  in  was  für  einem  besondern  guten  Vernehmen  Wii-  mit  dem 
Moscovitischen  Czaaren  stehen,  und  wie  dieser  Fürst  zu  denen  Natur-  und  Kunst- 
wercken,  sonderlich  aber  zu  der  Schiffahrt  grofse  Lust  bezeige.  Weilen  nun  der- 
selbe wegen  seiner  grofsen  INIacht  und  weitläuff'tigen  Lande  zu  Unserm  durch  der 
Societaet  Aufrichtung  abzielenden  gemeinnützigen  Zweck  ein  Grofses  beytragen  kan, 
so  wollen  Wir  bedacht  seyn,  wie  deswegen  mit  diesem  Monarchen  bey  Gelegen- 
heit Handlung  geptlogen  und  dienliche  Anstalt  gemachet  werde,  dafs  von  denen 
Grentzen  Unserer  Lande  an  bis  nach  China  nützliche  Observationes  astronomicae, 
geographicae,  dabeneben  nationum,  linguarum  et  morum  rerumque  artificialium  et 
naturalium  nobis  incognitarum  und  dergleichen  gemachet  und  der  Societaet  zu- 
geschickt werden.  Weilen  auch  in  Sonderheit  bekant,  dafs  die  Declination  des 
INIagnetens  mit  denen  Ohrten  und  Zeiten  sicli  endert,  an  deren  Erkäntnüfs  aber 
der  Geographie  xmd  Schiffarth  ein  überaus  Grofses  gelegen ,  so  könte  dieser  Punct 
vom  Rhein  an  bis  an  die  Memel,  und  so  ferner  in  dem  nordischen  und  östlichen 
Theil  der  Welt,  da  er  bisher  gantz  oder  doch  gröfsestentheils  unerörtert  geblieben, 


50.    Die  General- Instruction  der  Societät  (11.  Juli  1700).  107 

durch  eigene  Persohnen  mit  Vei-günstigung  oder  ^'orscllub  des  Czaaren  oder  auch 
anderer  Potentaten  untersuchet  werden ,  bey  welchen  Gelegenheiten  zugleich  auch 
dahin  zu  trachten,  wie  denen  barbarischen  Völckern  in  solchen  Quartieren  bis  an 
China  das  Licht  des  Christenthumbs  und  reinen  Evangelii  anzuzünden  und  in  China 
selbst  von  der  Land-  und  Nordseiten  denen  seewerts  hinkommenden  Evangelischen 
hierunter  die  Hand  geboten  werden  könne ,  wozu  Wir  vor  andern  christlichen 
Potentaten  diesen  Vortheil  haben ,  dals  Wir  allein  den  Börnstein  und  also  die- 
jenige Waare  uhrsprünglich  besitzen,  Avelche  unter  allen  Europäischen  fast  allein 
in  China  verlanget  und  hochgeschätzet  zu  werden  pfleget. 

Wir  wollen  iibrigens  auch  in  obigen  und  andern  Nachsuchungen  der  Societaet 
durch  Unsere  africanische  und  americanische  Compagnie  an  die  Hand  gehen  lafsen. 

Damit  auch  die  uln-alte  teutsche  Haubtsprache  in  ihrer  natürlichen,  anständigen 
Reinigkeit  und  Selbststand  erhalten  werde,  und  nicht  endlich  ein  ungereimbtes 
Mischmasch  und  Unkäntlichkeit  daraus  entstehe,  so  wollen  Wir  die  vormahlige 
fast  in  Abgang  inid  Vergefs  gekommene  \'orsorge  durch  mehrgedachte  LTnsere 
Societaet  luid  andere  dienliche  xVnstalten  erneuern  laisen.  LTnd  wie  Wir  dahin  sehen 
lafsen  werden,  dafs  in  Unsern  Kantzleyen,  Regierungen,  CoUegien  und  Gerichten 
Ijey  denen  Ausfertigungen  die  fremde  unanständige  Worte  und  übel  entlehnte  Reden, 
soviel  füglich  geschehen  kau ,  vermieden,  hingegen  gute  teutsche  Redarten  erhalten, 
lierfüi'gesuchet  und  vermehret  werden,  also  wollen  Wir  auch  Verordnung  machen, 
dals  der  Societaet  mit  teutschen  Benennung-  und  Beschreibungen  derer  vorkommenden 
Dinge  und  Würckungen  von  erfahrnen  Leuten  in  allerhand  Lebensarten  an  Hand 
gegangen,  nicht  weniger  aus  denen  Archiven  und  Registraturen  sowoll  die  alten, 
nimmehr  abgegangenen,  als  aus  denen  Provintzen  verschiedene  bey  dem  Landmann 
nur  etwan  noch  übliche,  sonst  aber  unbekante  Worte,  worin  ein  Schatz  des 
teutschen  Alterthiunbs,  auch  derer  Rechte  und  Gewoluiheiten  Unserer  Vorfahren, 
theils  zu  Erkäntnüfs  der  Uhrsprünge  und  Historien,  theils  auch  zu  Erleuterung 
heutiger  hohen  und  anderen  Rechte,  Gewohn-  und  Angelegenheiten  verborgen 
stecket,  angemercket,  gesamlet  und  mitgetheilet  werden. 

Wir  wollen  auch,  dafs  die  Societaet  das  wichtige  Werck  der  Historien, 
sonderlich  der  teutschen  Nation  und  Kirchen,  zumahlen  in  Unsern  Landen,  sich 
angelegen  seyn  lafse,  damit  alles  richtig  beschrieben,  mit  gutem  Grunde  und  be- 
wehrten Zeugnüfsen,  und  zwar  soviel  möglicli  aus  Diplomatibus,  glaubwürdigen 
Scripturen  und  gleichzeitigen  Scribenten  oder  sonst  behörigen  Beweifsthum  dai"- 
gethan,  das  wahre  Alterthum  des  evangelischen  Glaubens  sowoll,  als  die  Noht- 
wendigkeit  und  Beschaffenheit  der  teutschen  evangelischen  Reformation  und  dei-en 
Festsetzung  gegen  die  Mifsstellung-  und  Verdrehungen  der  Widersacher  behaubtet, 
der  teutschen  Nation  Ehre  gerettet  und  ans  Licht  gestellet,  auch  hierunter  nicht 
weniger  als  bey  allen  obigen  Dingen  Unsere  führende  gute  Absicht  zu  Unserm 
Vergnügen  werckstellig  gemacht  und  Uns  der  wollerlaubte  Ruhm,  dafs  unter  Unser 
Regierung  dergleichen  gute  Dinge  in  Unsern  Landen  gestifftet,  ausgearbeitet  und 
liervorgebraclit,  auch  andern  ein  gutes  Exempel  der  Nachfolge  gewiesen  woi-den, 
erworben  werden  möge.  Zu  welchem  Ende  auch  zu  Zeiten  eine  Relation ,  Berichte, 
Tentamina  und  Specimina,  bis  gröfsere  Wercke  ausgearbeitet  werden  möchten, 
in  teutscher  oder  lateinischer  Sprache  herfürtreten  und  von  wegen  der  Societaet 
oder  mit  dero  Gutheifsen  herausgegeben  werden  könten. 

Die  Acta  und  Register  der  Societaet  sollen  zweyerley  seyn;  secrete,  so  allein 
dem  Consilio  offen  stehen,  und  publica,  welche  nach  denen  oberwehnten  dreyen 
Haul)t-Objectis  als  i.  rerum  Physico -Mathematicariun,  wohin  Astronomica,  Mecha- 
nica  und  Chymica  mitgehören,  2.  linguae  Germanicae  und  3.  rei  literariae,  wohin 
das  Studiiun  historiae  Germanicae,  sacrae  et  profanae  mitziu'echnen,  zu  vertheilen 
und    mit   gehörigen  Repertoriis    zu    verseilen,    und  wird  zu  überlegen  stehen,    was 


108  50.    Die  General -Instruction  der  Scicietät  (11.  Juli  1700). 

etwa  vermittelst  der  Societaet  /.um  Druck  zu  befordern,  und  welcher  Gestalt  in 
Sonderheit  ein  Diarium  Eruditorum  dero  Zweck  gemäls  ahzufal'sen,  so  haulitsächlicli 
daliin  gehen  würde,  dal's  dasjenige,  so  in  ddnen  Büchern  eigentlich  neu  und  sonder- 
bahr, dadurcli  der  Scliatz  menschlicher  Wilsenschafft  und  Nachrichtungen  vermehret 
■wird .  angedeutet  und  auch  woU  nach  Gelegenheit  herausgezogen ,  mithin  das  sonst 
in  eine  Unentligkeit  gehende  Bücherwesen  zu  gemeinem  Nutz  einiger  Mafsen  in 
Grentzen  gehalten  ^vürde. 

Das  Zeichen,  so  die  Societaet  zum  Calenderwesen  zu  gebrauchen  hal)en 
wird,  kan  dieselbe  nach  Befinden  und,  wie  sie  es  am  besten  und  anständigsten 
findet,  wehlen;  das  Siegel  aber  hat  sie  vorzuschlagen,  welches  hernach  von  dem 
Praeside  oder  in  del'sen  Abwesenheit  von  dem.  so  defsen  Vices  verwaltet,  zu  ver- 
wahren  und  die  Ausfertigungen  von  ihm  zu  imtersclu-eiben  seyn  -werden. 

Die  Cassa  bey  der  Societaet  und  Eintreibung  defsen,  so  darzu  geordnet,  soll 
von  einer  bequehmen  Persohn  und,  wo  es  thunlich,  von  dem  Secretario  der  Societaet 
verwaltet,  wan  es  nöhtig,  Caution  gestellet,  Alles  treulich  und  richtig  in  Einnahme 
und  Ausgabe  berechnet,  ohne  unterschriebene  Ordre  des  Consilii  Societatis  nichts 
au.sgezahlet,  neue  Besoldungen  aber  und  Speesen  zu  den  Verschickungen  oder 
andei-e  grofse  Extraordinaria  ohne  unser  Vorwifsen  oder  wichtige  Uhrsachen  weder 
gemachet,  noch  entrichtet,  und  im  Übrigen  die  Rechnungen  jährlich  vor  dem 
Consilio  Societatis  abgeleget  und  von  selbigem  quitiret  werden.  Es  sollen  sonsten 
auch  Unsere  Hofi'-  imd  andere  Fiscal -Bediente  und  Beanditen  dahin  gewiesen 
werden,  der  Societaet  zu  P^intreibung  ihres  Fundi  schleunig  und  nachdrücklich 
beyzustehen,  die  zum  Nachtheil  der  Societaet  gereichende  Unterschleifi'e  zu  verhüten 
vnid  zu  bestrafen,  theils  auch  da.sjenige,  so  hin  und  wieder  erhoben  werden  soll, 
sell)st  (anzubringen  und  in  die  Cassa  liefern  zu  lafsen,  damit  die  Societaet  mit  ohn- 
iiöthigcn  Bedienten   nicht  beladen  werde. 

Und  weiln  Wir  selbsten  leicht  ermessen,  dafs  zu  Ausführung  und  Bestreitung 
eines  so  wichtigen  und  sich  so  weit  ersti-eckenden  Werckes  ein  besonderer  Schutz 
und  Handhabung  und  dabe}"  keine  geringe  Kosten  erfordert  werden,  so  haben  Wir 
zuforderst  in  Gnaden  gewilliget,  dafs  das  Calenderwesen  in  allen  Unsern  Landen, 
als  welches  von  der  Astronomie  dependiret  und  wegen  des  bisherigen  Mifsbrauchs 
einer  Einschrenkung  ohnedem  nöhtig  gehabt,  zum  Behuf  des  Obsei'vatorii  und  so- 
weit es  sonst  reichen  will,  gedachter  Unser  Societaet  privative  ohne  Abgang  und 
dei'gestalt  übergeben  seyn  soll,  wie  solches  in  Unserm  Edicto  vom  lo*'^"  Mali  dieses 
Jahres  weitläufftiger  enthalten. 

Wir  AVüUen  auch  fei-ner  und  fordei'lichst  auf  andere  Unserm  Zweck  zu- 
stinnnende  und  projjortionirte  Mittel  bedacht  seyn,  dadurch  die  Societaet  zu  einem 
zulänglichen  Fundo  kommen  und  dadiu'ch  in  Stand  gesetzet  werden  möge,  etwas 
Ansehnliches  zu  unternehmen  und  auszurichten,  behalten  Uns  auch  bevor,  durch 
extraordinaiia  Subsidia  nach  gnädigstem  Befinden  der  Societaet  unter  die  Arme 
zu  greiffen ,  damit  bey  dem  zumahlen  schwei'en  Anfang  das  Nöhtige  bestritten 
werden  könne. 

Über  dieses  wollen  Wir  Unserer  Societati  Scientiarum  die  etwa  suchende 
Begnadigungen  und  Privilegia,  welche  zu  Aufnahme  des  gemeinen  Bestens  gereichen, 
es  l^estehen  solche  gleich  in  gewifsen  Erfindungen,  Applicationen,  Cultui'en,  Landes- 
vei'ljelserimgen ,  Manufacturen  oder  anderen  Wercken ,  Anstalten  und  Untei'ueh- 
mungen,  wie  die  Nalunen  haben  mögen,  nach  derselben  Unserer  Societaet  Verlangen 
oder  der  Dinge  Beschaifenheit  zu  Behuff  dero  Fundi,  vor  allen  andei'u  in  Gnaden 
verwilligen  und  darüber  beständig  halten. 

Und  weilen  unter  andern  auch  in  Betrachtung  kommen,  dafs  off't  Feuer-  und 
Wafserschaden  geschehen,  dadurch  viele  Leute  in  Armuth  gesetzet  werden,  so 
hernach  dem  Publico  luiuützlich  und  beschwerlich  fallen  und  von  Uns  oder  U^nsern 


50.    Die  General -Instruction  der  Societät  (11.  Juli   1700). 


109 


Untertliaiien  übertragen,  erhalten  oder  durch  Beysteuern  wieder  aufgebracht,  auch 
mit  Baumaterialien  begnadet  werden  müfsen,  so  soll,  im  Fall  die  Societaet  durch 
annehmliche,  ins  Mittel  bringende  Voi'schläge  anweisen  würde,  wie  solche  Damna 
infecta  und  grofse  Landschäden  zum  Theil  verhütet  werden  könten.  ihr  Solches 
verstattet  und  von  dem  dadurch  avantagirten  und  benutzetem  Publice  eine  billige 
Gegenleistung  dafür  wiederfahren. 

Damit  auch  die  Glieder  der  Societaet  zu  mehreren  und  befseren  Beytrag  ihres 
Fleifses  aufgemuntert  werden  mögen,  so  wollen  Wir  zu  Zeiten  gewifse  Medaillen 
prägen  lafsen,  so  der  Societaet  geliefert  und  denjenigen ,  so  sich  für  andern  herfür- 
gethan  und  etwas  Gutes  geleistet,  ausgetheilet  werden  sollen.  Wir  werden  auch 
die  Bemühung  derjenigen,  so  an  Aufrichtung  und  Disposition  der  Societaet  gearbeitet, 
mit  besondern  Gnaden  erkennen  und  bey  Beförderungen  und  andern  Begnadigungen 
auf  diejenige  Reflexion  machen,  so  sich  bey  der  Societaet  umb  das  Publicum  woll- 
verdient machen  werden,  mithin  [nach?]  der  Societaet  Zeugnüfs  und  Recommendation 
etwas  gelten,  und  wo  Jemand  etwas  Ohngemeines  geleistet,  es  an  wollverdienten 
Vergeltungen  nicht  ermangeln  lafsen. 

Neben  dieser  Unser  General -Instruction  vor  Unsere  Societatem  Scientiarum 
A\erden  Wir  selbige  nach  Gelegenheit  und  Befindung  noch  mit  absonderlichen  Yev- 
oi'dnungen,  Concessionen,  Begnadigungen  und  Expeditionen  dem  Zweck,  Einrichtung 
und  Bewandnüfs  gemäfs  versehen  und  insonderheit  an  Unsere  Bibliothec.  Kunst- 
und  Uhrcanuner  auch  sonsten  Veroi'dnungen  angehen  lafsen,  dafs  ihnen  die  T)e- 
niUitigte  Bücher  zum  Gebrauch  geliehen  und  deshalb  richtige  Verzeichnüfsen  mit 
der  Bibliothec  gehalten,  Uhren  oder  Tubi,  Instrumenten  etc.,  umb  bey  der  Societaet 
beständig  zu  bleiben,  abgefolget  wei'den,  worüber  alsdann  bey  der  Societaet  In- 
ventaria  gehalten  werden  sollen. 

Es  soll  auch  wegen  rarer  und  fremder  Thiere,  Gevvächfs  und  Naturalien, 
dann  auch  Modellen,  Erfindungen.  Heb-  und  Rüstzeugen,  WWsermühl  und  andern 
Kunstwercken  bey  Unsern  Thier-  und  Lustgärten.  Zeughäusern,  Bauwesen,  Schmeltz-, 
Eisen-  und  Blasehütten,  Manufactur-  und  Werckhäusern  und  dergleichen,  wie  es 
Namen  haben  mag,  sowoll  mit  den  Dingen  selbst,  als  deren  Benachrichtigungen 
nach  der  Sachen  Beschaffenheit  von  denen  darzu  gehörigen  oder  darin  erfahrenen 
Pei'sohnen  an  Hand  gegangen  werden. 

Dabeneben  wollen  AVir  den  Bau  des  Observatorii  und  Zubehör,  so  Wir  auf 
Unsere  Kosten  thun  zu  lafsen  in  Gnaden  übernommen,  möglichst  beschleunigen,  auch 
mit  fernerer  A'ollstreckung  alles  defsen,  so  Unserm  bey  diesem  Werde  führenden 
Al)sehen  sich  nähern  kau,  fortfahren  und  alles  zum  Stande  bringen  lafsen. 

Behalten  Uns  schlieslich  bevor,  wan  sich  etwan  künff'tig  zum  Besten  der 
Societaet  und  Beförderung  ihres  Zwecks  etwas  hervorthun  möchte  oder  voi'geschlagen 
Av erden  solte,  so  einer  näliern  Instruction  oder  Veranstaltung  bedürfit'te,  solches  zu 
überlegen,  und  soweit  es  denen  Umbständen  nach  dienlich  und  thunlich  befunden 
AV  erden  Avird,  die  Societaet  mit  gewieriger  Resolution  und  zulänglicher  A'erord- 
nung  oder  Anstalt  dem  Befinden  nach  zu  A'ersehen  und  derselben  l)ehülflich  zu 
seyn.  Und  haben  diese  Unsere  General -Instruction  eigenhändig  unterschi-ieben 
und  mit  Unserm  Insiegel  besiegeln  lafsen;  so  geschehen  zu  Friedrichsfelde  den 
ii'"^"  Julii  1700. 


General -Instruction,    Avonach  die  So- 
cietas  Scientiarum  sich  zu  richten. 


Friderich 
P.  V.  Fuchs. 


wo  51.    Medaille  und  Votiv- Gedicht  für  die  ^^ocietät  (11.  Juli  17nO). 


51. 

(Vergl.  Gescliiclite  der  Akademie  S.  99). 

Beschreibung   der    auf  die    Stiftung   der    Societät   am   ii.JuIi   1700   ge- 

sclilagenen    Medaille   nebst   dem  Votiv-Gedicht   LEiBNizens. 

[Nach  dem  Druck  in  fol.  im  Akademischen  Archiv,  welches  auch  das  Druck- Concept  und  den 

Correcturbogen  mit  Verbesserungen  von  LiiiBxizens  Hand  aufbewahrt.] 

Icon 

Nummi  Memorialis 

Et 

Düdecastichon   Votivum 

Ad 

Serenissimum  Ac  Potentissimum 

Principem  Et  Dominum 

Dominum 

Fridericum  III. 

Electorem  Brandenburgiciun 

Fundata 

Societate  Scientiai'um 

Die  Xatali 

XL  Julii  MDCC. 


C'oloniae  Brandenburgicae, 
Typis  Ulrici  Liel)perti ,  S.  E.  Aulae  Typogr. 

[Abbildung  der  Vorder-  und  Rückseite  der  Medaille;  Vorderseite:  das  Bildnifs  des  Kur- 
fürsten mit  der  Umschrift:  FRIDER  •  III  •  D  •  G  •  M  •  BRAND  •  S  •  R  •  I  •  A  •  C  •  ET  ■  ELECT  ■ 
Rückseite:  das  (unten  von  Leibniz  beschriebene)  Siegel  der  Societät  mit  der  Umschrift: 
COGNATA  .  AD  •  SIDERA  ■  TENDIT  •,  und  der  Unterschrift:  SOCIETAS  •  SCIENTIARVM 
BRANDENBVRGICA  •  FVNDATA  NATALI  OFT  •  PRINC  •  XI  ■  IVL  •  MDCC] 

Natali  quae  nata  Tuo,  Tua  sidera  in  omen 

Accipit,  et  magnae  Symbola  mentis  avem; 
Grata  pios  celebrans  tam  faustae  lucis  honores, 

Nostra  Cohor.s.  Dominum  vix  satis  orta  colit. 
Regia  Te  virtus  Friderice  attollit  Ohaiipo, 

Nos  voce  atque  oculis  fas  sit  in  astra  sequi; 
Et  spectare  Aquilam  Brennos  quae  lumine  signat, 

Quosque  parat  caelum  et  dat  Tibi  terra  gradus. 
A  Rheno  ad  Memelam  Tua  magna  est  j^ortio  nostri 

Orbis,   et  Arctoae  Te  venerantur  aquae. 
Esto  diu  felix  princeps,  conjuxque,  paterque: 

Sera  Tuos  rapiant  sidera,  Teque  Tuis. 

In  Figura  Emblematis  Nummo  inscripti  pro  Tessera  Societatis  placuit  Aquila 
.Brandenburgica ,  quae  volatum  dirigit  ad  Sidus  proprium,  stellis  designatum,  Cjuibus  Aquilae 
Asterismum  agnoscas.  Epigraphe  est:  Cognata  ad  sidera  tendit,  quae  non  minus 
huic  figurae  et  velut  Corpori  Tesserae  quam  Animae  ipsius  id  est  sententiae  respondet: 
nam  simul  innuit  mentem  hominis  coelo  ortam ,  originem  suam  repetentem ,  et  magni  Principis 
animum  ad  excelsa  et  coelestia  se  attollentem,  et  Societatis  ab  ipso  fundatae  institutum,  non 
tam  ad  spectabile  coelum,  quam  ad  coeli  dominum  et  lucem  mentium  supernam  et  divinae 
gloriae  incrementa  per  scientias  viam  afl'ectantis.  Aquilam  vero,  regiam  avem,  lovis  armi- 
geram,  simul  a  viribus  et  perspicacia  laudari  potentiamc[ue  cum  sapientia  iudicare,  in  hiero- 
glyphicis  et  nummis  veterum  divinitatis  et  consecrationis  et  imniortalitatis  animae  symbolum 
haberi  constat. 


52.    Leibniz,  Zusaniiueufossung  aller  Vorschläge  für  die  Societät  (Juli  1700).      111 

Im  Akademischen  Archiv  findet  sich  aulserdem  ein  Zettel  von  LEiBNizens  Hand  mit 
dem  Datum  ..August  1700».  welcher  eine  deutsche  Beschreibung  der  Medaille  enthält:  diese 
selbst  ist  öfters  abgebildet  worden,  s.  z.  B.  Formey's  Histoire  de  l'Acad.  Royale  1752;  ferner 
findet  sich  im  Archiv  ein  nicht  au.sgeführter  Vorschlag  von  GEnE:\iA  zu  einem  Siegel .  welcher 
hier  folgt: 

(J  li  u  in  a  a  f.s  g  e  b  1  i  c  h    P  r  u j  e  c  t 

M'  e  g  e  n 

defs   Iiisiegels    der   Academie 

des    Sciences. 

[Dazu  die  Randbemerkung  von  Cuneau's  Hand :   Dieses  ist  ein  angefordertes  Project.] 

Es  müfste  ein  Thresor  gebildet  werden,  worauf  ein  Globus  mit  mathematischen 
Instrumenten  zu  sehen  wäre,  weil  meist  alle  Sciences  von  der  Mathematique  de- 
pendiren,  oder  diese  der  vornehmste  Zweig  derselben  bei  dieser  Fundation  ist.  Über 
dem  Thresor  aber  mül'ste  der  rothe  Adler  schweben,  bedeutend  den  Churfüi'stl. 
hohen  Schutz  und  Begnadigung,  haltend  in  der  einen  Klauen  den  Chur-Scepter, 
als  das  Kennzeichen  der  Churfürstl.  Huld  und  hohen  Schutzes,  in  der  andern  Klauen 
aber  einen  Bund  mit  7  oder  mehr  Pfeilen,  deutend  theils  auf  die  Artes  liljerales 
oder  vielmehr  auf  die  Sciences  der  Academie,  theils  auch  auf  die  Societaet  des 
CoUegii  des  Scavans.  Überdiefs  könnte  der  Adler  im  Schnabel  halten  das  Privi- 
legium mit  den  Gnadensiegeln  oder  ein  Buch,  deutend  auf  die  Joiu^nals  oder 
Ephemerides  des  Scavans.  Die  Umschrift  könnte  nach  Belieben  imd  etwa  folgende 
sein:    Sigillum  Societatis  Scientiarum  Brandenburgica. 

G  eh  ema.' 


52. 

(A'ergl.  Gcschiclite  der  Akademie  S.  100). 

Leibniz,  Eigenhändiges  Concejot  einer  Zusammenfassung  der  Insher 
gemachten  V  orschläge  in  Hinsicht  auf  ihre  Durchführung,  dazu  einige 
neue  (Avohl  als  ^'orlage  an  den  Kurfürsten  für  H.  vox  Wedel  gedacht) 

vom  Juli   1700. 
[Akademisches  Archiv.] 

[Im  Akademischen  Archiv  findet  sich  ein  6  Folioseiten  umfassendes  Concept 
in  14  Abschnitten  von  LEiBNizens  Hand,  welches  Vorschläge  enthält,  wie  das  bisher 
auf  dem  Pa.pier  Erreichte  und  in  der  General -Instruction  \'orgeschriebene  durch- 
zuführen ist.  Dabei  werden  neue  Pläne  gemacht.  Nur  das  Neue  sei  hier  hervor- 
gehoben] : 

1.  Über  die  Execution  der  Schlangenspritzen  u.  s.  w.,  d.  h.  wie  und  wo 
Erkiuidigungen  über  die  Fortsclu-itte  im  Feuerlöschwesen  einzuziehen  und  frucht- 
bar zu  machen  seien. 

2.  Über  das  Edict  wegen  Indulgenz  der  Reisen;  »es  wäre  förderlichst  zur 
Publication  zu  bringen,  also  dafs  ein  Ernst,  darob  zu  halten,   ersclieinc". 

3.  Über  das  Bücher- Commissariat. 

4.  Über  Steuern  auf  Auctionibus  (wie  in  Holland) ;  sie  seien  nicht  auf  Bücher- 
Auctionen  einzuschränken,  sondern  von  allen  Arten  Auctionen  zu  verstehen. 

6.  »Stände  dahin,  ob  nicht  Avegen  der 'Aufrichtung  eines  Banco  mit  der 
Societät    ein    Concert    dienlich,    damit    alles    Einlaufende    gemeinnüzig    angewendet 


1  Siehe  über  Jon.  x\er.  Gehema  den  8.  Bd.  der  Allg.  Deutschen  Biographie  S.  497.  In 
den  Acten  der  Akademie  kommt  sein  Name  m.  W.  sonst  nicht  vor;  daher  läfst  sich  auch  die 
Angabe  nicht  belegen,  er  sei  »fiscalis  heraldicus"  der  Societät  gewesen.  Einen  solchen  Titel 
habe  ich  in  den  Acten  überhaupt  nirgends  gefunden. 


112      53.  Leibniz,  Concept  berretiend  die  Einrichtung  der  Societät  (Sommer  170O). 

werde.  Es  ist  diese  Materi  diel'seits  ziemlich  untersuchet  worden.  Das  Banco  knn 
sowohl  aus  Depositis  als  verzinsenden  Geldern  bestehen  und  mit  Leibrenten  luid 
Monte  pietatis  und  Wechselhandlung,  auch  dem  Münz-  und  Taxwesen  combiniret 
und  andere  nüzliche  ökonomische  Anstalten  dazu  gezogen  werden,  aufweiche  man 
vorlängst  die  Gedancken  gehn  lafsen,  u.  s.  w.« 

8.  Über  die  Wasserverbindung  von  Elbe,  Ocker  und  Bode  und  den  Ti-ans- 
port  von  Erzeugnissen  des  Harzes  zu  Wasser. 

11.  Sehr  ausführliche  Darlegung .  wie  man  die  deutschen  Termini  technici  für 
die  Wissenschaften,  Künste  und  Handwerke  durch  Studium  der  Volkssprache  in 
den  verschiednen  Gebieten  gewinnen  könne. 

12.  "Dienlich  würde  es  insgemein  sein,  zu  allerhand  Professionen  die  Listen 
der  Leute  in  allen  Chui'f.  Landen  zusammen  zu  bringen,  die  sich  zu  distinguiren 
und  etwas  Guthes  zu  thun  vermögen.  Es  sind  unlängst  Iieraus  kommen  Ham- 
burgum  literatum  et  Liibeca  literata;  ich  möchte  Berolinum  non  tantum  literatum 
sed  et  curiosum  wündschen,  dann  ferner  Marchiam  literatam  et  curiosam,  Prussiam, 
Cliviam,  Pomeraninm  und  dei'gl.  von  den  übrigen  Churf.  Landen.  Dies  würde 
einen  grofsen  Nuzen  haben,  und  man  wissen  können,  w^as  Chui'f.  Durchl.  unter 
dero  Bedienten  luid  unter  dero  Unterthanen  für  tüchtige  Leute  haben,  die  zu  dem 
gloriosen  und  gemeinnüzigen  Zweck  dieses  mächtigen  Potentaten  und  unserer  Societät 
nach  Gelegenheit  concurriren  köndten.« 

13.  »Diew eilen  Churf.  Durchl.  ihrem  höchst  erleuchteten  Tudicio  nach  in  .  .  . 
Bedencken  genommen,  was  wegen  einer  zu  Beliuf  des  Fundi  der  Societät  ins 
Büttel  kommenen  Loterie  etwa  gnädigst  zu  resolviren  sein  möchte,  so  hatte  es 
damit  annoch  sein  Bewenden  u.  s.  w.« 

14.  Sehr  ausführlich  ül)er  die  wissenschaftlich -christlichen  Missionen  nach 
China  als  den  Hauptzweck  der  Societät.  Neben  der  Freundschaft  mit  dem  Czaren 
wird  der  Bernstein  besonders  betont,  weil  ihn  die  Chinesen  so  sehr  schätzen.  Der 
A'orschlag,  die  Kirciien  imd  milden  Stiftungen  mit  einer  Steuer  zu  belegen,  wird 
wiederholt.  Aulserdem  lieifst  es:  "3Ian  köndte  auch  sonst  wegen  Administration 
der  geistlichen  Güther,  Stipendien  und  ander  milder  Sachen  Erkundigung  einziehen 
und  etwas  Entbehrliclies  davon  hiezu  anwenden«.  Und  sodann:  "Ob  auch  ex 
successionibus  lieredum  remotiorum  vel  ex  testato  nach  der  Römer  Exempel  etwas 
ad  causam  tam  piam  und  sonst  ex  fiscalibus,  emolumentis,  Strafgefällen  vmd  parties 
casuelles  ad  cassam  Societatis  kommen  köndte,  würde  zu  dem  gnädigsten  Gefallen, 
denen  occasionibus  und  favorablen  Vortrag  zu  verstellen  seyn«. 


53. 

(Vcrgl.  Geschichte  der  Akademie  S.  100). 

Eigenhändiges   Concept  von  Leibniz,  betreffend    die  Einrichtung    der 

Societät   vom   Juli   oder   August   1700. 

[Akademisches  Archiv:  Einiges  unleserlich.] 

1.  Versaniblungen ,  und  wo  es  thunlich  auf  der  Churfürstl.  Bibliothec. 

2.  Concert  mit  dem  Hrn.Bibliothecarius,  defswegen  mit  dem  Herrn  von  Schwerin 
zu  reden,  damit  Bücher  an  Hand  gegeben  werden,  denn  selbiger  sie  ofFt 
kommen  läfset. 

3.  Diarium  Eruditorum,  dabey  sonderlich  auff  Augmenta  Reip.  literaris  zu 
sehen,  man  köndte  es  Trimesti-ia  literaria  nennen. 

4.  Eine  vigeur   Typographi. 


53.    Leibntz,  Concept  betreffend  die  Einrichtung  der  Societät  (Sommer  1700).      113 

5.  Gnonion  sonderlich  pro  Stella  polari,  und  pro  verticalibus ,  dadurch  zu 
sehen,  ob  möglich  in  fixis  eine  Veränderung  zu  finden.  Zu  sehen,  wie  es  bei  dem 
neuen  Obser\'atoriuni  zu  appliciren. 

6.  Die  greisen  Brenngläser,  deswegen  mit  Hrn.  Jakowiz  richtige  Abrede 
zu  nehmen. 

7.  3Iit  Hrn.  .  .  .  JNIargas  ein  tuid  anders  zu  concertiren. 

8.  "Wegen  des  ]Manns ,  der  die  Horizontal -]Mühle  vor  dem  Thore  gebauet. 

9.  Der  ...  so  Machinen  macht. 

10.  Der  Bauer  von  dem  Hrn.  Regierungs  Rath  r'ramer  gesprochen,  so  ein 
guther  Mechanicus  seyn  soll. 

11.  Mit  Hrn.  Geh.  Rath  von  Ilgen  wegen  Rupius. 

12.  Cum  eodem  wegen   des  Bücherzolls. 

13.  Bey  der  Bücherverordnung  noch  zu  fügen,  dafs  wegen  der  von  C'hurf. 
Unterthanen  gedruckten  und  vorgelegten  Büchern  ein  Privilegium  gesuchet  und 
2  Exemplare  alzeit  eingeschicket  werden. 

14.  Hrn.  Naude  zur  Correspondenz  zu  disponiren. 

15.  Hrn.  de  la  Crose  pro  diario  und  dergleichen. 

16.  Hrn.  Grauen  wegen  mit  Hrn.  von  Wedel. 

17.  Teutsch  lehrende  Professores. 

18.  Hr.  Fiscal  INIüUer,  mit  welchem  Hr.  Hofrath  Cuneau  sprechen  will. 

19.  Diploma  Electoi-ale  soll  gedruckt  werden,  dazu  ein  Aulszug  der  Instruction 
zu  fügen. 

20.  Diplomatis  Absclu'iflft  ehe  es  noch  gedruckt  des  Hrn.  Margraf  Philips 
Durchl.  zuzuschicken ,  und  sonst  mit  ihrer  Durchl.  Communication  ptlegen  zu  lassen. 

21.  [Mit  dem  jüngeren  Herrn  D.  INIentzel  wegen  rerum  Sinensium. 

22.  Von  Hrn.  Hofrath  Reiher  wegen  Mssorum  et  aliorum  librorum  Slavoni- 
corum  Nachricht. 

23.  Dessen  Vorschläge  circa  linguam  Slavonicam  et  Lithuanicam.  alles  schrifft- 
lich  verlangen. 

24.  Ej.  vom  Russischen  Calender  und  INIanu  Damascena. 

25.  Herrn  Kirchen  Gedancken  de  hunine  a  Cassino  observato. 

26.  Nach  Paris  zu  connnuniciren  und  an  Hrn.  Römer,  was  nur  aus  England 
zukommen  cii-ca  correctionem  Rudolffinam, 

27.  Elfemieides 

28.  Hartsoekers  Schreiben. 

29.  Hrn.  Beughem  magnetische  Declinationes  .  .  . 

30.  Dem  Kupferstecher  zusehen,  besonders  wo  derselbe  die  Figuren  ins 
Glas  mahlt. 

31.  Diplomata  Archivi. 

32.  Antwort  von  Sonnenburg,  Herrn  von  ...  zu  sprechen. 
^^.  Dafs  die  Medaille  von  Falz  ehistens  gestochen  werde. 

34.  Berolinuin  litei'atum  et  curiosum.   et  provinciae. 

35.  Wegen  der  Sprüzen  Nachricht  aus  Holland,  Hamburg,  Preüfsen. 

36.  Unterschiedliche  Jahre  von  der  Franz.  conoissance  des  tenips  oder  Ca- 
lender der  Academie  Royale  von  Paris  zu  verschreiben. 

37.  Liste  der  Churf.  auswärtigen  Bedienten,  durch  die  ein  und  anders  zu 
inquiriren  und  denen  selbigen  Bedeutung  zu  thun,  dafs  sie  der  Societät  an  Hand  gehen. 

38.  Hr.  Acoluthus  zu  Brefslau  soll  von  Churf.  Durchl.  eine  Pension  geniefsen. 
Es  wäre  deswegen  Erkundigung  ein-  und  vorher  beyzuziehen.  Hr.  Hof  Pred.  Jablonski 
wird  darin  Rath  wifsen. 

39.  Liste  von  anderen  dergleichen  Personen,  so  in  Churf.  Diensten  und 
nüzlich  zu  gebrauchen. 

Geschichte  der  Akademie.    II.  8 


114     ^3.    Leibniz,  Coiicept  betreffend  die  Einrichtung  der  Societät  (Sommer  1700). 

40.  Hrn.  Juiiii  Dedication  .  .  .  Elfenleidum,   so  er  an  die  Societät  thnn  will. 

41.  Heveliana,  darunter  Instrumente.  INI.ss.  Kej)leri  et  aliorinn  .  .  . 

42.  Tuben,  Microscopia,  Brenngläser  und  Typographia  etc.  aus  der  churf. 
Kunstkamnier.     Ob  nicht  macliina  vacui  allhier  nach  den  ietzigen  compendiis. 

43.  Hr.  Chauvin  wird  mit  dergleichen  inid  anderen  experimentis  physicis  an 
Hand  gehen  können.     Barometrum  portabile. 

44.  Gerikiana,    darunter   globus   electricus,    item  seine  mansuetationes  acpiae. 

45.  Nachricht  aus  Holland  Avegen  der  eingläsigten  Perspectiva,  damit  doch 
in  die  Ferne  zu  sehn  seyn  soll.     Herr  Jakowiz  hat  sie  gesehen. 

46.  Glasbläser  mit  der  Lampe. 

47.  Wegen  Dechifrateur,  ob  etwa  die  Besoldung  einiger  weggehenden  Emailleurs 
dahin  anzuwenden. 

48.  Reichs  Galender,  darinn  jährlich  die  Veränderungen  fürstl.  luid  ander 
vornehmen  Personen  durch  Heyrathen,  Geburthen  und  Todesfälle. 

49.  Wetter  Cal ender,  darinn  die  vergangene  Jahresveränderung,  und  deswegen 
Hr.  D.  Reiher  von  Kiel  und  Hr.  D.  Hofman  von  Hall,  so  sie  observiren,  herbev 
zu  ziehen. 

50.  Was  bey  dem  Corpore  Evangelico  in  re  Calendaria  noch  unausgemacht 
blieben,  deswegen  Insti'uctiones  nach  Regensburg  nötliig. 

51.  Historischer  Calender,  darinn  Compendium  der  Histori  des  vergangenen 
Jahres. 

52.  Centuriatores  ]Magdeburgici  reformati  et  continuati,  mithin  Historia 
Ecclesiastica  ad  usum  Protestantium  nacli  dem  Vorschlag  des  Hrn.  Abt  Schmidt's 
zu  Helmstädt.  deswegen  der  Hr.  Abt  von  Bergen  und  Andere  mit  ihm  in  Concert 
treten  wollen,  dazu  billig  zu  concurriren  joro  gloria  Serenissimi  Electoris  et  utilitate 
Ecclesiae. 

53.  Casimirius  Oudin,  der  trefflichen  Apparatum  in  Hist.  Eccl.  und  ineditis 
hat,  zu  Hülff  zu  nehmen. 

54.  Mons.  Bernard's,  auteur  des  nouvelles  de  la  rep.  des  lettres,  in  Holland, 
Correspondent  allhier,  in  dem  gTofsen  Hause  gegen  den  Münzthurm. 

55.  Mons.  Vignole,  der  zu  Brandenburg,  würde  nüzlich er  allhier  seyn.  davon 
bey  dem  Hrn.  Grafen  von  Dona  zu  gedencken. 

56.  An  ]M.  Staf  zu  schreiben,  wegen  Correspondenz  mit  denen  Curiosis  zu 
Cassel,  nach  des  Hrn.  Landgrafen  Durchl.  selbeigener  Litention. 

57.  Alle  Joui'iiaux  oder  Diaria  Eruditorum  anzuschaffen. 

58.  Beughem  hat  gleichsam  einen  Indicem  generalem  über  die  Juristen  gemacht. 

59.  Wegen  consensus  cum  Gregorianis. 

60.  Calcuhis  dyadicus,  dazu  M.  d'Angicourt  vielleicht  bequem,  und  wären 
die  progressiones  numerorum  multiplorum  et  figuratorum,  und  hernach  endlich 
fractorum  finales  expressiones  zu  eruiren. 

61.  Praestandum  in  usinn  publicum:  Scientia  infiniti  in  unum  volumen  in 
4°  .  .  .  Hospitaliana  et  Bernoulliana  dazu.  Hospitalii  opus  latine  ab  aliquo  ver- 
tendum  .  .  . 

62.  Ex})erimenta  .  .  .,  darunter  die  Scientia  motus  perficiret  werden  könne. 
Dazu  pendula  besonderer  Art  .  .  .  Mafsegeschirr,  darinn  motus  corjDorum  varie  figu- 
ratortun  in  liquido  zu  probiren. 

63.  Sigillum  Societatis,  fort,  nöthig  majus  et  minus;  in  majore  die  völlige 
Devise  und  im  Exergue  oder  Umbschrift't  Societas  Scientiarum  Brandenburgica;  in 
minore,  welches  der  Secretarius  bey  ordinari  Briefen  zu  gebrauchen  hätte,  wäre 
genug  die  Devise  mit  dem  mot. 


54.    Actenstücke  zu  LEir,xizens  Bestallung  als  Präsidenten.  1 1  Ö 

54. 

(Vergl.  Gesi.'hichte  der  Akademie  S.  102). 

Actenstücke  zu  L e i b x i z e n s  Bestallung    als   Präsidenten    der   S o c i e t U t 

(vom   12.  Juli  1700). 

I.    Das  Diplom  vom   12.  Juli  1700. 

[Original  in  Hannover,  gleichlautendes  Concept  im  Geh.  Staatsarchiv;  Abschrift  im  Akademischen 

Archiv;  deutsch  gedruckt  von  Forjiey  in  der  Hist.  de  l'Acad.  Royale  S.  254  ff.  und  von  Klopp, 

Werke,   10.  Bd.,  S.  328  ff.,  IVanzösisch  von  Fokmey,  a.  a.  O.  S.  27  ff.] 

Wihr  Friderich  der  Dritte,  von  Gottes  Gnaden,  Marggraf  zu  Brandenburg 
des  heyl.  Rom.  Reichs  Ertz-Cämmerer  und  Chiu'fürst,  usw.  usw.  uhrkunden  und 
bekennen  hiemit:  Nachdem  Uns  unter  andern  des  Churfürstl.  Braunschweigischeri 
Geheimbden  Justitz  Raths  Gottfried  Wilhelm  von  Leibniz,  besondere  Qualiteten, 
jNIeriten  und  Gelehrsamkeit  in  der  Jurisprudentz ,  Jure  Publico  et  Gentium,  auch 
desselben  profunde  Wifsenschaft,  ungemeine  Penetration  und  schöne  Erfind-  und 
Entdeckungen  in  vielen  curiosen  nützlichen  und  sublimen  Disciplinis ,  als  in  Philo- 
sophia,  Mathesi,  Antiquitate,  Historicis,  Philologicis  und  andern  mehrern  wilsens- 
würdigen  Dingen  (weswegen  er  auch  in  die  Königl.  frantzösische  Academie  und 
englische  Societatem  Scientiarum  schon  vor  langer  Zeit  adoptiret  imd  aufgenommen 
ist),  theils  durch  seine  herausgegebene  Schriflften  bekannt,  theils  sonsten  sonderlich 
gerühmet  worden,  dals  Wihr  daher  in  Gnaden  resolviret  haben,  denselben  bey 
der  in  Unser  Residentz  von  Uns  neu  fundirten  und  auf  die  Aufnahm  nützlicher 
Wifsenschafften  und  Künste  gerichteten  Societate  Scientiarum  Brandeburgica  zum 
Praeside  anzunehmen  und  zu  bestellen.  Alldieweilen  nun  gedachter  von  Leibnitz 
dieses  Amt  aus  rühmlicher  Inclination  zu  Fortpflantzung  der  Studien  und  Wifsen- 
schafften, und  weilen  er  dafselbe  neben  seiner  jetzigen  Bedienung  zum  Nutzen  des 
Publici  bequehmlich  und  ohne  Bedencken  mit  versehen  kan,  so  weit  seiner  Herr- 
schafft Zulafsung  gehet,  und  mit  Vorbehalt  der  Obliegenheit,  womit  er  derselben 
verwandt,  Unserm  gnädigsten  Gesinnen  nach  anzunehmen  sich  erklehret  hatt: 

Als  ernennen  und  bestellen  AVihr  denselben  liiermit  wüi'cklich  zum  Praeside 
ei'meldter  Unser  Societät  der  Wifsenschafften,  dergestalt  und  also,  dafs  er  diese 
seine  Function  eifrig  und  getreulich  verwalten,  dabey  Unser  und  der  Societät.  auch 
des  Publici  Bestes  befördern,  bey  derselben  das  Praesidium  führen,  und  zu  solchem 
Ende,  so  viel  es  seine  jetzige  Chargen  und  andere  Geschaffte  leiden  mögen,  zu 
Zeiten  nach  Unserer  Residentz  kommen,  wan  er  aber  abwesend,  seine  Vices  einem 
andern  auftragen,  alles  was  er  zu  Unserm  bey  der  Societät  führendem  Absehen 
dienlich  und  nützlich  findet,  erinnern,  und  so  viel  an  ihm  ist,  veranlafsen  und 
besorgen,  die  Conventus  bev  seiner  Anwesenheit  ansagen  lafsen,  mit  dem  Consilio 
Societatis  über  den  Zustand,  Angelegenheiten  und  Aufnahme  der  Societät,  mit 
denen  andern  INIembris  aber  über  die  Objecta  und  Labores  fleifsig  conferiren  und 
abwesend  corresjDondiren ,  dafs  alles  Vorfallende  ordentlich  abgehandelt  und  gründlich 
untersuchet  werde,  sich  bemühen,  daneben  auch  was  andere  Societates  Gutes 
praestiret,  einführen  und  prosequiren,  worin  aber  gefehlet  worden,  solches  ver- 
meiden; was  bey  ein  imd  andern  Vorfallenheiten  dieser  seiner  Funktion  er  von 
Unsern  Angelegenheiten  etwan  erfahren  möchte,  zu  Unserm  Praejuditz  Niemandem 
off'enbahren,  und  im  übrigen  der  von  Uns  der  Societät  gegebenen  Instruction  und 
ferner  etwan  dabey  einzuführenden  Reglements,  so  weit  es  ihn  angehet,  sich  gemäfs 
bezeigen,  auch  darüber  halten,  und  endlich  sich  also  erweisen  und  betragen  soll, 
wie  es  einem  getreuen,  capablen  und  zum  Besten  der  Studiorum,  Wifsenschaff"ten 
und  Künste  arbeitendem  Praesidi  Societatis  Scientiarum  eignet  und  gebühret.  Unser 
gnädigstes  Vertrauen  auch  deshalb  zu  ihm  und  seiner  guten  Inclination  gerichtet  ist. 

8* 


WQ  54.    Actenstücke  zu  LEiBNizens  Bestallung   als  Präsidenten. 

Vor  solche  seine  Bemühung  und  zu  Bezeugung  Unserer  besonderen  Con- 
sideration,  auch  zu  seiner  Vergnügung  haben  Wihr  nicht  allein  gnädigst  resolvirt, 
ihn  als  Unseren  Geheimbden  Justitz-Raht  und  andern  Unsern  Geheimbden  Justitz 
Rähten  gleich  zu  halten,  sondern  auch  ihm  ein  anständiges  Tractament  zu  deter- 
miniren.  und  überdifs,  neben  Ersezung  der  pro  Publico  zu  Unserm  und  der  Societät 
Zweck  bereits  angewendeter  und  noch  anwendender  Kosten,  ihm  andere  Gnaden 
und  Emolumenta  nach  Gelegenheit  der  von  ihm  verhoffentlich  leistender  nützlichen 
Dienste  widerfahren  zu  lafsen;  und  soll  er  im  übrigen  auch  von  Uns  als  Protectore 
Societatis  in  denen  die  Societät  angehenden .  Sachen  und  sonsten  alles  Schutzes, 
Manutenentz,  Hülfe  und  Gnade  sich  zu  versehen  haben.  Defsen  zu  Uhrkund  haben 
Wihr  diese  Bestallung  eigenhändig  unterschrieben  und  mit  Unserm  Gnaden  Siegel 
bedrucken  lafsen,  So  geschehen  und  gegeben  zu  Colin  an  der  Spree  d.  12*™  July  1700. 

(L.  S.)  (gez.)  Friederich. 

(gegeng.)  P.  v.  Fuchs. 

2.    Zusicherung    einer  jährlichen    Entschädigung    an    Leibniz 
vom   II.  August   1700. 
[Original  in  Hannover,   Abschriften  im  Geh.  Staatsarchiv   und  im  Akademischen  Archiv:    Ab- 
schrift der  ersten  Hälfte  in  dem  Briefwechsel  zwischen  Leibniz  und  von  Printzen  zu  Hanno\ej'; 
gedruckt  von  Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  S.  331.] 

Nachdem  in  der  gdstn  Bestallung,  so  Seine  Churf.  Durchlaucht  von  Brdbg., 
unser  gdster  Herr,  dem  hochedelgebohrenen  Herrn  Gottfried  Wilhelm  von  Leibniz 
Gliuri'.  Braunschweig.  L.  Geheimbden  Justizrath,  alfs  ernantem  Praesidi  der  neu 
fundirten  Chur- Brandenburgischen  Societät  der  Wifsenschafften  ertheilet  haben, 
wegen  defsen,  so  er  deshalb  etwa  zu  geniefsen  haben  soll,  eine  blofs  generale 
Zusage  [al.:  nur  blofs  generalia  zu  setzen]  guth  gefunden  worden.  Alfs  hat  man 
nahmens  gedachter  Societät  mit  wohlgedachtem  Herrn  Praesidi  abgeredet,  dafs 
ohne  Praejudiz  defsen  so  S.  Churf.  Durchl.  sonsten  imd  aufser  dem,  so 
die  Societät  aufs  Ihrem  Fundo  giebet,  gnädigst  resolviren  möchten, 
ihm  wegen  der  schon  angewandten  imd  ferner  anzuwendenden  Reise-  und  Corre- 
spondenz- Kosten,  vom  1**="  Maji  dieses  lauff enden  Jahres  an,  jährlich  eine  Summa 
von  Sechfs  hunderth  Rthlrn .  und  zwar  von  sechfs  zu  sechfs  Monathen  mit  drey- 
hundert  Rthlrn.  ex  cassa  Societatis  durch  dero  Secretarium  gezahlt  werden  sollen, 
wobey  man  sich  doch  vorbehält,  bey  genugsam  anwachsendem  Fundo 
societatis  solches  Quantum  nach  Nothdurfft  zu  erhöhen,  was  auch 
von  ihm  extra  ordinem  zu  Dienst  und  mit  Approbation  der  Societät 
nothwendig  oder  möglich  angewendet  werden  solte,  absonderlich 
guth  thun  zu  lafsen;  Und  ist  ihme  dieses  Nomine  societatis  unter  dero  Siegel 
luid  Unser  untenbenannten  eigenhändigen  Unterschrifft  zur  Versicherung,  dafs  deme 
also  nachgelebet,  und  das  Versprochene  würklich  praestiret  werden  solle,  zu  er- 
theilen  nöthig  befunden  worden ^ 

Berlin,  d.  11.  August  1700. 
(gez.)     D.  E.  Jablon  ski.    —    (Unleserlicher  Name.)    —    J.  G.  Rabener. 

Aufschluss  über  die  Vorgeschichte  des  das  Gehalt  von  Leibxiz  betreffenden 
Allschnitts  des  Bestallungsdiploms  giebt  einerseits  ein  Bi-ief  Cuneau's  an  den  jMi- 
nister  vom  25.  April  17  10  (Geh.  Staatsarchiv),  andererseits  der  Fascikel  über  «Ernen- 


^  Das  gesperrt  Gedruckte  ist  in  dem  Exemplar  des  Geh.  Staatsarchivs  roth  unter- 
strichen und  dazu  hat  am  Rande  Cuneau  die  Bemerkung  gesetzt:  -Die  beiden  roth  unter- 
strichenen Passus  hatt  man  ihm  .  .  .  also  accordiren  müssen  und  hat  er  sie  den  Anwesenden 
also  fourniret.  Man  bleibt  aber  doch  dadurch  fast  ungebunden  und  im  Stande,  es  für  Avantage 
dei'  Societät  anzuführen,  dafs  man  die  Gasse  also  nicht  weiter  chargiren  darff«. 


54.    Actenstücke  zu  Leibnizciis  Bestallung  als  Präsidenten.  1 1  V 

niing  derer  Herrn  Protectoren  u.  .s.w.«  im  Akademischen  Archiv  (Abschn.I.  Abtli. III, 
Nr.  i)  ^  Im  Jahre  17  lo  wurde  geprüft,  auf  welchen  Rechtstitel  hin  Leibniz  600  Tlür. 
empfange,  da  doch  das  Diplom  nur  allgemeine  Versprechungen  enthielte,  und  der 
Minister  von  Printzex  forderte  Cuneau  zum  Bericht  auf.    Dieser  antwortete: 

"Hierbey  gehet  das  Concept  der  Bestallung  des  Hrn.  v.  Leibnitz 
und  dienet  dabey  zur  gehorsambsten  Nachricht,  dafs  als  die  Societät  der 
Wissenschafften  fundiret  und  der  Herr  v.  Leibnitz  zum  Praeside  dabey  be- 
stellet worden,  ich  vei-möge  des  hiebei  gehenden  Zettulfs  A^  von  Hrn. 
von  WedeK  dahmaligen  Maitre  des  Requetes  die  Expedition  thun  müssen, 
undt  weilen  der  Hr.  v.  Leibnitz  sich  deshalb  auf  1000  Thlr.  jährlich  Staat 
machete,  so  man  ihm  zu  geben  zu  viel  befnndt,  so  wurde  mit  des  Hrn. 
V.  Wedells  Vorwissen  i-esolviret,  mit  ihm  so  gut  man  könnte  zu  accor- 
diren,  in  die  Bestallung  selbst  aber  ■ —  so  unterm  12.  Juli  st.  emendati 
alfs  dem  Geburthstag  des  Königes  auszufertigen  gut  gefunden  —  wolte  H. 
vonLeibnitz,  wann  nicht  obgedachte Summe  der  loooThlr.  exprimiret  Avürde, 
lieber  nichts  Positives  gesetzet  haben,  damit  man  ihn,  wenn  ein  wenigeres 
als  obiges  QuantTun  darinn  stünde,  zu  Hannover  nicht  verdencken  möchte, 
diese  Sache  angenommen  zu  haben;  dahero  ist  in  die  Bestallung  auch  von 
der  Summa  des  Salarii  nichts  eingetlofsen  undt  ist  auls  obgedachtem  Zettel, 
in  welchem  unten  der  Abrede  wegen  des  Salarii  gedacht  wird,  wenigstens 
zu  ersehen,  dafs  nichts  ohne  Communication  des  Hoffes  geschehen.  Auch 
ist  darauff  mit  dem  Hrn.  v.  Leibnitz  durch  Hrn.  Hoflfprediger  Jablonski, 
dem  sei.  Hrn.  Rnth  Rabener  und  mich  die  Summa  dessen,  so  ihm  ex 
fundo  societatis  zu  den  nöthigen  Reise -Kosten  gegeben  werden  solte,  nach 
vieler  Mühe  endtlich  auf  600  Thlr.  jährlich  veraccordiret,  und  hadt  dahmals 
der,  dem  Herrn  von  Leibnitz  voi-gelegte,  hierbey  gehende  Original-Brieff  des 
Hrn.  V.  "Wedells  B  an  micli  ^.  worin  zu  einem  Aucmento  von  etl.  100  Thlr. 


1  In  diesem  Fascikel  sind  die  Voracteu  über  Leibnizchs  Ernennung  sehr  vollständig  er- 
halten, nämlich  i.  das  Concept  der  Bestallung  LEiBNizens  französisch  (s.  Blatt  8  — 10) ;  aber 
diese  Form  ist  lediglich  Project  geblieben.  2.  Ein  Blatt,  auf  dem  der  Schluss  der  wii'klichen 
Bestallung  genau  so  steht,  wie  in  dem  Concept,  welches  das  Staatsarchiv  aufbewahrt  (Blatt  1 1 ). 
3.  Ein  Concept  der  Bestallung  LEiENizens,  »nach  Leibniz's  eigenen  notatis  aufgesetzt», 
von  CuNEAu's  Hand  (Blatt  12.  15).  Der  Absatz  über  die  Gehaltsfrage  steht  hier  in  zwei 
Redactionen ,  von  denen  eine  ausgestrichen  ist;  keine  enthält  die  Fassung,  wie  sie  Formet 
bringt.  4.  Correcturen  zu  vorstehendem  Concept  (Blatt  13.  14);  auch  hier  ist  die  Fassung 
Formey's  nicht  geboten.  5.  Ein  weiteres  Concept  (Blatt  16.  17)  mit  der  Bemerkung  "Wobey 
es  geblieben.',  die  aber  nicht  zutreffend  ist;  hier  findet  sich ,  aber  ausgestrichen,  die  Fassung, 
welche  Formey  gedruckt  hat.  Dann  (Blatt  18  — 20)  Abschriften,  die  mit  der  von  Klopp  ge- 
botenen Fassung  identisch  sind. 

2  Dieser  Zettel  liegt  noch  jetzt  bei  und  lautet:  "Den  Hrn.  HofFRath  Chuno  ersuche  ich 
dienstlich  eine  Bestallung  pro  Praeside  Societatis  Scienliarum  zu  entwerffen.  Ratione  Salai'ii 
wird  verhotfentlich  mit  dem  Hrn.  Jablonski  der  Hr.  HoffRath  haben  Abrede  genommen". 

^  Dieser  Brief  liegt  noch  bei  und  lautet:  «Hochedler  u.  s.w.  —  Der  Herr  von  Leibnitz 
wird  vielleicht  bereits  selbst  Ew.  Hochedlen  berichtet  haben,  dafs  S.  Churf.  Durchl.  demselben 
das  Prädicat  dero  Geh.  Justitien  Raths  gnädigst  beygeleget.  Was  das  beyliegende  Concept 
betreff,  kan  solches  vor  dieses  Mahl  auf  keine  andere  Weise  als  wie  es  wiederkommet 
ausgefertiget  werden.  Dieses  aber  können  Ew.  Hochedlen  dem  Hrn.  Justitz  Rath  versichern, 
dafs  man  an  diesem  Hoffe  in  dergl.  Dinge  stets  weiter  gehet,  als  man  verspricht,  und  hoffe 
ich,  dafs  der  H.  Leibnitz  auch  in  diesem  Stücke  mit  unl's  wird  vergnüget  sein,  sobaldt  nur 
der  Fundus  pro  Societate  eingerichtet,  und  ich  Gelegenheit  finde  vor  dieselbe,  was  ich  vor- 
habe auszubitten.  Wann  Societas  wird  etabliret  seyn  imd  S.  Churf.  Durchl.  den  Verfolg  der 
gemachten  Hoffnung  sehen  werden,  kommt  es  derselben  auf  ein  Augmentum  von  etlichen 
100  Tlilr.  nicht   an:    cum    generosis   generöse;    überdehm    hat    erwehnter   H,  Geh.  Rath    mihr 


Ij^g  54.    Actenstücke  zu  LEiBXizens  Bestallung  als  Präsidenten. 

Hoffnung  gemacht  wird,  nicht  wenig  geholffen,  dafs  Er  endtlich  mit  den 
600  Thh\  vor  den  Anfang  sich  contentiret,  wobey  verglichen  wurde,  dafs 
der  Terminus  a  quo  —  weil  er  dahmalen  anno  1700  eine  expresse  Reise 
wegen  der  Eini"ichtung  der  Societät  anhero  gethan  und  sich  über  drei 
3Ionath  hier  auff hielte  in  Consideration  dessen  —  vom  i.  May  solches 
Jahres  angehen  solte.  Darauff  ist  nun  dem  Hrn.  von  Leibnitz  unter  der  Socie- 
tät Siegel  die  in  Copia  beyliegende  Versicherung  C  ^  über  solche  600  Thir. 
gegeben,  von  dem  Augmento  aber  nichts  geworden,  weil  hernach  das- 
jenige, was  Hr.  v.  Wedell  pro  societate  ausbitten  wollen,  niclit  erfolget, 
es  sich  avxch  hernach  in  einen  und  andern  verzögert,  dafs  es  zu  keinen 
ordentlichen  Conferentzien  kommen  können. 

Man  hat  diese  Sache  bei  Hoffe  zwar  wollen  confirmiren  lassen,  es 
ist  aber  aus  eben  denen  Umbständen  undt  anderen  unterblieben^.  Unter- 
dessen ist  sie  dahmahlen  also  passiret  und  Hrn.  von  Wedell  bekandt  ge- 
wesen, auch  hernach  dem  Hrn.  v.  Hamrath  —  alfs  man  den  Hrn.  v.  Leib- 
nitz, wie  ich  dahmahls  vermuhtete,  gar  hierher  in  Dienste  zu  ziehen  vor- 
gehabt — ,  wafs  derselbe  ex  fundo  Societatis  und  auff  was  Art  er  es  hätte, 
auf  sein  Befragen  bekandt  gemacht  worden  (25.  April  1710)«. 


In  Formey's  Abdruck  der  Bestallung  LEiBNizens  zum  Präsidenten  (Hist.  de 
l'Acnd.  Royale  [1752]  S.  255 f.)  lautet  der  Passus  über  das  Gehalt  anders  als  in  dem 
Original ,  nämlich : 

»Vor  solche  sein  Bemühung  imd  zu  Bezeugung  Unserer  besonderen 
Consideration,  auch  zu  seiner  Vergnügung,  haben  Wir  ihn  nicht  allein  zu 
Unserm  Geheimen  Justitz-Rath  gnädigst  ernennet  auch  defshalb  ein  Patent 
ausfertigen  lassen:    Wir  wollen    ihm    auch    hiernechst    ex  fundo  Societatis 
so  bald  derselbe  gehörigermassen  eingerichtet  seyn  wird,    ein  anständiges 
zulängliches  Tractament  determiniren ,  damit  er  überdifs  wegen  seiner  pro 
publico    zu   Unserm    und   der  Societät   Besten   bereits   angewendeten    und 
noch  zu  wendenden  Kosten  dedommagiret  und   schadlos  gehalten  werde«. 
Die  Unterschiede  der  beiden  Fassungen  sind,    genau  betrachtet,    unerheblich 
und  beginnen  nicht  erst  bei  dem  Gehaltsversprechen,  sondern  schon 
bei  der  Ernennung  zum  Geh.  Justizrath  (in  der  Fassung  !B  fehlt  der  Satz: 
»luid  andern  Unsern  Geheimbden  Justitz  Ruthen   gleich  zu  halten«;    dagegen    fehlt 
in  IL  der  Satz:    »auch  defshalb  ein  Patent  ausfertigen  lassen«).    Schon  diese  harm- 
losen Unterschiede  hätten  Klopp    abhalten  sollen,   gegen  Formey  den  Verdacht  zu 
erhel)en.   »eine  öffentliche  Urkunde,  deren  Obhut  von  Amtswegen  ihm  oblag,  zum 
Nachtheile  von  Leibniz  gefälscht  zu  haben«,  tmd  die  Königlich  Preussische  Akademie 
wiederholt  aufzufordern,  ihren  ehemaligen  Secretar,  wenn  sie  es  könne,  von  diesem 
Verdacht  zu  reinigen  (Werke,   10.  Bd.  [1877]  S.  LV  ff.  LXIX  ff..  Schreiben  an  die 
Akademie  vom  Jahre  1878;    Werke,    11.  Bd.   [1884]  S.  IX  ff.).      Sollen    denn  jene 
harmlosen  Verschiedenheiten  in  Bezug  auf  die  Ernennung  zum  Justizrath  Ergebnisse 
einer  Fälschung  sein?  Ist  es  nicht  vielmehr  offenbar,  dass  Formet  hier  einer  anderen 
Fassung,  die  ihm  vorlag,   gefolgt  sein  muss.^      Folgte   er   aber   hier   einer   anderen 
Fassung,  so  werden  die  Abweichunoen  in  Bezus;  auf  die  Gehaltszusicherungen  ihren 


zum  öfftern  contestiret,   dafs  er   hierbey  nichts  so  sehr  en^'isagire  als  bonum   imblicuni  ohne 
alles  privat  Absehen.  —  Oranienburg,   16.  Juli  1700.     Wedell". 

1  Das  ist  das   oben  gedruckte  Stück  vom   11.  August  1700:    es   liegt   noch  jetzt    dem 
Brief  CuNEAu's  bei. 

2  Das   war    eine    schwere   Unterlassung;    denn    dadurch    blieb    die    Zusicherung    von 
600  Thlrn.  eine  private  Abmachung  zwisclien  Lkibniz  und  dem  Consilium  Societatis. 


54.    Actenstücke  zu  LEiENizens  Bestallung  als  Präsidenten.  119 

Grund  doch  wohl  auch  darin  haben,  dass  Formet  nicht  nach  der  definitiven  Fassung 
des  Stiftungsbriefs,  sondern  nach  einer  früheren  gedruckt  liat.  Diese  Abweichungen 
bestehen  darin ,  dass  i .  in  der  Fassung  15  der  Zusatz  zu  der  Zusicherung  des 
anständigen  (zulänglichen)  Tractaments  steht:  «ex  fundo  Societatis  so  bald  derselbe 
gehörigermassen  eingerichtet  seyn  wird«,  dass  2.  in  derselben  Fassung  "3  das  Ver- 
sprechen der  besonderen  Zuwendungen  fehlt,  und  dafs  3.  in  der  Fassung  125  das 
Verhältniss  des  Gehalts  zur  Entschädigung  nicht  ganz  klar  ist.  Klopp  hat  also 
darin  Recht,  dass  die  Fassung  Iß  für  Leibniz  nicht  so  günstig  ist  wie  die  Fassung  2t; 
aljer  er  übertreibt  den  Unterschied;  denn  er  übersieht,  dass  auch  in  der  Fassung  11 
lediglich  allgemeine  Versprechungen  gegeben  sind  (»wir  haben  resolvirt,  ihm  ein 
anständiges  Tractament  zu  determinireu"),  und  dass  sie  stets  als  solche  betrachtet 
worden  sind  (sonst  hätte  Leibniz  nicht  die  Abkunft  vom  11.  August  getroffen,  in 
der  anerkannt  ist,  dass  in  der  Bestallung  nur  eine  generelle  Zusage  steht).  Dass  ein 
Gehalt  neben  der  Entschädigung  erst  dann  gezahlt  werden  soll.  Avenn  die  Verhält- 
nisse der  Societät  es  erlauben,  ist  auch  jenem  Abkommen  zu  entnelunen. 

Auch  diese  Erwägungen  hätten  Klopp  davor  bewahren  müssen,  gegen  Formet 
den  schweren  Vorwurf  der  Fälschung  zu  erheben.  Warum  hätte  dieser  fälschen 
sollen,  da  auch  die  Fassung  2t  allgemein  gehalten  ist  und  zu  keiner  bestimmten  Summe 
verpflichtete!'  Aber  noch  mehr  —  Klopp  ist  es,  der  unvei'autw ortlich  gehandelt  hat; 
denn  er  hat  nicht  darauf  hingewiesen,  dass  Formev  in  seiner  freien  französischen 
Übersetzung  der  Bestallung,  wie  er  sie  dem  Texte  seiner  Geschichte  (a.a.O. 
S.  27  ff.)  eingefügt  hat  ^  nicht  die  Fassung  'S,  sondern  die  Fassung  2t 
übersetzt   hat.      Die  Worte  lauten: 

»Pour  lesquels  Services,  nous  avons  non  seulement  resolu  en  grace, 

de  lui  donner  le  rang  d"ega.lite  avec  nos  autres  Conseillers  Prives  de  Justice, 

mais  encore  de  lui  assigner  des  appointemens  convenables,  de  le  dedommager 

outre  cela  de  tous  les  fraix  qu'il  pourra   faire  pour   le  bien  public,    jiour 

le  notre  et  pour  celui  de  la  Societe,  enfin  de  lui  accorder  dans  l'occasion 

toutes  les  autres  graces  et  emolumens,  que  ses  fideles  Services  hii  donnent 

lieu  d'esperer." 

Hiernach    kann    an    eine   Fälschung    nicht   mehr   gedacht    werden;    denn    an 

hervorragender    Stelle    hat    Formey    selbst    den   Text    geboten ,    den    er   angeblich 

escamotirt  haben  soll. 

Aber  das  litterarkritische  Problem  ist  noch  geblieben,  woher  die  Fassung  2$ 
bei  Formet  stammt.  Von  dem  Vorwurf,  zwei  verschiedene  Fassungen  stillschweigend 
als  identisch  behandelt  und  die  nicht  definitive  als  die  definitive  abgedruckt  zu 
haben,  kann  er  nicht  freigesprochen  werden.  Aber  erfunden  hat  er  nichts;  die 
von  ihm  ii-rthümlich  als  endgiltig  beurtheilte  FassunglB  existirt  handschriftlich  wirklich. 
Ein  in  dem  Akademischen  Archiv  befindliches  Concept  der  Bestallung  Leiij- 
Nizens  von  Cuneau's  Hand  (12.  Juli  1700)  ist  bis  zu  dem  letzten  Absatz  mit  der 
von  uns  gedruckten  Fassung  2t  identisch  ^  enthält  dann  aber,  was  die  Gehaltsfi'age 
betrifft,   einen   von  Leibniz    selbst   angegebenen  Wortlaut,   der  weder   mit  2t   noch 


1  Der  deutsche  Text  steht  in  Formey's  Werk  nur  im  Anhang. 

2  Voran  steht  noch  ein  anderes  Concept  von  Cuneau's  Hand ,  an  dessen  Rande  Cuneau 
bemerkt  hat:  »Erstes  und  nach  des  Praesidis  notata  hernach  geändertes  Project,  Bestallung 
pro  Praeside  Societatis,  wobey  es  aber  nicht  geblieben".  In  diesem  war  die  Gelialtsfrage 
gar  nicht  erwähnt,  dafür  aber  Folgendes  geschrieben:  «Vor  solche  seine  Bemühung  und  Arbeit 
soll  derselbe  nebst  einem  convenablen  Rang  auch  aller  derer  Beneficien ,  Privilegien  und  Rechte, 
so  Wihr  gedachter  Unser  Societät  theilfs  schon  ertheilet  haben ,  theilfs  noch  etwan  ertheilen 
werden,  völlig  geniessen,  von  denen  [zwei  unleserliche  Worte]  sowohl  als  andere  Membra 
Societatis  befreyet  sein,  und  von  Unis  all's  Protectore  Societatis  in  denen  die  Societät  angehenden 


]^20  34.    Actenstücke  zu  LEiBNizens  Bestallung  als  Präsidenten. 

mit  15  übereinstimmt.     Dieser  Wortlaut  21%    der    das    enthält,    was    Lkibntz    selbst 
wünschte,  möge  hier  stehen: 

»Vor  solche  seine  Bemühung  und  in  Bezeugung  Unserer  besonderen 
Consideration,   auch   yai   seiner  A'ergnügung   und  Avantage   soll  ihm  nicht 
allein  ein  allerdings  honorabler  und  distinguirter  Rang,  sondern  auch  sonst 
ein    anständiges    zulängliches  Tractament    wiederfahren,    und    er   überdiefs 
wegen    seiner    pro    pulilico    zu   Unsei'm    und    der   Societät    Besten    bereits 
angewendeten  und  noch  anzuwendenden  Kosten  und  Aufslagen  dedonunagirt 
und  schadlofs  gehalten  werden,  (auch  neben  denen  Beneficiis.  Privilegiis, 
Rechten,    die  AVihr  Unserer  Societät   theilfs   schon    ei'theilt  haben,    theilfs 
noch  ertheilen  werden ,  ein  besonderes  Praecipuum  von  deren  Emolumenten 
zu  geniefsen  haben,  imd  da  etwas  Erträgliches  durch  seine  Angaben  ein- 
gefühi't    werden   solle,    ein    gewifses   pro2:)ortionirtes  Teihl   der  Sache   Be- 
schaffenheit und  Billigkeit  nach  daran  erlangen).« 
AUeinCuNEAU  selbst  hat  bereits  die  eingeklammerten  Worte  — -weil  erLEinxizens 
Ansprüche  für  zu  gross  hielt  —  ausgestrichen  und  das  so  corrigirte  Actenstück  (im 
Concept)  Hrn.  von  Wedel  vorgelegt.    Dieser  hat  die  Streichung  nach  einem  llüchtigen 
"\'ersuch,  an  ihr  zu  ändern,  acceptirt  und  die  in  der  Fassung  15  sich  findenden  Worte: 
»haben  wir  ihn    nicht   allein«   bis    »eingerichtet  sein  wird«   eingeschaltet  ( —  damit 
ist  genau  die  Fassung  23  gegeben  — ),  sodann  aber  mit  eigener  Hand  diese  Fassung 
als    ungenügend  wieder   ausgestrichen.     Für   die   endgültige  Fassung  des  Schlusses, 
wie   ihn  H  bietet,    findet   sich   in   den  Acten   des  Akademischen  Archivs  überhaupt 
kein    Concej^t.      Wie    Formet    dazu    gekommen    ist.    das   Patent    mit    dem    aus- 
gestrichenen Schluss  15  drucken  zu  lassen,    statt  mit  dem  endgültigen,   ist  nicht 
deutlich.     Aber  es  lässt  sich  doch  eine  Erklärung  des  merkwürdigen  Thatbestaiids 
finden.      Der   Entwurf  Cuneau's    mit  der    Correctur   von  Wedel's   —  bevor  diese 
von  Wedel    selbst    wieder   ausgestrichen    worden   ist    —   kami    in    Reinschrift   a.b- 
geschrieben  worden    sein    und  Formey    diese  Reinschrift    statt    der    endgültigen   be- 
nutzt haben.  Eine  solche  Reinschrift  liegt  zwar  jetzt  nicht  mehr  in  den  Acten  voi-;  aber 
ihr  Vorhandensein  lässt  sich  —  abgesehen  davon ,  dass  der  sehr  oberflächlich  arbei- 
tende Formet  schwerlich  je  die  \'oracten  studirt,  also  auch  das  eben  bes^^rochene 
Actenstück   schwerlich   gesehen    hat  —   indirect   erweisen.      Es  findet  sich  nämlich 
in  dem  Akademischen  Archiv  jetzt  noch  ein  Entwurf  der  Bestallung  für  Leibxiz  in 
französischer   S])rache    in    Reinschrift,    und   hier   stimmt    der   betreffende 
Abschnitt   weder    mit    der    Fassung  H   noch    mit    der   französischen    Übersetzung, 
die  Formet  geliefert  hat  und  die  mit  H  identisch  ist   (s.  oben),  überein,  sondern 
mit  der  Fassung  !25.    Damit  ist  bewiesen,  dass  Formet  nichts  erfunden,  sondern 
ein  Actenstück   abgedruckt   hat,   welches   ihm   in   die    Hände   gekommen    war   und 
welches   er  für  eine  Abschrift  der  definitiven  Urkunde  hielt  (diese  selbst  war,  wie 
er  wusste,  in  Hannover).  Ausserdem  war  ihm  ein  zweites  Exemplar,  welches  Avirklich 
Abschrift  der  definitiven  Urkunde  war,   zugekonunen.     Nach  ihm  hat  er  übersetzt, 
das  andere  aber  wohl  brevi  manu  in  die  Druckerei  geschickt,  ohne  auf  die  Unter- 
schiede zu  achten,  die  auch  an  sich  nicht  erheblich  sind  und  ihm  bei  seiner  wahr- 


Saehen   und   sonst,  so  offr  es  nöthig,  allefs  Schutzes,   Mnnutenentz.    Hülffe  und  Gnade  sich 
zu  versehen  haben  >•. 

Diesen  Passus  aber  hat  Cuneau  ausgestrichen  und  dafür  jenen  Abschnitt  eingesetzt, 
der  oben  im  Text  niitgetheilt  werden  wird.  Dies  hat  er  gethan  auf  Grund  des  Ein- 
spruchs ,  den  ihm  Leibniz  auf  einem  Foliobogen  zugehen  Hess  (dieser  Bogen ,  eigenhändig  von 
Leibkiz  geschrieben,  liegt  den  Acten  ebenfalls  bei).  Hier  hat  Leibniz  seinen  Wünschen  in 
Bezug  auf  Gehalt  und  Entschädigung  vollen  Ausdruck  gegeben ,  und  Cuneau  hat  das  zunächst 
acceptirt  und  in  sein  Concepr  aufgenommen.  So  wurde  der  Entwurf,  auf  LEiBNizens  Wunsch, 
Hrn.  V.  Wedel  voraelest. 


55.    LEißNizens  Gutachten  über  Grau's  Voi'schläge  (August  1700).  121 

scheinlich  mangelhaften  Kenntniss  des  Detitschen  und  seiner  FHichtigkeit  sehr  wohl 
verborgen  bleiben  konnten. 

Die     französische     Fassung     des     Patents     fiir     Leibmz     im     Akademischen 
Archiv  lautet : 

"...  Pour  ses  soins  et  pour  mai-Cßie  de  la  consideration  particuliere 
que  Nous  avons  pour  lui  aussi  bien  que  pour  sa  propre  satisfaction  nous 
l'avons    non    seulement   declare  Conseiller  Prive  de  la  Justice  et  pour  cet 
eftet   fait    expedier   une    Patente;    mais    nous    voulons    aussi    lui   fixer   une 
pension    convenable   et   süffisante   qui   sera   prise   des    fonds    de  la  societe 
des  qu'ils  aiiront  ete  regles,  afin  qti'il  soit  par  lä  pleinement  dedommage 
de   toutes   les    depenses   qu'il  a  fait   ou   fera    encore   pour  Notre  Bien   ou 
pour  celiü  de  la  Societe  et  du  Public.« 
Die  hier  gegebenen  Ausführungen  sind  die  Antwort  auf  Klopp's  A'erdächtigungen 
FoR3iEv"s.     Dieser   ist   etwas   leichtfertig   zu  Werk   gegangen,    aber   doch    nicht   so 
leichtfertig,    wie  Hr.  Klopp,    der  den  Verdacht  wissentlicher  Fälschung  gegen  den 
vSecretar   der  Akademie   erhoben   hat,    obgleich    eben   das  Werk,    dem    er  die  ver- 
meintliche Grundlage  für  solch  einen  ^'erdacht  entnommen  hat,  die  sicherste  Wider- 
legung enthält;  denn  die  von  Klopp  vermisste  Fassung  des  Patents  —  die  Formey 
angeblich   tinterschlagen  hat  —  findet  sich  in  Formey's  Werk,   freilich  nicht  unter 
den  Actenstücken,  aber  im  Texte  seiner  geschichtlichen  DarsteUung. 


55. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  103). 

Concept   von    LEiBicizens    Hand   vom   Anfang   August    des   Jahres   1700 
über  den  A'orschlag  von  Grau,  wissens  chaftliche  Vorträge  in  deutscher 

Sprache  einzurichten. 
[i\kademisches  Archiv.] 

Nachdem  von  wegen  Churfürstl.  Durchl.  meine  wenige  Gedancken  begehret 
worden  über  Hrn.  Christian  Gottfried  Grauen  \  so  sich  schreibet  vormahUgen 
Predigern  und  bisherigen  Professoren  zu  Herborn,  Vorschläge,  wie  die  Wissen- 
schafften in  teutscher  Sprach  zu  lehren,  und  mir  zu  dem  Ende  sein  über  diese 
jNIateri  herausgegebenes  Buch  von  ihm  selbst  zugestehet  worden,  mich  aber  be- 
düncket,  dal's  sein  ietziges  Absehn  in  einer  kurzen  Schrifft  verfafset  zu  haben 
nöthig,  hat  er  dieselbige  entworffen  und  mir  ebenmäfsig  eingehändiget.  Aus  dem 
Buch  nun,  so  wohl  als  aus  der  Schrifft,  ersehe,  dafs  seine  Meynung  sey.  es  solle 
eine  von   ihm    mit   folgenden  Worthen   beschriebene   ho  eh  t  eu  tsch  -  gegründete 


^  Der  Mann  heisst  Christian  Gottlieb;  sein  Buch  ist  betitelt:  "Die  unmafsgeljlich- 
iieu- angegebene  hoch-teutsche  Grund-  und  hoche  Landes -Unterrichtung,  darinnen  durch 
eine  neue  Lehr -Art  dargethan  wird,  wie  nicht  allein  die  allgemeine  angehende  Laiides- 
Jugend  von  dem  4*^"  Jahr  an  bifs  zu  Ausgang  des  i2ten  in  allerley  vernünftigen  Gründen 
der  Künste  und  Wissenschaft'ten ,  auch  wahrer  christlicher  Furcht  Gottes,  sondern  auch  die 
ferner  aufwachsende  bifs  zu  Ausgang  des  20 ten  Jahrs,  neben  dem  Lautf  anderer  lateinischen 
Classen  und  hochen  Schulen  zu  der  4  Haupt  -  Sprachen  und  hohen  Haupt- Wissenschafften 
reicher  und  genügsamer  Erkänntnifs .  in  der  regierenden  Fürsten -Sprache  so  auszuführen  seyn, 
dafs  dem  gantzen  Lande  ungevvölinlich  viele  und  grosse  Seelen-  und  Leibes-Nutzen  mit  wenigem 
Lern-  und  Lebens -Kosten  glücklich  und  gesegnet  können  zugewendet  werden,  zu  hoher  Er- 
wegung  und  gnädigster  Beförderung  an  das  teutsche  Licht  gelegt  von  Christian  Gottlieb 
Grau,  der  "Welt- Weisheit  Professore  und  des  göttl.  Wortes  Predigern,  Herborn  1695.- 
Vergl.  den  Brief  von  Leibxiz  an  D.  E.  Jabloxski  vom  30.  August  1700  und  das  Schreiben 
A'on  diesem  an  jenen  vom   15.  Januar  1701  (IvAPpens  Sammlung  S.  206.  237). 


122  ä5.    Leibnizchs  Gutachten  über  Grau's  Vorschläge  (August  17lM)). 

und  in  hoehteutsch  vollkomtnen,  frey  und  ordentlich  in  allen  Wissen- 
.seliafften  erscheinende  Landschuhl  oder  Aca dem ia  gestifftet  werden. 

Weil  aber  viel  eigene  Leute  dazu  zu  bestellen  zu  kosthar,  vermeynet  er,  nach 
dem  bey  den  fünff"  und  mehr  Schuhlen  dieser  Residenz  ohngefähr  25  bis  30  Pi'ae- 
ceptores  wären,  so  köndten  imter  diesen  oder  andern  etwa  10  oder  12  Personen 
gefunden  werden,  welche  sich  becjuemen  möchten,  jeder  in  der  Woche  2  Stvniden 
in  teutscher  Sprach  zu  lehren,  dafür  sie  den  Characterem  Churfürstl.  Professoren 
haben,  sich  recommendirt  machen,  auch  Didactica  von  den  Lernenden  zu  geniefsen 
haben  würden.  Und  köndten  täglich  2  Stunden  gewiedmet  werden  den  Sprachen, 
2  Stunden  den  philosophischen  und  inathematischen  Künsten  tmd  2  Stunden  dem 
Christenthum.  Xeben  dem  köndten  vorgetragen  werden  die  Institutiones  der  3 
oberen  Facultäten  in  Teutsch ,  alles  an  einem  anständigen  Orth    in  Berlin  ^ 

Nun  solte  ich  dafür  halten,  dafs  sehr  nüzlich  wäre,  wenn  diejenigen  Nach- 
i'ichtungen  und  Wissenschaften,  welche  einem  jeden,  so  aitch  von  Studien  kein 
Werck  machen  will,  dien-  und  annehmlich,  sonderlich  aber  Histori  und  Welt- 
beschreibunti' .  Naturkündigtmg,  Mathematik,  Bavikunst,  Agricultura  und  zumahl  die 
Sittenlehre  in  teutscher  Sprach .  nicht  weniger  auch  die  teutsche  Beredtsamkeit, 
schrifft-  luid  mündlich  getrieben  und  der  Jugend  in  Schuhlen  beygebracht  würden. 
Und  hat  Herzog  Ernst  zu  Gotha  hochseeligen  Andenkens  ein  und  anderes  zu  dem 
Ende  aufsezen  lassen.  Es  hat  auch  unlängst  ein  gelehrter  ]Mann  in  Hamburg  vor 
Kaufleute.  Scliifl["leute,  Künstler  und  andere  in  Teutsch  mathematische  Lectionen 
"ehalten.  Was  aber  die  obern  Facultäten,  nehmlich  Theologie.  Jurisprudenz  und 
ArzneA'  betrifft,  fallen  allerhand  Bedencklichkeiten  bei,  desAvegen  besser,  stuffeu- 
weise  zu  gehen  luid  anfangs  nicht  so  hoch  zu  steigen. 

Es  solte  anoch  vorerst  genug  seyn,  wenn  anstatt  der  vorgeschlagenen  1 2  teutschen 
Professoren  anfangs  bey  der  Chiu'fürstl.  Residenz  3  oder  4  bequeme  Personen  wären, 
so  diese  Lehr -Art  frey  willig  übernehmen  wolten,  und  werden  sie  wegen  der  Materi 
und  Form  ihrer  Lehre  an  die  Churfürstl.  Societät  der  Wissenschal!"ten  Guthacliten 
und  völliger  Anstalt  des  Wercks  gewiesen  Averden  können .  damit  der  Jugend  Avahre 
und  nüzliche  Grundlehre  auf  eine  ordentliche  und  vernehmliche  Weise  beybracht 
würden.  Weim  auch  solches  Dociren  nicht  in  Privat- Häusern  noch  hin  und  Avieder 
in  den  Schuhlen  zuztdassen,  sondern  an  einen  geAvissen,  dazu  bequemen  Loco  publice 
alhier  angeordnet  Avürde,  so  Avürde  es  mehr  Ruf  und  Ansehen  haben. 

Solten  die  Leute  nun,  so  das  Werck  unternehmen  Avolten,  demselben  recht- 
schaffen geAvachsen  seyn,  so  ist  kein  ZAveifel,  sie  Avürden  an  einem  volckreichen 
Orth  Avie  Berlin  Zulauff  haben  und  daher  vor  die  Avenigen  Stunden,  die  sie  etAva 
Avöchentlich  hierzu  anwenden  Avürden,  durch  anständige  Didactica  eine  zureichende 
Belohnung  erhalten,  zumahlen  da  von  Churfürstl.  Durchl.  sie  also  privilegirt  Avären, 
dafs  aufser  denen  bestelleten  Personen  Anderen  auff  der  gleichen  Weise  zu  lehren 
und  pid^lica  oder  privata  CoUegia  zu  halten  verbothen.  Es  ist  auch  nicht  zu  ZAveifeln, 
dafs  mit  der  Zeit  bey  erscheihnenden  Nuzen  die  Städte  und  Gemeinen  selbst  wie 
bey  andern  Schiüilen  denen  Lehrenden  in  etwas  zu  helffen  kommen  würden. 

[In  dem  LEiBMZ-Fascikel  des  Akademisclien  Archivs  wird  auch  das  eigenhändige  Coucept 
des  Begleitschreibens  von  Leibkiz  an  Hrn.  von  Wedel  zu  diesem  Gutachten  aufbewahrt.  In 
diesem  verwahrt  er  sich  gegen  den  Vorschlag  Grau's,  ihn  aus  den  Mitteln  der  Societät  für  sein 
Unternehmen,  in  deutscher  Sprache  zu  dociren,  zu  besolden:  "II  ne  doit  point  compter  en  aucune 
fagon  pour  cela  snr  le  fonds  de  la  societe,  qui  peut  ä  peine  suffire  k  ce  (jui  est  tres  neces- 
saire  pour  les  sciences  et  arts  et  pour  acquerir  de  la  reputation  par  quelques  decouvertes«  etc.] 


1  Hier  folgt  noch  ein  Satz,  dass  Grau  sich  erboten  liabe ,  die  Aufsicht  über  dieses 
Unternehmen  zu  führen,  und  deshalb  eine  Anstellung  vom  Kurfürsten  begehre,  um  mit 
anderen  »Teutsch  -  wohlgesinnten.,  das  Werk  zu  treiben.  Aber  Leieniz  hat  nachträglich 
diesen  Satz  gestrichen. 


56.    LEiBNizens  Brief  an  den  Holprediger  Jablon'ski  (30.  August  1700).  ]23 


56. 

(Ver<;l.  Gcschiclite  der  Akademie  S.  104). 

LEiBXizens  Brief  an  den  Hofjn-ediger  Jabloxski  vom  30.  August   1700. 

[IvAPPens  Sammlung  S.  206  ß".] 

Hochwürdiger  etc. 
insonders  hochgeehrter  Herr, 
Nachdem  ich  allhier  Gott  Lob  angelanget,  liabe  ich  förderlichst  zurückschreiben 
und  micli  wegen  aller  genossenen  vielfältigen  Gütigkeit  gegen  meinen  hochgeehrten 
Herrn  Hofprediger  bedancken  sollen.  Das  Pücklein  an  Herrn  D.  Fabricium  ist 
richtig  geliefert  worden,  und  wird  er  selbst  schon  antworten.  Herrn  Hertzog 
Anton  Ulrichs  Durchl.  applaudiren  sehr  dem  Vornehmen  wegen  Auszierung  der 
teutschen  Sjj räche.  Wenn  Leute  gefunden  werden  könnten,  die  nach  Herr 
Grauens  Vorschlag  in  Teutsch  dociren  wollen,  würde  es  gut  und  solch  Vorhaben 
zu  befördern  sejn.  Ich  habe  meinen  kleinen  Aufsatz  von  der  teutschen  Sprache 
wieder  zurückzufordern  vergessen,  werde  ihn  nach  meines  hochgeehrten  Herrn 
Hofpredigers  guter  Gelegenheit  wieder  zurückbekommen  iind  bin  willens ,  ihn 
nunmehr,  doch  vielleicht  mit  einer  kleinen  Änderung,  in  Druck  zu  geben,  damit 
auch  Andere  aufgemuntert  Averden.  Von  einigen  der  Societät  Sachen  habe  ich 
ausführlich  an  Herrn  Hofrath  Cunoen  geschrieben  und  ein  Schreiben  an  Herrn 
Requestenmeister  von  "Wedel  sub  sigillo  volante  beygeschlossen ,  worauf  mich, 
die  Wiederholung  zu  vermeiden,  beziehe.  Ich  weifs  nicht,  ob  ich  erwehnt  habe, 
dafs  der  junge  Herr  Spener,  so  kürtzlicli  von  der  Reise  wiederkommen  und  bey 
mir  gewesen,  mir  sehr  wohl  angestanden  imd  viel  schöne  Curiositäten  gesammelt: 
stelle  anheim,  ob  man  (doch  dissimulando,  dafs  es  von  mir  an  Hand  gegeben)  es 
imvermerckt  dahin  richten  möchte,  dafs  er  der  Societät  davon  Bericht  erstatte 
und  ein  oder  anders  nach  Gelegenheit  communicire;  unter  andern  eine  neue  Uro- 
mantiam  eines  berühmten  Chymici  in  Holland,  le  jVIort  genannt,  so  er  im  ]Ms.  hat, 
und  dei'gleichen.  Durch  solch  Exempel  würden  Andere  mehr  angefrischet  werden. 
Er  hoffet  sonst,  bald  nach  Giessen  zu  gehen  und  allda  Professor  zu  werden. 

Herr  D.  Fabricius  und  Herr  Abt  Schmid  werden  beyde  in  unsere  Societät 
treten.  »Sie  sind  curiös  gewesen  zu  wissen .  ol)  in  Irenicis  einige  Passus  geschehen, 
ich  habe  ihnen  zum  Progressu  Hoffnung  gemacht.  Herr  Fabricius  wird  die  Herren 
Prälaten  zu  Huyshurg  und  Ho nner sieben,  und  Herr  D.  Schmid  den  Herrn 
Abt  zu  Bergen  zu  unserer  Societät  zu  ziehen  suchen.  Wenn  der  Societät  Siegel 
fertig  und  der  Herr  Secretarius  bey  der  Hand,  Avird  man  Literas  receptionis  an 
den  Herrn  D.  Fabricium,  Herrn  D.  Schmid,  Abt  zu  Marienthal,  Herrn  Probst 
Müller  in  Magdeburg,  Herrn  Professor  von  Hard,  Probst  zu  Marienberg, 
auch  an  Herrn  Vignole,  frantzösischen  Prediger  in  Bra  ndenburg,  abgehen  lassen 
können.  Denn  diese  Alle  habe  ich  zugeworben.  Sollte  Herr  D.  Calixtus  abgehen, 
wird  Herr  Fabricius  vermuthlich  Abt  zu  Königsluther  werden.  Man  müste  sich 
einer  gewissen  Formul  pro  literis  receptionis,  so  hernach  mutatis  mutandis  bey- 
zubehalten,  vergleichen.  A  propos  von  dem  Herrn  D.  Calixto,  so  lasset  derselbe 
sein  irenisch  vel  quasi  Buch  drucken.  Herr  Bentheim  soll  ihm  auch  antworten 
wollen.  Sie  möchten  mit  einander  die  Mühe  wohl  sparen.  Es  ist  ein  Gerücht 
kurtz  vor  meiner  Abreise  erschollen ,  ob  dürfte  der  Hr.  Churprintz  förderlichst  zum 
König  von  Engelland  nach  Loh  gehen.  Weil  nun  der  Herr  Graf  von  Dona 
zweifelsohne  mitgehen  würde,  könnte  vermuthlich  in  Ii'enicis  etwas  Gutes  zugleich 
incaminiret  werden.  Ich  möchte  wünschen,  dafs  ein  Theologus  von  zulänglichen 
Meritis,  und  dem  man  etwas  vertrauen  könnte,  mit  ihm  ginge.  So  könnte  etwa 
ein  tüchtiger  Grund  geleget  werden.     Ich  nehme  die  Frevheit  an  den  Herrn  Grafen 


X24  ^"«    (Leibniz),  t]2)istola  ad  aniicmn  (October  1700). 

zuschreiben  und  bitte,  Sie  belieben,  ihm  das  Beykomniende,  wenn  er  noch  gegen- 
wärtig, einzuhändigen  mit  Recommendation  meiner,  sollte  er  aber  schon  verreiset 
seyn,  ihm  zu  schreiben  und  meinen  Brief  mitzuschicken.  Ich  bin  diesen  Frühling 
mit  einem  kalten,  etwas  beschwehrlichen  Flufs  auf  dem  Hals  und  Schulter  incom- 
modiret  gewesen.  Solcher  kommt  mir  jetzo  bey  annahender  Kälte  wieder,  welches 
mich  auf  eine  Reise  nach  dem  Top  litzer  Bad  gedencken  macht,  um  weitern 
Incommodis  voi'zubauen.  Sollte  ich  mich  dazu  entschlielsen ,  würde  ich  solche  Reise 
auf's  Schleunigste  vornehmen.  Daher  ich  Hrn.  Rath  Cunoen  geschrieben,  was  an 
mich,  dem  Postmeister  nach  Braunschweig  zu  recommandiren ,  dafs  ers  bis 
ziu' Abforderung  behalte,  und  es  mit  der  fahrenden  Post  über  Magdeburg  daher 
zu  senden.  Wolle  also  mein  hochgeehrter  Herr,  was  etwa  an  mich ,  unter  Herrn 
Cunoen  Couvert  mit  abgehen  lafsen.  Ich  verlange  Ihre  gute  Gesundheit  und  gute 
Progressus  der  löbl.  Absehen  zu  vernehmen  \ind  verbleibe  Lebenszeit 

Meines  insonders  hochgeehrten  Herrn  Hofpredigers  Dienste  ergebenster  u.  s.  w. 

Wolfenbüttel,  den  30.  Aug.  1700. 


57. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  104). 

Epistola 

ad 

A  m  i  c  u  m 

scripta 

d.  XVm.  Octob.  a.  MDCC. 

de   instituta 

a  S  e  r  e  n  i  s  s  i  m  o   a  t  q  u  e  P  o  t  e  n  t  i  s  s  i  m  o 

Rege    P  r  u  s  s  i  a  e 

Academia  Scientiarum 

B  r  a  n  d  e  n  b  u  r  g  i  c  a . 

Berolini,    literis   Schlich tigerianis   1701. 

[Druckschrift;  Exemplare  im  Akademischen  Archiv,  auf  der  Königlichen  Bibliothek  und  sonst.] 

Ego  vero  tuas,  vir  nobilissime,  litteras  accepi,  quibus  a  me  tuo  et  amicorum 
tuorum  nomine  petiisti,  ut  ad  te  perscriberem,  verane  sint  nee  ne.  quae  de  nova 
sapientiae  et  optimarum  artium  officina  in  augustissimo  theatro,  id  est  in  con- 
spectu  deorum  penatium  aulae  Brandenburgicae  constituta  et  fundata  ad  vos  fama 
pertulit.  Atque  si  ita  se  res  habeat,  simul  sciscitaris  pro  incredibili  illo  studio, 
quo  Reip.  literariae  decus,  dignitatem,  commoda  et  incrementa  soles  prosequi, 
quaenam  praeclarissimi  instituti  ratio  sit ,  quam  late  pateat ,  quem  sibi  finem ,  quem 
scopum  nova  ista  Scientiarum,  uti  vocant,  Societas  habeat  propositum,  qui- 
bus denique  fundamentis,  legibus,  praesidiis  aut  adminiculis  nitatur.  Itaque  mearum 
partium  esse  duxi,  ut  pro  ea,  quae  inter  nos  intercedit  amicitia,  multorum  annorum 
usu  confirmata  et  corroborata  tuae  tarn  laudabili  cupiditati  hac  in  parte  satisfacerem 
atque  te,  quoad  eins  fieri  potest,  brevissime  de  nascentis  illius  Collegii  primordiis 
ac  rationibus  edocerem,  praesertim  quum  te,  vir  nobilissime,  ab  ineunte  aetate 
bonis  artibus  deditissimvim  fuisse  constet,  ac  etiamnum  amoenis  eloquentiae  et 
politiorum  literarum  studiis  quotidianarum  occupationum  austeram  severitatem  soleas 
temperare  quodammodo  et  mitigare.  Cujus  rei,  ut  alia  omittam  documenta,  fidem 
faciunt  epistolae  tuae  ad  viros  illustres  et  eruditos  subinde  perscriptae  Romana 
lingua  atque  terso  illo,  puro  et  castissimo  orationis  genere  exaratae,  quod,  ut  erat 
abhinc  sesquiseculo,    id  est  statim  a  renatis    literis,    in    Italia,    in  Gallia    et    in  ipsa 


57.    (Leieniz),  Epistola  ad  amicum  (October  1700).  l2o 

quoque  Germania,  frequentissimum  non  sine  immortali  beatissimi  seculi  gioria .  ita 
nunc  fere  magno  malo  publico  et  cam  incredibili  tempoi-um  nostrorum  labe  et 
dedecore  negligitur  et,  si  a  paucis  discesseris  viris  bene  scribendi  laude  lloren- 
tissimis,  in  contemtu  jacet  atque  squalore. 

Ac  primum  quidem  omnium,  ut  in  viam  redeam,  neminem  puto  esse  tarn 
expertem  rerum  nostrarum  aut,  quae  ad  splendorem  rei  literariae  pertinent,  in- 
curiosum,  ut  ignoret,  Fridericum  III..  Electorem  Brandenburgicum ,  quum  ipse 
a  teneris  unguiculis  sapientiae  studiis  et  artibus  tanto  natalium  splendore  et  excelsae 
fortunae  fastigio  dignis  inprimis  caperetur  ac  delectaretur  nee  in  iis  poenitendos 
l^rogressus  fecisset.  id  scilicet.  ex  quo  rermn  potitus  est,  negotii  sibi  divinitus  datum 
esse  existimasse,  ut  qiuun  omni  ratione  saluti,  commodis  ac  felicitati  suorum  popu- 
lorum  pro  sua  Providentia  atque  insita  benignitate  consuleret,  tum  vero  ut  ingruentem 
barbariem  a  suis  finibus  longe  lateque  patentibus  pro  sua  sapientia  propulsaret, 
evocatis  undique  viris  eruditionis,  prudentiae,  virtutis  aut  singularis  cujusdam 
scientiae  laude  celeberrimis  iisque  onmibus  honoris,  dignitatis  et  commodorum 
ornamentis  cumulatis.  Igitur  in  munificentia  ac  liberalitate  istius  Herculis  Mu- 
sagetae  non  modo  viri  docti  et  in  omni  disciplinarum  genere  cum  egregia  laude 
versati.  sed  architecti  etiam.  statuarii.  plastae.  pictores,  sculptores,  coelatores, 
variarum  et  iiublice  utilium  macliinarum  inventores  et  effectores  ac,  ut  in  pauca 
rem  conferam,  omnes  ad  ununi  artifices  nee  non  opifices  eximii  conquiescunt.  Quis 
nescit,  sapientissimum  principem  etiam  tum,  quum  artrocissimo  bello  tota  pene 
Europa  arderet  et  Brandenburgicae  legiones  victricia  arma  longe  lateque  circum- 
ferrent,  pacis  artes  usque  adeo  non  negiexisse,  ut  fere  solus  tristes  ea  tempestate 
Camoenas  respiceret?  Quid  (juod  inter  armorum  strepitum  et  tubarum  clangorem 
trepidis  ac  profugis  Musis  perfugium  in  suis  terris  praebuit  condita  et  solenni  ritu 
inaugurata  Hallensi  Academia?  quam  nunc  esse  amoenissimam  Musarum  et  Gratiarum 
sedem  ac  llorentissimum  honestissimarum  artium  mercatum  constat  tibique  maxime 
notum  est,  qui  amplissimo  in  illa  musarum  ac  ^•irtutum  altrice  lu-be  munere  fungeris. 

Ac  ne  quid  ad  summuni  Studium ,  quo  non  tantum  omne  doctrinae  reconditae 
genus,  sed  etiam  cunctas  artes,  in  quil)as  aliqua  vel  utilitas  vel  elegantia  vel  jucun- 
ditas  inest,  complectitur,  reliquum  laceret  optinuis  princeps,  paulo  post  praestan- 
tissimam  illam  architecturae.  picturae  ac  sculpturae  acadeniiam  Berolini,  hoc  est 
in  principe  imperii  sui  urbe  excitavit  et  nuUis  non  praesidiis  ac  conunodis  instruxit 
et  exornavit. 

Haec  ego  ideo  pUn-ibus  verbis.  vir  nobihssime,  commemoro,  non  quod  ea 
abs  te  ignorari  putem  aut  tibi  ex  animo  excidisse,  sed  quod  uterque  nostrum  in 
praedicandis  laudibus  Augusti  Heri  nostri  libentissime  versamur  et  ut  simul  amici 
tui  intelligant ,  quibuscum  connnunicare  haec  collibuerit ,  nemini  debere  mirum  vi- 
deri.  si  jjarta  jam  pace  optimus  princeps  ad  fovendam  et  ornandam  rerum  divi- 
nannn  atque  humanarum  scientiam  majori  quadam  animi  incitatione  et  alacritate 
incumbit.  Quamobrem.  quod  felix  faustumque  sit,  decrevit  Serenissimus  Elector 
ipso  die  suo  natali  dulces  ante  omnia  Musas  in  suum  quasi  contubernium  recipere, 
ut  ejus  exemplo  ad  ilLas  rite  et  religiöse  colendas  ad  unum  omnes  bonae  mentis 
Studiosi  homines  eo  niagis  excitarentur.  nova  ista.  de  qua  initio  mentionem  feci, 
scientiarum  societate  instituta  et  fundata  Berohni.  Atque  ad  hoc  tam  prae- 
clarum  et  salubre  consilium  capiendum  eo  facilius  permoveri  se  passus  est  princeps 
opt.  max.,  quod  in  tam  magnis  et  late  patentibus  suae  ditionis  provinciis,  in  tanta 
virorum  ingenio  et  doctrina  praestantiinn  copia  et  in  ista  legatorum  ac  ministrorum, 
qui  ejus  jussu,  sumptibus  et  auspiciis  in  jjlerisque  Europae  aulis  commorantur, 
frequentia  ac  in  tanta  denique  longinquarum  navigationum  commoditate,  quum  in 
remotissimas  etiam  Africae  et  Americae  oras  naves  Brandenburgicae  commerciorum 
causa  vela   faciant,   eximia   ei   ad    tam  laudabile  institutum  feliciter  exequendum    et 


126  5^-    (Leibniz),  Epistola  ad  amicum  (October  1700). 

ad  infinitas  res  cognitu  dignissimas  detegendas  atqiie  in  liiceni  proferendas  suppe- 
tunt  subsidia  et  adininicula,  quae  alibi  saltein  apud  Germaniae,  nostrae  principes 
haud  facile  conjuncta  inveneris. 

Ceterum  quae  de  occasione  istius  instituti,  de  ortu  societatis,  de  ejus  ra- 
tionibus  et,  ad  quem  collineat,  scopo  scire  cupis,  ea  tibi,  vir  nobiliss.,  quod  hisce 
literis  adjeci  diplonia  fundationis  indicabit  quidem  et  aperiet.  Sed  quae  in  eo  uni- 
verse  et  generatim  expressa  continentur,  ea,  uti  ex  quibusdam  illius  collegii  menibris 
A-iris  clarissimis  ac  de  repvibl.  in  amplissimis.  quiluis  funguntur,  inunerilnis  optime 
meritis  cognoscere  datuni,  copiosius  et  sigillatim  suo  quaeque  ordine  consignata  re- 
periuntur  litteris  ac  codicillis,  quibus  totius  instituti  praefinita  quaedam  ratio  et 
peculiaria,  quae  societati  Elector  nominatini  dedit,  mandata  comprehenduntur. 
Instituti  autem  hujus  campus,  ut  ita  loquar.  latissime  patet.  Etenim  suo  ambitu  ac 
suis  quasi  finibus  non  universam  modo  mathesin  cum  mechanica,  philosophiam  natura- 
lem et  versautes  circa  tria,  uti  vulgo  vocantur,  naturae  regna  [artes],  sed  antiquitates 
etiam  et  eas  literas,  (piae  alj  liumanitate  nomen  acceperunt,  historiam  quoque  civilem 
et  ecclesiasticam ,  Germaniae  maxime  et,  quae  in  ditione  nostri  jn-incipis  sunt, 
terrarum  complectitur.  Quia  vero  meutern  juxta  et  mentis  interjaretem  linguam 
juvat  uno  eodemque  tempore  excolere  atque  adeo  cum  philosopLia  germanam  elo- 
quentiam  conjungere,  Teutonicae  quoque  linguae  juvandae,  emendandae  ac  per- 
poliendae  imprimis  habebitur  ratio  a  societate  Elector ali.  Quae  ad  summam 
curam  et  contentionem  animi  nihil  quidquam  faciet  reliquum ,  ut  praeclarissimum 
inceptum  et  saluberrimum  institutum  optatus  eventus  consequatur  et  successus.  Atque 
60  consilio  ad  propaganda  et  amplificanda  sapientiae  et  optimarum  artium  incrementa 
omne  suum  Studium  societas  conferet  eruendae  ubique  veritati,  colligendis,  de- 
scribendis,  examinandis,  augendis  quin  et  excogitandis  ac  indagandis  novis  iuventis 
et,  quae  ad  illa  pertinent,  continuis  meditationibus ,  experimentis,  collationibus  ac 
literarum  inter  absentes  commerciis  instituendis,  mittendis  denique  in  longinquas 
oras  idoneis  hominibus:  certe  onmi  ope  nitetur  ostendere,  nihil  sibi  antiquius  esse 
bono  publico  et  eximia  quadam  de  genere  humano  bene  merendi  cupiditate. 

Intelligis  vel  me  tacente,  vir  nobilissime,  amplissimum  esse  ac  longe  lateque 
patens,  in  quo  decurrere  illa  aggreditur,  Stadium,  nee  optatam  eam  cursu  metam 
posse  contingere  nisi  societatis  industriam  et  alacritatem  potentissimus  princeps 
suo  praesidio  tueatur  ac  sua  benignitate  ipsius  rationibus  prospiciat.  Noluit  avitem 
Serenissimus  Ellector,  quae  ejus  est  bonitas  et  in  nobilissimariun  artium  decus  et 
incrementa  generosa  voluntas,  etiam  hac  in  parte  bonae  mentis  studiosis  deesse. 
Igitur  decrevit  tutelam  ac  patrocinium  societatis  ijise  suscipere  et  in  recenti  hac, 
si  fas  est  ita  loqui,  literaria  republica  principatuni  anhni  causa  ac  dictaturam  per- 
petuam  teuere.  Jamque  turrim  speculatoriam  ad  consideranda  et  contemplanda 
astra  eorvunque  motus  ad  certiorem  rationem  examinandos  aedificari  suis  sumptibus 
jussit.  In  eo  quoque  loco,  qui  et  magnas  et  plurimas  opportunitates  habet,  biblio- 
thecam  i*eli(piamque  supellectilem  instrumentorum ,  machinarum  aliarumque  rerum 
necessariarum  collocare  societas  constituit.  Atque  ut  ne  quid  ad  summam  beni- 
gnitatem  deesset,  certis  reditibus  societatem  nascentem  benignissimus  princeps 
ornavit  et  locupletavit.  Incredibilem  igitiu-  magnitudinem  animi  et  beneficentiam 
opt.  principis,  quum  condignis  eflferre  laudibus  societas  non  possit,  eam  scilicet 
referendae  gratiae  rationem  iuibit,  ne  suam  in  tuenda  et  sustentanda  exspectatione 
maximi  principis  diligentiam,  operam  et  fidem  quisquam  requirat,  sed,  ut  potius 
uberrimum  e  tanto  beneficio  fructum  gioriae  et  utilitatis  augustissimus  fundator  per- 
cipiat,    pro  virili  parte  elaborabit. 

Jam  vero,  quod  attinet  ad  statum  et  conditionem  praesentem  ipsius  societa- 
tis, scito,  vir  nobilissime,  eam  constare  e  praeside,  consilio  et  reliquorum  sociorum 
ordine,  quos  meml)ra  vocamus.     Est  quoque  societati  vir  idoneus  a  secretis   et  ra- 


r>7.    (Li:iBNizj ,  Epistola  ad  ainicum  (October  17(J0).  12/ 

tioiiibiis.  adjiuiiienturque  et  operain  navabunt  alnnini  aliquot  adolescentes  egregia- 
rum  artium  studiosi,  ut  quoddani  quasi  seminarium  virorum  ingenio  et  doctrina 
clarorum  per2)etuü  suppetat.  Praesidis  muuere  fungitui'  vir  illustris,  Godofredus 
Guilielmus  Leibuitius.  <pü  est  sereiiLssimo  S.  R.  I.  novemviro  Brunsuicensi  in 
supreino  tribunali  a  consiliis  intimis.  Viri  incomparabilis  verissiinas  laudes  coinme- 
nioi'ai-e  hoc  loco  supersedeo ,  quum  vastissima  ejus  eruditio.  qua  non  solum  juris 
civilis  ac  publici  scieutiam  et  rei  antiquariae,  historiarum  et  humaniorum  literaruni 
cognitionein .  sed  et  ad  unain  omnes  uiathematicas  disciplinas  ac  sublimiores  illas 
atque  a  vulgicaptu  et  intelligentia  reniotas  doctrinas  complectitur,  non  solum  toto 
oi'be  literario  sit  celeberrima  et  inimortalitati  pridem  consecrata,  sed  etiam  scriptis 
cedro  dignis  et  mirificis  in  re  praesei'tini  mathematica  inventis  divinoque  illo  ar- 
dore  mentis.  quo  ad  illustrandas  et  ainplificandas  egregias  ai'tes  et  scientias  i'apitur 
literarum  literatorunique  suminus  fautor  et  existimator,  tarn  praeclaram  consecutus 
sit  fainam  et  nomen ,  ut  nostra  praedicatione  aut  testimonio  nequaquam  videatur 
egere.  Atque  his  tani  excellentibus  tanti  viri  dotibus  ingenii  et  ornamentis  sapien- 
tiae  adductus  Elector  noster  e  re  et  ex  dignitate  suae  societatis  esse  judicavit, 
ut  eum  moderationi  totius  collegii  praeponeret.  Eam  igitur  praefectui'aui  et  absens 
geret  Leibnitzius  vir  illustris  et  praesens,  quum  identideni  ad  istam  spartam  [sie] 
ornandam  huc  excui'i'et. 

Consilium  societatis.  in  cpio  is,  quem  supra  demonstravi,  praeses  quoque 
numeratur,  constat  ex  iis  viris.  quorum  in  jaciendis  hujus  societatis  fmidamentis 
et  in  ea  constituenda  ac  stabilienda  singularis  cura.  opera  et  praecipuus  labor  eni- 
tuit.  Consilii  partes  sunt,  ut  provideat,  ne  quid  detrimenti  societas  scientia- 
runi  capiat.  atque  ad  ejus  statum  non  modo  sai'tum  tectumque  conservanduni,  sed 
et  Omnibus,  quibus  potest  ornamentis  et  commodis  illustrandum  et  cumulandum 
suas  curas  et  cogitationes  conferat.  Reliqui  societatis  collegae  quique  se  iis,  qui 
consilio  vel  intersunt  vel  praesunt,  adjungere  socios  honestissimi  in  ^^erpoliendis  ar- 
tibus  ac  scientiis  laboris  gestiunt,  partim  in  urbe  principe  et  electorali  sede,  partim  in 
aliis  Brandenburgici  juris  tei'ris  ad  ojoeras  conferendas  deliguntar,  inter  quos  mer- 
cedes  nonnullis  et  stipendia  annua  eaque  satis  luculenta  sunt  constituta.  Quin  etiam 
e  peregrinis  complures  praeclaros  viros,  seu  quia  id  nominatim  expetunt,  seu  quia 
propter  singularem  ingenii  doctrinae  et  virtutis  opinionem  societati  ornamento 
esse  ac  ad  illustrandas  augendasve  scientias  singularem  et  eximiam  operam  con- 
ferre  possunt.  nitro  in  eum  ordinem  allicere  et  adsciscere  societas  instituit. 

Ceterum  diplomata  cooptationis  ad  singulos,  quorum  habebitur  ratio,  mittere 
ad  hoc  usque  tempus  societas  noluit  nee  potuit,  j^ropterea  quod  nondum  iis  uti 
ac  frui  opportunitatibus  potest,  quae  ad  conventus  solennes  celebrandos,  ad  asser- 
vanda  instrumenta,  ad  collocandam  bibliothecam  ceteramque  supellectilem  literariam, 
ad  colligenda  et  suo  quaeque  loco  disponenda  foecundae  et  ingeniosae  naturae 
miracula  et  exquisitas  nee  ubivis  obvias  delicias,  ad  officinam  denique  chimicam 
instituendam  necessariae  sunt  et  accommodatae.  Nam,  cujus  supra  mentionem  feci, 
turris  speculatoria,  etsi  aedificari  coepta  sit,  non  nisi  proximo  anno  pei'fici  poterit. 
Id  tamen  nunc  agit  societas,  ut  loco  publice  et  commodo,  in  quo  coetus  ac  con- 
ventus agi  interea  temporis  queant,  potiatur.  Quae  quum  ita  sint,  satius  esse  duxit 
societas,  dij)lomatum  ad  singulos  mittendorum  consilium  in  illud  tempus  differre, 
quo  ei  solutiora  et  expeditioi-a  omnia  futura  sunt,  id  quod  brevi  temporis  spatio 
adspirante  coeptis  divino  numine  fiet. 

De  tractatione  scientiarum  nuUi  adhuc  conventus  sunt  celebrati.  Sed  satis 
habet  consilium  societatis,  si  in  loco  privato  statis  tarnen  temporibus  conveniat, 
ut  de  iis  rebus .  quae  ad  informandam  ulterius  et  describendam  totius  collegii  formam 
ejusque  rationes,  dignitatem,  decus  et  commoda  constituenda  ac  novis  accessionibus 
augenda   pertinent   atque   requiruntur,    communi  consilio  agat  atque  adeo  universae 


228  ^"-    (I'EiBN'iz),  Epistola  ad  amicum  (Octoher  1700). 

societatis  statum  rite  prudenterque  ordinet  atque  componat.  Quibus  rebus 
peractis  fiet,  ut  missis  diplomatibus  nominatim  cooptentur  in  societatem,  quos 
illi  praesidio  et  ornamento  fore  confidit,  fietque  haud  dubie  consultationum  de  rebus 
literariis  et  sapientiae  studiis  instituendarum  publice  ac  solenni  ritu  initium.  crebrique, 
sed  statis  temporibus  babebuntur  conventus ,  ut,  quae  ex  praescripto  optimi  prin- 
cipis  ad  tarn  divinum  et  tarn  sakitare  institutum  feliciter  persequendum  spectant, 
j)erficiantur  deo  bene  juvante  et  sub  faustis  sapientissimi  principis  auspiciis  ad 
optatum   exituni  perducantur. 

Habes,  vir  nobilissime,  societatis,  uti  vocant,  scientiarum  Branden- 
burg] cae  rudi  penicillo  non  expressam,  sed  adumbratam  imaginem.  Tu,  quam 
hac  in  parte,  ut  tuae  vobmtati  parerem,  posui  operam,  quamvis  tenuem  et,  titi 
vides,  nullis  pigmentis  orationis  et  ornamentis  iUustrem  aequi  bonique  pro  tua  huma- 
nitate  consules.  Faxit  deus  immortalis,  ut  ista  pacis  bona  propria  nobis  sint  ac 
perpetua!  Quod  reliquum  est,  vota  mecum  lacias  rogo,  vir  nobillissime,  quae  me 
vel  non  scribente  facere  dies  noctesque  pro  tua  pietate  consuevisti,  ut  augustissimum 
principem  Fridericum  III..  patrem  patriae  et  evanescentium  artium  statorem  ac 
patronuni  quam  diutissime  salvum  et  incokunem  et  perpetuo  quodam  summae  felici- 
tatis  tenore  beatissimum  deus  opt.  max.  conservet  bono  jiubHco.  Vale,  vir  no])i- 
lissime ,  et  me ,  uti  facis ,  ama. 

[Es  folgt  die  lateinische  Übersetzung  des  Stiftungsbriefs.  In  dem  Abdruck  des  Briefs 
in  den  Acta  Eniditorum  sagt  der  Kedacteur,  der  Empfänger  des  Schreibens  sei  der  Dr.  Wittius, 
Geheimer  Rath  in  Halle;   den  Verfasser  nennt  auch  er  nicht.] 


58. 

(Vergl.  Geschiclite  der  Akademie  S.  105). 

Aus   der  B es ta llu  ngs Urkunde    für  den  Secretar  J.   Th.  Jablonski 

vom  6.  October  1700. 
[Coneept  im  Geh.  Staatsarchiv,  ein  zweites  Concept  im  Akademischen  Archiv.] 

Wir  Friederick   u.  s.  w. 

Tkun  kundt  und  fügen  kiermit  zu  wifsen .  dafs  Wir  Johann  Tkeodor  Jablonski 
Fürstl.  Sächfs.  Barbiseken  bifskei-igen  Gekeimten  Secretarium  nack  dem  Unfs  dessen 
Erudition,  gute  Qualitäten  und  Conduite  gerühmet  worden,  zum  Secretario  bey  der 
von  Uns  fundirten  Societate  Scientiarum  auf  gesckekenen  untertkänigsten  Vorscklag 
und  Praesentation  in  Gnaden  bestellt  kaben.  .  .  .  dafs  er  sick  nack  denen  von  Unfs 
der  Societät  ertheilten  Instructionen,  auch  jetzigen  oder  künftigen  Reglementen, 
verhalten,  zum  Besten  und  Flor  der  Wifsenschafften  mitarbeiten,  denen  Conventibus 
des  Consilii  Societatis  allezeit  beywohnen,  defsen  Deliberationen  auch  gut  finden 
und  Schlüsse  über  der  Societät  fernere  Einrichtung,  Angelegenheiten  und  Auf- 
nahme (bey  welchen  er  sein  Votum  mit  haben  soll)  in  ein  besonderes  ProtocoU, 
so  niemanden  als  den  Membris  Consilii  offen  stehen  soll,  verzeichnen,  dieselbe 
beobachten,  und  zum  Effect  bringen,  darneben  auch  bey  denen  Conventibus  Socie- 
tatis. wen  das  Consilium  nebst  denen  übrigen  Membris  über  die  Scientias  sick  ver- 
samlet.  die  Acta  und  Protocolla  so  allen  IMembris  communicabel  sein  sollen,  führen, 
und.  mit  dienlichen  Registern  versehen.  Nomine  Societatis  die  Correspondentz  mit 
dem  Praeside.  abwesenden  Membris,  oder  auch  anderen  auswertigen  Gelehrten  oder 
Societeten  und  Academiis  Scientiarum  oder  anderen  in  lateinischer,  deutscher, 
frantzösischer  oder  andere  ihm  bekandten  Sprachen,  es  sey  über  die  Scientias, 
oder  über  deren  Angelegenheiten,  unter  der  Societet  Apj^robation  übernehmen  und 
führen,  insonderheit  auch  unter  Direction  des  Consilii  Societatis  nebst  deren  Astro- 
nomis.  das  Calenderwesen  tleifsig  beobachten,  die  Einrichtung  aufs  bequehmste  und 


59.    Leibniz  und  Friedrich  II.  über  La  Croze.  121) 

vortlu'ilhaff'teste  verbersern,  und  was  deshalb  mit  Correspondentz  oder  sonst  zu 
tluui  erfordert  wird,  lleifsig  besorgen,  sonderlich  aber  je  mehr  und  mehr  auf  Ver- 
hütung des  hierunter  besorglichen  Unterschleiffs  bedacht  sein ,  die  zum  Unterhalt 
der  Societet  so  wohl  aus  dem  Calender- Verlag,  als  auch  sonsten  gewiedmeten 
Gelder  lleifsig  beytreiben,  einnehmen,  und  nicht  andei-st  als  auf  vorhergehende 
Approbation  des  Consilii  aufsgeben,  iiber  alles  accurate  Rechnung  führen,  den  Vor- 
raht  woll  zusammenhalten  und  verwahren,  in  der  Societet  Angelegenheiten  und 
Unternehmvmgen  alle  Sorgfalt  erweisen,  darin  concipiren,  dieselben  nöhtigen  Ohrten 
vorstellen,  sollicitiren  und  zur  Execution  zu  bringen  suchen,  die  Inventaria  und 
Catalogos  von  der  Societet  Suppellectile,  Instrunientali  et  Libraria  etc.  halten,  alles 
darin  richtig  und  ordentlich  verzeichnen ,  zu  Zeiten  nachsehen  und  auf  der  Con- 
servation  mit  Acht  haben,  was  deshalb  auch  sonsten  etwan  nöhtig  und  dienlich  sein 
möchte,  erinnern,  die  Diplomata  oder  Attestata  Receptionis  pro  Membris  Socie- 
tatis   unter  des  Praesidis    und  Consilii  Societatis  Revision    und    der    Societet    Siegel 

behörig  aufsfertigen 

Potsdam ,  den  6.  October  1 700. 

G.  von  Wartenberg. 

59. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie   S.  108). 

LEiBNizens    und   Friedrich's   des    Grossen   Urtheile    über   La  Crozk. 

[Hannov.  Bibliothek.] 

1.  Ein  Blatt,  von  LEiBNizens  Hand  geschrieben,  beigelegt  dem  Brief- 
wechsel zwischen  La  Croze  und  Leibniz  mit  der  Aufschrift:    "Decemb. 

1 7 09  « ,  über  La  Croze. 

Hr.  la  Crose  ist  ein  gelehrter  Franzofs,  so  sich  zu  Berlin  bey  der  Königl. 
Bibliothec  befindet  und  alda  nebenst  andern  Personen  titulum  Consiliarii  et  Biblio- 
thecarii  Regii  hat,  auch  inter  membra  Societatis  Regiae  gezehlet  wird. 

Er  ist  vor  diesen  in  dem  berühmten  Monasterio  S.  Germani  zu  Paris  unter 
denjenigen  Benedictinern  gewesen,  welche  an  denen  editionibus  Patrum  Graecorum 
et  Latinorum  und  verschiedenen  histoi'icis  laboribus  gearbeitet  und  daher  in  Graeca 
et  Latina  literatura,  Historia  sacra  et  civili,  auch  in  manuscriptis  et  diplomatibus 
sehr  wohl  erfahren,  hat  auch  zu  Berlin  (da  er  verheurathet)  das  Lob  eines  guthen 
Wandels.  Er  hat  nicht  nur  in  Historia  et  linguis  erudition,  sondern  auch  in  philosophia 
et  rudimentis  mathematicis  junge  Leute  unterwiesen,  und  ist  nicht  nur  der  gelehrten 
und  selbst  der  orientalischen,  sondern  auch  der  heutigen  [Sprachen]  wohl  kundig 
also,  dafs  er  Italienisch,  Spanisch  und  Englisch  verstehet,  wie  er  dann  auch  in  England 
eine  Zeitlang  sich  aufgehalten.  Er  hat  viel  junge  Edelleute  und  vornehmer  Leute 
Kinder  informiret,  und  weifs  ich,  dafs  man  mit  seiner  Information  zufrieden  gewesen. 

Er  hat  verschiedene  Schrifften  theils  unter,  theils  ohne  seinen  Namen  heraus- 
gegeben, die  seine  Erudition  zeigen  und  nicht  wenig  applaudiret  werden.  Sein 
lateinisches  Werk  gegen  des  P.  Hardouin  Paradoxa,  welcher  unter  dem  Vorwand 
der  Medaillen  die  veteres  scriptores  guthen  Theils  zweifelhaflft  machen  wollen,  hat 
die  Würkung  gehabt,  dafs  die  Superiores  den  Hardouinum  gezwungen,  wafs  er 
dielsfals  geschrieben,  zu  retractiren. 

2.  Friedrich's    des    Grossen    Urtheil    über   La  Croze    in    dem    Brief  an 

Voltaire  vom  Mai   [i.Juni?]    1739  (CEuvres  T.  21   p.  292). 
Nous  venons    de    perdre   riiomme  le  plus  savant  de  Berlin,    le  repertoire  de 
tous    les    savants    d'Allemagne,    un    vrai    magasin    de    sciences;    le    celebre    M.  de 
La  Croze   vient  d'etre  enterre  avec  une  vingtaine  de  langues  differentes ,    la  (juint- 
Geschichte  der  Akademie.    II.  9 


130  6f'-    Leibmz  über  die  Astroiiomin  M.Kirch. 

essence  de  toute  l'histoire ,  et  une  multitude  d'historiettes  dont  sa  memoire  prodi- 
gieuse  n'avait  laisse  echapper  aucune  circonstance.  Falloit-il  tant  etudier  pour 
mourir  au  bout  de  quatre  -  vingts  ans.^  ou  plutot  ne  devait-il  point  vivre  eter- 
nellement  pour  recompense  de  ses  belies  etudes? 

Les  ouvrages  qui  nous  restent  de  ce  savant  prodigieux  ne  le  fönt  pas  assez 
connaitre,  a  mon  avis.  L'endroit  par  lequel  M.  de  La  Croze  brilloit  le  plus,  c'etait, 
Sans  contredit,  sa  memoire;  il  en  donnoit  des  preuves  sur  tous  les  sujets,  et  l'on 
pouvait  compter  qu'en  l'interrogeant  sur  quelque  objet  qu'on  voulüt,  il  etait  present, 
et  vous  citoit  les  editions  et  les  pages  oü  vous  trouviez  tout  ce  que  vous  souhaitiez 
d'apprendre.  Les  infirmites  de  Viige  n'ont  diminue  en  rien  les  talents  extraordi- 
naires  de  sa  memoire,  et  jusqu'au  dei'nier  moment  de  sa  vie,  il  a  fait  amas  de 
tresors  d'erudition,  que  sa  mort  vient  d'enibuir  pour  jamais  avec  une  connoissance 
parfaite  de  tous  les  systemes  philosophicjues,  qui  embrassoit  egalement  les  points 
pi'incipaux  des  opinions  jusqu'aux  moindres  minuties. 

M.  de  La  Croze  etait  assez  mauvais  philosophe,  il  suivoit  le  Systeme  de 
Des  Cai'tes,  dans  lequel  on  TaAait  eleve,  probablement  par  prevention  et  pour  ne 
point  perdre  la  coutume  qu'il  avoit  contractee,  depuis  une  septantaine  d'annees, 
d'etre  de  ce  sentiment.  Le  jugement,  la  peneti'ation ,  et  un  certain  feu  d'esprit 
qui  caracterise  si  bien  les  esprits  originaux  et  les  genies  superieui'S,  n'etoient  point 
du  ressort  de  M.  de  La  Croze;  en  revanche,  une  probite  egale  en  toutes  ses  fortunes 
le  rendait  respectable  et  digne  de  l'estime  des  honnetes  gens. 

Plaignez-nous,  mon  eher  Voltaire;  nous  perdons  de  grands  hommes,  et  nous 
n'en  voyons  pas  renaitre.  11  parait  que  les  savants  et  les  orangers  sont  de  ces 
plantes,  qu'il  faut  transplan te  dans  ce  pays,  mais  que  notre  terrain  ingrat  est 
incapable  de  reproduii'e,  lorsque  les  rayons  arides  du  soleil  ou  les  gelees  violentes 
des  hivers  les  ont  une  fois  fait  secher. 


60. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  115). 

Leibniz,    Urtheil    über    die   Astronomin    M.  Kirch. 
[Aus  dem  Brief  an  die  Kurfürstin  Sophie  aus  Berlin,  geschrieben  im  Januar  1709,  gedruckt 
bei  Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     9.  Bd.  S.  294fF. ;  der  Brief  war  vielleicht  dazu  bestimmt, 

dem  Könige  vorgelegt  zu  werden.] 

.  .  .  J'ay  eu  honneur  icy  de  faire  la  reverence  ä  la  Reine  (die  dritte  Gemahlin 
Friedrich's  L)  qui  m"a  temoigne  de  la  bonte  sur  ce  que  Madame  la  princesse  Royale 
luy  a  dit  d'avantageux  a  mon  egard.  Sa  Majeste  temoigne  de  la  curiosite.  II  y  a 
icy  une  femme  des  plus  savantes,  qui  peut  passer  pour  une  rarete,  qui  ne  Fest  pas 
dans  les  belles  lettres  et  dans  les  lettres  galantes,  mais  dans  les  doctrines  les  plus 
profondes,  c'est  ä  dire  dans  l'Astronomie  et  tout  ce  qui  en  depend,  en  soi'te  qu'elle 
peut  passer  pour  une  des  meilleures  raretes  de  Berlin.  La  Reine  m'a  donne  la  per- 
mission  de  la  luy  presenter,  ce  que  je  feroy  aussitot  que  la  commodite  de  sa  Maj. 
le  permettra.  Je  ne  crois  pas  que  cette  femme  trouve  facilement  sa  pareille  dans 
la  science  oü  eile  excelle.  Elle  est  pour  le  Systeme  de  Copernic,  c'est  ä  dire  pour 
le  repos  du  soleil,  comme  sont  tous  les  savans  Astronomes  du  temps,  et  il  y  a 
plaisir  ä  l'entendre  defendre  ce  Systeme,  meine  par  la  sainte  ecriture,  dans  la  lecture 
de  lacpielle  eile  est  bien  versee  aussi.  Elle  observe  comme  pourroit  faire  le  meilleur 
observateur,  et  sait  gouverner  a  merveille  les  quarts  de  nonante,  et  les  grandes 
lunettes  d'approche.  Les  Satellites  de  Jupiter  qu'on  ne  voit  que  par  ce  moyen ,  fönt 
un   de   ses   divertissements   ordinaires   par   leurs   variations.     Et   si   Mr.  de  Crosick 


61.    Gratulation  der  Societät  zur  Auualinic  der  Königskrone.  131 

l'ax'oit  pü  envoyer  au  Cap  de  la  Bonne  Esperance,  comnie  roliservateur  ä  gage 
qu'il  y  tient,  noiis  en  aui'ions  receu  de  bien  meilleures  nouvelles.  Elle  va  souvent 
la  nuit  a  nostre  observatoire,  et  sa  reputation  est  si  bien  etablie  que  personne  n'y 
trouve  h  dire. 

Voilä  mes  nouvelles  de  Berlin,  Madame. 


61. 

(Vcr^l.  Geschichte  rlcr  Akademie  S.  119). 

Societatis    Scientiarum    Berolinensis 

ad 

Fridericiim  I   regem    novum    e    Prussia    reducem    gratulatio 

(vom    Jahre    1701,    nicht   datirt). 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     10.  Bd.  S.  338  ff.] 

Friderice,  novum  decus  Regibus  addite.  ex  condito  a  Te  regno  reducem 
salutat  veneraturqne  Regem  Societas  Scientiarum  Tua,  per  Te  Regia,  et  rebus 
pulcherrime  gestis  applaudit.  Neque  enim  in  gaudio  publico,  in  gratulatione 
communi,  in  triumphali  ingressu  Tuo  silere  nos  fas  est;  et  quis  nuitam  ferret  Socie- 
tatem,  quam  fundasti  ipse,  quam  protegis,  quam  ornas,  quae  vocales  etiam  alios 
in  laudes  Tuas  facere  debet,  cum  admoneant  nos  radii  ipsi  Majestatis  Tuae ,  qui 
retlexione  perveniunt  ad  nostram  usque  mediocritatem.  Tu  Prutenorum  gloriam 
coelo  attollis,  Regio  diademate  dato.  Societas  Tua,  Tuis  ausjjiciis  prutenica  orbis 
coelestis  studia  benefica  continuatura  est  in  humanuni  genus;  neque  enim  ante 
Prutenuni  Astronomum  se  norat  orbis.     Per  Te  Aquila  Tua  in  Summum  evecta 

cognata  ad  sidera  surglt. 

Tuo  numei'e  nostra  facta  est,  transiitque  a  Tuis  laudibiis  in  symbolum  socie- 
tatis. Tibi  per  Te  coelum,  societati  per  Tuam  benignitatem  favet.  Tu  serenitatem 
Tuam  altissime  emicantem  in  omnes  diffundis;  Tu  serenos  populis,  serenos  obser- 
vatorio  nostro  dies  paras.  Tu,  cum  anno  abhinc  de  solis  illis  doctrinis  cogitaremus, 
quibus  natura  patet,  proprio  judicii  Tui  motu  etiam  hominem,  etiam  Germanum 
nosci  voluisti,  quando  rerum  ab  hominibus  gestarum,  Gennanicaeque  dignitatis  et 
lingUce  rationem  a  nobis  haberi  jussisti.  Scilicet  voluisti  Germanife  beneficium  dare 
et  majoribus  Tuis,  sed  nimc  Rex  iactus  ad  cumulum  perduxisti  majorum  dignitatem, 
et  quantum  eos  magnitudine  vicisti,  tantum  illis,  tantum  Germanice  novi  splendoris 
adjecisti.  Tibi  faciendi  res  magnas ,  nobis  celebrandi  provincia  data  est,  quam 
utinam  possemus  obire  pro  dignitate  Tua !  Quod  Germanici  decoris  causa  prte- 
scribebas  princeps  Elector  Germanici  imperii,  non  retractas  nunc  Prutenorimi  Tuorum 
Rex,  quorum  constat  bonam  partem  esse  Germanam.  Nos  tamen  cogitantes,  quam 
sint  multarum  nationum  ditiones  Tuse,  seu  vetera  seu  nostra  tempora  spectemus, 
et  (piantum  restet  ex  antiqua  varietate,  ea  nunc  lingua  alloquimur  novum  Regem, 
qme  per  omnes  gentes  Tibi  summissas  patet.  Imperas  ubi  Guttones  sive  Gothi, 
ubi  Vandali,  ubi  Biu'gundiones ,  ubiSarmata?,  ubi  Estii,  aliique  multiplices  Germani 
et  Scythse  egerunt  aut  hajserunt.  In  Tuo  itur  a  Rheno  ad  Memelam ,  inde  a  Belgis 
usque  ad  Roxolanos;  in  Tuo  sedibus  suis  distinguunt  Geographi  Francos  et  Sicam- 
bros,  Bructeros  et  Chamavos  et  Angrivarios,  Chaucos  quoque,  Cheruscos  et  Longo- 
bardos,  tum  Suevos,  mobilissimosque  Suevorum  Semnonas,  id  est  Marchicos  Tuos 
et  Duringos,  et  varios  porro  populos  ad  Suevicum  usque  mare.  In  Tuo  Germanis, 
qui  novas  sedes  qusesierant,  Slavonicse  gentes  Wilzi  et  Lutitii  et  Sorabi  aliique 
successere,  quos  Marchiones  Aquilonares,  antecessores  Tui,  j^rimum  imperio,  mox 
cultu,  postremo  sermone  Germanos  fecere.     Supersunt  apud  Te  in  media  Germania 

9* 


132  61-    Gratulation  der  Societät  zur  Annahme  der  Königskrone. 

niagnae  reliquise  Vendicse  nationis  et  benignitate  Tua  diu  superstites  erunt.  Cur 
enim  exscindas  magnitudinis  Tu?e  documenta,  et  decorani  semper  iiiiperantibus 
linguaruiu  varietatem  ? 

Sed  longe  ultra  Teutonicos  fines  sceptra  Majestatis  Tuse  porriguntur.  Vidiinus 
esse,  qui  Sarmatis  idem  a  Te  beneficium  dari  peterent,  quod  apud  societateni 
nostram  Germanicse  linguae  dabas;  quibus  si  annues,  mox  etiam  habebis  supplices 
Lettos  et  varias  alias  Scythici  generis  reliquias,  quaruni  reconditis  anti([uitatibus 
curiositas  Tua  lucem  spondet. 

Sed  non  sola  hsee  simul  Tuse  Glorise  et  diligentise  nostrse  mateiiam  prcebent. 
Habes,  Rex  Magne,  sub  imperio  naturse  varietatem,  cjuam  nos  inspicere  jubes. 
Eodem  tempore  tria  anni  tempora  ostendere  possunt  ditiones  Tu?e.  A])ud  Te  (juam 
variat  Magnesi*  Quantum  Elementa,  quam  plantae?  Rara  alibi  animalia,  Alcein 
physicorum  admirandis  narrationibus  inclytum,  et  Urum  vel  leoni  terribilem  Tua 
Prussia  emittit.  Electri  Tbesauros  apud  Te  unum  et  velut  sub  solio  Tuo  recondidit 
Supremus  rei'um  parens,  et  Regnum  Tuum  divina  (^uadam  nota  insignivit.  Quod 
si,  ut  (juidem  eruditi  volunt.  Italia  vitulorum,  Gallia  lactis,  Britannia  staniii  regionem 
significat,  Tuam  Prussiam  sapientes  nominum  conditores  a  pulcherrimo  iiaturse 
mimere  Electram  merito  ajjpellarent.  Ab  omni  memoria  nibil  totus  septentrio  liabuit 
illustrius.  Adhuc  Germania,  Gallia  et  Italia  sub  Cinuneriis  tenebris  latel)ant,  nondum 
Historia.  nondum  Geograpbia  in  Gentibus  natse  ei'ant,  cum  Venetise  Tuse,  Tuus 
Eridanus  poetarum  fabulis  celebrai'entur,  et  Pliaetonta,  id  est  solem  tanquani  in 
Tuo  inari  mersum  pretios;e  electri  lacryma?  bonorai-ent.  Nempe  Eridanus  non  unius 
tluvii  sed  appellativmn  nomen  erat,  ut  Albis,  et  diversa?  regiones  maritimae  atque 
palustres  in  Italia,  ubi  nunc  Veneti,  in  Celtis  ubi  Vannes,  in  Prussia  denique 
Venidis,  sermone  celto-scythico  latissime  per  gentes  fuso,  VeneticC  dicebantur, 
unde  \'eenen  in  Batavis  nunc  quofjue  restant.  Electro  etiam  Gothos ,  Prussife  Tufe 
assertos  debes  per  magnum  peregrinatorem  Massiliensem  Pytheam,  cum  inirabilis 
gemmpe  Tuai  cunabula,  id  est,  ut  res  loquitur,  Prussiam  aperiret,  ex  vero.  Nam 
viri  diligentiam  suis  temporibus  spretam  sera  posteritas  vindicavit,  comperto  nuper 
Regia?  Galliarum  Academiaj  observationibus .  quam  ille  fidus  fuerit  coeli  terraeque 
spectator.  Nunc  (luocjue  extremi  hominum  Sinse  Tibi  pa^ne  uni,  Rex,  beneficium 
imputant,  nihil  prope  aliud  quam  succinum  alteri  cuicuntjue  nationi  invidentes. 
Tanta  illis  rerum  abundantia  est,  tanta  festimatio  regni  Tui,  quod  unam  rem  habet, 
quam  totus  orbis  expetat.  Est  enim  in  Electro  non  pulchritudo  tantum  spectabilis, 
sed  et  immortalis  immarcescibilitas  tumulati  animalis  omni  pyramide  nobilior,  ipiibus 
addas  merito  eftluvia  attractoi-ia?  virtutis  et  saluberrimum  odorem  incensi  et  siunmam 
in  genus  nervosum  efficaciam,  quaeque  alia  in  ambra  Tua  laudantur,  quam  constat 
aliquando  in  eodem  i'ragmine  cum  altera  illa  pretiose  fragrante  repertani,  ut  cognatas 
intelligamus. 

Itaque  feracem  admiraljilium  regionem  et,  quod  paucissimis  da  tum,  singulari 
quodam  beneficio  ab  aliis  omnibus  discriminatam.  et,  ut  sie  dicam,  digito  divino 
designatam,  non  decebat  diutius  Regia  dignitate  carere.  quam  olim  habuisse  me- 
moratur.  Conspirante  natura  fortunaque  decus  ipsi  redditum  est,  et  qua?  utramqiie 
gubernat  Providentia,  Friderici  gloriam  expectavit.  Quanquam  enim  Prussia  sit  minor 
potentias  Tuee  pars,  tarnen  absoluti  imperii  compos ,  Tibi  jus  honoris  sui  fecit.  Nam 
et  beneficiarii  alienae  potestatis  pirincipes  fieri  Reges  possunt,  sed  Reges  se  facere  non 
possunt.  Nee  tamen  omnium  libere  populos  gubernantium  par  autoritas  dignitasque 
e^st.  Neque  si  caetera  adsint.  cujusvis  est  principis,  uti  fatis  et  prudentia  objectas 
difficultates  tlectere  in  decus  suum.  itaque  in  cum  nunc  locum  devenit  oratio,  in  cjuo 
non  amplius  regionis  Tuae,    sed  regnantis,    sed  Tua.    Rex  Friderice.  laus  spectatur. 

Enmt  fortasse,  qui  orationis  nostrae  matei'iam  eousc^ue  pori'igi  debere  nega- 
bunt;    coHcedent   nobis    spectare  atque  etiam    augere  Astra  Brandeburgica,    lustrare 


61.    Gratulation  der  Societät  zur  Annahme  der  Königskrone.  188 

terms  et  Tuns  in  illis  pulclierrinias  structuras  artiunique  nobis  proprius  addietaruui 
ornainenta.  tum  et  naturJB  opera .  plantas  animaliacpie  mirari;  describere  gentes, 
investigare  atqiie  ornare  gentium  linguas .  eruere  antitjuitates  reconditas  et  quicquid 
interiora  ReipublicJE  non  tangit.  Sed  recentia  acta,  sed  proprie  Tua,  id  est  Tua 
arcana  consilia.  Tua  Sapientissima  molimina  rimari.  noscere.  proferre,  ad  quemvis 
potius  alium  pei'tinere  judicabunt.  Nos  vero  uti  al)strusa  et  in  futurum  porrecta 
cogitata  Tua  de  rerum  summa  vel  scire  vel  dicere.  non  a  nobis  tantum,  sed  et 
plerisque  omnibus  aliis  alienum  esse  fatemur,  cum  in  Tua  altissima  mente  nasci  et 
in  paucorum  selectissimorum  adjutorum  aut  executorum  conscientiam  pervenire 
constet.  ita  nunc  perfectis  Tuis  operibus  non  videmus,  quae  imponi  coronis  possit 
nielior  publico  plausu,  neque  cuiquam  alteri  plus  juris  quam  nobis,  quorum  po- 
tissima  cura  esse  debet  coUigere  et  conservare  glorise  TucE  monumenta,  concedimus 
in  Te  laudando.  A  Batavis,  a  Britannis,  ab  Italis  Tibi  veniunt  oratores,  qui  Tuas 
regnandi  virtutes  attingere  jus  fasque  putant:  nobis  propriis  Tuis  interdictum  erit 
scilicet  tam  uberi  et  florido  campo!  Hoc  vero  nee  Tu  ipse  siveris,  qui  scis 
Tinus  omnium  optime  tribuere  Sinon  cuique.  Nee  deterremur,  quod  inferior  rebus 
nostra  oratio  est.  cum  eloquentissimi  cujusque  oporteat  paene  eandem  esse  quam 
mediocris  oratoris  distantiam  a  Tua  sublimitate.  Nee  vero  per  omne  virtutum 
Tuarum  genus  ire  hujus  loci  est;  neque  enim  panegyricum,  sed  gratulationem 
damiis.  Sapientiam  tarnen  Tuam  celebrare  nunc  par  est  in  destinando  Til)i  asserendo- 
que  regno. 

Obscurus  olim  gliscebat  rumor  (ut  solet  nonnihil  propheticum  esse  in  fama) 
pai'turiie  aliquid  ingens  Prussiam,  et  Regem  exiturum  ex  Regio -monte.  Fuit  omen 
in  ipsa  nativitate  Tua,  in  lila  regione  atque  arce,  cui  nascendo  non  tantum  scejitrum 
gentilitium ,  sed  et  novam  coronam  afferebas,  quanquam  occultam  adhuc  in  abdito 
futuri.  Prussiam  enim  licet  a  clientelari  jure  liberatam,  quam  Ducalem  constanter 
appellabant  homines,  quis  sperasset  aliquando  Regiam  majore  quam  alterius  jure, 
id  est  per  se,  fore?  Tanta  scilicet  nominum  i-erumque  conversio  Tuse  magnitudini 
servabatur.  Nam  Magnus  licet  per  alia  Genitor  Tuus,  perpetuis  exercitus  bellis 
velut  alter  David,  non  Domini  tantum  fedem,  id  est  pacatani  Ecclesiam.  sed  et 
Regiam  vere  domum.  materia  comportata.  Tibi  tanquam  Salomoni  ad  Superos 
migrans  extruendam  reliquit,  Regiam  scilicet  non  saxeam  (quanquam  hoc  quo- 
que  multiplici  splendore  majores  superasti),  non  ruinis  aut  incendiis  obnoxiani, 
sed  in  perpetuo  Gentis  Tuse  jure  atque  honore  positam,  in  animis  hominum  in- 
delebili  charactere  impressam;  quanquam  Te  quoque  vix  sceptra  capessentem  vehe- 
mentissimus  turbo  invasit,  ut  nisi  magnitudine  animi  supra  casus  fuisses.  posses 
videri  regre  vetera  tuiturus;  tantum  aberat,  ut  novus  a  Te  splendor  exigeretur. 
Sed  aliter  coelo  Tibique  ratio  constabat.  Ecclesia  protestantiuni  in  extremo  erat 
periculo,  magna  Germania?  pars  jugum  extraneum  subierat  et  apud  ipsos  Anglos. 
unde  defensor  fidel  sperari  debuerat,  oppressio  metuebatur.  Wilhelmum  nunc  in- 
clvtum  Regem  ad  salutem  regni  cui  debebatur  tutandam  excitabant  occulti  popu- 
läres, et  efficacior  omni  hortatu  propria  generositas.  Ille  omnia  circumspiciens, 
Tua  primum  o})e  sese  in  spem  erexit.  In  Minda  Tua  Te  maxime  annitente  secutus 
est  congressus,  ascitis  in  foedus  colloquiumque  generosls  e  vicinia  principibus.  In 
Tuo  fabricatum  est 

Fahnen ,  qnod  scevos  compescuit  iynihus  iynes. 

Tum  prinnun  Europa  respirare  visa  est  et  sese  a  terrore  collegit.  Post  longuni 
et  difficile  bellum,  cujus  magna  pars  fuisti,  post  socios  per  Germaniam.  Belgium, 
Italiam  sustentatos ,  servatos ,  restitutos .  pax  facta  tolerabilior  quam  initio  belli 
sperabatur.  Poterat  haberi  melior  et  firmior,  si  sociis  ubique  eadem  quse  Tibi  mens 
fuisset;  sed  obsecundandum  fuit  aliam  rerum  seriem  parantibus  fatis.  Tihi  et  con- 
scientia    officii    pi'obe   curati  tranquillitatem  et  rerum  prteclare  gestarum  magnitudo 


]^34  '^2-    Formeln  des  Societätsdiploms. 

e;loriam  dabat;  ita  parta  quiete,  quae  jam  inter  tiirbas  provide  agitaveras  consilia 
de  amplificanda  Fainiliae  Tute  dignitate,  paiilatim  in  rem  conferre  coepisti. 

Cum  primum  qusestio  inter  Tuos  in  arcano  proposita  est,  an  conveniret  ad 
Renium  fastigium  niti,  viri  prudentissimi  et  fidelissimi  multa  considerabant,  plurima 
ipse  expendebas.  Dicamne,  quod  mirum  multis  videbitur?  Sed  dicam  tarnen,  quia 
paucis  in  aula  Tua  ignoratur,  plus  Tibi  Tecum,  ut  ita  loquar,  certandum  fuisse, 
an  Rex  esse  velles ,  quam  cum  aliis  ut  habereris.  Scilicet  in  re  ancipiti  proprius 
sapientise  judicatur,  sustinere  assensum,  temeritatis  promtitudo  damnatur.  Sed  tunc 
quoque  quod  ssepe  alias  apparnit,  esse  j)rincipum  animis  lumen  aliquod  coelitus 
datum,  cujus  ductu  inter  incerta  rerum  feliciter  reguntur. 

Prteterea  pi'inceps  sapiens  summam  rerum  optime  perspicit;  alii  quantum- 
cunque  prajstantes  interdum  inter  negotia  inersi  non  Peque  animos  attollere  possunt. 
Denique  aliter  cogitat  consiliarius,  etsi  Parmenio  sit  experientia,  Hephsestio  fideli- 
tate;  aliter  Alexander. 

Nee  Majestati  Tuae  defuit  sapientissimorum  virorum,  quibus  utereris,  pra?- 
clara  opera,  ut  pulcherrime  procederent  destinata;  nee  quisquam  amplius  deliberavit, 
ex  (pio  declarasti,  ita  a  Te  provisum  esse,  ut  neque  salutai-is  doctrinae  periculo, 
neque  ditionum  jactnra,  neque  gravi  opum  detrimento  Regium  nomen  obtineretur. 
Porro  magnis  argumentis  constitutum  est,  jn-incipem  ab  omni  nexu  liberum  et  ])0- 
tentia  insignem  posse  sibi  imponere  diadema.  Quid  enim  aliud  est  qui  Rex  habetur 
quam  princeps,  cujus  magnitudinem  publici  honoris  solemnis  confessio  gradu  illo 
dignam  declarat,  quem  consuetudo  nomini  Dignitatis  annectit?  Itaque  ubi  adest 
magnitudo,  gradus  debetur.  Possessio  quidem  primarii  juris,  unde  caetera  pro- 
tluunt,  domi  initur.  Quae  vero  consequuntur,  concedere  requum  est  alios  rerum 
potentes.  Est  enim  merae  facultatis,  si  vim  nominis  liabeas,  induere  dignitatem, 
simile  juri  altius  tollendi  aedes.  Qualis  potestas,  uti  docuere  juris  gentium  con- 
sulti,  ipso  jure  possidetur,  ut  adeo  nunquam  ei  praescribatur.  Est  et  hinc  irre- 
fragabile  documentum,  quod  constat,  novum  Regnum  posse  inconsultis  aliis  ex  Re- 
publica  nasci.  Quis  enim  unquam  dubitavit,  populum  liberum  et  potentem  posse 
Regem  sibi  imponere,  quem  vicini  agnoscant?  Ipsum  autem  Dominum  jura  Rei- 
publicae  habere,  quis  neget? 

Sed  neque  exempla  desunt  principum ,  qui  sese  ipsi  Reges  appellavere.  Ut 
Bi-itannos  praetereamus ,  a  Romanis  derelictos,  qui  sive  Constantinum,  sive  Artui-um, 
sive  alios  Reges  habuisse  scribuntur;  ut  Bosones  Rudolphosque,  Arelatenses  Bur- 
gundosque,  ut  Boleslaos  aliosque  Polonos  mittamus ,  quibus  multa  cum  imperatoribus 
contentio  fuit,  quam  tandem  pro  Regibus  fortuna  decidit.  Certe  Pelagium  et  (pios- 
dam  alios  regnorum  non  valde  amplorum  in  Hispania  conditores  nulla  dubitatio 
exercuit,  nullius  suffragiiun  juvit.  Et  Rogerius  Normannus,  qui  Saracenos  et  Graecos 
Sicilia  Calabriaque  pepulerat.  suo  jui-e  in  purpuram  venit.  Denique  ut  alios  prae- 
tereamus, Henricum  VlII.  Hibernife  Regis  appellationem  sua  autoritate  sumsisse 
constat.  Nam  quod  quidam  objiciunt,  neminem  dare  posse,  quod  non  habet,  jierinde 
est  ac  si  negarent,  quemquam  posse  autodidactum  esse,  aut  per  se  fieri  sapientem, 
divitem,  fortunatum.  Quis  enim  dubitat,  per  se  aliquid  eximium  consequi,  idem  esse 
ac  uni  Deo  debere,  et  Te,  Rex,  cum  novum  diadema  sumeres,  a  Deo  ipso  fuisse 
coronatum  ? 

62. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akailemie  S.  120). 

Formeln    des    Societätsdiploms. 
Die  Formeln  A  und  B  finden  sich  in  IvAPPens  Sammlung  S.  301  ff",  als  Beilage  zu  einem 
Brief  von  Leibniz   an    den  Secretar;    die  Formel  A    ist   von    diesem   entworfen   und   von  der 
Societät   gebilligt;    die    Formel    B    ist    der   von    Leikniz    abgeänderte    Entwurf   nebst    einigen 


62.    Formeln  des  Societätsdiploms.  1  3  5 

erklärenden  Bemerkungen  von  ihm.  C  ist  das  im  Akademischen  Archiv  (III,  2)  aufbewahrte 
Diplom  lür  Ch.  Ancillon  imd  zeigt,  wie  die  Ausfertigung  wirklich  erfolgt  ist.  D  endlich  ist 
das  in  dem  LEiBNiz'sclien  Briefwechsel  zu  Hannover  sich  befindende  lateinische  Originaldiplom 
für  den  Pariser  Mathematiker  de  Vaeignon,  welches  aus  irgend  welchem  Grunde  nicht  ab- 
geschickt worden  ist. 

A. 

Wir  Praeses  und  Concilium  der  Köiiigi.  Preufsischen  und  Churfürstl.  Branden- 
burgischen Societät  der  Wissenschafften  thun  kund  hiermit,  dafs  in  Krafft  der  Uns 
allergnädigst  verliehenen  Volhiiacht  und  Instruction  Wir  N.  N.  um  seiner  Uns 
gerüluiiten  (und  durch  öffentliche  Proben  vorhin  kundbaren)  [Anm.:  Diese  Klausel 
köute  eingerücket  w^erden  bey  denen,  so  durch  Schrifften  sich  bekannt  gemacht] 
vortrefflichen  Gaben,  Verstandes,  Gelehrsamkeit,  vornehmlich  aber  um  der  besondern 
in  denen  mathematischen 

(also     auch    medicinischen,     chymischen     und     der    Natur    verboi'gener 
Eigenschafften. 

item  zu  gründlicher  Erkentnifs  und  \'erbesserung  der  teutschen  Ge- 
schichte und  Sprache  gehörigen) 
Wissenschafften  erlangten  ungemeinen  Erfahrung  willen  und  bezeugter  Begierde, 
dieselben  zu  mehrerer  Vollkommenheit  zu  bringen,  darinnen  Er  hoffentlich  beständig 
weiter  fortzufahi-en  nicht  ermangeln  wird,  zum  [Mitglied  hochbesagter  Societät 
erwehlet  und  aufgenommen;  thun  auch  solches  hiemit  dergestalt,  dafs  Er  als  ein 
Glied  derselben  derer  Ihm  difsfals  obliegenden  Functionen  sowohl,  als  zustehenden 
Ehren,  Wiu'den  und  Vorrechte  von  nun  an  fähig  und  theilhafftig  seyn  solle  und 
möge;    allermassen  Er   derselben  Krafft  dieses  fähig  und  theilhafftig  gemacht  wird, 

wie   solches   in  Unser  Versammlung  am beschlossen  und  den  Actis  Concilii 

einverleibt  worden. 

Urkundlich    unter    dem    ]  ..,,.,       ,    Societäts-Insiegel  gegeben  zu  Berlin 

(  gewöhnlichen  \  »      &  o 

in  Unser  ordentlichen  Versammlung  d 

(L.  S.)  Subsci-.  Secretarii. 

B. 

Wir  Praeses  und  Concilium  der  Königl.  Preufsischen  und  Churf.  Brandenb. 
Societät  der  Wissenschafften  Urkunden  hiermit,  dafs  in  Krafft  der  Uns  allergnädigst 
verliehenen  Vollmacht  und  Instruction  Wir  N.  N.  wegen  seiner  Uns  angerühmten 
ohngemeinen  Gaben,  Verstandes  imd  (durch  öffentliche  Proben  vorhin  kundbaren) 
Gelehrsamkeit,  vornehmlicli  aber  sonderbarer  Erkänntnifs  der  Mathematik  luid 
Kunstwercke  (nmtatis  mutaudis  et  salva  amplificatione) ,  der  Eigenschafften  und 
Geheimnisse  der  Natur,  der  Historie  und  zur  Zierde  gereichenden  Studien,  und 
darunter  sonderlich  der  teutschen  Geschichte  und  Sprachverfassung,  auch  wegen 
bezeigter  verhoffentlicli  beständigen  Begierde,  dieselben  zu  mehrer  Vollkommenheit 
zu  bringen,  zum  Mitglied  Unser  Societät  erwehlet  und  aufgenommen.  Thun  auch 
solches  hiemit  dergestalt,  dafs  ei'  als  ein  Glied  derselbigen  der  diefsfals  zukommenden 
Functionen  sowohl,  als  Ehren,  Würden  und  Vorrechte  von  nun  an  fähig  und  theil- 
haftig  sej'u  solle  und  möge,  wie  solches  in  Unser  Versammlung  beschlossen  und 
den  Actis  Concilii  einverleibet  worden.  Urkundlich  unter  dem  gewöhnlichen  So- 
cietäts-Insigel  gegeben  zu  Berlin. 

(L.  S.)  Subscr.  Secretarii. 

Bemerkungen  zu  Vorstehendem  von  Leibniz. 
Ich    habe    die   Freyheit    genommen,    einige   Kleinigkeiten    ohnmasgeblich    zu 
ändern,  so  dem  hoclilöbl.  Concilio  sul)mittire.    Halie  anstatt  hochbesagter  Societät 


136  62.    Formeln  des  Societätsdiploms. 

bessei'  gehalten  schlecht  zu  setzen  Unser  Societät.  Damit  sonderlich  Auswärtige 
sich  nicht  etwa  formalisiren ,  als  wenn  man  ihnen  Lectiones  gebe,  beständig  zu 
continuiren  und  einige  Onera  oder  Functiones  aufbürden  wolle,  habe  ich  die  Ex- 
hortationem  zur  Beständigkeit  lieber  indirecte  insinuiren,  als  deutlich  vorbringen, 
auch  be}'  den  Functionen  und  Rechten  fähig  und  th  eilh äfft  zugleich  setzen 
wollen,,  um  dem  Verstände  eine  gcAvisse  Latitudinem  zu  lassen. 


c. 

Wir  Praeses  und  Concilium  der  von  8.  K.  M.  in  Preufsen,  Unserm  AUer- 
gnädigsten  Herrn  gestiffteten  Brandenburgischen  Societät  der  Wifsenschafften ,  uhr- 
kunden  hiemit,  dafs  in  Kraft't  der  Uns  Allei'gnädigst  verliehenen  Macht  und  In- 
struction Wir  den  Wohledlen  Vesten  und  Rechtswohlgelahrten ,  Herrn  Charles 
Ancillon,  S.  K.  M.  in  Preufsen  Legations  Ratli  und  Richter  des  Ober  Gerichts  der 
Frantzösischen  Nation,  wiegen  seiner  sonderbahren  Gaben,  Verstandes,  und  für- 
nehmlich  in  der  Historie,  Antiquität  und  mehr  andern  berühmten  Wifsenschaften, 
auch  bezeigter  verhoffentlich  beständigen  Begierde  dieselben  zu  mehrer  V^ollkonnnen- 
heit  zu  bringen  zum  Mitglied  unser  Societät  erwehlet  imd  aufgenommen;  thun 
auch  solches  hiemit  dergestalt,  dafs  er  als  ein  Glied  derselbigen  der  disfalls  Ihm 
zukommenden  Functionen  so  wohl  als  Ehren,  Würden  und  \'orrechte  von  nun  an 
fähig  und  theilhafftig  seyn  solle  und  möge;  Wie  solches  in  Unser  Versamlung  be- 
schlofsen  und  den  Actis  Concilii  einverleibet  worden.  Uhrkundlich  unter  dem  ge- 
wöhnlichen der  Societät  Insiegel,  gegeben  zu  Berlin  den   ii.  Julii   1701. 

NB:  In  die  Diplome  wird  event.  auch  gesetzt: 

"N.  N.  wegen  seinei-  uns  angerühmten  ohngemeinen  Gaben,  Verstandes  und 
durch  öffentliche  Proben  vorhin  kundbahren  Gelahrsamkeit,  vornehmlich  aber 
sonderbahrer  Erkäntnifs  der  Mathematick  und  Kunst -Werke,  [der  Eigenschaften 
und  Geheimnifse  der  Natur,  der  Histori  und  zur  Zierde  gereichenden  Studien  und 
darunter  sonderlich  der  teutschen  Geschichte  vmd  Sprach  Verfassung]." 


D. 

Praeses ,  Propraeses  et  Directores  fundatae  Berolini  a  Serenissimo  Poten- 
tissimoque  Borussiae  Rege  Societatis  Scientiarum  notum  testatumque  facimus: 
Quam  in  Orbe  erudito,  editis  illustribus  singularis  eruditionis  perspicacis  ingenii  et 
eximiae  praesertim  Mathematicarum  et  Mechanicai'um  rerum  cognitionis  publice 
documentis,  famam  sibi  comparavit  admodum  Reverendus  Dominus  Abbas  Varignon, 
Regiae  Academiae  Scientiarum  Parisinae  Academicus,  tantum  apud  nos  valuisse,  ut 
Ejus  propensam  accessionem  in  commune  nobiscum  Scientiarum  amplificandarum 
Studium  Reipublicae  literai'iae  jn'ofuturam  judicaremus.  Qiiamobrem  potestate  a 
Serenissimo  Fundatore  in  nos  collata  praedictum  Dn.  "V^arignon  in  Regiam  Scientiarum 
Societatem  nosti'am  vigore  praesentium  suscipimus,  eumque  honore  juribus  ac 
beneficiis  Societati  singulisque  ejus  membris  competentibus  rite  ornamus.  Cujus 
rei  ut  plena  fides  extet,  ex  decreto  Concilii  in  Acta  relato  liasce  litteras  sigillo 
publico  solitaque  subscriptione  munitas  expediri  jussimus.  Berolini,  Die  VI.  Maij, 
Anno  MDCCXI. 

(L.  S.) 

Joh.  Theod.  Jablonski 
R.  S.  S.  Secret. 


63.    C  Neimann  an  Leibniz.     64.    Das  Observatorium  (7.  Februar  1701).  13/ 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  i2of.). 

Auszug    aus    einem    Schreilien    des   Inspectors    und    Predigers  Casp.vr 

Netmanx  in   Breslau  vom  Jahre    1689.  ^\-ah]•scheinlicll   an   Leibxiz. 
[Das   Schreiben   wurde   unter  LEiBNizens  Papieren   von  Kapp  aul'gefunden   und   ist    in    seiner 
"Sannnlung"    8.  2 f.    von    ihm  veröfientlieht   worden;    es    wird    liier   abgedruckt,    erstens  weil 
Lehsmz  durch  diesen  Brief  Neumann  schätzen  gelernt  und  ihn  der  Societät  als  Mitglied  vor- 
gescldagen    hat,    zweitens    weil    der   Brief  für    die   Entstehungsgeschichte    der    Bevölkerungs- 

statistik  von  hohem  Werthe  ist.] 

Als  nelnne  ich  mir  endlich  die  Freyheit,  einige  Abschrift  von  den  bisher  ge- 
machten Retlexionibus  iiber  Leben  und  Tod  bey  denen  in  Brelslau  Gebohrenen  und 
Gestorbenen  zu  iiberreichen,  wiewohl  das  gegenwärtige  zu  Ende  laufende  89  ^f*^  Jahr 
noch  nicht  hat  können  beygefüget  werden.  Noch  zur  Zeit  kann  man  freylich  nicht 
sehen,  was  eigentlich  der  Nutzen  davon  seyn  werde.  Sollte  aber  Gott  das  Leben 
so  lange  fristen,  dafs  man  die  Rechnungen  etzlicher  Jahre  zu.sammen  bringen  könnte, 
oder  auch  jemand  in  einer  andern  Stadt  dergleichen  Observationes  machen,  mid 
communiciren  wollte,  so  würden  alsdann  schöne  Anmerkungen  göttlichei-  Providenz 
über  unser  Leben  und  Tod,  Einhaltung  und  Vermehrung  der  Welt  und  dergleichen 
mehr  können  gemacht,  auch  vielerley  Aberglaube  desto  besser  aus  der  Erfahrung 
widerleget  werden.  Ich  beklage  sehr  oft,  dafs  itzund  fast  die  ganze  gelehrte  Welt 
in  regno  Naturae  sich  auf  Experimenta  leget  und  Observationes  schreibet,  alier 
kein  Mensch  dergleichen  in  i-egno  gratiae  oder  in  der  Theologie  zu  thun  gedenket. 
da  wir  doch  auch  in  dieser  Regierung  unseres  Gottes,  wenn  man  nur  wollte  Achtung 
geben  auf  das  Werk  seiner  Hände,  alle  Augenblicke  würde  Gelegenheit  finden, 
mit  Petro  zu  sprechen:  »Nun  erfahreich  in  der  Wahrheit«,  und  also  unser  ganzes 
Christenthum  mit  lauter  Experimentis  würden  darthun  können.  Es  ist  dieses  eine 
Arbeit,  in  welcher  ich  schon  oft  einen  Anfang  zu  machen  mir  vorgenommen  habe, 
aber  auch  allemal  gewünschet,  dafs  etliche  solche  Fi-eunde  seyn  möchten,  unter 
welchen  ein  jedweder  ein  gewi.sses  Antheil  dieser  Arbeit  liesonders  vor  sich  nelunen 
möchte. 


64. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  122). 

Aus  der  Königlichen  Ordre,    betreffend  den  Mittel-   und  Eckpavillon 

des  Stallgebäudes,  vom   7.  Februar  1701. 

[Concept  mi  Geh.  Staatsarchiv;   Original    im   Akademischen  Archiv    » Baulichkeiten »  :    in   dem 

Concept  ist   "7.  Febr.  170I"   Correctur  des  ursprünglichen  Datums   -9.  Dec.  1700»  und  ebenso 

ist   "S.  Churf.  Durchl.  z.  Brandenburg-   in   »S.  K.  Maj.  in  Preufsen-   corrigirt.] 

"Seine  K.  Maj.  in  Preufsen  .  .  .  erinnern  sich  gnädigst,  dafs  Sie  der  von  Dero- 
selben  ohnlängst  fundirten  Societät  der  Wissenschafften  nicht  allein  den  mittelsten 
Pavillon  der  hintern  Seiten  des  neven  Stalles  auf  der  Dorotheenstatt  zum  Observa- 
torio  und  andern  Geln-auch  gnädigst  versprochen,  sondern  auch  einen  dabey  stehenden 
Eck -Pavillon  zur  Wohnung  des  Astronom!  destinirt  und  theils  in  der  Fundation 
theils  in  desselben  Bestallung  dergestalt  verschrieben  haben,  dafs  so  lange  dieser 
Pavillon  nicht  eingeräumet  werden  könnte,  ihm  anderwärts  freyes  Logement  ver- 
schaffet werden  soll.  Nu  lassen  es  allerhöchstgedachte  S.  K.  M.  bey  der  deshalb 
einmahl  genommenen  Resolution  in  Gnaden  bewenden,  dafs  nämlich  der  mittelste 
Pavillon  dem  gemachten  Anfang  nach  zum  Observatorio  förderlichst  aufgeführet  werden 


238  6>^-    Leibniz,  Medicinische  Observationen  (Winter  1701). 

soll.     Wollen  auch  für  sich  und  Dero  Successores  der  Societät  kraft  dieses  denselben 
hiedurch  würcklich  und  kräftigst  concediret  und  verschrieben  haben." 

[Es  wird  nun  erklärt,  dass  der  (als  Wohnung  des  Astronomen)  gleichfalls  versprochene, 
eben  fertiggestellte  Eckpavillon  der  Societät  niclit  überlassen  werden  könne,  da  er  zu  anderen 
Zwecken  nöthig  sei;   daini  heisst  es  weiter:] 

»  .  .  .  Wie  aber  Dieselben  [S.  K.  M.]  auch  in  diesem  Stück  bei  der  gnädigsten 
Intention,  dem  ermelten  Astronomo  die  gnädigst  verschriebene  freye  Wohnung  zu 
verschaffen  allerdings  verbleiben,  also  haben  Dieselbe  vor  sich  und  Dero  Successores 
gedachte  Dero  Societät  den  noch  nicht  aufgefühi'ten  andern  Eck  Pavillon  auf  solclier 
hintern  Seite  des  Stalles  zur  Wohnung  des  Astronomi,  auch  anderen  Behuf  in  Gnaden 
concediren  wollen,  thun  auch  solches  hiemit  würcklicli  dergestalt  und  also,  dafs 
solcher  Eck  Pavillon  förderlichst  aufgeführet.  zu  einer  Ijequemen  Wolintuig  aptiret, 
alsdan  dem  Astronomo  eingeräumet  gelassen  werden  sollen.  Defsen  zu  IThrkund 
haben  S.  K.  M.  dieses  eigenhändig  unterschrieben  und  mit  Dero  Königlichem  Insiegel 
bedrucken  lassen;  So  geschehen  und  gegeben  zu  Königsberg,  den  7.  Februarii 
xVnno    1701. 

Friedrich. 
Graf  V.  Wartenberff. 


(Vergl.  Geschielite   der  Akailemie  S.  128). 

Leibniz,    Summarische  Punctation,  die  medicinalische  Obs  ervationes 

betreffend,   so  durchgehends  anzustellen  und  beständig  fortzusetzen 

sein  möchten  (Winter   1701). 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  S.  LVII  f..  346  ff.] 

Weilen  bekand,  dafs  nicht  nur  der  Zustand  des  menschlichen  Leibes,  wie 
auch  die  Lebensart,  Alimenta  und  allerhand  besondere  zufällige  Dinge,  sondern 
auch  die  allgemeinen  Ursachen  und  vornehmlich  die  Lufft  allerhand  Ungelegen- 
heiten  und  Krankheiten  verursachen,  und  zu  dieser  Gattung  vornehmlich  die  Morbi 
epidemii  gehöhren.  die  zu  Zeiten  grassiren  und  sehr  beschwerlich,  auch  wohl 
gefährlich  fallen,  zumahl  ehe  man  deren  Arth  erlernet,  immafsen  zu  dieser  Classe 
allerhand  Arthen  Fieber,  sowohl  continuse  et  intermittentes ,  malignse  et  benignse, 
catarrhales,  inflammatorife ,  ingleichen  Variolae,  Morbilli,  Pleuritides,  Peripneu- 
monife,  Anginfe,  ferner  Ophthalmice,  Coryz?e,  Rheiunatismi ,  Catarrhi,  Tusses, 
Arthritides,  Diarrhoen,  Dysenteriae,  Abortus  und  dergleichen  mehr,  offt  zu  zählen, 
zu  deren  Verhütung  imd  Heilung  aber  nichts  Dienlicheres  seyn  kan,  als  dafs  man 
das  Gegenwärtige  aus  dem  Vergangenen  beurtheile ,  und  aufs  der  Experienz  voriger 
Zeiten,  da  vieles  dem  folgendes  Gleichförmiges  sich  erzeiget,  mit  Gegenhaltung 
der  Witterung  und  ander  Beschaffenheiten  des  Jahres,  die  Ursach  des  Übels, 
defsen  Natur,  Art  und  Weise,  Signa,  Lauflf,  Crises,  Prognostica,  Exitus  et  Remedia, 
nocentia  et  juvantia,  erlerne,  welches  am  besten  durch  gebührende  beständige 
Anstalt  zu  jährlichen  Observationen,  auch  deren  Auffzeichnung  und  Zusainmen- 
tragung  geschelien  kan,  wie  dann  bereits  einige  löbliche  Specimina  gelehrter  und 
erfahrener  Medicorum,  als  sonderlich  des  Herrn  Ramazzini  und  der  Herren  Brefs- 
lauer  vorhanden,  welche  auch  den  grofsen  Nuzen  dieser  Anstalt  gezeiget;  so  können 
folgende  Puncte  zu  einer  Anleitung  dienen : 

I.  ist  von  Monath  zu  Monath  zu  beobachten  die  Witterung  und  was  vor 
Wetter  lange  gewähret,  auch  was  vor  sonderbare  und  Hauptveränderungen  darinn 
sich  erzeiget,  als  betreffend  Sonnenschein,  trübes  Wetter,  Hize,  Kälte,  Trocknifs, 
Nebel,  Regen,  Hagel,  Schnee,  Thau  etc;  Sonderlich  aber  lange  regierende,  auch 
starcke  Winde  und  deren  Hauptstrich,  so  nicht  allein  an  den  Wetterhahnen,  son- 


65«.    Leibniz,  Mediciiiische  Observationen  (Winter  1701).  139 

dem  aucli  an  dem  Zug  der  Wollcen  /u  sehen.  Wo  man  auch  Thermometra  imd 
Bai'ometra  bey  Hand  hat  und  dabey  observiret,  ist  es  desto  lielser.  Doch  ist  nicht 
nötliig,  dafs  alle  Observatores  sich  deren  bedienen.  Und  ol)Schon  die  Vielfältig- 
keiten der  Morborum  epidemiorum  sich  nicht  allezeit  nach  den  tempestatibus  anni 
und  causis  manil'estis  richten,  sondern  zu  Zeiten  causas  occultiores,  als  sonderlich 
in  den  unsichtbaren  variationibus  exhalationum  terra;  haben  möchten,  so  ist  doch 
gewifs,  dal's  die  manifestse  keine  geringe  Influenz  dabey  hatten,  und  durch  be- 
ständige langwierige  Observation  denen  occultis  selbst  und  deren  periodis  näher 
zu  kommen,  wenigstens  deren  Art  und  Würckungen  mehr  zu  untersuchen. 

2.  ist  zu  sehen  auff  das,  so  in  regno  vegetabili  oder  bey  Pflanzen  sich  er- 
eignet, wie  das  Getreyde  von  allerhand  Arth  gei'athen,  wie  verschiedene  Sorten 
der  Gewächse  und  der  Bäume  in  der  Blüth  gestanden  und  hernach  ihre  Früchte 
als  01)st,  Beeren,  Mästung  und  anders  getragen;  wozu  gehöhret,  was  für  Tliaue 
gefallen,  wie  die  Mäuse,  Raupen,  Fliegen,  Spinnen  und  andere  Insecta  sich  bey 
dem  Gewächs  hei'fürgethan;  in  welchen  allen,  neben  eigner  Observation,  die  Gärtner 
und  Landleute  Nachricht  geben  können. 

Dann  3.  (umb  näher  zum  Haujjtzweck  zu  kommen)  wie  sich  in  regno  ani- 
mali  der  Thiere  Fruchtbarkeit  und  Gesundheit  angelafsen;  was  vor  Krankheiten 
bey  denen  Pferden,  Rindvieh  und  sonderlich  bey  den  Schaaffen,  als  morbosa 
maxime  pecude  regieret;  was  auch  diefsfals  bey  dem  Wild,  bey  dem  Zug  der  Vögel 
imd  bey  denen  Fischen  bemercket  worden,  imd  bey  welchen  Arthen  Menge  oder 
Mangel  gewesen ,  auch  was  sonst  diefsfals  Dienliches  vom  Landmann ,  sonderlich 
aber  von  Jägern,   Schiffern,   Fischern  und  andern  dergleichen  Leuten  zu  erfahren. 

Das  Fürnehmste  aber  ist  4.,  dafs  man  wohl  beobachte  und  durch  fleifsige 
Gommiuiication  der  Herren  Medicorum  zusammenbringe,  was  bey  denen  mensch- 
lichen Leibern,  der  Gesundheit,  Krankheiten  und  Zufällen  sich  merckliches  spühren 
lafsen;  sonderlich  der  grassirenden  Kranckheiten  signa,  symptomata  et  eventus, 
wie  sie  sich  in  crisibus  regiret,  per  quas  excretiones  sie  sich  geendiget,  ol)  sie 
boni  vel  mali  moi'is;  was  darinn  die  Natur  gethan,  wenn  man  sie  gewehi'en  lafsen; 
welche  Methodi  oder  Medicamenta  schädlich  oder  guth  befunden  worden;  sonder- 
lich in  epidemiis  Nutzen  geschaffet  oder  Schaden  verursachet;  was  für  Personen, 
Temperamente,  Lebensarth,  Alter  etc.  diesen  oder  jenen  Krankheiten  am  meisten 
unterworffen,  oder  dabey  in  Gefahr  gewesen;  ob  und  was  solche  Morbi  nach  der 
Cur  vor  mala  nach  sich  gelafsen;  ob  auch  und  wie  andere  Particular- Krankheiten 
und  pravfe  dispositiones,  denen  einer  oder  ander  unterworffen,  nach  den  epidemiis 
sich  gerichtet,  oder  damit  symbolisiret,  oder  kommen,  oder  aufsblieben ,  exacer- 
bationes oder  vemissiones  gehabt;  wie  und  zu  welcher  Zeit  die  Hypochondriaci, 
Podagrici,  Arthritici,  Epileptici,  Phthisici  ihre  Paroxysmos ,  oder  Linderung  em- 
pfunden; da  zugleich  dahin  zu  sehen,  ob  und  was  die  Mondeswechselungen ,  auch 
solstitia  et  sequinoctia,  sowohl  bey  diesen  morbis,  als  sonderlich  bey  den  hsemor- 
rhoidibus  et  lipemorrhagiis  würcken  mögen,  auch  zu  welcher  Zeit  abortus  sich  vor 
andern  gezeiget,  und  viel  anders,  so  einem  verständigen  observatori  die  Gelegen- 
heit an  Hand  giebet. 

Wo  sich  auch  5.  singulares  casus  begeben,  und  sonderbare  Dinge  Iierfür 
gethan,  es  sey  in  natura,  vel  arte;  in  physica,  oder  medicina;  bey  meteoris',  mi- 
neralibus,  plantis,  animalibus  und  sonderlich  bey  Menschen,  als  unter  andern  der 
Nordschein,  parhelia,  eruptiones  novorum  fontium ,  terrae  motus,  monstra,  insolitae 
operationes  medicamentorum  et  remediorum  chirurgicorum ,  anatomiae  cadaverum, 
praesertim  ad  indagandam  morbi  causam  inservientes,  geschwinde  Zufälle  bey 
Menschen,  morbi  rariores,  symptomata  singularia,  vel  mortes  a  venenis  casu  vel 
aliter  sumtis;  und  was  etwa  sonst  in  naturalibus  Aufzeichnens  würdig;  da  zweifelt 
man  nicht,  es  werden  fleifsige  und  verständige  Observatores  sowohl  aus  Curiosität,  als 


240  ß^''-'-    Köiiigliclie  Ordre,  betreffend  mediciiiisclie  Observationen. 

auch  iimb  gemeinen  Nutzens  Avillen  dergleichen  bemercken ,  und  sonderlich,  dem 
Publico,  ihrer  Schuldigkeit  und  Gewifsen  nach,  mit  demjenigen  an  Hand  gehen, 
so  zu  der  Menschen  Heil  und  Erhaltung  gereichen  kan,  wie  dann  durch  solche 
auffrichtige  Conununicationen  gleichsam  ein  aerarium  commune  scientiae  naturalis 
auflgerichtet  und  männiglich  dadurch  geholffen  würde. 

Schliefslichen  und  6.,  wäre  dienlich,  dafs  A^elut  pro  hasi  sequentium  obser- 
vationum  hin  und  wieder  in  den  Landen  und  Städten  situs  loci,  natura  soli  et 
acjuarum,  item  genus  vitae  et  qualitates  habitatoruni  nach  dem  Exempel  defsen,  so 
an  ein  und  andern  Orth  von  gelehrten  Medicis  bereits  geschehn,  bekand  gemacht 
würde,  als  zum  Exempel,  ob  der  Orth  hoch  oder  niedrig  gelegen,  Avas  für  j)lagis 
er  entgegen  gesezet,  was  vor  Flüfse,  Seen  und  Wafser  er  habe;  ob  das  Wafser 
sumpfigt,  schwehr.  oder  leicht,  aus  Felsen,  Triebsand  oder  Morästen  lliefse;  ob  es 
salzig,  oder  vitriolisch  sey,  auch  was  es  sonst  an  salibus,  sedimentis  terrestribus, 
oder  ramentis  metallicis  mit  sich  führe;  ob  das  Erdreich  fett,  salpetrich,  felsicht, 
sandisch,  leimich  etc.  sey;  was  für  Efsen  und  Trincken  des  Orths  gebräuchlich, 
wie  der  Wein  und  das  Bier  beschaffen,  wie  das  leztere  gebrauet  werde,  und  ob 
es  diuretisch;  wie  sich  die  Leute  ernehren,- und  was  für  Gewei'be  sie  am  meisten 
treiben;  lezlichen  wie  ihre  Gesundheit  gemeiniglich  bewand,  und  sonderlich  ob  und 
was  für  morbi  et  indispositiones  locales,  vel  certe  in  loco  frequentiores .  sowohl 
bev  Kindern  als  erwachsenen  Leuten  sich  spühren  lafsen. 


G'öb. 

(Vcrf^l.  Geschichte  der  Akademie  S.  128). 

Entwurf  einer   Königlichen  Ordre    zur   vorstehenden    Denkschrift. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  .S.  35off.] 

Friedrich  etc.  Nachdem  Wir  Uns  zeit  Unser  Regirung  angelegen  seyn  lafsen, 
wie  die  von  Gott  Uns  anvertraute  Unterthanen  nicht  nur  gegen  Ungerechtigkeit 
und  Gewalt  geschüzet.  sondern  auch  in  dero  Nahrung  gebefsert  und  gegen  Unglücks- 
fälle, soviel  tliunlich  gesichert  werden  möchten.  So  sind  Wir  unter  andern  auch 
jederzeit  dahin  bedacht  gewesen,  wie  vor  deroselben  Gesundheit,  als  welche  nächst 
Gottesfurcht  und  Tugend  das  höchste  menschhche  Guth  ist,  gesorget  und  selbige 
durch  guthe  Anstalten  mit  Gottes  Hülffe  erhalten  werden  möchte;  wie  Wir  dann 
solches  mittelst  der  gegen  die  in  der  Nachbarschafft  grassirende  Contagien  ange- 
wendten  Sorgfalt ,  so  auch  durch  Gottes  Seegen  noch  zur  Zeit  nicht  ohne  Würckung 
gewesen,  unter  andern  bezeiget  haben.  vSind  auch  sonderlich  geneigt,  die  Unter- 
suchung der  Natur,  daran  die  Erkentnifs  der  Krankheiten  und  Genefsmittel  hänget, 
ferner  nach  Mügligkeit  befördern  zu  lafsen. 

Wann  Uns  dann  von  wegen  Unser  Societät  der  Wifsenschafften  allerunter- 
thänigst  vorbracht  worden,  dafs  zwar  die  Menschen  bisher  die  historiam  civilem 
ziemlich,  die  naturalem  aber  wenig  in  Obacht  genommen,  daher  solche  Annales 
phvsici  annoch  fehleten,  darin,  von  Jahren  zu  Jahren,  die  natürliche  Beschaffen- 
heiten des  Jahres  aufgezeichnet,  die  Witterung  der  Jahreszeiten,  auch  sonderbare 
Veränderungen  und  Ll^nterscheide ,  die  bey  Pflanzen,  Thieren  und  Menschen  sich 
herfürthun,  bemercket,  sonderlich  der  Zustand  der  menschlichen  Cörper,  die  vor 
andern  regirende  Krankheiten  samt  deren  Lauff,  wie  nicht  weniger  auch  die  daran 
beugende  intensio  et  remissio  ander  Beschwehrungen  und  Zufälle,  darinn  etwas 
Vielen  Gemeines  erscheinet,  mithin  die  beständige  oder  veränderliche  Würckung 
der  Genefs-mittel .  und  was  sonst  bey  Beobachtung  der  Natur,  vornehmlich  aber 
bey  den  menschlichen  Leibern  Merckwürdiges  vorkommt,  fleifsig  und  umbständig 
beschrieben  würde,  dadurch  7nit  der  Zeit  ein  Schaz  von  Observationen  zusammen- 


66«.    Leibniz,  Propagatio  fidei  per  scieiitias  (November  1701).  141 

bracht,  aus  dem  vergangenen  von  den  zukünfftigen  beCser  geurtheilet,  zu  neuen 
Aphorismis  der  Weg  gebalniet,  und  die  Erfahrung  der  Vorfahren  mehr  und  nielu' 
der  Nachwelt  zu  statten  kommen  möchte: 

So  haben  Wir  solche  Vorsteüungen  in  Gnaden  aufgenommen  und  demnach 
guth  befunden,  diefsfals  solche  Verordnung  hiemit  in  Unsere  Lande  und  Provinzien, 
auch  an  die  Generalitäten  unser  Trouppen  ergehen  zu  lafsen,  dafs  künfftig  alle 
]N[edici  und  Physici,  so  von  Uns  oder  sonst  dem  Publico  gewifse  Salaria  oder 
Ergözligkeiten  geniefsen,  zu  oberwehntem  Absehen  und  Zweck  ihre  etwa  fiir- 
kommende  dienliclie  Observationes  nach  ihrem  Gevvifsen  treulich  und  deutlich  auf- 
zeichnen, und  alle  halbe  Jahr,  wenn  der  Frühling  und  der  Herbst  vorbey,  an 
Unsere  Societät  der  Wifsenschafiften  einsenden,  nach  demjenigen,  was  etwa  von 
selbiger  voi'geschlagen  imd  an  Hand  gegeben  werden  möchte,  auch  inzwischen 
nach  der  bereits  entworfenen  hiebey  kommenden  Direction  sich  richten  und  hierinn 
von  den  Chirurgis  und  Apothekern,  auch  nach  Gelegenheit  von  andern  assistiret 
werden  sollen.  Wie  Wir  dann  denen  sämtlichen  Regirungen  in  unserm  lv()nig- 
reich,  auch  allen  übrigen  Landen  und  Provinzien  hiemit  in  Gnaden  befehlen  und 
zugleich  ernstlich  aufgetragen  haben  wollen,  dafs  sie  förderlichst  von  denen  Medicis 
salai-iatis  und  andern  jedes  Orths,  so  hierinn  wiUig  und  nüzlich  zu  gebrauchen 
seyn  möchten,  auch  was  sonst  dienlich  seyn  möchte,  an  Uns  Bericht  abstatten,  da 
Wir  dann  künfftig  nach  Befinden,  wie  die  Sach  in  jeder  Provinz  am  Besten  zu 
fafsen,  die  saumseelige  anzusehn,  die  lleifsige  und  tüchtige  Observatores  aber  zu 
distinguiren  wifsen  werden. 

Befehlen  denniach  Unsern  Stadthaltern.  Regirungen,  CoUegiis,  wie  nicht 
weniger  auch  denen  Generalitäten.  Landes-  und  andern  Hauptleuten,  Bürgermeistern 
und  Räthen  in  Städten  und  andern  Unsern  Beamten,  Bedienten  und  Untertlianen, 
so  hiebey  concurriren  können,  sonderlich  aber  Unsern  Leib-,  Hof-  und  andern 
Medicis,  Land-  und  Stadt-  Pliysicis,  dabey  auch  denen  Apothekern  und  Chirurgis 
(und  gesinnen  zugleich  in  Gnaden  an  alle  andere,  so  Gelegenheit  haben  zu  diesem 
auff  gemeine  Wohlfart  zielenden  Werck  etwas  beyzutragen) ,  dafs  sie  respective  ül)er 
dieser  Unser  Verordnung  halten,  solche  bewerckstelligen,  auch  deren  Zweck  be- 
fördern sollen  und  wollen,  welches  Unserm  gnädigsten  Willen  und  Litention  gemäfs, 
auch  Uns  zu  besonderm  gnädigsten  Gefallen  gereichen  wird.  Welches  Wir  in 
Gnaden  vei'niercken  werden.      Geseben  etc. 


^    66  a. 

(Vcrgl.  Gescliic'hte  der  Akademie  S.  128). 

Leibniz,  Bedencken,  wie  bey  der  neuen  Königl.  Societät  der 
Wifsenschafften,  der  allergnädigs ten  Instruction  gemäfs,  Propagatio 
fidei    per    Scientias    förderlichst     zu     veranstalten.       Erster    Entwurf. 

Berlin,  November   1701. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  S.  353fi'.^] 

Königliche  ^Majestät  in  Preufsen  sind  in  der  That  das  Haupt  der  EvangeUschen 
in  Teutschland  und  nelanen  sich  der  Angelegenheiten  des  Corporis  Evangelici  liaupt- 
sächlich  an. 


^  Ein  ausführliches  Concept  von  LsiBNizens  Hand  (datirt  9.  November  1701),  welches 
dem  nachstehenden  und  den  folgenden  beiden  verwandt  ist,  findet  sich  im  Archiv  der  Aka- 
demie. Es  trägt  die  Überschrift:  »Einige  Puncta.  so  bei  K.  Maj.  von  wegen  der  Societät 
der  Wissensch.  allerunterthänigst  vorzutragen.«  und  beginnt:  »Für  Allen  wäre  das  Negotium 
Missionum  Evangelicarum  et  Propagatio  fidei  per  Scientias  über  Moscau  nach  Persieii  und 
Indien,  .sondei'lich  aber  nach  China  allmählich  zu  Stande  zu  bringen". 


242  ßß«^-    Leicmz,  Propagatio  fidei  per  scieutias  (November  1701). 

Sie  liahen  auch  in  die  ihrer  neu  fundirten  Societät  der  Wifsenschaft'ten  aller- 
o-nädiö,st  ertiieilte  Instruction  eintliefsen  lafsen,  dal's  Sie  die  Ehre  Gottes  und  Wohl- 
fart  der  Menschen  und  insonderheit  propagandam  per  scientias  fideni  dabey  vor- 
nehmlich intendiren. 

Der  bey  solcher  Societät  bestalte  Praeses  hat  nun  von  vielen  Jahren  hehr 
mit  denen  italienischen  und  französischen  Missionariis  nach  China  Briefe  gewechselt, 
und  aus  solchen  Correspondenzen  vor  geraumer  Zeit  seine  Novissima  Sinica  heraus- 
gegeben, darinn  er  hanc  curam  Apostolicam  denen  Evangelischen  eifrigst  recom- 
mendiret. 

Zumahlen  bekand,  dafs  die  Pontificii  aus  ihren  ]Missionibus  eine  vermeinte 
Notam  Ecclesiae  machen  wollen  und  denen  Protestirenden  hierinn  eine  Fahrläfsig- 
keit  vorzuwerfen   sich  wiewohl  ohne  gnugsamen  Grund  unterstehen. 

Solche  seine  Gedancken  haben  viel  vornehme  Leute,  sonderlich  der  Primas 
Regni  in  England,  und  andere  sehr  gebilliget  und  beherziget. 

Es  ist  aucli  endtlich  erfolget,  dafs  dieses  Jahr  in  lüngland  eine  Nova  So- 
cietas  pi-opagandae  fidei  unter  Königlichem  Patent  fundiret  worden,  welches  ein 
Ca.j)ellanus  Regius,  so  ein  Mitglied  derselbigeh,  obgedachtem  Praesidi  zugeschickt 
und  sich  dabey  in  seinem  Schreiben  de  Dato  5.  August  1701  auf  defsen  No^'issinla 
Sinica  bezogen. 

Wobey  gleichwohl  mercklich.  dal's  nicht  nur  die  Aiu-egung,  wie  aus  Coi're- 
spondenzen  erhellt,  von  Uns  nach  England  konunen,  sondern  aucli  ein  Exempel 
geben,  und  die  Brandenburger  Königliche  Societät  der  Scienzen  schohn  vorm  Jahr 
fundiret  worden,  auch  des  Königs  hohem  Absehen  gemäfs  diese  einzige  Societät 
sowohl  die  Objecta  der  beyden  französischen  Academien  (nehmlich  die  Wifsen- 
schafften  und  Sprachen),  als  auch  der  beyden  englischen  Societäten  (nehmlich  die 
Wii'senschaff'ten  und  die  Glaubensbeförderung)  in  sich  begreiflTet. 

Ist  demnach  die  Sach  nunmehr  in  fermento,  und  als  hin  und  wieder  er- 
schollen, dafs  propagatio  fidei  per  scientias  eines  der  Hauptabsehen  bey  Fundirung 
dieser  neuen  Königl,  Societät  gewesen,  haben  viele  gelehrte  und  wohlgesinnte, 
auch  theils  vornehme  Personen  inn-  und  aufser  Landes  eine  sonderbare  Freude 
darübei-  bezeuget,  Königl''  Majestät  so  christliche  als  zugleich  grolsmüthige  Ge- 
dancken höchlich  gerühmet,  sich  wegen  des  Fortgangs  erkundiget,  selbst  dienliche  Vor- 
schläge gethan ,  auch  Hofnung  zu  nachdrücklicher  Mithülffe  und  Beystand  gemachet. 
Es  konnnet  dazu,  dafs  Königl.  Majestät  anjezo  mehr  als  jemahls  auif  die 
entfernte  Conunercia  zu  dencken  Ursach  finden,  indem  nicht  allein  Sie  mit  dem 
Czar  diefsfals  in  guthem  Vernehmen  und  avantageusem  Bündnifs  stehen,  sondern 
auch  England  und  Holland  selbst  bey  gegenwärtigen  Gonjuncturen,  da  die  Strafs 
von  Gibraltar  mehr  und  mehr  unsicher  wird,  einen  Theil  des  Levantischen  Com- 
mercii  durch  die  Königlichen  Lande  zu  führen  bedacht. 

Hat  man  also  an  Seiten  der  von  Allerhöchstgedachter  Ihrer  Majestät  in 
Berlin  neu  fundirten  Societät  der  Scienzen  dafür  gehalten,  dafs  Zeit  sey,  wegen 
diesei-  Materi  der  Missionen  allerunterthänigst  fernere  Anregung  zu  thun,  und  dafs 
solches  zu  Seiner  Majestät  allergnädigstem  Wohlgefallen  gereichen  würde. 

Bey  denen  Missionibus  nun,  so  zu  denen  nicht  barbarischen,  sondern  civilisirten 
Völckern  gehen,  ist  bekand,  dafs  nächst  Gottes  Beystand  die  realen  Wifsenschafften 
das  beste  Instrument  seyen,  wie  solches  die  Erfahrung  an  tag  geleget,  und  wäre 
denmach  nöthig,  Anstalt  zu  machen,  dafs  an  Tugend  und  Verstand  bewehrte,  mit 
ohngemeiner  Fähigkeit  begabte  und  mit  dem  Geist  Gottes  ausgerüstete  junge  Leute 
aul'gesuchet  und  nächst  der  Gottesgelehrtheit  in  der  Mathematica  (sonderlich  in 
arte  observandi  astra)  und  Medico  -  chirurgicis ,  als  vor  welchen  Wifsenschafften 
ganz  Orient  sich  neiget,  gründtlich  unterwiesen,  und  zu  etwas  Vortreflichem  an- 
geführet,    dabenebenst  auch  in  den  erforderten  Sprachen  in  etwas  geübet  Avürden. 


6ßa.    Leiumz ,  Propagatio  fidei  per  scientias  (November  1701).  143 

Solche  Subjecta  zu  wege  zu  bringen,  wären  Docentes  nöthig,  so  in  diesen 
Dingen  excelliren,  theils  auch,  was  die  Sprachen  betriffst,  selbst  wo  es  möglich  in 
den  entfernten  Landen  gewesen  oder  gar  daraus  biii-tig.  In  INIathesi  al)er  und 
Natura  müsten  die  Docentes  so  vortreflich  seyn,  dals  man  durch  unsere  Leute  es 
den  Jesuitern  und  andern  römischen  Missionariis  bevorthun  könne.  Woran  nicht 
zu  zweifeln,  dieweilen  diese  durcli  ihre  sclavische  Inquisition  nicht  nur  das  verum 
systema  mundi  (nehmlich  das  in  Preufsen  entstandene  Copernicanum)  zu  ver- 
hehlen, sondern  auch  der  wahren  Philosophi  sowohl  als  der  reinen  Lehre  sich  zu 
wiedersezen  gezwungen  werden,  und  unsere  evangelische  Wahrheit  nicht  weniger 
der  recht  erleuchteten  Vernunff't,  als  unsere  Wifsenschafft  den  observa,tionil)us  et 
experimentis  sich  gemäfs  befindet,  überdiefs  die  Lehre  der  Päbstler  an  vielen 
Orthen  der  hohen  Landesobrigkeit  A^erdächtig,  und  sie  deswegen  aus  Japan  ver- 
trieben worden,  auch  anjezo  bekandter  jMafsen  selbst  wegen  der  chinesischen 
Missionen  unter  einander  zerfallen ,  welches  uns  wohl  zu  statten  kommet. 

Ferner  müsten  die  Missionarii  mit  einigem  apparatu  ohngemeiner  inven- 
torum,  instrumentorum ,  compositionum,  et  arcanorum  vel  rarioruni  naturae  et 
artis  versehn  werden,  umb  sich  gehöhrigen  Orths  beliebt  zu  machen.  LTnd  wüi'den 
dei'gestalt  qualificirte  Missionarii  mit  diesen  Subsidiis,  imter  Königlicher  Protection, 
nach  der  von  der  Societät  habenden  Instruction  durch  Gottes  Hülff"  grofsen  Nuzen 
schaffen  können. 

AVobey  sonderlich  zu  bedencken,  dals  liieriim  etliche  wenige  an  Tugend  und 
Wifsenschafft  vortref liehe  Leute  mehr  aulsrichten  können,  als  ganze  Trouppen 
anderer  von  gemeiner  Sorte,  wie  die  Erfahrung  bezeiget,  indem  zum  Exempel  die 
Jesuiter  insonderheit  alle  ihre  Progressus  in  China  dem  Riccio.  dem  Adam  Scliall 
und  dem  Verbiest  zu  dancken  haben. 

Des  Königs  der  Preufsen  Recommendation  auch  würde  ül)eraus  grofsen  Nach- 
druck haben,  sobald  nur  diefs  bey  denen  orientalischen  Königen  erschallen  Aviirde, 
dafs  die  Leute  von  demselben  König  recommendiret  wären,  der  aufs  seinen  Cron- 
landen  allein  der  Welt  den  bey  ihnen  so  hochgeschäzten  Bernstein  mittheilet. 

Nun  würden  zwar  die  Missiones  nach  Türekey,  Persien  und  Indien  nicht 
aufser  Augen  zu  sezen,  sondern  luiter  der  Hand  Vorbereitungen  auch  dazu  zu 
machen  seyn;  alleine  vor  der  Hand  und  das  Nächste,  auch  Thunlichste  scheinen 
die  Missiones  durch  die  Moscau  naclier  China.  Denn  in  Moscau  haben  Königi. 
Majestät  und  die  Ihrige  vom  Tzar  alle  Gewogenheit  zu  erwarten.  In  China  ist 
ein  vortreflicher  die  Europäer  und  die  Scienzen  liebender  Monarch  und  weise  Leute. 
Man  braucht  auch,  bifs  dahin  zu  kommen,  keine  andei-e  als  die  slavonische  Sprach, 
und  dann  an  der  Stelle  die  Mantchou- Tatarische  zu  Anfangs,  als  welche  in  China 
dominiret  und  ungleich  leichter  ist  als  die  chinesische  selbst.  So  thun  auch  Ihre 
Majestät  hierinn  ganz  etwas  Neues,  so  Niemand  so  wohl  thun  kan  als  Sie,  die- 
weil  Sie,  durch  Moscau  zu  Lande  dahin  handeln  zu  lafsen,  vom  Tzar  die  Erlaubnifs 
haben,  und  bekand,  dafs  zwar  wohl  in  Türekey,  Persien  und  Indien,  niemalds 
aber  in  China,  zumahl  von  der  Landseite,  evangelische  Missionarii  kommen.  So 
ist  auch  in  China  ein  Grofses  zu  erlernen,  und  gleichsam  ein  Tausch  von  Wifsen- 
schatften  zu  treffen,  mehr  als  bey  andern  A'ölckern,  und  überdiefs  würde  ein  überaufs 
vortheilhafftes  Commercium  von  dannen  anhero  angestellet  werden  können,  wozu 
der  alda  so  beliebte  Bernstein  selbst  ein  Grofses  thun  müste. 

Es  zeigen  sich  auch  dazu  diese  besondere  Leichtigkeiten,  dafs  jezo  Leute 
vorhanden,  so  an  einem  Dictionario  slavonico  literali  arbeiten,  welches  den  Missio- 
nariis Evangelicis  in  Muscovien  hoch  nöthig;  und  dafs  (laut  eines  aus  China 
an  den  Praesidem  dieser  Königlichen  Societät  eingelauffenen  Schreibens)  der  Mo- 
narch daselbst  ein  Mantschou-Tartarisches  sehr  ausführliches  Dictionarium  ver- 
fertigen läfset. 


]^44  66a.    Leik.niz,  Propagatio  fidei  per  scieiitias  (November  1701). 

Es  bat  aucli  der  Tzar  bey  .seiner  Anwesenlieit  in  Holland  einem  lithaviiscliea 
Reforniirten  in  Slavonico  literali  .sehr  erfahrenen  Prediger  ein  Privilegium  auff  den 
Druck  .slavonisclier  Bibeln  und  anderer  Büclier  geben,  defsen  Execution  aber  durch 
Intriguen  eines  Andern  (so  nunmehr  cessiren)  etwas  behindei-t  worden.  Weil  aljer 
ein  solches ,  zumald  auff  mehr  libros  pios  slavonicos  extendirte  Privilegium  von 
einem  überaufs  grofsen  Nuzen  seyn  und  ein  Ansehnliches  betragen  würde,  und 
gedachte  Person  mit  der  Societät  sich  deswegen  einzulafsen  gemeinet,  so  kondte 
vei'hoffentlich  durch  Königl.  Reconnnendation  bey  dem  Tzar  sowohl  die  billige 
Manutenenz.  als  anständige  Extension  des  Privilegii  zu  grofsem  Nuzen  dieser  Mission 
erhalten  werden. 

Und  nachdem  Königliche  jNIajestät  anjezo  einen  Residenten  nach  der  iNIoscnu 
gehen  lafsen.  so  köndte  ein  Haupt -Ingrediens  von  delsen  Instruction  seyn,  das 
Absehen  der  Köngl.  Societät  auff  alle  Weise  bey  dem  Tzar  und  sonst  zu  beiordern. 
Vielleicht  köndte  man  auch  eine  Person  aufsfinden ,  die  förderlichst  mit  dem  Resi- 
denten, t)der  (wo  er  nicht  so  lang  aufzuhalten)  nach  ihm  zu  schicken,  so  sieh 
Anfangs  bey  ihm  auf  gewifse  Weise  aufhielte,  liernach  aber  von  dem  Tzar  in  die 
Provinzien  zu  observii-en  geschickt  würde,  Avelches  aufs  folgender  Ursach  ver- 
hoffentlich  leicht  zu  erhalten. 

Es  ist  nehmlich  bekand .  dafs  der  Tzar  die  Schiffartssachen  überaufs  liebet, 
und  der  Compafs  gleichsam  vor  die  Seele  der  Seefart  zu  achten,  selbiger  aber  von 
Norden  etwas  abweichet,  und  zwar  an  unterschiedenen  Orthen  unterschiedlich, 
Worinn  ein  noch  nicht  aufgelösetes  Aenigma  naturae  stecket,  welches  aber,  wenn 
es  vollends  entdecket,  ein  succedaneum  der  Longitudinum  und  eine  überaufs  grofse 
Hiilffe  vor  die  Piloten  dargeben  würde;  zu  welchem  Ende  man  vorlängst  gewünd- 
schet,  dafs  lineae  magneticae  auff  der  Karte  oder  auf  dem  globo  terrestri  gezogen 
werden  möchten,  dergestalt,  dafs  eine  Lini  durch  die  Orther  gienge,  so  eandem 
declinationem  haben.  Diese  Karte  hat  nun  ein  Engländei'  ans  eignen  und  andern 
diaiiis  nauticis  ganz  neulichst  entworffen,  Weilen  aber  die  Linien  darinn  niu-  auf 
der  See  gezogen  und  aufhöhren,  wo  das  Land  angehet,  so  Aväre  höchst  nüzlich 
und,  dieses  Ai'canum  vollends  zu  entdecken,  dienlich,  dafs  in  Köngl,  Majestät 
Landen,  vom  Rhein  bifs  an  die  Pregel  und  dann  ferner  durch  das  Muscovische 
Reich  bifs  nach  Persien,  Indien  und  China  die  observationes  magneticae  fort- 
gesezet  und  damit  die  Linien  dui-ch  den  septentrionalischen  Orient,  allwo  man  am 
wenigsten  von  dieser  Sach  observationes  hat,  fortgezogen  würden.  Wozu  eine 
Person  eigentlich  zu  instruiren,  und  ist  kein  Zweifel,  es  würde  auf  Königlicher 
]Majestät  Recommendation  und  aus  eignem  Trieb  zu  alle  dem,  so  die  Navigation 
angehet,  der  Tzar  sich  der  Sach  als  seines  eignen  Werkes  annehmen  und  diese 
Person  überall  mit  Fuhren  und  Nothdurfft  versehen  lafsen.  Würde  also  dieses 
Werck  nicht  weniger  Königl.  Majestät  glorios  und  dem  Publice  nüzlich.  als  zu 
dem  christlichen  Werck  der  Missionen  erspriefslich  seyn. 

Es  ist  auch  zu  vermuthen,  wenn  Königl.  Majestät  obangeführter  Mafsen 
auf  allerunterthänigsten  Voi'schlag  dero  Societät  der  Scienzen  gleichsam  ein  Semi- 
narium  junger  zu  den  IMissionen  bequemer  Leute  auffrichten  würden,  dafs  andere 
evangelische  Potenzen,  zumahl  in  Teutschland ,  damit  concurriren ,  auch  wohl  alumnos 
dabey  halten  würden,  welches  auch  zu  Verminderung  der  Kosten  gereichen  müste. 

Und  weilen  Königliche  Majestät  beyder  protestirenden  Partheyen  Leute  ohne 
Unterschied  zu  brauchen  geneiget,  aber  gleichwohl  nicht  thunlich,  dafs  in  entfernten 
Landen  die  Ihrige  in  einer  zertheilten  Ecclesia  stehen ,  und  das  Schisma  herfürblicke, 
delsen  die  Papisten  sich  bey  den  infidelibus  gegen  uns  seljr  zu  Nuz  maclien  wüi'den; 
so  würde  in  diesem  Negotio  Missionum  sich  finden  ein  treflicher  Cüneus ,  auch  das 
negotium  pacificum  zu  treiben;  dafs  man  nehmlich  mit  Saxonicis  selbst  überlegte, 
wie  die  Sach  zu  fafsen,    damit  in  den  entfernten  Landen  beyderseits  Protestirende 


66 1^.    Leibniz,  Propagatio  fidei  per  scientias  (November  1701).  145 

de  iisdem  sacris  participiren  küiidten.  Und  /ai  dem  Ende  die  Negotiation  auff  den 
bekandten  Fufs,  doch  in  arcano,  Ibrtzustellen ,  bifs  wenigst  in  hunc  casum  etwas  Zu- 
längliches geschlofsen. 

Weil  aber  zu  einem  so  grofsen  Werck  keine  geringe  Kosten  erfordert  werden, 
so  sind  unterschiedene  Vorschläge  ins  Mittel  kommen,  einen  gewilsen  Fundum  dazu 
aufzufinden.  Sondei-lich  wäre  thunlich,  dafs  von  den  successionibus  der  lachenden 
Erben  etwas  ad  causam  tam  piam  gehoben,  auch  lege  jiublica  eingeführet  würde, 
dafs  bey  jedem  Vermächtnifs  ein  legatum  ad  pias  causas  sub  certo  modo  et  sub 
certa  poena  niclit  vergefsen  werden  dürifte.  Von  welchen  beyden  Capitibus  ein 
Theil  zu  dem  Aerarium  tliefsen,  und  das  andere  ad  negotium  propagandae  fidei  et 
missiones  zu  wiedmen.  Man  köndte  auch  etwas  finden ,  entweder  bey  den  Ecclesiis, 
zumahl  denen  so  vermöglich,  wie  in  Preufsen  zu  einem  andern  Zweck  geschieht, 
oder  ex  gratiis.  zumahl  Ecclesiasticis ,  darunter  die  Praebenden.  so  otft  ein  Prae- 
bendarius  zur  Possession  gelanget,  als  welche  zumahl  vor  Alters  ad  res  pias  desti- 
niret  gewesen,  oder  auch  wohl  dabeneben  durch  eine  freywMÜige  Samlung,  zumahl 
bey  denen  Tauffen.  welcher  Actus  ohnedem  gewiedmet,  das  Reich  Christi  zu  ver- 
mehren, ander  Wege,  so  einem  mächtigen  König  nicht  fehlen  können,  zu  geschweigen, 
weil  keine  geringe  Kosten  nöthig  und  ein  oder  ander  W^eg  allein  nicht  zureichen 
dinffte. 

Was  nun  in  dergleichen  ordinariis  vel  extraordinariis  zu  den  Missionibus  des- 
tiniret.  würde  die  Königliche  Societät  absonderlich  zu  berechnen  und  einzig  und 
allein  zu  diesem  Scopo  anzuwenden  nicht  ermangeln ,  und  sich  dieses  Wercks  als 
ihrer  Haupt -Sach  anzunehmen  haben,  weilen  die  Arcana  naturae  et  artis  nicht 
befser  als  dergestalt  zur  Ehre  Gottes  und  der  Menschen  Heil  angewendet  werden 
köndten.  Der  unsterblichen  Glori  des  Fundatoris  und  des  Anwachses  der  dem  mensch- 
lichen Leben    dienlichen  Wifsenschaff'ten ,    so    mit  daraufs    fliefset,    zu  geschw' eigen. 

Und  stünde  demnach  schliefslichen  Königlicher  Majestät  anheim,  in  Gnaden 
zu  resolviren,  wie  zu  dem  nötliigen  Fundo  Anstalt  auszufinden  und  die  Mensurae 
Irenicae  hierbey  zu  nehmen,  auch  wie  etwa  dero  nacher  Moscau  destinirte  Resident 
und  andere  diefsfals  förderlichst  zti  instruiren. 


66  d. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  127  f.). 

Leibniz,    Zweite    kürzere  Ausführung    der    vorstehenden    Denkschrift. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     10.  Bd.  8.  361  if.) 

In  der  General -Instruction  welche  S.  Königliche  Majestät  der  neu  fundirten 
Societät  der  Scienzen  vorm  Jahr  ei'tlieilet,  sind  bald  nach  dem  Eingang  diese  Worth 
enthalten:  Und  weil  Wir  Uns  der  gemeinen  Angelegenheit  der  evange- 
lischen Kirchen  allezeit  höchlich  angenommen,  so  haben  Wir  auch 
Unser  Absehen  dahin  gerichtet,  wie  mittelst  der  Scienzen  bey  un- 
gläubigen oder  sonst  in  Irrthum  steckenden  Völckern  die  Bahne  be- 
reitet werde,  damit  an  deren  Bekehrung  zur  reinen  christlichen  Lehre, 
unter  Gottes  Seegen  fruchtbarlich  gearbeitet,  und  denen  Evange- 
lischen keine  Nachläfsigkeit  darinn  aufgebürdet  werden  könne. 

Als  nun  hin  und  wieder  erschollen,  dafs  Propagatio  Fidei  per  Scientias  eines 
der  Haupt  -  Absehen  bey  Fundirung  dieser  neuen  Königl.  Societät  gewesen,  haben 
viele  theils  fürnehme,  gelehrte,  und  wohlgesinnte  Personen  in  und  aufser  Landes 
eine  sonderbare  Freude  darüber  bezeiget,  Königl.  Mt.  so  christliche  und  zugleich 
grofsmüthige    Gedancken    hoch    gerühmet,    sicli    wegen    des   Fortgangs    erkundiget, 

Geschichte  der  Akademie.    II.  10 


146  bGb.    Leibniz,  Propagatio  fidei  per  scientias  (November  1701). 

selbst  dienliche  Vorschläge  gethan ,  auch  Hofnung  zu  nachdrücklicher  Mithülfte  und 
Beystand  gezeiget. 

Alfs  auch  dieser  Königi.  Societät  bestalte  Praeses  bereits  vor  einigen  Jahren 
seine  Gedancken  auff  diesen  Zwek  der  christlichgelehrten  Missionen,  sonderlich  nach 
dem  grofsen  Reich  Tschina,  gerichtet,  auch  zu  dem  Ende  mit  denen  dahin  gehen- 
den italienischen  und  französischen  Missionariis,  damit  er  befsere  Nachricht  erlangen 
möchte,  Briefe  gewechselt,  mithin  aufs  solchen  Correspondenzen  die  Novissima 
Sinica  herausgeben,  in  deren  Vorrede  er  sonderlich  denen  Evangelischen  diefs 
grofse  Werck  eifrigst  recommendiret ;  so  sind  defsen  Gedancken  absonderlich  in 
England  von  dem  Primate  Regni,  fürnehmen  Episcopis,  und  andern  Theologis  sehr 
gebilliget  worden:  es  ist  auch  endtlich  erfolget,  dafs  dieses  Jahr  eine  neue  englische 
Königi.  Societas  propagandae  fidei  durch  ein  Königliches  Patent  aufgerichtet  worden, 
welches  von  einem  Capellano  Regni,  so  deren  Glied,  gedachtem  Praesidi  in  einem 
Schreiben  mit  Beziehung  auif  gedachte  Novissima  Sinica  zugesendet  worden. 

Weil  nun  die  Sach  dergestalt  gottlob  im  Fermento  und  gleichw^ohl  die  An- 
regung und  das  Exempel  von  uns  nacher  England  kommen,  und  sichs  sehr  wolil 
füget,  dafs  hey  der  neuen  Königi.  Societät  zu  Berlin  nicht  nur  die  Objecta  der 
beyden  Königi.  französischen  Academien  (nehmlich  der  Wifsenschaft  und  der  Sprach), 
sondern  auch  der  beiden  Königi.  engl.  Societäteu  (nehmlich  der  Scienzen  und  der 
Glaul)ensheförderung)  zusammen  gefafset  werden,  und  in  der  That  nichts  Christ- 
löblicheres, nichts  Gott  und  Menschen  Angenehmeres  geschehen  kan;  und  sonderlich 
das  Quaerite  primum  regnum  dei  et  caetera  adjicientur  vobis,  uns  billig  für  Augen 
schwebet,  so  hat  man  an  Seiten  der  Societät  bey  diesen  Umbständen  dafür  ge- 
halten, dafs  bey  Ivönigiicher  Mayt. ,  als  deren  christfürstliche  hoiie,  ja  heroische 
Neigungen  bekand,  die  defsfals  thuende  Anregung  und  ohnmafsgebliche  Vorschläge 
zu  aliergnädtgstem  AVohlgefallen  gereichen  würden. 

Zu  welchem  komt,  was  bereits  mehrmahlen  hiebey  überleget  worden,  dafs 
die  Gelegenheit  der  Lande,  so  wohl  als  die  Macht  des  Königes  und  Sr.  Mt.  guthes 
Vernehmen  mit  dem  moscovitischen  Tzar,  und  auch  wohl  selbst  dem  Ivönig  in 
Persien,  sonderlich  aber  der  in  dero  Cronlande  fast  einzig  und  allein  fallende,  in 
ganz  Orient  bevorab  aber  in  Tschina  so  hoch  geschätzte  Bernstein,  und  andere 
Ursachen  hierzu  voi-tref liehe  Bequemlichkeit  dargeben,  und  nicht  zu  zweifeln,  dafs 
wenn  dermahleins  Leute  mit  Recommendation  des  der  Welt  den  Bernstein  allein 
mittheilenden  Königs,  in  Tschina  erscheinen  würden,  diefs  selbst  bey'  dem  dasigen 
gegen  die  Europäer  so  geneigten,  und  so  wifsensbegieiigen  Monarchen  von  grofsem 
Gewicht  seyn  Avürde.  Und  indem  aus  England  von  Seiten  der  See  vermittelst  der 
nun  sich  vereinigenden  lieyden  ostindischen  Compagnien  der  Eingang  gesuchet 
würde,  so  köndten  die  brandenbg.  Missionarii  durch  die  Moscau  zur  Landseite 
nach  Persien,  Indien  und  Tschina  kommen  und  einer  dem  andei'n  die  Hände  bieten. 

Ob  nun  schon  diese  JMissiones  auch  Tüiicey,  Persien  und  Lidien  nicht  ganz 
aul'ser  Augen  zu  sezen,  so  wäre  doch  hauptsächlich  bey  der  Societät  das  Absehen 
durch  Moscau.  wie  gedacht,  nacher  Tschina  zu  richten,  weil  daselbst  viel  zu 
erlangen,  auch  alda  ein  fürtrefflicher  JMonarch  und  weise  Leute,  die  Scienzen  und 
Europäer  hochgeachtet,  und  die  Erndte  des  Herrn  reiff;  man  auch  nur  zweyer 
Spi'achen  Anfangs  nöthig  hat:  nehmlich  der  slavonischen  unterwegens  (welche  so 
vielen  Königi.  Unterthanen  bekand)  und  der  Mantschou  -  Tartaren  an  der  Stelle; 
und  vor  die  literal-slavonische  oder  hej  den  gelehrten  Rufsen  gebräuchliche  Sprache 
Dictionaria  in  Arbeit;  und  der  tschinesische  Monarch  selbst  seine  tartarische  auf 
dergleichen  Art,  laut  aus  Tschina  an  den  Praesidem  eingelauffenen  Schreibens, 
bestens  falsen  läfset.  Und  ist  bekand,  dafs  wenige,  aber  an  Gelehrsamkeit,  Verstand 
und  Tugend  vortref liehe  Personen  in  Tschina  mehr  ausrichten  können,  als  anderswo 
ganze  Regimenter   der  Missionarien.     Wie   man  dann  sagen  kan,    dafs  die  Jesuiter 


666.    Leibniz,  Propagatio  fidei  per  scientias  (November  1701).  14/ 

alle  ilire  Pi-ogressus  in  T.schin;i  dreyen  treffliclien  Matliematici.s  und  sonst  lob- 
würdigen  Personen,  dem  Riccio,  dem  Adam  Schall,  und  dein  Verbiest  zu  dancken 
haben,  welche  die  Monarchen  selbst,  an  denen  alles  hanget,  gewonnen. 

Nun  ist  kein  Zweifel  dafs  es  die  Evangelischen  den  päbstischen  jNIissionariis 
zuvor  thun  können ,  dieweil  unsere  reine  von  dem  Aberglauben  entfernte  Religion 
der  natürhchen  Theologie  und  wahren  Ideae  von  Gott  ungleich  mehr  gemäfs,  also 
beciuemer  verständige  Gemüther  zu  vei-gnügen,  und  was  die  Scientien  belanget, 
ist  bekand,  dafs  die  päbstischen  Missionarii  gefährlicher  Maximen  in  Verdacht 
gehalten  werden,  und  auch  deswegen  aus  Japan  verti'ieben  worden.  Es  hat  auch 
der  tschinesische  Monareh  bereits  den  Moscovitern  nicht  weniger  als  drei  Päbstlern 
die  Übung  ihres  Glaubens  verstattet,  also  dafs  er  den  Brandenburgern  und  Eng- 
ländern aufser  Zweifel  ein  Gleichmäfsiges  verwilligen  würde,  wie  dann  auch  sonst 
bekand,  dafs  er  denen  Jesuitern  einzig  allein  wegen  der  europäischen  Wifsen- 
schaften  günstig,  und  er  also  sich  der  Ankunfft  Mehrerer  freuen  würde,  umb 
welcher  Ursacli  willen  er  auch  den  Moscovitern  so  wohl  begegnen  lafsen,  wie  aufs 
der  Jesuiter  eigenen  Relationen  zu  sehen. 

Zu  diesem  Zweck  nun  der  IMissionen,  et  ad  propagandam  per  scientias  fidem, 
wäre  nothig  Anstalt  zu  machen,  dafs  an  Tugend  und  Verstand  bewehrte,  mit 
ohngemeiner  Fähigkeit  begabte,  mit  dem  Geist  Gottes  aufsgerüstete  junge  Leute 
nächst  der  Gottesgelehrtheit,  in  der  Mathematic,  sonderlich  arte  observandi  astra, 
und  Medico-Chirurgicis,  als  vor  Avelchen  Wifsenschaften  ganz  Orient  sich  neiget, 
gründtlich  unterwiesen,  und  zu  etwas  Vortrefflichem  angeführet,  dabenebenst  auch 
in  den  erforderten  Sprachen  in  etwas  geübet  würden.  Zu  welchen  wohl  aus- 
gewehlten  Discentibus  auch  verschiedene  und  zwar  an  Tugend  und  Wifsenscliafft 
vortreffliche  Docentes  verordnet  würden,  da  dann,  wo  möglich,  zu  behuf  der 
Sprachen  einige  aufszusuchen ,  so  aufs  den  Landen  bürtig,  oder  wenigst  eine  zu- 
längliche Zeit  alda  gewesen.  Überdiefs  würden  ungemeine  Inventa,  Instrumenta, 
Compositiones ,  et  arcana  vel  rara  naturae  et  artis  anzuschaffen  seyn ,  sich  gehörigen 
Orths  beliebt  zu  machen .  und  würden  dergestalt  qualificirte  ]Missionarii  unter 
Königl.  Protection,  versehen  mit  diesem  Apparatu,  und  Instructionen  der  Societät, 
in  die  entfernte  Lande  sich  erheben,  und  mit  Gottes  Hülff  grofsen  Nuzen  schaffen 
können. 

Weil  auch  alda  mit  den  Reformirten  die  eigentlich  sogenannte  Evangelische 
auiser  Zweifel  ohne  L^nterscheid  zu  gebrauchen,  und  deswegen  aller  Collision  bey 
Zeiten  vor  zu  kommen ,  wird  auch  dazu  dienlich  seyn ,  das  grofse  Werck  des 
guthen  Vernehmens  beyder  Theile  wenigst  dahin  vor  der  Hand  zu  befördern ,  dafs 
ein  Theil  bey  dem  andern  in  casu  necessitatis ,  ohne  einige  erfordernde  Retractation, 
die  heiligen  Saci'amenta  empfangen  könne;  und  also  an  frembden  Orthen  keine 
zertheilte  Gemeine  nöthig  sein  möge.  L"nd  ist  nicht  zu  zweifeln,  dafs  andere 
protestirende  Potenzen,  Fürsten  und  Städte  hin  und  wieder  beytreten,  in  den 
Königl.  Seminarien  ihre  Alumnos  pro  Missionibus  unterweisen  lafsen  Avürden,  zu- 
mahlen  ohnedem  Königl.  M*-  sich  vor  andern  in  Teutschland  des  protestirenden 
Wesens  und  Corporis  Evangelici  aiuiehmen. 

Es  würde  auch  das  Negotium  Missionum  mit  denen  Commercien  sich  trefflich 
combiniren  lafsen,  zumahlen  ohnedem  die  Scienzen,  mit  den  Künsten  und 
Manufacturen,  und  Untersuchung  der  Naturalien  jedes  Orths  sehr  genau  verbunden; 
insondei'lieit  ist  vorkommen,  dafs  dienlich,  slavonische  Druckereyen  anzustellen, 
zumahlen  zu  deren  Schadlofshaltung  eine  gewifse  Person,  so  vom  Tzar  diefsfalls 
ein  Privilegium  in  Holland  auf  die  slavonische  Bibeln  erhalten ,  beyzutreten  böthig, 
damit  viel  Nuz  zu  schaffen,  dafern  durch  den  Königl.  ]Ministrum  beym  Tzar  die 
Manutenenz  und  Extension  des  Privilegii  erhalten  würde. 

10* 


148        67.    Leibniz,  Denkschrift  über  die  Leistungen  der  Societät  (Anfang  1702). 


67. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  128). 

L  E I B  N I  z ,  Erzählung  von  der  Absicht  der  p  r  e  u  i's  i  s  c  h  e  n  Societät  der 
Wissenschaften,  was  sie  bifsher  geleistet  und  wodurch  sie  gehindert 
worden,  imgleichen  einige  Vorschläge,  was  vor  Fundus  aufser  dem 
Kalender- Wesen  ihr  zu  statten  kommen  könne,  wobey  nebst  den  piis 
causis,  und  was  aus  allerhand  Gnaden-Concessionibus  fallen  könnte, 
ein  aufzurichtendes  Bücher-Commissariat,  Receptur-Büchlein,  Rich- 
tigkeit von  Maafs  und  Gewicht,  in  Betracht  kommen  (Anfang  1702). 
[KAPrens  Sammlung  S.  442  ff.;  Guhrauer,  Deutsche  Schriften  von  Leibnitz  2.  Bd.  S.  284  ff. 
Klopp,   Die  Werke  von  Leibniz.   10.  Bd.  S. 366  ff.] 

Es  haben  Kön.  M'-  zu  Preufsen  dero  Societät  der  AVissenschafften  bereits  im 
Jahr  1700  fundiret,  und  sowohl  in  dem  Diplomate  Fundationis  als  in  der  agdst.  In- 
struction dero  höchst  erleuchtetes  Absehen  dabey  zu  Tage  geleget,  dafs  nehmlich 
nicht  allein  die  Fortpflanzung  und  Veruiehrung  der  Wissenschafften,  sondern  auch 
vermittelst  derselben  die  Beförderung  der  P^hre  Gottes  und  des  gemeinen  Besten  ge- 
suchet werden  sollte,  als  insonderheit  durch  Verbesserung  der  Unterweisimg,  durch 
bessere  Ausübung  der  teutschen  Haupt -Sprache  und  Historie,  durch  neue  Erfin- 
dungen in  der  Natur  und  Kunst,  durch  Bemerkungen  der  natürlichen  Dinge,  und 
unter  andern  des  Laufs  der  Sterne,  nicht  ohne  einig  absehen,  dermahleins  durch 
diese  Mittel  bey  entlegenen,  annoch  in  Finsternifs  sizenden  Völckern  denen  evan- 
gelischen Predigern  den  Eingang  zu  verschaffen,  gleichwie  die  Weisen  durch  den 
Stern  zu  Chi-isto  geführet  worden.  Zu  solchem  Ende  sind  einige  Gliedmafsen  in 
und  aufserhalb  den  Königlichen  Landen  zusammen  getreten;  man  hat  astronomische 
Observationes  angestellet,  so  viel  vor  Ausbauung  des  Observatorii  füglich  geschehen 
können;  man  hat  neue  Rechnungs-  und  Mefskünste  angewiesen,  dadurch  schwere 
und  nüzliche  Aufgaben  aufzulösen.  Es  ist  ein  neuer  Phosphorus  von  einem  Glied- 
mafs  der  Societät  erfiuiden  worden,  so  in  einem  verschlossenen  Glas  durch  blofse 
Bewegung  allezeit  leuchtet,  und  die  vermeinten  lucernas  immortales  der  Alten 
dargeben  kann,  auch  sind  andere  schöne  Experimenta  gewiesen  worden.  Man  hat 
auch  besondere  Machinas  ausgedacht,  dadurch  Dinge  von  Nuzen  und  Wichtigkeit 
aufszurichten.  Man  hat  einige  uralte  Zeichen  der  Chineser  erläutert,  so  sie  nun 
von  2000  Jahren  her  selbst  nicht  mehr  verstehen,  und  die  doch  einen  neuen 
mathematischen  Schlüssel  in  sich  halten.  Man  hat  in  dem  Alterthum  der  teutschen 
Sprache  nicht  wenig  entdecket,  das  Celtische  mit  dem  Teutschen  zusammen  ge- 
iialten,  alte  teutsche  jNIanuscripta  nüzlich  angewendet,  auch  Monumenta  der  teutschen 
Historie  ans  Liecht  bracht,  und  hoffet,  dermahleins  zu  einem  rechtschaffenen  teutschen 
AVörter-Schaz  gelangen  zu  können,  sonderlich  da  durch  hohe  Hülffe  die  Kunst- 
und  andere  besondere  Wörter,  so  bey  verschiedenen  Sorten  der  Menschen  in  Ge- 
lirauch ,  zusannnen  zu  bringen  seyn  möchten,  so  den  Sprachen  luxl  Künsten  zu- 
gleich zur  Beförderung  gereichen  würde.  Es  w^ürde  auch  verhoflentlich  Kön.  M^- 
bereits  einen  oder  mehr  Observatores  durch  Moscau  in  die  grofse  Tartarey  und 
bis  nacher  China  haben  gehen  lassen,  in  den  fast  noch  unberührten  Ländern  ganz 
neue  Dinge  zu  entdecken,  und  zugleich  Missiones  evangelicas  zu  veranlassen .  wenn 
nicht  der  nordische  Krieg  dazwischen  konnnen.  LTnd  jezo  ist  man  begriffen  die 
Saclie  also  zu  fassen,  dal's  jährlich  einige  Miscellanea .  durch  Vei-anlassung  der 
Societät.  herfür  kommen  mögen. 

Weilen    aber    der'  Fundus    der  Societät   bifsher   einig    und  allein  in  dem  Ka- 
lender-Wesen   bestanden.    M-elcher   nicht   weit    reichen,    und   soi>;ar    die    Nothdurft 


67.    Leibniz,  Denkschritt  üljer  die  Leistungen  der  Societät  (Aiit'ang  1702).  149 

selbst  nicht  einst  an  Büchern  und  Instrumentis  Observatorii  bestreiten  kann,  ge- 
schweige dal's  man  zu  dienlichen  Machinis  und  gar  zu  einem  Laboratorio  gelangen 
können:  so  hat  man  sich  und  andere  mit  der  blofsen  gegebenen  Hoffnung  ab- 
speisen müssen,  welches  sich  aber  nicht  länger  schicken  will,  sondern  es  erfordert 
sowol  die  Glori  des  Königs,  als  der  gute  Nähme  der  Kön.  Societät,  dafs  etwas 
Rechtes,  so  der  Unternehmung  werth,  dermahleins  geleistet  werden  möge.  Man 
hat  nicht  iNIangel  an  INIatei'ie.  Es  sind  astronomische  Observationes  von  vielen 
Jahren  vorhanden  bey  dem  Observatore  der  Societät,  deren  Publicirung  von  groi'sem 
Nuzen  seyn  Avürde.  aber  ohne  Kosten  nicht  zu  bestreiten,  dahingegen  der  Abgang 
nicht  Jedermanns  Wei'ck.  Man  hat  machinas  astronomicas  in  Vorschlag,  womit 
alles,  was  diefsfalls  in  China  und  Europa  geschehen,  nicht  zu  vergleichen.  Anderer 
mechanischen  Erfindungen  von  nicht  gei'inger  Wichtigkeit  zu  Kriegs-  und  Friedens- 
zeiten anjezo  zu  geschweigen. 

Weilen  auch  bey  dem  Corpoi'i  Evangelicorum  zu  Regensburg  das  Werk  der 
verbesserten  Jahr -Rechnung  nicht  ganz  zu  End  bracht  worden,  sondern  noch  ein 
und  anderes  unaiisgemacht  geblieben,  so  hat  man  sich  deswegen  mit  vortrefflichen 
Astronomis  vernommen,  inid  wäre  im  Stande  Sr.  M*-  mit  einem  authgst.  Bedenken 
an  Hand  zu  gehen,  damit  durch  dero  allerhöchste  Autorität  (zumahl  kein  ander 
evangelischer  Potentat  in  Europa  mit  einem  solchen  Collegio  irgend  versehen)  das 
AVerk  zu  ergänzen,  und  zwar  so  dafs  es  vor  dem  künfftigen  Friedensschlufs  zu 
Ende  gebracht,  und  bey  demselben  auch  in  diesem  Punct  die  evangelische  Frey- 
heitunter römischer  Herrschafft  zu  den  Zeiten,  wo  man  dem  Gregorianischen  nicht 
blindlings,  sondern  dem  Schlul's  des  Corjioins  Evangelici  folgen  würde,  gesichert 
werden  möge. 

Nun  haben  Se.  Kön.  ]NP-  sich  allergnädigst  ei'boten  gehabt  sowol  zur  Ver- 
mehrung des  Fundi,  als  auf  andere  Weise  bey  Gelegenheit  hülffreich  zu  erscheinen. 
Es  ist  von  einigen  Gratien,  Praebenden,  Straf- Gefällen  und  andern  dergleichen 
Zufälligkeiten  gesprochen  worden,  der  Societät  zum  Besten  anzuwenden.  Weilen 
aber  Niemand  hierinn  vor  die  Societät  füglich  wachen  können ,  ist  Kön.  M*-  aller- 
gnädigstes  Absehen  diefsfalls  ohne  Wircklichkeit  blieben.  Gleichwol  wenn  etwas 
ist,  so  ad  pias  causas  zu  rechnen,  ist  es  dieses  Werck,  welches  nicht  nur  die 
Studien  und  Nahrungen,  sondern  auch  vei-mittelst  derselben  die  Ei"kenntnifs  der 
Wunder  des  Schöpfers,  mithin  die  Tugend  und  Gottesfurcht  befördert,  dahei'  bey 
dem,  so  zu  milden  Sachen  verwendet  wird,  diefs  Werck  auch  billig  in  Betrachtung 
zu  ziehen  wäi-e.  Und  weilen  junge  Leute  bey  der  Societät  in  Mathesi  und  Natur- 
Kunde,  Mechanicis,  Astronomicis.  auch  sonderlich  zum  Absehen  der  künfftigen 
evangelischen  Missionen  anzuziehen,  so  könnte  denselben  vermittelst  Stipendien 
und  Communitäten  nach  Gelegenlieit  unter  die  Arme  gegriffen,  und  hernach  denen, 
so  es  verdienen,  zu  Befördei'ungen  geholffen  wei-den.  Und  werden  verhoffentlich 
Se.  M*-  in  Gnaden  geruhen  einige  A'erordnungen  zu  thun,  dafs  sowol  bey  den 
Gratiis  Casualibus ,  als  Piis  Causis ,  Stipendiis ,  Promotionibus  des  gemeinnüzigen 
Absehens  der  Societät  nicht  vergessen  werde. 

Weilen  aber  gleichwol  auch  ein  gewisser  Zuwachs  des  Fundi  nöthig,  darauf 
man  Staat  maclien  könne,  so  ist  ein  und  anders  in  Vorschlag  kommen,  und  zwar 
so  dürfften  sich  vielleicht  i.  annoch  Objecta  finden,  daraufs  etwas  ohne  des  Publici 
Beschwerung  und  Schaden  zu  heben.  Es  könnte  auch  2.  die  Veranstaltung  einiger 
gemeinnüzigen  Dinge,  daraufs  zugleich  ein  besonder  Nuzen  zu  ziehen,  der  Societät 
aufgetragen,  auch  endlich  3.  gewisse  unbedenckliche  Privilegia  gegönnet  werden, 
zumahl  da  etwas  Neues  vmd  Nüzliches  dadurch  eingeführet  werden  könnte.  Alles 
drej»^  würde  concurriren  in  dem  bereits  einmahl  vorbrachten  und  nicht  übel  an- 
gesehenen Vorschlag  des  Bücher -Commissariates.  Denn  da  anjezo  die  Welt  mit 
so  vielen  Schrifften  überhäufet  wird,  also  der  Handel  nicht  so  favorabel,  da  zumahl 


250  Q8n.    Leiemz,  Vorschlag  der  Seidenciiltur  (December  1702). 

last  wenig  in  den  Königlichen  Landen  verlegt,  hingegen  viel  untaugliches  Zeug 
eingeführet  wird,  so  wäre  dadurch  auf  eine  Remedirung  zu  gedencken,  die  Ein- 
führung frembden  Druckes  etwas  zu  beschwehi-en,  den  einheimischen  zu  befördern, 
der  Societät  sowol  die  Aufsicht  und  Censur,  als  gewisse  Privilegia  Inipressoria  zu 
verstatten,  diejenigen  so  andern  gegeben  werden,  mit  selbiger  vorher  comnuiniciren 
zu  lassen ,  und  von  solcher  Anstalt  aus  obigen  Gründen  etwas  der  Societät  zu  gönnen. 

Es  ist  auch  in  Vorschlag  kommen,  einige  Receptur- Büchlein  mit  den  Kalendern 
zu  combiniren,  und  solche  an  selbige  heften  zu  lassen,  und  um  leidliches  durch 
die  Obrigkeiten  und  Beamte  an  die  Unterthanen  jährlich  disti'ibuiren  zu  lassen,  in 
welche  hernach  die  obrigkeitUchen  Einnehmer,  wie  die  Nahmen  haben  mögen,  an- 
statt Quittungen,  was  sie  empfangen,  jedesmahl  zu  schreiben  hätten,  welches 
männiglich  zu  mehrer  Bequemlichkeit  und  Richtigkeit  gereichen  würde. 

Und  weilen  an  Richtigkeit  von  Maafs  und  Gewicht  dem  gemeinen  Wesen 
nicht  wenig  gelegen ,  und  viele  Leute  durch  deren  Mifsbrauch  vervortheilet  werden, 
so  könnte,  nach  dem  Iilxempel  einiger  Königreiche  und  Lande,  in  den  Königlichen 
diefsfalls  eine  Gleichförmigkeit,  etwa  das  Maafs  nach  dem  rheinländischen  Fufs 
durchgehends  eingeführt,  die  Abtheilung  zu  grofser  Bequemlichkeit,  Nuz  des  Publici 
und  Aufhebung  der  Brüche,  in  Decimal  -  Zahlen  gemacht,  die  hin  und  wieder  in 
Locis  Publicis  imd  Privatis  befindliche  Gewichte  und  Maafse  danach  gerichtet,  und 
etwas   aus  dieser  nüzlichen  Anstalt  abgeworfen  werden. 

Es  ist  auch  von  mir  vorlängst  der  Punct  einer  Assecurations-Cassa  angebracht 
worden,  dabey  nicht  allein  auf  die  Einsainlung  der  Gelder  in  die  Feuer -Cassa, 
sondern  auch  auf  eine  gute  Feuer- Ordnung  und  Einführung  nützlicher  Instrumenta, 
sonderlich  der  Feuer  -  Spritzen ,  die  Gedancken  gegangen,  und  K.  M.  solche  Anstalt 
der  Societät  der  Wissenschafften  bereits  aufgetragen.  Nachdem  nun  jezo  die  Feuer- 
Cassa  im  Werck  begriffen,  so  dürfte  es  an  dem  seyn,  dafs  K.  Maj.  Verordnung, 
die  Societät  betreffend,  exequiret,  zu  xVufrichtung  dieses  gemeinnüzigen  Werckes 
mit  der  Societät  communiciret.  und  deren  Aufnahme  dabey  befördert  würde. 

(Im  Druck  bei  Kapp  folgen  hier  noch  die  Worte:  »Nachdem  auch  nicht 
wenig  Oerther  in  den  Provincien  Königl.  JNIaj.,  all  da  durch  Eindeichung  Land  zu 
gewinnen,  so  könnte  dadurch  der  K.  Societät -.) 


68«. 

(Vorgl-  Geschichte  der  Aiailemic  S.  134). 

Leibniz,  Vorschlag  der  Seidencultur    (December  1702). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  S.  371  f.] 

Wiewohl  der  Nuzen  der  Seiden -Zielung  als  eines  neuen  und  Niemand  zu 
nahe  gehenden  Werckes  nicht  befser  anzuwenden  als  zu  Beförderung  der  Wifsen- 
schaflften ,  und  ich  also  denselbigen  der  Königl.  Societät  der  Scienzen  in  so  weit 
zugedacht ; 

Je  dennoch  weilen  zu  einem  neuen  und  weitläufftigen  Geschafft  eine  höhere 
Autorität  vonnöthen;  Sonderlich  aber  weilen  der  Königin  zu  Preufsen  Majestät 
dero  grofsem  habendem  Liecht  in  allen  Dingen  nach ,  die  wahren  Wifsenschafften 
zu  befördern  überaufs  geneigt; 

Die  Sach  auch  sich  für  eine  grofse  Fürstin  schicket,  und  die  verständigste 
Göttin  vor  Alters  für  das  Haupt  solcher  Arbeit  geachtet  Avorden: 

So  habe  meiner  Schuldigkeit  und  Devotion  gemäfs  gehalten,  diefs  Werck 
dergestalt  der  Königin  zu  wiedmen,  dafs  es  unter  Ihrer  Majestät  Befehl  al)sonder- 
lich  stehe. 


68  i  bis  70.    Actenstücke  zum  Unternehmen  des  Seidenbaues  (Januar  1703).        151 

Und  zwar  zu  WifsenschafFten.  Experimenten  und  Untersuchungen,  doch  nach 
besonderer  Genehnihaltung  Ihrer  M*-  angewendet  werde. 

Dero  Befehl  hierinn  zu  vollstrecken,  und  demselben  gemäls  des  Wercks 
Direction  zu  führen,    ich    mir   für    eine    sonderbare  Glüchseeliekeit  schäzen  würde. 


686. 

(Vergl.  Gescliichte  der  Akademie  S.  134). 

Voll  m  acht  d  e  i-  Königin  für  L  e  i  b  n  i  z   b  e  t  r  e  f  f  s  des  Seidenbaues 

(8.  Januar   1703). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     10.  Bd.  S.  372.] 

Wir  von  Gottes  Gnaden  Sophie  Charlotte  Königin  zu  Preufsen  usw.  Ur- 
kunden hiemit:  dafs  Wir  Unserm  lieben  besondern,  Gottfried  Wilhelm  von  Leibniz, 
Ghurfürstl.  Braunschwg.  Lünebg.  Geheimten  Ratli ,  und  Praesident  der  hiesigen 
Königlichen  Societät  der  WifsenschafFten,  Vollmacht  hiemit  ertheilen ,  von  Unsert- 
wegen und  zum  Besten  besagter  Societät,  die  Einführung  der  Seidenzielung  in 
diesen  Landen  gehörigen  Orths  zu  suchen  und  so  viel  an  ihm,  zu  Richtigkeit  zu 
bringen.  Limafsen  wir  auff  allerunterthänigstes  Ansuchen  seiner  von  wegen  der 
Societät,  dieses  Edlen  W^ercks  Beförderung  gern  übernommen,  und  uns  eine  sonder- 
bare Lust  dabey  machen. 

Was  er  nun  darinn  tlum  wird,  versprechen  wir  genehm  zu  halten  und  zu 
handhaben.  Geschehen  in  L^nser  Residenz  zu  Collen  an  der  vSpree,  den  8.  Ja- 
nuarii  1703. 

(gez.)  Sophie  Charlotte. 

69. 

(Vcrgl.  Gesehichtc-  der  Akademie  S.  134). 

Leibniz  an  den  König  Friedrich  I.  (Januar  1703). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  S.  372  f.] 

Allerdurchlauchtigster  usw.  W^eilen  E.  Königl.  M*^-  sich  allergdst  erbothen 
dero  Societät  der  Scienzen ,  da  etwas  Anständiges  und  Unpraejudicirliches  vor- 
kommen solte,  mit  defsen  Concession  zu  begnadigen,  und  aber  die  Einführung  der 
Seiden -Zielung  im  Grofsen  von  solcher  verlangten  Beschaffenheit  sich  befindet,  wie 
E.  K.  ]\L  Sich  aufs  der  Beylage  mit  mehreren  vortragen  zu  lafsen  in  Gnaden  ge- 
ruhen werden:  so  habe  E.  K.  jNP-  allerunterthänigst  ersuchen  sollen  zu  Examinirung 
dieser  Sach  Commissarien  zu  verordnen,  und  Aveilen  mit  E.  M*-  hoher  Approbation 
ich  zwey  dero  Staats  -  Ministres  dazu  vorgeschlagen,  nehmlich  den  H.  Baron 
von  Fuchs  und  den  H.  v.  Ilgen,  so  stehet  in  E.  JVP-  allergdst  Gefallen,  denen  mehr 
Andere  beyzufügen  oder  nicht.  Die  Beschleunigung  des  Wercks  erfordert  die  Zeit, 
weil,  da  es  mit  gebührendem  Nachdruck  angegriffen  werden  soll,  die  benöthigte 
Menge  des  .Saamens  von  frembden  Orthen  ehestens  verschrieben  werden  mufs. 
Und  ich  verbleibe  usw. 

70. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  134). 

Leibniz.   Pro  ]Memoria  betreffs   des   Seidenbaues    (Januar   1703). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  8.3731!'.] 

Es  ist  aufs  der  von  Königl.  jVP-  zu  Preufsen  unserm  allergdsten  Herrn  dero 
Societät  der  Scienzen  ertlieilten  Listruction  zu  ersehen,  mit  was  hohen  und  er- 
leuchteten Beweanissen  Sie  zu  besagter  Societät  Fundation  a;eschritten.     Lidem  Sie 


152  70.    Leibniz,  Pro  Memoria  betreffend  den  Seidenbau  (Januar  1703). 

zuförderst  den  ersten  Vorschlag  aus  eigenem  hohen  Ui'theil  dahin  verbeisert,  dals 
neben  denen  WifsenschalFten  auch  die  teutsche  Sprach  und  Histori,  und  was  sonst 
bev  andern  Königlichen  Academien  zerstreuet,  alliier  vereiniget  seyn  solte.  Her- 
nach haben  Sie  gewolt,  dafs  nicht  nur  die  Natur,  die  Kunst  und  Histoi-i,  zu  ge- 
meinem Gebrauch,  und  Vermehrung  der  menschlichen  A'^ortheile  und  Bequemlich- 
keiten untersuchet,  sondern  vornehmlich  das  Haupt  Absehen ,  und  der  rechte  Zweck 
des  ganzen  menschlichen  Geschlechts ,  nehmlich  die  Erkenntnil's  der  Maclit  und 
"Weifsheit  Gottes  in  defsen  Wercken,  nicht  vergefsen,  sondern  dahin  getrachtet 
würde,  wie  mit  den  Wifsenschafften  und  ander  menschlicher  Cuhur  auch  das  Licht 
des  wahren  Glaubens  zu  frembden  ^"ölckern  bracht,  und  also  Propagatio  fidei  per 
scientias  veranstaltet  würde. 

Solches  vortreffliche  Absehen  alhnählig  zu  erreichen,  haben  Königl.  M'-  zu- 
förderst einen  gewifsen  Grund  geleget  durch  das  Calender  -  Privilegium  in  allen 
dero  Landen,  so  Sie  der  Societät  verliehen,  auch  durch  geschärffte  Edicta  und 
Befehliche  gehandhabet.  Es  hat  sich  zwar  anfangs  nicht  wenig  Hindernifs  in  der 
Execution  gefunden,  docli  hoffet  man  solche  vollends  zu  superiren,  wie  sich  denn 
die  Befserung  im  Werck  bereits  zeiget.  Weilen  aber  dieser  Fundus  nicht  weit 
reichen  kan.  so  haben  Ivönigl.  ]\P-,  wenn  etwas  Anständiges  ferner  vorgeschlagen 
werden  solte,  zu  defsen  Concession  sich  allergdst.  erbothen. 

Nachdem  man  nun  auff'  allerhand  bedacht  gewesen,  hat  sich  ergeben,  dafs 
eines  der  anständigsten  Dinge  seyn  möchte,  die  Erzielung  der  Raupen  Seide  in 
des  Königs  Landen.  Es  ist  nun  über  vierzig  Jahr,  dafs  man  in  Teutschland  mit 
der  Seiden  Zielung  umbgehet,  und  einer  guthen  Würckung  versichert,  aber  wegen 
vieler  zufälligen  Hinderniise  zu  der  Anstalt  im  Grofsen  noch  nicht  gelanget,  also 
dafs  es  scheinet,  die  göttliche  Pro videnz  habe  dieses,  wie  andere  vortreffliche  und 
grofse  Dinge  dem  Könige  in  Preufsen  vorbehalten. 

Es  hat  der  weiland  berühmte  Chur- Fürst  zu  Maynz  und  Bischoff  zu  Würz- 
burg, Johann  Philipp  von  Schönborn,  ohnweit  W^ürzburg  eine  Älaulbeer-Plantagie 
angefangen,  und  Seide  machen  lafsen.  Ein  Gleiches  hat  der  vortreffliche  Churfürst 
zu  Pfalz  Cai'l  Ludwig  vorgehabt.  Man  ist  auch  im  Württemberger  Lande  damit 
lunbgangen,  aber  die  dazwischen  kommene  Todesfälle  und  Kriege,  auch  andere 
Verwirrungen  haben  all  solch  guth  Vorhaben  unterbrochen.  Nachdem  nunmehr 
auch  viel  Reformirten  aus  Franckreich  in  die  Schweiz  und  in  Teutschland  kommen, 
haben  sie  unter  andern  guthen  Wercken  auch  dieses  in  etwas  fürgenommen,  des- 
gleichen auch  einige  Teiitsche  gethan,  aber  alle  nur  mit  einem  geringen  [Nutzen], 
also  dafs  zwar  die  Gewifsheit  des  Nuzens  dadurch  erscheinet,  aber  nichts  Grofses 
noch  Öffentliches  daraufs  erwachsen. 

Nun  sind  gleichwohl  die  Nuzbarkeiten ,  die  dielsfals  aufs  einer  rechten  Anstalt 
in  das  gemeine  Wesen  tliefsen  würden,  überaufs  grofs.  Immafsen  die  Seide  eine 
kostbare  und  doch  dabey  currente  Wahre,  die  so  guth  als  baares  Geld,  also  das 
Werck  einer  aufsträglichen  und  unerschöi^flichen  Fundgrube  zu  vei'gleichen.  Da 
auch  Wolle  und  Flachs  mit  Mühe  von  Menschen  gesponnen  werden  müfsen,  spinnet 
uns  hier  das  Thier  den  Faden,  welcher  so  wohl  angeleget,  dafs  das  ganze  Häufslein 
aus  einem  Faden  bestehet.  Die  Seide  gehet  allen  andern  Materien,  die  zu  der- 
gleichen Gebrauch  gewidmet,  an  Schöhnheit,  Reinigkeit,  Leichte,  und  Festigkeit 
für.  Es  wird  auch  der  frembden  Seide  eine  überaufs  grofse  IVIenge  in  diesen  Landen 
verbraucliet.  Und  ist  gewifs,  dafs  die  Seiden  Manufacturen  nicht  wenig  alhier  durch 
die  Theurung  und  den  Mangel  der  frembden  tüchtigen  rauhen  Seide  gehindert  werden. 
Also  dafs  vor  eigener  Seiden  Zielung  schwehrlich  auff  die  Wohlfeile  der  frembden 
Stoffen  bey  uns  zu  gelangen. 

Es  würde  auch  dadurch  viel  ohngebauetes  Land  zu  Nuz  gemacht,  mafsen  be- 
kand    dafs  diefser  Maulbeerbaum  eben  nicht  schwehr  fort  zubringen,    noch  an  den 


70.    Leibniz,  Pro  Memoria  betreffend  den  Seidenbau  (Januar  1703).  153 

besten  Grund  gebunden.  Es  \vürden  viel  Menschen  in  neue  Arbeit  gestellet,  die 
sonst  die  Zeit  ohnnüzlicli  zubringen.  Bey  der  Fütterung  und  Wartung  der  Wurme 
können  alte  Leute,  Kinder,  und  andere  die  sonst  wenig  arbeiten,  an  Hand  gehen. 
Die  Haspelung  geschieht  durch  ]Menschen,  die  Zwirnung  theils  mit  Instrumenten. 
Die  Manufacturii'er  werden  vermehret,  also  die  Nahrung  mit  der  Licen.t  verstärcket, 
und  Überaufs  grofse  Summen  Geldes  dermahleins  jährlich  im  Land  behalten. 

ISIan  möchte  dagegen  einwenden,  dafs  die  Sach  hiezu  Land  nicht  thunlich; 
allein  der  Augenschein  und  sich  ergebender  Überschufs  ist  vorhanden,  welcher,  ob 
er  schohn  anjezo  nur  im  Kleinen  wahr  gemacht,  sich  doch  bey  gröfserer  Anstalt 
multipliciren  müste.  Die  Bäume  gerathen  in  allei'hand  Grund,  wiederstehen  der  Kälte, 
und  verursachen  desto  Aveniger  Besorgniis,  weilen  es  dabey  nicht  auff  Früchte,  sondern 
nur  auff  Blätter  ankörnt;  die  Seiden -Wurme  sind  hier  den  Kranckheiten  weniger 
unterworffen  als  in  den  warmen  Landen ,  die  Seide  ist  (nach  Gelegenheit)  der 
italianischen  und  fnmzösischen  zu  vergleichen,  und  zu  allen  Arbeiten  guth,  wie  es 
die  Wercke  zeigen. 

Nachdem  nun  Königl.  M'-  zu  Preufsen  sich  geneigt  erclärt  gehabt,  dero  Societät 
der  Scienzen  in  solchen  Stand  zu  sezen,  dals  sie  etwas  leisten  könne,  so  der  Glori 
des  allerdurchlauchtigsten  Fundatoris,  der  Erwartung  der  Welt,  und  der  Königl. 
Instruction  einig  Gnügen  geben  köndte,  so  hat  man  nach  reiffer  Überlegung  dafür 
gehalten,  die  Concession  der  Seiden -Cultur  seye  ein  Werck,  welches  alle  Requisita 
habe,  so  dazu  zu  verlangen.  Dann  erstlich  kan  es  der  Societät  zu  einem  beständigen 
Fundo  mit  dienen  etwas  Rechtschaffenes  aufszurichten;  vors  andere  gereicht  es 
Niemand  zu  Praejudiz;  und  drittens  so  ist  es  an  sich  selbst  löblich  und  gemein -nüzig. 

Man  hat  aber  fürs  Beste  gehalten  der  Königin  M'-  allerunterthänigst  zu  er- 
suchen, dafs  sie  selbst  diefs  Werck  der  Seiden -Cultur,  als  eine  angenehme  tnid 
schöhne,  auch  einer  grofsen  Fürstin  anständige  Sach,  dergleichen  die  Alten  ihrer 
weisesten  Göttin  zugeschrieben,  unter  dero  Protection  absonderlich  (zu)  nelanen,  und 
mit  dero  Autorität  zu  befördern  in  Gnaden  geruhen  möchte.  Welches  ihre  M'  auch 
guth  befunden  und  sich  darinn  eine  sonderbare  Lust  machen  wollen. 

Wird  demnach  allerunterthänigst  gesuchet:  i.  dafs  der  König  in  Preufsen 
unser  allergdst.  Hen-,  vor  sich  und  seine  Successoren  an  der  Regierung,  seiner 
Societät  der  Wifsenschafften  verleihe  das  Perpetuum  Privilegium  der  Seiden -Zielung 
in  allen  dei*o  Landen,  also  dafs  Niemand  als  dero  Societät  frey  stehen  soll  rauhe 
Seide  darinn  zu  machen. 

2.  Dafs  Königl.  M^-  zu  dieser  voi'habenden  Verfafsung  hergeben  die  vorhan- 
dene Maulbeer- Gärten  zu  Keppenich,  Postdam,  Glüneke,  Borne  und  wo  Sie  sonst 
mögen.  Dergestalt  und  also  dai's  der  Societät  zu  allen  Zeiten  alda  freystehen  soll 
seyn  sich  solches  Grundes  zu  bedienen,  alda  neue  Bäume  zu  pflanzen,  die  vor- 
handene oder  noch  erziehende  jnnge  Bäume  heraus  in  andere  Orthe  zu  versezen, 
und  sonst  davon  die  Blätter  zu  gebrauchen,  und  dafs  dagegen  Königl.  M*-  einen 
jährlichen  leidlichen  Grundzinfs  geniefsen,  nach  Mafse  defsen  so  solcher  Grund 
bisher  einbracht. 

3.  Dafs  Königl.  M'-  Pläze  anweisen  lafsen,  in  unterschiedenen  dero  Landen 
Baumschuhlen  anzulegen,  damit  eine  überaufs  grofse  Menge  der  jungen  Bäume 
förderlichst  aufbracht  werde,  die  hernach  zum  Theil  in  die  Alleen  oder  andere 
Orthe  versezet  werden  können.  Auch  dafs  Königl.  M*-  zu  Bearbeitung  des  Grundes 
solcher  Baumschuhlen  oder  Gärten  und  zu  deren  Verzeunung  mit  Frohndiensten 
und  dem  Holz  bevhülffig  seyn.  Und  soll  von  solchen  Pläzen  alsdann  erst  ein  leid- 
licher Grundzinfs  gegeben  werden,  wenn  man  sie  nuzen  kan, 

4.  Dafs  Königl.  M'-  beliebe  dahin  beförderlich  zu  seyn,  wie  so  viel  thunlich 
Alleen  von  diesen  Maulbeer -Bäumen  hin  und  wieder  gepflanzet  werden  mögen.  Es 
würde  schöhn  stehen,  wenn  von  Berlin  nach  Schöhnhausen,  Fridrichsfelde  und  anderen 


154  '^1-    Leienizchs  erster  Brief  an  die  Königin  vom  S.  Mai  1703. 

König!,  naligelegenen  Häusern  dergleichen  Alleen  geführet  würden.  Die  Bäume  ver- 
schafft die  Societät  dazu ,  und  genölse  davon  der  Blätter  ohne  Entgelt.  Die  Pilanzung 
und  Erhaltung  der  Alleen  liei'se  der  König  durch  die  gewöhnliche  Anstalt  besorgen 
wegen  der  Zierde,  so  dem  Publico  dadurch  zuwachset,  weilen  diese  Bäume  hierinn 
allerdings  den  Linden  gleichkommen. 

5.  Dafs  Niemand  erlaubet  seyn  soll,  solche  Art  ]Maulbeer- Bäume  ohne  Yev- 
wilhgung  der  Societät  zu  pflanzen,  weil  solche  Bäume  ohnedem  keine  Frucht  tragen, 
so  die  Menschen  geniefsen,  und  also  aulser  zur  Seide  nicht  gebräuchlich. 

6.  Weilen  zur  Warung,  Fütterung  und  Spinnung  der  Wurme  eine  bequeme, 
reine  und  stille  AVohnung  nöthig,  da  man  auch  nacli  Belieben  eine  temperirte  Wärme 
geben  kan,  dafs  Königi.  M*^-  hin  und  wieder  mit  Gebäuden,  so  wie  es  ohne  Prae- 
judiz  von  deroselben  und  männiglich  gar  leicht  geschehen  kan,  behülflich  seven. 

7.  Dafs  die  Societät  Macht  habe  die  von  ihr  gezielte  Seide  ohne  Hinderung 
von  Jemand,  eignes  Gefallens  zwirnen,  färben  und  verarbeiten  zu  lafsen,  so  wohl 
in  ganz  seidenen  als  gemischten  Stoffen,  in  lloretten,  und  allen  andern  Arbeiten, 
wie  sie  immer  Nahmen  haben  mögen,  und  sollen  die  von  ihr  brauchende  Leute 
aller  Privilegien  ander  ^Meister  zu  geniefsen  haben.  Doch  wird  die  Societät  sich 
gern  der  Leute  dabey  bedienen,  welclie  bereits  mit  dergleichen  in  des  Königs 
Landen  ihre  Nahrung  treiben,  wenn  sie  sich  billig  und  bequem   erzeigen. 

8.  Dafs  auch  zu  Ermunterung  der  Gemüther  und  Beförderung  gutlier  Anstalten, 
gleich  wie  bereits  hiemit  in  diesem  Werck,  also  künfftig  in  andern  fest  gestellet 
seyn  soll,  dafs  wer  bey  der  Societät  der  Scienzen  etwas  Nuzbares  verschlagen  und 
introduciren  wird,  so  dafs  man  ohne  ihn  nicht  dazu  gelanget  seyn  würde,  für  sich 
und  seine  Erben  den  zehndten  Theil  des  Uberschufses  davon  zu  geniefsen  haben  solle. 

9.  Dafs  Königl.  M*-  in  Gnaden  geruhen  mögen,  bey  allen  Fürfallenheiten 
diesem  so  gemein -nüzigen  und  edlen  Werck  auff  alle  W^eise  mit  Nachdruck  bey- 
zustehen,  aucli  anfangs  da  es  nöthig,  mit  einigem  A'orschufs  zu  lielfen. 


71. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  135). 

Leibniz.    Brief  an    die    Königin    Sophie    Charlotte    vom    8.  ]NLni   1703. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibkiz.     10.  Bd.  S.  384.] 

Madame.  La  lettre  cy-joincte  est  ecrite  comme  je  crois  en  sorte  que  Votre 
3Lajeste  la  pourroit  donner  a  lire  au  Roy.  Puisqu'EUe  veut  bien  avoir  cette  bonte, 
je  souhaiterois  qu'il  la  put  lire  avant  le  retour  de  V.  M.,  pour  donner  quelque  re- 
ponse,  et  il  suffiroit  que  Sa  Majeste  declarät  en  general  qu'elle  veut  accorder  ä 
la  societe  le  privilege  en  question,  sauf  ä  Elle  d"en  regier  par  apres  les  particu- 
larites  ä  loisir.  Sa  Gloire  y  est  interessee ,  la  societe  ne  sauroit  rien  faire  de  grand 
Sans  une  augmentation  de  son  fonds:  et  cette  augmentation  ne  couste  rien  au  Roy, 
ny  ä  personne.  Si  on  l'obtient,  j'aj^  des  projets  seurs  touchant  la  maniere  de  faire 
des  choses  tres  importantes  dans  les  sciences,  pour  la  reputation  et  pour  l'utilite 
publique  et  meme  pour  la  satisfaction  de  Vos  Majestes.  Je  n'espere  pas  que  le 
Roy  sera  prevenu  conti-e  moy,  parceque  je  suis  d'Hanover,  et  que  la  societe  Royale 
en  souffrira.  En  ce  cas  je  serois  doublement  malheureux,  ayant  este  soubgonne 
ä  Hanover  d'un  trop  grand  attachement  poiu-  Berlin.  Mais  je  vais  au  bien  general 
qui  est  le  vray  interest  des  deux  cours.  V.  M.  me  peut  rendre  bon  temoignage 
de  Tun  et  de  Tauti'e  coste,  et  je  suis  avec  devotion,  etc. 


Leibnizcus  zweiter  Briet'  au  die  Könifrin  vom  8.  Mai  1703.  155 


72. 

(Vergl.  Gescliichte  der  Akademie  S.  133). 

Leibniz,    Brief  an  die  Königin  Sophie  Charlotte    (bestimmt  für  den 

König)    vom  8.  Mai   1703. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibxiz.     ig.  Bd.  8.38511'.] 

Madame.  Avant  que  de  ])artir  je  prends  la  liberte  d'avoir  recours  ;i  Votre 
Majeste  pour  nne  alfaire  oü  la  gloire  du  Roy  est  interessee,  puisque  apjiaremment 
je  n'auray  pas  sitost  moy-meme  l'hoimeur  d"en  parier  a  Sa  Majeste.  II  s'agit  de 
la  conversation  et  de  Tavancement  de  la  Societe  Royale  des  Sciences.  Un  mot  de 
Votre  Majeste   aupres   de    ce  grand  prince  fera  plus  que  toutes  mes  i-emontrances. 

Apres  le  bonheur  d'estre  souvent  aupres  de  Votre  Majeste,  Tesperance  que 
la  grandeur  du  Roy,  le  plus  considerable  des  princes  protestans  en  dega  de  la 
mer.  fourniroit  de  Foccasion  pour  faire  quelque  chose  de  beau,  m'a  fait  songer  k 
venir  de  temps  en  temps  icy,  et  ä  proposer  la  fondation  de  la  Societe  en  commengant 
par  les  Almanachs.  Mais  il  faut  autre  chose  pour  que  cette  societe  puisse  faire 
quelcpie  chose  de  considerable,  et  aller  du  pair  a.vec  d'autres  Societes  Royales; 
et  si  on  n'augmente  pas  son  fonds,  eile  rampera  au  depens  de  la  gloire  du  fon- 
datenr.  Je  n'y  jjrends  part  k  mon  particulier  que  parce  que  je  cherche  le  bien 
general  du  genre  humain,  dont  le  tresor  est  augmente  par  les  belles  et  importantes 
decouvertes  qui  servent  ä  faire  admirer  les  merveilles  de  Dieu  et  a  avancer  le 
bonheur  des  hommes;  car  pour  ce  qui  est  de  mon  interest,  je  puis  dire  que  l)ien 
loin  d'en  profiter,  j'y  ay  mis  bien  du  mien,  en  comptant  mes  soins  et  mon  temps, 
sans  parier  de  la  depense  que  j'ay  faite,  sans  importuner  le  Roy.  On  a  tjuantite 
de  l)eaux  projets  assez  faciles  ä  executer  qui  effaceroient  en  bien  des  choses  ce 
tpi'on  a  fait  ailleurs.  mais  il  faut  quelques  moyens  pour  cela.  Et  j'en  ay  proj^ose 
de  tres  faisables ,  qui  ne  cousteroient  rien  au  Roy  ny  k  ses  sujets,  et  j'ay  appuve 
surtout  sur  celuy  de  la  plantation  des  meuriers,  qui  est  le  plus  palpable,  et  le 
moins  sujet  k  aucune  ombre  de  contradiction.  Le  Roy  n'a  qu'ä  donner  pour  cela 
le  privilege  et  des  places  qui  ne  luy  rapportent  presque  rien,  et  il  en  tirera  un 
profit  considerable.  par  V Erbzins  ou  Canon  annuel,  qu'il  en  aura.  Et  en  peu 
d'annees  nous  viendrons  ä  un  fonds  pour  les  sciences,  qui  nous  exemtera  de  la 
necessite  d'importuner  souvent  Sa  Majeste.  Ce  fonds  sera  en  effect  au  Roy  comme 
les  fonds  destines  pour  d'autres  affaires,  et  il  mettra  la  Societe  en  estat  de  faire 
venir  d'excellens  hommes,  capables  de  i-endre  Service,  aussi  bien  que  des  raretes 
de  la  nature  et  de  Fart;  sans  parier  des  livres  et  instrumens  et  de  ce  qu'il  faut 
pour  un  observatoire ,  un  laboratoire.  et  tont  autre  appareil  convenable.  On  pourra 
faire  des  observations ,  travaux.  experiences  et  decouvertes,  qui  donneront  de  la 
satisfaction  ä  Vos  Majestes  et  ä  Monseigneur  le  prince  Royal,  qui  seront  admires 
des  estrangers.  qui  serviront  au  bien  public  et  avanceront  les  manufactures.  le 
commerce  et  l'oeconomie,  la  mecanique,  la  physique  et  meme  la  chymie  veritable 
avec  la  Medecine,  sans  parier  de  la  vertu,  de  la  perfection  de  l'esprit,  du  reveil- 
lement  des  bons  genies  et  personnes  de  consideration  de  ce  paj's,  mais  surtout  de 
la  gloire  de  Dieu.  On  envoyera  des  personnes  en  Moscovie  et  jusques  dans  la 
Chine.  On  s"en  servira  meme  pour  travailler  a  la  propagation  des  pures  lumieres 
de  la  vi-aye  foy  par  le  moyen  des  sciences,  qui  lu}^  servent  d'introduction.  En 
quoy  nous  pouvons  jjasser  bien  loin  les  efforts  de  l'Eglise  Romaine  qui  se  vante 
d'avoir  seule  des  missionnaires,  mais  qui  n'a  garde  de  les  employer  comme  il  faut. 

J'espere  d'apprendre  par  la  bonte  de  Votre  Majeste  le  destin  de  la  Societe, 
et  si  le  Roy  veut  qu'elle  fasse  quelque  chose  de  grand  et  de  digne  de  luy.  En  ce 
cas  il  accordera  sans  doute  ce  qui  ne  luy  couste    rien    et   ne    charge  personne,    et 


156  "3.    LEiBNizens  Brief  an  die  Königin  vom   18.  Mai  1704:. 

c"est  le  cas  du  privilege  des  meuriers.  Sa  Majeste  avoit  meme  promis  ä  Sa  Societe 
qu'EUe  ne  luy  refuseroit  pas  de  telles  concessions.  C'est  assez  ä  present  qu'on 
aye  la  parole  du  Roy  sur  ce  sujet  pai'ticuliei-,  a  fin  qu'on  puisse  prendre  ses  me- 
sures,  et  tout  le  reste  ira  Lien  avec  le  teinps.  Si  \'otre  Majeste  nous  obtient  une 
resolution  favorable  la-dessus,  je  partiray  content;  car  quand  je  ne  vivrois  pas  assez 
pour  voir  ce  que  nous  avons  sujet  d'en  attendre,  j'auray  tousjours  la  satisfaction 
de  savoir  que  j'ay  contribue  un  peu  ä  faire  jetter  des  fondemens  solides  d'une  des 
plus  belles  entreprises  que  je  sache,  c'est  ä  dire  d'une  societe  lleurissante  et  feconde 
en  belies  productions.  Votre  Majeste  y  aura  l:)eaucoup  de  part,  et  je  seray  tous- 
jours avec  devotion  etc. 


73. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.139). 

Leibniz,    Brief    an    die    Königin    Sophie    Charlotte  vom   i8.  Mai  1704. 
[Klopp,    Die  Werke  von  Leibniz.   ig.  Bd.  S.  245fF. ;  Original  auf  der  Bibliothek  zu  Göttingen.] 

Madame.  Je  me  suis  infonne  du  philosophe  extraordinaire  dont  parle  ^^  M., 
mais  il  se  trouve  qu'il  est  parti.  On  tacliera  neantmoins  de  savoir  oü  il  peut  estre 
devenu. 

Ma  derniere  lettre  a  este  un  peu  trop  fort  speculative  peutestre  et  troj)  ap- 
prochante  du  caractere  dont  je  viens  de  parier.  En  voicy  une  autre  plus  materielle 
et  plus  pesante:  car  il  faut  de  la  matiere  j)our  nourrir  jusqu'aux  pensees,  suivant 
ma  Philosophie  meme,  puisque  j'ay  banni  tous  les  esprits  separes  du  nonibre  des 
creatures.  V.  M.  sait  que  je  pretends  que  le  ver  a  soye  est  Tanimal  de  la  terre 
le  plus  fait  pour  les  philosophes  apres  l'homme,  avec  l'arbre  dont  il  est  la  chenille, 
c'est  ä  dire  avec  le  meurier.  V.  M.  est  entree  gracieusement  dans  ma  pensee,  et  a 
dispose  le  Roy  k  donner  cette  culture  ä  la  societe  qu'il  a  fondee.  Quand  je  viendray, 
je  tächeray  d'obtenir  des  lettres  patentes  pour  cet  effect,  par  l'entremise  de  V.  M., 
afin  que  l'affaire  s'etablisse  enfin  dans  les  formes.  Mais  j'ay  eu  soin  d'obtenir 
d'Italie  de  la  graine  de  l'arbre.  Monseigneur  l'Electeur  en  a  fait  venir  ä  ma  soli- 
citation.  II  u"y  a  que  4Jours  qu'elle  est  arrivee;  et  il  m'en  fait  donner  pour  l'en- 
voyer  ä  V.  M.  J'y  joins  aussi  Instruction  qui  servira  au  jardinier  pour  la  semer 
au  plustost,  et  quoyque  la  lune  ne  sera  plus  croissante,  car  nous  avons  pleine 
lune  demain ,  je  crois  qu'il  n'y  aura  pas  grand  mal.  Mais  si  le  temps  estoit  un 
peu  couvert  et  humide,  je  crois  que  ce  seroit  tant  mieux. 

J'espere  que  V.  M.  fera  cette  grace  ä  la  societe  des  sciences  de  faire  accom- 
moder  quelque  endroit  dans  son  jai'din  dans  ce  commencement  pour  servir  de  pe- 
piniere,  dont  ])ar  apres  on  pourra  transposer  les  plantes  a  un  lieu  propre.  Mais 
si  V.  M.  le  trouve  a  propos ,  nous  ferons  venir  une  plus  grande  quantite  de  graine 
pour  Tannee  qui  vient,  ce  qui  se  peut  en  donnant  ordre  pour  cela  ä  temps,  afin 
que,  quand  les  fruits  seront  meurs,  on  en  cueillisse  la  graine  pour  nous  l'envoyer. 
Nous  en  trouverons  aussi  en  Allemagne.  Mais  il  me  paroist  a  propos  d'en  faire 
venir  aussi  une  bonne  quantite  d'Italie  pour  voir  si  les  arbres  qui  en  viendront  ne 
seront  pas  meilleurs. 

Nostre  Cour  ira  bientost  ä  Herrenhausen,  et  je  fais  tout  ce  que  je  puis  pour 
me  depecher  vers  ce  temps  lä,  afin  d'aller  faire  ma  Cour  a  V.  M.  En  attendant 
j'ay  tache  de  marquer  mon  zele  comme  j'ay  im.  Car  je  m'imagine  que  V.  M.  se 
fera  un  plaisir  de  contribuer  genereusement  ä  un  aussi  bon  dessein  que  celuy  de 
l'accroissement  des  Sciences,  ä  quoy  je  ne  trouve  rien  de  plus  convenable  que 
l'etablissement  des  meuriers  blancs  en  Allemagne,  pai-ce  que  c'est  une  entreprise 
qui  ne  charge  et  n'incommode  ^Jersonne.     Je  suis  avec  devotion  etc. 


74.  75.    Leibniz  und  die  Königin  zum  Seiden -Privileg  der  Soeietät.  15V 

74. 

(Vergl.  Geschichte  der  Atademie  S.  139). 

Leibniz,  Instruction  pour  la  graine  des  meuriers  blancs. 
[Klopp,  Die  Werice  von  Leibniz.    10.  Bd.  S.  247  f.] 

On  ne  peut  trouver  de  la  graine  des  Meuriers  Llancs  ny  a  Venise  ny  ä 
Ronie.  Enfin  on  en  a  obtenu  de  Milan  et  on  en  envoye  autant  qu'on  en  a  pü 
ti'ouver  dans  cette  saison  avec  cette  instruction  pour  la  jilantei-  et  la  faire  croistre, 
qui  est  la  plus  exacte. 

11  faut  mettre  la  graine  en  infusion  pour  deux  jours,  puis  la  tirant  de  l'eau 
la  faire  secher  ä  Tombre,  mais  non  jjas  taut  qu'elle  devienne  tout  a  fait  seche  et 
qu'elle  ressente  l'huniidite  de  la  terre.  On  cboisira  un  terrain  qui  soit  plustost 
mol  que  dar,  point  trop  sablonneux  et  qu'il  n'ait  ny  trop  de  soleil,  ny  trop 
d'ombre,  Tengraisser  [sie]  de  fuinier  de  cheval  avant  que  de  le  becher,  et  que  le  terrain 
soit  bien  reinue  et  egal  sans  pierres.  On  inelera  un  peu  de  sable  a  la  graine,  on 
la  seinera  a  lune  croissante,  melee  coinnie  on  a  dit  avec  un  pevi  de  sable.  mais 
non  pas  trop  epaisse  ny  trop  j^res  Tune  et  l'autre.  Les  petites  plantes  des  meuriers 
estant  eloignees  l'une  de  l'autre  croistront  mieux. 

Le  jardinier  connoistra  la  disposition  du  terrain  et  ce  qu'il  faudra  faire  afin 
de  bien  preparer  la  dite  terre  et  l'assaissonner  avec  du  vieux  furnier  de  cheval 
menu,  et  qu'il  soit  haut  deux  doigts  au-dessus  du  terrain.  Les  meuriers  ne  sor- 
tiront  de  terre  que  40  jours  apres  estre  semes;  quand  on  les  pourra  discerner  et 
qu'il  V  aura  de  l'herbe  a  l'entour.  il  la  faudra  delicatement  arracher,  les  tenir  bien 
nets,  et  le  terrain  frais   et  mol. 

La  premiere  et  la  seconde  annee,  il  n'y  faut  point  toucher  ny  rien  couper, 
mais  les  couvrir  de  bon  vieux  fumier  de  cheval ,  mais  l'hy ver  il  faudroit  les  couvrir 
de  bonne  paille  haussee  de  terre,  et  les  garder  de  la  gele  qui  les  detruiroit. 

75. 

(Vergl.  Gescliichte  der  Akademie  S.  139). 

Aus    dem  Brief  der  Königin  Sophie  C' h a r l o t t e    an  Leibniz 

vom   7.  Juni   1704. 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  8.  248.] 

Je  ne  vous  ay  pas  respondu,  Monsieur,  sur  vostre  lettre^  savante  et  pro- 
fonde,  mais  je  n'ay  pas  moins  admire  comme  vous  rendez  facile  une  matiere  aussi 
abstraite  que  celle-la  qu'il  me  semble  que  je  l'entends.  —  Pour  la  seconde  avec 
la  graine  je  n'ay  pu  mettre  encore  en  execution  ce  qu'il  y  faut  faire,  et  je  la 
garde  ä  vostre  arrivee.  Cependant  le  roy  est  fort  bien  dispose  pour  cette  entre- 
prise 

76. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  139). 

Leibniz,    Ohnniaassgeblicher  Vorschlag,   wie  durch  allerhand  König- 
liche    und     gemeinnüzige    Concessiones     der    Soeietät     der    Wissen- 
schaften aufzuhelfen.     September  1704. 
[KAPPens  Sammlung  S.  455ff. ,  aber  auf  den  August  datirt;  Guhrauer,  LEiBNiTzens  Deutsche 
Schriften,  2.  Bd.  S.  289 ff. ;    Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  S.  388 ff.] 

Es  ist  bekannt,  dafs  K.  3L  höchst  erleuchtete  Intention  allezeit  gewesen, 
Dero  Soeietät  der  Wissenschaften,  welche  mit  dem  blofsen  Calender-Privilegio  nicht 


^    C'est  Celle  du  8  May  011  j'ay  communique  ä  la  Reine  ce  que  j'avois  ecrit  a  Mylady 
Masliam  (Notiz  von  Leibniz). 


158  '^6-    Leibniz,    Neue  Vorschläge  zu  Concessioiien  (September  1704). 

weit  kommen  kann,  mit  andern  dei'gleichen  Concessionibns  hülfreicli  zu  erscheinen, 
wie  solches  Dero  aUergnädigste  der  Societät  gegebene  Instruction  mit  mehrerem  besagt. 

Wenn  nun  solches  zulänglich  geschehen  sollte,  würde  man  zur  Ehre  Gottes, 
Glori  Ihrer  Majestät  und  gemeinem  Besten  etwas  Rechtes  zu  Werke  bringen,  Ob- 
servationes  und  Experimenta  anstellen,  neue  und  wichtige  Erfindungen  vollstrecken 
und  sowol  zu  Verbesserung  der  Information  und  Studien,  Vermehrung  des  Bücher- 
verlages in  Ihrer  Majestät  Landen,  so  bil'sher  sehr  schlecht,  auch  sonst  zu  der 
Erzielung  der  Naturalien,  Fabriquen,  Machinen,  Bau-  und  Wasser -Werken,  samt 
anderen  Kunst-  und  Nahrungssachen  ein  Ansehnliches  in  kurzer  Zeit  contril)uiren, 
auch  durcli  Alischickung  einiger  Observatorum  in  frembde  Orte,  unter  Ihrer  M*  Pro- 
tection neben  den  Wissenschaften  auch  das  Liecht  des  heil.  Evangelii  fortpflanzen 
helfen  können,  alles  dem  Diplomati  fundationis,  und  obgedachter  Königlicher  In- 
struction gemäl's.  Wie  man  denn  bereits  inzwischen  sich  nicht  nur  in  ziemliche 
Correspondenzen  mit  auswärtigen  Societäten  und  Gelehrten  eingelassen,  sondei-n 
auch  mit  der.  Congregation,  so  der  Papst  zu  Verbesserung  des  Calender -Wesens 
unter  zweener  Cardinäle  Direction  angeordnet,  in  gewisser  Commvuiication  stehet, 
und  also  wegen  Ihrer  M*^  als  vornehmsten  evangelischen  Potentaten  im  Reich,  zu- 
mahl  da  kein  anderes  zu  diesem  Werck  bestimmtes  evangelisches  CoUegimn  als 
die  Königliche  Societät  vorhanden,  zu  gewissen  Temperamenten  zu  gelangen  hoffet, 
dadurch  die  beschwerliche  Gal  ender -Spaltung  gänzlich  aufhören  könne. 

Damit  nun  die  Societät  den  bereits  bei  Auswärtigen  in  etwas  erlangten ,  bis- 
her aber  auf  Hoffnung  ehester  besserer  Verfassung  beruhenden  Ruhm  erhalten, 
und  alles  obgemeldete  löbliche  Absehen  erreichen  möge,  könten  noch  verschiedene 
ohnmafsgebliche  nach  und  nach  voivschlagende  Königliche  Concessiones  dienen, 
Avelche  so  bewandt,  dafs  sie  zugleich  etwas  Gemeinnüziges  mit  sich  führen. 

1.  Weilen  die  gemeinen  Leute  oft  Receptur-  und  Quittanzbüchlein  oder  der- 
gleichen brauchen,  darein  die  Receptores  an  Quittungs  statt  das  Gelieferte  notiren, 
so  könten  solche  bey  den  Calendern  an  die  Unterthanen  gegen  ein  Leidliches  dis- 
tribuiret,  auch  solcher  Modus  zu  quittiren.  auch  sonst  zu  notiren,  als  bequem  und 
nüzlich  weiter  eingeführet  werden. 

2.  Weilen  bekannt,  dafs  eine  grofse  Difformität  sich  bey  denen  in  den  Schulen 
und  sonst  bey  denen  Praeceptoribus  tarn  privatis  quam  publicis  gebräuchlichen 
Büchern  findet,  dadurch  die  von  einer  Schule  in  die  andere  ziehen,  öder  in  der 
Schule  selbst  andere  Praeceptores  bekommen,  sich  zu  neuen  Büchern  gewölmen, 
auch  wol  andere  Dogmata  annehmen  müssen,  mithin  in  progressu  studiorum  nicht 
wenig  turbiret  und  gehindert  werden;  überdiefs  auch  mehr  als  zu  bekannt,  dafs 
die  Information  der  Jugend  oft  schlecht  bestellet,  die  Ingenia  weit  herumb  geführet, 
zu  Zeiten  auch  mit  untauglichen  theils  schädlichen,  meist  aufser  Landes  verlegten 
Büchern  beladen  wird  [sie];  so  könnten  unter  Approbation  der  Societät  richtige,  deut- 
liche, auf  den  alten  zin*  Gottesfurcht  und  Tugend  gerichteten  Grund  gebauete,  mit  neuen 
Erfindungen  ausgezierte  Compendia,  Tabulae  und  Systemata  disciplinarum,  auch 
Notitiae  Historico-Geographico-Genealogico-Heraldicae,  dann  auch  Grammatiken, 
Januae,  Dictionaria,  Nomenciatores,  Collectanea  memorabilium ,  unter  was  Namen 
sie  wollen,  und  dei-gleichen,  theils  verfasset,  theils  erneuert,  danebenst  solclie 
Editiones  Autorum  Classkorum  ziun  Druck  befördert  werden,  welche  mit  notis 
criticis  nicht  übei'häufet  und  vertheuert,  und  doch  mit  nöthigen  Erclärungen  ver- 
sehen wä,ren.  Dazu  gehörten  auch  Schreib-  und  Rechenbücher,  und  sonderlich 
Catechismi,  Compendia  Theologica,  in  denen  gewisse  taugende  Gebet-  und  Gesang-, 
auch  Spruchbücher,  Editiones  des  neuen  Testamenti,  auch  der  gjuizen  Bibel  oder 
deren  Theile  im  Original  und  andern  Sprachen,  auch  sonderlich  Lexica  und  Dic- 
tionaria von  allei-hand  Sorten.  Auch  wird  Kön.  M'  in  Gnaden  geruhen,  der 
Societät   ein   genei-ale  Privilegium   impressorium   perpetuum  more  consueto  auf  die 


77.    Leibnizchs  Bericht  ül)er  seine  Leistungen  an  den  König  (Januar  1705).        lol) 

vou  Dero  wegen  verlegte  Bücher  in  Gnaden  zu  ertheilen.  Demnach  würden 
Kön.  M'  in  Gnaden  geruhen  Dero  Societät  ein  Privilegium  perpetuum  generale 
auf  die  sogenannte  Schulbücher  allergnädigst  zu  ertheilen ,  dafs  diese  allein  zu 
Lectionibus  imd  Collegiis  uniformirter  in  Dero  Landen  gebraucht  würden. 

3.  Weilen  auch  die  Nicht -Studirenden  billig  in  vielen  nüzlichen  Dingen, 
sonderlich  ex  ]Mathesi,  Natura,  Oeconomicis.  Historia  et  Re  Morali  in  teutscher 
Sprach  unterwiesen  werden  sollten,  Aväre  der  Societät  dessen  Besorgung  insonder- 
heit aufzutragen,  und  deswegen  Schreib-  und  Rechenmeister,  auch  andere  Künstler 
und  Meister  an  sie  zu  weisen. 

4.  Nachdem  ^Eafs  und  Gewicht  gemeiniglich  mit  der  Zeit  in  Ohnrichtigkeit 
zu  konuiien  pflegen,  auch  die  dabey  in  verschiedenen  Provincien  sich  findende 
Difforniität  viel  Ohngelegenheit  verursacht,  diefs  auch  Res  Mathematica  ist,  so 
könte  nach  dem  Exempel  der  Cron  Dennemarck,  da  alles  iNIafs  und  Gewicht  nicht 
allein  geaichtet  und  in  Richtigkeit  bracht,  sondern  auch  die  Mensurae  auf  den 
rheinländischen .  in  der  That  alten  romanischen  Fufs  gerichtet,  vuid  vermittelst  der 
Decimal -Eintheilung  von  der  Bruch -Rechnung  befreyet  worden,  ein  Gleiches  durch 
alle  ihrer  ÄP-  Lande  zu  bewerkstelligen,  auch  ferner  zu  beobachten,  die  Societät 
autorisiret  werden,  auch  von  solcher  Einrichtung  und  ferner  beständiger  Lispection 
und  Revision  ein  Gewisses  zu  geniefsen  haben. 

5.  Es  ist  bereits  vor  mehr  als  einem  Jahr  die  Seiden -Erzielung  in  diesen 
Landen  in  Vorschlag  kommen,  auch  Maulbeer -Samen  aus  Italien  angeschafft  worden, 
weilen  gewisser  Beweis  von  dem  Success  vorhanden.  Ob  nun  avoI  ein  merklicher 
Gewinn  in  den  ersten  Jahren  nicht  zu  erreichen;  dieweil  aber  dennoch  ein  grofser 
und  ansehnlicher  Nuz  endlich  daraufs  erfolgen  mufs ;  als  hat  man  das  Werck  fort- 
zusetzen nöthig  befunden;  und  wird  verhoffet,  Ihre  M*-  werden  allergdst.  geruhen, 
die  beiden  Gärten  der  weifsen  Maulbeer -Bäume  zu  Potsdam  und  Köppenick,  samt 
denen  Bäumen  zu  Glünecke  zu  dem  Ende  zu  überlassen,  als  welche  doch  bifsher 
wenig  oder  nichts  einbracht  haben.  Desgleichen  auch  einige  bequeme,  anjezo 
wenig  nüzende  Ländereyen  hin  und  wieder  anweisen  zu  lassen,  da  Baumschulen 
angelegt,  oder  dahin  danach  die  Bäumlein  versezet  werden  könten.  Und  weil  der 
Garten  zu  Köppenick  wenig  gepfleget  und  die  Bäume  damit  verwahrloset,  auch 
gar  zum  Theil  gegen  alle  Raison  ausgerottet  worden:  so  könten  Ihre  31*-,  was  zu 
deren  Erhaltung  bestimmt,  und  von  gewissen  Leuten  dazu  genossen,  aber  übel  an- 
geleget  woi-den,  zu  dieser  besseren  Anstalt  wiedmen  lassen. 

6.  Es  wäre  auch  wol  auf  etwas  zu  gedencken,  so  der  Societät*ohne  Weit- 
läufigkeit und  Kosten  eine  gewisse  Einnahme  geben,  und  sie  in  Stand  sezen  könnte, 
die  vorhergehenden  Puncte,  so  meist  Zeit,  Verlag  luid  besondere  Anstalt  erfordern, 
besser  zu  bestreiten. 


(Vergl.  Gesoliichte  der  Akademie  S.  140). 

Eingeforderter  Bericht  Leiexizcus,    betreffend   seine  Leistungen    für 

den    König  und  für  Preussen  (Januar   1705). 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.   8.3941!".] 

On  a  voulu  que  je  fisse  connoistre,  en  quoy  j'ay  fait  voir  mon  zele  pour  le 
Service  du  Roy.  et  ce  que  je  pouri-ois  mettre  en  ligne  de  compte.  Je  diray  donc 
povu"  obeir  que  j'ay  este  employe  par  ordre  et  conformement  aux  intentions  de  S.  M.: 

I.  En  ce  qui  regarde  la  societe  des  sciences  dont  le  commencement  est  venu 
de  la  proposition  que  je  fis  de  mettre  les  Almanachs  en  privilege.  Et  en  suite  il 
ne  s'est  point  passe  d'annee,  que  je  n'ay  este  plusieurs  mois  icy,  et  tache  de  pousser 


160       77.    LEiBNizens  Bericht  über  seine  Leistungen  an  den  König  (Januar  1705). 

l'affaii'e  ä  nne  plus  grande  perfection,  et  je  parleray  ailleurs  des  einpecbemens  ijui 
se  sont  presentes  et  des  moyens  de  la  porter  k  quelque  cliose  d'utile  et  de  glorieux 
au  Roy. 

2.  J"ay  este  employe  aussi  ä  la  negotiation  entre  les  Theologiens  de  Brande- 
bourg  et  de  Bronsvic.  J"eu  avois  fait  la  premiere  ouverture  par  ordre  de  Monseigneur 
le  duc  Antoine  Ulric  dans  une  lettre  ä  Mr,  de  Spanlieim,  quand  il  estoit  encor  icy 
et  que  la-dessus  Taffaire  estant  proposee  dans  le  Conseil  en  presence  du  Roy, 
Monsieur  de  Fuchs  eut  ordre  de  se  servir  de  certains  Theologiens  Reformes  ])our 
ebaucher  la  matiere,  et  je  fus  requis  de  la  part  de  Sa  INIajeste  d"j^  eniployer  mes 
soins,  ce  que  j'ay  fait  depuis  plusieurs  annees  avec  ])eaucoup  d'application.  Jay 
fait  plusieurs  ecrits  et  voyages,  j'ay  ecrit  grand  nondu'e  de  lettres,  et  j'ay  confere 
souvent  de  vive  voix  avec  des  Theologiens  et  autres,  et  Dieu  a  tellenient  beni  ces 
travaux  qu'apres  des  Declarations  echangees  entre  les  Theologiens  du  Roy  et  ceux 
que  ]Monseigneur  l'Electeur  de  Bronsvic  avoit  charges  de  cette  affaire,  qu"on  est 
alle  plus  loin  qu'on  n'avoit  encor  jamais  fait,  et  on  est  convenu  entierement  des 
moyens  par  lescpiels  la  scission  pourroit  estre  abolie  entre  les  protestans,  et  la 
communion  des  Eglises  Protestantes  retablie.  Au  lieu  qu'auparavant  les  Theologiens 
menies  de  Bronsvic,  tout  moderes  qu"ils  sont,  n"avoient  point  juge  qu'on  pourroit 
venir  a  une  menie  communion,  comme  leurs  ecrits  publics  le  marquent.  ]Main- 
tenant  il  s'agit  d'amener  au  men)e  point  d'autres  Theologiens  protestans  de  rEni])ire 
de  part  et  d'autre,  mais  sans  en  rien  faire  eclater,  avant  que  les  esprits  soj'ent 
prepares;  FEclat  qu"on  a  fait  dernierement  y  ayant  nui  beaucoup.  J'ay  dejä  fait 
deux  voyages  en  Saxe  pour  cet  effect,  mais  il  faut  que  la  chose  soit  poussee  ])lus 
eflicacement  pour  obtenir  des  Theologiens  de  Saxe  et  quelques  autres,  ce  qu'on 
a  obtenu  de  ceux  de  Bronsvic;  cependant  les  mesures  ont  este  prises  la-dessus 
avec  M.  l'Eveque  Ur.sinus  d'une  maniere  qui  nie  fait  attendre  du  succes.  si 
Sa  Mte  les  agree. 

3.  J'ay  travaille  pour  les  droits  du  Roy  dans  un  Ecrit  sur  la  succession 
d'Orange^  Et  Sa  Majeste  l'a  agree  et  donne  ordre  qu'il  füt  mis  en  estat  d'estre 
imj)rime.  Plusieurs  des  personnes  qui  ont  approfondi  ces  matieres  et  sont  capables 
d'en  juger,  v  ont  trouve  certains  fondemens  solides  qu'on  n'avoit  point  encor  touches 
dans  les  ecrits  publics  de  la  jiart  du  Roy.  Car  les  advei"saii-es  alleguent  (entre 
autres),  que  les  enfans  de  Guillaume  prince  d'Orange,  en  faisant  leur  Traite  de 
partage.  ont  deroge  aux  pretentions  de  leur  pere  et  de  Rene  prince  d'Orange. 
On  y  a  repondu  pour  le  Roy  que  les  Fideicommis  et  loix  des  successions  qui  en 
dejiendent,  sont  perpetuelles,  sans  qu'on  y  puisse  renoncer  pas  meme  du  con- 
sentement  de  tous  les  interesses.  Mais  beaucoup  de  jurisconsultes  sont  d'un  autre 
sentiment,  surtout  ceux  qui  ont  ecrit  pour  la  maison  d'Austriche  contre  la  France. 
Et  on  n'a  pas  besoin  de  se  jetter  dans  cette  opinion  outree  et  })eu  sevu'e  et  qui 
aura  pü  faire  faire  de  mauvais  jugemens  sur  les  droits  du  roy;  puisqu'il  y  a  une 
reponse  plus  satisfactoire.  Car  j'ay  monstre  que  la  renontiation  de  trois  fils  de 
Guillaume  freres  a  leur  droit,  fait  dans  leur  traite  de  partage,  ne  doit  estre  entendue 
que  pendant  (jue  la  ligne  du  frere  subsistera.  sans  estre  contraire  au  droit  de 
reversion  fonde  dans  le  fideicommis. 

4.  On  m'a  aussi  employe  utilement  en  quelques  autres  choses,  par  exemple 
je  suis  alle  expres  ä  Wolfenbutel  avec  une  lettre  du  Roy  pour  porter  cette  Cour  a 
accorder  aux  princes  de  Zolleren  les  honneurs  düs  aux  princes  d'ancienne  maison. 
Ce  que  j'ay  obtenu  en  sorte  que  la  princesse  de  Zolleren  estant  venue  ensuite  ä  "Wolfen- 
butel,   la  Duchesse   luy   a  donne    la    main.      D'ailleurs    j'ay    fourni    des    memoires 


1    Hierüber  ist  der  Briefwechsel  zwischen  Leibniz  und  von  Ilgen  (Hannov.  Bibliothek) 
zu  vergleichen. 


77.    Leibnizciis  Bericht  über  seine  Leistungen  an  den  König  (Januar  1705).        1  ()  1 

notahles  pour  souteuir  le  droit  des  secularisations  des  Eveches  qnc  le  Roy  tient, 
et  cela  par  les  propres  principes  et  exemples  de  la  Cour  de  Roiiie  et  des  Eccle- 
siasticpies  de  la  Coinmunion  Romaine,  pour  faire  voir  qiie  leur  protestation  contre 
la  paix  de  Munster  n'est  point  fondee  dans  leur  di'oit.  Sans  parier  d'autres  con- 
noissances  que  j'ay  pü  ou  pourrois  fournir. 

On  veut  iiiaintenant  que  je  specifie  les  depenses  que  j'ay  faites  dans  nies 
voyages  et  travaux  pour  le  Service  du  Roy.  Je  serois  bien  fache  qu'on  voulüt  mettre 
mon  zele  ä  ce  pi-ix-la.  11  est  vray  cependant  que  j'ay  fait  un  voyage  expres  icy  long- 
temps  avant  la  fondation  de  la  societe  des  sciences,  que  depuis  j'en  ay  fait  deux 
en  Saxe,  (pie  j'en  ay  fait  plus  d'un,  tout  expres  tant  k  Wolfenbutel  qu'ä,  Helmstät, 
tant  pom-  parier  aux  princes  cpi'a  conferer  avec  des  Theologiens  suivant  ce  qu'on 
ni'enjoignoit  de  la  part  du  roy.  De  plus  ayaut  este  icy  plusieurs  mois  toutes  les 
arinees  l'an  1700  et  depuis,  je  n'ay  pas  eu  des  Almanachs  la  moitie  de  ina  depense; 
car  au  lieu  de  600  j'ay  este  oblige  de  me  contenter  de  300  ecus,  parcequ'il  falloit 
enti-etenir  pour  la  societe  des  gens  qui  en  av'oient  plus  besoin  que  inoy.  Ce  decket 
seul  pendant  5  ans  l'eroit  1500  ecus,  sans  compter  les  depenses  de  tant  d'autres 
voyages  au  nombre  de  six  pour  le  moins,  qui  n'ont  rien  de  conimun  avec  la  societe, 
de  Sorte  que  je  pouri'ois  compter  2000  ecus  pour  le  moins  sans  contredit. 

Mais  un  homme  de  mon  age  et  de  mes  emplois,  ne  doit-il  mettre  en  compte 
que  l'argent  qu'il  a  depense  1'  Et  puis-je  faire  une  depense  plus  grande  que  celle 
de  mon  temps,  qui  est  la  plus  pretieuse  chose  de  ce  que  nous  avonsl'  Et  ayant 
tant  d'auti'es  choses  a  faire  ailleurs,  qui  auroient  peutestre  contribue  ä  m'establir 
tout  autrement  et  m'auroient  empeche  au  moins  de  me  faire  ([uelque  tort  comme 
j'ay  fait,  il  est  tres  asseure  ([ue  je  ne  me  serois  point  embarque  icy,  si  je  n'avois 
crii  qu'aupres  d'un  grand  prince  comme  le  Roy  on  pourroit  faire  quelque  chose 
de  plus  considerable  et  de  plus  beau  qu'ailleurs  pour  le  bien  public,  qui  a  tous- 
jours  este  mon  seul  principal  dont  je  ne  me  repentirai  jamais.  Mais  si  je  n'esperois 
pas  un  meilleur  eifect  pour  l'avenir,  je  me  repentirois  d'avoir  crü  de  pouvoir  faire 
quelque  chose  d'important  icy  pour  les  sciences,  puisque  tant  d'annees  se  sont 
ecoulees  sans  avancer  comme  nous  aurions  pü  faire,  si  j'avois  este  plus  heureux. 
Ce  que  j'attribue  en  partie  ä  la  mauvaise  intelligence  des  Cours,  qui  auront  pü 
avoir  cpielque  intluence  sur  moy  dans  l'ojjinion  de  ceux  ((ui,  ne  connoissant  pas 
mon  caractere,  auront  pü  donner  au  Roy  meme  quelipie  mauvaise  Impression 
contre  mo}-. 

Ces  considei-ations  fönt  voir  qu'outre  ma  depense  qui  va  asseurement  au-delä  de 
2000  ecus,  mon  temps  doit  estre  ce  qui  me  touche  le  plus  [sie]  qu'il  y  a  deux  choses, 
qui  satisferont  a  mes  souhaits  lä-dessus,  l'une  que  le  Roy  m'etablisse  une  pension 
assez  honorable  dont  il  n'aura  pas  sujet  de  se  repentir;  l'autre  consisteroit  dans 
des  occasions  que  Sa  M*^-  me  donnera  de  faire  queUjue  chose  de  considerable  sous 
ses  auspices  pour  le  bien  public  et  particuliei-ement  pour  les  sciences,  connne  je 
m'estois  promis  au  connnencement.  Car  la  moindre  des  raisons  qui  me  fönt  sou- 
haiter  Testat  fleurissant  de  la  societe  est  d'en  pouvoir  avoir  d'avantage  pour  moy, 
comme  on  me  Fa  fait  esperer;  car  quoyque  j'aye  souhaite  de  me  le  promettre 
estant  d'humeur  a  mettre  le  mien  meme  en  usage  pour  produire  quelque  chose  de 
bon.  si  Sa  Majeste  aussi  me  mettoit  en  estat  de  faire  des  voyages  pour  son  service 
dans  l'affaire  dont  j'ay  parle  cy-dessus,  sans  que  je  fusse  oblige  de  demander 
qu'on  m'en  fist  un  compte  particulier,  je  ne  doute  point  que  je  ne  pourrois 
obtenir  en  d'autres  pays  des  protestans,  ce  que  j'ay  procure  des  Theologiens  de 
Bronsvic.  Sans  parier  de  ce  qu'on  pouiToit  contribuer  pour  l'Histoire,  les  Biblio- 
thecjues,  les  Manuscripts,  les  Archives  et  les  droits  du  roy,  pour  ne  rien  dire  des 
arts  mechaniques,  des  manufactures  et  semblables  affaires  d'oeconomie,  oü  les  INIa- 
thematiques  et  la  physique  ont  de  l'influence. 

Geschichte  der  Akademie.    II.  11 


]  (>2  ''^-    Leibniz  an  die  Königin  (31.  Januar  1705). 


78. 

(V'ergl.  Geschichte  der  Alcadeniie  S.  140). 

L  K I B  N I  z ,  B  !•  i  e  f  an  die  Königin  S  o  p  m  e  C  h  a  r  i.  o  r  r  k  v  o  m  3  i  .  J  a  n  u  a  r  i  705 . 
[Klopp,  Die    Werke  von  Leibniz.      10.  Bd.  8.  262.] 

Madame.  Je  dois  rapporter  a  V.  M.  et  aux  bontes  qu'EUe  m'a  temoignees, 
(jue  le  Roy  m'a  vouln  faire  un  present  considerable  avant  mon  depart,  ayant  donne 
ordre  a  son  tresorier  de  me  faire  payer  mille  ecus,  que  je  recevray  sans  doute  la 
semaine  qui  vient,  et  apres  cela,  je  me  mettray  en  chemin  sans  delay.  Je  m'ima- 
gine  encor  (\ue.  le  bon  souhait  qui  s'est  trouve  dans  une  lettre  de  Mad.  rElectrice 
a  V.  M.  sur  une  oecasion  semblable  y  aiira  contribue,  quoyque  S.  A.  E.  aye  de  la 
peine  a  accorder  que  les  souhaits  sont  de  (pielque  force.  Mais  c'est  que  par  une 
espece  de  science  moyenne  les  choses  ont  este  reglees  les  unes  sur  les  autres;  et 
les  souhaits  futurs  des  personnes  que  la  ])rovidence  distinguoit  dans  des  idees  ont 
este  mis  en  ligne  de  comj)te  d'abord.  Je  ne  suis  pas  de  ce  nombre,  autrement  je 
compterois  beaucoup  sur  les  miens,  qui  ne  pourroient  estre  plus  ardens  (ju'ils  le 
sont  pour  la  parfaite  sante  de  V.  M.  Car  on  m'a  allarme  de  nouveau  en  parlant 
avec  quelque  doute  la-dessus.  J'espere  que  les  voeux  des  peuples  auront  plus  de 
force,  et  qu'en  me  mettant  bientost  aux  pieds  de  V.  M.,  je  La  trouveray  entierement 
reta1)lie  [in  Feder's  Abdruck:  guerie].     Cependant  je  suis  avec  devotion,  etc. 


79. 

(Vcrgl.  Geschichte  Jei-  Akademie  S.  140). 

Leibxiz,    I^lntwurf  eines  Privilegs    in    Betreff    des    Unterricli  tsw  esens 

für  die  Societät  der  Wissenschaften  (10.  Februar  1705). 
[Akadeniisflies  Archiv,  gedruckt  nach  einem  Concept  in  Hannover  von  Klopp,  Die  Werke  von 

Leibniz.     ig.  Bd.  S.  399^.] 

Wir  Friedrich  t.  t.  Es  ist  ohne  weitläufftiges  Anführen  männiglich  bekand, 
wie  sehr  Wir  von  Anfang  LT^nser  Regirung  hehr  Uns  die  Aufnahme  rechtschaffener 
Studien,  Künste  und  Wifsenschafften  mit  samt  der  Erziehung  der  Jugend  zu  Ehre 
Gottes  und  gemeinem  Besten  angelegen  seyn  lafsen,  und  wie  Wir  zu  dem  Ende 
gelehrte  Leute  und  guthe  Künstler  hei'fürgezogen  und  belohnet,  und  nicht  allein 
alte  Stifftungen  gehandhabet  und  vei'befsert,  sondern  auch  ohne  Ansehen  der  schwehren 
Zeiten  vermehret,  neue  fundiret,  auch  selbst  eine  Universit'ät  nebenst  Academien 
unterschiedener  Art,  und  lezlich  eine  Societät  der  Wifsenschafften  aufgerichtet,  und 
niclits  an  Uns  hierinn  erwinden  lafsen,  Avie  Wir  dann  auch  noch  ferner  geneigt,  zu 
diesem  löblichen  und  nüzlichen  Zweck  alles  was  thunlich  beyzutragen. 

Nachdem  Uns  nun  zum  öfftern  mifsfällig  fürkommen,  dafs  bey  diesen  Dingen 
viel  Mangel  und  Mifsbräuche  eingerifsen,  die  Stipendia  und  andere  wohlgemeynten 
Beneficien  der  Vorfahren  Ohntüchtigen  gegeben  und  übel  angeleget,  auch  wie  sich 
mehrmahlen  ergeben,  die  Liforination  der  Jugend  zu  Zeiten  schlecht  bestellet,  die 
Ingenia  weit  heruinb  geführet  und  mit  olmnüzlichen  Dingen  aufgehalten,  auch  wohl 
gar  durch  untaugliche  Lehren  imd  schädliche  Principia  vom  Hauptzweck  der  Gottes- 
furcht,   Tugend   und   rechten  Wahrheitsgrundes    abgeführet  worden,    und    dafs  in- 


1  Ein  kürzeres  Concept  (datirt  auf  August  1704)  eines  Entwurfs  für  ein  der  Societät 
zu  crtlieilendes  Privilegium  der  Schulbücher,  von  LsiBNizeiis  Hand,  findet  sich  im  Archiv  der 
Akademie,  ausserdem  —  abgesehen  von  der  Reinschrift  —  ein  stark  durchcorrigirtes  Con- 
cept zu  nachstehendem  Entwurf  (Fase. :   -Leibniz"). 


79.    Leiemz,  Entwurf  eines  Privilegs  für  die  Societät  (10.  Februar  1705).         163 

sonderlieit  bey  dem  Biicherwesen  ein  Einsehen  nöthig,  da  die  Buchläden  sich  mit 
allerhand  schlechten  und  wohl  schädlichen,  theils  ärgerlichen  und  dem  gemeinen 
Wesen  nachtheiligen  Schrifften  angefüllet  befinden,  und  sonderlich  diejenigen  Bücher, 
so  die  Praeceptores  der  Jugend  vorzutragen  pllegen,  theils  nicht  zum  Besten  ge- 
fafset,  theils  also  unterschiedlich  und  nach  eines  jeden  Sinn  geändert,  dais  die 
Lernenden,  wenn  sie  von  einem  Orth  zum  andern  ziehen  oder  zu  ander  Praeceptoribus 
gerathen,  nicht  wenig  verhindert  und  verwirret  werden  und  wohl  gar  gleichsam 
von  vorn  anfangen  miifsen,  so  sind  Wir  aulT  INlittel  und  Wege  bedacht,  wie  diesem 
insbesondere  abgeholffen  werden  möge.  Nun  haben  wir  zwar  aus  landesfürstlicher 
Sorgfalt  bey  vorfallenden  Gelegenheiten  durch  Unsere  geheimte  und  andere  Räthe 
luid  Regierungen  die  dienlichen  Remedia  vorgekehret,  die  Stipendia  durch  eigene 
Commissiones  untersuchen,  die  Schulden  mit  tauglichen  Subjectis  versehen,  denen 
schädlichen  Schrifften  durch  Confiscationes  oder  auff  andere  Weise  steuern  und  sonst 
an  Uns  nicht  erwinden  lafsen,  so  der  Sache  Beschaffenheit  jedesmahl  zu  erfordern 
geschienen.  Weilen  aber  dieses  sämtliche  Werck  eine  eigene  beständige  Auf- 
sicht iiaben  will,  so  sind  Wir  entschlofsen.  Uns  der  oberwehnten  bey  Unser 
Residenz  fundirten,  aber  auch  hin  luid  wieder  in  Unsern  Provinzen  mit  gelehrten 
Gliedern  versehenen,  von  Uns  fundirten  Societät  der  Wifsenschafften  hierinn  zu  be- 
dienen und  deroselben  diefsfals  die  generalem  Ephoriam  hiemit  in  Gnaden  aufzu- 
tragen, dafs  auf  die  Fortpflanzung  der  Studien,  Künste  und  Wifsenschafften,  In- 
formation der  Jugend  und  das  Bücherwesen  sie  Aufsicht  haben,  guthe  Anstalten 
iukI  Remedia  dabey  vorkehren  und  darin  von  imsern  Collegiis,  und  jedes  Orths 
Obrigkeit  kräfftig  assistiret  werden  soll,  in  schw ehren  zweifelhafften  Fällen  aber, 
und  da  neue  Verordnungen  nöthig  scheinen  möchten.  Uns  deswegen  mit  aller- 
unterthänigstem  Bericht  anlange,  und  Unseres  Befehlichs  erwarte. 

Weil  aucli  diels  folgende  sonderlich  ein  Mittel,  dadurch  wir  in  Erfahrung 
kommen  können,  was  etwa  für  guthe  Ingenia  in  Unsern  Landen  hin  wieder  lati- 
tiren,  damit  solche  beybehalten,  aufgemuntert  und  dermahleins  zu  nüzlichen  Diensten 
herfüi'gezogen  werden,  so  ist  Unser  allergnädigster  Will  und  Meynung  nicht  allein, 
dafs,  die  von  Uns  wegen  ilirer  bereits  erlangten  oder  künfftig  hoffender  Gelehr- 
samkeit oder  Gaben  in  allerhand  Künsten  begnadiget  werden,  der  Societät  Appro- 
bation haben  und  geniefsen  sollen,  sondern  auch  dafs  Niemand  zu  Stipendiis  oder 
andern  dergleichen  Beneficiis  künfftig  gelafsen  werde,  der  nicht  vorher  bey  der 
Societät  entweder  selbst  oder  durch  die  in  den  Provinzen  hierzu  bestalte  Personen 
sich  angebe,  und  zu  dem  Beneficio  qualificiret  erweise,  diejenigen  auch,  so  in  der 
wiircklichen  Niefsung  begriffen,  sollen  nicht  weniger  ihre  Pi'ofectus  und  wie  sie 
die  ihnen  reichende  Gelder  und  Begnadigungen  anwenden,  jährlich  zeigen  und  in 
Entstehung  defsen  von  dem  Genufs  suspendiret  seyn,  zu  welchem  Ende  dann,  auch 
zu  befserer  Aufsicht,  richtige  Verzeichnisse  aller  und  jeder  solcher  Stipendien  und 
Beneficien,  welche  von  dem  Publico  oder  von  Privatis  hehrrühi-en,  und  der  Per- 
sonen, so  solche  dermahlen  geniefsen,  oder  zu  geniefsen  haben  werden,  mit  denen 
Legibus  der  Fundation,  und  gegenwärtiger  Beschaffenheit  des  Wercks  der  Societät 
zu  communiciren. 

Und  sollen  die  sich  etwa  ereignenden  Vacanzen  nach  Gelegenheit  zu  gleichem 
Scopo  Unser  als  des  obristen  Vorstehers  Intention  gemäfs  durch  Anstalt  der  Societät 
angewendet  werden.  Wie  dann  unter  andern  off'tmahls  dienlich,  umb  guthe  Subjeeta, 
es  seyen  gleich  Landes -Kinder  oder  Passirende,  beyzubehalten,  dafs  ihnen  auff  eine 
kurze  Zeit  zu  Hülffe  gekommen  werde,  da  sie  inzwischen  zu  einiger  Condition 
gelangen  mögen,  dafür  sie  solclie  Zeit  über  zu  nüzlichen  Arbeiten  gebraucht  werden 
können,  anstatt  dafs  sie  sonst  in  andere  Lande  und  Dienste  gehen,  und  offtmahls 
mit  einem  Viatico,  vor  welches  sie  nichts  gethan,  abgewiesen  werden,  ihi-e  Zeit 
aber  inzwischen  ohnnüzlich  verzehren,  auch  wohl  Noth  leiden,  oder  gar  in  Elend 

11* 


1(34        79.    Leibniz,  Entwurf  eines  Privilegs  für  die  Sooietät  (10.  Februar  1705). 

und  Kranckheit  verfallen  und  verderl)en  miU'sen.  Dahingegen  ihnen  einige  Zeit- 
lang, auf  obbesagte  Weise,  wenn  nehnilich  die  Sachen  diefsfals  zu  genugsanier 
Verfafsung  bracht,  anstatt  eines  ledigen  Almosens  zu  Verdienst  und  Subsistenz  zu 
helflfen.  Doch  also  dafs  was  sonst  zu  dergleichen  Viaticis  und  Almosen  gewiedmet, 
deswegen  nicht  abgehen  soll. 

Wir  wollen  auch  Unser  Societät  der  Wifsenschafften  hiemit  in  Gnaden  auf- 
getragen haben,  darauff  bedacht  zu  seyn,  dafs  die  Jugend  und  Praeceptores  mit 
tüchtigen  Schuhl-  und  andern  Biichern  versehen  werden,  dergestalt  dafs  unter  der 
Ajjprobation  der  Societät  richtige  deutliche  aiiff  den  alten  zur  Gottesfurcht  und 
Tugend  gerichteten  Grund  gebauete  Systemata,  Tabulae,  Compendia,  Selecta  dis- 
ciplinarum  observata  et  tractationes ,  so  dieselben  ganz  oder  zum  TJieil  begreiffen, 
auch  die  aufs  dem  rechten  Brunnquell  hehrgeleiteten  Notitiae  Historicae,  Geogra- 
phicae,  Genealogicae  et  Heraldicae;  dabeneben  auch  Grammatiken,  Vocabularia, 
Schreib-  und  Rechenbücher,  Nomenciatores,  Januae.  Collo(|uia,  Progymnasmata, 
Exercitia  oratoria  und  dergleichen ,  nicht  wenigei"  allerhand  Dictionaria  und  Flori- 
legia,  wie  sie  Nahmen  haben  mögen,  theils  verfafset,  theils  erneuet,  mithin  auch 
solche  Editiones  Autorum  Classicorum  zum  Druck  befördert  werden,  welche  mit 
notis  eriticis  nicht  überhäuffet  noch  vertheuert,  und  doch  mit  nöthigen  Erklärungen 
versehen.  Dazu  auch  zu  rechnen  Catechismi  approbati,  Compendia  Theologica, 
Gebeth-,  Gesang-  und  Spruch-Bücher,  so  in  .Schuhlen  zu  gebrauchen,  desgleichen 
Editiones  der  Psalmen ,  des  Neuen  Testaments .  auch  wohl  der  ganzen  Bibel  oder 
deren  Theile,  in  Original-  und  anderen  Sprachen,  samt  andern  zu  deren  Verstand 
und  Gebrauch  gehöhrigen  der  Jugend  dienlichen  Wercken.  Doch  daCs  alle  solche 
geistliche  Bücher  vorher   gebülu'end    zur  Censur   kommen   und   approbiret  werden. 

Damit  aber  mehrerwehnte  Unsere  Societät  der  Wifsenschafften  das  Werck 
befser  bestreiten  könne,  geben  Wir  derselben  hiemit  ein  Privilegium  speciale  per- 
petuum  über  die  obbenante  Sorten  der  Bücher,  dafs  wenn  die  Societät  dergleichen 
nach  und  nach  verfertigen  und  verlegen  lafsen  oder  schon  verfertigte  gute  Editiones 
wider  auff legen  lafsen,  denen  Praceptoribus  nicht  erlaubt  seyn  soll,  andere  als 
diese  von  gleicher  Sorte  oder  Objecto  zum  oi-dentlichen  Gebrauch  in  denen  Public- 
Schuhlen  bey  der  Jugend  kommen  zu  lafsen,  und  ihre  Lectiones  darauf  zu  richten. 
Aufser  dem  ertheilen  Wir  auch  der  Societät  der  Wifsenschafften  hiemit  ein  Pri- 
vilegium impressorium  perpetuum  generale,  dal«  Niemand  die  Bücher,  Tractatlein, 
Figuren ,  Holz  -  oder  Kupferstücke ,  von  wafs  Nahmen ,  Einhalt  oder  Erfindung 
solche  Dinge  sein  mögen,  so  sie  selbst  verlegt  oder  durch  andere  verlegen  lafsen, 
in  Unsern  Landen  ganz  oder  zum  Theil  nachdrucken ,  oder  da  es  anderswo  ge- 
schehen, sie  in  Uusre  Lande  führen,  oder  darinn  verkauffen  solle;  bey  Confiscation 
der  Bücher  und  willkührlicher  Straffe,  deren  Helffte  ad  pias  causas,  die  andere 
Helff'te  der  Societät  zuzuwenden. 

Damit  auch  die  Societät  mit  mehrern  Nachdruck  dahin  vigiliren  könne,  dafs 
die  Verfertigung,  Verlegung  und  Vertrieb  schädlicher  imd  untauglicher  Bücher  in 
Unsern  Landen  gehindert,  hingegen  dafs  guthe,  zumahl  ausländische  Wei'cke  und 
Bücher  befser  und  zeitiger  als  bisher  geschehen,  zugeführet  werden,  auch  mit  der 
Z.eit  selbst  zu  einigem  Vorrath  guter  Bücher  zu  ihrem  Zweck  gelangen  möge,  so 
geben  Wir  derselben  hiemit  Macht,  vor  sich  oder  durcli  andere  jezo  oder  hienechst, 
wie  es  ihre  Gelegenheit  leidet,  sich  des  Buchhandels  und  Verlags  ihres  Gefallens 
anzunehmen,  auch  Druckereyen  der  Bücher  und  Kupfer  anzurichten,  wollen  auch 
in  Gnaden,  dafs  sie  alle  Freyheiten ,  die  andern  diefsfals  jemahls  gegönnet  worden, 
geniefsen  soll  und  alle  das  ihrige,  wie  es  Nahmen  haben  mag,  in  sjjecie  wafs  zu 
denen  Büchern  und  anderem  Verlag  gehöret,  zu  Wafser  und  Land  Zoll-  und  Accise- 
frey  passiret  werde,  und  sind  geneigt,  wenn  sie  in  Stand,  Uns  damit  an  die  Hand 
zu   gehen,    aus    iln-en  Läden    vor   andern,    die    zu  Unsern  Bibliotheken    anständigen 


80.    Leiüniz,  Entwurf  eines  Privilegs  der  Eplioria  generalis.  1()5 

Büclier  nehmen  zn  lafsen.  Weil  aber  dennoch  der  Societät  schwehr  fallen  wird, 
diM'ch  dieses  Mittel  und  aus  dem  Fundo  derselben  zu  einem  solchen  gnugsamen 
Vorrath  der  zu  ihrem  Scopo  dienender,  sonderlich  mathematischer  und  anderer 
theuren  Bücher  und  Instrumente,  zu  gelangen,  als  zum  Besten  dieser  StifFtmig  und 
deren  guten  Succes  nöthig  ist,  so  wollen  Wir  gnädigst  Unser  Societät,  wenn  sie 
dazu  annehndiche  Wege  und  Mittel,  ohne  Abgang  Unser  Ordinari  Intrade,  in  Vor- 
schlag bringen  wird,  in  diesem  Stück  unter  die  Arme  greiften. 

Wir  befehlen  demenach  allen  Unsei'n  Civil-  oder  iMilitarcoUegiis ,  oder  Be- 
dienten, wess  Nahmens  die  auch  seyn  mögen,  in  Unserm  Königreich  und  allen 
andern  Unsern  Landen  hiemit  gnädigst  und  dabey  ernstlich,  über  diese  Unsere 
Verordnung,  welche  die  Societät  nach  Gelegenheit  der  Zeit  zu  ihrer  und  Jedermans 
Wifsenschafft  bringen  kan,  nachdrücklich  zu  halten  und  nichts,  so  diesen  und 
andern  von  Uns  Unser  Societät  der  Wifsenschaff'ten  verliehenen  Begnadigungen 
entgegen,  zu  tluni,  noch  zu  gestatten.  Auch  der  Societät  und  denen,  so  von  ihr 
autorisiret,  auff"  ihre  Denuntiation  oder  Requisition,  ohne  Widerrede  und  Weit- 
läuff'tigkeit,  mit  schleunigster  Hülff"  und  Beförderung  an  Hand  zu  gehen  nnd,  da 
gleich  ein  Zweifel  fürfallen  solte,  ihre  Causam  als  favorabilem  anzusehn,  derselben 
wenigst  provisionalitei'  also  zu  fügen,  dafs  sie  bifs  zum  Aufsschlag  gesichert  seyn 
könne  und  inzwischen  nichts  Widriges  verhenget  werde. 

Alles  bey  \'ermeidung  Unserer  Ungnade  und  unnachbleiblicher  Straff'e.  Hieran 
geschieht  Unser  ernstliclier  Will  und  Meynung. 


80. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  140). 

Le  iBN  iz.  Eigenhändiger  Entwurf  ein  es  Privilegs  der  Ephor  ia  generali  s 

für  die  Societät  (undatirt). 

[Akademisches  Archiv:   LEiBNiz-Fasc] 

Weilen  auch  viel  looo  Thlr.  in  Ihrer  jMaj.  Lande  jährlich  sowohl  von  dero 
Maj.  und  andern  theils  Communen  theils  Privatfamilien  ad  pias  causas  und  sonderlich 
zu  den  Studien  und  Stipendiis  der  Studirenden  angewendet  werden,  aber  dabey 
ohne  eine  besondere  Aufsicht  solcher  gelehrten  und  wohlgesinnten  Personen ,  die 
gnugsame  Verkündigung  von  der  vorgeschlagenen  Stipendiaten  oder  anders  Bene- 
ficiatorum  Thun  und  profectibus  einziehen  können  und  wollen,  der  vielfältige  Mifs- 
l)i'aueh  der  wohlgemeynten  Stifftungen  nicht  wohl  zu  verhüten,  so  wird  zu  Königl. 
höchsterleuchteten  Guthfinden  gestellet,  ob  sie  in  Gnaden  geruhen  möchten,  dero 
Societaet  der  Wifsenscliaft'ten  die  Ephoriam  generalem  darüber  in  so  weit  aufzutragen, 
dafs  sie  durch  die  in  den  Kcmigl.  Provinzen  liin  und  wieder  liabende  tüchtige  Membra 
die  tleilsige  Aufsicht  gebührend  veranstalte,  auch  zu  dem  Ende  ein  gewisses  Re- 
glement sub  approbatione  regia  verfasse,  welchem  nach  die  Beneficiati  sich  qualifi- 
ciren  sollen.  Durch  welches  Mittel  dann  man,  was  hin  und  wieder  für  wackere 
Ingenia  latitiren,  in  Erfahrung  bringen,  tüchtige  Subjecta  vor  andern  (der  Fun- 
dationen Absehen  gemäfs)  besorgen  und  zum  gemeinen  Besten  qualificirt  machen, 
auch  wohl  zu  nüzlichen  Laboribus  aufmuntern  und  dermahleins  rechtschaffen  zu 
Dienst  Königl.  Maj.  und  des  Publici  brauchen  köndte. 

Und  weilen  auch  ein  grofser  Mangel  bey  der  Profession  der  Studien  sich 
darum  ergiebet,  dafs,  da  sonst  bey  gewissen  sonderlich  bey  den  sogenannten  ge- 
schenckten  Handwercken  ein  junger  Gesell  oder  ander  der  arbeiten  will,  wo  er 
hin  konrnit,  Arbeit  findet  und  dadurch  eine  Zeitlang  subsistiren  und  sein  Bi'odt 
ehrlich  verdienen  kan,  bey  den  Studirenden  nichts  dergleichen  veranstaltet,  sondei-n 


lf)(3  81.    Der  Kurfürst  von  Hannover  an  Leibniz  (15.  November  1706). 

man  offtnialils  gelehrten  und  tauglichen  Subjectis,  die  sich  anmelden,  nicht  zu 
helffen  weils,  sondern  sie  mit  einem  Viatico  gehen  lassen,  auch  wohl  verderben 
sehen  mul's,  so  wäre  es  gewifs  eine  neue  höchstrühnüiche  Sache,  wenn  regiis 
auspiciis  es  dahin  gebi'acht  würde,  dafs  man  einem  guthen  passirenden  Subjecto 
auff  einige  Wochen  oder  Monath  sogleich  nicht  allein  was  nüzliches  zu  thun  geben 
köndte  (da  es  .  .  .  an  Materi  nüzlicher  Arbeiten  wenigstens  excerpendo  vel  colli- 
gendo  nicht  fehlen  würde),  sondern  auch  dabey  Mittel  in  Händen  hätte,  ihnen 
solche  Zeit  über  einen  ehrlichen  Unterhalt  zu  verschaffen.  Da  sonst,  was  man 
ihnen  doch  etwa  gibt,  nur  verlohren  gehet,  imd  von  denen  Passirenden  müssig 
verzehret  wird,  sich  aber  gleichwohl  auff  kein  Geringes  beläulfet.  Solche  nüzliche 
und  rühmliche  Anstalt  an  einigen  Hauptorthen  der  Königl.  Provinzien  zu  machen, 
köndte  etwa  darin  [sie] ,  wenn  die  Vacanzen  der  Stipendien  auf  gewifse  beliebende 
Mafse  hierzu  verwendet  würden.  Es  köndten  auch  sonst  einige  Gelder,  die  man 
bisher  zu  Abfertigung  solcher  Leute  vergeblich  gebrauchet,  hierzu  mit  verwendet 
werden. 


81. 

(Vergl.  Geschichte  der  AkaJemie  S.  144). 

Schreiben  des  Kurfürsten  Georg  Ludwig  an  Leibinmz 

vom   15.  November  1706. 

[GuHRAUER,  G.W.  Frh.  von  Leibnitz.     2.  Bd.  Anhang  S.  22]. 

Unsern  gnädigsten  Willen  zuvor  vester  Rhat  vuid  lieber  Getreuer.  Wii* 
mögen  Euch  hiemit  nicht  verhalten,  dafs  des  Königs  von  Preufsen  Maj.  wegen 
Unserer  Frau  Tochter  der  Crohn -Prinzessin  Religions-Freyheit  gewisse  Erklärung 
gethan.  Gleich  wie  nun  solchem  nach  Hochgedachte  Unser  Frau  Tochter  zu  er- 
warten hat,  dafs  ihr  gegen  oberwähnte  Religions-Freyheit  nichts  werde  zugemuthet 
werden;  also  versehen  wir  uns  zumahlen  zu  Euch,  und  wollen,  dafs  Ihr  auf  keine 
Weise  noch  Wege  in  Sachen,  so  mehr  Hochermelter  Unser  Frau  Tochter  Religion 
betreffen  weder  directe  noch  indirecte  Euch  zu  mischen  oder  gebrauchen  zu  lassen. 
Wir  wollen  auch,  dafs  Ihr  von  allem,  was  das  A'ereinigungs -Negotium  der  Lutheraner 
und  Reformirten  Religionen  betriff't  hinführo  allerdings  zu  abstrahiren.  Wir  ver- 
bleiben Euch  zu  Gnaden  gewogen. 

Hannover,  d.  15.  Nov.  1706.  Georg   Ludwig,    Churfürst. 


82. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  144). 

Leibniz,    auf  Begehren  H.  von  Ilgen  zugeschickt  (20.  Januar  1706), 

über  Sammlung  von  Actenstücken  zur  Geschichte  Preussens. 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    10.  Bd.  S.  392  tf.] 

Zu  Ergänzung  des  Archivi,  Verbefserung  der  zoUerischen.  brandenburgisclien 
und  preufsischen  Historie  imd  Erhaltung  allerhand  dienlicher  Nachi'iclitungen,  die 
Jura,  Grenzen  und  andere  Geschäff"te  betreffend,  würde  dienlich  sejm ,  dafs  von 
wegen  K.  M.  Anstalt  gemachet  würde,  die  in  dero  Landen,  oder  sonst  bey  dero 
Hause,  auch  wohl  anderwerts  befindliche  Scripturen,  dazu  man  gelangen  und  dabey 
man  etwas  Nüzliches  vermuthen  kan,  genauer  als  bisher  geschehen  seyn  mag, 
imtersuchen  zu  lafsen,  da  dann  nach  Gelegenheit  Repertoria,  Rubriquen  oder 
Argunienta  imd  Copial  Bücher,  zu  Zeiten  auch  die  Cojjeyen  gewifser  Stück,  avo 
nicht  die  Originalien  selbst  an  Hand  zu  schaffen. 


82.  83.    Lkibmz  an  Ilgen  und  an  die  Mathematiker  der  Societät  (1706).  Iß/ 

Solche  Scriptiircn  in  Künigl.  M*  Landen  befinden  sich:  i.  l)ey  denen  Re- 
girungen  oder  Canzleyen  der  Provinzen;  dann  2.  oiftmahls  bey  denen  Amts -Re- 
gistraturen, sonderlich  wenn  die  Amter  vor  diesem  eigene  Herrschaft'ten ,  oder  auch 
die  Amthäuser  Castra  Dominantia  gewesen;  3.  bey  den  hohen  und  niedi-igen 
Stifftern;  auch  4.  Klöstern  und  zwar  nicht  allein  bey  denen  so  nocli  in  ihrem 
Wesen  stehn,  sondern  auch  zu  Zeiten  bey  denen,  die  secularisirt,  da  doch  die 
Scripturen  noch  bey  der  Verwaltung  blieben. 

Es  wäre  auch  5.  nachzuforschen  und  zuzusehen,  wo  die  Scriptuj'cn  der 
aui'sgestorbenen  gräflichen  und  ander  Familien ,  deren  Lande  Königl.  M*^  und  deren 
Vorfahren  zugewachsen,  hinbracht  worden,  wie  dann  die  Documenta  ofFt  durch 
Allodial- Erben  auch  wohl  durch  Detentoi'es  abhanden  kommen. 

Item  6.  ob  nicht  zu  alten  und  item  jüngeren  Zeiten  durcli  Kriege  oder  andere 
Revolutiones  allerhand  Scripturen  sowohl  der  Lande  und  Regierungen,  als  der 
Stiffter  und  Clöster  aufser  Landes  bracht  worden,  und  wo  dieselbigen  hinkommen 
seyn  mögen,  wie  man  dann  vei'meynet,  dals  zu  der  Zeit,  da  die  Marck  in  der 
Könige  zu  Böhmen  Händen  gewesen ,  gar  viel  Documenta  nacher  Prag  transferiret 
worden  wären,  auch  bey  denen  Städten,  deren  einige  zu  gewil'sen  Zeiten  in  der 
Hanse  und  andern  Bündnifsen  gewesen  xmd  sonst  viel  Freyheit  exercirt,  nach  denen 
Bi'iefschafften  zu  sehen,  weil  oflft  allda  nicht  wenig  Guthes  anzutreffen. 

Und  lezlich  8.,  weil  viel  Documenta  daraufs  Liecht  zu  schöpfen,  in  manus 
privatorum  kommen,  hätte  man  auch  so  viel  thunlich,  deswegen  Kundschaff't  ein- 
zuziehen. 

Aufser  Landes  wäre  durch  bequeme  Personen  in  Francken  und  Schwaben 
nachzusuchen,  was  vor  Scripturen  und  3Ionumenta  sich  finden,  daran  die  Histori, 
Geschäfl^te  und  Rechte  der  Gi'afen  und  Fürsten  zu  Hohenzollern  und  Burggrafen 
zu  Nürnberg  zu  erleutern,  nachdem  bekand  dafs  wenig  Tüchtiges  bifsher  davon 
zum  ^^orschein  kommen.  Es  wäre  auch  vielleicht  nüzlich  und  i-ülunlich,  wofern 
aufs  den  vorhandenen  Documentis  Selectis  ein  eigner  Codex  Diplomaticus  Prutenico- 
Brandeburgico  -  Auriacus  ad  perpetuam  i-ei  memoriam  zusammen  bracht  würde. 

Wozu  denn  auch  9.  die  Chronica  inedita  zu  weisen,  die  sich  olft  bey  Privatis 
finden,  wie  ich  dann  selbst  solche  alte  vor  etliche  100  Jahren  gemachte  Chroniken, 
welche  von  Alters  her  den  Urkunden  fast  gleich,  bifsweilen  auch  höher  geachtet 
werden,  und  die  königlichen  Lande  angehen,  beschafft  habe. 


83. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  145). 

Leiisniz,    Vortrag    auf    der    Conferenz-S tube    zu    Berlin     an    die    an- 
wesenden   A  s  s  0  c  i  a  t  o  s ,    welche    sich    der   R  e  i   M  a  t  h  e  m  a  t  i  c  Ee    a  n  n  e  h  m  e  n 

(27.  December  1706). 

[KAPPens  Sammlung  S.  460  fF.,  Guurauer,  a.  a.  0.    2.  Bd.  S.  293  f., 

Klopp.  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  S.  405  fi'.] 

Hochgeehrte  Herren!  Es  ist  bewust,  dafs  des  Königs  zu  Preufsen,  unsei-s 
allergnädigsten  Herrn  M',  vor  einigen  Jahren  eine  Societät  der  Wissenschaften 
aufgerichtet,  und  solche  mit  einigen  Privilegiis  begabt,  auch  ein  Observatorium 
derselben  bauen  zu  lassen  allergnädigst  resolviret,  darauf  denn  auch  unterschiedliche 
Membra  allhie  und  anderswo,  in  und  aufserhalb  Sr.  M'  Landen  in  die  Societät 
genommen  worden,  von  denen  man  sich  Hoffnung  zur  Aufnahme  der  Wissenscliaften 
machen  können. 

Es  haben  auch  ferner  die  iNIembra,  so  sich  der  Fundation  und  deren  Execution 
angenommen,  dahin  gearbeitet,  dafs  das  Kalender -Wesen,  als  bifsher  einiger  Fundus 


1(58  84.    Leif.niz,  Entwurf  des  Maulbeer-Privilcgs  (10.  J:niuar  1707). 

der  Societät,  in  Stand  gebracht  werden  möchte,  welches  nach  lJV)ervvindung  vieler 
Hindernisse,  endlich  so  ziemlich  eingerichtet  worden. 

So  hat  man  auch  sich  angelegen  seyn  lassen,  Observationes  Astronomicas 
zu  machen,  so  gut  als  es  die  bifsherige  Anstalt  leiden  können.  Und  man  will 
hoffen,  dafs  nunmehr  nachdrückliche  Ordres  von  wegen  Kön.  M'  zu  Ausbauung 
des  Observatorii  und  Lieferung  des  versprochenen  Eck -Pavillons    ergehen  werden. 

Weilen  man  aber  zu  mehrer  Vergnügung  Kön.  M'  und  des  Publici,  und 
Erreichung  des  löblichen  gemeinnüzigen  Zwecks  gleich wol  dahin  zu  sehen  hat,  dafs 
nicht  lun-  die  Societät  mehr  und  mehr  in  Stand  gesezet  werde  etwas  Nüzliches 
auszurichten,  sondern  auch  würcklich  etwas  leiste,  dadurch  Kön.  M*  zu  Untei'haltung 
dei-  vorigen  und  Ertheilung  neuer  Gnaden -Bezeigungen  bewogen  vvei-de;  so  hat 
man  nöthig  befunden,  darüber  mit  den  anwesenden  Herren  Associatis  zu  deliberiren. 

Nachdem  aber  die  Gelegenheit  zu  den  General -Versammhuigen  noch  nicht 
vorhanden,  und  die  Membra  Societatis  in  drey  Classes,  nehmlich:  Mathematicam, 
Physicam  und  Literariam  vertheilt  worden,  so  hat  man  jezo  vornehmlich  diejenigen 
Herren  convocii'en  wollen,  welche  sich  rei  matliemntica^  annehmen.  Und  obwol 
einem  jeden  der  Herren  frey  stehet,  dasjenige  anzubringen,  was  zum  Besten  der 
Societät  gereichet,  so  hat  man  doch  pro  distinctiore  deliberationis  objecto  folgende 
Puncta  insonderheit  zu  überlegen  vorstellen  wollen: 

1.  Was  die  Beförderung  der  Astronomie  und  astronomischen  Observationen 
angehet; 

2.  was  etwa  andere  mathematische  und  mechanische  Decouverten  betreff"en 
möchte; 

3.  ob  und  wie  vermittelst  rei  mathematicam  et  mechanica?  einige  Mittel  aufs- 
zufinden,  dadurch  der  Fundus  Societatis  zu  vermehren; 

4.  wie  etwa  wenigstens  jährlich  gewisse  Miscellanea  zu  publiciren,  darinn 
sowol  Gommunicationes  curiosaj  von  denen  Mernbris  und  andern  als  einige  Recensiones 
und  Excerpta  neuer  Bücher  enthalten  seyn  möchten. 


84. 

(Vcrgl.  Geschichte  der  Akademie  S.  145)- 

Leibxiz,    Gedanken    auf  was    Art    das    von    I.    Kön.    M^   dem  Herrn    von 

Leibniz  als  Pr;psidi  der  Societät  mündlicli    agdst.    versprochene,    und 

derselben    zu    ertheilende   Privilegium,    die   Erzielung   der  Maulbeer- 

Bäume  betreffend,   einzurichten  sey.    Berlin,  den   lo.  Januar  1707. 

[KAPPens  Saiiniilung  S.  463  ff. :  Klopp,    Die  Werke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  S.  4071!'.] 

Nachdem  man  durch  verschiedene  Proben  versichert,  dafs  die  Zucht  der 
weifsen  Maulbeer- Bäume  und  Erzielung  der  Seide  in  diesen  Landen  thulich,  auch 
Se.  Kön.  M'  zu  Preufsen ,  unser  agdstr  Herr,  unlängst  vivse  vocis  oraculo  sich  gegen 
c\en  Preesidem  dero  Societät  der  Wissenschaften  zu  Ertheilung  eines  Pi-ivilegii  an 
dieselbe  diefsfalls  in  Gnaden  erkläret,  hat  man  um  dessen  Ausfertigung  dergestalt 
allerunterthänigst  ansuchen  wollen: 

1.  dafs  Kön.  ]\P  ein  Privilegium  privativum  generale  perpetuum  zu  Erzielung 
der  weifsen  jNIaulbeer- Bäume  und  der  Seide,  wo  es  in  dero  Landen  tliulich,  ge- 
dachter Societät  der  Wifsenschaften  in  Gnaden  zu  ertheilen  geruhen ; 

2.  also  dafs  der  Societät  frey  stehe,  solches  vor  sich  oder  durch  andere  zu 
exei'cii'en,  auch  nach  Gutfinden  andern  zu  überlassen,  oder  sonst  aufs  Beste  zu 
ihrem  Nuz  anzuwenden. 


85.    Das  K.  Manlboer-Privileg  (28.  März  1707).  1G9 

3.  Es  soll  auch  dei-  Societät  anheini  stehen,  wann  und  wo  sie  es  gut  findet, 
andern  zuzula.ssen,  dals  sie  in  ihrem  Fundo  dergleichen  Bäume  aufziehen,  doch 
dafs  sie  sich  deswegen  mit  der  Societät  vergleichen. 

4.  In  Sr.  Kön.  M'  Gärten  und  Locis  pul)licis  aber  soll  allein  der  Societät 
oder  denen,  die  Cau.sam  von  ihr  haben,  der  Gebrauch  erwähnter  Bäume  verstattet 
werden,  wie  dann  Kön.  M'  insonderheit  die  bey  Köppenik  und  unweit  Potsdam 
oder  anderswo  sich  jezo  oder  küniftig  befindende  Bäume  und  dazu  gehörige  Fläze 
der  Societät  zu  deren  Gebrauch  ohne  Entgelt  vergönnen  werden. 

5.  Und  weilen  solche  Bäume  zugleich  zur  Zierde  gereichen  und  eben  so  wol 
als  Linden  aufwachsen,  und  mithin  Schatten  sowol  als  nuzen  geben,  so  soll  die 
Societät  INIacht  haben,  aus  denen  etwa  anlegenden  Baumschulen  an  bequemen  Orthen, 
aufwallen,  Stralsen  und  wo  es  sonst  anständig,  nicht  nur  dergleichen  nüzliche 
Bäume,  sondern  auch  ganze  Alleen  zu  ptlanzen  und  hernach  zu  nuzen.  Und  was 
von  Bäumen  gesagt,  ist  auch  von  Hecken,  wo  solche  dienlich,  zu  verstehen. 

6.  Da  auch  zu  Baumschulen  oder  sonst  einige  bequeme  Fläze  verlangt  werden 
solten,  deren  anderwärts  wol  zu  entbehren,  würden  Kön.  M^  solche  gegen  einen 
gewissen  Erbzins  nach  deren  bil'slierigem  Ertrag,  der  Societät  anweisen  lassen. 

7.  Weilen  von  den  gemeinen  oder  schwarzen  ]Maulbeer- Bäumen  auch  einige 
Seide  zu  haben .  so  soll  solches  entweder  verschiedener  Ursachen  halber  ganz  ver- 
bleiben, oder  nicht  anders  als  mit  Einwilligung  der  Societät  geschehen,  als  deren 
die  Erziehmg  der  einheimischen  Seide  allein  zukäme. 

8.  Damit  auch  die  Societät  ihr  Privilegium  desto  besser  nuzen  könnte,  würde 
nicht  allein  die  Erzielung,  sondern  auch  die  Verarbeitung  und  der  Vertrieb  der 
einheimischen  Seide  in  ihrem  Privilegio  begriffen,  mithin  ihr  oder  denen,  so  Causam 
von  ihr  haben,  ohnbenommen  seyn,  allei'hand  auch  mit  Beyfügung  fremder  Seide 
und  ander  Materialien,  nachdem  es  dienlich,  darauls  verfertigen  zu  Lassen. 

9.  Endlich  weilen  diefs  Werk  zu  einem  ansehnlichen  Nvrzen  dieser  Lande 
und  des  gemeinen  Wesens  und  der  hohen  Herrschaft  und  zu  keines  jNIenschen 
Beschwerde  abzielt,  dies  Privilegium  auch  als  summe  favorabile  angesehen,  bey 
vorfallendem  Zweiffei  in  favorem  interpi'etiret,  die  rohe  Seide  und  daraufs  ver- 
arbeitete Waare  (in  so  weit  die  Seide  einheimisch)  bey  Zöllen  und  Accisen  nicht 
hoch  beschwerlich,  sondern  so  leidlich,  als  es  des  Königs  und  des  Landes  Interesse 
mit  sich  bringet,  tractiret.  endlich  die  Übertreter  des  Privilegii  mit  ernster  Strafe 
beleget,  und  der  Societät,  worunter  allezeit  die  Causam  von  ihr  haben,  mit  zu  ver- 
stehen, zu  Erhaltung  ihi'es  wohlgemeinten  Zwecks  jedesmal  nachdrücklich  und 
schleunig,  auch  sine  figura   et  strepitu  indicii  geholffen  werde. 

Auf  welchen  Fufs  dann  und  nach  Befinden  mit  mehrerer  Extension  man  die 
Ausfertigung  des  K.  allergnädigsten  Privilegii  hoffet. 
Berlin,  d.  10.  Jan.  1707. 

85. 

(Vergl.  Geschiclite  der  Akademie  S.  145). 

Das    Maulbeerprivileg   vom    28.  Mä,rz   1707. 
[Original  im  Akademischen  Archiv,     Concept  von  LEiBNizens  Hand  ebendort,    Abschriften    in 

Hannover.] 

Wir  Fi'iderich  von  Gottes  Gnaden  König  in  Preufsen  u.  s.  w.  Thun  ktmd  und 
bekennen  hiermit  für  Uns,  Unsere  Ei-ben  und  Nachkommen,  Könige  in  Preufsen, 
als  Marggraffen  und  Chur- Fürsten  zu  Brandenbiu'g ,  auch  sonst  gegen  jedermännig- 
lichen.  Nachdem  Wii-  vor  einiger  Zeit  zur  Beförderung  der  Ehre  Gottes  und  des 
gemeinen  Bestens  eine  Societaet  der  Wifsenschafften  in  Erkäntnufs  der  Natur, 
Untersuchung  der  Kunstwercke  und  Verbefserung  der  Studien  in  Leiseren  hiesigen 


170  85.    Das  K.  Maulbeer- Privileg  (28.  März  1707). 

Residentz- Städten  fiindiret  und  gestiflftet,  auch  selbige  nicht  nur  mit  einigen  Con- 
cessionen  und  Pi'ivilegien  bereits  würcklich  begnadiget,  sondern  auch  ferner  geneigt 
seyn,  derselben  in  dienlichen  Begebenheiten  hülff'Iiche  Hand  zu  bieten,  und  Uns 
nun  dieselbe  anje/o  allerunterthänigst  vortragen  lafsen,  auch  dui'ch  verscliiedene 
Proben  dargethan,  dafs  die  weilsen  Maulbeer -Bäume  und  folglich  die  Seyde  in 
Unsern  Landen  zu  ei'zielen  practicabel  sey:  Als  haben  Wir  in  Gnaden  resolviret, 
erwehnter  Unser  Societaet  der  Wifsenschaften  ein  Pi-ivilegium  privativum  generale 
perpetuum  darüber  zu  ertheilen,  auch  vermittelst  Rescripti  vom  25.  Januarii  h.  a. 
solches  mit  folgender  Reservation  auszufertigen.  Unser  hiesigen  Lehns  Kantzeley 
allergnädigst  anbefohlen.  Thiui  demnach  dafselbe  als  der  König  und  Landes  Herr, 
privilegiren  und  begnadigen,  aus  Königl.  souverainer  Macht,  Hoheit  und  Gewalt 
vorerwehnte  Unsere  Societaet  der  Wifsenschaiften  in  hiesigen  Residentz  Städten 
liiermit  und  in  Krafl't  dieses  Unseres  offenen  Briefl'es.  dergestalt  und  also: 

1.  dafs  erstlich  Niemand  als  dieselbe  so  wol  in  Unserm  Königreich  Preufsen, 
als  übrigen  in-  und  aufserhalb  dem  römischen  Reiche  belegenen  Provincien  und 
Landen  Macht  haben  solle,  solche  weifse  und  dergleichen  Maulbeer-Bäume  oder 
Büsche,  Hecken  und  Zäune  davon  auffzuzielien,  und  von  den  Blättern  dieser  sowol 
als  andern  Bäume  und  Gewächfse  die  Seyde  zu  erzielen. 

2.  Vors  andere  soll  der  Societaet  freystehen,  solch  ihr  Privilegium  und  Recht 
vor  sich  oder  durch  andere  zu  exerciren.  solches  auch  gantz  oder  zum  Theil, 
beständig  oder  auff  eine  Zeitlang  an  andere  nach  gut  Befinden  zu  überlalsen  oder 
sonst  auffs  Beste  zu  ihrem  Nutzen  anzuwenden,  auch  sollen  die  so  etwa  von  der 
Societaet  Causam  liaben  möchten,  dieses  Privilegii  ebenmäfsig  nach  allen  seinen 
Clausuln  sich  zu  erfreuen  haben. 

3.  Es  soll  auch  drittens  der  Societaet  frey  stehen,  wenn  und  wo  sie  es  gut 
findet,  andere  zuzulafsen,  dafs  sie  in  ihrem  Fundo  dergleichen  Bäume  und  Gewächfse 
auffziehen  mögen,  doch  unter  solchen  Bedingungen  und  solcher  Recognition,  darüber 
sie  sich  mit  der  Societaet  vergleichen  werden,  und  ohne  dafs  es  von  andern  in 
Consetiuentz  gezogen  werden  könne.  Und  dafern  einige  einheimische  Seyde  nnt 
Bewilligung  der  Societaet  von  andern  gezielet  würde,  soll  selbige  an  Niemand  als 
an  die  Societaet  oder  die  ihrigen  um  den  verglichenen  Preifs  überlafsen  werden, 
es  sey  dann,   dafs  auch  diefsfallfs  ein  anders  von  der  Societaet  vergönnet  worden. 

4.  In  Unseren  und  allen  heiTSchaftlichen  Gärten  und  andern  Locis  publicis 
aber  soll  viertens  der  .Societaet  oder  denen  die  Causam  von  ihr  haben,  der  Gebrauch 
erwehnter  Bäume,  Gewächs  und  Blätter  allein  verstattet  werden,  wie  Wir  dann 
insonderheit  die  l)ei  Cöpenick.  Potstam ,  Glünicke  oder  anderswo  sich  jezo  und 
küntftig  befindende  Bäume  und  darzu  gehörige  Plätze  der  Societaet  zu  diesem  Ge- 
brauch ohne  Entgeld  in  Gnaden  vergönnen.  Und  weiln  zum  Spinnen  der  Seyden 
Würmer  bequeme  St(^llen  und  Zimmer  nur  kvu-tze  Zeit  des  Jahres  über  erfordert 
werden,  luid  solche  sich  etwa  an  einigen  Uns  oder  dem  Publico  zustehenden  Oi'ten 
finden  möchten,  da  sie  hierzu  ohne  einige  Ungelegenheit,  Hindernifs  und  Abgang- 
ander  Nutzen  und  Geschaffte  zu  gebrauchen,  solle  es  auch  ohne  Entgeld  verstattet 
werden.     Und 

5.  Weiln  solche  Bäume  zugleich  zur  Zierde  gereichen  und  eben  so  wol  als 
Linden  auftwachsen  und  Schatten  geben:  So  soll  fünfftens  die  Societaet  Macht 
haben,  an  bequehmen  Orten  an  und  auff"  Wällen  und  Wercken,  an  Strafsen,  Dämmen 
oder  wo  es  sonst  anständig,  dergleichen  Bäume  und  Büsche,  auch  gantze  Gänge 
und  Alleen  zu  ptlantzen  und  hernach  zu  nutzen.  Und  sollen  nicht  allein  bey  Wällen 
vmd  Wercken  die  Commandanten  Unserer  Vestungen  solches  vergönnen  und  hand- 
haben, .sondern  auch  Unsere  Gärtner,  Planteurs,  und  andere  zum  Forst-  Garten- 
und  Ptlantzwerck  gehörige  Bedienten  hiermit  dem  Zweck  der  Societaet,  als  darbey 
das  Publicum  interessiret,  nicht  weniger  als  bey  denen  blofs  zur  Zierde  geptlanzten 


85.    Das  K.  Maulbeer -Privileg  (28.  März   1707).  171 

Bäumen  zu  statten  kommen,  auch  was  zur  Düngung  dienet,  so  sonst  nicht  befser 
gebrauchet  wird,  hierzu  abgefolget,  und  so  viel  sonst  ohne  Unser  und  ander  Nach- 
theil und  Abgang  geschehen  kan,  ihr  gefüget  werden. 

6.  Da  auch  sechstens  zu  Bäume  Schulen  oder  sonst  einige  bequeme  Plätze  ver- 
langet werden  solten,  dei-en  anterwärtswol  zu  entbehren,  wollen  Wir  solche  Plätze  gegen 
einen  gewilsen  Erb-Zinls  nach  deren  bifsherigen  Ertrag  der  Societaet  anweisen  lafsen. 

7.  Weil  auch  siebentens  von  den  gemeinen  oder  schwaitzen  Maulbeer  Bäumen 
auch  einige  Seyde  zu  haben,  soll  solches  entweder  wegen  gewilser  Ursachen  aufser 
bey  der  Societaet  gar  unterbleiben  oder  doch  nicht  anders,  als  mit  Einwilligung 
der  Societaet  und  auff  die  mit  ihr  verglichene  Conditiones  geschehen,  autf  Art  und 
Weilse,  wie  von  den  weisen  Maulbeer  Bäumen  erwehnet  worden. 

8.  Damit  auch  zum  achten  die  Societaet  ihr  Privilegium  desto  befser  nvitzen 
könne  und  in  diesem  Gebrauch  desto  weniger  gehindert  werde,  so  verordnen  und 
verwilligen  Wir  in  Gnaden,  dafs  nicht  allein  die  Erzielung,  sondern  auch  die  Ver- 
arbeitung und  der  Vertrieb  der  einheimischen  Seyde  ihr  allein  zukonnnen  und  in 
diesem  von  Uns  deroselben  verliehenen  Privilegio  begriffen,  mithin  ihr  allein  od(>r 
den  ihrigen  zustehen  soll,  allerhand  Stoffen  und  andere  Arbeit,  wie  sie  Nahmen 
haben  mag,  auch  mit  Be;\dugung  fremder  Seyde  und  anderer  Materien,  nachdem  es 
dienlich,  aus  solcher  einheimischen  Seyde  verfertigen  zu  lafsen. 

9.  Weiln  auch  neuntens  dieses  Werck  zum  gemeinen  Nutzen  und  Unserm  Dienst 
ohne  alle  Beschwehrde  abzielet  und  also  von  Uns  als  favorable  angesehen  wird,  so 
wollen  Wir,  dafs  Unsere  Societaet  der  AVifsenschafften  bestens  l)eschützet,  und,  da 
ja  wegen  des  Vexstandes  dieser  Unser  Concession  ein  Zweilfel  fürfallen  solte,  solcher 
zur  Entscheidung  an  Uns  gebracht  und  inzwischen  nichts  dargegen  verhänget,  im 
Übrigen  auch  der  Societaet  zu  ihrem  Recht  ohne  W^eitläuffigkeit  verholffen  wei-de. 

Wir  und  Unsere  Nachkommen,  Könige  in  Preufsen,  Marggraff'en  und  Chur- 
Fürsten  zu  Brandenburg  u.  s.  w.  wollen  auch  mehrgedachte  Unsere  Societaet  der 
Wifsenschafften  bey  dem  Inhalt  dieses  Unsers  Privilegü  allergnädigst  schützen,  hand- 
haben und  erhalten.  Gestalt  Wir  dann  auch  allen  und  Jeden  Unseren  Collegiis  und 
Regierungen,  Gouverneurs,  Befehlichshabern,  Drosten .  Haupt-  und  Amtleuten, 
auch  Commandanten  und  Officierern,  insonderheit  aber  allen  vorgesezten  Personen, 
Beamten  und  Bedienten  bey  Unsern  Domainen,  Forsten,  Häufsern  und  Gärten, 
nicht  weniger  auch  allen  iNlagistraten ,  Gerichtsherrn.  Richtern  und  Obrigkeiten  in 
den  Städten  und  auff  dem  Lande,  Commissarien  und  Policey  Meistern,  Planteurs 
und  allen  Unseren  andern  hohen  und  niedrigen  Bedienten,  wie  die  Nahmen  liaben 
mögen,  so  wol  als  allen  Unseren  Unterthanen,  wes  Standes  die  seyn ,  in  Unserm 
Königreich,  Provincien  und  Landen,  lüermit  allergnädigst  und  zugleich  ernstlich 
anbefehlen,  solches  an  Unsere  .Statt  gleichfallfs  zu  thun,  und  Unsere  Societaet  der 
Wifsenschafften  oder  die  ihrigen  in  dem  Exercitio  dieses  Unsers  Privilegü  nicht 
zu  tiu'biren,  vielmehr  darbey  respective  zu  handhaben,  zu  defsen  Effect  nach  der 
Sachen  Beschaffenheit  und  eines  jeden  Amt  behülfflich  zu  seyn,  die  Infi-actiones, 
so  viel  an  ihnen,  zu  verhindern,  und  nichts  dai'gegen  zu  ^'erstatten,  weniger  seihst 
zu  thim.  bey  Vermeidung  Unserer  schwehren  Ungnade  und  unausbleiblicher  Straffe 
des  Verbrecliens,  wovon  die  Geldstratfen  halb  Unserm  Fisco  und  halb  der  Societaet 
zufallen  sollen.  Wir  reserviren  L^ns  aber  hierbey  ausdrücklich,  dieses  Privilegium 
allemal  nach  Erforderung  und  Beschaffenheit  der  Sachen  imd  Zeiten  und  zu  1)efserer 
Erreichung  Unsers  Zwecks  zu  fafsen  und  einzuiüchten,  auch  wollen  Wir  was  den 
neunten  Punct  anlanget  in  zweiffelhafften  Dingen  selbsten  der  Ausleger  dieses  Pri- 
vilegü seyn  und  die  Imposten  an  Zoll,  Accise  und  dergleichen  nach  Unsei'm  Ge- 
fallen ,  doch  wie  es  der  Favor  einer  einheimischen  Waare  erfordert  und  Unser 
Interesse  leiden  oder  verstatten  mag,  reguliren,  getreulich  ohne  Gefährde,  jedoch 
Uns    an  Unsern,    auch    sonst  jedermänniglichen    an    seinen   Rechten    ohne  Schaden. 


172  86.    Lkibniz,  Denkschrift  über  die  Wassersoliädeii  (28.  Januar  1707). 

Ulirkundlich  unter  Un.ser  eiu;eninindigen  Untersclirifft  und  anhangendem  Lehn  Siegel. 
Gegeben  zu  CöUn  an  der  S[)ree  den  28.  Martii  nach  Christi,  ünsei'S  lieben  Herrn 
und  Seeligmachers  Geburt,  im   1707.  Jahre. 

Fridericli. 
Privilegium  vor  die   allhiesige  So-  Gr.  v.  Wartenberg, 

cietaet  der  Wifsenschafften  über  die  Er- 
zielunii-  der  Maulbeer -Bäume  und  Seide. 


86. 

(Veri;!.  Gescliichte  der  Akademie  S.  147). 

Lkibniz,    Denkschrift   über   die   Abhülfe    von    Wasserschäden    vom 

28.  Januar  1707. 
[Original   von   LiiiBNizens  Hand    im   Geh.  Staatsarchiv,    zwei  Coneepte,   eines    von  LEiBNizens 

Hand,  im  Akademischen  Archiv.] 
Die  Begierde,  so  man  heget,  die  Societät  der  Wifsenschafften  bald  in  solchem 
Stand  zu  sehen,  dafs  sie  zu  Königl.  Majest.  Glori  und  gemeinem  Besten  etwas 
Ansehnliches  verrichten  möge,  verursachet,  dafs  man  nicht  nur  auf  künftige  und 
etwas  entfernte  Augmenta  des  Fundi,  sondern  auch  auf  gegenwärtige  oder  doch 
nähere  Hiilfsmittel  zu  dencken  sich  schuldig  erachtet. 

Nun  wären  zwar  allerhand  Vorschläge  diefsfalls  zu  thun ,  so  dem  gemeinen 
Wesen  nicht  beschwei-lich  sondern  vielmehr  verträglich  erscheinen,  aber  diejenigen 
vor  andern  anständig,  so  auf  Verbefserung  des  Land -Baues  gegründet,  und  dahin 
gehen,  dafs  das  Land  zur  Cultur  bequemer  gemacht  und  insonderheit  was  sümpfig, 
oder  gar  unter  Wafser  stehet,  wo  es  thunlich  ausgetrucknet,  und  zu  gutlieni  Wiese- 
Wachs  oder  Ackerbau  tüchtig  werde. 

Es  ist  kein  Zweifel,  dafs  viel  dergleichen  Stellen  in  Königlicher  Majest. 
grofsen  Landen  vorhanden  seyn  müfsen,  so  theils  beckand,  theils  vermittelst  der 
Wafserwage  aufszufinden,  wenn  gebührende  Untersuchung  geschehen  solte.  AUein 
es  ist  an  dem,  dafs  die  rechten  Vortheile  der  Wafserwage,  welche  man  sonst 
Libellam  oder  le  niveau  nennet,  noch  nicht  in  Teutschland  üblich,  bey  Aufsländern 
aber  von  wenig  Jahren  hehr  erst  zu  einer  ziemliche  Perfection  bracht  worden, 
wiewohl  fast  noch  Niemandt  bisher  damit  recht  umb  zu  gehen  weifs,  als  wer 
zugleich  der  astronomischen  Observationum  wohl  kundig. 

Lizwischen  ist  gleicliwohl  dieses  Instrument  und  defsen  tichtiger  Gebrauch 
hüchnüzlich,  wenn  Gi^aben  geführet,  Stollen  getrieben,  Dämme  und  Schleufsen  an- 
geleget,  Schiffarten  und  Flöfsen  befördert,  Wafser  abgezapfet,  einige  gewaltsame 
Einbrüche  und  Überschwemmungen  abgewendet  oder  vermindert,  sonderlich  aber 
Lande  gewäfsert  oder  trocken  gemacht  werden  sollen;  da  man  in  Ermangelung 
des  rechten  Gebrauchs  solches  Instruments  und  der  daran  hafftenden  Erkenntnifs, 
offt  viel  Guthes  unterläfset,  zu  Zeiten  auch  viel  Unkosten  vergebhch  anwendet  und 
entweder  des  Zwecks  gar  verfehlet  oder  kaum  mit  überschwenglichen  Kosten  das- 
jenige erhält,  wozu  sonst  leicht  zu  gelangen  gewesen.  Der  König  in  Frankreich 
li-at  in  denen  nach  dem  Nimwegischen  Frieden  vermeintlich  reunirten  Landen  gutlie 
Exempel  hierinn  geben,  wie  aufs  denen  diefsfalls  publicirten  Ordonnanzen  zu  sehen; 
hat  auch  in  seinem  eigenen  Königreich  viel  dergleichen  gethan;  endtlich  auch  die 
Aufssicht  und  Beobachtung  der  Wafser -Leitungen  einigen  dazu  bequemen  Glied- 
mafsen  der  Academie  des  Sciences  aufgetragen,  und  zwar  eben  denen,  welche  be- 
rühmte Sternseher  und  ( Jbservatores  der  himlischen  Phaenomenorum  seyn,  weil 
eben  dieselben  am  Besten  mit  dem  Wafser  umbzugehen  und  die  dazugehörigen 
Instrumenten  am  schärfesten  zu  gebrauchen  wifsen ;  in  England  auch  sind  berühmte 
Glieder  der  Societät  der  Wifsenschaft'ten  daselbst,  so  dergleichen  verrichten. 


87.    Geschichte  des  Ankaufs  des  Societäts- Grundstücks  (1707/8).  1/3 

Gehen  derowegen  diese  olinmafsgäbliche  Gedancken  dahin,  Königl.  M'-  würden 
nicht  wenig  zu  Verbelserung  dero  Lande  thun  und  zugleich  das  löbl.  Absehen 
ihrer  Fundalion  der  Societät  der  Wifsenschafl'ten  befördern,  wenn  sie 

1.  sich  allerunterthänigst  vortragen  liefsen,  was  für  Ohrter  bereits  in  Vor- 
schlag kommen  oder  (nach  einiger  kundiger  Persohnen  Meynung)  in  Vorsclilag 
kommen  möchten,  alhvo  auf  Einteichiuig  des  Landes  und  andere  oberwehnte 
nüzliche  Walser -Wercke   zu  gedencken. 

2.  AVenn  sie  in  Gnaden  belieben  möchten,  eine  oder  andere  von  der  Societät 
der  Scienzen  allerunterthänigst  vorschlagende,  dem  Werck  gewachsene,  in  Praxi 
sowohl  als  Theoria  geübte  Person,  als  Nivelleur  unter  dem  Nahmen  eines  Bau- 
meisters oder  Conducteurs.  oder  sonst  dergleichen  zu  bestellen,  der  oder  die  in 
die  Provinzien  gehen,  an  denen  vorgeschlagenen,  auch  wohl  nach  Gelegenheit  andern 
Ohrten  gnugsahme  Untersuchung  vornehmen,  behörige  Rifse  einliefern  und  gründ- 
lichen Bericht  abstatten  köndten. 

Und  weil  3.  ohne  dem  beckand,  was  vor  grofse  und  schädliche  Fehler  die- 
jenigen offt  begehen,  so  man  insgemein  zum  Landmefsen  brauchet,  denen  es  theils 
an  Wifsenschafft ,  theils  an  guthen  Instrumenten  fehlet,  köndten  die  obbemeldten 
Persohnen  von  wegen  der  Societät  zugleich  auf  das  Landmeisen  einige  Aufsicht 
haben,  welches  an  den  Grenzen  so  wohl  als  Binnen -Landes  vielfältigen  Nuzen  nach 
sich  ziehen  wirdt. 

Weilen  nun  kein  Zweifel,  dafs  durch  Gewinnung  und  Verbesserung  des  Landes 
und  dergleichen  oberwehnte  AVercke  auch  dazu  gehörige  Anstalt  Königlicher  Ä'P- 
und  dem  gemeinen  Wesen  an  vielen  Orthen  ein  iVnsehnliches  zuwachsen  köndte, 
so  lebet  man  4.  der  Hofnung,  es  werden  Allerhöchstgedachte  Königl.  Maj.  in 
Gnaden  geruhen,  von  dem,  so  dadurch  zu  erhalten  seyn  möchte,  ein  Meix-kliciies 
zum  Fundo  der  Societät  der  Gestalt  zu  widmen,  dafs  sie  in  Stand  gesezet  wei'de, 
solche  wichtige  Dinge  zu  thun,  die  in  dero  Diplomate  Fundationis  und  Instruction 
ausdrücklich  enthalten  und  dazu  sie  dem  Publico  Hofnung  gemacht,  darunter  die 
Fortpflanzung  der  reinen  Religion  bey  abgelegenen  Völckern  durch  die  Wifsen- 
schafften  nicht  dafs  Geringste. 

Man  hoffet  ein  solches  umb  so  viel  mehr,  weiln  in  erwehnten  Königl.  Con- 
cessionen  so  der  Societät  gegeben,  dieser  Punct  aufsdrücklich  enthalten,  dafs  künff'tig 
dem  Fundo  Societatis  unter  andern  aus  solchen  Landes -Verbesserungen  zu  Hülff" 
zu  konunen,  also  dafs  man  sich  verpflichtet  findet,  nicht  länger  zu  säumen,  sondern 
die  Beförderung  oberwehnter  Anstalt  in  Unterthänigkeit  zu  suchen. 

Berlin,  den  28.  Januar  1707.  [So  in  dem  einen  Concept  des  Akademischen 
Archivs,  im  andern  steht   1706  ohne  Monatsangabe.] 


87. 

(Vergl.  GfSfliiclite  der  Akademie  S.  148). 

Geschichte  des  Ankaufs  des  hinter  dem  Stall  gelegenen  Grundstücks 

(zur  Wohnung  des  Astronomen)  1707  — 1708. 
[Über  den  Ankauf  des  hinter  dem  Observatorium  gelegenen  Platzes  und  Hauses,  welches  sich 
ziir  Zeit  (1898)  noch  im  Besitz  der  Akademie  befindet  (Dorotheenstr.  10)  und  in  den 
letzten  Jahrzehnten  von  dem  Chemiker  bewohnt  worden  ist,  existiren  die  Acten  vollständig 
im  Akademisclien  Archiv  (Fase:  ■•LEUiNiz»  und  "Bauliclikeiteu")  und  im  Geh.  Staatsarchiv, 
theilweise  auch  in  der  Hannoverschen  Bibliothelv.  Dazu  vergl.  den  Briefwechsel  zwischen 
Leibniz  und  dem  Secretar  Nr.  56  (31.  Mai  1707)  bis  Nr.  82  (15.  December  1708)  und  den 
Briefweclisel  mit  Kirch  und  mit  Cuneau  (Hannov.  Bibl.).] 

Die   Societät   hatte    erkannt,    dass    auch    der   zweite    (westliche)    Eckpavillon, 
so  wie  er  gebaut  war,   für  ihre  Zwecke  und  als  Wohnung  des  Astronomen  wenig 


1/4  87.    Gescliichte  des  Ankaufs  des  Societäts- Grundstücks  (1707/8). 

hrauclibar  war;  sie  durfte  zudem  annehmen,  dass  die  Verwaltung  des  MarstalLs  ihn, 
wie  den  ersten,  in  Beschlag  nehmen  wei-de.  Da  ihr  nun  eine  Wohnung  für  den 
Astronomen  förmlich  zugesichert  war,  so  beschloss  sie,  den  Antrag  zu  stellen,  dass 
ihr  statt  jenes  Eckpavillons  ein  anderes  Gebäude  bewilligt  werde.  Sie  ersah  dazu 
das  unmittelbar  hinter  dem  Observatoi'ium  gelegene  Grundstück,  welches  dem 
Königlichen  Privat- Commissar  (er  heisst  auch  Kriegs -Commissar)  Nicolai  gehörte, 
der  es  am  30.  August  1701  von  dem  Hof-Fourier  Jon.  Gerhardt  für  1400  Thlr. 
(Originalcontract  im  Akademischen  Archiv)  gekauft  hatte.  Das  Grundstück  war 
70  Fuss  lang  und  200  Fuss  tief,  und  es  befand  sich  auf  ihm  ein  kleines,  aber 
beziehbares  Haus  (»Hintergebäude"),  dazu  ein  »anmuthiger  Garten«  (der  Secretar  an 
Lkiüniz  Nr.  77  vom  3.  Juli  1708);  ein  Vordergebäude  wollte  man  errichten.  Die 
Societät  wandte  sich  an  den  Kammerherrn  von  Tettau  mit  der  Bitte,  dem  Könige 
Vortrag  zu  halten  und  ihn  dazu  zu  bestimmen,  bis  zu  3000  Thlr.  —  die  Grundstücke 
müssen  demnach  in  Jenen  Jahren  stark  gestiegen  sein  —  zum  Ankauf  dieses  Hauses  zu 
gewähren.  Bereits  am  22.  Februar  1707  konnte  der  Hofprediger  Leibnizcu  mittheilen 
(Hannov.  Bibl.):  »Was  der  Kanunerherr  v.  Tettau  vor  einen  Success  gehabt,  wird 
meinem  hochgeehrten  Herrn  ohne  dem  bekannt  sein.  S.  K.  M.  haben  sich  würklich 
])is  3000  Thli'.  zu  dem  Platz  und  Gebäu  pro  observatore  herausgelassen,  und  hat 
der  Hr.  v.  Tettau  nicht  allein  hierüber  eine  schriftliche  Versicherung  herbeizuschaffen, 
sondern  auch  an  die  Kammer  wegen  fördei'samster  Ausbauung  des  Observatorii 
einen  Befehl  zu  extrahiren  verheifsen^«. 

Demgemäss  richtete  die  Societät  am  19.  März  folgendes,  von  Leibniz  ent- 
worfene Pro -Memoria  an  den  Grafen  von  Wartenberg  (Concept  von  LEiBNizens 
Hand  und  eine  Abschrift  im  Akademischen  Archiv,  Original  im  Geh.  Staatsarchiv), 
nachdem  man  sich  versichert  hatte,  dass  das  Grundstück  für  2100  Thlr.  zu 
haben  sei. 

Pro   Memoria. 
An  des  Herrn  Ober  Cämmerers  hochgräfl.  Excellentz  (Graf  von  Wartenberg). 

Nachdem  man  bey  vorgenommener  Untersuchung  dafür  gehalten,  dafs  keiner 
von  den  Eckpavillonen  bey  dem  Stallgebäude  auf  der  Dorotheenstadt  ohne  grofse 
Kosten  oder  Ungelegenheit  des  Stalles  zu  dem  Gebrauch  der  Societät  der  Wifsen- 
schatften  wie  nöthig  zu  adaptiren,  so  ist  in  Vorschlag  kommen  und  vor  gutli 
augeselien  worden,  dafs  ein  Plaz  nahe  bey  dem  Observatorio  dazu  erkauffet  und 
ein  mittelmäfsiges  doch  anständiges  Gebäude  dahin  gesetzet  würde,  und  hat  man 
der  Abrede  gemäfs  einen  feinen  Plaz  gleich  gegen  dem  Observatorio  über  mit 
darauf  stehenden  Hintergebäu  bis  auf  Ratification  erhandelt,  und  stehet  es  nun- 
mehr darauf,  dafs  von  wegen  Königl.  Maj.  solches  Allergnädigst  genehm  gehalten 
werde,  mithin  auch  zu  dem  beygehörigen  Bau  die  nöthige  Verordnung  ergehe. 
Wobey  es  dann  auf  folgende  Puncten  ankomt. 

I.  Behielte  die  Societät  auf  dem  Stallgebäude  den  Thurm  des  Observatorii 
samt  dem  ohngehinderten  Eingang  dazu  und  auf  jeder  Seiten  des  Thurms  wäre 
der  Gang,  so  davon  nach  denen  beyden  Eck-Pavillonen  gehet,  lialb  zu  theilen.  die 
nächste  Helft'te  davon  jederseits  bey  dem  Observatorio  zu  lafsen  und  von  dem  übrigen. 


'  hl  dem  LonNiz-Fascikel  der  Akademie  findet  sich  ausserdem  ein  Concept  eines 
Briefes  vom  15.  Februar  1707.  Man  ersieht,  dass  der  König  den  Befehl  gegeben  hatte,  den 
zweiten  Eckpavillon  für  die  Societät  auszubauen.  Es  war  aber  von  der  Stall -Verwaltung 
eingewendet  worden,  die  Inmdamente  seien  zu  schwach,  um  einen  zweiten  Stock  zu  gestatten. 
Leiüniz  fragt  mm,  was  soll  gescliehen?  der  Astronom  müsse  doch  wohnen;  in  eine  private 
Wohnung  zu  ziehen,  sei  unthunlich.  Der  Bi'ief  schliesst:  »Wie  man  denn  auch  versichert 
lebet,  dafs  K.  M.  nichts  Unanständiges  [als  Wohnung]  oder  Verkleinerliches  gestatten  werden». 


87.    Geschichte  des.  Ankaufs  des  Societäts-ürnndstücks  (1707/8).  1  /  0 

so  dem  Stall  verldeibet.  lieständig-  zu  untersclieiden,  dicweilen  man  die  Nothdurfft 
an  Instrumenten  und  andern  benöhtigten  Dingen  ohnmöglicli  aul's  dem  Thurm, 
zumahl  er  von  allen  Seiten  zum  Observiren  frey  sejai  mul's.  lassen,  noch  auch 
die  Sachen  jedesmahl  ohne  Schaden  und  Weitläuffigkeit  hin  und  her  bringen  kan. 

2.  Würde  K.  Maj.  in  Gnaden  gerulien  anzubefehlen,  dafs  die  sub  spe  rati 
veraccordirte  Kaufgelder  nehmlich  2iooTiilr.  an  den  bisherigen  Proprietarium  aiis- 
gezahlet  wiirden.  Es  ist  der  Ijei  oberwehnter  Besichtigung  sofort  genonnnenen 
Abrede  gemäfs  der  bey  K.  Amtskammer  bestellete  Bauschreiber  Heese ,  dem  bereits 
der  Bau  des  Übservatoi-ii  aufgetragen,  zu  Schliefsung  dieses  Accords  mitgeljraucht 
worden,  und  hat  man  nichts  Becpiemers  noch  allen  Umbständen  nach  Thunliclieres 
finden    können,  als  obervvehnten  Plaz  zu  erhandeln. 

3.  Würden  Allerhöchstgedachte  K.  Maj.  ferner  die  Aufsführung  eines  mittel- 
mäfsigfen  anständigen  Vordergebäudes  dergestalt  in  Gnaden  anbefehlen,  dafs  nicht 
allein  die  Leute  der  Societät  darin  bequem  seyn  und  eine  Druckerei  auch  wohl 
ein  unterirdisches  Laboratorium  und  dergleichen  den  nöthigen  Gelais  finden  möchten, 
sondern  aucli  einige  Zinnner  übrig  blieben,  darein  frembde  und  andere  Standes 
Personen  bey  der  Besichtigung  geführet  und  mit  Discoursen  oder  auch  mit  Ex- 
perimentis  unterhalten  werden  köndten,  immafsen  wohl  gewifs,  dafs  wenig  curiose 
Personen  ohne  Besichtigung  des  Observatorii  und  Zugeh(")hr  dermahleins  in  Berlin 
kommen  werden  und  K.  Maj.  selbst  verhofl'entlich  einiges  \'ergnügen  bey  des  Wercks 
Fortgang  finden  dürff'ten. 

Berlin  den    19.  Martii    1707. 

An  demselben  Tage  schrieb  von  Tettau  in  dem  gleichen  Sinn  an  den  Grafen 
VON  Warienberg  (Geh.  Staatsarchiv).  Der  König  ging  auf  den  Vorschlag  ein,  und 
am  28.  A]iril  erging  eine  Ordre  an  den  Ober- Kammerherrn  (Concept  und  Rein- 
schrift im  Geh.  Staatsarchiv,  Abschrift  im  Akademischen  Archiv),  deren  Haupt- 
inhalt lautet: 

"(Da  die  Eckpavillone  auf  dem  Stallgebäude  nicht  entbehrt  w'erden  können) 
ist  mit  Unserer  Genehmhaltung  ein  gewifser  Platz  gleich  gegen  dem  Observatorio 
über  mit  darauf  stehendem  Hinter -Gebäude  erhandelt,  auch  von  LTns  wegen  defsen 
Bel:)auung  an  Unsere  hiesige  Ambts-Cammer  nach  Anweisung  des  copeylichen  Bey- 
schlusses  rescribiret  worden.  Nachdem  aber  die  Nohtdurlft  an  Listrumenten  und 
anderen  berechtigten  Dingen  auf  dem  Thurm,  welcher  von  allen  Seiten  zum  0\)- 
serviren  frey  seyn  mufs,  nicht  gelassen,  noch  auch  die  Sachen  jedes  mahl  ohne 
Schaden  und  Weitläuffigkeit  hin  und  hergebracht  werden  können;  so  haben  Wir 
allergnädigst  resolviret,  dafs  die  Societät  auf  dem  Stall -Gebäude  den  Thurm  des 
Observatorii  sambt  dem  ungehinderten  Eingang  darzu  behalten,  und  auf  jeder  Seiten 
des  Thurms  der  Gang,  so  daran  nach  den  beyden  Eckpavillonen  gehet,  halb  ge- 
theilet,  die  nechste  Heltt'te  davon  jederseits  bey  dem  Observatorio  gelafsen  und  von 
dem  Ubi'igen,  so  dem  Stall  verbleibet,  beständig  unterschieden  werden  solle«,  u.s.w. 

An  demselben  Tage  ging  an  die  Amtskammer  die  Anweisung,  die  2100  Thli'. 
auszuzahlen  und  auf  dem  Grundstück  ein  Vordergebäude  aufführen  zu  lassen,  in 
welchem  ein  Laboi-atorium,  eine  Druckerei  und  einige  Zimmer  für  die  Societät 
einzurichten  seien.     Die  Anweisung  lautet  (Geh.  Staatsarchiv,  Hannov.  Bibl.): 

»Nachdem  für  die  Societaet  der  Wissenschafften  in  der  Dorotheen  Stadt  ein 
Platz  gleich  gegen  dem  Observatorio  über  mit  dem  daraufstehenden  Hinter -Gebäude 
durch  den  Bau -Schreiber  Heese  für  2100  Thlr.  behandelt  und  erkaufft  worden, 
Wir  auch  sothanen  Kauff  allergnädigst  approbiret,  alis  befehlen  Wir  Euch  hiermit  in 
Gnaden,  nicht  allein  dem  Verkäuffer  und  bisherigen  Proprietario  sothane  2100  Thlr. 
fordersambst  auszahlen  zu  lassen,  sondern  auch  die  Versehung  zu  thun,  dal's  auf 
gedachtem  Platz    ein    mittelmäfsiges,    anständiges  Vor- Gebäude   aufgeführet  werden 


17G  87.    Geschichte  des  Ankaufs  des  Societäts- Grundstücks  (1707/8). 

solle,  in  welchem  nicht  allein  die  Leute  der  Societät  bequem  seyn,  und  eine 
Druckerei,  auch  wohl  ein  unterii'disches  Laboratorium  und  dergleichen  den  nöthigeu 
Gelafs  finden,  sondern  auch  einige  Zimmer  überbleiben  mögen,  in  welchen  Fremde 
und  andere  Standes- Persohnen  bey  der  Besichtigung  geführet  oder  mit  Experimentis 
unterhalten  werden  können  .  .  . 

Collen  d.  28.  April  1707. 


Hierauf  schloss  die  Societät  uTiverzüglich  den  Vorcontract  mit  dem  Besitzer 
ab.  Allein  die  Amtskammer  weigerte  sich,  der  Anordniuig  Folge  zu  leisten;  denn 
erstlich  war  das  Geld  überhaupt  knapp,  zweitens  nahm  sie  es  «vor  eine  Off'ension, 
dafs  der  Bauschreiber  ohne  ihr  Vorwifsen  sich  unterstanden,  in  Handlung  zu  treten 
und  den  Kauf  zu  schliefsen ,  und  will  man  ihm  defswegen  stark  zu  Leibe«  (Secr.- 
Leibn.  Nr.  56  vom  31.  Mai  1707).  Leibniz  wandte  sich  mit  einer  Beschwerde  von 
Hannover  aus  an  Hrn.  vok  Tettau.  Dieser  antwortete  (der  Brief  wird  in  dem  Brief- 
wechsel mit  CuNEAi;  zu  Hannover  aufl^ewalu-t)  am  25.  .Juni  1707:  »Je  ne  vois  pas, 
pourquoi  la  Chambre  des  finances,  alias  Amptskannnei'.  differre  d'executer  les  ordres 
du  Roy,  en  trainant  de  faire  le  payement  des  2100  escus;  il  faut  qu'elle  aye  des 
raisons,  (jue  nous  autres  ignoronS"  ;  er  werde  sich  informiren.  Die  Kammer  machte 
am  15.  Juli  eine  Gegenvorstellung  bei  dem  Könige;  sie  erkläi'te.  sie  sei  mit  Ausgaben 
überliäuft  luid  könne  das  Geld  nicht  aufbringen.  Darauf  liess  der  König  erwidern,  sie 
solle  die  Summe  einstweilen  aufnehmen  und  auf  den  Etat  des  nächsten  Jahres  setzen 
(beide  Actenstücke  im  Akademischen  Archiv,  vergl.  Secr.-LEiBN.  Nr.  60  vom  23.  Juli); 
die  Societät  erbot  sich  in  einer  Eingabe  an  den  König  die  Zinsen  der  aufgenommenen 
Summe  zu  zahlen  (17.  October:  Akademisches  Archiv,  und  den  Brief  von  Kirch  an 
Leibniz  vom  3.  September).  Dennoch  rückte  die  Sache  nicht  vom  Fleck;  im  November 
schien  gar  keine  Hoftnung  mehr  darauf  zu  sein,  da  das  Geld  in  der  Finanzkammer 
so  knapp  war,  dass  sie  selbst  Zahlungsanweisungen  auf  50  Thlr.  »in  causis  favora- 
bilibus«  zurückwies  (Secr. -Leibn.  Nr.  63  vom  26.  November)  \  Auch  eine  persönliche 
Verhandlung  des  Secretars  und  Cuneau's  mit  dem  Präsidenten  der  Kammer,  Hrn. 
VON  GÖRNE,  fruchtete  nichts:  »Selbst  wenn  die  Summe  in  den  Etat  gesetzt  wird, 
kann  ich  nicht  versprechen,  dafs  darum  die  Zahlung  erfolgt"  (a.  a.  0.  Nr.  66  vom 
4.  Februar  1708).  Bereits  dachte  man  wieder  an  den  Eckpavillon;  wandte  sich  aber 
doch  noch  einmal  in  einer  Eingabe  vom  15.  Februar  an  den  Grafen  von  Warten berg 
verwies    auf  die    zweimal    erfolgte    Zusicherung    des    Königs    und    schlug    vor,    die 

1  Hierzu  ist  der  Brief  der  Frau  Kikcii  vom  4.  November  1707  an  Leibniz  zu  ver- 
gleichen (Hannov.  Bibl.) :  »Es  gehet  wie  Ew.  Exe.  bei  Ihrem  Absciiied  sagten,  dafs 
wolil  Alles  liegen  würde,  wenn  Sie  würden  weg  seyn.  Lii  Observatorio  wird  zwar  etwas 
gebauet  mit  Boden -Spünden  und  Gipsen,  aber  man  kan  die  K.  Gnade,  so  Sie  ausgewircket 
(nemlich  das  behandelte  Hanfs  zu  bezalilen)  noch  nicht  erhalten.  Herr  Hofrath  Chuno  ist 
zwar  sehr  geschäftig  defswegen  und  giebt  auch  noch  gute  Vertröstung,  davon  Sie  schon 
Nachricht  haben  werden.  Allein  ich  habe  neulich  mit  dem  Heirn  Secretario  Jablonski  ge- 
redet, welclier  sagte:  es  würde  nichts  dai-aufs  werden,  dafs  das  Haufs  von  der  Ambts- Kammer 
würde  bezahlet  werden;  denn  sie  sei  lädii't,  weil  die  Behandlung  des  Hauses  derselben  hätte 
erst  sollen  auigetragen  werden,  nun  hiefse  es:  wer  es  behandelt,  möchte  es  auch  bezahlen. 
Wir  zweifeln  also  selbst,  dafs  dieser  Kaufi"  werde  fortgehen,  es  sey  denn  dafs  Ew.  Exe. 
selbst  einmal  möchten  herkommen :  denn  obwol  der  Verkäufer  gar  unwillig  ist  und  spricht, 
dafs  er  nun  nicht  schuldig  sey,  den  Kauft"  länger  zu  halten,  so  mercken  wir  doch,  dafs  er 
es  gerne  sähe,  wann  der  Kauft"  nur  noch  fort  ginge,  indem  er  sein  ander  Haufs  ohne  Mieths- 
Leute  noch  stehen  läfset,  darvor  ihm  zwar  Herr  Hoft'rath  Chuno  die  Miethe  bis  Ostern  ver- 
sprochen hat.  Nun  weifs  nicht,  ob  die  Veränderung  am  Hofe  [Günstlinge  waren  gestürzt, 
unter  ihnen  Hamrath]  hierzu  schädlicher  oder  nützlicher  ist.  Müfsen  also  mit  Geduld  er- 
warten ,  ob  es  das  Glück  noch  fügen  will,  nahe  beym  Observatorio  zu  wohiieu". 


87.    Gescliiclite  des  Ankaufs  des  Societäts- Grundstücks  (1707/8).  1  /  ( 

Kammer  möge  augewiesen  werden,  in  den  nächsten  3  Jahren  je  700  Thlr.  auf  den 
Etat  zu  setzen;  die  Societät  wolle  einstweilen  die  ganze  Summe  aufnehmen  und 
die  Zinsen  bezahlen  (Geh.  Staatsarchiv).  Gleichzeitig  wandte  man  sich  an  Leibniz 
Diesem  riss  endlich  die  Geduld  —  an  die  eintlussreichsten  Beamten  hatte  er  schon 
öfters  in  dieser  Sache  geschrieben,  s.  Klopp,  10.  Bd.  S.  413 f.  —  und  er  richtete 
am  17.  Februar  ein  nachdriickliches  Schreiben  an  den  König  (Original  im  Staatsarchiv, 
Conce^it  in  Hannovei-)  und  schrieb  gleichzeitig  an  andere  eintlufsreiche  Personen 
(sogar  an  eine  Dame.  Fr.  vox  Sacetot,  die  Haushofmeisterin  der  Kronprinzessin). 
In  dem  Brief  an  den  König  heisst  es,  nachdem  er  an  die  förmliche  Bewilligung 
erinnert  hat: 

"K.  31.  haben  mich  auch  bey  meiner  allerunterthänigsten  Beurlaubung  vivae 
vocis  oraculo  in  Gnaden  zu  versichern  beliebet,  dafs  dieses  und  anderes,  so  Sie 
zugestanden,  unnachbleiblich  erfolgen  solte.  Allein  man  hat  sich  nicht  allein  bey 
der  löbl.  Hof-  und  Amts-Cammer  voriges  Jahr  damit  entscluüdiget,  dafs  die  Dis- 
positionen schon  gemacht,  und  vor  diefsmahl  Wüi'cklichkeit  nicht  zu  gelangen, 
sondern  auch  endtlich,  als  die  Societät  sich  ietziges  Jahr  bey  Zeiten  angegeben, 
alles  abgeschlagen,  mit  der  Bedeutung,  dafs  mehr  wohlgedachte  Cammer  nicht 
im  Stande,  solch  Geld  zu  zahlen.  Und  ob  man  wohl  propter  periculum  in  mora 
die  Reputation  des  mit  Ew.  3Iaj.  Genehmhaltung  gemachten  Contracts  zu  con- 
serviren  erl)othen,  diefs  Geld  anzuschaffen,  wenn  es  aufs  der  Cammer  verzinset 
werden  wolte  ^ ,  ist  doch  auch  solches  nicht  zu  erhalten  gewesen.  Weilen  aber 
dadurch  erwehnter  Kauffcontract,  nach  langem  Warthen,  auf  eine  sehr  unanständige 
Weise  nicht  nur  zu  Präjudiz  und  Mifscredit  der  Societät,  sondern  auch  mit  Ver- 
wunderung der  Aufswärtigen.  so  darinn  mitbegrifPen,  übern  Hauffen  geworffen  wird, 
so  habe  endtlicli  zu  E.  K.  ]M.  im  Nahmen  der  Societät  mich  abermahls  wenden 
und  um  Vollstreckung  des  allergnädigsten  Befehls  allerunterthänigst  bitten  müssen.« 

Auf  Leibnizcus  Betreiben  richtete  ausserdem  die  Societät  am  28,  Februar  ein 
ausführliches,  mit  fünf  Beilagen  ausgestattetes  Pro -Memoria  an  den  ^Minister 
voxIlgen,  in  welchem  sie  die  ganze  Geschichte  der  Sache  darlegte.  Dem  Minister 
verdankt  es  die  Societät  (s.  Secr.-LEiBx.  Nr.  73  vom  5.  INIai  1708).  dass  sie  endlich  zu 
ihrem  Rechte  kam.  Er  bewirkte  am  9.  INIärz  einen  Königlichen  Befehl  an  die  Amts- 
kammer, dass  in  den  nächsten  3  Jahren  je  700  Thlr.  der  Societät  ausgezahlt  Averden 
sollen  und  sie  darüber  schon  jetzt  eine  förmliche,  schriftliche  Zusicherung  erhalte, 
damit  sie  das  Geld  im  Ganzen  sofort  aufnehmen  könne  (Geh.  Staatsarchiv,  Abschrift 
im  Briefwechsel  zwischen  dem  Secretar  und  Leibniz  und  hiernach  gedruckt  in  der 
Publica tion  dieses  Briefwechsels  in  der  Abh.  d.  K.  Preuss.  Akad.  d.  Wiss.  1897  unter 
Nr.  68).  An  dem  nämlichen  Tage  erging  eine  in  der  Sache  identische  Königliche 
Ordi'e  an  die  Societät.  Es  wird  gestattet,  dass  der  Gelddarleiherin  —  es  war  die 
Hofprediger -Wittwe  Sturm  —  da,s  Grundstück  sammt  Haus  hypothekarisch  ver- 
schrieben werde,  bis  das  Geld  abgezahlt  sei;  die  Zinsen  hat  die  Societät  zu  tragen 
(Original  im  Akademischen  Archiv). 

Die  Ordre  lautet:  Wir  Friederich  u.  s.  w. 

Wir  haben  aus  eurem  im  vorigen  Jahr  abgestatteten  allerunterthänigsten 
Bericlit  ersehen,  dafs  diejenige  2100  Thlr.,  welche  zu  Bezahlung  des  auif  Unsere 
Genehmhaltung  vor  die  Societät  der  Wissenschaff'ten  erkaufiften  Hauses  erfordert 
werden  und  Wir  unterm  28.  Aprilis  1707  auf  Unsere  hiesige  Cammer -Gefällen 
assignirt  haben,  in  dem  damahlen  bereits  ei'füllet  gewesenen  Cammer -Etat  nicht 
eingebracht  wei'den  könten.  Wir  halben  aufs  solchem  Bericht  auch  vernommen, 
was   ihr   sonsten  Aveiter  wegen   dieser   Sache   fürzustellen    nöthia;   "efunden.      Weil 


1  Das  ist    ein  Irrthum  LEiBNizens;    die  Societät    hat    sich  von  Anfang  an  erboten, 
Zinsen  selbst  zu  zahlen. 

Geschichte  der  Akademie.    II.  12 


178  87.    Geschiclite  des  Ankaufs  des  Societäts- Grundstücks  (1707 '8). 

AVir  al)er  gedachtes  Hanfs  vor  die  Societät  der  Wissenschafften  aufs  der  Uhrsache 
erkauffen  [zu]  lafsen  in  Gnaden  gut  gefunden  haben,  damit  dieselbe  von  dem  ilir 
concedirten  Eck -Pavillon  des  Stalles  hiegegen  abstehen  und  die  nun  7  gantze  Jahr 
zwischen  der  Societät  und  denen  Befehlshabern  des  Stalles  geschwebte  Differentz  ^ 
endlich  cessiren  möchte,  dabeneben  es  auch  an  dem,  dafs  ohne  dieses  Expediens 
der  eine  Pavillon  mit  grofsen  Kosten  zur  "Wohnung  des  Astronomi  aus  denen  Cammer- 
Gef allen  hätte  aptiret  werden  müssen,  so  bleiben  Wir  dabey,  dafs  solche  Haufs- 
kauff- Gelder  aufs  Unsern  hiesigen  Cammer- Gefällen  gezahlet  werden  sollen.  Wie 
Wir  aber  selbst  leicht  urtheilen,  dafs  bey  denen  anderen  vielen  Aufsgaben  es  die 
Cammer  in  etwas  incommodiren  möclite,  diese  Summe  der  2100  Thlr.  auff  einmahl 
oder  in  einem  Jahr  abzuführen ,  also  haben  Wir  auf  den  von  Seiten  der  gedachten 
Societät  gethanen  Vorschlag,  dafs  nemlich  diese  Kaufgelder  in  drey  Jahren  und 
Etate  vertheilet  werden  möchten,  Aveil  dabey  die  Cammer -Etate  nicht  sonderlicli 
beladen  werden ,  in  Gnaden  aggreiret ,  und  befehlen  euch  dahero  hiemit  allergnädigst 
und  dabey  ei"nstlich,  nicht  allein  solche  Kauff- Summe  der  2100  Thlr.  in  den  diefs- 
jährigen,  auch  ohne  erwartet  weiterer  Verordnung  in  die  beyde  nechstfolgende 
Canuner- Etate,  und  zwar  in  jeden  mit  700  Thlr.  zu  Aufsgabe  anzusetzen,  sondern 
auch  dahin  besorget  zu  seyn,  dafs  die  in  jedem  Jahr  und  Etat  angesetzte  Posten 
an  den  Secretarium  Societatis  Jablonski  gegen  defsen  Quitung  gezahlet  werden. 
damit  dieser  diejenige  Gelder,  so  mit  Unserem  allergnädigsten  Special- Consens 
die  Societät  inzwischen  zu  diesem  Haufskauff  negociren  und  bej^  der  Tradition 
des  Hauses  in  ihre  Hände  dem  Verkäuffer  al)er  baar  und  auff  einen  Bret  aufszahlen 
mufs,  nach  und  nach  davon  wieder  abführen  könne  und  also  die  Interessen,  so  die 
Societät  von  solchen  auffgenommenen  Geldern  inzwischen  bezahlen  mufs,  zu  Ende 
solcher  drey  Jahr  ohnfehlbar  cessiren  mögen. 

Ihr  habet  auch  mehrgedachter  Societät  einen  Schein  aufszustellen,  dafs  ihr 
dieser  Unserer  allergnädigsten  Verordnung  richtig  und  zu  rechter  Zeit  allerunter- 
thänigst  nachkommen  werdet,  damit  jene  sich  dieses  Scheins  bey  Negocirung  der 
Gelder  nach  Befinden  bedienen  könne.  Und  Wir  sej'nd  euch  in  Gnaden  gewogen. 
Gegeben  zu  Cöln  d.  9.  Martii   1708. 

Friederich. 
Gr.  V.  Wartenberg. 

Am  II.  April,  ohne  die  schriftliche  Zusicherung  der  Kammer  abzuwarten 
—  es  war  der  zweite  A'erstoss  gegen  die  bureaukratischen  Ordnungen,  den  man 
machte,  aber  es  war  pericuhun  in  mora  (s.  Secr. -Leiijx.  Nr.  71  vom  7.  April)  — . 
Avurde  der  Kaufcontract  mit  Nicolai  wirklich  abgeschlossen  (Original  im  Akademischen 
Archiv),  und  gleich  darauf  zog  Kirch  ein  (s.  seinen  Brief  an  Leibniz  vom  29.  April; 
er  ist  CuNEAU  besonders  dankbai-);  einige  100  Thlr.  zahlte  die  Societät  selbst  sofort 
aus  ihren  Mitteln  ab.  um  nicht  zuviel  Zinsen  bezahlen  zu  müssen  (s.  die  Societäts- 
Rechnungen  im  Akademischen  Archiv  und  FRiscHens  Briefwechsel  mit  Leibniz  Nr.  10 
vom  18.  Juni  1708).  Aber  die  Kammer  gedachte  noch  nicht  nachzugeben;  sie  war 
auf's  Neue  verletzt.  Die  Verhandlungen  (die  erste  Rate  auszuzahlen  und  der  Societät 
die  schriftliche  Zusicherung  zu  geben)  zogen  sich  bis  zum  Ende  des  Jahres  1708. 
obgleich  der  Posten  in  den  Etat  aufgenommen  war,  und  ol)gleich  vox  Tettau  für 
die  Societät  bei  der  Kammer  und  beim  Grafen  von  Wartenberg  aufs  Neue  eintrat 
(Secr.-LEiBN.  Nr.  71—82).  Dazu  kam,  dass  die  »Confusion«  in  den  Königlichen  Kassen 
das  höchste  Maass  eiTcicht  hatte  (a.  a.  O.  Nr.  82),    die  Ausgaben  die  Einnahmen  um 


^  Diese  Differenz  wird  wohl  zur  Verzögerung  des  Baues  sehr  wesentlich  mitgewirkt 
liaben.  Ausserdem  baute  die  Stalherwaltung  den  Eckpavillon  wohl  mit  Absicht  so,  dass 
die  Societät  ihn  in  dieser  Verfassung  gar  nicht  brauchen  konnte. 


88.    Leibmz  an  Fkiedrich  I.  (25.  April  1707).  179 

38000  Thlr.  überstiegen  (Nr.  80)  und  der  Secretar  am  22.  September  1708  an  Leibniz 
schreiben  musste  (Nr.  81):  »Wie  gerne  man  die  Geldangelegenheit  der  Societät  bei 
der  Amtskammei-  befördern  wollte,  ist  doch  hierzu  bei  gegenwärtigen  Umständen, 
da  der  grofse  iNIangel  in  allen  Cassen  so  sichtbarlich  herfiirbricht ,  dafs  er  dem 
Könige  selbs  nicht  länger  ganz  verborgen  bleiben  können,  so  wenig  Anschein,  nach 
Wunsch  fortzukommen,  dafs  man  sorgen  mufs,  der  Sache  mehr  zu  schaden  als  zu 
nuzen,  wenn  man  sie  itzunder  regen  wolle«.  Die  Societät  hat  in  Folge  davon 
länger  Zinsen  zahlen  müssen,  als  durch  Königliche  Ordre  bestimmt  war  (noch  im 
Jahre  17 10  war  nichts  ersetzt),  s.  die  Briefe  Nr.  99  und  119  des  Secretars  an  Leibxiz 
vom  Januar  und  Deceml^er  17 10:  »Wegen  der  Kaufgelder  ist  so  leicht  keine  Hoffnung 
zu  machen,  weil  des  Geldes  hie  gar  zu  wenig  und  noch  neulich  die  Amtskammer 
Befehl  bekommen ,  alle  ihre  Einnahmen  in  die  Rentei  zu  liefern ,  auch  sogar  mit 
Hintansetzung  ihrer  eigenen  Besoldungen,  welche  sie  doch  jederzeit  vormals  vor- 
Avegnehmen  dürfen,  so  dafs  sie  verschiedenen  Bedienten  zu  2  und  3  Quartalen 
würklich  zurückstehn« ;  aber  schliesslich  wurde  die  Schuld  von  der  Kammer  getilgt. 


88. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  148). 

Leibniz,  Brief  an  den  König  Friedrich  I.  (Berlin,   25.  April   1707). 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    ig.  Bd.  S.  409^".] 

AUerdurchlauchtigster  usw.  Ich  bin  hieher  gekommen,  und  habe  mich  ein 
halb  Jahr  allhier  aufgehalten  blofs  und  allein  dem  gemeinen  Besten  zu  dienen,  und 
zwar  in  einer  Sach,  die  zu  E.  M'  Glori  gereichet,  damit  die  von  dero  fundirte 
Societät  der  Wissenschafften  ferner  gefafset,  und  in  einen  leidlichen  Standt  gebracht 
werden  möchte. 

Solches  habe  einigermafsen  gottlob  erreichet.  E.  Königl.  M'  haben  die  An- 
schaffung eines  Plazes ,  und  Fortsezung  des  Baues  in  Gnaden  anbefohlen ,  und 
werden  solchen  Befehl  zweifelsfrey  vollstrecken  lassen,  haben  auch  ein  neues  Pri- 
vilegium der  Societät  verliehen,  davon  dermahleins  ein  beständiger  Nuz  vor  sie 
und  das  Publicum  zu  hoffen.  Wie  man  sich  dann  von  wegen  der  Societät  vor  dieses 
Alles  allerunterthänigst  bedancket.  Man  hat  auch  die  nöthigen  Mesuren  genommen, 
dafs,  wills  Gott,  alle  Jahr  einige  Miscellanea  herauskommen  mögen,  und  hoffet 
dem  Publico  damit  einig  Vergnügen  zu  geben,  und  will  ich  nicht  zweifeln,  es 
werde  Alles  nach  der  genommenen  Abrede  und  gemachten  Anstalt,  ungeachtet 
meiner  Abreise,  vor  sich  gehen.  Wenn  E.  M'  nur  zu  zeigen  fortfahren,  dafs  Sie 
zu  dieses  Wercks  Beförderung  geneigt,  wird  man  inn-  und  aufserhalb  Landes  umb 
die  Wette  das  Seine  beytragen,  und  können  also  E.  M*  dero  sonst  ohnsterbliches 
Lob  auch  bey  den  Scienzen  leicht  dadurch  vermehren;  inmafsen  Ijekandt,  dafs  die 
grösten  Könige  neben  andern  treflichen  Thaten ,  auch  wegen  Beförderung  der 
Wissenschafften  gelobet  worden. 

Ich  mufs  mich  nun  allerunterthänigst  beuhrlauben,  indem  meine  Bedienung 
bey  des  Churfürsten  zu  Braunschweig  meines  gnädigsten  Herrn  Durchl.,  und  meine 
Ordinari  Geschaffte  eine  längere  Abwesenheit  nicht  leiden,  und  kaum  diese  lange 
Entfernung  gelitten,  da  ich  zwar  eher  abgefertiget  zu  werden  gehoffet,  solches 
auch  an  E.  M'  nicht  gehafftet,  der  Geschaffte  Lauf  aber  nicht  leiden  wollen.  Wenn 
ich  es  nicht  l)ei  mir  unverantwortlich  und  fast  schimpflich  gehalten  hätte,  woferne 
dieses  Werck  der  Societät  länger  erliegen  bleiben  müssen,  so  hätte  ich  nimmer- 
mehr bey  meinem  Alter  und  Zustand,  ein  halb  Jahr,  wie  diefs  Mahl,  auch  vor  ein 
Grofses,  sacrificiren  wollen. 

12* 


180  89-    Die  Societät  an  die  Stadt  Cülln  an  der  Spree  (10.  Mai  1707). 

Ich  liaLe  von  1700  an  umlj  des  Publici  willen,  ein  ziemliches  Theil  der  Zeit, 
und  nicht  wenig  Fleifs  hierauff  gewendet,  und  dabei  vielleicht  ein  Grofses  an 
meinem  Interesse  versäumt.  Es  gereuet  mich  aber  Alles  nicht,  weil  ich  einen 
guthen  Aufsgang  mit  Gottes  Hülfe  vermuthe,  und  mich  mit  der  Hoffnung  tröste, 
es  werde  wenigst  mein  guther  Will  und  Fleifs  allergdst.  aufgenommen ,  und  dessen 
wohlgemeyntes  Ziel  durch  Königl.  Autorität  erreichet  werden. 

Solche  Gnade  werde  auch  abwesend  darinn  spühren,  wenn  E.  Königliche 
]\P,  wie  Sie  bey  der  Fundation,  und  dabey  gegebenen  Instruction  allergndst  resol- 
viret  gehabt,  so  wohl  die  Gelelu'ten  als  auch  die  Künstler  und  Observatores  in 
Curiosis  als  Mathesi,  OjDticis,  Mechanicis,  Physicis,  Historicis  an  die  Societät  nach 
Gelegenheit  zuweisen,  als  auch  sie  und  ihre  Membra  zu  magis  seriis  zuziehen,  als 
bey  Bauwesen,  Feldmessen,  Wasserwage,  Eintrocknung  des  Landes,  Einrichtung 
von  IMaafs,  Wag  und  Gewicht,  Anstalt  gegen  Feuer-  und  W^asserschaden,  auch 
andere  Begebenheiten  daran  gelegen,  wie  der  König  in  Frankreich  mit  seiner  Aca- 
demie  Royale  so  wohl  in  maxime  seriis  als  magis  curiosis  zu  than  pfleget.  Durch 
welchen  Weg  die  Societät.  Gelegenheit  erlangen  würde,  sowold  E.  W  und  dem 
Publico  als  auch  ihrem  Fundo  und  Proposito  befser  zu  statten  zu  kommen,  mithin 
auch  mehr  wackere  Leute  an  sicli  und  auffzuziehen.  Welches  alles  zu  verlangtem 
Zweck  durch  die  Krafft  eines   oder  andern  Königlichen  AVorths  leicht  zu  erhalten. 

Ich  wünsche,  dafs  der  allmächtige  Gott  Ew.  M'  zu  ganz  Europa,  der  evan- 
gelischen Religion,  und  dero  Lande,  auch  insonderheit  der  W^issenschaften  Bestem 
und  Flor,  bei  langem  Leben  und  guther  Gesundheit  eine  fernere  beglückte  Re- 
gierung verleihen  wolle,     und  ich  verbleibe  Lebenszeit  usw. 


89. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  148). 

Die   Societät   an   Bürgermeister   und   Rath   zu    Colin    an    der   Spree. 

10.  Mai   1707  ^ 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     ig.  Bd.  S.  4iif.] 

Nachdem  Königl.  jNIjt.  unser  allergdst.  Herr  Dero  Societät  der  Wifsenschafften 
ein  Privilegimn  zu  Cultur  der  jNIaulbeer- Bäume  ertheilet,  und  dabey  deroselben 
in  Gnaden  verstattet,  an  Wällen,  Strafsen  und  in  andern  Locis  publicis,  wo  es 
ohne  Schaden  von  männiglich  geschehen  kan,  dergleichen  Bäume  zu  pflantzen  wie 
aus  beygeseztem  Extract  privilegii  zu  ersehen. 

Und  sich  nun  findet,  dafs  allhier  vor  dem  Köppenichischen  Thore  zwischen 
der  Land-Strafse  und  der  Spree  ein  solcher  Orth,  der  nicht  im  Geringsten  ge- 
natzet, auch  nicht  einst  zu  Weide  und  Hut  gebrauchet  wird,  sonderm  ganz  öde 
und  wüste  lieget,  hingegen  durch  die  vorhabende  Cultur  zu  Zierde  und  Nutzen, 
auch  Nahrung  der  Stadt  gereichen  würde,  welches  gleichwohl  auch  einige  Kosten 
erfordern  dürffte : 

So  gehet  der  Societät  geziemendes  Suchen  dahin ,  dafs  die  Herrn  Bürger- 
meister und  Rath  derselben  hierinnen  förderlichst  zu  willfahren,  und  den  benanten 
Plaz  einzuräumen  belieben  wollen,  damit  der  Kgl.  allergdst.  Intention  nachgelebet 
und  der  allgemeine  Nuz  befördert  Averde,  welches  man  an  Seiten  der  Societät  zu 
rühmen  und  danknehmig  zu  erkennen  nicht  ermangeln  wird. 

(gez.)    G.  W.  V.  Leibniz. 
Praesident  der  Könii>l.  Societät  der  Wifsenschafften. 


^    Concepte    zu    älinlicheii   Schreiben    an   die   Amtniäuner   in   Köpenick   und   Potsdam 
(10.  März  1707)  befinden  sich  im  Archiv  der  Akademie  von  LEiBNizens  Hand. 


90.    Leibniz  an  die  Kurfürstiii  Sophie  (1708).  181 


90. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  150). 

Aus  LEiBxizens  Brief  an  die  Kurfürstin  Sophie  aus  der  zweiten  Hälfte 

des  Jahres   1708. 
[Klopp,  Die  AVerke  von  Leibniz.     9.  Bd.    S.  283  ff.] 

La  guerisou  du  Roy  ne  sera  pas  moins  le  sujet  de  la  rejouissance  publi(]ue, 
que  toute  autre  cause.  Sa  Majeste  est  cherie  de  ses  sujets  plus  qu'on  ne  sauroit 
croire,  et  je  trouve  qu'ils  ont  bien  raison.  L'accident  dernier  avoit  donne  une 
grande  frayeur  a  tont  le  monde.  Tons  ceux  qui  aiinent  le  bien  des  peuples. 
.soiiliaitent  que  sa  ÖP'^  vive  encor  longtemps  et  continue  ä  apprendre  l'art  de  regner 
au  prince  son  fils,  qui  est  le  premier  de  ceux  qui  fönt  ces  souhaits.  On  a  sujet 
de  croire  cpie  Dieu  exaucera  nos  voeux,  car  les  accidens  qui  inconimodent  quel- 
(juesfois  et  surprennent  le  Roy,  ne  sont  ny  dans  les  nerfs,  n}^  dans  le  sang;  la 
fluxion  derniere  n'estoit  qu'une  pituite  extravasee  a  cause  de  la  saison.  Le  Roy 
se  fit  saigner  fort  prudemmeut,  2)ar  ce  qu'on  pouvoit  douter,  si  ce  n'estoit  une 
intlammation;  mais  par  bonlieur  ce  ne  fut  qu'une  abondance  d'humeurs  qii'un  leger 
vomissement  acheva  de  chasser.  Ainsi  nous  n'avons  pas  encor  aucun  sujet  assez 
grand  de  craindre,  graces  a  Dieu,  et  j'espere  que  le  Roy  vivi'a  plus  qu'il  ne  croit 
peutestre  luy-meme,  coinme  en  eflfect  Dieu  luy  a  tousjours  fait  plus  de  graces 
qu'il  n'avoit  espere.  Et  excepte  la  perte  de  la  Reine,  je  ne  voy  pas  en  quoy  il 
aye  sujet  de  se  plaindre.  Le  inariage  heureux  de  son  fils  luy  peut  servir  de  la 
plus  efficace  consolation,  et  au  reste  il  passe  tous  ses  ancestres  en  puissance,  estats, 
revenus,  et  dignite. 

II  faut  luy  rendre  cette  justice  tpi'il  fait  toutes  les  choses  avec  beaucoup  de 
generosite,  quand  elles  viennent  jusqu'  a  luy.  Le  bastiinent  de  la  societe  des 
sciences  avoit  este  suspendu,  je  ne  say  comment,  depuis  plusieurs  annees,  et  apres 
presque  trois  ans  d'absence  je  fus  surpris  de  trouver  les  choses  oü  je  les  avois 
laissees.  J'ay  donc  presse  qu'on  donnat  des  ordres  precis,  et  j'ay  enfin  obtenu 
({uelque  discussion.  Aussitost  que  l'affaire  a  este  en  estat  d'estre  jjortee  au  Rov, 
sa  3I*<=  l'a  terminee  de  la  meilleure  grace  du  monde,  et  a  fait  voir,  contre  le 
sentinient  de  quelquesuns,  que  quelques  niille  ecus  n'estoient  rien  pour  luy,  quand 
il  s'agit  de  ce  qui  est  convenable.  Je  n'attends  encor  qu'une  autre  expedition 
pour  la  societe,  qui  est  retardee  je  ne  say  comment,  quoyque  le  Roy  l'ait  or- 
donnee  depuis  longtemps. 

Ayant  pris  taut  de  peine,  je  ne  voulois  pas  qu'elle  füt  vaine,  comme  il  seroit 
peutesti'e  arrive  encor  une  fois ,  si  je  fusse  parti  en  laissant  les  expeditions  impar- 
faites.  Cela  m'a  arreste  icy  avec  beaucoup  d'incommodite  et  depense,  et  avec  peu 
d'agrement.  C'est  comme  si  je  solicitois  pour  moy- meine,  et  cependant  je  ne  soli- 
citois  que  pour  des  choses  qui  Interessent  la  gloire  du  Roy  et  le  bien  public.  II 
seinble  que  V.  A.  E.  a  raison  de  se  moquer  de  moy  de  ce  que  je  m'oublie;  mais 
il  seroit  indigne  de  moy  d'en  user  autrement.  Je  suis  bien  eloigne  d'avoir  este 
dedommage,  et  surtout  mon  temps  m'est  d'un  grand  prix,  dont  je  regrette  la  perte 
plus  que  toute  autre  chose:  mais  enfin  si  la  posterite  en  profite,  il  ne  sera  pas 
mal  employe,  et  je  crois  qu'elle  me  rendra  justice. 

Cependant  ce  n'est  pas  la  premiei'e  fois  que  mes  bonnes  intentions  ont  este 
mal  interpretees ,  et  quoyque  du  vivant  de  la  Reine,  personne  n'a  peutestre  parle 
aupres  d'elle  aA-ec  plus  de  desinteressement  et  plus  de  zele  que  moy,  et  que  j'eusse 
donne  ailleurs  des  preuves  reelles  de  mes  bons  sentimens  de  tous  costes,  il  faut 
qu'on  les  ait  tournees  en  mal  aupres  du  Roy.  Car  j'ay  remarque  plus  d'une  fois 
qu'il  semble  qu'on  luy  a  donne  quelques  impressions  cpii  me  sont  desavantageuses. 


182  91-    Leibn-iz  an  Lord  Raby  (1708). 

Mais  je  m'en  console  par  la  satisfaction  que  j'ay  d'avoir  fait  mon  devoir.  dont  on 
s"appercevra  peutestre  un  joiir  plus  cpfon  ne  fait  a  present.  si  je  me  donne  la 
peine  de  dresser  des  memoires.  Par  bonheur  inon  temperament  qui  me  met  au- 
dessus  de  bien  des  choses,  m'exemte  de  beaucoup  de  chagrins  qu"un  autre  auroit 
peutestre,  s'il  luy  arrivoit  ce  qui  m'arrive  dans  les  endroits  oü  je  ne  m'y  devois 
point  attendre 

91. 

(Vcrgl.  Gcschiclite  der  Akademie  S.  151). 

Leibniz,  Brief  an  Lord  Raby  aus  der   zweiten  Hälfte  des  Jahres    1708. 
[Klopp.  Die  Werke  von  Leibniz.   10.  Bd.  S.  4i4f.] 

Si  la  societe  des  sciences  de  Berlin  estoit  en  estat  de  faire  i{uelque  chose, 
j'aurois  fait  executer  le  dessein  d'un  Baroinetre  de  poche  d"une  structure  toute 
particuliere,  que  j'ay  inventee;  car  icy  on  manque  de  bons  ouvriers.  Je  m'etonne 
que  les  Grands  princes  ne  considerent  pas  assez  rimportance  des  connoissances 
de  la  nature.  Je  suis  asseure  que,  si  l'on  faisoit  les  eftbrts  pour  cela,  on  appren- 
droit  plus  en  10  ans  que'on  n'en  apprendra  en  100  ans,  sans  cela.  Et  ils  jouiroient 
eux-memes  de  ces  lumieres  pour  leur  sante.  J'avois  propose  au  Roy,  au  com- 
mencement  de  la  fondation  de  la  societe ,  de  donner  ordre  a  tous  les  Medecins 
gages  dans  ces  Estats  d'envoyer  tous  les  ans  quelques  observations  selon  une 
certaine  methode,  et  dont  le  recueil  auroit  fait  une  Histoire  naturelle  de  l'annee, 
ce  qui  auroit  este  d'une  utilite  immense  avec  le  temps.  Mais  les  bonnes  intentions 
du  Roy  ont  souvent  le  malheiir  d'estre  mal  executees.  Je  l'eprouve  encor  a  l'egard 
du  bastiment  de  la  Societe.  Le  Roy  a  donne  une  resolution  par  ecrit,  et  il  m"a 
asseui-e  de  vive  voix,  quand  je  partois,  qu'il  y  tiendroit  la  main.  Cependant  sa 
Chambre,  appellee  Amts-Cammer,  vieiit  de  declarer  tout  2)resentement,  qu'elle  ne 
peut  point  fournir  ä  ces  miserables  2100  ecus,  et  eile  ne  veut  pas  meme  resoudre 
a  en  payer  les  interests,  si  on  les  empruntoit,  ce  qui  seroit  pourtant  bien  juste. 
M.  le  Grand  Chambellan  nous  a  asseure,  INIjdord,  que  nous  aurions  contentement 
cette  annee;  mais  on  n'y  a  point  d'egard:  quoyque  l'expedient  de  l'emprunt  soit 
sans  difficulte.  Enfin  il  est  etonnant  que  les  ordres  du  Roy  et  du  premier  Ministre 
ont  si  peu  d'effect,  meme  dans  une  matiere  qui  regarde  la  gloire  du  prince  et 
l'utiHte  publique.  Quekjues  personnes  m'ont  dit  avant  mon  depart  de  Berlin  qu'il 
en  iroit  ainsi.  Je  m"en  moquois,  ayant  la  parole  du  Roy  par  ecrit  et  de  vive  voix, 
et  je  croyois  que  ces  gens  estoient  mal  intentionnees,  en  jugeant  ainsi  des  ordres 
d'un  si  grand  prince:  mais  a  jDresent  ils  se  moqueront  de  moy  ji  leur  tour.  Cela 
rendra  meme  la  societe  meprisable ,  car  eile  a  des  membres  dans  les  pays  estrangers,^ 
qui  ne  peuvent  pas  manquer  d'apprendre  ces  contretemps.  Si  \.  E.  a  la  bonte 
de  s"informer  encor  de  cette  affaii-e,  eile  apprendra  a  quoy  il  tient.  Pour  moy,. 
j'en  ay  ecrit  plus  d'une  fois  au  Grand  Chambellan.     Etc. 


92. 

(Vergl.  Gcschiclite  der  Akademie  S.  156). 

Königliche  Verordnung,  betreffend  die  Bücliercensur  durch  die  Societät 

vom  24.  August  1708. 
[Hanuov.  Bibl.,  Fase.  »Societätsacten«.] 

Nachdem  S.  K,  ^Lij.  in  Preufsen  unser  allergnädigster  Herr  dero  alhier  ge- 
stifteten Societät  der  Wifsenschafften  die  Censur  derer  einzuführenden  oder  zum 
Druck   kommenden,    so    politischen    und  die  Zeit- Geschichte   enthaltenden  alfs  ge- 


92.    Königliche  Verordnung  betreuend  die  Biichercensur  (24.  August  170S).       183 

hilirten  zur  Literatur  und  Scientien  gehöriger  Schriften  allergnädigst  committiret  und 
aufgetragen,  alfs  haben  selbige  defshalb  nach  folgender  Instruction  sich  gehorsambst 
zu  achten,  und  dahin  zu  sehen,  dafs 

I. 

Nicht  möge  zugelassen  werden,  etwas,  worin  der  Ehre  Gottes  und  der  Würdig- 
keit der  christlichen  Religion  zu  nahe  getretten  und  dieselben  einigermafsen  verletzet. 


Worin  atheistische,  wider  die  gesunde  ^lorale  oder  auch  ärgerliche  und  der 
christlichen  Ehrbarkeit  zuwiderlautfende  Dinge  enthalten. 

3- 
Wo  von  der  Regierung  oder  hohen  Obrigkeit  insgemein  verächtlich  und  ver- 
fänglich geredet,  oder  in  Absicht  auf  dieselbe  gefährliche  Principia  insinuiret  oder 
zur  Unruhe   und   Zerrüttungen   in    geist-  und   weltlichen  Stande   abziehlende  Sätze 
eingestreiiet. 

4- 

Wo   der   schuldige  Respect   gegen    die   höchsten  Häubter  verletzet   oder   aus 
den  Augen  gesetzet. 

5- 
Wo    wider   die  Ehre   und   das  Interesse  S.  K.  ^I.    und   dero   hohen  Haufses 
oder  dero  AUiirten  etwas  eingeflossen. 

6. 
Wo   über  die  Handlungen  hoher  Häubter  unzeitige  und  vorschnellige  Uhrteile, 
so    zu   derselben   Mifsfallen   und   Beleidigung    gereichen    können    oder   vermefsenes 
Grülieln  in  den  Geheimnüfsen  des  Stats  unterlaufen, 

7- 
Wo  ehrlich  und  bey  der  gelahrten  Welt  geachtete  Leuthe  zur  Ungebühr  ge- 
schmähet und  an  ihrer  Ehre  und  guten  Leuhmut  angegriffen. 


Wo  unnütze  und  zugenöhtigte  Streitigkeiten  erreget  oder  in  Widerlegung 
anderer  INIeynungen  das  jNIaafs  überschritten,  und  anstatt  der  Sache  die  Persohn 
wolte  hergenommen  werden. 

9- 

Endlicli  auch  alles ,  woraus  dem  Publico  mehr  Schaden  alfs  Nutzen  erwachsen 
und  die  Leser  mehr  geärgert  alfs  erbauet  werden  möchten,  imd  gehet  hierbey 
S.  K.  M.  allergnädigste  Intention  dahin,  dafs,  wann  in  einer  Schrift  sonst  viel 
Unschuldiges  und  nur  etwas  Anstöfsiges  enthalten  wäre,  dieselbe  wann  sie  anders- 
woher eingeführet  worden,  unterdrücket,  wann  sie  aber  hier  zum  Druck  kommen 
möchte,  nach  geschehener  Ender-  und  Verbesserung  woU  zugelassen  werden  solle. 
Signatum  Oranienburg,  d.  24.  Aug.  1708. 

Friedrich. 

D.  V.  Danckelmann. 

Dazu  Bl.  192:  Anschreiben  des  Königs  an  die  Buchführer,  die  Bücher  erst 
durch  die  Societät  approljiren  zu  lassen,  ebenfalls  vom   24.  August  1708. 


184  93.    Zum  OELVEN'schen  Handel  (1709). 


93. 

(Vergl.  Gescliiclite  der  Akademie  S.  152 ff.). 

Zum    OELVEx'schen    Handel    (Augii.st    bis    October   1709). 

Im  Geheimen  Staatsarchiv  und  in  dem  Akademischen  Archiv  (Fase:  »Revenuen^ 
und  »Leibniz«)  werden  die  Acten  über  den  OELVEx'schen  Handel  anfljewahrt.  Die 
erste  Eingabe  Oelven's  an  den  König  stammt  vom  16.  August  1709  (Original  im 
Akademisclien  Archiv).  Hier  wird  der  geheimnissvolle  Mann  in  Seene  gesetzt,  der 
einen  ausgezeichneten  Plan  wisse,  um  die  Revenuen  zu  vermehren  —  »davon  alle 
JNIembi'a  vergnüglich  könnten  salarirt  werden«  — ;  dann  wird  die  Rechnung  aufgestellt, 
nach  welcher  die  Kalender  in  den  acht  Jahren  69840  Thlr.  hätten  einbringen  müssen 
("Dieser  Schatz  liegt  in  der  Kalender-Cassa  als  ein  aureum  vellus,  davon  die  Frage: 
'ad  quid  perditio  haec'«),  und  schliesslich  wird  verlangt,  der  König  solle  den 
Hofprediger  und  Cuneau  beauftragen,  ihn,  Oelven,  zu  berufen,  damit  er  seinen  Plan, 
die  Revenuen  aus  den  Kalendern  zu  vermehren,  ihnen  vorlege;  denn  die  »wunderbare, 
sehr  disreputirliche  Conduite  dieses  eigenmächtigen  Kalenderwesens«  müsse  völlig 
umgestaltet  werden. 

Es  war  die  Zeit,  wo  man  an  den  Höfen  noch  an  die  Kunst,  Gold  zu  machen, 
glaubte.  Die  erste  Antwort  des  Conciliums  an  vox  Ilgex  vom  22.  August  1709 
genügte  bei  Hofe  nicht,  obgleich  sie  bereits  mit  einer  ausführlichen  Tabelle  der 
Einnahmen  und  Ausgaben  beilegt  war. 

Einnahmen  und  Ausgaben  standen  sich  also  gegenüber,  wobei  der  Uberschuss 
jedes  Jahres  fortlaufend  in  den  Einnahmen  der  folgenden  Jahre  gebucht  ist  (die 
Groschen  und  Pfennige  sind  weggelassen): 

1701     +  6sis    [ti-»^"  1000 Thlr.        j^o2     +  6719  170^     ■+-  6ssi 

'  ->     ^     auf£:cii(immene.s  '  ■  /oy  /     o         ■         jj 

—  6750  Capital]  —    5929  —    5183 

1704       +    7652  1705       +    6697  1706       +    7173 

—  6592  —    5189  —    5I18 

1707      +  7882  1708     H-  9767 

—   5099  —       •' 

Für  jedes  Jahr  sind  die  Einzelposten  genau  mitgetheilt  (für  1701  lauten  sie: 
A.  Einnahme:  Kalenderverdienst  6348  Thlr.,  aufgenommenes  Capital  1000  Thlr.,  für 
Stempel  128,  In.sgemein  38;  B.Ausgaben:  Druckerlohn  1834,  Ankauf  von  Kalendern 
32,  Factoren4i9,  für  zurückgekommene  Kalender  2290,  Stempel  51,  Besoldungen 
1385,  Prämien,  Verehrungen  20,  Bücher  27,  abgelegte  Capitalien  und  Zinsen  160, 
Fracht  und  Briefpoi-to  259,  Schreiberei  14,  Insgemein  256).  Das  Concilium  be- 
merkte gegen  Oela'ex  : 

»Und  Avie  hiei'aus  des  anmaislichen  Angebei's  blinde  Unwissenheit  in  diesem 
Gescliäft  und  der  Ungrund  seines  Anbringens  ofl'enbar  zu  tage  lieget,  also  läfst 
sich  darob  nicht  leicht  anders  schliefsen ,  denn  ein  gefafseter  Vorsatz,  bei  S.  K.  INIaj. 
luid  Dero  hohen  Ministerio  die  Societät  auf  eine  so  unziemliche  und  unbefugte 
Weise  zu  verunglimpfen,  welches  die  überall  gebrauchte  injuriosa  et  contumeliosa 
dicta  et  l'acta  noch  mehr  verrahten.  Wir  mögen  aber  Ew.  Ex.  hierbei  gehorsamst 
nicht  verhalten,  wie  alle  solche  Animositaeten,  so  er  nicht  erst  nu,  sondern  schon 
zu  mehrmahlen  blicken  lafsen ,  vornehmlich  daher  rühren ,  dafs  er  vormals  auf  eine 
Pension  oder  Gratification  ex  fundo  Societatis  stark  gedrungen ,  welcher  er  doch  sicli 
eben  so  wenig  fähig  gemacht,  als  vermöge  der  Legum  Fundationis  ihm  dergleichen 
eingegangen  [sie]  werden  mögen.  Und  ist  solcher  Verdrufs  merklich  angewachsen, 
nachdem  er  gleich  anderen,  mit  seinen  in  Druck  auskommenden  Schriften  an  die 
der  Societaet  allergnädigst  anbefohlene  Censur  verwiesen  worden,  welche  ihm  desto 


93.    Zum  OELVEN'schen  Handel  (1709).  185 

unerträgliclier  gefallen ,  je  unleidlicher  es  ihm  angekommen,  die  mit  unterlaufende 
teils  ungeschickte  teils  ärgerliche  und  allerdings  unzulässige,  ihm  selbst  aber  lieb 
und  hochgeschäzte  Einfälle,  derer  er  auch  nach  dem  ihm  z.ugezogenen  Fiscalischen 
Verweis  sich  nicht  enthalten  können ,  an  Mann  zu  bringen ,  sich  gehindert  zu 
sehen;  da  denn  endlich  sein  wallendes  Geblüt  unter  dem  Vorwand  des  Königlichen 
Interesse  sich  solchergestalt  abzukühlen  und  an  der  Societät  zu  rächen  Gelegen- 
heit genommen. 

Wie  aber  wir  vor  uns  und  im  Nahmen  der  ganzen  Societaet  uns  solches  wie 
billig  tief  zu  Gemüht  ziehen,  tuid  unsere  rechtmäfsige  Verantwortung,  so  bald  wir 
mit  dem  H.  Praeside  von  Leibniz  ims  darülier  vernommen  haben  werden ,  uns  vor- 
behalten. So  haben  Avir  hiezu  einen  wenigen  Anstand  gehorsamst  erbitten,  und 
zugleich  mit  gegenwärtiger  vorläufiger  Information  schuldigst  aufwarten  sollen.« 

Allein  man  war  damit  im  Ministerium  nicht  zufrieden  und  verlangte  noch 
Aveitere  umgehende  Aufklärungen  und  namentlich  ^"erhandlangen  mit  Oelven  über 
seine  Vorschläge.  Nun  verfasste  Cuneau,  der  hochangesehene  und  ruhige  Mann, 
am  4.  und  7.  September  1709  zwei  sein-  würdige  Eingaben  an  den  Minister.  In 
der  ersten  heisst  es: 

"Ich  fürchte  demnächst  auch,  der  neue  modus  ditescendi  aut  alendi  opipare 
Societatem  wirdt  noch  viel  Bedenklichkeiten  haben,  und  ist  zu  besorgen,  es  werde 
darauls  so  wenig  eine  Golt  Grube  oder  vellus  aureiun.  alfs  aus  Seiner  terra  novi 
Regni  das  gerühmte  Porcellain  erfolgen;  Doch  Avünschet  man,  dafs  der  A'orschlag 
solide  undt  nicht  einer  a'ou  denen  seyn  möge,  welche  man  vordehm  schon  seligsten 
I.  alfs  impracticable  2.  bedencklich  oder  3.  so  angesehen,  dafs  der  Hoff  darin 
nicht  consentiren  würde,  oder  auch  die  man  4.  zu  rechter  Zeit  selbst  vorzuschlagen 
reserviret  hatt;  Efs  seindt  sonsten  des  Herrn  Oelven  ei-ste  exhibita  auf  geschehene 
gnädige  Communication  dem  Praesidi  Societatis  communiciret;  Weilen  man  Unfs 
nun  defsen  Andtwohi't  vorher  zu  erwarten ,  den  in  Unserer  vorläuffigen  Vorstellung 
gebohtenen  Anstandt  nicht  verstatten,  so  mufs  man  es  dahin  gestellet  syn  lafsen, 
Unterdefsen  weil  i.  Herr  Oelven  gestehet,  nicht  selbst  Auetor  von  dem  Invento 
zu  seyn.  2.  Er  ein  solcher  Kopff  ist,  mit  dem  man  umbgehen  nuifs  wie  mit  einer 
gewifsen  Arth  Foux  malicieux  et  dangereux,  welche  man  wegen  Iln-er  Tücke  und 
Toll-Kühnheit  gern  evitiret,  um  sich  nicht  zu  ärgern  noch  gekratzt  zu  werden, 
undt  also  3.  Ex  consilio  Societatis  Nieniandt  gern  mit  Ihm  wii'd  zu  thun  haben 
oder  sich  committiren  wollen,  wie  ohnfehlbahr  bey  einer  inündtlichen  Conierentz 
geschehen  dörffte :  So  würde  ain  besten  seyn.  Ihm  zu  befehlen,  dafs  Er  blofs  den  Auc- 
torem  benenne,  mit  Avelchem  man  die  Sache  willig  und  ohne  Bedencken  tractiren 
wird,  oder  dafs  Er  daneben  die  Sache  scluüftlich  übergebe." 

Dann  wird  man  einen  Bericht  an  K.  INIaj.  machen  »und  oline  Jalousie  er- 
greifen, Avas  gut  und  tüchtig  an  dem  Plan  sein  Avird».  »Im  übrigen  ist  es  ZAvar  noch 
nicht  Zeit  die  Bärenhaut  zu  vergeben ,  ehe  man  den  Bären  selbsten  gefangen ,  aber 
auf  allen  Fall  könnte  ich  nach  meinem  GeAvifsen  nicht  i-ahten,  dasjenige,  Avafs  man 
bey  dem  Fundo  Societ. ,  es  seye  nach  der  jetzigen  Einrichtung  oder  einer  andern 
herausbringet,  indistincte  unter  die  membra  Societatis  zu  A^erbröckeln ,  sondern  bey 
der  vom  ersten  Anfang  her  hierunter  vorgcAvesenen  undt  zu  der  Societaet  Auf- 
nahmen luid  Lustre  abziehlenden  Intention  beständig  zu  verbleiben,  dafs  man  nehm- 
lich  beym  AuAvachfs  des  Fundi  nach  und  nach  6  oder  8  recht  Avüi'dige  Leuhte  ex 
Societate  aut  aliunde  aussuchte,  annehme  imd  rechtschaffen  salarirte ,  Avelche  be- 
ständig nach  der  Societät  Scopo  undt  denen  einem  jeden  insonderheit  aufgetragenen 
objectis  arbeiten  müfsen,  die  Übrigen  aber  blieben  nach  Avie  A"or  honorarii.  Hier- 
durch Avürde  der  Societaet  geholffen.  Auf  dergl.  Leuhte  aber,  Avie  Herr  Oelven 
ist,  etAvas  zu  Avenden.  AVÜrde  m.  E.  höchst  A^erandtwortlich  seyn,  INIit  Publicirung 
abgeschmackter,    impertinenter,   malicieuser  anzüglicher  Dinge,   so  mit  einer  sotten 


186  93.    Zum  OzLVEN'scheii  Handel  (1709). 

Presomtion  de  savoir  et  demente  [sie]  begleitet  und  aufsgespickt,  ist  der  Societät  niclit 
gedienet,  undt  machen  dergl.  Dinge  weder  einem  Auetori  noch  weniger  aber  einem  Col- 
legio  oder  einer  Kgl.  Resident/.  Ehre,  wefshalb  man  sich  auf  das  Ulu'teil  aller  gens  de 
bon  Sens  kühnlich  beruften  kann.  Wafs  jetztundt  von  denen  Actis  Societatis  würcklich 
gedrucket  wird  und  wovon  schon  die  ersten  2  Theile  .  .  .  fast  abgedrucket,  und 
der  3.  und  letzte  (Mathematica)  vor  Weinachten  noch  fertig  werden  soll,  ist  von 
gantz  anderer  Natur.  jNIan  hoffet  im  Übrigen,  es  werden  S.  K.  Maj.  und  ein  hohes 
Ministerium  dem  Consilio  Societatis  wenigstens  soviel  Gehör  als  einen(m)  solchen 
Brouillon  wiederfahren  lassen  und  ihn  also  blols  zu  obgedachter  Benennung  des  Auc- 
toris oder  aber,  da  er  durchaus  die  Ehre  haben  will,  anderer  Inventa  zu  Marckte 
zu  bringen,  dabeneben  zur  schriftlichen  Vorstellung  der  Sache  selbsten  anzuweisen.« 

Die  zweite,  da.  der  Minister  noch  immer  von  Oelven  bestüi-mt  wurde,  lautet: 

»Es  ist  mihr  und  anderen,  so  ich  über  die  am  5.  Sept.  übergebene  Oelvi'sche 
Sachen  gesprochen,  sehr  leidt,  dass  Ew.  Exe.  von  diesem  jNIann  so  vielfältig  incouuno- 
diret  werden,  je  mehr  es  aber  geschiehet,  je  mehr  werden  Sie  Seinen  Charakter  kennen 
lernen.  Er  ist  zwar  in  einem  mitleidenswürdigen  Zustande,  aber  der  P'ond  der 
Soc.  ist  zu  Almosen  nicht  gewidmet,  und  kann  man  nicht  finden,  dafs  er  daraus 
mit  seinen  laboribus  bifshero  das  geringste  verdienet  hätte,  vielmehr  prostituirt  er  mit 
seine  pauvretes  eine  K.  Residentz  undt  insonderheit  das  Etablissement  eines  grofsen 
Königs,  welchem  Corpori  bey  bisherigen  desselben  Umbständen  nicht  zu  ver- 
dencken,  dafs  es  vielmehr  etwas  schweige,  alfs  durch  nicht  recht 
würdige  Dinge  sich  der  Welt  in  die  Augen  stelle,  in  welchem  Stück  die 
Societaeten  in  Engelandt  undt  Frankreich  Ihre  gleiche  Fata  gehabt,  ohngeachtet 
die  Umbstände  an  solchen  Ortten  favorabler  gewesen.« 

«Dafs  gantze  Tichten  und  Trachten  des  H.  Oelven  gehet  dahin,  aufs  dem 
aerario  Societ.  etwas  zu  seiner  Subsistentz  zu  haben,  hinc  illae  lacrymae;  erwehre 
capable,  quantum  in  ipso,  alles  zu  boulevei'siren ,  wenn  er  nur  darin  sein  Zweck 
erhalten  könnte.« 

Hierauf  geht  Cuneau  auf  die  Vorschläge  Oelven's  zur  Verbesserung  des  Fundi 
Societ.  ein  und  sagt:  »i.  der  Erfinder,  in  dessen  Namen  Oelven  spricht,  will  erst  zu 
rechter  Zeit  den  Vorschlag  umständlich  entdecken,  also  2.  hat  H.  Oelven  den  Hof 
sehr  unzeitig  zu  importuniren  sich  untei'standen  in  einer  Sache,  die  ihm  der  Autor 
noch  gar  nicht  umständlich  bekannt  gemacht;  3.  die  Soc.  ist  bereit,  mit  dem  Er- 
finder selbst  (nicht  aber  mit  Oelven)  in  Communication  zu  treten«    .   . 

"Wann  also  dem  unruhigen Sollicitanten  zur  ei'ustlichen  Antwort  ertheilet  würde, 
dafs,  wann  sein  Mann  versprochener  Maafsen  kommen  würde,  alfsdan  die  Sache 
mit  demselben  vorgenommen  werden  solte  .  .  .,  so  würde  Ew.  Excell.  ein  gerechtes 
und  zu  Ihrer  Ruhm  gereichendes  Werck  verrichten.- 

«Im  übrigen  mag  H.  Oelven  rechnen  imd  mehr  finden,  so  viel  wie  er  will, 
Es  heifset  ex  uno  absurdo  sequuntiu-  plura.  Wie  bey  der  Soc.  Cassa  haufsgehalten 
werde,  defshalb  scheuet  man  zwahr  gar  nicht  Rechenschafft  zu  geben  (die  Rechnungs- 
führung ist  so  gut,  'dafs  man  wünschen  möchte,  omnia  aeraria  jjiorum  corporum  würden 
also  tractiret').  .  dafs  aber  der  Hof  auf  des  Herrn  Oelven  und  seinesgleichen  Insti- 
gJVtion  dergleichen  Rechenschaft,  die  ihm  nicht  angehet,  ohne  Noth  und  Nutzen 
sogleich  zu  veranlafsen  sich  sollte  bewegen  lassen,  will  man  nicht  hoffen.  Es  kann 
solches  alfsdan,  wann  die  Oelvi'sche  Brouillerie  vorbei,  allezeit  geschehen,  und 
wird  man  es  selbst  erinnern.« 

Jablonski  aber  berechnete,  dass  Oelven  seine  »Monatliche  Präsente«  jährlich 
4424  Thlr.  müssten  eingetragen  haben,  »oder  wenn  er  bei  einer  so  stai'ken  Einnahme 
über  Hunger  zu  klagen  und  um  Almosen  anzusprechen  nöthig  findet,  so  möchte  er 
die  Kunst  reich  zu  werden,  an  ihm  selbst  erst  lernen  und  in  der  That  beweisen, 
ehe  er  sie  Anderen  zu  lehren  sich  anmafse«. 


94.  95.    Zum  ersten  Bande  der  Miscellanea.  187 

Es  half  Alles  niclits;  bereits  am  9.  September  erging  eine  Cabinetsordre  an  Hüls- 
mann und  VON  Fuchs,  ein  Gutachten  über  die  OELVEN'sche  Eingabe  zu  erstatten. 
Dieses  Gutachten  reichten  sie  ein.  Sie  berichten,  sie  hätten  sich  genau  instruirt 
und  die  dirigir enden  IMitglieder  der  Soeietät  vor  sich  gefordert;  es  habe  sich  ge- 
zeigt, dass  Oelven  ganz  falsche  Voraussetzungen  seiner  Berechnung  unterlegt  habe 
und  in  den  finanziellen  Verhältnissen  der  Soeietät  Alles  in  Ordnung  sei;  man  habe 
dies  auch  Hrn.  Oelven  zur  Beantwortung  communicirt,  er  aber  habe  die  über- 
gebene  Rechnung  eine  Charteke  genannt  und  eine  neue  Untersuchung  verlangt  mit 
anderen  Mitgliedern  der  Soeietät.  nämlich  Dr.  Hoffmann  und  Dr.  Spener, 

Wirklich  drang  er  mit  diesem  Vorschlag  noch  einmal  beim  König  durch. 
Die  Commission .  durch  Hoffmann  und  Spener  verstärkt,  sollte  die  Sache  aufs 
Neue  untersuchen.  Aber  diese  beiden  Herren  dankten:  sie  hätten  andere  wichtige 
Geschäfte  und  bäten,  sie  von  dieser  Commission  zu  entledigen.  Sie  wollten  sich 
mit  Oelven  nicht  abquälen.  Damit  scheint  die  Sache  ihr  Bewenden  gehabt  zu  haben. 
Schon  im  November  hatte  Oelven  in  zwei  jammervollen  Briefen,  die  in  das  Akade- 
mische Archiv  gekommen  sind,  den  König  angefleht,  ihm  ein  christliches  Almosen  zu 
gewähren  (»da  ich  vor  Hunger  und  Kummer  schmachten  muss«),  und  zugleich  seine 
Verwandten  anzuhalten,  ihm  zu  Hülfe  zu  kommen  (»die  mir  in  solcher  Zeit  nicht 
mit  einem  Stückchen  Brod  noch  einigen  Liebesdiensten  zu  Hülfe  kommen  wollen"). 
Die  Soeietät  wurde  nicht  weiter  behelligt;  der  ^Minister  hatte  sich  augenscheinlich 
von  dem  guten  Zustande  ihrer  Verwaltung  überzeugt. 

94. 

(Vergl.  Gescliichte  der  Akademie  S.  i6o). 

Leibniz,   Brief  an    den    König   bei   Überreichung   des   i.  Bandes    der 

INIiscellanea   (14.  Mai   1710,   aber   abgesandt   im   Juni). 

[Concept  in  der  Hannov.  Bibl.;  das  Original  im  Geh.  Staatsarchiv.] 

Es  wird  Ew.  K,  M.  von  wegen  Dero  Soeietät  der  Wissenschafften  diese  kleine 
Probe  allerunterthänigst  überreichet,  unsern  Eifer  zu  Dero  Glori  imd  gemeinen  Nuz 
zu  beweisen. 

Solten  wir  das  Glück  haben,  dafs  E.  ]M.  ein  allergnädigstes  Wohlgefallen 
darob  bezeigen  möchten,  Avürden  auch  Diejenigen  aufgemuntert  werden,  die  sonst 
[aus  vermeynter  Ermanglung  defsen:  diese  Worte  stehen  nur  im  Concejjt]  hieran 
das  Theil  nicht  nehmen  werden,  so  ihnen  zukommt,  und  wir  dürffen  [dürflften] 
uns  verhoflfentlich  dadurch  bald  in  Stand  sehen ,  denen  auswärtigen  Societäten  diefs- 
falls  an  die  Seite  zu  treten,  wozu  nichts  anderes  als  die  fernere  nachdrückliche 
Handhabung  der  hohen  K.  Verordnungen  erfordert  wird. 

Ich  habe  wegen  bisherigen  Zustandes  meiner  Gesundheit  dieses  Probestück 
zu  E.  M.  Füfsen  zu  legen  nicht  vermocht,  hoffe  doch  die  Gnade  von  Gott,  dafs 
ich  bald  werde  gegenwärtig  zu  erkennen  geben  können,  was  Gestalt  ich  Lebens- 
zeit mit  unabläfsiger  Devotion  verbleibe,  usw. 

14.  3Iay  17 10. 

95. 

(Vergl.  Gcscliiclite  der  Akademie  S.  i6i). 

Leibniz,  V  o  r r  e  d  e  z  u  m  i .  B  a  n  d  d  e  r  INI  i  s  c  e  1 1  a  n  e  a ,  P  i'  a  e  f  a  t  i  o  a  d  1  e  c  t  o  r  e  m  ^ 

ISIiscellanea  quaedam  ex  schedis  ad  Societatem  Reg.  Berol.  missis  decerpta 
speciminis    ergo  edere  placuit.   ut  de  Scopo   rectius  constet,    et  excitentur  melioiüs 

^  LEiENizens  Widmung  an  den  König,  die  dem  ersten  Bande  der  ]Miscel!anea  voran- 
steht, ist  im  Texte  unserer  "Geschichte«   S.  161  fl'.  abgedruckt. 


188  96.    Leibniz  und  die  Societüt,  Gutachten  über  eine  Universalschrift. 

doctrinae  cultores  ad  studia  sua  conferenda.  In  tria  genera  dispescere  materiam 
omnem  aniinus  fuit:    Literaria,  Physica,  Mathematica. 

Literariis  tarn  Historica  quam  Philologica  eaque  Sacra  pariter  ac  profana 
comprehenduntur,  ubi  grata  imprimis  erunt,  quae  Historiam  Linguamque  Gennanorum 
illustrabunt ,  quamquam  nee  cetera  negligi  vel  ex  bis  miscellaneis  apparebit. 

Physica  satis  late  accepta  praeter  corporum  similarium  in  speciem,  aut  bis 
vicinorum,  elementorvun  seil,  vulgarium,  liquorum,  salium  cognitionem ,  etiaui  Spe- 
cierum,  quas  vocant,  notitiam  coniplectitur,  quae  per  tria  celebrata  Naturae  Regna 
distribuuntur,    et   boiann  denique  omnium  Usum  Oeconomicum  IMedicumque   tradit. 

Matbematicis  includi  possunt,  quaecunque  ratiocinatione  magis  quam  ex- 
perimento  constant,  etsi  observationibus  subinde  innitantur.  Itaque  praeter  puram 
Mathesin,  quae  de  Magnitudine  seu  mmiero,  figura,  motu  agit,  etiam  Astronomica, 
Optica,  Musica,  Arcliitectonica,  aUaque  id  genus,  sed  inprimis  jNIechanica.  bujus 
sunt  loci. 

In  hoc  tarnen  Specimine  non  semper  materias  cognatas  conjungere  licuit, 
quod  quaedam  serius  advenissent,  quae  differre  non  placebat.  Plura  pbysica  dai-e 
constitutum  erat,  sed  certae  causae  abrumpi  et  speciminis  editionem  maturari 
jusserunt,  vmde  brevior  coUectio  prodire  debuit. 

Inseruntur  non  eorum  tantum  suppeditata,  qui  Societati  nomina  dederunt, 
sed  et  aliorum  quorundam  Virorum  eruditorum  aut  experientia  valentium,  qui  de 
Republica  literaria  bene  per  nos  mereri  voluere.  Quodsi  igitur  inposterum  etiam 
quis  paret  prolixius  quiddam  quam  ut  Diariis  eruditorum  congruat,  justum  tarnen 
opus  non  expleat,  favebimus  lubentes,  si  nostra  ope  experiri  publicam  lucem  vo- 
luerit,  modo  conferat  aliquid  non  spernendum  ad  doctrinae  augmenta.  Sed  tamen 
nee  breviora  negligentur,  quibus  idem  pretium  erit. 

96. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  165). 

Die  Gutachten  LEiBxizens  und  der  Societät  über  die  Erfindung  einer 
Universalsclirift  durch  Caspar  Rödekex  (Rödecke.  Rüdicke) 

(1708-1711). 
[Akademisches  Archiv  und  Geheimes  Staatsarchiv;  Briefe  des  Seeretars  an  Leibniz  Nr.  80  —  82. 

89.  91.  92.  103.  105.  III.] 

Am  25.  August  1708  schrieb  der  Secretar  an  Leiuxiz:  »Der  Herr  Rödike  hat 
ein  Specimen  seines  erfundenen  Cliaracteris  universalis  an  den  König  gebracht,  welches 
der  Societät,  die  ^Möglichkeit  desselben  zu  untersuchen,  übergeben  worden.  Derselbe 
hat  vor  wenig  Tagen  davon  eine  mündliche  Erläuterung  getlian,  so  aber  viel  zu 
weitläufig  überzuschreiben.  Kurz  beruht  die  Sache  darauf,  dafs  er  90  Characteres 
erfunden,  unter  welchen  er  die  Hauptconcepte  der  Dinge  begriffen  haben  will  und 
durch  deren  jNIodificationes ,  Derivationes  und  Compositiones,  welche  allein  durch 
beigesetzte  Punkte,  Strichlein  und  andei'e  kleine  Zeichen  geschehen,  auf  looooo 
unci  mehr  Concepte  und  Bedeutungen  zu  bringen ,  durch  solche  Vervielfältigung  aber 
nicht  nur  Alles,  was  in  einer  Sprache  immermehr  erdacht  oder  gesagt  werden  kann, 
sonder  viel  tausendmal  mehr  und  mit  dem  wundersamsten  Nachdruck  vorzustellen 
gedenket.  Nach  der  Art,  wie  er  es  auslegt,  ist  die  Erfindung  etwas  philosophisch, 
weil  sie  lauter  Realconcepte  vorstellet,  aber  dabei  sehr  sinnreich,  und  die  nicht 
ohne  Nutzen  sein  würde,  wenn  sie  zu  völliger  Ausübung  gedeihen  könnte,  von 
Avelcher  sie,  wie  alle  noviter  inventa  im  Anfang  noch  etwas  entfernet  scheinet«  (Nr.  80). 

Es  war  ein  altes  Problem ,  um  das  es  sich  handelte,  dem  aufsteigenden  Zeit- 
alter durch  den  kosmopolitisch-praktischen  Charakter,  den  es  trug,  und  durch  die 
Vertauschung  geschichtlich  gewordener  Gröfsen  mit  erfundenen  besonders  werthvoll. 


96.    Leibniz  und  die  Societät,  Gutachten  über  eine  Universalschrift.  180 

Man  kann  auch  nicht  sagen,  dass  das  Problem  so  völhg  aussichtslos  ist  wie  das 
der  Universalspraclie;  denn  auf  beschränkten  Gebieten  ist  es  wirklich  gelöst:  die 
Schiffe  verständigen  sich  auf  dem  Meere  durch  complicirte  Zeichen;  Mathematiker 
und  Chemiker  haben  sich  eine  Zeichensprache  erfunden,  und  auch  sonst  macht  die 
Zeichensprache  Fortschritte.  Um  eine  solche  handelte  es  sich  hier;  es  sollte  eine 
Begriffsschrift  erfunden  werden,  die  alle  Völker  in  ihrer  Sprache  lesen  könnten. 
(Aus  Rödeken's  Eingabe  im  Geheimen  Staatsarchiv:  "Vermittelst  dieser  Schrift  können 
alle  Nationes  in  der  Welt  einander  vollkommen  verstehen ,  und  darf  ein  Jeder  nichts 
mehr  als  seine  Muttersprache  wissen  und  von  derselben  etwa  2  —  3000  Wörter  als 
radices  durch  diese  dazu  erfundene  Characteres,  deren  55  an  der  Zahl  sind,  schreiben 
lernen,  woraus  ferner  eine  so  grofse  Menge  aller  Arten  Wörter  formiret  werden, 
dafs  keine  Sprache  in  der  Welt  u.  s.  w.".)  Die  Proben,  die  Rödeken  gegeben  hat, 
und  die  in  dem  umfangreichen  Fase.  «Rödeken"  im  Akademischen  Archiv  aufbewahrt 
sind,  zeigen,  dass  er  ganz  neue  Zeichen  erfunden  hat,  die  recht  wunderlich  aussehen. 
Leibxiz  selbst  hat  sich  mit  dem  Problem  immer  wieder  beschäftigt.  Im  ganzen  Um- 
fange der  menschlichen  Sprachen  ist  es  doch  unlösbar;  denn  die  feineren  Begriffe, 
Beziehungen  und  Nuancen  auszudrücken,  wird  nie  gelingen  oder  nur  unter  einem 
Aufwand  von  Zeichen  -  Mitteln ,  der  durch  seinen  Umfang  dem  Erlernen  zu  grosse 
Schwierigkeiten  entgegenstellt.  Dazu  kommt  —  und  das  ist  die  Hauptsache  — .  die 
Art  der  Begriffsbildung  in  den  Sprachen  ist  verschieden,  und  der  Inhalt  der  in  ihnen 
correspondirenden  Worte  deckt  sich  nicht. 

CuNEAU,  zum  Bericht  aufgefordert,  wandte  sich  an  die  Societät,  diese  an 
Leibniz  (Secr.-LEiBX.  Nr,  81  vom  22.  September  1708),  und  der  Erfinder  selbst 
schrieb  an  ihn  (6.  October  1708,  Hannov.  Bibl.).  Leibniz  antwortete  ihm  (a.a.O., 
undatirt),  belehrte  ihn  über  die  Bemühungen  Früherer  um  die  Universalschrift  und 
gab  ihm  werthvolle  Winke.  Rödeken"s  vorläufiger  Entwurf  wurde  von  der  Societät 
gedruckt  und  auch  an  die  aus^värtigen  ^Mitglieder  vertheilt,  um  sie  zu  Gutachten 
anzuregen,  die  die  Grundlage  für  den  Bericht  an  den  König  werden  sollten. 

Die  Societät  stellte  im  Sommer  1 709  die  Gutachten  zusammen ,  verarbeitete  sie 
einheitlich  und  legte  das  Actenstück  Leibniz  zur  Revision  vor  (Secr.-LEiBN.  Nr.  89 
vom  10.  August  1709).  Dieser  ordnete  an,  dass  noch  der  berühmte  Sprachkenner 
VON  Sparfvenfelt  in  Stockholm,  mit  dem  Leibniz  längst  in  wissenschaftlichem  Aus- 
tausch stand,  von  der  Societät  um  seine  Mithülfe  ersucht  werde,  was  auch  geschah 
(s.  Secr. -Leibn.  Nr.  91  vom  31.  August  1709;  das  Schreiben  der  Societät  liegt  in 
Hannover  im  Fase.  «Sparfvenfelt«,  s.  Bodemann,  Briefwechsel  S.  301;  in  .Secr.- 
Leibn.  Nr.  103  vom  22.  JNIärz  1710  handelt  es  sich  wohl  um  ein  zweites  Schreiben 
der  Societät  an  Sparfvenfei/f).  Er  schickte  dann  das  stark  von  ihm  corrigirte  Gut- 
achten an  die  Societät  zurück  (Nr. 92  vom  7. September  1709),  und  es  wurde  nun  dem 
jNIinister  von  Ilgen  überreicht  (8  Seiten  in  Folio,  Concept  im  Akademischen  Archiv,  in 
welchem  Leibnizcus  Antheil  hervortritt,  Reinschrift  im  Geheimen  Staatsarchiv).  Es 
lautete  im  Ganzen  abfällig:  die  Schwierigkeiten  sowohl  der  Ausbildung  als  der  Ein- 
führung seien  zu  gross.     Von  Leibniz  stammt  u.  A.  folgender  Abschnitt: 

..Man  hält  dafür,  dafs  nicht  ohnmöglich,  durch  grofsen  Fleifs  und 
vortrefflichen  Verstand  diese  Schwürigkeiten  [ —  sie  werden  namhaft  ge- 
macht — ]  sämtlich  zu  überwinden  und  eine  solche  Zeichenkunst  aufs- 
zudrucken,  welche  zwar  schwehr  und  künstlich  zu  erfinden  und  aufszu- 
arbeiten,  aber  wenn  sie  einmahl  zu  Wege  gebracht,  leicht  zu  verstehen, 
leicht  zu  lernen  und  leicht  zu  gebrauchen.  Wie  denn  gemeiniglich  die 
hohesten  und  tiefsten  Erfindungen  also  bewand.  dafs  man  sie  vor  leicht 
ansiehet,  wenn  sie  darstehen,  und  sich  verwundert,  worumb  sie  nicht 
eher  entdecket  worden.  Eine  solche  Erfindung  würde  die  flacht  und 
Verordnung   und    Einstimmung   grofser  Herrn    so    selir    niclit   von    nöthen 


190  96.    Lkibniz  und  die  Societät,  Gutachten  über  eine  Universalschrift. 

haben,  und  die  Leute  selbst  an  sich  locken.      Aber   (alle  bisherigen  Vor- 
schläge in  Bezug  auf  eine  Universalschrift)    sind   nicht   von   solcher  Art, 
dafs  sie  zur  Annehniung  und  Nachfolge  genügsame  Lust  machen  können.« 
(Er  nennt  dann   den  Versuch   des  Bischofs  von  Chester,  des  Georg  Dul- 
GARNus  und  des  P.  Labbe). 
RÖDEKEN  gab  sich  mit  dieser  Antwort  nicht  zufrieden,    sondern  schrieb  eine 
Gegenkritik  (21  Seiten  in  Folio,  sie  liegt  den  Acten  bei)  und  machte  eine  zweite  Eingabe 
an  den  König.     Er  erklärte,  die  ^Nlembra  societatis,    mit  denen  er  persönlich  con- 
ferirt,    könnten  das  Gutachten  nicht  verfasst  haben;    sie  hätten  sich  vielmehr  ganz 
anders  ausgesprochen   und   diese   ihre    eigene  Meinung   auch   schriftlich    aufgesetzt; 
das  eingereichte  Gutachten  sei  vielmehr  vom  Präses  Leibniz,  den  die  Societät  jetzt 
einfach  reden  lasse,  sich  mit  ihrer  eigenen  Ansicht  dadurch  in  Widerspruch  setzend; 
Leibniz    aber  habe   sich    i.  nicht  die  Mühe  genommen,    die  Erfindung  wirklich  zu 
prüfen  und  habe  ihm  daher  eine  Reihe  von  Einwürfen  gemacht,  die  wohl  auf  ältere 
gleichartige  Projecte,  nicht  aber  auf  seines  passen,  und  2.  Leibniz  habe  selbst  vor 
etwa  37  Jahren  einen  Versuch  gemacht,  einen  »Character  notionalis«   als  Universal- 
sprache   für   die    Gelehrten  zu    erfinden,    und   sei   daher   parteiisch.      Den    älteren, 
LEiBNizischen  Vei'such  kritisirte  Rödeken  nun  ausführlich. 

Hierauf  äusserte  sich  die  Societät  (23.  April  17 10)  auf's  Neue  dem  Minister 
VON  Ilgen  gegenüber  (vergl.  Secr.-LEiBN.  Nr.  105  vom  19.  April):  «Wir  lassen  dahin 
gestellet  sein,  ob  dergl.  Streitigkeiten  [Rödeken's  Kritik  an  Leibniz],  so  eigentlich 
nur  vor  müssige  Gelehrte  gehören,  sich  schicken,  vor  Könige  und  deren  hohe 
INIinistros  gebracht  zu  Averden:  zum  wenigsten  begehren  wir  uns  mit  ihm  darüber 
nicht  einzulassen  und  kann  uns  genug  sein,  dafs  nach  seinem  eigenen  Verlangen 
wir  unsere  Gedanken  über  die  Möglichkeit  und  Nutzbarkeit  dieser  Sachen  ingeinein 
eröfnet,  weil  so  wenig  dasjenige,  so  von  seiner  besondern  Erfindung  er  uns 
schriftlich  mitgeteilet  und  blos  um  bequemer  Communication  willen  [von  uns]  ab- 
gedruckt worden,  als  wafs  er  zu  dessen  Erläuterung  mündlich  vorgebracht,  uns 
zur  Zeit  zulänglich  geschienen,  derselben  vor  denen  anderen  [ähnlichen  Versuchen] 
viel  voraus  zu  geben«. 

Ganz  aufrichtig  war  diese  Erklärung  nicht,  denn  es  hatte  in  der  That  in  der 
Societät  ursprünglich  ein  viel  günstigeres  Urtheil  über  das  Project  geherrscht,  Avelches 
dann  aber  vor  Leibnizbus  Autorität  verstummt  war.  Das  sollte  sich  in  wenigen 
Monaten  zeigen. 

Rödeken  hatte  eine  neue  Commission  erbeten,  in  der  zwar  Mitglieder  der 
Societät  sein  sollten,  aber  nicht  als  Akademiker  (Secr. -Leibn.  Nr.  iii  vom  12.  Juli 
17 10).  Der  König,  der  sich  augenscheinlich  für  die  Sache  interessirte ,  bewilligte 
sie  (12.  November  17 10).  Leibniz,  den  man  nicht  mehr  wünschte,  wurde  bei  Seite 
gelassen:  der  Oberst  und  Director  der  Ritter -Akademie  von  Stapfe,  der  Hofprediger 
Jablonski,  Schott,  La  Croze  und  Frisch  wurden  berufen.  Diese  nahmen  sich  Zeit 
und  statteten  nach  13  Monaten  (28.  December  171 1)  ihr  Gutachten  ab,  nachdem  sie 
mehrere  Sitzungen  gehalten  und  auch  jiersönlich  mit  Rödeken  conferirt  hatten.  Dieses 
Gutachten  nun  ist  dem  früheren,  von  Leibniz  inspirirten  entgegengesetzt: 

«Wir  haben  in  der  That  befunden ,  dafs  diese  Erfindung  nicht  nur  wohl 
und  vernünftig  ausgesonnen,  sondern  dabeneben  ins  Werck  zu  richten  gar 
wohl  möglich,  ziemlich  leicht  (I),  und  wann  selbige  durch  Gottes  Schickung 
in  Brauch  kommen  solte,  wie  es  sich  dem  Anselien  nach  wohl  muthmafsen 
läfset,  grofser  Vortheyl  und  Nutzen  in  allen  Ständen  und  bei  allen  Nationen, 
sondei'lich  aber  dem  gelehrten  Wesen  dadurch  erwachsen  und  zutliessen 
würde.« 
Sie  bei'ufen  sich  nun  auf  ein  Gutachten,  das  sie  der  Societät  in  dieser  Sache 
abgestattet  haben  und  dem  diese  in  einem  Schriftstück  vom   10.  September  17 11  bei- 


97.    Neuordnung  des  Präsidentensitzes  (27.  Juni  1710).  IDl 

getreten  sei  [sie  liegen  den  Acten  im  Geh.  Staatsarchiv  bei],  behaupten,  dass  sich 
die  Sache  seit  der  erstmaligen  Untersuchung  seitens  der  Societät  »mercklich  geändertes 
luid  kommen  zu  dem  Schluss,  dass  man  «dem  Erfinder  sowohl  als  der  gelehrten 
Welt  dieser  Erfindung  wegen  billig  zu  gratuliren  und  zu  wünschen  habe,  dals  der 
Erfinder  bequeme  Gelegenheit  und  nöthigen  Vorschub  erlangen  möge".  Sie  meinten 
ferner,  der  König  werde  »über  diesen  Bericht  ein  hohes  K.  Wohlgefallen  bezeugen, 
zumahlen  da  es  eine  .Sache,  wodurch,  wenn  sie  ins  Werk  sollte  gerichtet  werden, 
Dero  hohen  K.  Haufse  und  gantzen  Lande  ein  ungemeiner  Ruhm  zuwachsen  würde«; 
aber  »wegen  der  Einführung  können  wir  nichts  Gewissens  versichern«  (!I).  Viel- 
leicht Avaren  sie  nur  servil.  Der  König  oder  ein  hoher  Beamter  scheint  ein  günstiges 
Gutachten  gewünscht  zu  haben.  Am  Schluss  des  Berichts  wird  man  niclit  über- 
rascht durch  die  Wendung,  der  Erfinder  verdiene  sein  Brod  durch  Information 
junger  p]delleute  und  habe  viel  Mühe  und  Zeit  auf  die  Erfindung  verwandt —  »wir 
stellen  allerunterthänigst  anheim,  ob  Ew.  K.  INI.  zu  Dero  eigenen  Glorie  und  dem 
Publico  zu  Nutzen,  den  Erfinder  zu  solchem  Zweck  mit  einer  K.  Gnade  allergnädigst 
ansehen  wollen « . 

Mit  diesem  Ersuchen  schliessen  die  Acten.  Aber  in  dem  Brief  des  Secretars 
an  Leibniz  vom  3i.December  1712  (Nr.  145)  findet  sich  das  Postscript:  »Der  Hr. 
Rödicke  hat  nach  einem  langen  Lager,  darin  ihn  die  Wassersucht  gehalten ,  endUch 
die  Zeitlichkeit  gesegnet.  ]Man  ist  bedacht,  seine  Mss.  von  der  lingua  universali  von 
den  Erben  zu  erlangen«,  und  am  16.  December  17 13  berichtet  er  darüber  noch  ein- 
mal (Nr.  155).     Li  der  That  bewahrt  das  Akademische  Archiv   sie  noch  heute  auf. 


97. 

(Vergl.  Gcscliichte  der  Akademie  S.  167). 

Neuordnung   des    Präsidentensitzes    (27.  Juni   17 10). 
[Original  und  Abschriften  im  Akademischen  Archiv,  Concept  im  Geh.  Staatsarchiv.] 

Demnach  S.  K.  ]\L  in  Preufsen  u.  s.  w..  L'nser  allergnädigster  Herr  dem  der 
Zeit  bestelleten  Praesidi  Dero  Societät  der  Wilsenschaften ,  Gottfried  Wilhelm  von 
Leibnitz,  in  Ansehen,  dals  er  alfs  an  diesem  Ohrt  nicht  wohnhaft,  zu  Besorgung 
der  Angelegenheiten  der  Societät  von  Zeit  zu  Zeit  hin  und  her  zu  reisen  und  sich 
allhie  aufzuhalten  haben  würde,  stat  der  hiezu  benötigten  Kosten  überhaupt  Sechs- 
hundert Thaler  jährlich  aus  dem  fundo  Societatis  anweisen  lafsen,  so  lafsen  die- 
selben, so  lange  Er  an  solchem  Praesidio  verbleibet,  es  dabey  allergnädigst  bewenden. 

Da  aber  derselbe,  es  sey  durch  den  Todt  oder  auf  andere  Weise  defsen  ab- 
kommen solte,  so  wollen  und  verordnen  S.  K.  M.  hiemit  und  in  Kraft  dieses,  dals. 
da  auf  solchen  Fall  es  dergl.  Reisekosten  nicht  mehr  bedarff,  und  der  Praeses  ho- 
norarius  diese  Sache  auch  sonst  ohne  Besoldung  zu  verwalten  haben  wird,  alfsdan 
Einhundert  Thaler  davon  ad  Cassam  zurückfallen,  die  übrigen  Fünfhundert  aber 
denen  vier  Directoren  derer  Departemens  der  Societät  und  dem  Fiscali  jedem  zu 
Einhundert  Thaler  jährlich  zuwachsen,  und  sie  defsen  alfs  einer  Ergötzlichkeit 
vor  die  bey  solcher  Verwaltung  habende  ]Mühe  genielsen  sollen.  Signatum  Char- 
lottenburg, den   2  7.Junii   17 10. 


Friede  rieh. 


Graf  von  Wartenberg, 


Verordnung,  dafs  künftig  bey  der 
Societät  der  Wissenschaften  des  Praesidis 
honorarii  Besoldung  demselben  nicht  mehr 
zu  reichen,  sondern  zum  Besten  der  So- 
cietät anders  anzuwenden. 


192  98.    Pkintzex's  Bestallung  als  Praeses  honorarius  (7.  August  1710). 

98. 

(Vergl.  Geschiflite  der  Akademie  S.  167). 

Bestallung  für  Hrn.  vox  Printzen  als  Praeses  honorarius  der  Societät 

(7.  August   1710). 
[Concept  im  Geheimen  Staatsarchiv,   Abschrift  im  Akademischen  Archiv.] 

F]-iderich  König  in  Preufsen. 

Unsern  etc.  Aufs  beyliegender  Abschrifft  werdet  Ihr  ersehen,  wafs  für  ein 
Reglement  zu  desto  befserer  Ordrumg  bey  der  von  Unfs  gestiflfteten  Societet  der 
AVifsenschaften  auf  derselben  deshalb  gethanen  allerunterthänigsten  Vorschlag 
Wihr  unterm  3.  Junii  nechsthin  zu  machen  veranlafset  worden.  Weil  Wihr  nun 
in  Ansehung  Euer  zu  denen  Studiis  und  Wifsenschafften  habenden  Liebe,  undt  vor 
derselben  Fortptlantzung  und  Vermehrung  bezeigenden  Eyffers  aus  eigener  Bewegnüs 
gutgefunden ,  nicht  allein  Eure  Persohn  gedachter  Unser  Societet  der  Wifsenschaften 
in  Gnaden  zu  ernennen  [sie],  damit  Sie  in  ihren  Angelegenheiten  sich  zu  Euch  ins- 
besondere wenden  undt  solche  durch  Euren  Vortrag  an  Unfs  bringen  lafsen  könne, 
sondern  Euch  auch  zum  Praeside  honorario  solcher  Societet  auff  dem  Fall  da  derselben 
jetziger  praeses  abgehen  solte,  in  Kraflft  obgedachten  Reglements  allergnädigst  zu 
ernennen,  so  haben  Wihr  Euch  solches  hierdui'ch  in  Gnaden  bekandt  machen  wollen 
inidt  haben  zu  Euch  das  vollkommene  A'ertrauen,  Ihr  werdet  hierbey  allezeit  Euer 
Absehen  zum  Besten  dieses  von  Uns  gestiffteten  Wercks  gerichtet  seyn  lafsen,  und 
Wihr  etc. 

Colin  an  der  Spree,  d.  7.  Aug.  17 10. 
An 
des  würcklichen  Geh.  Raths 
Hr.  von  Printzen  Excellenz. 

99. 

(Vergl.  Geschiclite  der  Akademie  S.  i68). 

Statut  der  Königlichen  Societät  der  Wissenschaften  vom  3.  Juni  1710. 

[Original   und    mehrere  Concepte,    auch    das   vom    Jahre   1704,    welches   Leibniz    zugeschickt 
worden  ist,  im  Akademischen  Archiv;  Abschriften  und  alte  Drucke.] 

Wir  Friderich  von  Gottes  Gnaden,  König  in  Preufsen,  ^Marggraff  zu  Bran- 
denburg, des  Ileyl.  Rom.  Reichs  Ertz-Cämmerer  inid  Churfürst,  Souverainer  Printz 
von  Oranien.  Neufchatel  und  Valengin,  zu  Magdeburg,  Cleve,  Jülich,  Berge,  Stettin, 
Pommern,  der  Cafsuben  und  Wenden,  zu  INIecklenburg ,  auch  in  Schlesien  zu 
Crofsen  Hertzog,  Burggraft"  zu  Nürnberg,  Fürst  zu  Halberstadt,  Minden,  Camin, 
Wenden.  Schwei'in,  Ratzeburg  und  Meurs,  Graff  zu  HohenzoUeru ,  Ruppin.  der 
jMarck,  Ravensberg,  Hohnstein,  Tecklenburg,  Lingen,  Schwerin,  Bühren  vmd  Lehr- 
dam.  Marquis  zu  der  Vehre  und  Vlifsingen  ,  Herr  zu  Ravenstein,  der  Lande  Rostock, 
Stargard,  Lauenburg,  Bütau,  Arlaii  und  Breda.  Demnach  Wir  Unser  Societaet  der 
Wifsenschaften  alhier  den  mittlem  Pavillion  der  hinderen  Seithen  Unseres  neuen 
INIarstalles  auf  der  Dorotheen  -  Stadt  zum  Observatorio  und  zugleich  zu  ihrem  Sitz 
und  Aufenthalt  gewidmet,  auch  auf  Unseren  Kosten  aufführen  und  in  l)rauchbahren 
Stand  setzen  zu  lafsen  allergnädigst  übernommen,  und  dan  durch  Göttl.  Beystand 
es  damit  nunmehr  soweit  gediehen,  dafs  derselbe  ihr  zu  solchem  Gebrauch  über- 
geben und  die  zu  denen  ihr  auferlegten  Verrichtungen  erforderte  Zusammenkünfte 
ohne  Hindernüs  daselbst  angetretten  und  ordentlich  fortgesetzet  werden  sollen,  so 
haben  Wir  zu  nötiger  Einriebt-  und  beständiger  Fafsungs  solchen  Wercks  über  die 
in   dem  Diplomate  fundationis    und   in    der  Genei-al-Lxstruction   enthaltene   Gesetze 


99.    Die  Statuten  der  Societät  vom  3.  .Tuni  1711».  11)8 

naclilblgende  Ordnung  ferner  vorzuschreiben  und  das  ^'oriu■e  in  soweit  zu  erleuterii 
oder  Aveiter  auszustrecken  allergnädigst  gut  gefunden. 

Und  anfänglich,  soviel  den  zeitlichen  Praesideni  betrift,  lafsen  Wir  es  bey 
der  gegenwärtigen  Verfafsung  sofern  allergnädigst  bewenden. 

Wir  Avollen  aber  von  nun  an  und  iederzeit  ünsei"  Societaet  der  AVifsenschaften 
aus  dem  jNIittel  Unserer  Würcklichen  Geheimen  Räthe  einen,  und  zwar  voritzo 
Unseren  Würcldich  Geheiniten  Estats-Rath,  Schlofshaubtmann ,  Lehns -Directoren 
und  Consistorial-Praesiden,  den  von  Printzen,  benennen  und  anweisen,  an  welchen 
sie  in  ihren  Angelegenheiten,  wen  solche  bis  an  Uns  gelangen  zu  lafsen  die  Noht- 
wendigkeit  erfordert,  sich  adressiren  und  halten  möge,  dergestalt,  dafs  derselbe 
auf  erfolgenden  Abgang  des  ietzigen  Praesidis  der  Societaet  ilu-  auch  als  Praeses 
honorarius  allein  vorstehen ,  ihr  Bestes  beobachten  und  über  denen  von  Uns  gestel- 
leten  Gesetzen  und  Ordnungen  halten  solle  und  möge.  Und  damit  so  wenig  bey 
dermahliger  Abwesenheit  des  ietzigen  Praesidis  alfs  durch  die  anderweit  obliegende 
Geschäfte  des  zukünftigen  Praesidis  honorarii  zu  \" ersäum-  oder  Hindansetzung  derer 
der  Societaet  obliegenden  Verrichtungen  kein  Anlafs  gegeben  werden  möge,  soll 
sothanes  Pi-aesidium  durch  einen  Vice -Praesideni  aus  den  Gliedern  der  Societaet 
beständig  vertretten  A\'erden.  AVie  aber  solchergestalt  die  nötige  Besorgung  des 
gantzen  Verfafsungswesens  bey  der  Societaet  und  was  zu  derer  so  P^rhalt-  alfs  Be- 
förderung gehöret,  auf  solchen  Vice-Praesidem  nebst  dem  Concilio  Societatis  ordent- 
lich ankommet,  so  wollen  Wir  allergnädigst,  dafs  solch  Concilium  allezeit  aus  denen 
Directoren  der  besonderen  Departements  zugleich  mit  dem  von  Uns  hiezu  bestelle- 
ten  Advocato  Fisci.  welchen  das  Goncilium  vorzuschlagen  haben  wird,  und  dan 
dem  Secretariü  Societatis  bestehen  und  auf  solche  Mafse  bestellet  werden  solle. 

Wen  W^ir  auch  zu  desto  tleifsiger  Abhandelung  derer  Tractandorum  dien- 
sam  erachtet,  dieselben  in  gewifse  Abtheile  und  Departements  zu  setzen,  so  wollen 
Wir  sie  hiemit  in  nachfolgende  vier  abgesondert  haben ,  also  dafs  in  dem  einen 
Res  physicae,  medicae,  chjanicae  pp.,  in  dem  zweyten  Res  mathematicae ,  astro- 
nomicae,  mechanicae  pp. ,  in  dem  dritten  die  Ausarbeitung  der  teutschen  SjDrache 
sambt  denen  vornehmlich  alten  geist-  und  weltlichen  Geschichten  des  Vaterlandes, 
in  dem  vierten  Literatura,  insonderheit  aber  Orientalis,  und  wie  solche  zu  Fort- 
pllantzung  des  Evangelii  unter  den  Ungläubigen  nützlich  anzuwenden  seyn  möchte, 
vorgenommen  und  verhandelt  werden  sollen. 

Und  wie  ein  jegliches  ^Mitglied  Unser  Societaet  besonders  wenigstens  zu  einem 
dieser  Departements  sich  zu  bekennen  haben  und,  darin  seinen  Fleifs  beyzutragen, 
ihm  angelegen  seyn  lafsen  wird,  also  werden  die,  so  zu  einem  ieden  Departement 
gehören,  aus  ihrem  Mittel  einen  Directorem  durch  die  meisten  Stinmien  der  zu 
solchem  Ende  angestelleten  Versammlung  zu  ervvehlen  haben. 

Das  Ambt  solcher  Directorum,  welches  sie,  wen  sie  hie  in  loco  verbleilien 
und  dafselbe  wüi'cklich  zu  versehen  anderweit  nicht  gehindert  werden,  ad  vitam 
zu  verwalten  haben,  soll  seyn:  zuforderst  bey  denen  Versamlungen  ihres  Departe- 
mens  das  Wort  zu  führen  und  die  gebührende  Ordnung  der  obhabenden  A'errich- 
tungen  und  Handlungen  zu  beobachten,  ferner,  wie  schon  angeregt,  das  Concilium 
zu  bestellen  und  in  demselben  die  Intima  Societatis  warzunehmen,  und  let'zlich 
das  Vice-Praesidium  Societatis  ein  Jahr  uml)  das  andere  wechsellweise  zu  führen, 
worüber  sie  des  Anfangs  und  folgiger  Ordnung  halber  sich  unter  einander  zu  ver- 
gleichen, auch  kiinftig  den  jedesmahl  einfallenden  Wechsell  an  dem  Jahrstage  dei" 
Stiftung  der  Societaet  oder  dem  nechst  darauf  folgenden  Versamlungstage  feyerlich 
und  in  Gegenwart  aller  hiesigen  ^Mitglieder  vorzunehmen  haben  sollen. 

Und  wie  dem  von  Uns  zu  benennenden  Praesidi  honorario  in  dem  Concilio 
beliebig  zu  erscheinen,  dafselbe  auch  auf  bedürfenden  Fall  aufserordentlich  zu  be- 
ruffen  unbenommen  ist,  also  wird  dem  jedesmahligen  Vice -Praesidi  obliegen,  sen)es 

Geschichte  der  Akademie.    II.  13 


194  99.    Die  Statuten  der  Societät  vom  3.  Juni  1710. 

ordentlicli  an  gewilsen  liiezti  ausgesetzten  Tagen  zu  halten,  damit  die  Angelegen- 
heiten der  Societaet  lleifsig  beobachtet,  was  zu  deren  Aufnahme,  Erhalt-  und  Ver- 
befserung  diensahm  oder  nötig  ermefsen  wird,  sorgfaltig  vorgenommen,  denen  von 
Uns  vorgeschriebenen  Satz-  und  Ordnungen  gebührend  nachgegangen  und  alles  Nach- 
theil oder  Hinderungen  abgewendet  A\erden. 

AUermafsen  zu  des  Concilü  Vorrichtungen  al)Sonderlich  gehören  soll,  den 
Fundum  Societatis  und  was  zu  demselben  gewidmet  ist  oder  künftig  noch  gewidmet 
werden  möchte,  sorgfältig  beyzubehalten  und  nach  Müglichkeit  zu  verbefsern,  Uns 
auch  deshalb  practicable  Vorschläge  dem  Befinden  nach  zu  thun,  damit  bey  süffisanter 
Vermehrung  defselben  Unsere  Intention  völlig  erreichet  und  von  deme,  so  nach 
Bestreitung  der  nötigen  Ausgaben  noch  übrig  sein  möchte,  hiernechst  nach  und 
nach  in  jedem  Departement,  und  zwar  zuerst  in  Mathesi  et  PliA^sica  ausbündige  und 
von  dem  Concilio  vorzuschlagende  Leute  angenonunen  und  zureichend  besoldet  werden 
können,  welche  beständig  zu  arbeiten  verbunden  seyn.  Sodan  wird  hiernegst  dem 
Concilio  obliegen,  auf  die  getreue  und  ordentliche  Verwaltung  sothanen  Fundi, 
Einnahme  imd  Ausgabe  defselben  genau  zu  sehen  tmd  darüber  die  Rechnung  jährl. 
abzunehmen;  ferner  die  Aufnahme  neuer  Mitglieder  dergestalt  zu  mäfsigen,  damit 
keine,  ohne  allein  wollfähige  und  durch  abgelegte  tüchtige  Proben  in  einem  von 
denen  vorgeschriebenen  Departements  ihrer  Geschicklichkeit  halber  bekante  luid 
beri'ihmte  Persohnen  zugelafsen  und  über  die,  so  hiezu,  woher  es  auch  sein  möge, 
in  \'orschlag  gebracht  werden,  mit  vorgehender  Communication  mit  den  Gliedern 
des  Departements,  zu  welchem  das  in  Vorschlag  gebrachte  Subjectum  gehören 
möchte,  zuerkennen,  auch  folgcnds  die  Diplomata  receptionis  zuertheilen,  so  dan 
die  unteren  Bedienten  der  Societaet  nach  befindender  Bedürfnüs  zu  bestellen  und 
einem  jeden  zu  seiner  Schuldigkeit  anzuhalten;  nichtweniger  die  jedesmahlige 
Ilerausgebung  der  Actonnn  Societatis  anzuordnen  und,  was  sonsten  zur  Ehre, 
Zier  und  VVolstand  der  Societaet  ihrem  Zweck  gemäs  gereichen  mag,  aufs  beste 
zu  beobachten.  Bey  welchem  allen  diese  Ordnung  in  acht  zu  nehmen,  dafs  die 
Deliberanda  erstlich  von  dem  Vice-Praeside  und  folgends  auch  von  denen  anderen, 
wen  sie  deren  etwas  haloen,  in  guter  Ordniuig  vorgetragen,  die  Vota  nach  einander 
coUigiret,  das  Conclusum  secundum  majora  formirt,  von  dem  Secretario  alles  richtig 
protocoUirt,  von  diesem  auch  folgends  die  nötige  Aufsfertigungen  abgefafset  und 
deren  Vollziehung  beschleuniget  werde. 

Und  weil  der  Fundus  Societatis  aufser  den  Besoldungen  derer  bey  der 
Societaet  bisher  bestelleten  unentbehrlichen  Bedienten  vornemlich  dazu  gewidmet 
seyn  soll,  dafs  von  dem  jährl.  Uberschufs  nebst  einer  ausbündigen,  zu  ihrem 
Zweck  eigentlich  gehörigen  Bibliothec,  auch  benötigten  mathematischen  Instrumenten 
ein  ansehnlicher  Vorrath  an  curieusen  Naturalien  ex  omni  i'egno  sowoU,  alfs  an 
künstlichen  Erfindungen  neuer  Maschinen  und  derer  jModellen  und  anderen  mecha- 
nischen Raritaeten,  also  ein  Thesaurus  naturae  et  artis  zusammengebracht,  hiernegst 
die  Geheimnüfse  der  Natur  durch  physicalische,  chymische  und  anatomische  Ex- 
perimenta  mehrers  erforschet  und  dei-selben  verborgene  Eigenschaften  gründlicher 
aufgeschlofsen  werden,  alfs  wird  dabin  zu  sehen  seyn,  wie  solcher  Vorrath  nach 
und  nach  angeschaifet,  auch  nach  Gelegenheit  nützliche  Proben  und  Expei'imenta, 
iedoch  anders  nicht,  alfs  wen  die  Sache  in  dem  Departement,  dahin  sie  gehöi-et, 
wüU  überleget  und  von  dem  Concilio  gut  gefunden  worden ,  angestellet,  mithin  die- 
jenigen, so  in  einem  oder  dem  anderen  mit  Rath  oder  That  hierunter  etwas 
Nützliches  beytragen ,  mit  geziemenden  Praemiis  nach  Befinden  imd  Wichtigkeit 
der  Sache  angesehen;  und  zu  defsen  allen  und  was  sonst  dem  Zweck  der  Societaet 
gemäs  vind  forderlich  seyn  mag,  beständiger  Fortsetzung  mit  denen  auswertigen 
Mitgliedern  und  anderen  Gelehrten  lleifsige  Correspondentz  unterhalten,  also  mehi'- 
gedachter  Fundus  allein  hiezu  rätig  und  vorsichtig  angewendet  werde. 


99.    Die  Statuten  der  Societät  vom  o.  Juni  1710.  195 

Zu  denen  ordentlichen  \'ersainlun2;en  der  anwesenden  Glieder  der  Societaet 
ist  ebenfalfs  ein  gewifser  Tag  in  der  Wochen  festzusetzen,  an  ^velchem  die  Genolsen 
der  verschiedenen  Departements,  iede  besonders,  in  beliebter  Abwechselung  nach 
<>innnder,  und  also  alle  vier  Wochen  einmahl  zusammenkommen  und  unter  ihrem 
Directoi'e  über  die  ihrem  Abteil  zugehörige  Materien  luid  Wiisenschaften  Unterredung 
anstellen.  —  Wen  auf  den  gewöhnlichen  Tag  ein  Fest  oder  andere  Feier  einfiele, 
umb  der  willen  die  Zusammenkunft  nicht  gehalten  werden  künte,  so  soll  dieselbe 
zAvar  eingestellet  und  auf  den  nechst  vorhergehenden  oder  folgenden  Tag  verleget, 
wo  aber  auch  dieses  sich  nicht  schicken  wolte,  die  Ordnung  darumb  nicht  verrücket, 
sondern  die  auf  solchen  Tag  zugetroffene  ^'ersamlung  auf  den  negstfolgenden 
Unterredungstag  gehalten  werden. 

Die  Zusainmenkunft  iedes  Departements  wird  denen  dazugehörigen  Gliedern 
der  Dii-ector  durch  den  Pedellen  der  Societaet  odei-  wer  defsen  Stelle  vertretten 
möchte,  die  General -Versamlungen  aber  der  Praeses  oder  Vice-Praeses  Tages 
voi-her  jedesmahl  ansagen  lafsen. 

Und  wie  dem  Director  sein  gebührender  Ohrt  zu  Beobachtung  seines  Ambts 
verbleibet,  also  haben  die  übrigen  Mitglieder  ohne  Nachtheil  ihres  anderweiten  Rangs 
durcheinander  ihren  Sitz  zu  nehmen  und  mit  dem  Votiren  ziu-  Rechten  des  Di- 
rectoris  herumbzugehen ,  damit  ein  jeder  wifsen  möge,  wie  er  in  seiner  Ordnung 
zu  reden  habe. 

Wen  den  hiernegst  einem  jeden  sein  Fleifs  und  Lust  verhoß"entlich  etwas 
an  Hand  geben  Avird,  darin  er  sein  Nachsinnen  zum  Besten  der  Wiisenschaften 
üben  wolle,  so  wird  bey  Anfang  einer  jeden  Versamlung  einer  oder  zween  nach 
der  beliebten  Ordnung  von  dem,  so  sie  meditirt  oder  ihnen  sonst  vorkommen, 
nu"indlichen  Vortrag  und  Eröfnimg  thun,  oder  so  es  einem  gefiele  und  der  Sachen 
Wichtigkeit  es  verdiente,  solches  in  einer  Schrift  verfafset  dem  Directori  über- 
geben, nach  defsen  Verlesung  es  ad  protocollum  soll  genommen  werden. 

Wen  also  jemand  ausgeredet,  oder  eine  Schrift  verlesen  worden,  wird  jedem 
Mitglied  erlaubet  seyn,  in  obgedachter  Ordnung  deme,  so  vorgetragen  worden, 
seine  Gedancken  beyzufügen ,  es  sey,  dafs  solche  zu  mehrer  Erleuterung  der  Sachen 
oder  auch  einige  Dubia  vorzustellen  angesehen  Avären,  auf  welchen  letztern  Fall 
die  Auflösung  entweder  von  dem ,  so  dazu  Anlafs  gegeben ,  oder  von  einem  anderen 
der  Gesellschafter  wird  zu  gewartten  sein. 

Hiei'negst  imd  soferne  nicht  die  Sachen  selbst  zu  Zeiten  eine  andere  Ordnung 
erforderen,  werden  die  etwa  vorhandene  Schreiben  von  auswertigen  Mitgliedern, 
und  zwar  erstlich  die,  so  an  die  gesamte  Societaet,  folgends  aber  die,  so  an  be- 
sondere Mitglieder  gerichtet  tmd  SiÜTJectum  Tractationis  betreffen,  abzulesen,  darüber 
sich  zu  besprechen  vmd  der  nötige  Schlufs  abzufalsen  seyn,  welchen  samt  den 
übrigen  allen  der  Secretarius  Societatis,  so  kraft  seines  Ambtes  allen  und  ieden 
Versamlungen  beyzuwohnen  schuldig  ist  (es  wäre  dan ,  dafs  er  durch  Kranckheit 
oder  andere  unvermeidliche  Ursache  daran  gehindert  würde,  auf  welchen  Fall  aber 
er  sich  durch  keinen  FrembdcMi,  sondern  durch  ein  hiezu  erbehtenes  Mitglied  der- 
selben Versamlung  soll  vertretten  lafsen)  ad  protocollum  zu  bringen  und  die  darauf 
gehörige  Ausfertigungen  mit  geziemenden  Fleifs  wird  zu  besorgen  haben. 

Letzlich  und  wen  die  vorgesetzte  Zeith  es  leidet,  halben  diejenigen,  so  aus 
Veranlalsimg  der  Mitgeselschaft  einen  Autorem,  der  wegen  seiner  Wichtigkeit  oder 
Neuheit  defsen  werth  geachtet  worden,  zu  lesen  oder  eine  zur  Censur  und  Appro- 
hation  iibergebene  Schrift  zu  durchgehen  auf  sich  genommen,  davon  gehörigen 
Bericht  abzulegen. 

Zu  denen  gewöhnlichen  Versandungen  wei'den  zwar  vornehmlich  die  einem 
jeden  Departement  zugethane  Mitgenofsen  sich  tleifsig  einstellen  und  derselben  ohne 
(M-hebliche  Ursache  sich  hoff"entlich  nicht  entschlagen.    Dabeneben  aber  mögen  auch 

13* 


196       100.    Leibniz  an  die  Kronprinzessin  Sophie  Dokothea  (10.  December  1710). 

die  anderen  INIitglieder  der  Societaet,  ob  sie  gleich  z.u  dem  besonderen  Departement 
sich  nicht  bekennen,  einen  freyen  Zntrit  haben,  hingegen  frembde  und  der  Societaet 
nicht  verwante  Persohnen  ohne  Vorwifsen  des  Directoris  nicht  gelal'sen  oder  ein- 
geführet  werden. 

Auf  solche  Weise  wird  mit  denen  A'ersamlungen  das  Jahr  durch  fortgefahren, 
aufser  in  der  Marter-,  Oster-  und  Pfingstwochen,  Avie  auch  denen  gewöhnlichen 
Erndeferien  und  der  Zeit  vom  24*''"  Decendier  bis  zum  6'™  Januarii  nechstfolgend, 
beydes  inclusive ,  welclie  als  beständige  Vacationes  hiermit  erklähret  werden. 

Wie  nun  der  verspürende  Fleifs  und  Bemühungen,  aiicli  liervorbringende 
Proben  und  würckliche  Zeugnüfse  Unser  Societaet  der  Wifsenschaften  sowoU  über- 
haubt.  als  eines  jeden  derselben  ]Mitglieder  insl^esonder  Uns  jeder  Zeit  zu  aller- 
gnädigsten  Wollgefallen  gereichen,  also  werden  Wir  dieselben  nach  eines  jeden  Ver- 
dienst mit  Königlichen  Gnaden,  Wolthaten  und  Beförderungen  gegen  dieselben  vor 
anderen  zuerkennen  Uns  allergnädigst  gefallen .  sie  auch  sambt  \md  sonders  solches 
nach  Gelegenheit  in  der  That  erfreulich  emjilinden  lafsen. 

Ulirkundlich  unter  Unserer  eigenhändigen  Unterschrift  und  vorgedrucktem 
Königlichen  Insiegell.  geben  Charlottenburg,  den  3*«'"  Junii   17 10, 

Friederich. 

Verordnung  wegen  der  ordentlichen  Zu-  G.  v.  Wai-tenberg. 

sammenkünffte  bey  der  Societaet  der  Wifsen- 
schaften. 

Anhang  zu  Nr.  99. 

Ernennung    des    ersten    Fiscals,    W.  Duhkam,    bei    der   Societät 

(21.  Decemljei'   1710). 

[Geheimes  Staatsarchiv;  Abschrift  im  Akademischen  Archiv.] 

Friederich,  König  u.  s.  w. 
Uns  hat  unsere  Societät  der  Wifsenschaften  eure  Person  allernnterthänigst 
vorgeschlagen,  die  Stelle  des  zur  jMitbestellung  des  Concilii  derselben  von  Uns 
verordneten  Advocati  Fisci  zu  bekleiden.  Wann  Wir  dann  solchen  ^^orschlag  Uns 
in  Gnaden  gefallen  laisen,  so  befehlen  Wir  Euch  hiemit  gnädigst  und  zugleich 
ernstlich,  solcher  \'erwaltung  euch  von  nun  an  gehorsamst  zu  unterziehen,  imd  bei 
derselben  wie  auf  die  Erhaltung,  Ehre  und  Aufnahmen  Unser  Societät  der  Wissen- 
schaften ins  gemein  zufolge  Unser  allergnädigsten  Intention  also  ins  besondere  auf 
die  genaue  Beobachtung  Unserer  difsfalls  in  der  Fundation,  General-lnstruction  und 
zu  deren  Erläuterung  ji'mgst  ausgelafsenem  Reglement  albereit  enthaltenen  oder 
künftig  noch  zu  erlassenden  Veroi-dnungen,  und  dafs  aufser  oder  zuwider  denselben 
in  keine  Wege  etwas  verhänget  oder  vorgenommen  werde,  streng  zu  sehen,  hin- 
gegen wafs  zu  deren  Befolg  und  Aufrechthaltung,  auch  sonst  zum  Besten  imd 
Frommen  Unser  Societät  der  Wissenschaften  gereichen  mag,  zu  fördern,  treiben 
und  euch  alles  Fleifses  angelegen  sein  zu  lassen,  allermafsen  Wir  euch  hierauf  bei 
der  Pflicht,  womit  Uns  ihr  vorhin  verwandt,  in  Kraft  dieses  verwiesen  haben 
wollen.     Daran  u.  s.  w. 

100. 

(Vergl.  Gescliiclite  der  Akademie  S.  169). 

Leibxiz,    Brief  an    die    Kronprinzessin    Sophie    Dorothea 

vom    10.  December   1710. 

[Klopp,    Die  Werke  von  Leibniz.    10.  Bd.  S.  418!!".] 

Madame.  J'avois  espere  de  faire  ma  Cour  ä  V.  A.  R.,  si  non  a  u  Glioeur  [Göhre] 
ou  icy,  au  moins  a  Berlin,  oii  j'avois  dessein  de  passer  une  partie  de  cet  hyver; 
mais  certaines  gens  viennent  de  me  jouer  une  piece  a  Berlin,  dans  le 


100.    Leibniz  an  die  Kroii2)rinzessin  Sophie  Dorothea  (10.  December  1710).        197 

de  SS  ein  de  iii'empec  her  d"y  pouvoir  revenir  ho  norab  lernen  t  si  tut. 
Je  ne  say  pas  encor  comaient  ils  y  tronvent  leur  compte;  mais  je  crois  que  lern- 
nianiere  d'agir  ne  sera  point  du  goust  de  V.  A.  R.  et  des  personnes  qui  jugent  des 
choses  connne  il  laut.  Et  je  suis  asseure  que  le  Roy  est  trup  juste  et  trop  genereux 
pour  Tapprouver.  Ces  raisons  et  celle  de  votre  bonte  pour  moy,  JMadame,  m'en- 
couragent  a  vous  en  informer  et  a  recourir  a  la  protection  de  V.  A.  R.,  surtout  en 
cas  qu"on  y  puisse  rem  edier  sans  difficulte  et  sans  bruit.  Voicy  le  detail  de  Taffaire, 
que  je  supplie  V.  A.  R.  de  menager. 

Vous  saves,  INIadame,  que  j"ay  Thonneur  d'etre  President  de  la  Societe 
Royale  des  Sciences  de  Berlin,  depuis  sa  fondation.  On  m'ecrit  de  la  part  de  cette 
meme  societe  encor  depuis  peu  de  jours  sur  ce  qui  la  regarde,  mais  on  ne  me 
mande  pas  un  mot  d'un  dessein  concerte  sans  doute  depuis  quelque  temps,  qu'on 
a  fait  eclater  dernierement  dans  une  Assemblee  de  tous  les  Membres  presens  ä  Berlin, 
oonvoques  expres,  oii  Ton  a  elu  un  chef  de  cette  societe,  suivant  ce  qu'un  ami 
nie  mande,  et  ce  chef  est  jNlonsieur  le  Ballon  de  Printzen.  On  a  fait  aussi  de 
nou^"eaux  reglemens  en  meme  temps.  Je  ne  me  plains  point  de  ce  ministre,  qu'on 
aura  prie  de  faire  honneur  ä  la  Societe  en  se  chargeant  de  cette  qualite,  et  qui 
ne  saura  i-ien  de  la  nianiere  dont  les  gens  de  la  cabale  en  ont  use  a  mon  egard, 
indigne  d'eux  et  de  moy,  en  me  cachant  les  choses  que  je  devois  savoir  en  vertu 
de  ma  charge.  Si  Ton  m'en  avoit  donne  la  moindre  connoissance,  j'y  serois  intervenu 
comme  de  raison,  pour  marquer  ä  Monsieur  de  Printzen  la  joye  que  j'aurois  de 
le  voir  prendre  la  supreme  direction  de  ce  corps,  et  j'aurois  ete  le  premier  ä  Ten 
prier,  jugeant  bien  que  sa  capacite  et  son  autoritc  pourront  rendre  la  societe  plus 
ileurissante:  ainsi  ce  changement  se  pouvoit  faire  de  bonne  grace  par  rapport  ä  moy. 

La  place  de  President  n'a  pas  ete  elective,  le  Roy  me  l'a  donnee,  et  le  Roy 
me  la  peut  öter;  mais  je  doute  que  Sa  Majeste  ait  oi-donne  de  faire  les  choses  de 
cette  maniere.  Je  n"ay  rien  fait  pour  meriter  un  mauvais  traitement:  j'ay  ete  ä 
Berlin  Tannee  derniere;  je  n'y  ay  point  ete  cette  presente  annee,  mais  outre  (pi'elle 
n'est  pas  encor  finie,  et  qu'en  effect  j'avois  le  dessein  d'y  aller  dans  peu  et  d'y 
passer  une  j)artie  de  Tliyvei-,  pour  y  faire  ma  cour,  Thyver  etant  le  temps  le  plus 
propre  pour  cela;  outre  cela  dis-je,  on  nem'ajamais  oblige  a  une  presence  precise, 
et  mon  absence  n'a  point  ete  inutile.  J'ay  travaille  l'annee  passee  aussi  bien  que 
celle-cy  ä  faire  paroitre  un  ouvrage  considerable  de  la  part  de  la  Societe.  Je  ne 
say  s'il  est  asses  goüte  a  Berlin,  mais  au  moins  des  etrangers  y  ont  apjjlaudi. 
Ainsi  Ton  ne  peut  point  dire  que  jaye  mancpie  ä  ce  que  ma  place  exigeoit  de  moy. 
S'il  s'est  fait  quelque  chose  de  bon  par  rapport  ä  la  societe,  (j'a  este  par  mes  soins 
et  l'on  ne  m'a  jamais  fait  connoistre  aussi  qu'on  se  plaignoit  de  moy;  cependant 
dans  le  temps  oü  j'ay  porte  les  choses  avec  bien  de  la  peine  a  un  point  oü  le 
public  les  attendoit,  l'on  vient  de  m'en  remercier  de  la  belle  maniere  connne  je 
viens  d'avoir  l'honneur  de  la  raconter  ix  V.  A.  R. 

Je  n'en  ay  pas  encor  aucune  nouvelle  de  ceux  qui  m'en  devoient  informer, 
meme  j)ar  avance.  Ils  ont  peutetre  eu  honte  de  leur  propre  j^rocede;  cependant 
je  ne  say  pas  si  l'on  m'a  laisse  le  nom  et  les  honneurs  de  President,  ou  du  moins 
d'ancien  President,  si  l'on  veut  que  je  m'en  mele  encor,  et  si  l'on  m'a  laisse  les 
six  cens  ecus  d'appuintement,  (jui  pouvoient  etre  pour  les  frais  de  mes  voyages, 
et  qui  ne  payoient  point  mes  soins:  mais  en  tout  cas  j'ay  grand  sujet  de  me  plaindre 
de  ces  fagons  d'agir  par  surprise,  (|ui  mar(|uent  un  dessein  de  me  jorostituer. 

Dans  cet  etat  des  choses  je  ne  ti'ouve  point  de  meilleur  appuy  que  celuv  de 
^'.  A.  R.  pour  empecher  l'effect  de  ce  mauvais  dessein,  et  si  vous  avies  la  bonte, 
Madame,  de  me  l'accorder  et  de  parier  ä  M.  le  Baron  de  Printzen  sur  ce  sujet, 
en  luy  marquant  que  V.  A.  R.  s'interesse  un  ])eu  pour  moy,  cela  suffiroit  peutetre 
])our  me  faire  rendre  justice.    ^Nlais  je  La  supplie  en  meme  temps  de  luy  recommander 


198         101.   102.    Erietwechsel  zwischen  Leibniz  und  Printzen  (Deceniber  1710). 

(jue  le  tont  se  fasse  sans  bruit.  car  il  u"est  peutctre  point  necessaire  que  le  public 
.Sache,  comment  j"ay  ete  traite,  cela  feroit  moins  d"honneur  ä  la  Societc  qu'a  moy; 
et  il  ne  seroit  point  digne  de  la  reputation  tpie  le  jiublic  a  bien  voulu  m'accorder 
et  que  je  suis  oblige  de  soutenir,  (|ue  je  m'ingerasse  ti'op  aupres  des  gens  qui 
n'en  voudroient  point  de  moy;  <pioy(|u'avec  tout  cela  j'aurois  tousjours  droit  de 
me  plaindre  d'une  injustice. 

Je  nie  Hatte  du  moins  que  V.  A.  R.  me  le  pardonnera,  si  je  Tay  ennuyee  par 
une  aflaire  qui  me  regarde.  Je  ne  say  si  je  me  puis  llatter  aussi  de  la  pouvoir 
desennuyer  un  jour  par  quelque  matiere  plus  agreable,  ä  moins  (pie  ce  ne  soit  par 
le  recit  du  rajeunissement  de  M.  l'Abbe  Molanus  a  Ftige  de  8o  ans,  dont  les  cheveux 
gris  ont  fait  place  dernierement  a  des  noirs ,  au  sortir  d'une  maladie  facheuse.  Ce- 
pendant  je  souhaite,  Madame,  (jue  vous  passies  les  fetes  prochaines  et  encore  plus 
de  8o  semblables  avec  toute  la  satisfaction  possible;  etant  aA^ec  devotion  etc. 


101. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  170). 

Leibniz,  Brief  an  Hrn.  von  Printzen  vom   10.  Deceniber   17 10. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    10.  Bd.  S.  42if.] 

Monsieur.  Je  viens  d'apprendre  par  accident,  que  V.  E.  a  bien  voulu  se  charger 
de  la  supreme  direction  de  la  Societe  Royale  des  Sciences  de  Berlin.  J"en  suis  ravi, 
car  vos  lumieres  et  voti-e  autorite  la  pourront  rendre  lleurissante;  et  voilä  mon  but 
(jui  a  tou.sjours  ete  Tavanceinent  du  bien  public.  Je  nous  en  felicite  donc,  IMon- 
sieur,  et  je  souhaite  que  mettant  en  perfection  ce  (pie  je  n'ay  fait  qu"eba,ucher,  vous 
ayes  la  satisfaction  durant  un  grand  nombre  d'annees  de  la  voir  faire  honneur  au 
Roy  son  fondateur. 

Si  j'avois  eu  la  moindre  connoissance  du  penchant  (|ue  vous  pouvies  avoir 
de  vous  charger  de  ce  soin,  j'aurois  ete  le  premier  ;\  vous  en  jJi'ier,  et  V.  E.  se 
souviendra  jieutetre,  qu'avant  que  de  partir  de  Berlin,  l'annce  passce,  j'eus  l'lion- 
neur  de  vous  recommander  les  interets  de  la  Societe ,  faisant  en  meine  teinps  une 
proposition  avantageuse  au  public  et  ä  eile,  que  vous  paroissies  goüter. 

INIaintenant  je  souhaiterois,  Monsieur,  d'apprendre  k  votre  loisir,  si  vous  ap- 
prouves  ce  que  j'ay  fait,  et  particulierement  rechantillon  qu'a  force  de  soins  et 
d'instances  j'ay  fait  donner  au  public,  n'ayant  point  d'autre  jiouvoir  que  celuy  de 
]n'ier.  Mais  je  souhaiterois  encor  plus  de  savoir  vos  intentions  a  mon  egard,  ne 
doutant  jioint  que  vous  ne  soyes  tres  porte,  Monsieur,  k  me  rendre  justice  aupres 
du  Roy  et  ailleurs:  et  outre  la  qualite  de  president  de  la  societe  que  vous  voules 
honorer  de  votre  protection  aupres  de  sa  Majeste,  je  fais  gloire  d'etre,  Monsieur,  etc. 


102. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  170). 

Printzen's  Brief  an  Leibniz  vom   i6.  December  1710. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.     10.  Bd.  S.  422f.] 

Monsieur.  L'honneur  de  votre  tres  cliere  lettre  du  10  de  ce  mois,  que  j'ay 
recue  par  la  derniere  ordinaire,  m'a  ete  d'autant  plus  agreable,  puisqu'elle  me  donne 
des  mar(pies  si  certaines  de  votre  souvenir,  qui  m'est  en  toutes  manieres  bien  pre- 
tieux.  Je  vous  suis  aussi  bien  sensiblement  oblige  des  bons  et  obligeans  voeux 
qu'il  vous  a  plii  de  me  faire  sur  le  choix  (pie  le  R03'  a  fait  de  ma  personne,  pour 
etre  le  Directeur  de  la  societe  des  sciences  d'icy,  et  comme  il  a  fallu  se  soumettre 


103.  104.  Leibniz,  Briefe  an  die  Kronprinzessin  und  Printzkn  (Deceniber  1710).     11)1) 

la  dedan.s  aux  ordres  de  Sa  Majeste,  je  souliaiteroLs  seulement  de  pouvoir  contri- 
buer  quelque  chose  pour  retablis.sement  et  pour  le  lusti'e  de  cette  illustre  societe, 
dont  je  me  fais  d'autaut  plus  de  gioire  d'etre  iin  nombre,  puisqu'elle  se  trouve 
ornee  de  vostre  personne,  dont  les  eclatans  merites  et  le  grand  s(;avoir  sont  conuus 
a,  tout  l'univers.  Faites-moy  seulement  la  grace,  Monsieur,  de  me  donner  de  tems 
en  tems  part  de  vos  sages  avis,  comment  et  par  ou  voiis  croj'es  que  cette  societe 
se  puisse  rendre  plus  llorissante  et  acquerir  plus  de  renommee  dans  le  monde,  et 
j'y  defereray  non  seulement  tousjours  le  plus,  mais  y  contribueray  aussi  du  meilleur 
de  mon  coeur  tout  ce  ipii  dependra  de  moy.  Le  Roy  ne  se  souvient  ny  parle 
Jamals  de  votre  personne  qu'avec  cette  consideration  et  distinction  gratieuse,  qui 
est  diie  a  vos  merites  infinis,  que  je  revere  aussi,  et  suis  de  tonte  mon  ame  avec 
une  passion  sincere  et  un  zele  veritable,  ^Monsieur,  etc. 


103. 

(Veriil.  Geschichte  der  Akademie  S.  170). 

L E I B X I z ,    Brief  an    die    Kronprinzessin    Sophie    Dorothea 

vom   17.  December   1710. 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibxiz.     10.  Bd.  S.  423  f.] 

J'ay  pris  la  liberte  de  recourir  ;\  la  protection  de  A'otre  Altesse  Royale  pour 
la  reparation  d"uu  tort  qui  m"a  ete  fait  cn  me  cacliant  ce  que  je  devois  savoir. 
On  m*a  envoye  depuis  un  Reglement,  oii  le  Roy  me  conserve  mes  droits,  mais 
comme  il  seroit  peu  lionnorable  a  moy,  et  peutetre  peu  avantageux  a  la  societe 
Rovale  des  sciences,  si  l'on  faisoit  les  choses  sans  en  communiquer  asses  avec 
moy,  il  est  juste  qu"on  remedie  a  ce  desoi'di"e,  et  j'espere  qu'un  mot  que  V.  A.  R. 
aura  ou  aura  eu  la  bonte  de  dire  a  INI.  de  Printzen,  fera  l'affaire,  a  fin  qu"on 
mY'crive  regulierement  et  qu"on  n'expedie  point  les  choses  qui  soulfrent  delay, 
sans  m"en  faire  part.  J"en  auray  beaucoup  d"obligation  ä  V.  A.  R,  et  meme  le 
public  luy  en  sera  redevable,  si  nous  faisons  quelque  chose  de  bon.  Et  je  suis  au 
reste  avec   devotion,  etc. 


104. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  170). 

Leicxiz,    Brief  an    Hrn.    vox  Prixtzen   vom    30.  December   17 10. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leiexiz.    ig.  Bd.  S.  424!^ ;    eine  Abscla-ift  im  Akademischen  Archiv, 

nach  der  hier  gedruckt  ist.] 

^Monsieur.  J'ai  ete  ravi  d'apprendre  par  l'honneur  de  la  reponse  de  V.  E. 
qu"Elle  me  conserve  la  bonte  qu'Elle  m'a  toujours  temoignee,  et  je  la  suplie  de 
me  conserver  les  bonnes  graces  du  Roi.  De  mon  eote  je  prie  Dien  ä  Tentree  de 
l'annee  qu'il  vous  la  donne  heureuse,  Monsieur,  et  pleine  de  tonte  sorte  de  satis- 
faction,  avec  une  longue  suite  de  semblables. 

Puisque  vous  aves  bien  voulu  vous  charger,  ^Monsieur,  pour  le  Service  du 
Roi,  du  soin  de  faire  lleurir  la  Societe  des  Sciences,  vous  aures  la  bonte  de  per- 
metti'e  que  j'aie  recours  a  vos  lumieres  et  k  votre  autoritii  pour  y  reussir. 

J'ay  quelque  sujet  de  me  plaindre  de  la  maniere  dont  ceux  qui  ont  fait  les 
atlaires  de  la  Societe  en  mon  absence ,  en  ont  use  a  mon  egard  dernierement, 
ui'aiant  cache  tout  ce  qui  se  devoit  faire  par  rapport  au  nouveau  reglement,  et 
ne  m"aiant  mande  qu'a  demy  ce  qui  s'est  fait.  On  ne  m'a  envoie  que  bien  tard 
Tordonnance    du    Roi    tonte   imprimee.      ^lais    j'entends    dire    qu'on    a    encor    regle 


200     lOo.  104.  Leibniz,  Briefe  an  die  Kroiipi'iiizessiu  und  Pkintzex  (Decenil:)er  171(J). 

d'autre.s  choses  dans  une  assemblee  de  la  Societe  dont  on  ne  in"a  rien  appris. 
[et  entre  autres  qu'ou  a  nomme  des  personnes  qui  pi^esideroient  tour  ä  tour  ä  luoii 
absence,  et  cest  ce  qu'on  me  devroit  faire  savoir  aussi  avec  tout  le  reste  de  ce 
qui  a  ete  regle,  dont  ce  que  j'ai  appris  m'a  paru  fort  bon]'. 

Ainsi  Jose  supplier  V.  E.  d'ordoiiner  k  M.  Jablonski,  Secretaire  de  la  Societe, 
non  seulement  de  nrinfornier  ä  fonds  de  tout  le  passe,  mais  aussi  de  faire  ea  sorte 
que  dores  en  avant  je  sois  instruit  de  ce  qu'on  a  dessein  de  faire  et  de  ce  qu'on 
fait,  et  en  un  mot,  que  tout  ce  qui  regarde  la  Societe,  et  peut  souffrir  quelque 
delai,  soit  communique   avec  moi. 

Maintenant  pour  obtenir  que  la  Societe-  se  niette  de  plus  en  plus  en  etat  de 
ne  point  faire  deslionneur  ä  son  royal  fondateur,  je  niettrai  un  petit  memoire  par 
ecrit,  que  j'envoie  ci-joint  a  V.  E.,  et  la  supplie  entendre  la-dessus  deux  pei'sonnes 
separement.  L'un  est  M.  Jablonski,  Secretaire  de  la  Societe,  qui  a  aussi  le  soin 
de  tout  ce  qui  regarde  Timpression  des  Almanachs,  et  cpii  pourra  fournir  les  con- 
cessions  du  Roi.  L'autre  est  IMons.  le  conrecteiu-  Frisch  que  j'ai  employe  ä  l'exe- 
cution  du  privilege  des  meuriers  et  de  la  soie,  et  qui  a  asses  bien  reussi  ])onv  le 
conunencement.  Cest  un  liomnie  actif,  d'esprit  et  de  savoir,  et  qui  a  envie  de 
bien  faire.  Cest  pourquoi  je  voudrois  ti'ouver  moyen  de  l'encourager,  et  je  sou- 
haite  que  V.  E.  lui  temoigne  quelque  bonte,  et  l'ecoute  favorablement  sur  ce  qui 
regarde  les  affaires  de  la  Societe. 

[i.  II  faudi'oit  supplier  Sa  M'"^  de  favoiüser  la  dite  Societe  et  les  personnes  qui 
y  entreut,  dans  des  choses  justes  et  i-aisonnables. 

2.  II  seroit  necessaire  de  revoir  le  diplome  de  la  Fondation,  avec  l'instructiün 
que  le  Roi  nous  a  donnee,  et  faire  executer  ponctuellement  ce  qu'elle  porte. 

3.  Dans  cette  Instruction  il  est  ordonne  aux  personnes  qui  sont  dans  certaines 
charges,  de  fournir  a  la  Societe  des  experiences  et  notices  cui-ieuses  et  titiles  (pii 
viennent  a  leur  connoissance. 

4.  Sa  M'<-'  a  donne  certains  piüvileges  ;\  la  Societe,  et  il  est  necessaire  (pi'ils 
.soient  maintenus. 

5.  II  seroit  peutetre  l\  propos  de  lui  accoi-der  encor  quelques  autres  privileges, 
utiles  au  public,  qui  le  puissent  mettre  en  etat  de  mieux  faire. 

6.  Pour  encourager  les  personnes,  peutetfe  qu'on  pourroit  accorder  certains 
rangs  aux  membres  de  la  Societe,   mais    apres   en  avoir  peutetre  fait  une  reforme. 

7.  On  pourroit  aussi  donner  des  prix  a  ceux  qui  auroient  fourni  quelque 
cliose  de  considerable"-.] 

II  faut  que  j'adjoute  encore  que  Messieurs  les  Medecins  nous  out  fait  banque- 
route,  lorsqu'il  s'agissoit  de  foiu'nir  quelque  chose  a  nos  Miscellanea.  J'avois  fort 
compte  sur  INI.  Hofman ,  et  lors  (ju'il  fut  a  Hall ,  il  parut  zele,  mais  depuis  qu'il 
est  ä  la  Cour,  il  nous  a  oublie.  J'avois  medite  lui  projet  qu'il  avoit  fort  goute,  et 
meme  couche  par  ecrit.  Cestoit  d'obliger  tous  les  Medecins  salaries  par  le  public 
dans  les  etats  du  Roi  d'envoyer  tous  les  ans  quelques  observations ,  taut  sur  l'etat 
de  l'annee  par  rapport  a  la  physique  et  a  la  medecine,  que  sur  quelques  singularites, 
que  leur  practique  leur  en  auroit  fourni.  Ce  seroit  le  moyen  d'avoir  avec  le  temps 
un  tresor  de  notices  utiles,  qui  ne  couteroit  au  public  qu'im  bon  ordre.  Mais  apres 
mon  depart  la  chose  a  ete  negligee. 

Je  laisse  juger  a  V.  E.  s'il  est  ä  propos  d'y  penser  encore,  et  je  suis  en- 
tierement  etc. 


^    Die  eingeklammerten  Worte  fehlen  in  der  Abschrift  im  Archiv  der  Akademie. 

^  Das  Eingeklammerte  fehlt  in  der  Abschrift  des  Archivs  der  Akademie:  es  gehört 
auch  nicht  an  diese  Stelle,  sondern  es  enthält  den  Extract  des  kleinen  Memoires,  das  Leibniz 
oben  angekündigt  hat,   und  das  im  nächsten  Stücke  folgt. 


105.    LtiBNizens  Deiikscluift  vom  Dezember  1710.  201 


105. 

(Vci'i;-!.  Gcscliii-hte  der  Akailemio  S.  171). 

Leibniz,    Denkschrift   ymn    Ende    Deceniber   1710. 

[IvLOPr,  Die  Werke  von  Leibniz.    10.  Bd.  8.4271?.;  eine  Abschrift  findet  sicli  aut-li  im 

Akademischen  Archiv,  nach  der  ich  drucke.] 

Nachdem  Seine  Königliche  Majestät  in  Preufsen  vermittelst  einer  neuen  Ver- 
ordnung gezeiget,  dafs  Sie  dero  Societät  der  Wifsenschafften  in  einen  llorirenden  Zu- 
stand zu  sezen.  allergnädigst  bedacht  und  zu  dem  Ende  einen  von  dero  liohen  Staats- 
INIinistris  die  Sorge  deswegen  aufgetragen,  so  Avürde  an  Seiten  dei-  Societät  umb  so  viel 
mehr  dahin  zu  trachten  seyn,  wie  diesem  Königliclien  Absehen  geniäfs  gehandelt  werde. 

Der  Zweck  dieser  Societät  ist  vornehmlich,  dafs  feine  und  nüzliche  Ent- 
deckungen herfürbracht  würden,  damit  das  gemeine  Wesen  davon  Nuzen  schöpfen 
und  der  Königliche  Fvmdator  darob  Vergnügen  haben  möge.  Es  hat  alier  bisher 
daran  zimlich  gefehlet,  indem  die  meisten  Glieder  der  Societät  sich  daran  wenig 
gekehret.  Daher  der  Prfesident  tlieils  mit  vielen  Bitten  und  Erinnern,  theils  mit 
eigner  Arbeit  es  kaum  dahin  gebracht,  dafs  einige  [Miscellanea,  so  leidlicli .  zum 
Vorschein  kommen,  wobey  man  sowohl  den  Gliedmafsen  als  Andern  mit  dieser 
Pi'obe  zu  zeigen  gesucht,  was  eigentlich  vei-langt  werde,  damit  man  künflftig  an  ein 
und  andern  Orth  dergleichen  l)eyzutragen  sicli  desto  mehr  anschicken  möge\ 

Der  Ursprung  der  bisherigen  Kaltsinnigkeit  scheinet  grofsentheils  daher  kommen 
zu  seyn,  dafs  man  sich,  obschohn  oline  Grund,  eingebildet,  Königl.  Majestät  nehmen 
sich  der  Societät  wenig  an  und  achteten  nicht,  ob  solche  etwas  Rechtschaffenes  zu 
wege  bringe  oder  nicht.  Da  man  doch  versichert,  dafs  allerhöchstgedachte  Seine  König- 
liche Majestät  bey  dero  einmahl  gefafseten,  hochlöblichst  genommenen  Vorsaz  beständig 
verharren,  welches  Sie  auch  leztens  durch  eine  neue  Verordnung  zu  Tage  legen  wollen. 

Damit  aber  das  Absehen  befser  erreichet  wei'de,  so  ist  man  an  Seiten  der 
Societät  schuldig,  in  Untertliäihgkeit  vorzustellen,  was  dazu  dienlich  oder  nöthig  zu 
seyn  scheine,  und  dürflfte  es  hauptsächlich  auff  Zweyerley  ankommen:  erstlich,  dafs 
die  Königl.  allergnädigste  Verordnungen  und  Verwilligungen  gehandhabet;  vors 
andere,  dafs  noch  ein  und  anders  Dienliches  und  Zulängliches  von  neuem  nach  und 
nach  verordnet  werde.  So  viel  nun  die  Handhabung  der  Verordnungen  betrifft, 
wäre  nöthig  zu  durchgehen  das  Königliche  Diploma  fundationis.  Königl.  General- 
Instruction  und  einige  Königliche  Special -Concessiones.  als  wegen  des  Calender- 
Wesens,  der  Feuer -Sprüzen  und  der  Cultur  der  Maulbeer -Bäume  u.  s.  w.,  und  zu 
iiberlegen,  was  dal)ev  zu  thun  und  wie  sie  bestens  zu  Standt  zu  lu'ingen  oder  zu 
verbefsern.  Und  weilen  Königliche  JMajestät  in  erwehnter  General -Instruction  aller- 
gnädigst verordnet,  dafs  die  Königl.  Bediente,  so  Gelegenheit  hätten,  in  rebus 
natura^  et  artis  einige  MerkA\iirdigkeiten  (daran  es  in  den  Königlichen  weiten  Landen 
nicht  fehlen  kan)  an  Hand  zu  geben,  dazu  angewiesen  seyn  solten;  so  wäre  zu 
überlegen,  wie  bestens  dazu  zu  gelangen.  I^nd  solte  man  ohnmafsgeblich  dafür 
halten,  dafs  deswegen  einige  Bedeutung  nöthig  an  bequeme  Personen  bey  denen, 
so  der  Jägerey  obliegen,  bey  denen  Inspectoribus  der  Gärten  und  Planteurs.  bey 
den  Berg-,  Salz-,  Kohlen-  und  Barnstein -Wercken,  l)ey  denen  so  das  Bauwesen 
diriii,iren .    bev  denen  Liiienieurs  und  sonsten  bev  denen,    so   Geschaffte  haben,    da 


1  In  dem  ähnlich  lautenden  Concept,  das  in  der  folgenden  Anmerkung  genannt  ist, 
heisst  es:  -Doch  hat  man  auch  von  einigen  Gliedern  der  Societät,  die  sich  freywillig  an- 
gegrirt'en.  versciiiedene  feine  Versuchstücke  in  allerhand  Arten  der  Gelehrsamkeit  zusammen 
bracht  und  ein  Buch  davon  zur  Probe  herausgegeben ,  auch  K.  Maj.  allerunterthänigst  zu- 
geschrieben und  überreichen  lassen.  Welches  laut  öiTentlicher  Zeugnisse  in  der  Welt  nicht 
übel  aufüenommen  worden  imd  billior  contiuuirt  wird«. 


202  l'^6.    Leiexiz  an  D.  E.  Jablox^ki  (9.  Januar  1711). 

die  Natur  und  Kunst  untersuchet  werden  mufs.  Und  wäre  vielleicht  ohnmnlsficblich 
einigen  solcher  Personen  von  wegen  des  Königs  zu  verslehn  zu  geben,  dafs  König- 
licher Majestät  lieb  seyn  würde,  wenn  Sie  zu  Mitgliedern  der  Societät  aut'genonunen 
würden   und  das  ihrige  dazu  beyzutragen  sich  angelegen  seyn  liel'sen. 

Künft'tige  neue  Verordnungen  betrefFend,  scheinet  darauf  zu  dencken  zu  seyn, 
wie  sowohl  die  Personen  aufgemuntert,  als  auch  der  Fundus  der  Societät  vermehret 
werde.  Durch  jenes  würde  der  Wille,  durch  dieses  auch  das  Vermögen  erhalten. 
"Wie  dann  zu  Büchern,  Instrumenten,  ^Modellen,  Collectionibus  natiu'aj  et  nrtis, 
Correspondenzen ,  Observationibus  et  Experimentis  ein  Ziemliches  erfordert  wird. 
Das  Erste  belangend  Aväre  zu  bedencken,  ob  niclit  gewifse  Königliche  Gnaden,  in 
])uncto  des  Rangs  und  sonst  den  Gliedmalsen  der  Societät  beyzulegen  und  ob  nicht 
denen,  so,  etwas  besonders  leisten,  ein  Preis  zu  verwilligen.  Es  wäre  aber  auch 
vielleicht  Verordnung  zu  machen,  dafs  die  Glieder,  welche  innerlialb  3  Jahren  nichts 
zu  dem  Scopo  Dienliches  beitragen,  nach  Guthbefinden  aufs  dem  Catalogo  membro- 
rum  gelafsen  ^verden  köndten.  Und  weilen  näclist  der  Tugend  nichts  ist,  daran 
mehr  gelegen,  als  die  Gesundheit,  so  stünde  dahin,  ob  nicht  dasjenige,  so  unlängst 
in  Vorschlag  kommen ,  zu  vollstrecken  und.,  alle  ^Sledici  a  publico  salariati  schiddig 
seyn  solten,  jährlich  einige  Observationes,  theils  circa  statum  anni  physico-medicum, 
theils  circa  singularia  forte  in  praxi  oblata  einzuschicken,  wodurch  man  mit  der 
Zeit  einen  vortrefflichen  Schaz  nützliclier  Nachrichtungen  zu  hoffen  hätte,  der  dem 
gemeinen  Wesen  nichts  anders  als  guthe  Anstalt  imd  Anordnung  kosten  würde, 
welches  vielleicht  per  rescripta  an  die  Regierungen  am  besten  zu  bewürcken. 

Die  Vermehrung  des  Fundi  betreffend,  ist  man  unter  andern  bedacht  gewesen 
zu  versuchen,  ob  nicht  thunlich.  dafs  die  Societät  mit  editione  autorum  classicorum 
und  andere  nüzliclie  Wercke  zu  privilegiren ,  welche  bey  denen  Schuhlen  der 
Königlichen  Lande  zu  gebrauchen ;  und  köndte  es  auff  eine  solche  Weise  geschehen, 
so  den  Rectoribus  et  Collegis  scholarum  nicht  nur  nicht  pra^judicirlich,  sondern 
annehmlich  wäre;  imd  weil  man  auch  bereits  von  einiger  Zeit  her  die  Glieder  der 
Societät  bey  Censura  librorum  gebrauchet,  stünde  dahin,  ob  solches  auf  gewifse 
INIaafse  zu  fafsen ,  imd  einige  emolumenta  l)eyzulegen.  Es  ist  auch  bey  Anwendung 
der  Stipendien  und  dergleichen  eine  guthe  Aufsicht  nöthig.  welche  der  Societät 
füglich  und  nüzlich   auffzutragen  seyn  dürffte. 

Alles  salvo  meliore  judicio'. 

106. 

(\'er(;l.  Geschichte  der  Akademie  S.  172). 

Leibxiz,    Brief  an    den    Hofprediger   vom    9.  Januar   1711-. 

[Klopp.  Die  Werke  von  Leibxiz.    ig.  Bd.  S.  430!!'.] 

Nach  Vertliefsung  langer  Zeit  habe  endlich   ein  werthes  Schreiben  von  m.  h. 

H.  Hofprediger   erhalten,    luid   daraus    mit  Freuden  verstanden,    dafs    selbiger    sich 

annoch  Gottlob  wohl  befindet  und    sich  meiner    geneigt    erinnert.     Wündsche  auch 

hinwiederumb,    dafs    das    angetretene    neue  Jahr    demselbigen    niclit    allein    auf  alle 

1  Ein  diesem  verwandtes,  bald  nach  der  Einrichtung  der  Societät  im  Januar  171 1  von 
Leibxiz  niedergeschriebenes  Stück  findet  sich  iu  dem  Archiv  der  Akademie  (in  zwei  Exem- 
jdaren  im  Leibxiz -Fascikel).  « Nachtheilige  Ui-theile  werden  nicht  ausbleiben,  wenn  nunmehr 
nicht  endtlich  was  Reclitscliaftenes  dem  aulsgekündigteu  Absehen  gemäfs  erfolgen  solte."  Es 
fehlen  zur  Zeit  noch  alle  wissenschaftlichen  Hülfsmittel ;  es  fehlen  Mitglieder,  die  eifrig  arbei- 
ten:  es  fehlen  Geldmittel.  Auch  hier  wird  zur  Aufmunterung  der  Mitglieder  das  Aussetzen 
von  Preisen  empfohlen  und  ausführlich  der  ^Nlodus  dargelegt.  Zur  Erhöhung  der  Einkünfte 
der  Societät  schlägt  Leibxiz  die  Besteuerung  eines  .■objcctum"  vor,  das  er  noch  nicht  nennen 
will,  das  aber  besonders  geeignet  sei,  eine  Steuer  zum  Besten  der  Societät  zutragen. 

-    Im  Concept  (Hannover)  steht  irrthümlich  1710. 


1(J6.    Leibmz  au  I).  E.  Jablonski  (9.  Januar  1711).  203 

"Weise  ü'lück-  und  erspi^ielslicli  seye,  sondern  auch  durch  viele  andere  nicht  weniger 
verüiiüiiliche  Jahre  Ibrtgesezet  werden  möge. 

Nicht  ohne  ist  es,  dafs  ich  mit  Verwunderung  von  Leuten,  daher  ich  es  nicht 
erwartet,  die  Veränderungen  bey  der  König!.  Societät  der  Wifsenscliafften  vernommen. 
Da  mir  dann  nicht  solche  \'eränderungen  selbst,  als  die  ich  ganz  nach  meinem  Sinn 
(soweit  sie  mir  liekand)  gefunden,  sondern  nur  allein  dieses,  dafs  man  gegen  mich 
ein  Geheimnils  daraufs  gemacht,  zur  Klage  Ursacli  geben.  Es  kau  nicht  anders 
seyn,  man  muis  bereits  vor  einiger  Zeit  mit  diesem  Reglement,  und  anderen  An- 
stalten umbgegangen  seyn;  worumb  man  aber  mir  nicht  davon  part  geben  wollen, 
kan  ich  nicht  begreiifen.  Es  wäre  denn  etwa  dafs  jnan  sich  eingebildet  haben 
mochte,  ich  würde  damit  nicht  einig  seyn,  und  sie  zu  liinderu  trachten.  JNIit  wel- 
chen Gedancken  man  mir  aber  Unrecht  gethan  hätte;  denn  icli  verhoffentlich  bey 
allen  Gelegenheiten  in  der  That  erwiesen,  dafs  mir  alles  liel)  was  zu  der  Societät 
"Wohlstand  dienet.  Ich  freue  mich  recht,  dafs  dem  H.  von  Printzen  die  Oberdirec- 
tion  aufgetragen  worden ,  damit  doch  Jemand  sey,  der  der  Societät  bey  dem  König 
das  Worth  beständig  und  mit  Nachdruck  ausspreche.  Ich  vernehme,  dafs  noch 
ein  und  anders  bey  der  Societät  angeordnet  worden,  davon  mir  noch  Niemand 
Nachricht  geben.  Hätte  solche  billig  hoffen  sollen,  Avie  dann  künfftig  billig  seyn 
würde,  dafs  was  moram  leidet,  mit  mir  concertiret  werde.  Sonst  werde  ich  wenig 
in  Stand  seyn  etwas  Nüzliches  beyzutragen.  AVie  es  m.  h.  H.  mir  vor  7  Jahren 
communiciret,  erinnere  mich  nicht  eigentlich,  und  bedüncket  mich  es  war  ganz  was 
anders,  wenigstens  hätte  einige  Nachricht  von  der  Reassumtion  nicht  schaden,  und 
ich  vielleicht  ein  und  anders  Dienliches  erinnern  können.  Ich  wündsche.  dal's  die 
Societät  nunmehr  in  eine  rechtschaffene  Activität  gesezet  werde,  weswegen  es  wohl 
an  mir  nie  gefehlet,  und  wird  solches  (meinem,  und  vielleicht  der  gelehrten  Welt 
Ermefsen  nach)  darinn  bestehen,  dafs  man  Anstalt  habe,  jährlich  solche  Miscellanea 
darzugeben,  welche  zum  wenigsten  nicht  schlechter  als  die  ich  endtlich  mit  vieler 
Mühe  und  Arbeit  extorquiret.  Deswegen  ich  meines  liochg.  H.  Hofpredigers  und 
H.  Hofratli  Cuneau  Gedancken  zu  haben  wündsche.  Besorge,  es  werde  deswegen 
einige  Encoui-agirung  der  Membra  nöthig  seyn,  es  geschehe  solche  gleich  entweder 
durch  Rang  oder  andere  Privilegia  oder  auch  durch  Prannia  bene  meritoriun,  so 
etwas  Sonderliches  geleistet,  wozu  aber  und  zu  Anstellung  der  Experimentorum 
vielleicht  auch  eine  augmentatio  fundi  nöthig  wäre,  und  stünde  auch  dahin,  ob  man 
nicht  die  flacht  haben  köndte,  einige  Membra,  so  künfftig  in  gewifsen  Jahren  nichts 
Anständiges  beygetragen,    nach  Befinden    aus    dem  Catalogo   membrorum  zu  lafsen. 

W^enn  H.  Hofrath  Hofman  als  Leib-^Iedicus  dermahleins  der  Sach  in  seiner 
Sphau-a  favorabel  seyn  und  nebenst  Beytragen  des  Seinigen  auch  andere  Medicos 
dazu  animiren  wolte.  würde  auch  darinn  was  guthes  zu  erwarten  sein.  Anfangs 
hat  ev  grofse  Hofnungen  gemacht.  Er  hat  aber  bisher  sich  wenig  an  uns  gekehret; 
wird  er  künfftig  der  Sach  sich  mehr  annehmen,  dürffte  es  kein  geringes  seyn. 

Ich  vernehme  nichts  von  H.  Hofman,  unserm  neuen  Observatore,  noch  fast 
sonst  von  einigem  bei'linischen  INIembro  der  Societät,  aufser  Avas  H.  Secretarius 
Jablonski  zu  Zeiten  in  gewifsen  Dingen  mich  wifsen  lal'set,  und  was  H.  Frisch  wegen 
der  Seiden -Cultur  schreibt. 

Solte  es  ferner  also  gehen,  Avürde  mir  die  Gelegenheit  mein  Amt  wohl  zu 
thun  benommen;  sollen  aber  künfftig  nicht  nur  frequentiores  sessiones  gehalten, 
sondern  auch  etwas  Rechtes  dabey  gethan,  imd  mir  von  dem  vornehmsten  so  pas- 
siret.  auf  zulängliche  Weise  part  gegeben  werden,  würde  alles  wohl  gehen,  imd 
ich  dabey  das  ^Meinige  zu  leisten  micli  bemühen.  Habe  auch  an  des  H.  von  Prinzen 
Excellenz  deswegen  in  eundem  sensum  meine  wenige  Gedancken  überschrieben.  — 

Es  ist  nun  eine  geraume  Zeit,  dafs  ich  m.  h.  H.  Hofprediger  ein  Antwort- 
schreiben an  H.  Bourget  (oder  wie  er  heilset)  zu  Neufchatel  zu  schicken  die  Frey- 


204  107.   108.    Die  Inauguration  der  Societät  (Januar  1711). 

heit  genommen,  und  Jamalils  verlangt,  dafs  es  mit  M.  de  la  Croze  communiciret 
werden  möchte,  stelle  dahin  oh  solches  thunlich  gewesen,  und  oh  endtlich  mein 
Schreihen  dem  H.  Bourget  zukommen. 

Im  übrigen  versichere  m.  h.  II.  liofprediger,  dafs  der  Modus  so  gebraucht 
worden  und  delsen  Ursache  ich  nicht  genugsam  begreitle,  mich  nicht  verhindern 
wird,  so  wolil  bey  meinem  Eifer  zui'  Aufnahme  der  Societät  zu  verharren,  als  auch 
denen  H.  Sociis  die  sich  der  Sache  angenommen,  meine  beständige  Ergebenheit  zu 
bezeigen,  wenn  mir  nur  künfftig  mit  mehrer  Öffnung  und  nach  Fug  und  Billigkeit 
begegnet  wird.  Es  ist  sonst  meine  Schuld  nicht,  dass  allerhand  Guthes  in  Brunnen 
gefallen,  wofür  mir  nichts  als  die  Arbeit  und  Erinnerung  übrig  blieben,  und  stelle 
dahin  was  die  Nachwelt  davon  urtlieilen  und  erfahren  dürffte.  Ich  verbleibe  jeder- 
zeit u.  s.  w. 

107. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  173). 

Ceremoniel  der   Niedersetzung  der  Societät  (Januar   1711). 
[Von  der  Hand  des  Secretars ;  Akademisches  Archiv.] 

Zu  solcher  Handlung  wird  der  19.  Jan.  [der  22,  oder  23.  Jan.  ad  arbitrium 
des  Hrn.  von  Pi-inzen]  anberaumet. 

An  demselben  versammlen  sicli  die  sämtlichen  Glieder  um  zwei  Uhr  auf  dem 
Observatorio. 

Gegen  drei  Uhr  kommt  des  Hr.  von  Prinzen  Exe. 

Selbige  Averden  von  der  Societät  in  corpore  unter  Anführung  des  Vice- 
Praesidis  (oder  Praesidis.  wenn  er  hie  zugegen)  im  Aussteigen  der  Kutsche  em- 
pfangen und  in  die  Conferenzstube  geführet. 

Woselbst  Sie  ihi-en  Ort  hinter  dem  Tisch  einnehmen, 

Und  vor  dieselbe  ein  Armstul  gestellet  wird. 

Vor  Ihnen  auf  dem  Tisch  liegen  die  Schlüssel  \'on  dem  Observatorio, 

Und  die  Sigel   der  Societät. 

Die  sämtlichen  Glieder  treten  an  der  Wand  zu  beiten  Seiten  herum  (alwo  die  Stule 
für  sie  gesezet,  die  Glieder  des  Concilii  oben  an  und  die  übrigen  in  l:)eliebiger  Ordnung). 

S.  Exe.  übergeben  mit  einer  Kede  die  Schlüssel  und  Sigel  dem  Praesidi 
oder  Vice-Pi'aesidi  und  sezen  hiemit  die  Societät  nieder  in  den  Besiz  des  Orts 
und  ordentlichen  Gang  ihrer  VeiTichtungen. 

Deroselben  wird  durcli  den  Praesidem  oder  Mce-Praesiden  gedanket. 

Hierauf  werden  die  Medaillen,  so  am  untern  des  Tisches  in  einem  Käst- 
chen stehen,  von  dem  Secretario  überreichet. 

Endlich  des  Hrn.  von  Prinzen  Ex.  auf  vorige  Weise  bis  an  die  Kutsche  zu- 
rückbegleitet. 

108. 

(Vergl.  Geseliiehte  der  Akademie  S.  174). 

Auf  die   am   19.  Januar ii  17 11   vollzogene  Inauguration  der  von  Seiner 

Kpnigl.  Maj  estät  in  Preussen,  etc.  etc.  etc.  höchs tlöblich  gestiffteten 

Societaet    der  Wissen  schafften. 

[()fters  gedruckt.] 

Mars  raset  innnerfort,  und  die  entbrannte  Gluth 

Dräut  auch  von  Osten  her  mit  schweren  Donnerschlägen. 

Dem  wilden  Thracier  schwillt  sein  gespahrtes  Blut, 
Der  stolze  Muselmann  fängt  an,  das  Haupt  zu  regen, 
Und  hat,  wie  Fama  klingt,  die  Fahnen  schon  erhöht. 
So  dafs  Europa  nun  in  vollen  Flammen  steht. 


109.    Erzählung  von  der  Stiftung  und  Einsetzung  der  Societät  (1711).  205 

Jedoch,   da  Fem-  und  Schwert  die  Mauren   niederreissen. 
Und  Phoebus  anderwerts  die  Saiten  auftgehenckt, 

So  sieht  man  halberstaunt,  dals  doch  dein  Held,  o  Preussen, 
Bey  Krieg  und  Waffen  auch  an  Ruh  und  Musen  denckt. 

Er  schlägt,  er  jagt  den  Feind  mit  dem  geschärfften  Degen 

Und  läfst  zugleich  den  Grund  zu  Pallas  Tempel  legen. 

So  war  Augustus  auch.     Sein  abgeschicktes  Schwert 
War,  wo  es  kam  und  ti-aff,  gleich  aller  Feinde  Schrecken. 

Doch,  wenn  er  Feinde  schlug,  wnrd  Phoebus  auch  ernährt; 
Man  sah  bey  Fried'  und  Krieg  die  Miisentafel  decken. 

So  hoch  sein  Degen  stieg,  so  hoch  stieg  auch  die  Krafl't, 

So  hoch  stieg  auch  der  Glantz  von  jeder  Wissenschafft. 

l'nd  dieses  ist  die  Art  von  allen  grossen  Helden. 
Wer  nur  nuf  Schlachten  sinnt  und  Weilsheit  unterdrückt, 

Muls  leiden,  dals  von  ihm  auch  einst  die  Bücher  melden, 
Dafs  er  sich  in  das  Feld,  nicht  auf  den  Tron  geschickt. 

Wer  auf  die  Klinge  trotzt,  pocht  nur  auf  Stahl  und  Eisen: 

Der  Fürsten  gröl'ste  Macht  ist  der  Verstand  der  Weisen. 

Jauchtz  denn  ihr  Musen,  jauchtz,  dals  bey  der  dicken  Nacht, 
Die  so  viel  Reiche  trifft,  euch  hier  die  Sonne  scheinet. 

Was  Londen  und  Paris  zu  Wunderwercken  macht. 
Was  jede  Grofses  schrieb,  wird  nun  allhier  vereinet. 

Ihr  forschet  die  Natur,  ihr  untersucht  den   Graufs 

Des  klugen  Altertliums,  ihr  legt  die  Sprachen  aus. 

Ach !  frngt  denn  dic^  Natur,   ol)  nicht  ein  Stein  zu  finden. 
Der  Unsrem  Friderich  die  Jahre  mehren  kani 

Laufft  die  Geschichte  durch  und  müht  euch  zu  ergründen, 
Ob  je  ein  Held  so  viel  als  dieser  Held  gethanl 

Und  wenn  ihr  Sprachen  wolt  in  Kunst  und  Regeln  bringen. 

So  lalst  in  jeder  auch  sein  wahres  Lob  erklingen! 

B.  Neukirch. 


109. 

(Vci'gl.  Geschiclite  der  Akademie  S.  174). 

Kurtze   Erzehlung    von    der    Stifft-    und    Einsetzung    der   Königlichen 

Preul'si sehen  Societaet  der  Wissen  schafften. 

[Im  Druck  erschienen  zur  Octoberuiesse   1 7 1 1 .] 

Gleichwie  alle  menschliche  Dinge  ingemein  nicht  besser  als  durch  gemein- 
same Hülffe  gefördert  werden,  also  hat  es  besonders  auch  an  dem  gelehrten  Wesen 
sich  geäussert,  dafs  solches  durch  vertrauliche  Zusammentuhung  vieler,  so  sich  zu 
einem  gemeinen  Zweck  vereiniget,  mercklicii  emporgekonnnen.  Die  Welschen  haben 
hiemit  vor  geraumer  Zeit  einen  löblichen  Anfang  gemacht  imd  durch  ihre  sogenannte 
Academien,  sonderlich  die  tlorentinische,  neben  andern  angenehmen  Künsten 
vornemlich  ihre  Landessprache  zu  einer  nicht  geringen  Liebligkeit  gebracht.  Ihnen 
sind  mit  gleichmäfsigem  Absehen  za  unser  Väter  Zeiten  die  Frantzosen  gefolget, 
indem  sie  die  also  benahmte  Academie  frangoise  oder  frantzösische  Sprach- 


206  1"9-    Erzählung  von  der  Stiftung  und  Einsetzung  der  Societät  (1711). 

e,esell.scliafft  unter  dem  vorigen  Könige  Ludwigen  dem  XIII.  aufgericlitet  und 
damit  nicht  geringeren  Nutzen,  denn  jene  geschaffet.  Bald  hernach  hat  in  Engel- 
land sich  eine  Gesellschaift  gelehrter  Leute  zusamnKMigethan ,  welche  ihnen  einen 
höheren  Zweck  vorgesetzet  und  die  Verborgenheiten  der  Natur  nebst  den  Geheim- 
nissen der  mathematischen  oder  Mefskünste  zu  erfoi'schen  vorgenommen  und  in 
folgender  Zeit  vermittelst  Königlicher  Begnadigungen  unter  dem  Nahmen  der  König- 
liclien  Engländischen  Gesellscliafft  diu-ch  schöne  Erfahr-  luid  Entdeckungen 
der  Welt  bekannt  worden.  Dergleiclien  ist  in  Franckreich  durch  eine  löbliche 
Rulimbegierde  des  Königes  mit  grossen  Nutz  des  gelehrten  Wesens  in  der  Aca- 
demie  Ro'iale  des  Sciences  oder  Königlichen  Gesellschafft  derWissen- 
schaften  nicht  allein  zu  Werck  gerichtet,  sondern  auch  in  eine  nähere  bestän- 
dige Vei'fassung  braclit  worden,  wozu  mit  der  Zeit  aucli  eine  Academie  des 
]M  e  d  a  i  1 1  e  s  e  t  I  n  s  c  r  i  p  t  i  o  u  s  oder  eigne  Ve  r  s  a  m  m  u  n  g  [sie]  wegen  sinnreicher 
Denkmüntzen  und  Uberschrifften  kommen,  welche  anjetzo  sich  fast  aiitf 
alle  zierliche  Gelehrsamkeit  erstrecket,  der  Academien  der  Baukunst,  auch  der 
Mahler,  Bildhauer  und  anderer  Künstler  niclit  zu  gedencken. 

Unser  Teutschland  hat  diesem  allem  nicht  müfsig  zugesehen,  sondern  theils 
durch  die  fruchtbringende  Gesellschafft,  (welche  noch  älter  als  die  frantzö- 
sisclie  Academie  selbst)  seiner  Landessprache,  theils  dui-ch  die  Kayserliche  Leopol- 
dinische  Gesellschafft  der  begierigen  Naturforscher  dem  Erkänntnifs 
der  natürlichen  Dinge  und  der  heilsamen  Artzneykunst  aufzuhcdften  und  sie  zu 
mehrer  Vollkommenheit  zu  ei'heben  getrachtet,  Avie  dann  der  rühmliche  Fleifs  derer, 
so  dazu  Hand  angeleget,  nicht  vergebens  gewesen,  sondern  mit  jedermanns  Ver- 
gaügen  in  Schrifl'ten  zu  Tage  lieget.  Was  nun  hej  allen  obigen  absonderlich 
Nützliclies  und  zu  Beförderung  der  vortref liebsten  und  angenehmsten  Wissen- 
schaft'teu  Zuträgliches  anzutreffen,  solches  findet  sich  gleichsam  wie  in  einem  Leib 
oder  künstlichem  Gerüst  miteinander  vereinbahret  bey  der  von  Seiner  König- 
lichen Majestät  Friderich,  dem  ersten  christlichen  Könige  in  Preussen.  in 
Dero  Hauptsitz  Berlin  gestift'teten  Societaet  oder  Gesellschafft  der  Wissen - 
schafften.  Dieser  Fürst,  der  vor  seiner  Königlichen  li^rhöhimg  schon  Königliche 
Gedancken  geheget,  hat  seine  Regierung  durch  so  viele  Denckwürdigkeiten  in  Kriegs- 
luid  Fi'iedeszeiten  vf)r  andern  dermassen  ausgenommen,  dafs  man  billig  geschick- 
teren Federn  überläfst,  dieselben  in  ihrem  gehörigen  Licht  der  itzigen  und  nach- 
kommenden Welt  für  Augen  zu  stellen.  Allein  wird  doch  soviel  erlaubet  seyn, 
derjenigen  kürtzlich  hie  zu  gedencken,  die  zu  Emporliebung  der  Gelehrsamkeit 
und  Künste  vornemlich  abgezielet.  Denn  da  finden  sich  ei'stlich  vor  die  Liebhaber 
der  ]Mahlerey-,  Bildhauerey-,  Bau-  und  zugehöriger  Künste,  die  Academie 
derselbigen,  so  in  hiesiger  Hauptstadt  im  Jahr  1691  [sie]  angeleget;  ferner  für  die 
L'nterweisung  der  Standes-  und  Adelichen  Jugend  in  denen  ihr  vornemlich  ziemenden 
Wissenschafl"ten .  auch  Gemüths-  und  Leibesübungen  die  Königliche  Fürsten-  und 
Ritter- Aca  demie  in  eben  diesem  Königlichen  Sitz  im  Jahr  1705.  gestiftet;  noch 
für  diejenigen,  so  in  den  höheren  W^issenschafi'ten  aufzusteigen  und  dadurch  zum 
Dienst  dei'  Kirchen,  des  Staats  oder  des  gemeinen  Lebens  sich  anzuschicken  ver- 
langen, die  bald  in  ihrem  Anfang  so  hochberühmte  Friederichs  Hohe  Schule 
zu  Halle,  die  ihre  feyerliche  Einsetzung  im  Jahr  1694.  begangen.  Alle  diese 
Stififtungen  sind  nüt  geschickten  Lehrern  und  Meistern  in  allen  ihren  unterschied- 
lichen Wissenschaö'ten,  Künsten  und  Übungen ,  nicht  minder  mit  reichen  Einkommen, 
ansehnlichen  Gebäuden  und  allem  dem,  so  nicht  nur  zur  Nohtdurfft.  sondern  auch 
zur  Zierde  und  zum  Ansehen  dienen  kau,  dermassen  versorget  und  wol  versehen, 
dafs  sie  als  unlaugbare  Denckmahle  von  der  bedächtigen  Vorsorge  und  grofs- 
mühtigen  JMildigkeit  des  Hohen  L"rhel)ers  herrlich  zeugen  und  auf  die  s])äte  Nach- 
welt ze«gen  werden. 


109.    Ei-zähluiig  von  der  Stilhing  nnd  Einsetzung  der  Societät  (1711).  207 

Noch  liaben  Seine  Königliche  [Majestät  sich  daran  nicht  begnügen 
lassen,  sondern  auch  vor  diejenigen,  so  in  der  gründlichen  Gelehrsamkeit  und 
ihren  Theilen  etwas,  so  hin  und  wieder  nocli  ermangelt,  ersetzen  und  zu  deren 
Verbe.sserung  oder  fernerem  Anwachs  ein  und  anders  beytragen  künten,  einen  Plan 
eröffnen  wollen,  der  ihnen  zu  Beweisung  ihres  löblichen  Eifers  um  das  Beste  des 
gelehrten  Wesens  freien  Raum  und  erspriefslichen  Beyti'itt  verschaifete.  In  solchem 
Absehen  haben  Dieselben  im  Jahr  1700.  eine  Königliche  Societaet  Scientiarum 
oder  Gesell  seh  äfft  zu  mehrer  Autlnahme  der  Wissenschafften  und  mit  der- 
selben gleichsam  einen  freyen  Marcktplatz  und  Niederlage,  wo  die  eintzeln  Schätze 
der  Kunst  luid  Wissenschafft  zusammengetragen,  oder  eine  gemeine  Werckstatt  an- 
geleget.  wo  mit  gesamter  Hand  an  derselben  Aufhelft-  tmd  Auszierung  gearbeitet 
werden  möge. 

Den  Aidafs  hi<'zu  hat  die  tlamnhls  obhandene  \'eränderung  des  Calenders  mit 
sich  bracht  und  zu  erwägen  Anlai's  gegeben,  weil  numehr  liey  den  Evangelischen 
das  ( "alenderwesen  auf  einen  anderen  Fufs  gesetzet  worden ,  zu  dessen  Aufrecht- 
haltung aber  dem  genonunenen  Regensburgischen  Entschlufs  gemäfs  geschickte  und 
in  der  Stei'nkunst  erfahrne  Leute  erfoi'dert  würden;  wie  Seiner  Königlichen 
INIajestät,  welche  so  viel  Länder  und  Provintzen  in  und  ausser  dem  Römischen 
Reich  besitzen,  billig  zukomme,  Dero  landesväterliche  Obsorge  auch  darüber  er- 
gehen zu  lassen,  dais  Dero  Unterthanen  und  zugleich  dem  gantzen  evangelischen 
Wesen  hierunter  beständig  gerahten  werde,  wobey  zugleich  fürkommen,  ob  nicht 
diese  Begebenheit  zu  einem  Mittel  werden  könne,  ein  Werck  von  grössei'er  W^ichtig- 
keit  anzulegen,  wenn  der  aus  einem  geschlossenen  Calenderverlag  etwa  abfallende 
Gewinn  ziu*  Aufi'ichtung  einer  Gesellschafft  mehrer  und  auch  auff  andere  Wissen- 
schaff'ten  abzielender  Personen  angewendet  Avürde. 

Dieser  Vorschlag  war  Seiner  Königlichen  Majestät  bey  gelegener  Zeit 
so  Itald  nicht  vorgetragen,  als  Dieselben  nach  Dero  erleuchtetem  Verstand  ermessen, 
was  für  vortrefflicher  Ruhm  auf  Sie  und  Dero  Regierung  und  was  für  vielfältiger 
Nutz  und  Vortheil  auf  Dero  Unterthanen  und  auff  das  gantze  gemeine,  absonder- 
lich aber  gelehrte  Wesen  daraus  fliessen  -würde.  Sie  Hessen  Ihnen  also  densellien 
sogleich  allergnädigst  gefallen  und  gaben  Befehl,  dafs  der  Stifftungsbrieff  im  Jahr 
1700.  eben  an  Dero  glücklichem  Geburtstage  ^  ausgefertiget,  zuvor  aber  ein  öffent- 
liches   Gebot '-^   wegen    des  Calenderverlags   in   alle  Dero  Lande   ausgelassen  wurde. 

]Merck würdig  ist,  dafs,  als  Seine  Königliche  Maj  es  tä.t  bey  Verlesimg  des 
P^ntwurff's  sothanen  Stififtungsbrieffs  Avargenommen ,  wasmassen  der  Teutschen  Sprache 
imd  vatei'ländischen  Geschichte  darin  nicht  ausdrücklich  erwehnet  worden ,  Dieselbe 
aus  eigener  Bewegung  darauff  gefallen  und  dieses  als  ein  besonderes  Hauptstück 
der  vorgegebenen  Ai-beit  demselben  deutlich  eingerücket  wissen  wollen.  Allermassen 
.solches  ferner  in  der  besonderen,  der  Societaet  ertheilten  Weisung  oder  Instruc- 
tion mit  mehrerm  ausgedrucket  und  in  der  vorgeschriebenen  Einrichtung^  wie- 
derholet worden. 

Solchergestalt,  wie  obige  Verschreibungen,  so  theils  hie  hinten  angehängt 
werden,  mit  mehrerm  darlegen,  haben  Seine  Königliche  Majestät  in  dieser 
Dero  Gesellschafft  der  Gelehrsamkeit  diejenigen  Objecten  oder  Gegenstände 
vereiniget,  womit  alle  andere  in-  imd  auswärtige  Gesellschaff"ten  verschiedentlich 
beschäft'tiget  sind,  aber  noch  eines  und  zwar  das  allerwichtigste  hinzugethan,  so 
anderswo  nie  dabey  gefüget  worden,  indem  sie  derselben  nicht  nur  das  Nach- 
fcn'sclien    in    denen    die    Natur    und    Artznevkunst    betreffenden    Dingen    zusamt    der 


1  Sie  sind  gebobreu  den  11.  Julii  1657. 

2  Den  10.  May  1700,  so  aber  luiterm  24.  Aug.  1702  wiederbolet  und  erläutert  worden. 
2    Den  3.  Junii  17 10. 


208  1"^-    Erzälihiiig  von  der  Stittung  und  Einsetzung  der  Socictiit  (1711). 

Ausüliung  und  Beobachtung  der  INIefs-,  Stern-,  Werck-  inid  übrigen  AVifskünste 
nnd  Kunstwercke  nach  dem  Beyspiel  der  gelehrten  Gesellschafften  zu  Londen  und 
Paris  und  der  Naturforscher  in  Teutschland,  sowol  als  die  Ausarbeitung  der  Landes- 
sprache, wovon  die  frantzüsische  und  welsche  Academien  und  fruchtbringende  Ge- 
sellschafft bey  uns  ihr  eignes  luid  alleiniges  Werck  gemacht,  sondern  auch,  und 
zwar  über  alles,  die  Anwendung  der  Morgenländischen  Sprachen,  ja  des  gantzen 
Wissenschaffts-  und  Kimstwesens  zu  einem  gar  gottseligen  und  nach  seiner  Würde 
die  andern  weit  übertreffenden  Zweck  aufgegeben.  Damit  man  dermahleins  dem- 
jenigen, so  ehemahls  in  Italien  und  anderswo  und  unlängst  mit  besser  Erkänntnifs 
in  Grofs-Britannien  zur  Fortptlantzung  des  Christen thums  angefangen  worden,  unsers 
Orts  nicht  nachzugeben  habe  inid  dergestalt  das  wahre  Hauptabsehen  der  Gelehr- 
samkeit deren  Societaet  selbst  einverleibet  sehe,  welches  alle  evangelische  Wohl- 
gesinnete  zu  gewissem  Beytritt  oder  Beyhülffe  ermuntern  kan. 

Diesem  zufolge  wurde  nach  einem  Haupt,  welches  einem  so  weitläuffigem 
Werck  gewachsen  und  dem  aus  so  mancherley  Gliedern  bestehenden  Leib  das 
Leben  und  die  Bewegung  zu  geben  geschickt  wäre,  umgesehen  und  solches  in  der 
Person  des  Herrn  Gottfried  Wilhelms  von  Leibnitz,  Königlichen  Preulsi- 
schen  und  Churfürstlichen  Braunschweig -Liuieburgischen  Geheimen  Rahts.  an- 
getroffen. Dieser  wegen  seiner  unbeschränckten  Erkänntnifs,  bewährten  Erfahrung, 
reiffen  Verstandes,  tieffen  Nachsinnens  und  durchdringenden  Scharffsinnigkeit  weit- 
berühmte, in  dem  gelehrten  Reich  billich  hochangesehene  und  mit  Recht  für  vielen 
anderen  bewunderte  INIann  hat  wie  sonst  zu  mehrmahlen,  also  auch  hier  um  das 
gemeine  Beste  sich  verdienen  wollen  und  die  ihm  so  würdig  angetragene  Stelle 
ebenso  willig  angenommen,  Avie  dann  fast  alles  mit  ihm  gleich  Anfangs  überleget, 
verschiedenes  auch  von  ihm  an  Hand  gegeben  worden,  und  er  nach  vernommener 
Königlichen  P^ntschliessung  sich  unverweilt  nach  Berlin  erhoben  und  alda  das  vor- 
habende Werck  mit  seinen  erspriefslichen  Rahtschlägen  zu  fassen  und  einzuricliten 
nicht  wenig  beygetragen,  demselben  auch  von  solcher  Zeit  an  rühmlich  vorstehet, 
wiewol  wegen  seiner  anderweit  obliegenden  Verrichtungen  (>r  nui'  zu  gewissen 
Zeiten  hie  persöhnlich  zugegen  sein  kan. 

Hiernegst  war  man  auf  einen  wohlgeübten  und  erfalirnen  Stei-nkündigen 
bedacht,  dem  die  Verfassung  der  jährlich  nöhtigen  Calender,  wie  nicht  weniger  die 
Beschautmg  der  Sternläuffe  anvertrauet  werden  möchte.  Hiezu  wurde  der  in  solcher 
Kunst  vorlängst  rühmlich  bekannte  und  von  vielen  Jahren  her  geübte  Herr  Gott- 
fried Kirch  ersehen  luid  auft"  Königlichen  Befehl  durch  eine  eigne  ßestallimg 
anhero  l)eruffen ,  welcher  auch  von  Guben  sich  hieher  begeben  und  die  Zeit  über 
an  seinem  Theil  dem  ihm  aufferlegten  Amt  mit  allem  Fleifs  völlige  Genüge  geleistet, 
wie  die  davon  öffentlich  dargelegte  Zeugnisse  es  genugsam  bestäi'cken;  wiewol  er 
das  Glück  nicht  gehabt,  die  völlige  und  endliche  Einrichtung  des  angefangenen 
Wercks  zu  erleben,  inmassen  er  nach  Gottes  Willen  im  Julio  des  nächstvergangenen 
Jahres  durch  den  zeitlichen  Tod  aus  diesem  Leben  abgefordert  worden. 

Immittelst  wurde  an  dem  ansehnlichen  Gebäu  auf  der  Dorotheenstadt,  welches 
dazu  gewidmet,  dal's  es  der  Gesellschaft  zu  ihrem  Sitz  und  Behältnis,  zugleich 
aber  als  ein  Schaugerüst  zur  Betrachtung  des  Himmels  dienen  solte,  gearbeitet, 
und  solches  auf  Königliche  Kosten  zu  seiner  erforderten  ziemlichen  Höhe  nach  und 
nach  aufgeführet,  Aviewol  solcher  Bau  von  Zeit  zu  Zeit  nach  denen  verschiedenen 
Vorfälligkeiten,  absonderlich  bey  dem  bald  hernach  ausgebrochenen  tmd  noch  vor- 
währenden allgemeinen  beschwei'lichen  Krieg  einigen  Anstand  erlitten  und  etwas 
später,  als  der  Vorsatz  gewesen,  zur  Vollkommenheit  gedeihen  mögen. 

Solche  Verweilung  hat  unter  andern  auch  dieses  Ungemach  mitgeführet,  dafs 
in  Ermangelung  eines  bequemen  Orts  zu  ordentlichen  beständigen  Zusammenkünfften 
und  LTnterredungen  der  Gesellschaff'ter  nicht  füglich  zu  gelangen  gewesen. 


109.  Erzäliluiig  von  der  Stiftung  und  Einsetzung  der  Societät  (1711).  209 

Noch  dennocli  hat  man  niclit  unterlassen,  soviel  vor  der  Hand  möglich  gewesen, 
dem  Vornehmen  nachznsetzen.  Wie  denn  eine  ansehnliche  Zahl  vornehmer  Gelehi-ten 
in  und  ausserhalb  Teutschlandes  dieser  Gesellschati't  beyzutreten  ilmen  gefallen 
lassen ,  wie  aus  dem  hinten  befindliclien  Verzeichnis  zu  ersehen.  Einige  derselben 
liaben  auch  vortrelfliche  Proben  ihres  Fleisses  dargeleget  und  etwas  beygetragen, 
daiaus  unlängst  ein  Versuch  unter  dem  Titel  der  Miscellaneoriun  Societatis  Scien- 
tiarum  ad  incrementum  scientiarum  das  Licht  gesehen,  welcher,  naclidem  daraus 
das  wahre  Absehen  der  Societaet  erhellet,  zu  einer  Anleit-  und  Ermunterung  dienen 
kan  denjenigen,  so  ihren  eigenen  Ruhm  und  den  gemeinen  Nutzen  zu  befördern 
Lust  und  Vermögen  bey  sich  befinden. 

.So  liaben  auch  Se.  Königl.  Maj  estät  Dero  Königliche  Milde  nicht  gesparet 
imd  unter  andern  der  Gesellschafft  ertheilten  Wolthaten  zu  Erkaiiffung  eines 
Hofts  und  Wohnungen  zu  ilu'em  Gebrauch  und  Besitz  Befehl  ertlieilet,  anderer 
Begnadigungen  und  Privilegien  zu  geschweigen. 

Nachdem  nun  endlich  vorgedachter  Bau  diu'ch  allei'mildesten  \'orschub  des 
allergnädigsten  Urhebers  vollführet  und  in  brauchbaren  Stand  gesetzet  worden,  also 
nichts  mehr  übrig  gewesen,  als  die  letzte  Hand  an  das  Werck  zu  legen  und  die 
Gesellschafft  in  ordentlichen  Gang  derer  ihr  vollgeschriebenen  Verrichtungen 
zu  bringen,  so  haben  Se.  Königl.  Majestät  nicht  nur  als  Stiflfter,  sondern  auch 
als  oberster  Beschirmer,  wie  Sie  also  sicli  selbst  zu  nennen  beliebet,  allergnädigst 
geruhet,  dieses  Geschafft  mit  Dero  jährlichem  Ki'önungsfest  genau  zu  verbinden 
und  Dero  würcklichem  Geheimen  Staatsraht,  Schlofshauptmann.  Leims -Directori  und 
Consistorial-Praesidenten,  des  Herrn  von  Printzen,  Excell.,  als  der  Societaet 
allergnädigst  verordneten  höchstansehnlichen  Protectori  die  Ausrichtung  aufzutragen. 

Deme  ztifolge,  nachdem  vorher  die  hie  anwesenden  Glieder  sich  zusammen- 
gethan,  in  die  verordnete  vier  Classes  oder  Abtheile:  das  pliysical-medicinische, 
das  mathematische,  das  der  Teutschen  Sprach-  und  Geschichtforschung  und  das 
der  übrigen,  sonderlich  Morgenländisclien  Wissenschafft-  und  Sprachkunde  gewidmete, 
vertheilet,  auch  bey  einem  jeden  nach  der  Königlichen  Verordnung  einen  Director 
oder  Worthaltei',  nemlich  bey  dem  ersten  den  Königlichen  Geheimen  Raht  und 
ersten  Leib- Medicum,  Herrn  Krug  von  Nida,  bey  dem  zweiten  den  Königlichen 
Raht  und  Archivarium  Herrn  Chuno,  bey  dem  dritten  den  auch  Königlichen  Raht 
und  Bibliothecarium  Herrn  Schott  und  bey  dem  vierten  den  Königlichen  ersten 
Hofprediger  Herrn  D.  Jablonski,  aus  diesen  aber  ferner  den  Vice- Praesidem 
erwehlet  haben  am  A'ergangenen  19.  Januar,  dieses  171 1.  Jahres,  als  den  Tag 
nach  der  Königlichen  Krönungsfeyer,  da  an  dem  Morgen  die  gewöhnliche  Ver- 
sammlung der  Ritter  des  Königl.  Ordens  des  schwartzen  Adlei's  und  Aufnehmung 
einiger  neuen  Ritter  vorgegangen,  hochdachte  Se.  Excell.  Nachmittage  um  drey 
Uhr  sich  nach  dem  Observatorio  oder  Schauburg  erhoben,  alwo  sie  von  denen 
versammleten  hie  anwesenden  INIitgliedern  bey  dem  Aussteigen  empfangen  und  die 
Stiegen  hinauf  in  den  Saal  geführet  worden,  welcher  nach  Gelegenlieit  hiezu  ge- 
ziemend aufgeschickt  sich  befunden. 

Se.  Excell.  nahmen  Dero  Ort  hinter  der  mitten  im  Gemach  stehenden  Tafel, 
alwo  vor  dieselben  ein  Sessel  gestellet  und  vor  ilinen  auf  der  Tafel  die  Sclilüssel 
zu  denen  der  Gesellschafft  gewidmeten  Gebäuden  nebst  denen  verordneten  Sie- 
geln geleget  gewesen,  welche  Sie  mit  einer  zierlichen  Rede  dem  Mce-Praesidi  der 
Societaet,  w'eil  der  Praeses,  vorgedachter  Herr  von  Leibnitz,  wegen  seiner  ander- 
weiten Geschaffte  nicht  zugegen  seyn  können,  ül^erreichet,  dieselbe  hiemit  sowohl 
in  den  Besitz  sothaner  Gebäude,  als  in  den  Antritt  der  ihr  aufgegebenen  Arbeit 
feyerlich  zu  setzen  und  anzuweisen. 

Der  Vice- Praeses,  voritzo  der  auch  vorgedachte  Herr  D.  Jablonski,  so  zur 
Rechten  des  Gemachs  an  der  Wand  und  nach  ihm  die  Mitglieder  zu  beeden  Seiten 

Geschichte  der  Akademie.    II.  14 


210  1^0-  FniscH  an  Leidniz  (12.  Januar  1711). 

ihren  Stand  und  Sitz  gehabt,  beantwortete  Se.  Excell.  mit  einer  geschickten  Gegen- 
rede, worauf  die  in  einem  Kästlein  am  untern  Ende  der  Tafel  stehende  silberne 
Schaustücke,  auf  deren  forderen  Seite  das  Königliche  Brustbild  mit  gewöhnlicher 
Umschrift't.  auf  der  hinderen  das  Sinnbild  der  Gesellschafft,  so  zugleich  ihr  zum 
Siegel  verordnet:  ein  gegen  das  Sternbild  des  hinunlischen  Adlers  sich  aufschwin- 
gender Adler  mit  dem  Spruch  Cognata  ad  sidera  tendit  und  in  dem  Absclmitt  Socie- 
tas  Scientiarum  Regia  fundata  Berolini  Optimi  Principis  natali  XLIV.,  zu  sehen,  durch 
den  Secretarium  der  Societaet  erstlich  Sr.  Excell.  und  folgends  den  andern  Mitgliedern 
nach  einander  gereichet,  wie  nicht  weniger  ein  von  dem  Professoi-e  elegantiorum 
literarum  bey  der  Königlichen  Fürsten-  und  Ritter- Academie  allhie,  Herrn  Neu- 
kirchen,  auf  diese  Fever  verfertigtes  sinnreiches  Gedicht  ausgetlieilet,  und  letzlich 
Se.  Excell.,  so  wie  Sie  bey  der  Ankunflft  em])faiigen,  bey  dem  Abschied  wieder  an 
Dero  Wagen  geleitet  worden. 

Durch  solche  öffentliche  Niedersetzung,  welche  in  zahlreicher  Gegenwart  derer, 
so  derselben  beyzuwohnen  beliebet,  mit  männiglichs  Vergnügen  vollzogen  worden, 
hat  endlich  diese  Gesellschaft  die  längstgewünschte  Gestalt  und  mehrere  Fähig- 
keit erlanget,  demjenigen  zu  obliegen,  was  ihr  Zweck  und  die  Vorsclu'iff'ten  ihres 
grofsmächtigsten  Stiflfters  von  ihr  erfordern,  allermassen  von  solcher  Zeit  an  die 
Versammlungen  in  der  eingerichteten  Ordnung  fortgesetzet  werden,  von  deren  Aus- 
richtung in  Zukimft't  die  gelehrte  Welt,  ob  Gott  will,  nicht  unangenehme  l'rüchte 
zu  hoften  hat. 

110. 

(Ver^l.  Gi'ScliichtL-  der  Akademie  S.  175). 

Aus    FRiscHens    Brief  an    Leiüxiz    vom    12.  Januar   17 ii. 
[PASCHER,  Fniscnens  Briefwechsel  mit  Leibniz  S.  32  f.] 

HochEdler  pp.  Dafs  Ew.  Excell[enzj  mich  bey  dem  H[errn]  von  Prinzen 

recommendiren  und  mich  zu  denen  (Qualitäten,  die  Sie  mir  in  der  Recommendation 
beylegen,  geneigt  aufmuntern  wollen,  erkenne  ich  mit  allem  gehörigen  Respect  und 
versichere,  dafs  ich  eifferigst  bemühet  seyn  werde,  mich  solcher  Affection,  durch 
welche  ich  auch  bey  einem  solchen  grofsen  Königl[iclien]  Minister  bekannt  werde, 
nicht  unwürdig  zu  machen.  Ich  werde  ein  Stündlein  ablauern,  demselben  meine 
Aufwartung  abzustatten.  Den  4.  December  war  die  Societät  auf  dem  Observatorio 
heysammen.  Es  wurde  die  neue  Verordnung  ausgetheilt  und  ein  jedes  Departement 
wehlte  einen  Directorem.  Es  wurde  vorher  eine  Eintheilung  lierum  geschickt,  da 
sich  ein  jedes  Membrum  unterschreiben  mufste,  in  welchem  Departement  es  mitzu- 
arbeiten beliebte.  Herr  Krug  war  nicht  dabey,  ist  aber  doch  in  der  Classe  Medica 
und  Physica  zum  Director  gewehlt  worden.  Es  kamen  auch  zwey  neue  Membra 
mit,  als  H[err]  Hofprediger  Achenbach  und  H[err]  Dr.Volkmann,  Rector  im  Jochim- 
thal[schen]  Gymnasio.  Die  Franzosen  fielen  im  3.  Departement,  nemlich  in  der 
Cultur  der  teutschen  Sprach  und  teutschen  Historie  auf  den  H[errn]  Rath  Schott 
und  überstimmten  die  Andern  mit  ihren  Votis.  weil  er  ihnen  wegen  der  französischen 
Sprach  besser  an  die  Hand  gehen  könne.  In  Summa:  weil  die  Societät  nocli  in 
infantia  ist  .oder  dieselbe  kaum  verlassen,  so  passirten  auch  bey  einigen  Umständen 
solche  Dinge,  die  dieses  Alter  zu  haben  pllegt.  Die  Herrn  Directores  wehlten  her- 
nachmahls  den  H[errn]  Hoffpi-ediger  Jablonski  zum  ersten  Vicepraesidenten  in  einer 
sonderbahren  Zusammenkunfft.  In  diesem  Neuen  Jahr,  zu  dessen  glücklichen  Anfang 
Ew.  Exc[ellenz]  hiemit  gebührend  gratulire  und  alle  fernere  Prosperität  anwünsche, 
ist  die  Societät  wider  beysammen  gewesen,  da  ihr  dann  das  Inaugurations-Regiement 
vorgelesen  wurde,  welclie  den  Tag  nach  dem  Crönungs  -  Gedächtnüs  geschehen  soll. 
Es    wurde  auch  resolvirt,    [an]  welchem  Tag  wöchentlich  die  Conferenzen  künfftig 


111.   112.  Briefe  der  Kurt'iirstia  Sophie  und  LEiBNizens  (März  1711).  211 

sollen  angestellet  werden  und  wurde  der  Donnerstag  beliebt.  Der  H[err]  Hof- 
pred[iger]  Jablonski  unterliels  nicht,  Ew.  Exc[ellenz]  honorificentissime  zu  gedencken 
und  Dero  Gegenwart  zu  wünschen,  worinnen  ihm  alle  beyzufallen  Ursach  hatten. 
Es  erwehnte  H[err]  Jablonski,  dal's  der  Cronprinz  ehmals  versprochen,  seine  mathe- 
matische Instrumenta,  deren  er  einen  ganzen  Kasten  voll  hatte,  der  Societät  zu 
geben,  wann  er  würde  sehen,  dafs  etwas  darinnen  gethan  würde.  Allein  ich  hab 
diesen  Kasten  schon  bey  dem  H[errn]  Hauptmann  Bossen  gesehen ,  welchem  der 
Cronprinz  denselben  zur  neuen  Cadettenacademie  zu  Magdeburg  vei^ehrt;  ist  also 
dieses  schöne  Praesent  versäumt  worden. 

Es  ist  nicht  allein  der  H[err]  Obermarschall ,  sondern  auch  der  H[err]  Ober- 
kammerherr von  hiesigen  Hort"  weg,  doch  nicht  auf  einerley  Weise  .  .  . 

111. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  178'). 

Brief  der    Kurfürstin    Sophie    an    Leibniz   vom    11.  März   171 1. 
[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    9.  Bd.  S.  324  f.] 

J'ay  receu  votre  lettre  de  Brunsvic,  et  je  Tay  lue  ä  l'Electeur  auquel  vous 
auriez  mieux  fait  de  vous  adresser  vous-meme;  car  il  a  ri  de  la  chute  que  vous 
avez  faite,  et  d'avoir  inieux  aime  d'estre  ä  Berlin  qu'icy,  car  ce  ne  sont  pas  les 
pieds  que  l'on  estime  le  plus  en  vou.s,  mais  la  teste.  Cependant  nous  sommes  bien 
aises  que  Tun  qui  soutient  l'autre,  est  ä  present  gueri,  comme  Madame  la  Princesse 
Royale  le  mande,  et  peutestre  que  la  chüte  que  vous  avez  faite,  cache  un  peu  la 
goutte  qui  vous  tient  au  lit.  Mad.  de  Sassetot  nie  mande  qu'elle  espere  que  la  guerre 
de  Hildesheim  sera  bientost  finie.  Nous  n'en  savons  point  icy.  On  est  entre  en  Peine 
et  en  Hildesheim  sans  coup  ferir,  et  les  bourgeois  sont  impatients  qu'on  ne  veut 
pas  leur  faire  prester  le  serment  k  l'Electeur.  Ils  sont  ravis  qu'il  est  en  estat  de 
leur  rendre  justice.  II  est  vray  que  le  Roy  de  Prusse  s'est  oifert  ä  faire  rendre 
justice  aux  chanoines,  mais  ce  que  la  maison  de  Brunsvic  peut  faire  elle-meme, 
eile  n'a  pas  besoin  d'un  troisieme  pour  cela.  Cependant  il  semble  que  S.  M.  est  mal 
satisfaite  et  croit  ä  ce  qu'on  dit  que  vous  estes  ä  Berlin  jiour  espionner,  quoyque 
nous  ne  sommes  pas  curieux  des  affaires  d'autruy. 

3Iadame  la  Duchesse  d'Orleans  voudroit  bien  avoir  les  medailles  que  vous 
trouverez  marquees  sur  le  papier  que  je  vous  envoye,  et  oü  je  ne  connois  rien. 
Je  vous  prie  de  vous  enquerir  si  l'antiquaire  du  Roy  les  connoist,  et  si  on  les  pouvoit 
trouver.    Je  serois  ravie  de  les  payer  et  de  les  luy  envoyer.    S. 

11-2. 

(Vergl.  Geschichte  der  Atadcniie  S.  178). 

Aus    dem    Schreiben    von    Leibniz    an    die    Kurfürstin    Sophie 

vom   21.  März   171 1. 

[Klopp,  Die  Werke  von  Leibniz.    9.  Bd.   S.  326  f.] 

....  II  est  vray  qu'il  y  a  eu  des  gens  qui  ont  insinue  au  Roy,  que  je  venois 
icy  pour  les  aff"aires  courantes.  Mais  j 'espere  que  sa  M'^^  en  sera  mieux  informee  pre- 
sentement,    et  je  me  moccjue  des  insinuations  destruites   par  l'evidence  des  choses. 

Je  voudrois  cpie  mon  mal  eüt  ete  la  goutte,  j'en  aurois  ete  quitte  en  peu  de 
jours.  Mais  la  playe  ä  la  jambe  n'est  pas  encor  entierement  guerie.  Et  avanthier 
un  des  Medecins  du  Roy  in'est  venu  voir.  et  in'a  marque  obliquement  qu'il  seroit 
bien  aise  de  voir  le  mal,  apparemment  pour  en  faire  rapport.     Car  j'ay  l'honneur 

1    lu  der  ersten  Annierkung  ist  dort  Nr.  1 11  — 113  zu  lesen. 

14* 


212  113.    Die  Kurfürstin  Sophie  an  Leibniz  (25.  März  1711). 

de  faire  croire  malgre  nioy,  et  malgre  Teffect,  qu"il  y  a  du  luystere  dans  mon  sejour. 
Cependant  je  ne  voy  que  des  gens  des  sciences,  et  ne  parle  d"autre  chose.  Je  tra- 
vaille  ineme  icy  ä  nies  recherclies  Historiqties,  voyant  pliisieurs  livres  icy,  qui  ne 
sont  ny  a  Hanover  n}-  ä  Wolfenbutel ,  et  ayant  receii  de  gros  pa({uets  de  Modene, 
sur  les  ancetres  Italiens  de  la  ^Nlaison  de  Bronsvic.  Je  travaille  :i  un  gi-and  nonibre 
de  remarques  et  eclaircissemens ,  partie  pour  donner  des  inforinations,  et  partie 
pour  en  recevoir.  Ainsi  il  ne  faiit  point  niesurer  mes  travaux  ])ar  mon  sejour  a 
Hanover  .... 

113. 

'   ■  (Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  178). 

Aus    dem    Brief  der    Kurfürstin    Sophie    an    Leibniz 

vom    25.  März   1711. 

[Klopp,  Die  Weri^e  von  Leibniz.    9.  Bd.  S.  328.] 

Je  suis  fachee  que  vostre  playe  ä  la  jambe  vous  donne  encore  de  rinconi- 
niodite,  et  que  je  ne  vous  verray  pas  si  tost  de  retour.  11  semble  que  vostre 
voyage  a  este  malheureux  de  toutes  les  manieres,  puisqu'ä  Berlin  on  vous  a  pris 
pour  un  espion.  et  qu'icy  on  prend  en  mauvaise  part  que  vous  estes  parti  saus 
avoir  demande  si  le  maistre  en  estoit  content  et  n'avoit  point  d'autres  ordres  ä  vous 
donner.  Je  ne  voy  aueun  signe  d'ailleurs  qu'on  prend  garde  icy  avec  ijui  vous  con- 
verses.  On  est  fort  seur  de  vostre  fidelite;  aussi  on  ne  comprend  point  icy.  pour- 
quoy  le  Roy  de  Prusse  est  fache  contre  l'Electeur  de  ce  qu'il  fait  ce  qu'il  est  oblige 
de  faire  selon  la  paix  de  Munster. 

114. 

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  179). 

Leibniz    an    den    König    Friedrich  L    (vom    Ende    3Iärz    17 ii). 
[Klopp,    Die  Werke  von  Leibniz.   ig.  Bd.  8.  446 IV.] 

Allergnädigster  König  und  Herr.  Habe  mich  zuvörderst  allerunterth.änigst  zu 
l)edanken.  dafs  E.  K.  M.  mir  eine  absonderliche  Audienz  verstatten  wollen,  habe  aber 
noch  dabey  zu  bitten,  dafs  Sie  mir  in  Gnaden  erlauben  wollen,  zweierley  vorzu- 
tragen, deren  das  eine  mich,  das  andere  die  von  E.  ^I.  fundirte  Societät  betrifft, 
und  kan  ich  von  dem  Meinigen  nicht  abstrahiren,  weil  ich  ohne  dasselbe  nicht  in 
Stand  noch  Credit  seyn  würde,  solcher  Societät  mit  Nutzen  vorzustehen.  Nehmlichen, 
Allergnädigster,  ich  kan  nicht  sagen,  mit  was  für  Verwunderung  und  Schmerzen 
zugleich  ich  vernehmen  müssen,  dafs  man  bei  E.  M.  micli  in  Verdacht  setzen  wollen, 
als  ob  ich  wegen  Absehen  des  Hanöverischen  Hofes  bei  gegenwärtigen  Conjunc- 
turen  hieher  konmien.  Nun  kan  ich  zuvörderst  alhier  vor  E.  M'-  mit  Gott  bezeugen, 
dafs  an  dergleichen  wedei'  bey  dem  Hanöverischen  Hofe  noch  von  mir  im  geringsten 
nicht  gedacht  worden;  ich  kann  auch  defsen  allen  genügsamen  Beweifs  haben,  indem 
i)  ich  von  Hanover  abgereiset  nach  der  Braunschweiger  Messe,  ehe  die  Nova  im 
liildesheimischen  vorgangen;  2)  man  in  Hanover  von  meiner  Reise  nach  Berlin 
kein  Wort  gewust,  und  ich  selbst  mich  erst  in  Braunschweig  auf  erhaltene  Briefe, 
dafs  meine  Gegenwai't  alhier  nöthig  geachtet  ^verde,  auch  zuinahl  wegen  damahls 
annoch  guthen  und  harten  Wetters  dazu  entschlossen,  und  kan  icli  die  ininute  des 
Briefes  j^roduciren,  den  ich  wegen  meiner  Resolution  an  die  Chtirfürstin  geschrieben, 
welche,  da  nöthig,  allezeit  bezeugen  wird,  dafs  sie  einen  solchen  Brief  von  mir 
erhalten. 

Die  Sach  auch  (wie  niicli  bedihicket)  hat  keine  Apparenz:  denn  Hanover  hat 
ja    ein    Ordinari  Ministerium,    welches    Fug   und   Macht    hat,    von    den   Sachen    zu 


114.  Leibniz  an  den  König  (Ende  März  1711).  213 

spreclien,  auch  die  Leute  und  Umbstände  befser  kennet  als  ich,  daher  ich  nicht 
sehen  kan,  was  ich  hierinn  thun  kündte.  Zum  Spioniren  mich  gebrauchen  zu  Lnfsen, 
ist  gar  nicht  mein  Genius,  und  was  ich  thue,   del'sen  darflf  ich  mich  nicht  scheuen. 

Ich  habe  vielfältig  herumb  gedacht,  was  Gelegenheit  geben  könne,  solche 
Impressiones  von  mir  zu  erwecken,  und  kan  ich  nichts  anders  finden,  als  dafs  ich 
vor  diesem  bey  einigen  Ministris  E.  M*-  bezeiget,  wie  sehr  mir  leid,  wegen  gemeinen 
besten,  sondei'lich  des  evangelischen  Wesens,  dafs  E.  Mt.  mit  dem  Haus  Braun- 
schweig in  Zwistigkeiten  stünde,  und  dafs  mich  bedünckte,  wenn  beyde  Theile 
einig,  sie  ihr  wahres  Interesse  befördern,  und  bey  gegenwärtigen  Conjuncturen  alles 
was  immer  thunlich  und  billig,  liey  dem  Kayser  und  römisch  gesinneten  Potenzen 
werden  erhalten,  daher  ich  vielleicht  aus  angebohrner  Sincerität  und  treu  gemeintem 
Rath  beygefügt  habe,  was  mich  (der  die  Personen  und  Sachen  kennet)  bedüncke, 
dafs  etwa  zu  Aufhebung  solcher  Differenzen  beiderseits  zu  thun,  und  wodurch  viel- 
leicht solche  ohne  Noth  vermehret  und  fomentiret  worden.  Und  wiewohl  ich  dafür 
gehalten,  dafs  beyderseits  ein  Temperament  nöthig,  so  kan  doch  wohl  seyn,  dafs 
man  E.  M.  nur  dasjenige  vorgebracht,  was  ich  hiesigen  Orths  vertraulich  und  wohl- 
meynend  erinnert,  mich  aber  dadurch  in  Verdacht  gesezet,  als  ob  ich  E.  M.  Interessen 
zugegen,  dahingegen  manche  Leute  mich  zu  Hanover  für  allzu  berlinisch  gehalten, 
wenn  mit  einem  rechten  und  wie  ich  vermeyne  wohlgegründeten  Eifer  bey  Ge- 
legenheit E.  M.  Actiones  und  Consilia  gelobet  und  defendirt,  als  in  specie  die  Erb- 
pachtungen und  viel  Anderes ,  so  einige  übel  Berichtete  tadeln  wollen.  Zu  geschweigen 
was  ich  ausführlich  vor  E.  Mt.  jura  in  der  Oranischen  Succession  aufgesezet  und 
dero  Ministris  communiciret,  wovon  sie  einigen  Staat  zu  machen  bezeiget,  und  habe 
ich  dabey  einige  monita  gethan,  deren  neglectus  vielleicht  E.  M.  Interessen  nicht 
wenig  geschadet,  wie  ich  zu  einer  andern  Zeit  ausführen  köndte. 

Und  damit  E.  M.  befser  das  Innere  meines  treuen  Gemüthes  sehen,  so  muss 
derselben  allerunterthänigst  vorstellen ,  dafs  nachdem  mir  Gott  die  Gnade  geben,  in 
den  Wifsenschafften  nicht  wenig  zu  entdecken ,  wie  Solches  allen  Gelehrten  in  Europa 
bekand,  ich  alles  mein  Trachten  darauf  gesezet,  wie  ich  die  Ehre  Gottes  und  das 
menscidiche  Beste  ferner  durch  die  Wifsenschafften  befördern  möchte,  und  weil  ich 
gesehen,  dafs  fast  kein  Potentat  in  Teutschland  anjezo  mehr  dazu  incliniret  und 
bequem  [sie]  als  E.  M.,  habe  ich  daher  sonderliche  Devotion  zu  E.  M.  geschöpfet,  und 
ei'stlich  vor  etwa  1 1  Jahren  den  Vorschlag  der  Calender  gethan ,  dadurch  man  in 
Stand  gesezet  worden,  die  Societät  anzufangen,  habe  auch  ferner  den  Vorschlag 
wegen  des  Seidenwesens  ins  Mittel  bracht,  defsen  Nuzen  sich  nun  zu  zeigen  be- 
ginnet, und  andere  Begnadigung  von  E.  M.  vor  die  Societät  erhalten,  worüber  E.  M. 
zweifelsohne,  dei-o  liohem  Worth  nach,  bestendigst  halten  wird.  Damit  nun  auch 
der  Welt  etwas  zeigen  köndte,  habe  ich  vor  ein  baar  Jahren  her,  nehmlich  seither 
ich  abwesend  von  hier  gewesen,  ebensoviel  gearbeitet,  als  ob  ich  gegenwärtig  ge- 
wesen wäre,  und  es  dahin  gebracht,  dafs  das  erste  Sj^ecimen  von  der  Königl. 
Societät  unter  dem  Nahmen  Miscellaneorum  Berolinensium  herausgegeben  und  E.  M, 
dedicii-et  worden.  Lmd  mit  was  Applausu  Solches  bey  exteris  und  selbst  bey  den 
Franzosen,  die  doch  jezo  mit  uns  in  Feindschafft,  auffgenommen  worden,  können 
E.  M.  schon  aus  dem  parisischen  Journal  des  Savans  sehen,  welches  unter  Direction 
des  Abbe  ßignon ,  so  des  Canzlers  Pontchartrains  Schwester -Sohn  und  in  hohen 
Chargen  stehet,  herauskommt,  alda  auch,  welches  von  Consequenz,  man  E.  ]NL 
Societät  den  Titel  einer  Societe  Royale  beyleget,  da  sonst  Fi'anckreich  sich  noch 
nicht  resolvii-t,  E.  iNI.  Krone  publice  zu  erkennen,  also  denn  dafs  diese  Gelegenheit 
unserer  Societät  vielleicht  unter  den  Ersten,  da  man  in  einer  publice  autorisirten 
Schriff't  in  Frankreich  dergleichen  gethan, 

Hieraufs  seilen  E.  M.,  ob  ich  in  der  Societät  Sachen  müfsig  gangen,  und  ob 
man  nicht  gestehen  mufs,  dafs  aufser  der  Observationum  Astronomicarum  fast  Alles 


214  ll'i-  Leibniz  an  den  König  (Ende  März  1711). 

durch  mich  geschehen  inüfsen.  Nun  lafse  E.  M.  ich  allergnädigst  erwegen,  ob  bey 
meinem  Alter,  da  die  wenige  Zeit,  so  ich  noch  zu  leben  habe,  mir  pretieux,  ich 
nicht  viel  zu  E.  M.  Dienst  und  Glorie  gethan  nnd  ob  ichs  nicht  fast  gratis  thue, 
da  ja  600  Thlr.  zu  meinem  jährlichen  Dedommagement  in  keine  Consideration  gegen 
meine  Zeit  kommen  kann;  stelle  auch  zu  erwegen,  ob  ich  einigen  von  E.  M.  Mi- 
nistris  darinn  zu  weichen  Ursach  habe,  indem  dasjenige,  Avas  diirch  meine  Direction 
geschieht,  ad  gloriam  immortalem  vermittelst  des  Incrementi  Scientiarum  gehet, 
welches  bey  der  Posterität  allezeit  pretios  seyn  wird,  wenn  alle  politische  Inter- 
essen dermahleins  geändert  seyn  dürfften,  inid  wird  michs  mnb  so  mehr  schmerzen, 
wenn  meine  treue  Devotion  und  wahrer  Eifer  übel  aufgenommen  werden  solte. 

Ich  kan  aber  nicht  anders  als  hoffen,  dafs  E.  M.  nach  wahrer  eingenommenen 
Beschaifenheit  die  böse  Opinion  A'on  mir  fallen  lafsen  und  mir  Justiz  thun  werden, 
und  solchem  nach  komme  zu  den  Angelegenheiten  der  von  E.  M.  fundirten  Societät 
der  Wifsenschafften.  Nun  werden  sich  E.  31.  allergnädigst  erinnern,  dafs  das  Haupt- 
absehen gewesen,  vermittelst  der  Scienzen  die  wahre  Religion  in  China  und  übrigem 
Orient  auszubreiten,  zu  dem  Ende  Leute  zu  den  mathematischen  und  physischen 
Wifsenschaiften  abzurichten,  ihnen  Instrumenta  und  anderen  Apparatum  zu  ver- 
schaffen, überdiefs  allerhand  neue  Entdeckung  zu  thun,  so  zur  menschlichen  Gesund- 
heit, Commodität,  ManufactTiren ,  Commerzien,  Bergwerken,  Bankwesen.  Schiffart 
und  sonsten  dienlich,  desgleichen  auch  die  teutsche  und  sonderlich  brandenburgische 
Histoi'i  zu  untersuchen,  wobey  viel  Dienliches  zu  erinnern,  sonderlich  aber,  E.  Mt. 
selbst  eigenem  erleuchteten  Absehen  nacli,  zu  einem  teutschen  vollständigen  Wörter- 
buch und  zumahl  Terminorum  technicorum  zu  gelangen,  Avodurch  vermittelst  Er- 
kentnifs  der  Wörter  auch  die  Erkentnifs  der  Sachen,  Künste,  Kunst-  und  Hand- 
wercke  selbst  befördert  würde,  und  lezlich  wie  zu  erhalten,  dafs  wo  nicht  jähr- 
lich, doch  alle  2  Jahr  ein  novinn  volumen  miscellaneorum  ex  actis  societatis  zum 
Vorschein  kommen  möge. 

Solche  wichtige  Vorhaben  zu  bestreiten  will  man  im  Geringsten  E.  M.  Cammer 
und  andern  Cassen  nicht  beschwerlich  seyn,  sondern  lauter  Mittel  brauchen,  so 
E.  M.  nichts  als  nachdrückliche  Ordre  kosten,  und  die  dem  Publico  nicht  allein 
nicht  beschwehrlich,  sondern  auch  fürträglich.  Hiezu  wird  zweierlei  erfordert: 
I.  dafs  E.  M.  in  Gnaden  geruhen,  Dero  gnädigste  Concessiones  nach  Dero  hohem 
Wortli  zu  mainteniren ;  vors  2.  dafs  Sie  noch  ferner  dergleichen  verwillige.  Ad  i., 
so  hat  E.  K.  M.  Obei-marschall,  nachdem  er  gesehen,  dafs  unser  Seidenwerck  zu 
reussiren  beginnet,  uns  in  das  Privilegium  ein  Loch  machen  und  das  Werck  an 
E.  M.  Cammer  widerrechtlich  ziehen  wollen,  auch  sich  an  die  Gegen -Remonstra- 
tiones  nicht  gekehret,  aber  nicht  wohl  reussiret,  weil  es  an  guther  Anstalt  gefehlet. 
Daher  wird  nun  E.  M.  verlangen,  dafs  die  Stellen,  die  er  besäen  lafsen,  uns  secun- 
dum  tenorem  ])rivilegii  zu  befserer  Cultur  angewiesen  werden. 

Nun  bin  ich  auf  eine  Invention  kommen,  deren  Mangel  verhindert,  dai's 
E.  K.  M.  Herr  A'ater  und  andere  Potentaten  bisher  mit  der  Seiden -Cultur  nicht  reus- 
siren können.  Nehmlich  sie  haben  Alles  durch  Bäume  thun  wollen,  welche  aber 
nach  vielen  Jabren  erst  in  Stand  seyn  zu  gebrauchen;  ich  aber  habe  rathsam  be- 
funden, grüne  Wände  oder  Hecken  anzulegen,  welcher  Gestalt  die  Blätter  so  fort 
im  anderen  Jahre  zu  nuzen.  Und  sind  wir  Willens,  E.  Mt.  Weingarten  bey  Berlin 
nüt  einer  lebendigen  Hecke  zu  umbzäunen,  wodurch  E.  M.  jährlich  etliche  100  Tbl. 
an  Holz  und  Arbeitslohn  so  bisher  zu  der  Verzäunung  aufgehet,  ers])aren  können. 

Ferner  so  haben  E.  INI.  Dero  Societät,  als  welche  Artes  Mathematicas  und 
Mechanicas  zu  l)esorgen  hat,  die  Einführung  und  Besorgung  dei'  rechtschaffenen 
Feuersprüzen,  dergleichen  in  E.  M.  Landen  noch  nicht  gebräuchlich,  in  Gnaden 
durch  ein  allergnädigstes  Privilegium  aufgetragen.  Man  ist  aber  bisher  durch  die 
Feuercafse   daran    gehindert    worden,    welche    der  .Societät  raisonnables  und  recht- 


115.  Leibniz  an  Printzen  (März  1711).  215 

niäfsiiies  Erbieten,  sie  hierin  zu  secundiren,  nicht  annehmen  wollen,  da  doch  die 
Sach  nicht  heiser  als  durch  die  Societät  geschehen  kan.  Nachdem  aber  solch  Ob- 
staculum  eingetreten,  kann  die  Societät  nicht  umbhin,  E.  Mt.  umb  Manutention  Dero 
allergnädigster  Concession  zu  bitten,  dergestalt  dafs  durch  eine  schrift'tl.  Resolution 
E.  Mt.  sich  erklären,  die  Societät  dabey  zu  mainteniren,  und  Ordre  geben,  dals 
Jedermann  sich  darnach  richte. 

Was  Nova  media  betrifft,  so  ist  unter  andern  dieses  in  Vorschlag  konun